BÜCHER DER PRAKTISCHEN MAGIE Magie, ihr Geheimsinn, ihre Technik und praktische Anwendung
BAND IV Gedankenstille -Mutt...
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BÜCHER DER PRAKTISCHEN MAGIE Magie, ihr Geheimsinn, ihre Technik und praktische Anwendung
BAND IV Gedankenstille -Mutter aller Magie Wie man durch neue, praktisch erprobte Wege den Verstand stillstehen heißt, von den Wundem, die sich der „absolutes Schweigen" gewordenen Seele eröffnen, von den Kräften, die sie beherrschen lernt, von der Entwicklung, der sie entgegen geht Von H. E. Douval
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Hinweis: Dies sind ältere Scanns und mit älterer OCR gemacht worden, es kann sein das si ch im Text der eine oder andere Fehler noch versteckt hat den ich in der Überarbeitung übersehen habe, tut mir dann leid aber No buddy is Perfect wenn ein zu großer Patzer drin sollte Postet es bitte im Doc Gonzo Forum und ich werde eine Korrigierte Versio n nachreichen Danke ***Detlef ****
Inhaltsverzeichnis Vorwort ................ 1. Die schöpferische Kraft ..... 1. Übung (Grundübung) ........ 2. Schrittweise Eroberung als Fundament ..... 3. Vorbedingungen des „geistigen Vakuums" .... 2. Übung (1 .Basis-Übung) ....... 4. Der geistige Mutterboden: Natur und Gesetze . . 3. Übung (II. Basis-Übung) ....... 5. Ausschaltung von Gegenkräften ....... 4. Übung (Bestimmung der Chakren) .... 6. Sicherungen gegen Störungen ........ 5. Übung (III. Basis-Übung) ....... 7. Keine Furcht vor Schäden ......... 6. Übung (Ausdehnung der »Stille") .... 8. Herr über sich ............. 7. Übung (Arbeit bei offenen Augen) . . . 9. Herr des Kosmos ............ 8. Übung (,Hilfe allen Wesen") ..... 9. Übung (Höchste geistige Entwicklung) . . 10. Übung (Forschung) ......... 11. Übung (Rat) ........... 12. Übung (Entwicklung der Seele) ..... 10. Die „Wege" und ihre „Stationen" ...... 13. Übung („Der atmende Stein") ..... 11. Das eherne Gesetz der Stille ........ 12 Schwarze und weiße Magie ....... 14. Übung (Bilden des Mantram) ..... 15. Übung (Farben-Sicherung) ...... 16. Übung (Regenbogen-Farben) ..... 17. Übung (Die individuelle Farbe) .... 18. Übung (Arbeit auf der Astralebene) . . . 19. Übung (Empfindungskörper) ..... 20. Übung (Gelenkte »Gedanken-Stille") . . . 21. Übung (Kundalini- Zentrum) ...... 22. Übung (Übergang zum „Nirwana") . . . 12. Zusammenstellung, Analyse, Auswertung .... Das geistige „Panorama" .........
Vorwort Nach Durcharbeit der ersten drei »Bücher der praktischen Magie erwartet uns nun eine gänzlich neue Phase in unserer Entwicklung, in der nach uns rufenden Arbeit. Es war doch so, daß die bisher erschienenen Ausgaben dieser Bücherreihe uns in das »magische Gebiet einführten, uns technische Einzelheiten gaben, Grundlagen und Prinzipien erläuterten, also gewissermaßen eine geistige Vorstufe zu dem nun folgenden Thema bilden. Dasselbe gilt für den größten Teil der bisher absolvierten Übungen. Das wird noch deutlicher, wenn wir uns der bisher erarbeiteten Bewußtseinszustände und der Konzentration erinnern. Diese Zustände - sie zu erringen, mag uns hin und wieder schwer gefallen sein, und manch ein Schicksal wird sich im Kampf mit Widerständen gestählt und gesteigert haben - sind Vorhof zum magischen Reich, aber nicht es selber. Mit dem vorliegenden vierten Band »Gedankenstille dringen wir in den eigentlichen Bereich der magischen Kräfte ein, wir treten aus dem Vorhof in den Palast, wir werden vom Bittsteller zum Herrn, wenn wir uns nur an den Übungsplan und seine Voraussetzungen halten, Mehr und mehr enthüllen sich uns die Geheimnisse, die bisher den Okkultismus zu einem »dunklen, unheimlichen Verlies machten. Alle Klärungen, die Mediumismus, Erfahrungen der durch narkotische Mittel hervorzurufenden Zustände, und Phänomene und Experimente der Tiefenpsychologie boten, sind herangezogen worden, dem Leser ein lückenloses, in keiner Weise getrübtes oder verwirrendes Bild der Parapsychologie aus der Sicht des modernen Menschen zu vermitteln. Für Aberglauben und Taschenspielereien ist hier kein Platz! Wenn die alten Überlieferungen, die zum Teil bis in unsere Tage spuken, den Magier inmitten seiner Zaubergerätschaften und alchimistischen Werkzeuge zeigen, mit Zauberstab, Spitzhut und wallendem Mantel, so wurden gerade durch solche Bilder die falschen Vorstellungen genährt, der Okkultist könnte durch Hilfsmittel, mit vielem »Drum und Dran" und einigen .Zaubersprüchen Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Wenn der in diesem Bilde gezeigte Magier kein .Zauberer im artistischen Sinne, also .Taschenspieler war, konnte er nur dann erfolgreich im Magischen arbeiten, wenn er sich höheren Kräften .gleichschalten konnte; das aber setzt voraus, daß ihm .höhere Bewußtseins-Zustände so .geläufig waren, also vor allem magische Konzentration und Gedankenstille, daß er sie unter allen Umständen, in jeder Lage, erzeugen konnte. Im Verlaufe der zahlreichen Übungen dieses Buches werden auch wir dahin kommen, universeller mit den genannten Kräften .umzugehen, von äußeren Umständen also unabhängiger zu werden. freilich wird der Idealfall, an jedem Ort, in jeder Situation, höhere Kräfte .beschwören zu können, nur nach besonders harter Arbeit gelingen. Wir hoffen, daß dieses Buch dazu beitragen möge, die .reine Magie wieder herzustellen, frei von den Verzerrungen, die ihr im Laufe der Jahrhunderte angehängt wurden, zurück zu der Anschauung der alten Meister, die in jeder magischen eine kultische Handlung sahen, dahinter aber die ungeheure Verantwortung, die der Ausübende trug - gegenüber sich, seiner Umwelt, seinem Schicksal, und dem Gott aller Welten. H. E. Douval. l. Die schöpferische Kraft „Himmel" und „Hölle" sind in uns Es ist oft gerätselt worden, wo wohl die „Orte der Seligen" und wo die „Tore zur Hölle" lägen. Der Himmel über uns - also der Weltenraum - mußte zu dem einen „Bestimmungsort", das Erdinnere für den anderen herhalten, obwohl doch das Nebeneinander von vollkommenstem Glück und abgrundtiefer Qual jeden Aufmerksamen belehrt, daß Himmel und Hölle
gleichermaßen in uns wie außer uns sein können und tatsächlich sind. Der Mensch kommt eben immer wieder in die Verlegenheit, seine irdischen Vorstellungen vom Raum auf außerirdische Verhältnisse zu übertragen. Hierin ist auch der Grund zu finden, daß die - vorausgesetzt wahrhaftigen - Schilderer übersinnlicher Dinge einander zu widersprechen scheinen: jeder von ihnen spricht eine „andere Zunge", jeder hat seine Art zu sehen, und seine individuelle Art, das Gesehene in unsere irdische Sprache zu übersetzen. Wer das in einer Weise tut, die am besten den geistigen Tatsachen gerecht wird und gleichzeitig der Auffassungsgabe der an geistigen Fragen interessierten Kreise entspricht, wird die höchstmögliche Zahl von „Seelen" ansprechen: seine Arbeit wird immer weitere Kreise ziehen und erst in der Unendlichkeit verebben. Die hohen und niederen Körper durchdringen einander, sind ineinander - solange sie einen Organismus bilden - verschachtelt, und trennen sich erst, sobald das organisierte Staatswesen von Zellen, das wir Körper nennen, sich auflöst. Diese Trennung der differenzierten Körper ist so streng, daß selbst ihr örtliches Nebeneinander durch alle Ewigkeiten nicht ausgeglichen werden kann, es sei denn, sie näherten sich durch ihre Entwicklung. Der höchste und der niedrigste Gedanke sind durch unüberbrückbare Abgründe voneinander getrennt, und man verwendet nicht zu Unrecht den bildhaften Vergleich von Bergesgipfel und Abgrund für sie. Trotzdem können beide, die himmlische und die teuflische Regung, Platz haben in derselben Brust. Wie die Verhältnisse im Mikrokosmos Mensch gestaltet sind, entsprechen sie sich auch im Makrokosmischen, im Universum. So gewiß alles Sein von Gott stammt, so sicher ist das Teuflische nur ein anderer, entgegengesetzter, verzerrter Aspekt des göttlichen Antlitzes, und Luzifer ist nicht umsonst ein „gefallener Engel". Wie sich im Atem des Menschen gute und schlechte, heilsame und schädliche Mikroorganismen (Bakterien) finden, sind im „Odem Gottes" (dem schöpferischen Urstoff) gute und böse keimhaft vorhanden. "Wie sollte es auch ein Gutes geben, wenn es sich nicht im gegensätzlichen Schlechten erkennen könnte, wie sollte das Edle und Reine entstehen, wenn es sich nicht am Bösen „schleifen", durch Reaktion ihm gleich werden oder sich „sondern" würde? Wollen wir geistig alle „sieben Welten" durchwandern, ist es nur notwendig, daß wir dem Geist die Möglichkeit geben, gelöst von seinem Kerker - dem irdischen Körper - seine Beobachtungen zu machen; wenn wir eine der „sieben Grundkräfte" anziehen wollen, ist es die einzige Voraussetzung, daß wir den empfangenden Boden „neutralisieren", also „leer" machen, und die entsprechende Anziehung (Vorstellung, Wunsch, Autosuggestion, Empfindung) wirken lassen. Wir sagten, daß ein guter und ein schlechter Gedanke durch Ewigkeiten voneinander getrennt sind. So sind auch hohe und niedere Kräfte durch Welten voneinander geschieden, mögen sie auch nebeneinander tätig sein. Sie mischen sich nie. So ist auch niemals ein Mensch mit „niederen Schwingungen" geeignet, gute Strahlungen anzuziehen, und satanische Wesenheiten fliehen den harmonisch klingenden Körper wie wir die Pest. Zur Angleichung müssen das »spezifische Gewicht" von Mensch und geistiger Ebene übereinstimmen. Fett schwimmt auf dem Wasser, wird sich nicht mit ihm mischen, und die Reinheit ist vom Laster durch Abgründe getrennt, bis eine durch eine furchtbare Erschütterung hervorgerufene Läuterung oder eine oft Ewigkeiten währende Reinigungsqual die ursprüngliche Unschuld des „Himmelslichts" wieder herstellt. Entsprechend der Anzahl der Welten und Körper herrschen verwandte Kräfte; das bedeutet, auf den menschlichen Körper übertragen, daß seine sieben Körper sieben Kräften entsprechen, die wiederum sieben verschiedene Bewußtseinsstadien voraussetzen.
Iliaster und Cagaster Der Magier ist also, von der okkulten Konzentration angefangen, esoterisch (von innen her, vom geistigen) in der Lage, magische Werke zu „veranlassen", zu verursachen. Je schwieriger und durchgreifender der magische Vorgang ist, um so höher muß die Kraft sein, die ihn bewirkt, um so weiter muß die Entwicklung des Magiers vorangeschritten sein: wie könnte er sonst die wirkenden Kräfte auslösen, ohne von ihnen vernichtet zu werden. Die einzelnen Phänomene und ihre Klassifizierung behandeln wir andernorts*. Hier wollen wir uns mit der hochmagischen „Gedankenstille" beschäftigen, jenem sonderbaren, geistigen Zustand, der trotz einer Verwandtschaft mit der magischen Konzentration so ganz anders geartet und begründet ist als diese. Die magische Konzentration bedient sich der Odkraft und des absolut-kosmischen Willens, um zustande zu kommen und Wirkungen zu zeitigen. Die „Gedankenstille" führt ihre Wirkung kraft des bis dahin vordringenden kosmischen Willens, der sich also mitentwickelt, auf den kosmisch-geistigen Körper zurück, so daß von dieser geistigen Ebene aus - nur das „Nirwana" steht höher - alle magischen Phänomene verursacht werden können. Daß, technisch genau genommen, jede Kraftquelle noch in Unterabteilungen (7) zerfällt (und entsprechend auch die geistigen Stadien), wollen wir unberücksichtigt lassen, um überflüssige Verwirrung zu vermeiden. Es genügt, daß von uns aus beim Aufbau des Übungsplans darauf Rücksicht genommen wurde. Eine andere „Ordnung" müssen wir uns allerdings ins Gedächtnis zurückrufen, hier von einem neuen Aspekt aus betrachten: das „Gefalle des Geistes" nämlich und seine „Zwangsumhüllungen" oder Verkleidungen. Von „Zwangsverkleidungen" können wir insofern sprechen, als gesetzmäßig der absteigende Geist (V) sich immer dichter werdender Hüllen (im materiellen Sinne) bedient, die er ebenso zwangsläufig abwirft, sobald er wieder aufsteigt (A). Wenn der Magier auf unteren Ebenen wirken will, muß er sich also des „geistigen Gefälles", des Gesetzes der „geistigen Zwangsverkleidung" bedienen, um erfolgreich arbeiten zu können. Der hochentwickelte Okkultist weiß - und der Leser von diesem Augenblick an ebenfalls -, daß die den verschiedenen Geistebenen zugehörigen „Feinstoffe" abwärts steigen müssen, während die in den Abgrund gestürzte Seele nur den Untergang oder den unaufhaltsamen Aufstieg kennt. Aus diesem Gesetz folgert, daß der magisch Schaffende stets mindestens eine Ebene über dem Gebiet Einfluß nehmen muß, auf dem sich seine Tätigkeit „offenbaren" soll, zum Beispiel: Einwirkung auf die Astralebene, um eine irdische Manifestation zu erzielen. Dem Aufmerksamen mag es auffällig erscheinen, daß vor dem Band V (Imagination), der dem Wirken auf der Astralebene entspricht, der vorliegende vierte Band herauskommt, der sich mit einer Kraft beschäftigt, die sich bis zur geistigkosmischen Ebene erstreckt. Die Erklärung ist ebenso einfach und einleuchtend wie gebieterisch-warnend zugleich. Wir wollen, ja, müssen in diesem Buch auf die tiefsten und sonst verborgensten Dinge zu sprechen kommen. Aus mehreren Gründen bedienen wir uns im folgenden der Terminologie (Bezeichnungen) des ärztlichen Magiers Paracelsus (1493 bis 1541), der - im Mittelalter! eine Auffassung von den Faktoren und Zusammenhängen der seelen-menschlichen und kosmischen Tiefen hatte, die immer wieder frappiert, wobei besonders erfreulich ist die Übereinstimmung, die wir bei allen unseren Untersuchungen und Experimenten feststellten, die das auch von Paracelsus behandelte Gebiet betreffen, das heute zum Teil in der modernen, experimentellen Psychologie wieder auftaucht, also „gesellschaftsfähig" wird. Die von den Chinesen „TAO" genannte „Urkraft", unser „Odem Gottes", der absteigend alle Formen annimmt, von der feinsten geistigen Emanation und Vibration bis zur groben Materie, wird von Paracelsus als gutes Prinzip „Iliaster" genannt, als verzerrtes, „böses" Gegenbild „Cagaster".
Durch die „Separatio" (Scheidung, Absonderung) offenbart sich die Urkraft und wird zum Chaos, das nun beiden Möglichkeiten, der teuflischen und der himmlischen, Raum gibt. Das gestaltende Prinzip hierbei, von Paracelsus „Archäus" genannt, ist der „kosmische Wille", einfach: die vorstellende, höchste magische Triebkraft, die mit Hilfe der auf den verschiedenen Ebenen verfügbaren „Stoffe" seine Zielsetzung (Verwirklichung, Offenbarung, Materialisation) durchsetzt. Bei Paracelsus sind das „große Magnum" (das große Geheimnis), also die formbereite Urkraft „Iliaster" und ihre „Offenbarung" (Separatio); der für uns entscheidende Faktor liegt in der Tatsache, daß der Urstoff nach seiner Differenzierung (Separatio) gleichermaßen dem Guten wie dem Bösen dienen kann. Wer also jetzt zurückgreift auf den Urstoff, wird entsprechend der magnetischen (anziehenden) Tätigkeit des Archäus (des gestaltenden, schöpferischen Willens) die Hölle oder den Himmel in sich schaffen, sicher aber - erfolgt nicht eine absolute Neutralisierung des Mutterbodens - einen Kampf in sich entfesseln, der viel zu gewaltig ist, als daß der ungeschulte Mensch ihn bestehen könnte. Nun hat, wie wir wissen, ein Großteil unserer Leser bereits einen großen Schritt hingetan zu der Quelle, aus der Kraft und Widerstandskraft erwachsen. Alle anderen aber seien an dieser Stelle noch einmal gewarnt. Wir nahem uns jetzt Kräfteregionen, die so stark sind, daß sie mit einem Schlage vernichten können, genau so, wie sie - im positiven Sinne - im Nu dem TAO zum Durchbruch verhelfen, wenn die Stunde gekommen ist. Nutzanwendung "Wir halten also für unsere praktische Tätigkeit fest, daß die in den vorangegangenen Bänden dringend empfohlene „Läuterung" nunmehr Gebot der Selbsterhaltung wird, ferner, daß jede gewünschte Verwirklichung auf der nächsthöheren Ebene verursacht werden muß, und daß der Okkultist sich der beiden geistigen Gesetze bedient, wonach der absteigende Geist sich mit immer dichter werdenden Körpern umkleidet, und daß der aufsteigende Geist sich dieser „Hüllen" nacheinander entledigt. Das letztere bedeutet für den praktischen Parapsychologen, daß er jeweils den Bewußtseinszustand erreichen muß („Abwerfen der fesselnden Körper"), der gleich istder Kraftebene, auf die er einwirken will. An den Schluß dieses Werkes haben wir ein „geistiges Panorama" gesetzt, das einen Überblick gibt über alle Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Körpern, Kräften und Bewußtseinsstufen, obwohl aus Raumgründen und mit Rücksicht auf die erforderliche stufenweise Unterweisung eine Gesamterläuterung der Zusammenhänge und wechselseitigen Einwirkungen erst später möglich ist. Die überwiegende Mehrzahl der Bücher, die sich mit Magie beschäftigen, geht leider auf die vorstehenden Kernpunkte geistiger Kausalität nicht ein, und aus eben diesem Grunde wurde die Meinung hervorgerufen und bekräftigt, daß Magie etwas Unfaßbares, nicht Erreichbares sei, obwohl bei gutem Willen, einer gewissen Mindestintelligenz und konsequenter Schulung (wozu das gründliche Studium der hier beschriebenen Tatsachen gehört) genau so gut wie auf dem Gebiet der experimentellen Tiefenpsychologie alle diese und noch weitere Phänomene verursacht werden können, die als „Wunder" oder „Schwindel" - je nach der Einstellung des Kritisierenden - hingestellt werden. Wir wiederholen, daß die Herbeiführung extremer Seelenzustände, die allein Anschluß finden lassen an höhere Kraftquellen, von denen aus magische Werke verursachbar sind, die erste und wichtigste Voraussetzung zur erfolgreichen okkulten Betätigung ist. Diese Zustände können, wir sagten es wiederholt, künstlich herbeigeführt werden (Hypnose, Narkotika, Medium) - dann sind sie abhängig von der Quelle - oder sie entspringen und sind Folge „natürlicher" Entwicklung (Befreiung von den „Fesseln des Geistes", dem Körper): dann ist der Ausübende Herr über sich, über alle Kräfte und Welten, kurz, der wahrhafte Magier.
Wenn wir uns bisher mit einer geistigen Vorstufe des „Vakuums der Seele" (der Konzentration nämlich) befaßten, so wenden wir uns nun dem eigentlichen magischen Reich, der magischen Kraftquelle zu, die uns alle Welten erschließt. Nun müssen wir auf die Grundsätze zurückkommen, die wir einleitend anführten: „Himmel" und „Hölle" sind in uns, leben „nebeneinander", oft ohne daß der Betreffende davon weiß. Eine gründliche „Reinigung" auch der tiefsten seelischen Schichten ist das oberste Gebot für weitere Arbeit. Wer diesem Gebot nicht Folge leistet, begibt sich in die Gefahr, den „anderen Kräften" (Cagaster) zu verfallen, und damit zum „schwarzen Magier" zu werden. Die erste Voraussetzung zur Erwerbung jener schöpferischen Kraft, die wir mit „Gedankenstille" bezeichnen, ist die völlige Neutralisation der seelischen Tiefe; dieser Prozeß setzt mehr voraus als ein moralisches „Reinsein", als selbstloses Leben und Freiheit von persönlich-egoistischen Wünschen: es erfordert eine Reinigung der Seelentiefe, damit alles, was nun „wird", auf sauberem, geläutertem Boden wächst und kein Unkraut hochschießen kann. Bevor wir mit dem systematischen Übungsplan zur Erlangung der »Kraft des Vakuums" beginnen, müssen wir uns für längere Zeit einer seelisch-geistigen Grundübung unterwerfen, die eine Harmonisierung des ganzen menschlich-geistigen und körperlichen Organismus herbeiführt: Übung l (Grundübung) a) Der universale Geist ist Liebe; ein Angleichen an ihn bringt Entwicklung der höchsten geistigen Organisation des Menschen. b) Wir versetzen uns deshalb in den Bewußtseinszustand IV* als Ausgangspunkt und stellen uns vor, daß wir in uns eine heilige Liebeskraft entwickeln, die wir auf alle Wesen, in allen sieben Welten, ausstrahlen. Diese Empfindung fassen wir zusammen in dem kurzen Satz: „Liebe allen Wesen". c) Wir können das Wort »Liebe allen Wesen" flüstern oder nur geistig sprechen, aber es muß mit der Zeit in uns „tönen", im ganzen Körper widerhallen, wobei das wichtigste die Empfindung der ausströmenden Liebe auf alle und alles ist, auch auf unsere ärgsten Feinde (die es, vom Magischen aus gesehen, gar nicht gibt). d) Diese Übung führen wir zwei- bis viermal am Tage durch, am besten morgens, bei Sonnenuntergang, um 21 Uhr; eventuell noch während der Mittagsruhe; morgens meditieren wir möglichst 30 Minuten, die anderen Male etwa eine Viertelstunde. Es ist nützlich, wenn wir diese Zeiten verlängern können. e) Wichtig ist von Anfang an beharrliche Regelmäßigkeit; die einmal gewählten Zeiten sollen unter allen Umständen eingehalten werden. Wir wollen keinen Tag überschlagen; an Tagen, an denen wir sehr beschäftigt sind, erwecken wir das Mantram wenigstens einmal in uns „zum Leben". f) Wir sagten oben, daß Bewußtseinszustand IV Ausgangspunkt der Übung ist; wir müssen von Mal zu Mal versuchen, die Tiefe der Versenkung zu steigern und - dazu - mit jedem Male diesen „tiefsten Punkt" schneller zu erreichen. g) Während wir den Satz flüstern, murmeln oder geistig „tönen" lassen und unsere ganze Liebeskraft nach außen „strahlen", stellen wir uns in unserem Körper- Innern (Brustmitte) eine Perle vor, die aus sich heraus leuchtet. Diese Leuchtkraft muß sich allmählich verstärken, erweitern, auf den Oberkörper, den ganzen Körper (ohne Kopf) ausdehnen, über die Körperperipherie hinaus in den Kosmos überströmen. h) Neben dem Festhalten des Empfindens der ausströmenden Liebe, die als erste geübt wird, ist von besonderer Wichtigkeit die Vorstellung, daß uns das den Körper durchdringende „Glühen" (Leuchten) mit den höchsten Kräften des Kosmos verbindet und alles Störende, Schädliche, Niedere zerstört und fernhält. *
Siehe Band l: »Ritus und Zeremoniell der Magie"
i) Im Verlauf der Übungszeit, deren Gesamtdauer dem einzelnen überlassen bleibt, aber lieber Monate als Wochen andauern sollte, wird der Strebende feststellen, wie sich immer mehr sein ganzes „Dichten und Trachten", also Denken, Sprechen, Wünschen, Empfinden und Handeln auf den „Geist der Liebe", auf höchste geistige Regungen und Strahlungen ausrichtet, wie seine ganze Mentalität frei wird von „niederen Schwingungen", und gerade das ist es, was unumstößlich sicher erreicht werden muß, so sicher, daß kein Zweifel daran besteht, daß Übungsziel und Übungserfolg vollkommen übereinstimmen. 2. „Schrittweise Eroberung" als Fundament Wesen und Aufgaben des irdischen Körpers Stellen wir uns einmal die Arbeit eines Forschers vor, dessen Aufgabe es ist, Flora und Fauna (Pflanzen- und Tierwelt) des Meeresbodens, der Meerestiefe zu studieren, festzuhalten und Folgerungen aus seinen Beobachtungen zu ziehen, also Erfahrungsgut zu sammeln. Nehmen wir an, er läßt, um Studienmaterial zu gewinnen, seinen Korb, mit einigen technischen Einrichtungen wohl versehen, in die Tiefsee hinab und zieht ihn, gefüllt mit pflanzlichen und tierischen Bewohnern, wieder an die Oberfläche des "Meeres zurück. Dieses Beispiel soll uns das Wesen der menschlichen Seele und ihre Aufgabe im Irdischen erklären: Dem Korb ist der Forscher das lenkende, steuernde Wesen; die Tätigkeit des Korbes beschränkt sich nur darauf, die Erfahrungen des Forschers zu mehren, ihm ständig neue Möglichkeiten hierzu zuzuführen. Der Korb selbst ist nichts, ja, nichts sind die Mittel, die er dem Forscher bietet: alles aber sind die Kenntnisse und Erlebnisse, die beide vermitteln, die Erfahrungen, die der Forscher zu seinem unverlierbaren geistigen Eigentum macht. So ist der Körper des Menschen an einem unsichtbaren Bande in die irdische Tiefe gelassen worden, ein Korb, der Kenntnisse und Erfahrungen sammelt, damit die Seele gleich dem Forscher Erfahrungen erhält. Der Korb weiß von dem Forscher genau so wenig, wie der Durchschnittsmensch von der Seele; und doch dienen beide ihrem unsichtbaren Auftraggeber und verstehen oft nicht, durch welche Schrecknisse und Schwierigkeiten, aber auch durch welche Wunder und Schönheiten sie getrieben werden („Was soll all der Jammer, die Lust. . .", singt Goethe). Die „Kraft an der Oberfläche" (in der „Höhe"), der Forscher oder die Seele, allein weiß, zu welchem Zweck der Körper tätig ist, ein Körper, der - wenn er seine Aufgaben nicht mehr erfüllt, verbraucht oder sonst für das Ziel verdorben ist - nach Belieben des Steuernden ausgewechselt wird, um auf jeden Fall das gesteckte Ziel zu erreichen: Mehrung des Wissens, Lösung vom tiefen Meere des Irdischen, vom Materiellen. Das erste notwendige (geistige Grund-) Erlebnis ist, daß der irdische Körper anerkennt, daß die Entwicklung der höheren Körper seine Aufgabe ist, der er sich bedingungslos unterzuordnen hat. Von hier aus erst ist eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Körper und Seele möglich, zur Befreiung von allen Schlacken des Materiellen, die Hinwendung zum Ausgangspunkt, der in demselben Maße entgegenkommt, wie ihm zugestrebt wird, weil der Kosmos keine andere Zielsetzung kennt, als seine beiden Grundgesetze von Involution (Verschleierung) und Evolution (Befreiung) zu verwirklichen. Vor dem Aufbruch steht der klare Entschluß Wie der seelische Teil des Menschen eingefügt ist in das kosmisch-geistige Geschehen, so ist der materielle Körper Bestandteil der irdischen Materie. Und wie nach menschlicher Auffassung ewig das Gesetz herrscht von Abstieg und Aufstieg der Seele, so trennen sich täglich neu kosmische und menschliche Bestandteile zu Iliaster und Cagaster, denn der kosmische Wille, Bestandteil des kosmischen Bewußtseins, ist unablässig tätig, nach der einen oder anderen Seite hin. Erhält er jedoch einen entscheidenden Anstoß, wie durch den folgenschweren Entschluß, die Priorität (Vorherrschaft) des Geistes ein- für
allemal anzuerkennen, dann schlägt er sich mit seiner ganzen Kraft auf die Seite des Lichts und zieht die ihm unterstellten Teile auf eine ganz bestimmte Weise nach sich. Der irdische Mensch ist also eingefügt in die materielle Kraft des Kosmos, die in einer unfaßbaren Symphonie zwischen den Himmelsräumen und Sonnensystemen, zwischen den von ihnen kommenden Strahlungen und den auf sie ansprechenden menschlichen „Empfangsgeräten" erklingt. Dieses Empfangsgerät beim Menschen ist der Astralleib genannte „Empfindungskörper", seine empfindliche „Membrane" das - Sonnengeflecht genannte - Nervenzentrum in der Nabelgegend. Man kann, verallgemeinert, sagen, daß die kosmisch-materiellen Energien von dem Sonnengeflecht aufgenommen, dem Astralkörper durch Nervensystem und Odkörper vermittelt, in weiterer Wirkung dem menschlichirdischen Körper übertragen werden. Je niederer, materieller die Natur des Menschen, je unentwickelter seine seelische Struktur, vor allem sein absoluter "Wille, desto stärker die Wirkung der Gestirnsinfluenzen niederer Art auf den Menschen, desto geringere Verarbeitung höherer Schwingungen. Je vergeistigter demnach der Mensch ist, je ausgeprägter sein -absoluter Wille, desto geringer sind die emotionellen (gefühlsmäßigen, begierdenhaften) astralen Einflüsse auf den Organismus, desto größer wird - sich langsam steigernd - die Herrschaft des menschlichkosmischen Geistes auf die ihnen gemäßen Kräfte des Kosmos, also seine magische Kraft. So sind, um dieses Bild zu enden, die astralen, kosmischen, „materiellen" Wirkungen zum größten Teil gefühlsmäßig-niederer Natur.. Ein unentwickelter Mensch kann regelrecht von kosmischen Einflüssen hin- und hergeschüttelt werden, daß ihm „Hören und Sehen" vergeht. Auch die großen Schicksalslinien des Menschen - das Geschick des „primitiven" Menschen ist ja ein Gehorchen der Triebwelt, Aufbegehren gegen die Folgen von Genuß und Egoismus und dadurch Schaffung weiterer Komplikationen - werden durch die kosmischen Kräfte vorgezeichnet, wiederum im Sinne unserer Definition, daß also der niedere Mensch dem stürmischen Auf und Ab wie in einem aufgewühlten Meer hilflos ausgeliefert ist, während der geistige Mensch nur ein „anpassendes" Mitgehen fühlt, ja, in seiner höheren Entwicklungsform Gewalt über sich und die höheren Körper - und damit über die kosmischen Kräfte - gewinnt, so daß die an ihn herangetragenen Wellen ihn nur noch erreichen und beeinflussen, wenn er es will; ja, daß er, wenn er geneigt ist oder es seiner Zielsetzung entspricht, die Schwingungen seines höheren Organismus auf die kosmischen Kraftquellen überträgt und somit selber Bestimmender, Herrschender wird. Die „Strahlungen" von oben (des Kosmos) oder unten (der menschlichen Seele) und die der Tiefe (niedere Geisterwelt) können durch die Kraft des Magiers, eines Experimentators oder von Medien „personifiziert" werden, und wir wandern in dieser Sicht buchstäblich in einer Umwelt und mit einer Innenwelt von Engeln und Dämonen. Im allgemeinen wirken sich diese Wesenheiten in der geschilderten Form aus: bei „guter" Konstellation versuchen harmonische, freundliche, helfende (Strahlungen) „Engel" ihren Einfluß geltend zu machen; bei schädlicher Konstellation aber können - das weiß wohl jeder aus eigener Erfahrung - die Geister der Hölle los sein und uns von einem Unglück ins andere hetzen, uns förmlich erschrecken machen vor der Allgewalt der verderblichen, von „außen" kommenden Dinge und Tendenzen*. Finden die materiellen, also die unseren Absichten entgegengesetzten, niederen kosmischen Einflüsse keine „Entsprechung" mehr in uns, verlieren sie ihren Einfluß und „schwingen ab". Nun gibt es wohl unter unseren Lesern niemanden mehr, der nicht von der Wichtigkeit der „schrittweisen Läuterung" einerseits und der „gradweisen Angleichung" andererseits überzeugt wäre. Die schrittweise Angleichung aber bedingt stufenweise Entwicklung der höheren Körper und der ihnen gemäßen Kräfte. Die Kraft der Harmonie *
Nähere« über .Magie und Astrologie" in Band 8.
Harmonie ist der stets ausgeglichene Rhythmus des Kosmos, das Schwingen der „Weltseele". Sie kann sich erst entwickeln, wenn Disharmonie aufhört. Da uns im letzten aber nicht nur um Harmonie, sondern um Wissen und machtvolles Handeln zu tun ist, ist die „Bereitung des Mutterbodens" um so unumgänglicher nötig: "Wissen und Wahrheit können sich erst da einstellen, wo die Täuschung aufhört, das irdische „Maya" (Schein) nicht mehr hemmt. Ein praktisches Beispiel zeigt uns klar, was unter Täuschung und Hemmung zu verstehen ist. Ein Medium hat nach vorbereitender gründlicher Schulung die Fähigkeit erlangt, den Empfindungskörper vom irdischen Körper zu trennen, ihn in Trance zurückzulassen, nach den Weisungen des Experimentierenden mit dem seelischen Teil seines Organismus zu arbeiten. Obwohl der Experimentierende den Entwicklungsstand des Mediums kennt, versucht er, Phänomene zu bewirken auf einer Ebene über der „Astralebene". Es gelingt ihm nicht. Im Gegenteil treten plötzlich Störungen auf, die darauf schließen lassen, daß astrale Strömungen wirksam werden, selbständig werden und handeln. Kurz entschlossen muß der wiederholte Versuch abgebrochen werden. ~ Das Medium war niederen materiellen Einflüssen zugänglich und somit allen Einflüssen und Schädigungen, die mit der emotionellen (astralen) Sphäre zusammenhängen. Jede Fortsetzung des Versuchs war für das Medium und die Teilnehmer der Sitzung gefährlich. Eine Fortsetzung der Versuche versprach erst dann Erfolg, wenn das Medium bestimmte niedere Schwingungen durch systematische Schulung ausschaltete. Wie das Medium kann auch der aktiv im Magischen operierende nur in der Sphäre seine Herrschaft ausüben, die er beherrscht. Solange niedere, unbeherrschte Begierden vorhanden sind, ist jedes Experiment auf der Astralebene mehr gefährlich als erfolgversprechend. Es ist in jedem Fall besser, die Finger von solchen Experimenten zu lassen und erst ein sicheres Fundament zu schaffen. 3. Vorbedingungen des geistigen Vakuums Obwohl es technisch möglich ist, auf der Basis der Konzentrationsübungen in das Gebiet der „Stille" vorzudringen, wird dieser Weg doch nicht gutgeheißen. Zwischen beiden Kräften besteht der grundlegende Unterschied verschiedenartiger Kraftfelder (Konzentration: Lebenskörper; Stille: kosmische Geistkörper). Wollte man die „Konzentrationslinie" weiterverfolgen, besteht auch die Gefahr des Scheiterns oder unzureichenden Gelingens beides gleich tragisch. An Hand der folgenden Übungen wird der Leser nicht nur den Unterschied der beiden Übungsreihen bemerken, sondern auch Veränderungen, die in seinem geistigen Organismus vor sich gehen und ihn gegenüber seinem vorherigen Zustand grundlegend verändern. - Bevor wir an die Basisübungen gehen, von der aus die Eroberung des unbekannten Gebiets vorgenommen wird, wollen wir uns eingehend über Wesen und Kennzeichen der Gedankenleere unterhalten, wohlverstanden nicht von einem Hirn ohne Gedanken, sondern von einer magischen Ausschaltung der irdischen Hirn- und Empfindungstätigkeit überhaupt: a) Die Odkraft ist nicht ausreichend, die schöpferische Leere zu gestalten, die das Wesen der Stille ausmacht. b) Der kosmische Wille, der seine zu erschließende Quelle im kosmisch-geistigen Körper hat, entwickelt allein mit ihr die für Gedankenstille erforderliche Kraft. c) Der kosmisch-absolute Wille ist - im Gegensatz zu menschlich-irdischer Willenskraft - das Produkt der im vorhergehenden Band aufgezeigten Übungen und die automatische Folge der Beherrschung der Materie. d) Erst die vorgenannte Grundübung, die folgende „Basisübung" und die darauffolgende Übungsreihe dieses Buches entwickelt den absoluten Willen derart, daß ohne Verkrampfung, ohne Schädigung die gesteckten Ziele erreich» "werden können. e) Würde ein strömender Wasserfall plötzlich im Fall- etwa urplötzlich vereist - erstarren, so entspricht dieses Bild dem »Anhalten des Gedankenstromes", das wir erreichen wollen.
f) „Stille" richtet sich nicht auf ein Objekt innerer oder äußerer Anschauung, sondern ist auf „Nichts" gerichtet. g) Gedankenstille wird anfangs nur unter geistiger Anstrengung, später „automatisch" erreicht. h) Sie soll anfangs nur wenige Sekunden, diese aber vollkommen, vorherrschen. i) Mehrere Wochen wird versucht, die Ausschaltung des Äußeren (Irdischen) und die Einstellung auf das Nichts, die genannte kurze Zeit, vollendet zu erreichen. k) Erst danach gehen wir dazu über, langsam die Zeit der " „Stille" zu verlängern. l) Bei jedem Übenden wirkt Gedankenstille anders, individuell. m) Die Außenwelt wird völlig ausgeschaltet; ebenso der irdische Körper (Herzschlag usw.) nicht mehr „registriert", bis ein sonderbares Gefühl des „Losgelöstseins", oft nach einer ganzen Reihe vergeblicher Versuche, eintritt, vielen erschreckend und plötzlich. Man fürchtet das „Stürzen" und scheut zurück. Doch der Übende muß diesen Abgrund überwinden. n) Der Weg ist richtig, wenn die Versuche Wohlbefinden auslösen, falsch, wo das Gegenteil auftritt. o) Bei einigen Übenden wurde beobachtet, daß ihr »geistiges Auge" wie in eine „Röhre" sah und eindrang, drinnen, im Dunkel, still verharrte. Andere erfahren die „Stille" nur als Dunkelheit, viele als Dahingleiten im Nichts, andere fallen in einen bodenlosen Abgrund, einige verharren wie auf einer Brücke, die das Nichts mit dem Sein verbindet. p) Passivität, Mediumismus oder Autohypnose sind streng zu meiden. Stille ist das Gegenteil dieser Zustände: ein ruhiger, starker, aktiver Zustand des (höheren) Geistes, der an der Schwelle eines Wunderreiches steht. Während durch die im bisherigen Teil der Buchreihe geschilderten Übungen der absolute Wille derart entwickelt wird, daß er von außen nach innen wirkt, also immer tiefere Schichten des Bewußtseins erreicht, wirkt bei der Stille die gleiche Kraft umgekehrt, von innen nach außen: der menschlich-geistigen Regung kommt stets eine kosmisch-geistige Bewegung entgegen. Das Zusammentreffen der beiden Kraftpole - dies ist oft ein kurzer, aber immer erschütternder Moment - bringt den Durchbruch des TAO und damit die Fähigkeit zur beherrschten und vollendeten Gedankenkraft. Wir sagten schon andernorts, daß die Beherrschung grobmaterieller Wünsche erleichtert wird durch Kontrolle der Atemkraft und damit des Od-(Lebens-)Körpers. Das Öd ist ein Gleis, das zu den ersten Regungen des absoluten Willens führt, schließlich sein Wachstum beschleunigt und das Zusammentreffen mit den von innen nach außen drängenden Kräften vermittelt. Insofern ist Öd die Initialzündung, die im vorhergehenden Teil der Buchreihe immer wieder gelehrt wurde. Führen im allgemeinen die Übungen zur „magischen" Konzentration nicht direkt zur Gedankenstille, so sind sie doch das erste Training des geistig-seelischen Körpers, Kräfte zu entwickeln, die für die Herbeiführung der Gedankenstille notwendig sind. Es ist deshalb nicht möglich, diese Konzentrationsübungen zu überspringen. Bei der „Konzentration" haben wir schon gelernt, alle unerwünschten Gedanken auszuschalten und unsere Aufmerksamkeit nur auf das Objekt der Konzentration zu richten, Jetzt aber müssen wir lernen, jeden Gedanken, jede Vorstellung, jede Eingebung, jede Störung von der Wurzel her abzuweisen und uns beispielsweise auf einen nicht vorhandenen schwarzen Punkt einzustellen, die Dunkelheit dieses Punktes zu erweitern, auf das ganze Innere auszudehnen, „über das ganze Weltall hinweg", und in diesem Zustand solange wie möglich zu verharren, ungeachtet der Sensationen (Empfindungen, Erlebnisse), die etwa an uns herantreten. Dem „Gesetz der Übung" folgend, gewöhnt sich der geistigseelische Körper an die Übungen, wenn sie nur - getragen von dem Antrieb des absoluten, nicht des irdischen "Willens unablässig durchgeführt werden, zu festgelegten Zeiten stattfinden, durch keinen Umstand
aufgehalten, und, vor allem, niemals unterbrochen werden. Von einigen Seiten hören wir den Einwand: „Ich bin zu bedauern, ich möchte wohl üben, aber ich habe keine Zeit, keine Ruhe, keinen Raum dazu." Darauf ist zu sagen, daß noch jeder Wille einen Weg gefunden hat, und daß - wie Geduld dann geübt werden sollte, wenn sie am schwierigsten aufzubringen ist - auch zu okkulten Übungen meistens dann in uns der „Auftrag" gegeben wird, wenn besondere Schwierigkeiten ihnen entgegenstehen. Hier gewinnen sie ihren Wert, ihre karmische (vorbestimmte) Bedeutung. In angenehmen Zeiten denken die wenigsten an geistige Entwicklung, und in „schlechteren" soll sie uns ja helfen, Halt und Ansporn sein - abgesehen davon, daß die Schicksalsstunde zu unvorstellbarem Aufstieg ja auch für immer ungenutzt vorübergehen kann. Jede stärkere, irdische Erschütterung, also Ärger, Erregungen, Zorn, Vergnügungen, schneiden oft den gesponnenen Faden ab und zwingen zum erneuten Aufstieg. Deshalb ist es ratsam, wenigstens in der ersten Zeit dieser Übungen sehr zurückgezogen und beherrscht zu leben. Es wird immer wieder berichtet, daß mancher das okkulte Studium aufgab, nicht weil er keine Erfolge hatte, sondern weil die anfänglichen Erfolge durch Rückfall in alte - oder neue - Schwächen ausgelöscht wurden, und Mut und Kraft zum neuen Anfang - der freilich mit jedem Rückfall schwerer wird - fehlten. Viele verscherzten so die große, nicht wiederkehrende Chance ihres kosmischen Lebens und blieben Staub, unentwickelte Seele, die von einer Reinkarnation zur anderen, von sich nichts wissend, „verdämmert". Also: innere Ruhe und Harmonie fördern die Übungen, aber Disharmonie stört sie ungemein, ja, macht sie oft unmöglich. ,. Sobald eine gewisse Anlaufzeit vorüber ist und die Übungen sicherer werden, stellen sich früher oder später die ersten Erfolge ein. Mit der Erreichung des absoluten Vakuums - und dauerte es nur eine Sekunde lang - hat sich der Übende mit der kosmischen Kraftquelle in Verbindung gesetzt und eine Verbindung geschaffen, die oft nicht mehr vernachlässigt, sondern ständig verstärkt wird. Ein größerer Triumph ist schlecht vorstellbar. Die Hauptstationen der Gedankenstille, „der Weg und seine Zeichen", sind überall, zu allen Zeiten, bei jedem Menschen gleich, aber die individuellen Unterschiede während des Vorwärtsstrebens sind sehr unterschiedlich und bei jedem Menschen anders. Das ist auch gar nicht anders möglich. Die „Stille" stößt zu den Tiefen der Persönlichkeit, der unsterblichen Seele, vor, und im Universum gibt es auch nicht zwei Seelen, die einander gleichen. Wie könnten ihre Reaktionen und Erlebnisse gleich sein? Wie bei vielen okkulten Übungen, wird auch bei der Durchführung der Übungen zur Gedankenstarre empfohlen, einen Wecker zu stellen, der spätestens eine Stunde nach Beginn der Übung „zurückruft". Freilich soll sein Ton nicht schrill sein, sondern - etwa durch ein Kissen - gedämpft, um Schockwirkungen zu vermeiden. Wir haben bereits erwähnt, daß jeder Zustand der Passivität vermieden werden muß, auch Müdigkeit ist durchaus unangebracht. Meist begegnet dem Übenden bei der Übung das Gefühl: so ist das geistige Vakuum beschaffen! Von diesem - fast stets richtigen - Eindruck bis zum bewußten, beherrschten Anhalten der Gedanken ist dann nur noch ein verhältnismäßig kleiner Schritt, denn Wissen und Erfahren sind nun einmal ein überzeugenderer Lehrmeister als alle Bücher. Übung 2(1. Basisübung) a) Der Leser versetze sich in einen Zustand, der ihm erfahrungsgemäß die stärkste Lösung vom Irdischen und die größte Versenkungstiefe gestattet. b) In diesem Zustand (siehe auch Bewußtseinszustand IV*) lasse er - wie auf einem dunklen Bande - folgende Zeichen, leuchtend auf dunklem Grunde, an seinem geistigen Auge vorüberziehen: l, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0, 0, 0, 0, 0, 0 (also nacheinander die Zahlen eins bis neun, dann sechs mal „null"). Dieses Stadium wird einige Tage beibehalten und mindestens
morgens und abends je 15 bis höchstens 30 Minuten geübt. c) In diesem weiteren Stadium der l. Basisübung geschieht alles genau so, wie unter b) beschrieben, nur mit dem Unterschied, daß nur noch dreimal „null" erscheint, jede Null aber die doppelte Zeit an Aufmerksamkeit auf sich zieht, wie die vorhergehenden Zahlen l bis 9. Wenn also z. B. bei jedem Herzschlage eine neue Zahl „auftauchte", beansprucht nun jede der drei Nullen zwei Herzschläge an Zeit und Konzentration. Auch diese Stufe wird einige Tage lang geübt. d) Nun gehen wir dazu über, nach der „Null" einen „leeren dunklen Fleck" zwischenzuschalten (das dunkle Band, das an uns vorüberzieht, ist also an dieser Stelle „leer", verschmilzt mit dem Dunkel um uns). Unser Schema sieht jetzt so aus: l bis 9 (je einen Herzschlag lang), dreimal „null" (je zwei Herzschläge lang), Leere (auch zwei Herzschläge lang); danach setzen wieder die Zahlen l bis 9 ein usf. e) Die Intensität unserer „Lösung", unserer Konzentration auf die „Zeichen", und „Nichtzeichen" (Leere) muß sich langsam steigern. Notfalls sind die Übungen mehrmals am Tage vorzunehmen, Unrast, Hast und Nervosität sind aber wie Gift zu meiden. Nun gehen wir dazu über, alle Zeichen (l bis 9, dreimal null, Leere) erst zwei, dann je drei Herzschläge lang zu betrachten und nichts anderes in und außer der Welt wahrzunehmen. f) Nach einigen weiteren Tagen - wenn wir merken, daß unsere Sicherheit gewachsen ist verändert sich unser Übungsschema erneut: l bis 9 (je drei Takte), dreimal null (vier und mehr Takte, langsam ansteigend), Leere (vier und mehr Takte, mit der Null ansteigend). g) Nach wiederum einigen Tagen lassen wir die Zahlen l bis 9 völlig fort und richten unsere Aufmerksamkeit nur noch auf dreimal null und Leere, langsam ansteigend: je sechs und mehr Takte. h) Von nun ab bleiben uns nur noch einmal null und Leere, beide werden so lange wie möglich betrachtet. Ist es uns gelungen, die Null zehn Takte lang unentwegt, ohne abzuschweifen, ohne Schwächung der Aufmerksamkeit, zu betrachten, und ebenso lange die Leere zu sehen (oder nichts zu sehen), gehen wir über zu i) und schalten nach einigen Betrachtungen nach dem gelehrten Schema plötzlich die „Null" ganz aus, so daß nur noch die „Leere" bleibt. Wem das unbeschreibliche Gefühl der „Stille" in diesem letzten Abschnitt der l. Basisübung nicht gekommen ist - er spürt es sicher, es kommt gleitend oder urplötzlich, aber stets unverkennbar -, der gehe die ganze Übungsreihe noch einmal evtl. mehrmals durch. Die vorstehend geschilderte Methode wird in bestimmten Geheimschulen als eines der besten Mittel angesehen, nach üblicher Vorbereitung in das Wesen der „Leere" einzudringen, sich als bleibenden Besitz anzuerziehen. 4. Der geistige Mutterboden: Natur und Gesetze Nach Paracelsus sind „Iliaster" und „Separatio", also die Offenbarung der Urkraft durch das gestaltende Prinzip (Archäus, auch das „Wort", der „Logos") das „große Magnum", das große Geheimnis, dem Ungezählte vor dem großen Arzt nachspürten und Unzählige nach ihm. Der geschulte Magier spricht auch oft von der „Imagination"*, von der „gesteuerten Einbildungskraft", aber auch Paracelsus verschweigt - damals wohl zu verstehen -, daß das große Geheimnis die entwickelte menschliche Seelenkraft ist, die allein mit dem großen „Magnum" und der Imagination arbeiten kann. Von vielen der großen Magier wird bei anderen Menschen eine Kraft vorausgesetzt, die sie kraft Geburt und gesetzmäßiger - vorbestimmter, karmischer - Entwicklung besaßen, über die aber der Mensch heute weniger denn je verfügt, weil sie mit der Trennung von der Natur immer mehr zurückweicht, nämlich jene geistige Kraft, Herr zu sein der Materie, ihr zu gebieten und damit eine Basis zu besitzen zur Eroberung auch der anderen Welten. Was den alten Magiern fast selbstverständlich war, ist uns das größte Wunder, der fehlende Schlüssel, ihre Sprache und Lehre zu verstehen, die verkündeten Gesetze zu ergründen, ihre Weisungen zu befolgen. Gewiß fand manch anderer „zufällig" diesen „Schlüssel Salomos", er wird sich
aber wohl gehütet haben, ihn anderen zu „verraten". Das Grundgeheimnis wurde jedenfalls zu allen Zeiten streng gehütet und niemals offen ausgesprochen. Ja, noch vor wenigen Jahren bedeutete es Zwangseinweisung in ein Sträflingslager, aus dem allgemein nur der Tod hinausführte. Die menschliche Seele in ihrer „Neutralität" und in jenem Zustand, den wir mit „Gedankenstille" bezeichnen, gleicht der Schöpfung vor ihrer „Offenbarung". So gewiß das Universum eine „Vorstellung" des Geistes ist, \ so sicher ist die entwickelte menschliche Seele fähig, jede durch den absoluten Willen gesteuerte Vornähme im Zustand der „Gedankenstarre" zu verwirklichen, jede beliebige geistige Kraft anzuziehen und in Bewegung zu setzen, selber jede Art Tätigkeit auszuüben. Im Zustand der „Stille" vereinigen sich also in idealer Weise die Fähigkeiten und Voraussetzungen, die ebensogut sogenannte „spirituelle" wie „psychische" Phänomene bewirken können. Der seelische Urzustand, den wir durch absolute Stille in uns erzeugen, ist ein geistiges Vakuum (luftleerer Raum, der auf die Umgebung gleich einem starken Magneten wirkt), das genau gemäß der Zielsetzung den „Urstoff" zur Verwirklichung, Formung oder Materialisation anzieht, der mit der betreffenden Kraftebene übereinstimmt. Der Geist kennt weder Gutes noch Böses, Störendes oder Angenehmes; er darf nicht Partei nehmen, will er seine Objektivität, seine Entwicklung nicht gefährden. Im letzten, höchsten Grunde ist Geist unbeeinflußte, unbeeinflußbare Harmonie, weshalb zum Beispiel der Buddhismus auf dem „Umweg über die kosmische Liebe" die völlige Gleichgültigkeit als höchste Steigerung lehrt. Der Geist übt seine Herrschaft aus, die genannte Art Harmonie unter allen Umständen zu erhalten oder sie, wenn gestört, wieder herzustellen. Wird das Tagesbewußtsein des Menschen mit dem absoluten Willen an seiner Wurzel durch das seelische Vakuum verbunden, bricht TAO durch, und der Geist befindet sich im Zustand eines neugeborenen Kindes: er kennt die Welten nicht, nicht die Schrecken und Schönheiten, die auf ihn warten; er kennt nicht die Bewohner der sieben Welten, nicht ihre An, sich kundzutun oder zu wirken. Was ist selbstverständlicher, als daß er alles Unbekannte kennenlernt? Um dieses Problem geht es bei der einsetzenden Wirkung gelungener Übungen. Das Neuland muß betreten werden, aber es wimmelt von „wilden Tieren", Fallstricken, Gefahren, Verlockungen, Schrecken. Dabei ist nur die geschilderte Haltung möglich: absolute Neutralität, weder Ablehnung noch Annahme, weder Liebe noch Haß: gleichgültiges, unbeteiligtes Kenntnisnehmen ist die richtige Einstellung, bei ihrem Verlust aber nicht Furcht oder gar Zorn und Haß, sondern Liebe. Gefahr droht vor allem von den Kräften, die die Astralwelt (Gefühlswelt: kann sich jemand die personifizierten Empfindungen des Durchschnittsmenschen vorstellen? Getrennt von seinen höheren Empfindungen, die andere Ebenen beleben?) bevölkern*, aber Gelassenheit, Mut, Unerschrockenheit, ein festes weltanschauliches Fundament und nicht zuletzt langsame Gewöhnung an all das Fremdartige sind die Garantie dafür, daß die Drohungen schwinden, von denen am gefährlichsten die sind, die im Geistigen den Trieb ansprechen, von dem man sich vielleicht gerade - und mit welcher Mühe! - befreit hat. Da die irdische Welt ausgeschaltet ist und die „Urlicht-Welt" einer späteren Entwicklungsstufe vorbehalten ist, sind es die fünf dazwischen liegenden Ebenen, die der „stille" gewordenen Seele begegnen. Von den über der Astralebene gelegenen Planen geht jedoch, sobald erst einmal die Triebwelt durchmessen ist, in überwältigendem Maße Segen aus. Wird die Seele ständig der Stählung durch die Kräfte der Stille unterworfen, entwickelt sie sich in ungeahnter Weise. Die „Berührungspunkte" zwischen dem Nervensystem des irdischen Körpers und den
„Schaltstationen" des Lebens- und Astralkörpers sind die Chakren*, die vom Scheitelpunkt bis zu den Füßen reichen und durch die „Stille" in Schwingung und Reifung versetzt werden. Auf diese Weise gelingt es, nach einer Zeit, die von der Reife des Übenden bestimmt wird, das die höheren Körper tragende Gerüst der Chakren (die rotierende Kraftzentren sind) soweit zu entwickeln, daß eben diese Körper verselbständigt und damit fähig werden, nach dem absoluten Willen des Geistes tätig zu sein. Aus der vorstehenden Erläuterung wird klar, warum der Schilderung der Imagination (und der ihr kongenialen Astralwelt) die vorliegende Arbeit vorangehen mußte: die Läuterung und Beherrschung der materiellen Sinne ist die Voraussetzung zur ungefährdeten Arbeit im Astralreich. Dritte Übung (2. Basisübung) Die folgende Übung soll für den Fall an Stelle der ersten Basisübung oder im Wechsel mit ihr durchgenommen werden, wenn der Übende erkennt, daß ihm die jetzt folgende Übung mehr zusagt oder besser seiner Entwicklung und Einstellung entspricht. Beide Basisübungen verfolgen wohl das gleiche Prinzip, aber die zweite Basisübung dehnt die Konzentration (die Vorstufe zur „Stille") länger aus und verkürzt die Anfangszeiten des „Leerlaufens", so daß hier praktisch eine weitere Kräftigung des kosmischen Willens erfolgt und geringere geistige Anfangskräfte eingesetzt werden müssen. a) Wir versetzen uns in Bewußtseinszustand IV und stellen uns nun in derselben Weise, wie in der ersten Basisübung beschrieben, die Buchstaben des Alphabets vor, also A, B, C, D, E usw. bis Z. b) Wir nehmen wegen der einprägsameren Form stets große Buchstaben. Nach dem Alphabet folgt zehnmal eine „Null" (oder „O"); Buchstaben und Null in gleicher Dauer, also je einen Takt oder Herzschlag. c) Im Anschluß an zehnmal „Null" setzen wir einmal - einen Takt lang - die Vorstellung „Leere", also auf dem „laufenden" dunklen Band „nichts". d) Je nach unseren Portschritten - in der in der ersten Basisübung gezeigten Weise - verkürzen wir zunächst die Anzahl der „Nullen" und erhöhen entsprechend die Zahl der Takte je Null: bei 5 Nullen (fünfmal Null nach-, nicht miteinander), also je zwei Takte. e) Danach - immer nach etwa 8 Tagen - verlängern wir auch die Betrachtungsdauer der Buchstaben auf je 2 Takte f) und lassen die Leere nun zwei- bis dreimal mit je 2 Takten folgen. g) Nacheinander folgen nun - die Schnelligkeit des "Wechsels wird durch Sicherheit und Fortschritt bestimmt Verlängerung der Zeiten für Buchstaben, Nullen und Leere (Vermehrung der Takte auf 5-6); Fortfall der Buchstaben; Fortfall der Nullen; alleiniges Verbleiben der Leere, die nun so lange wie möglich beibehalten wird. h) Wenn das Empfinden eintritt, das wir bereits beschrieben haben, wenn das Dunkel sich völlig um uns breitet, so daß wir förmlich inmitten eines unendlichen Raumes zu schweben scheinen, nichts mehr wahrnehmbar ist: dann "ist das Ziel der Übung erreicht. i) Im anderen Falle heißt es: die Übungsreihe gelassen erneut vornehmen, evtl. die Vorarbeit verlängern. 5. Ausschaltung von Gegenkräften Die gestaltende Kraft, der „Archäus" des Paracelsus, unser „absoluter Wille", ist im rechten Bewußtseinszustand nicht nur zeugender, sondern auch zerstörender Art; er ruft also nicht nur die „Feinstoffe" der betreffenden Ebene zur Verwirklichung seiner Vorstellungen zusammen, sondern kann ebensogut etwa in die Sphäre des Übenden eindringende geistige "Wesenheiten vernichten; die freiwerdenden „Stoffe" kehren dann in ihre „Heimat" zurück: die Ebene, der sie entstammen. *
Näheres hierüber bringen Band 10/11: .Magische Phänomene* und .Sieben Welten*.
Schon die Konzentration schafft ein Schwingungsfeld, das sowohl anzieht als auch abstößt; vervielfacht aber ist die Kraft des geistigen Vakuums, die der gestaltende absolute "Wille nach seiner schöpferischen Vorstellung einsetzt. Die „geistige Leere" ist für jene Kräfte, die ihr feindlich sind, eine verderbliche Macht; ihre Schwingungsrate wird noch erhöht, wenn der Impuls „Liebe allen Wesen" gegeben wird. Liebe der höchsten kosmischen Kraft zerstört alle Disharmonie, die sich nicht einfügen will. Es wird immer wieder die Frage gestellt, wie es zu so gewaltigen "Wirkungen im „geistigen Vakuum" kommen kann. Um die „Vorstellungen" des Lesers zu vervollkommnen, ist es notwendig, dieses Gebiet gründlich durchzuarbeiten. A. Schwingungen Hier muß ein häufig gebrauchter Vergleich herangezogen werden, der trotz der Abgegriffenheit an seinem Symbolwert nichts eingebüßt hat: "Wir meinen den Stein, der ins Meer fällt, "Wellenkreise erzeugt, die - theoretisch - nirgends oder im Unendlichen enden. "Wenn man den Vergleich erweitern will, könnte man sagen, daß den „"Wasserkreisen" parallel laufende „Luftkreise" und gleichzeitige - von Fischen sehr deutlich wahrnehmbare „Vibrationskreise" unter der Oberfläche entsprechen. In genau der gleichen Weise, wie der ins Wasser fallende Stein, wirkt die Konzentration, besonders aber das Vakuum. Die Schwingungen des Körpers werden durch den Prozeß der „Stille" harmonisiert, einheitlich ausgerichtet; alle Teile des Leibes schwingen im gleichen Rhythmus; zugleich wird aber eine andere „Wellenlänge" eingeschaltet, das heißt, die Körperschwingungen werden feiner, schneller, ätherischer. Wie bei dem durch die Luft ins Wasser fallenden Stein beschränkt sich die Wirkung der „Starre" aber nicht auf eine Dimension, einen Zustand. Bei der „Stille" werden - von Tag zu Tag weitergreifend - außer dem leiblichen Körper auch die höheren Körper nach und nach ergriffen und harmonisiert. Da „Leere" ein hoher, magischer Vorgang ist und magische Tätigkeit ohne Wirkung vom Mikrokosmischen auf das Makrokosmische undenkbar ist, erfolgt nun die Weitergabe der Schwingungen des menschlichen Gesamtorganismus an die gleichen kosmischen Ebenen, und zwar je nach der Intensität und Dauer der „Leere" über die irdische Welt an die odische und astrale Stufe, und - bei darüber hinausgehender Dauer und vollkommener Durchführung auch an höhere Strahlungsebenen. Es ist selbstverständlich, daß sich die Qualität der „Leere" mit fortschreitender Übung steigert und eines Tages die ihr gleiche „Wurzel" - den kosmisch-geistigen Körper - erreicht. B. Automatische Wirkungen Die Harmonisierung und Ausrichtung der Zellen der verschiedenen Körper erfolgt nach dem Willen des „Archäus" (abs. Wille); eine regelmäßige Einsetzung dieses „Motors" der geistigen Entwicklung und eine ständige Übung von Gedankenstille muß naturgemäß grundlegende Veränderungen im Gesamtorganismus des Übenden hervorrufen. Der Ausgangspunkt aller Bestrebungen und Konzentrationszentrum ist die Brustmitte. Von da an strahlt die Kraft des Vakuums gleich dem ins Wasser fallenden Stein immer weiter, auch über die Körperperipherie hinaus, denn den geistigen Kräften ist ja ihre eigene „Illusion" - die „Materie" - kein Hindernis. Es leuchtet ein, daß magische Wirkungen bei solch hochgeistiger Tätigkeit entweder „von selbst" oder nach dem Willen des Übenden eintreten, ja, es wäre verwunderlich, wenn das nicht der Fall wäre. Man täusche sich allerdings nicht darüber, daß ein Kind - obwohl es zwei Beine hat - erst laufen kann, nachdem es das Gehen gelernt hat. Deshalb sind zu magischem Tun die Erweckung der Körper und ihrer Kräfte erforderlich; wir werden später noch an ihrer systematischen Entwicklung zeigen, wie das stufenweise, vom kleinen ausgehend, geschieht**. Wir sagten, daß die Übertragung der Schwingungen des *
Band 9 und 10: .Windlung des Magiers" und .Und die Phänomene
geistigen Vakuums im allgemeinen von der Brustmitte aus erfolgt. Um besondere Wirkungen zu erreichen, können jedoch - wie wir sehen werden - auch andere Körpergegenden herangezogen werden. Die Schwingungen werden in der Reihenfolge weitergegeben, daß zunächst die Nervenzentren des irdischen Körpers in Vibration gesetzt werden, die ihre Vibration weitergeben an die Zentren des Odkörpers (Lebenskörper). Dieser wieder überträgt sie auf die Zentren des Astralkörpers (Empfindungskörper), von wo aus sie dann in der schon geschilderten Weise weiterwirken. C. Die „Chakren" Die Stelle des Organismus, an der sich die Nervenzentren des irdischen Körpers mit den Kraftzentren der höheren Körper vereinigen - um so Zusammenhalt und Wechselwirkung zu garantieren - heißen nach der morgenländischen Terminologie Chakren. Die Chakren sind Knotenpunkte, die durch eine besondere Rotation kenntlich sind. Diese Chakren werden durch unsere Übungen belebt. Da sie auch untereinander - und die verschiedenen Körper unter sich - zusammenhängen, einen Kreislauf bilden und steuern, wirkt die Belebung des einen Chakra auf alle anderen - in bestimmter Gesetzmäßigkeit -, wenn die Anregung stark und ausdauernd genug erfolgte. Wir könnten nun einfach die Chakren, wie es sonst geschieht, einfach in ihrer Reihenfolge aufzählen und das Thema beschließen. Doch möchten wir den Leser bitten, sich selber einmal zu überzeugen, wo eigentlich diese Chakren - dem Mediziner noch heute ein unbekannter Begriff - liegen. Zu diesem Zweck nehmen wir nachfolgende Übung vor. D. Vierte Übung (Bestimmung der Chakren) a) Bei unseren bisherigen Übungen haben wir „Versenkungszustände" (Bewußtseinsstufen IIIV*) derart zu erreichen getrachtet, daß wir, angefangen von der Entspannung, über Schwere und Wärme in den Gliedern, bis zum Körper-Nichtgefühl kamen. Die Schwere und Wärme haben wir bisher zuerst in Händen und Armen erzeugt. Von dort aus strömten diese Empfindungen weiter und ergriffen den ganzen Körper, bis er in einem weiteren Stadium gefühllos wurde. b) Nun aber erzeugen wir Schwere und Wärme zuerst in den Füßen, und zwar so lange, bis wir deutlich beide Empfindungen wahrnehmen. c) Wir halten die Wärme in den Füßen „zurück", da sie sich auf diese Weise am schnellsten verstärkt. d) Lassen wir jetzt die Wärme höhersteigen, merken wir bei konzentrierter Beobachtung, wie sich ein besonders auffälliges Schwingungsfeld in den Fußknöcheln bildet; weiter höher finden wir ein neues Rotationszentrum (Chakra) dann in den Knien, weiter aufsteigend in der Genitalgegend und - nacheinander, deutlich wahrnehmbar - im Nabelzentrum, der Brustmitte und im Kehlkopf. e) Weiter lenken wir den Strom jedoch nicht, obwohl auch darüber hinaus noch zwei magische Zentren bestehen. f) Bei den meisten Übenden werden sich wahrscheinlich - trotz der Sammlung auf die jeweils angegebenen Stellen - auch die Arme, vor allem die Handflächen erhitzt haben, so daß nun mit Ausnahme des Kopfes - der ganze Körper einbezogen ist. g) Wer einzelne Chakra nur undeutlich empfunden hat, wiederhole den Vorgang so lange, bis ihm kein Zweifel mehr über den Sitz der verschiedenen Chakren bleibt. E. Die magischen Zentren des menschlichen Organismus: Außer den fünf „Sekundär- Chakren": a) rechte Fußfläche Zusammenhang mit b) linke Fußfläche „Drüsen-System c) rechte Handfläche (innere Sekretion) d) linke Handfläche *
Siehe Band l: »Ritus und Zeremoniell der Magie
e) Augenzwischenraum Zirbeldrüse besitzt der Mensch also nachstehende Chakren: I. Fußgelenk- Chakra II. Kniegelenk- Chakra III. Sexual- Chakra Keimdrüsen IV. Nabel- Chakra Nebennieren, Bauchspeicheldrüse V. Brustmitte- Chakra Brustdrüse VI. Hals- Chakra Hals- Neben(Schild-) drüse VII. Scheitel- Chakra Drei der Chakren verdienen unsere ganz besondere Aufmerksamkeit; es ist nicht angebracht, sie als wichtigste anzusprechen, denn es gibt hier keine Vorrangstellung oder mindere Bedeutung. Wir können lediglich von einer besonderen Funktion, von einer „Spitze" sprechen. Wir sprechen vom Nabel-, Sexual- und Scheitel- Chakra. Das Nabel- Chakra arbeitet - wie kann es anders sein? - eng mit dem Sonnengeflecht zusammen, das Paracelsus den Mittler nennt zwischen dem irdischen und astralen Körper. Das Sexual- Chakra hängt nicht nur mit dem Drüsensystem zusammen; es hütet dazu das „Kundalini- Zentrum" und steht in enger Wechselwirkung mit diesem. Das Scheitel- Chakra endlich, das in der Gegend der Fontanelle (Schädelnaht) liegt, ist die „Spitze" aller Chakren insofern, als seine Belebung den Abschluß einer langen Stufenreihe bildet. Daß jedes Chakra besonders mit einem der höheren Körper - und dessen Kreislauf korrespondiert, sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt; dementsprechend sind auch die Kräfte der einzelnen Chakren, die ihre Belebung dem Studierenden bringt, unterschiedlich*. Nur wenn man sich in gründlicher Weise mit dem Apparat der Chakren, ihrer Funktion und Wirkung vertraut gemacht hat, wird man begreifen, wie sehr die durch Gedankenstille erregten Kräfte (Schwingungen) auch außerhalb des irdischen Körpers wirken und jeden unerbetenen Gast anderer Welten buchstäblich zertrümmern. 6. Sicherungen gegen Störungen Welches nun sind die Störungen, mit denen der Studierende rechnen muß? Zur besseren Übersicht wollen wir sie in drei Gruppen einteilen, in a) solche, die irdisch-materiell begründet sind; b) Störungen, die im körperlichen Organismus auftreten können; c) geistige Störungen, die von innen oder von außen auftreten können. Zu a): Übungsraum und Zeit wählen wir von vornherein so, daß wir ein höchstmögliches Maß von Sicherheit erhalten, nicht gestört zu werden, weder durch Besucher, noch durch Straßen oder anderen Lärm. Der Raum werde vorher gut durchlüftet und sei angenehm temperiert. Zu b): Müdigkeit kann sich zu einem gefährlichen, ja, chronischen Feind entwickeln; wir müssen aus diesem Grunde gerade für die erste Zeit der Übungen die Stunden des Tages wählen (morgens oder nach der Mittagsruhe), wo wir ausgeruht und frisch sind. Verkrampfungen des Körpers sind noch störender; sie können unter Umständen zu einer Art Starrkrampf führen, der weit entfernt ist von der Entspannung aller Muskeln, Sehnen und Gefäße, die dem „Vakuum" vorangehen muß. Oft überfällt uns ein Juckreiz, der vielfach den ganzen Körper plagt, und eine gewisse nervöse Reaktion auf verkrampfte seelische Haltung (z. B. nicht Lösung, sondern Unterdrückung von Unruhe) darstellt. Zu c): Die übelste geistige Störung, die uns oft gerade dann überfällt, wenn wir an eine besonders erfolgreiche Übungsstunde dachten, dürfte der Mangel an Konzentration sein. Ein gutes Mittel hiergegen ist es in den meisten Fällen, sich einfach fallen zu lassen, die Gedanken machen zu lassen, was sie wollen: man sieht ihnen zu, wie man ungebärdigen *
Näheres hierüber bringt Band 11: »Sieben Welten" vom gleichen Verfasser.
Kindern zuschaut, ruhig, lächelnd überlegen, gelassen, bis sie sich ausgetobt haben, was oft schneller der Fall ist, als man ursprünglich zu erwarten berechtigt war. Diese „Zerstreutheit" macht sich jedenfalls dann am stärksten bemerkbar, wenn wir vorher irgendwelche materiellen Erregungen durchlebten: Ärger, Unruhe, Hast, Furcht, Begier und andere Affekte. Wenigstens einige Stunden vor der Übung sollten wir uns den Gefahren von Erregungen, gleich welcher Art, nicht aussetzen: die Harmonie des Körpers wird so nachhaltig gestört, daß selbst kraftvolle Ruheschwingungen der Seele Mühe haben, sich durchzusetzen. Ist es uns endlich gelungen - vielleicht trotz alledem -, in den gewünschten geistigen Zustand zu kommen, haben sich vielleicht schon einige ganz kurze Momente der völligen „Lösung" gezeigt, und sind wir schon sicher, daß uns heute die "so lang erarbeitete „Stille" glücken wird - oft kommt es auf die glückliche Stunde, auf einen Vollmondabend, an -, da mischen sich unerwartet, bevor wir noch in eine tiefere Konzentration kamen, andere „Wesen" ein: dem einen erscheinen sie als störende Stimme, dem anderen geben sie Ratschläge, die er für gut hält und notiert, obwohl er später erkennen muß, daß er von niederen Kräften genarrt wurde; wieder einem anderen erscheinen allerlei „Visionen", Gesichtstäuschungen oder echte Spukgestalten, die uns verwirren, ja, von unseren Übungen abbringen wollen. Wer wie bei seinen Gedanken die Störenfriede gelassen an sich „vorbeiziehen" läßt, alle akustischen oder optischen Störungen ignoriert, wird die Plagegeister bald wieder los sein. Und dann urplötzlich kann die vollkommene Gedankenstille gelingen: wir „fliegen" im Dunkel der Nacht in uferlose, lichtlose Weiten, während wir vielleicht noch merken, vergleichbar der langsamen Entrückung beginnender Narkose, wie wir Körpergefühl und Wahrnehmungsfähigkeit nach außen Stück für Stück verlieren; oder wir „hängen" irgendwo im „Nichts", die Kraft unseres Geistes hilft uns, eine aufsteigende Angst zu überwinden, zu „vergessen". Gegenstemmen bringt entweder verstärktes Furchtgefühl oder Aufhören des Prozesses. Das Kennzeichen des richtigen magischen Geisteszustandes ist jedenfalls die absolute Leere, und unsere vollkommene Wachheit; Szenerie und Eindrücke können wechseln. Fünfte Übung (3. Basisübung) Die meisten unter uns können ihre vielleicht durchschnittliche magische Veranlagung steigern durch größeren Fleiß und Regelmäßigkeit, stärkere Intensität der Übungen, schnellere Kräftigung des absoluten Willens durch Erreichung eines hohen ethischen Standes. Für diese Studierenden gibt es eine Basisübung, die schneller als irgendeine andere zu dem gesuchten und notwendigen Erlebnis der Gedankenstarre führt: a) Im gleichen Bewußtseinszustand, wie er bei den bisherigen Übungen notwendig war, stellen wir uns eine glühende, rotierende Scheibe vor. b) Unsere Vorstellungskraft muß in Verbindung mit dem absoluten Willen bereits so lebendig sein, daß wir diese Scheibe bei geschlossenen Augen - vor dem dunklen Hintergrund deutlich kreisen sehen. c) Wir konzentrieren uns solange auf diesen glühenden Stern, bis wir diesen leuchtenden, wirbelnden Lichtkörper so klar sehen, wie bei offenen Augen etwa das Licht einer Kerze. d) Sind wir der erzeugten Erscheinungen nach einigen Übungen völlig sicher geworden, lassen wir sie vor unserem geistigen Auge zusammenschrumpfen, kleiner werden, bis e) nur noch der dunkle Hintergrund bleibt. In diesem Augenblick haben wir das geistige Vakuum erreicht und werden dessen, besonders beim ersten Mal, sehr elementar inne. f) Eine Fortsetzung dieser Übung bringt Sicherheit in der Erzeugung der „Sonne" und ihrer Tilgung, und in der - möglichst lange ausgedehnten - Beobachtung des schwarzen Hintergrundes, der nun noch allein vor uns, in uns, um uns ist. 7. Keine Furcht vor Schäden Die Liste der Schäden, die uns treffen können, ist so lang, daß sie Schrecken erregen müßte. Wir wollen sie deshalb „unter die Lupe" nehmen, denn was wir unerschrocken und fest
anschauen, verliert bald den bedrohlichen Eindruck. Zunächst einmal wird jedem Strebenden klar sein, der sich auf ein so exponiertes Gebiet wagt, wie es die Magie darstellt, daß bei falscher Einstellung mancherlei Gefahren drohen, die größer sind, als der Unkundige vielleicht wahr haben will. In diesen Büchern wird immer wieder auf die notwendige „Bereitung" des Studierenden aufmerksam gemacht, auf die erforderliche Läuterung, auf Ausschaltung egozentrischer Tendenzen. Wer unreifes Obst pflückt und verzehrt, wundere sich nicht, wenn ihn Bauchgrimmen überfällt. Bei mangelnder moralisch-ethischer Vorbereitung bestehen Gefahren nicht nur für den irdischen Geist, sondern auch für die Gesundheit der Seele, des Herzens, der Nerven. Jede Störung bei diesen Organen kann schwere Rückschläge im irdischen Leben hervorrufen; charakterliche und moralische Fehlhaltung können sich derart verstärken, daß schicksalhafte Rückwirkungen unausbleiblich sind. Auf diesen Blättern wird deshalb immer wieder auf Wert und Wichtigkeit der zu erlangenden „neutralen Grundhaltung" hingewiesen, die allein schnellen und störungsfreien Fortschritt verspricht. Es kann aber auch das Gegenteil eintreten: es kann jemand bei besonders guter magischer Prädisposition (Vorbestimmung) und rechter Seelenhaltung zu schnell in den „Wirbel kosmischer Veränderungen und Ereignisse" gerissen und förmlich „kopflos" werden. Hier heißt es, sich zurückhalten, und langsamer und methodischer noch als bisher zu üben, immer wieder den Boden sichernd, auf dem man steht. Wer die Lehre Jungs von den Archetypen und die Experimente Staudenmaiers kennt, weiß von den Untergründen des „kollektiven Unbewußten". Diese Archetypen können, durch besondere Umstände und Gegebenheiten, auch ohne Absicht, sehr wohl plötzlich dem Studierenden, vielleicht auch seinen Angehörigen, materialisiert erscheinen. Diese „Personifizierung seelischer Kräfte", in manchen okkulten Zirkeln heute schon fast zum „alltäglichen" Experiment geworden, birgt Gefahren, besonders dann, wenn die Anwesenden die Nerven, die Sicherheit verlieren. Ist der Übende des „Vakuums" und seiner Beherrschung sicher, übe er flugs „Stille", die den unerbetenen Gast zur Auflösung zwingt. Andernfalls nehme er gelassen, des göttlichen Schutzes sicher, die Bibel zur Hand, lese langsam Psalm 74, 91 oder 106, die schon den mittelalterlichen Kabbalisten gleiche Dienste leisteten. Es kann aber auch von dem Studierenden ~- bewußt oder unbewußt - eine Wirkung innen oder nach außen erfolgen. Der Strebende lernt, und es ist gut, das nicht zu vergessen, eine völlig neue Welt, mit ihm bisher gänzlich unbekannten Kräften und Gesetzen kennen. Seine Nerven müssen gestählt, die Gesundheit seines Geistes, seiner Seele unerschütterlich sein, daß auch vielleicht überraschende Angriffe von Elementarwesen ihm nichts anhaben können. Kruzifix, Schutzpsalm, oder Schutzmantel*, oder Gedankenstille wehren alles Feindliche ab, besonders wenn der Übende ein festes weltanschauliches Fundament besitzt. Wer in sich durch die Übungen wider Willen mediumistische Fähigkeiten (also passive Kräfte) entwickelt hat, unterbreche zunächst alle anderen Experimente und übe nur Gedankenstille: sie kräftigt seine (aktiven) magischen Fähigkeiten und vertreibt alles Unerwünschte mit Sicherheit. Die größte Gefahr, die wir allerdings nur selber heraufbeschwören können- und wie oft werden wir durch Zwangslagen in Versuchung geführt, es zu tun -, ist der Mißbrauch erworbener magischer Kräfte. Aber darüber mehr im Abschnitt „Schwarze und weiße Magie". Unter festem weltanschaulichem Fundament verstehen wir den unerschütterlichen Glauben an eine göttliche Weltordnung, an die Harmonie des Alls, an die Priorität des Geistes, an die *
* Band l: , Ritus und Zeremoniell*
Unsterblichkeit der Seele, an die Größe der menschlichen Bestimmung. Wer, auf solchem Boden stehend, eingefügt in den Rhythmus des Kosmos, mit ihm atmend, pulsierend mit seinem Herzschlag, an seine Übungen geht: wie sollte ihm da etwas geschehen, ihn bedrohen können. Wer mehr und mehr gelassen bleibt gegenüber allen Wechselfällen des irdischen Lebens, und täglich mehr in sich entwickelt die Überzeugung von dem Ewigkeitswert, der Unversehrbarkeit der Seele, der steht auf einem Boden, den keine Macht der Welt erschüttern kann. Sechste Übung (Ausdehnung der „Stille") Wie Konzentration ein Vorstadium der „Leere" - beide spielen jedoch auf verschiedenen „Instrumenten" -, so ist die erste Sekunde des „Vakuums" nun eine Vorstufe der länger ausgedehnten, der anhaltenden „Stille". Die Seelenkraft, die Fähigkeit des absoluten Willens, sind anfangs nicht so groß, gemeinsam länger ausgedehntes „Vakuum" herbeizuführen. Das geschieht erst allmählich, durch Übung. Wie der Holzfäller die betreffenden Muskelpartien seines Körpers in unerhörter Weise trainiert - welcher „Bücherwurm" vermöchte seine Arbeit auch nur eine Viertelstunde zu leisten? -, so müssen auch die seelischen Kräfte gestärkt, die Wirkungen der geistigen Körper nach und nach gesteigert werden. Das geschieht am besten in der Weise, daß zwischen die einzelnen Augenblicke der Gedankenstille „Erholungspausen" geschaltet werden, die nach und nach fortfallen. Der nachfolgende Rhythmus ist besonders gut den seelischen Gegebenheiten angepaßt: a) Wir beginnen mit der als Übung 5 gekennzeichneten Basisübung in der Weise, daß wir uns das rotierende Sonnenrad vorstellen, kleiner werden, ganz verlöschen lassen, die Dunkelheit „festhalten". Wir lassen dabei keine Verkrampfung aufkommen, besonders keine der Muskeln oder der Arme und Beine. Sobald wir merken, daß wir „schwach" werden, daß uns die Dunkelheit entgleiten will, erzeugen wir wieder das wirbelnde Sonnenrad, vergrößern es, lassen es solange rotieren, bis wir wieder neue Kräfte gewonnen haben. b) Nun wiederholt sich der Prozeß, allerdings soll die Zeit der Dunkelheit mit jedem Mal verlängert, die des rotierenden, leuchtenden Kreises verringert werden. c) Dieses Wechselspiel wiederholen wir nicht nur Tage, sondern Wochen; notfalls üben wir zwei- oder dreimal am Tage, jedoch nicht länger als zusammen eine Stunde. d) Wenn es uns gelingt, zehn Herzschläge lang die Dunkelheit „festzuhalten", ist diese Übung erfolgreich abgeschlossen. e) Da wir die vorhandenen Kräfte aber steigern wollen, ist es notwendig, die Übungen nicht zu unterbrechen, in Gegenteil, sich selber hin und wieder besondere Leistungen - zu beweisen. f) Zum Abschluß dieser Übungsreihe „vergesse" man nach zehn bis zwölf Sekunden plötzlich, die „Scheibe" wiedererstehen zu lassen und beobachte die Reaktionen seines Innern. Endet der Zustand der Leere, übe man weiter; dehnt sich die Leere aus, überlasse man sich ihr ungestört. Wir alle haben in uns einen sicheren Führer, der genau weiß, was er mit uns vor hat. Wer sich dieser „inneren Stimme" anvertraut, fährt immer gut. 8. Herr über sich Wer Gedankenstille erreicht, hat einen großen Schritt vorwärts getan in seiner kosmischen Entwicklung und ist „auf dem Wege", ein vollendeter Magier zu werden. Der Studierende ist auf dem besten Wege, Brot für Steine zu erhalten. Wir werden oft gefragt, ob der Magier, besonders der werdende, jemals wieder in die Lage kommt, „sich des Lebens zu freuen". Diese Fragestellung beweist, daß der Betreffende noch immer den Trunk begehrt, der nie den Durst löscht. Es besteht kein Zweifel daran, daß der vollendete Magier auf alle irdischmateriellen Freuden freiwillig verzichtet, ja, als Störung empfindet, doch kann er
immerhin, wenn er will und das bisher Erreichte nicht aufs Spiel setzt, zu den Freuden zurückkehren, die ihn locken. Wir wissen mit Bestimmtheit, daß dem Menschen jede Freude zuträglich ist, die im rechten Geist aufgenommen wird. Wer in diesem Sinne erotische Freuden nur dann geben und empfangen will, wenn sie mit tiefer, wahrer Herzensliebe einhergeht*, wer sich also nicht in der Materie verliert, sondern sie beseelt, vergeistigt, der kann genießen, was immer er mag: er wird Herr sein der Materie, nicht ihr Sklave, und so auch Herr über sich. Welche Wechselfälle das Schicksal für den einzelnen bereit hat - solange er sie so gelassen hinnimmt, wie er sich dem Gedankenchaos gegenüber verhalten soll, werden sie ihn nicht „ausfüllen", seine Struktur nicht beeinflussen. Hier ist der sichere Halt, alle Störungen passiv abzuwehren: Die Gedanken schwinden allein, wenn wir sie nicht beachten. So auch negieren wir alles Unerwünschte in unserem Leben und nehmen gelassen auch das Angenehme entgegen, immer den Blick aufs Ziel gerichtet. Wer, wie schon gesagt, erst „eingefügt" ist in das Geschehen des Kosmos, im gleichen Rhythmus mitschwingt, leidet keinen Mangel mehr, ist nicht mehr krank, hat keine unbefriedigten Wünsche. Bis dahin gilt es, wachsam zu sein und sich vor Rückschlägen zu hüten. So herrlich der Höhenflug des Geistes ist, so schrecklich ist sein - oft notwendiges Extrem: der Sturz, von dem zu erheben oft unsere letzten Reserven erfordert. Siebente Übung (Arbeit bei offenen Augen) a) Es ist notwendig, daß die „Stille", erst einmal erworben, immer schneller erwirkt und jedesmal, bei jeder Gelegenheit, unter allen Umständen erreicht wird. b) Wir müssen nunmehr unsere bisherige „Liegestellung" verlassen, uns bequem in einen Sessel setzen, derart, daß Kopf und Nacken eine gerade Linie bilden. c) Als Konzentrationsmittel benutzen wir einen Spiegel oder Kristall, Edelstein oder schwarzen Spiegel usw. d) Wir gewöhnen die Augen zuerst daran, nicht zu blinzeln, die Fixikationsfläche anzustarren. Dieser technische Vorgang muß vor der eigentlichen geistigen Arbeit „sitzen". e) Sobald dies der Fall ist, beginnen wir mit den vorbereitenden Bewußtseinszuständen, also Entspannung, Schwere, Wärme, Körper-Nichtgefühl. f) Wir geben uns die autosuggestive Weisung, dieselben Hilfsmittel, wie bei geschlossenem Auge, nun mit offenen Augen auf dem Spiegel usw. zu erzeugen, zum Beispiel rotierender Kreis. g) Dann „arbeiten" wir in derselben Weise weiter, wie in den Basisübungen angegeben, wobei wir die uns angenehmste Übung bevorzugen können. h) Sobald dieser Teil der Übung erfolgreich abgeschlossen ist, verzichten wir auf das Hilfsmittel (Spiegel usw.) und starren nun entweder in die Dunkelheit oder auf die Wand usw. und lassen die Übung in der erlernten Weise ablaufen. i) Wer nun etwas Besonderes tun will - und kann -, übe die vorstehende Übungsfolge auch unter anderen Umständen: zum Beispiel mit und ohne Licht, sitzend, liegend, stehend - aber stets mit offenen Augen! -, das Wichtigste bleibt die Beachtung der Grundgesetze der „Stille": Lösung vom Irdischen, Gedankenstarre, aktive, wache Geisteshaltung. Bei der Betrachtung eines „Fixikationsobjektes", sei es nun Spiegel oder Kristall als Auslöser „tieferer Zustände", unterscheiden wir zwei technische Stadien der „Versenkung": a) Setzt die „Stille" richtig ein - und handelt es sich um keinen passiven, etwa autohypnotischen, sondern hohen und wachen geistigen Zustand -, weicht plötzlich scheinbar die Welt zurück: wir gehen in ein Dunkel ein, das uns völlig umhüllt. b) Es kann aber auch geschehen, daß die „Versenkung" nicht tief genug ist und wir lediglich mit den „Astralsinnen" wahrnehmen; die Folge muß gesetzmäßig sein, daß wir *
Siehe das im gleichen Verlag erscheinende Buch „Karezza" von Cesare A. Dorelli.
Erscheinungen, Visionen haben, die wir gelassen beobachten. Unser Bestreben muß sich in diesem Fall darauf richten, die Konzentration zu verstärken, evtl. unter Zuhilfenahme einer der Basisübungen, die uns am besten zusagt. Vergessen wir nicht, daß es bei magischen Arbeiten sehr oft notwendig ist, unter den ungewöhnlichsten Umständen die Fähigkeit der Gedankenstille - die ja die magischen Kräfte bewegt - zu beherrschen. Üben wir unverdrossen, selbst wenn uns die Arbeit „bei offenen Augen" schwerer fällt. 9. Herr des Kosmos Bewußter praktischer Einsatz Wir haben an anderer Stelle* bereits gesagt, daß „Toleranz" die vornehmste Grundhaltung des Okkultisten ist. Gerade er, der durch seine Übungen und Erfahrungen einen Einblick erhält in die Wechselwirkung von Schuld und Schicksal, weiß von dem Getriebensein des Menschen und der Unentrinnbarkeit der Lebenskatastrophen, die uns zermahnen oder adeln. Es besteht die Gefahr, daß ein Mensch, dem „Archäus" so große Gaben und Kräfte schenkte wie dem Magier, unrichtig reagiert, und zwar kann eine positiv scheinende Reaktion genau so schädlich sein wie eine negative, oder trotz klarem Befehl "des Innern überhaupt unterbliebene. Unter „negativer Reaktion" verstehen wir Überheblichkeit, Stolz, Arroganz, den Menschen und - darauf notwendig folgend - eine falsche Einstellung dem Göttlichen gegenüber. Als positive Reaktion bezeichnen wir Absicht, Willen oder Vornehmen des Parapsychologen, in das Räderwerk anderer Geschicke korrigierend einzugreifen. Im Verlaufe kurzer Zeit erlangt der Studierende die Fähigkeit, zu erkennen, wo er helfen soll oder darf, wo er zum Helfer berufen ist. In Zweifelsfällen hat er die Möglichkeit, sich Informationen darüber zu verschaffen. In allen übrigen Fällen aber lasse er die Hand davon, etwa sogar noch ungebeten die nach seiner Ansicht bestehende Ungerechtigkeit auszugleichen. Nicht verwehrt ist dem Okkultisten, Kräfte der Liebe auszusenden, eine Für- Bitte an den Höchsten zu richten. Darüber hinaus gehe er nur in den Fällen, da ihm die unmißverständliche Gewißheit oder Weisung wird, zu helfen. Eine bewußte Korrektur - die den „Herren des Karma" zukommt - lehnt der Magier genau so ab, wie eine „Verbrüderung" mit anderen. Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Schwäche oder gar „Gemeinmachen", also auf den Stand minder entwickelter Menschen zurückzugehen. Auf diesem Gebiet muß jeder Okkultist teils sehr schmerzliche Erfahrungen machen, bevor er die rechte Einstellung, das gesunde Mittelmaß zwischen Liebe und Zurückhaltung gewinnt. Je mehr er sich bestrebt, auch im Irdischen dieses gesunde Mittelmaß, die Harmonie, einzuhalten, um so größer wird der Segen sein, den er im Geistigen empfängt, um so wirkungsvoller gelingen ihm seine Übungen zur „Machtergreifung". Ja, hier ist es das richtige Wort. Es bedeutet Teilhaben an den aufsteigenden Kräften des Kosmos, von da aus die empfangenen Ströme der Liebe und Hilfe herabzusenden auf eine zerrissene und unglückselige Menschheit. Je fester die Übungen die Kraft der Gedankenstille in den „Urgründen der Seele" - also in den höheren Körpern - verankern, um so fester wird der Anschluß dieser sich entwickelnden Körper und ihrer Kräfte an die ihnen gemäßen kosmischen Quellen. Jedem Okkultisten wird nach seinen Fähigkeiten und Interessen ein Tätigkeitsfeld zugewiesen, sobald er nur überzeugende Beweise seines guten und unerschütterlichen Willens gibt, auf der „Seite des Lichts" mitzuarbeiten, sich also streng und grundsätzlich von allem „Bösen" trennt (das darf natürlich nicht dazu führen, wegen des „Bösen" den Menschen zu verachten, zu richten, denn er ist ja „Opfer", nicht Ursache), sobald er ernsthaft an seine Entwicklung geht und wenigstens einige Schritte auf dem »Pfade" gegangen ist.
Auf diese Weise wird er unversehens in die Ordnung des Kosmos eingefügt, erhält von hier seine „Weisungen", arbeitet in einem bestimmten Planfeld. So kann er durch willkürliches Handeln kein Unheil, keine Verwirrung mehr stiften, sondern größeren Segen ausgießen, als er sich je erträumte. Und das Wissen, „Atom", gesunder Baustein zu sein des kosmischen Gebäudes, sollte uns bereitmachen zu jeder Anstrengung, zu zäher und niemals wankender Arbeit »an sich und am Werk". Praktische Arbeit auf hohem Plan „Magische Unterweisung" ist keine, wenn sie nicht mit geistiger Information über die tiefsten Zusammenhänge und Kausalgesetze verbunden ist. Auch die magischen Gesetze bedürfen zu ihrer „Offenbarung im Irdischen" des Wortes, der Schrift. So haben uns die vorstehenden Ausführungen die Ausrichtung gegeben, deren wir bedürfen, um nicht in „irdische Schwächen oder Fehler" zu fällen, die sich verhängnisvoll für unsere Entwicklung auswirken müßten, denn unsere höchste Entwicklung ist nun einmal Sinn und Ziel unserer ganzen Arbeit. Darin liegt keine Egozentrik (Ichbezogenheit), kein Mißachten des Gesetzes der Humanität. Wenn jedes Wesen des Kosmos mit ganzer Kraft diesem Ziel zustrebte, nicht der Rückfälle und Irrwege achtet, auch den anderen seines „Schicksals Kreise" ziehen läßt, dann wäre das Paradies wieder hergestellt. „Paradies" ist der Urzustand des Geistes vor seiner Zersplitterung in Gut und Böse, in Licht und Finsternis. Die höchste Entwicklung der geistigen Körper ist aber auch der Sinn dieser Buchreihe, denn wie sollten dem Menschen höchste magische Kräfte zufließen, wenn seine Körper nicht instandgesetzt wurden, sich den höheren Kraftebenen gleichzuschalten? Von einer gewissen Stufe ab ist - wie wir noch sehen werden - eine Trennung in Weiß oder Schwarz, in Aufstieg oder Untergang möglich oder nötig. Wir setzen voraus, daß kein Mensch mit gesunden Sinnen seine eigene Vernichtung betreibt. Die aber würde eine Entscheidung für „Schwarz" bedeuten. Achte Übung (»Hilfe allen Wesen") a) Wir kehren in die Ausgangslage zurück, das heißt, wir gehen - auf unserer Liegestatt ruhend - in die Stille, wobei wir die Methodik anwenden, die uns am schnellsten und gründlichsten in das Vakuum führt. b) Vor Beginn der Stille geben wir dem „Archäus" in uns den Auftrag, die durch die Leere in uns und im Kosmos erzeugte Kraft zu verwenden, „Hilfe allen Wesen" zu bringen. c) In der dann eintretenden Stille verströmen wir nur da? Gefühl „Hilfe allen Wesen" aus, ohne es in Worte zu kleiden. Es schadet durchaus nichts, wenn dieses Empfinden fehlt, nur „Leere" vorzuherrschen scheint. Die vorhergehende autosuggestive Vorbereitung sorgt dafür, daß im Sinne unserer Aufgabe gearbeitet wird. d) Alle unsere Tätigkeit dient der eigenen Entwicklung und damit der Mehrung des „Stromes der Geretteten", so daß wir von uns aus beitragen, wahrhaft die „Welt zu verbessern". Wir benötigen und erwarten deshalb niemals eine „Gegenleistung" für geleistete Arbeit, welcher Art sie auch ist (hier handelt es sich natürlich nicht um berufliche oder Existenzfragen). Diese Einstellung allein vermehrt den Segen, den wir selbst durch unsere selbstlose Einstellung, durch unsere „Kraftabgabe" erhalten, ins Ungemessene: so daß alle Kräfte, die wir abgeben, vermehrt zu uns zurückströmen. e) Wir können den Strom der Hilfe mehrmals aussenden, je nachdem, wie lange wir fähig sind, in der Stille zu verharren, wir können aber auch in einer längeren Übung das erstrebte Ziel erreichen. Neunte Übung (»Höchste geistige Entwicklung") Nach den vorangegangenen Ausführungen kann also kein Zweifel bestehen, daß der Wunsch nach eigener Entwicklung nicht nur nicht egoistisch, sondern sogar notwendig ist.
Eine allgemeine Formel bewirkt denselben Effekt - ins Allgemeine, Weitere strahlend - wie spezialisierte Einzelwünsche. Wir nehmen deshalb folgende Übung vor: a) In der Stille lassen wir das vorher autosuggestiv untermauerte Wort „höchste geistige Entwicklung" erstehen (darunter verstehen wir naturgemäß nicht die Fähigkeit etwa zur Erlangung eines Doktorgrads, sondern kosmisch-geistige Entwicklung). b) Die Formulierung „höchste" darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß darunter stets nur die individuell höchst-mögliche geistige Entwicklung zu verstehen ist. c) Alle Organe, alle Kraftfelder werden sich nach diesen Worten ausrichten, wenn die „Stille" echt, also vollkommen ist. d) Ein Festhalten des Vorsatzes „höchste geistige Entwicklung" ist nicht notwendig; es ist nur erforderlich, die Suggestion mit „hinüberzunehmen" als Zielsetzung, als Wegweiser. e) Auch für diese Übung gilt das vorher Gesagte, daß sie in einer einzigen geistigen Kraftanstrengung (die bald als solche gar nicht mehr spürbar wird) durchgeführt werden kann, oder in mehreren, je 5-10 Sekunden dauernden Einzelübungen. Das richtet sich nach der individuellen Befähigung und den erworbenen, entwickelten Kräften. So wie wir - immer wieder „erschüttert" - in der absoluten Stille das „Zurückgleiten" des Körpers, der „Welt" feststellen, so spüren wir auch, wenn die Innenwelt langsam wieder „zurücksinkt", dem Irdischen Platz macht. Dann schälten wir eine „geistige Ruhepause" ein die wir durch den wirbelnden Kreis, durch Zeichen oder wie immer ausfüllen - und beginnen nach Kräftesammlung von neuem. f) Wir können uns vorstehende Übung dadurch erleichtern, daß wir das Wort »höchste geistige Entwicklung" symbolisieren, also etwa ein aufstrebendes Dreieck (D) für dieses Wort setzen, es leuchtend vor dunklem Hintergrund erstehen und schwinden lassen. g) Wir wollen immer wieder erinnern an selbständiges Denken, Arbeiten, Üben; an die Aufstellung eigener Übungen nach den vorliegenden Mustern. Freilich müssen wir auch warnen vor allzu selbstherrlichem Vorwärtsgehen, denn wir haben die Gefahren jagenannt, die dem drohen, der keinen festen Boden unter den Füßen hat und den ihm diese Unterweisungen vermitteln. Zehnte Übung (Forschung) Wie wir eine Uhr einstellen, daß sie uns um eine bestimmte Stunde weckt, so können wir vor Eingang in die Stille den „Archäus", den kosmischen Willen, ausrichten. Wer die rechte Form der „Leere" gefunden hat - und wir zweifeln nach den vorliegenden Zeugnissen nicht, daß sie dem größten Teil der Leser gelingt, die die Übungen der vorhergehenden Bände gewissenhaft durchführten und die gegebenen Ratschläge beachteten -, kann im Laufe einer nicht bestimmbaren Zeit - die jedenfalls von der individuellen Entwicklung abhängt und nach Wochen oder Monaten zählt - zu so konsequenter „Arbeitstechnik" kommen, daß ihm nahezu alles, was er sich vornimmt, gelingt, weil ja mit fortschreitender Übung und Kräftigung der einbezogenen Organe die Kommunikation (Vereinigung) mit den kosmischen Kräften zur Selbstverständlichkeit wird. Sogenannte okkulte Erfahrungen und Erlebnisse soll man nicht erzwingen, aber wir gestehen jedem Studierenden zu, zu Forschungszwecken jedes beliebige Gebiet zu betreten und jede gewünschte Kraft anzurufen. Die folgende Aufgabe soll nur eine von vielen denkbaren Möglichkeiten darstellen: a) Wir wählen die Stunde, die sich bisher als die fördernste für unsere Übungen herausgeschält hat, eine Zeit, die uns bestimmt vor Störungen schützt und nicht durch Verpflichtungen anderer Art begrenzt ist. Wir wählen die Systematik, die uns erfahrungsgemäß am sichersten, schnellsten und gründlichsten die „Starre" gab. Wir nehmen uns vor Beginn der Sammlung in ruhiger und fester "Weise - mit der Gewißheit des Gelingens - vor, eine Frage beantwortet zu erhalten, die uns unendlich wichtig ist. Diese Frage aber soll sich auf das Geistige beschränken - wenn es sich nicht um selbstlose Hilfeleistung handelt -,
also der Forschung, Erkenntnis, Erleuchtung, Aufklärung, Bestätigung dienen. Auf diesen Gebieten aber kann es sein, was es will. Unter den angegebenen Voraussetzungen muß es uns stets gelingen, klare, zweifelsfreie, überzeugende Antworten oder Bestätigungen zu erhalten. b) Wir können diese Frage in ein Symbol kleiden, in ein einfaches Zeichen, es vor uns leuchten und schwinden lassen. Wir können aber auch mit dem bloßen Vorsatz in die Stille gehen, Antwort auf unsere forschende Frage zu erhalten. c) Antwort können wir in vielerlei Art und Form erhalten. Es ist möglich, daß eine Stimme zu uns spricht. Sie kommt -zweifelsfrei aus unserem tiefsten Innern, aber das erstemal werden wir uns doch verwundert fragen, woher sie stammt. Diese Stimme spricht und spricht doch wieder nicht; sie ist plötzlich, fast stets „unerwartet", da, mit dem ganzen Organismus vernehmbar, aber oft erscheint es uns doch, als hätten wir uns getäuscht (das ist besonders anfangs der Fall, bis die Stimme sich besser durchsetzt), doch kann das auch wieder nicht sein, weil wir die Antwort ja haben, oft überraschend anders, als erwartet, aber elementar überzeugend, ja, gebieterisch sicher. Die Antwort kann aber auch gegeben werden durch ein erscheinendes, sprechendes Wesen, durch ein Symbol, das vor uns auftaucht (dessen Deutung aber uns gewöhnlich sofort mitüberliefert wird), oder auch durch eine Überzeugung, die aus uns selber auftaucht und uns eine unwiderlegliche Sicherheit gibt, daß diese Antwort die einzig mögliche Antwort auf unsere Frage ist. d) In der vollendeten Stille sind keine Fälle denkbar - und auch nicht bekannt -, die erfolglos verliefen. Gewiß kann eine ungünstige Stunde oder Störungen aus untergeordneten Bereichen einmal die Fragebeantwortung verzögern, hinausschieben, nicht aber für ein anderes Mal vereiteln. Bei einem etwa negativen ersten Versuch gilt es also, eine vielleicht auftauchende Enttäuschung zu überwinden, durch einen frohen Glauben an das Gelingen beim nächsten Versuch zu ersetzen. Elfte Übung („Rat") Ist einmal diese Art des „Umgangs mit höheren Welten und ihren Kräften" in uns sicherer Besitz geworden, können wir im Notfall auch mit materiellen Fragen hervortreten, also mit Dingen, die unser persönliches, irdisches Leben, oder das Geschick uns lieber Menschen betreffen. Allerdings muß hier unsere Vorsicht und Wachsamkeit größer denn je sein, weil Täuschungen leicht möglich sind, leichter jedenfalls, als bei rein der Forschung gewidmeten Problemen. Es ist dem Menschen im allgemeinen nicht möglich, festzustellen, welche Grundeinstellung seiner Entwicklung, seiner positiven Schicksalsgestaltung (im geistigen Sinne) am zuträglichsten ist. Es kann von uns eine aktive, kämpferische Einstellung verlangt werden; meist aber wird von uns das Schwerere erwartet, nämlich zu tragen, geduldig-leidend entgegenzunehmen, und uns - während der Schicksalshammer uns formt - zu wandeln. Dem Okkultisten wird oft durch merkwürdige Umstände bekannt, welche Haltung seinem Ziel am besten dient, ihn am schnellsten voranbringt. Wer die Überzeugung gewonnen hat, daß „schöpferische Leidenskraft" seine Bestimmung ist, versuche nicht, dagegen zu hadern. Dies ist der Weg, auf dem er seine Erfüllung findet, und es ist der Weg zur höchsten Ebene. Viele von uns haben nicht die Kraft, unablässig den steinigen Pfad zu gehen und wünschen sich eine Ruhepause. Hier kann die nachstehende Übung helfen. Glaube niemand, auf diese Weise sein „Karma" (Vorbestimmung) gegen den Willen der Schicksalsmächte ändern zu können: diese etwaige „Korrektur" ist Bestandteil, vorkalkulierte Erholungspause im Leben des Strebenden. Wir halten es also in schwerer Not, in Zwangslagen, die uns selbst oder geliebte Menschen betreffen, nicht für unsittlich, in der Stille den „Rat der Götter" zu erbitten. Die Erhaltung des irdischen Lebens ist das erste Gebot auch für den Okkultisten, besonders solange seine Entwicklung nicht abgeschlossen ist. Was er hier, jetzt, auf Erden versäumt, kann er vielleicht in Äonen jenseits nicht nachholen. Zur Erhaltung des Lebens aber gehört nicht nur das
Notwendigste - sollten wir uns gegenüber weniger tolerant sein als gegen unsere Brüder? -, sondern alle „Fülle und Vollkommenheit", die das Wesen des Kosmos sind. Das bedeutet in unserem Falle, auf das Materielle zu übertragen, daß Wohlstand (wer ihn für sich als notwendig erachtet und weiß, daß dieser ihm nicht hinderlich, sondern förderlich sein wird: nicht erneutes Zurücksinken in die Materie, sondern fortschreitende Befreiung, Unabhängigkeit von ihr) wohl erstrebt werden kann, und daß Rat und Hilfe von „oben" --zu erbitten (durch unsere entwickelten magischen Kräfte, die eine schnelle Verwirklichung unserer Absichten gestatten, oft in unerwarteter, ja, verblüffender Weise) keine schwarze Magie, keine Sünde ist wider den Heiligen Geist. Wir wollen aber ausdrücklich betonen, daß es nach unserer Erfahrung in 99 von 100 Fällen besser ist, gelassen zu warten, bis die Schicksalsmächte von sich aus korrigierend oder rettend eingreifen, denn eine veränderte geistige Grundhaltung verändert zwangsläufig auch das irdische Geschick. Reinheit, Selbstlosigkeit, Liebe sind Garantien dafür, daß auch im Irdischen sich ein aufsteigender Weg öffnen wird. Für alle anderen Fälle aber lassen wir die folgende Übung gelten: a) Wer in Kontakt steht mit der schöpferischen Macht, die uns und alle Welten erschuf und erhält, mit dieser unvorstellbaren Macht, deren Lenker wir „Gott" nennen, beuge im Gebet Knie und Nacken und bitte um Segen für seine Absicht, um Schutz und Erfüllung. Das kurze Gebet soll beendet werden mit einem Dank für die selbstverständlich erwartete Erfüllung der zu „bewegenden" Bitte. b) In dieser überzeugten Einstellung nun lege man sich auf sein Ruhebett nieder und gehe auf erprobte Weise in die „Stille". Geübte Beter werden an den Schauern, die von „oben" auf sie einströmten und den Nacken „hinunterrieselten", schon gefühlt haben, daß ihr Werk gesegnet sei. c) Meist schon im ersten Augenblick der eintretenden „Stille", oft schon im Übergang vom „hier" zum „dort", wird die Stimme zu uns sprechen, wird der gewünschte Rat in uns erklingen, wird eine rettende Idee uns „überfallen", der erlösende Weg gewiesen werden. Im anderen Falle warten wir - eventuell die Leere mehrmals hervorrufend -, bis uns das befreiende Wort kommt. d) Man ende dieses Ritual niemals, ohne aus tiefster Brust dem Höchsten Dank zu senden, verbunden mit der Bitte, allen leidenden, gequälten Wesen Liebe und Hilfe zu geben, so wie uns soeben Hilfe und Rettung gezeigt worden sind. Zwölfte Übung (Entwicklung der Seele) Systematische Entwicklung der höheren Körper Die folgende Übung leugnet nicht die Tatsache, daß magische Stille den gesamten okkulten Organismus weckt, entwickelt, verselbständigt. Im Gegenteil: sie will durch systematische „Nachhilfe" dieses Streben durch Einwirkung auf die einzelnen Körper unterstützen. a) Wir gehen bei dieser Methodik von „außen" nach „innen", beginnen folgerichtig also mit dem irdischen Körper. Unser „Wort" heißt für alle Übungen der Gruppe 12 „Vollendung", aber wir richten die Aufmerksamkeit des Archäus nacheinander auf die verschiedenen Körper, wie sie in der - am Schluß dieses Buches folgenden - Übersicht aufgeführt sind. b) Wir gehen mit der klaren Vorsatznahme in die Stille, den zu vervollkommnenden Körper durch die wirksamen Kräfte aller schädlichen, störenden Beimischungen zu entkleiden, ihn gesunden zu machen, ihn und seine Organe, Zellen und Kraftzentren zu entwickeln, zu kräftigen, zu emanzipieren (verselbständigen), den ganzen Organismus aber mit Harmonie zu erfüllen, ihn zu veredeln, zu verfeinern, zu ätherisieren, derart, daß er c) niedere Regungen und Kräfte gesetzmäßig abstößt, sich fernhält, jedoch hohe und segensreiche Kräfte seiner Schwingungs- und Vibrationsart anzieht; daß er Segen, Liebe und Hilfe auf alle "Wesen ausstrahlt; daß er verbunden ist dem »All", so daß bisheriges »Sondersein" aufgegeben, die Einheit, die durch den „Sündenfall" (die Scheidung des Geistes in Licht und Finsternis) aufgehoben wurde, wieder hergestellt, und unser ganzes Wesen in das
Licht der Größe, Reinheit und Wahrheit, in umfassendes Wissen und unaufhaltsamen Aufstieg gestellt wird. d)- Dem Einsichtigen brauchen wir den Wert dieser Übung nicht zu erküren; der Ahnende wird ihn schnell selbst erfahren. e) Die Übungsdauer bestimmt der Studierende selbst. Jedoch erforsche er sich genau bei Beginn dieser Übungen und stelle vielleicht nach einem Monat die eingetretenen Veränderungen, Umschichtungen fest. 10. Die „Wege" und ihre Stationen Die Erfahrungen, die der einzelne auf seinem Wege macht, sind individuell. Die „Hauptzeichen" jedoch sind in allen Ländern und Kontinenten, bei allen Menschen, zu allen Zeiten gleich und werden es bleiben. Die individuellen Verschiedenheiten würden es also verbieten, auf die einzelnen „Merkzeichen" einzugehen, weil unter ihnen der eine vielleicht viele, der andere keines finden würde. Gerade dem völlig Nichtinformierten wollen wir aber die grundsätzlichen Erscheinungen in einem Gesamtüberblick geben, weil unser Prinzip ist, auf diesen Blättern so freimütig und „entschleiert" wie möglich zu sprechen. Wir wollen bei dieser Aufzählung nachstehende Einteilung vornehmen: I. Körperliche Veränderungen II. Seelische Auffälligkeiten III. Wirkung durch die sich belebenden Sinne IV. TAO. L Körperliche Veränderungen Es wird jedem Leser begreiflich sein, daß so gewaltige (kosmische) Umwälzungen, wie sie die „Stille" bewirkt, nicht zuletzt den irdischen Körper verändern müssen. Der Körper gerät zu einer gewissen Zeit, die den Übergang bildet, in eine „Krise". Und das Bestehen, Überstehen dieser Krise setzt einen starken, widerstandsfähigen, gesunden Organismus voraus, worauf wir immer wieder gedeutet haben. Die auftretenden Störungen sind selbstverständlich so verschieden, wie es die einzelnen Organismen sind. Jeder Körper hat irgendeine versteckte „Schattenseite", ein geheimes „Ärgernis", eine wunde Stelle, einen „Blitzableiter" (das Organ, das z. B. beim Sinken der „Lebenskraft" zuerst von Störungen oder Krankheiten heimgesucht wird). Es können allerdings auch allgemeine körperliche Störungen auftreten, sonderbare, nicht zu diagnostizierende (feststellbare) Krankheiten, „Kreislaufstörungen", Nervenerkrankungen, fieberhafte Erscheinungen, oder nur allgemeines körperliches Mißbehagen. Wer es sich leisten kann, gehe während dieser Krise, die meist nur einige Tage, höchstens Wochen anhält, in die Einsamkeit, an die See, ins Gebirge, in den Wald. Gut sind auch einige Tage völliger Bettruhe; der Nahrungsbedarf des Körpers ist während dieser Zeit sehr gering. Am besten „sättigt" man ihn durch Obst, leichte Gemüse, Fruchtsäfte, Milch, bei Schwäche durch Eier in jeder Form. Medikamente empfehlen wir nicht, denn es handelt sich nicht um eine Krankheit im Sinne dieses Wortes, sondern um eine -Läuterungskrise, die den seelischen Anspruch, ihre Entwicklung, auf den irdischen Körper durchsetzt, ihn also „gleichschaltet". ihn im Endergebnis, wenn nicht dagegen gekämpft wird, harmonisiert, ätherisiert, stärker macht denn je. II. Seelisch-menschliche Veränderungen Die Seele des Menschen - in unserem Sinne - zerfällt bekanntlich in einen materiellseelischen (emotionell-instinktiven) und einen ideell-seelischen Teil, der den höheren Neigungen und Strebungen des Menschen (Liebe zu Verwandten, hohe Empfindungen usw.) entspricht. Die Wirksamkeit des ersten, des emotionell-instinktiven Teils, der für unsere gefühlsmäßigen
Reaktionen und Handlungen verantwortlich ist, wird nicht nur durch das vorerwähnte körperliche Mißbehagen, sondern auch ganz allgemein, von „innen" heraus, beeinflußt, vorübergehend beeinträchtigt. Er macht also dieselbe Krise durch wie der irdische Körper. Diese seelische Krise wirkt sich aus in einer aus den „Tiefen" kommenden Unruhe (die nicht unbedingt „nervös" bedingt sein muß), in Depressionen, Anfechtungen oft auffälliger Art, in „Fehlleistungen", wie sich der Psychotherapeut ausdrücken würde. Es ist verständlich, daß für diese Art seelische Störung das für die „Kompensierung der körperlichen Störungen" Gesagte noch in höherem Maße zutrifft: nämlich in die Einsamkeit zu gehen. Hier braucht man vorübergehend keine Entscheidungen zu treffen, geht also Fehlleistungen aus dem Wege; hier wirken Naturschönheiten und der belebende „odische" Hauch der Berge oder des Meeres anregend, kräftigend, beruhigend; hier wird man leichter der „Anfechtungen" Herr, die uns in solchen Stadien zu unserem mißvergnügten Erstaunen „überfallen" können. Unsere Grundhaltung sollte in diesen Tagen in jedem Falle eine positiv-optimistischzuversichtliche sein. Es handelt sich um eine heilsame Krise, die das Ende eines Wegabschnittes andeutet. Es besteht Grund zum Jubeln, nicht zum Verzweifeln. III. Wirkung durch die sich belebenden inneren Sinne Die Umgestaltung, die mit den höheren Teilen der Seele vor sich geht, die auf den „emotionellen" Seelenteil und den irdischen Körper wirkt, prägt sich noch in anderer, auffälliger Weise aus. Wir werden in einer der folgenden Übungen zum Beispiel von Farberlebnissen sprechen. Aber die in dieser Aufgabe zu suchenden Farbsensationen können in anderer Weise auch spontan (also ungewollt) auftreten und merkwürdige Formen, „Sehstörungen" oder optische Erscheinungen mit sich bringen. Auch hier wollen wir den Dingen „auf den Grund gehen", uns klar machen, woher diese „Schatten" und „Farben" kommen, sich in unser „irdisches Blickfeld" drängen. Von den inneren Sinnen - wie auch vom Hellseher oder dem Medium - wird der über die menschliche Körperperipherie hinausragende seelisch-geistige Teil des Gesamtorganismus in Farben gesehen, und zwar bei jedem Menschen in anderen Nuancierungen, beim hochentwickelten, „eingeweihten" Menschen in ganz bestimmter harmonischer Ordnung. Im Dunkeln - oder bei dem Licht von zwei seitlich unten aufgestellten Kerzen - vor einem Wandspiegel sitzend, kann ein ausdauernder (gesunder) Beobachter diese „Aura" genannte Sphäre des Menschen als „Schleier" um die Körperumrisse wallen sehen. Mit der Veränderung der inneren und äußeren Struktur des Menschen ändert sich auch die Farbenskala seiner Aura; dazu aber werden durch die Übungen die inneren Sinne wach und lernen sehen. Das erste aber, was sie sehen, und oft auf das „irdische" Auge übertragen, ist die Farbe einer bestimmten Auraschicht, jener Schicht nämlich, die zuerst und bestimmend die Umgestaltung und Entwicklung erfährt. Gemäß den physiologischen und magischen Gegebenheiten werden diese von den inneren den äußeren Sinnen übertragenen Eindrücke in einem sonderbaren seitlichen Winkel wahrgenommen, ebenso wie die optische "Wahrnehmung einer wachsenden und ganz bestimmten geistigen Kraft, die sich in einer unverkennbaren Art äußert, die man mit Blitzen - aus eben jenem sonderbaren Blickwinkel wahrnehmbar - bezeichnen kann. Es bleibt aber nicht bei optischen Erfahrungen. Ihnen gesellen sich oft sonderbare, ja, erschreckende akustische Wahrnehmungen, die keinerlei irdische Quelle haben, sondern Vibrationen sind, die aus dem „Seeleninnern" kommen, sich auf die inneren Sinne übertragen, auf die materiellen Sinne wirken und über die Körperperipherie „hinausschießen", also als im „Raum" befindlich festgestellt werden. Alle diese Phänomene sind entweder Begleiterscheinungen der aufgezeigten „Krise", oder sie gehen ihr voran.
Je weiter die Entwicklung der seelischen Grundteile durch vollkommene Übungen vorangeschritten ist, um so stärker sind die Äußerungen der nach harmonisierendem Ausgleich strebenden „unverweslichen" Körper des Menschen. Auch hierfür gilt das bereits Gesagte: Fürchtet euch nicht! Triumphiert noch nicht, aber freut euch auf die Stunde der Erlösung! IV. TAO Dieses TAO ist ein sonderbares Wort, und noch sonderbarer und geheimnisvoller ist das, das es bezeichnen soll. Wir wollen uns nicht verwirren lassen und es dem Prinzip „Iliaster" des Paracelsus gleichsetzen, dem „IAO" der orientalischen Freimaurer: das „ieoua " (iehovaJehova) der Kabbalisten ist dieselbe Kraft, von der man so wenig wie möglich spricht. Setzen wir den Urstoff „Iliaster", belebt und gesteuert durch den Archäus (absoluter Wille) der höchsten Kraftebene gleich, wird uns vollends klar, um welches Prinzip es sich handelt. Alle Entwicklungsstadien nun, alle Krisen, die wir durchlaufen, enden - bei konsequenter Wanderung auf dem Wege - eines Tages an der Zielmarke, die den Durchbruch des TAO bis zur irdischen Welt, oder, umgekehrt, die „Gleichschaltung des irdischen Organismus mit der höchsten Kraft" bedeutet. Von hier aus bis zur Ewigkeit ist wahrhaftig nur noch ein kleiner Schritt. Dreizehnte Übung (Der »atmende Stein") Das Wesen der „Gedankenstille" ist Neutralität, klare Leere, geläuterte Stille, in die alle Segnung einziehen kann. Die Schwingungen des Kosmischen werden auf die Körper des Menschen übertragen und gestalten ihn im Sinne der universalen Harmonie. Jede „Vornahme" oder „autosuggestive Beeinflussung" dieses Prozesses ist an sich schon eine Trübung, ein Ausschalten der Unabhängigkeit des Archäus, der also dem Menschenwillen statt dem göttlichen Gesetz gehorcht. Niemand soll „päpstlicher sein als der Papst", und unser Leben vollzieht sich - gleich unserer Entwicklung - in Übergängen. 3 Gedankenstille - Mutter »aller Magie« Wir wollen uns aber doch darüber klar sein, wohin wir einmal wollen, daß einmal alle menschliche Planung ausgeschaltet sein, alles Wünschen schweigen, alles Streben, das nicht Ergebung ist in die göttliche Allmacht, aufhören müssen. Die nachfolgende Übung soll uns in den „latenten" (ruhenden) Teil der „Stille" einführen, doch wollen wir niemals die Wachheit des Geistes aufgeben, was auch immer geschieht. Aber wir wollen uns auch niemals beunruhigen, selbst wenn Dinge auftreten, die uns sonderbar oder erschreckend vorkommen - wir wissen ja jetzt, erkennen Zweck und "Weg! Wir wissen, auf welchen Fundamenten wir ruhen; wie könnte irgendeine Sorge in uns Platz finden? a) Gleich zu Beginn unserer Übung, wenn der Organismus am frischesten und aufnahmefähigsten, am kräftigsten und gelassensten ist, beim Eintreten des ersten Augenblicks der „Stille" lassen wir uns - geistig und körperlich - fallen. Aufmerksamkeit und Kraft des Geistes hindern uns nicht, buchstäblich zu stürzen, in eine dunkle, bodenlose, ungeheure Weite,» die versucht, uns zu „schlucken", uns Schrecken und ein „Aufhören!" entgegenzuschleudern. Wir lassen uns aber nicht beirren, sondern stürzen ohne irgendeinen Halt (ohne Vornahme, ohne Vorstellung, ohne Zielsetzung) weiter. Solange wir einige Furcht empfinden, ist dieses „Fallen" unangenehm, einigen furchtbar; gibt man aber den „versteckten" Widerstand auf, wird das Fallen zu einem angenehmen, ja, glückseligen Schweben; man schwebt, als würde man an unsichtbaren Schnüren inmitten eines rings um uns vorhandenen, uferlosen Abgrunds, oder im dunklen, unendlichen All gehalten. Wir wollen uns erinnern, daß dieser charakteristische Zustand die echte Stille, das letzte Ziel unseres Mühens ist.
b) Wahrscheinlich werden wir den geschilderten Zustand trotz allen Wünschen nicht lange aufrechterhalten können; er ist anfangs schwierig und „anstrengend", er gelingt jedoch bei wiederholten Übungen immer besser und kann ständig weiter ausgebaut werden. Kehren wir in einen mehr oder weniger tiefen Versenkungszustand zurück - der ja stets die Vorstufe der „Stille" ist, solange es uns nicht gelingt, durch ein an anderer Stelle beschriebenes Training die „Stille" plötzlich und augenblicklich hervorzurufen* -, wollen wir unsere Ruhe und Entspannungslage nicht aufgeben, aber auch nicht versuchen, das Vakuum erneut zu erzeugen. Wir können auf diese Weise noch ein anderes Erlebnis erlangen, vielleicht nicht beim ersten Male, sicher aber nach mehreren Versuchen, bestimmt bei guter Disposition, am leichtesten bei Vollmond und klarem Wetter. c) Wir versinken also nicht wieder in die „Stille" - das geht nach einiger Übung oft „automatisch" vor sich -, sondern bleiben im Gefühl des vom Irdischen Gelöstseins, in der „wachen Apathie" des Geistes. Auf keinen Fall darf uns irgendetwas stören; wir müssen Zeit haben, ruhig und ungestört sein (meistens „stört" uns ein Geräusch in dieser Situation gar nicht mehr, wir nehmen es gar nicht oder wie etwas Fremdes wahr). d) In dieser Einstellung überkommt uns langsam ein ganz sonderbares, kaum beschreibbares Gefühl. Es ist, als ob der Körper völlig abstirbt; er liegt da „wie ein Stein". Herz- und Atmungstätigkeit spüren wir nicht mehr, selbst der Rhythmus des Blutes scheint ausgeschaltet. Wenn wir nicht wachen, wenn auch gelassenen Geistes wären, würden wir wähnen, „tot" zu sein. Der ganze Körper, mit Ausnahme des Kopfes, scheint unempfindlich geworden zu sein (daß das zutrifft, beweist bei Versuchspersonen die Probe: sie sind mehr oder weniger unempfindlich, „anästhesiert" - hier ist die Ausgangsposition für Artisten und Yogin, sich „Künste" aller Art „einzuverleiben", zum Automatismus werden zu lassen -). Wir wissen, daß wir „leben" und »atmen", aber der Körper ist wie ein „warmer Eisblock", ein »atmender Stein". e) Die meisten Übenden machen den Fehler, diesen Zustand durch eine gewaltsame Anstrengung des Geistes zu beenden. Sie berauben sich damit nicht nur eines danach schwer wieder zu erlangenden Erlebnisses, sondern auch einer einzigartigen, „ausbaufähigen" Kraftquelle. f) Der „atmende Stein" - wir bleiben bei diesem treffenden Ausdruck - hat nämlich die wunderbare Eigenschaft, uns mehr als irgendein anderer Zustand die Überzeugung zu vermitteln, daß der „Stein" - also unser Organismus - einem „Stromnetz" angeschlossen ist und von diesem Strom „durchflutet" wird. Die „Starre des Körpers", vergleichbar einer Katalepsie, erleichtert nicht nur die Herrschaft des Geistes, die Vorstellung auch, daß die Kraftströme des Universums direkt - ohne der körperlichen Grenzen zu achten - durch uns hindurchfluten. Dabei ist die Bezeichnung „Vorstellung" unzureichend, und wer nach Vorschrift übt, weiß das. Wir fühlen, wie die Grenzen zwischen All und Körper verwischt, aufgehoben sind, wir wissen, daß wir - wie wir vorher geistig in einem dunklen, uferlosen Abgrund hingen - mitten im All schweben, und daß unsere Strömungen sich vermischen, austauschen. Vollkommen klaren Bewußtseins erfühlen wir das vollkommene Körper-Nichtgefühl, die sekundäre Bedeutung des irdischen Körpers, und die unbeschränkt - „unbeschrankt", ohne Schranken, müßte es richtiger heißen - wirksame Herrschaft des Geistes. Und da wir wohl der „schwächere" Teil sind, tritt die Kraft des Alls so stark in uns in Erscheinung, wird die „Harmonie des Geistes", der Ewigkeit, so spürbar in uns, daß langsam der ungewohnte Zustand in Behagen übergeht und dann einer tiefen Beglückung Platz macht, die erst durch das „Melden" des vorher gestellten Weckers geendet wird. g) Hin und her, im Raum, in uns, um uns, durch uns, fluten die harmonischen, ma chtvollen Ströme des Alls, erfüllen uns mit selten empfundener Kraft und Harmonie. Wir atmen, das ist uns unverlierbare Überzeugung, an der „Brust der Weltseele" und
empfangen von ihr die Kraft, etwa fehlende Gesundheit, Mut, Willen zur Tat. 11. Das eherne Gesetz der „Stille" Schwarze und weiße Magie Der Archäus als gestaltendes Prinzip durchflutet den ganzen Kosmos. So ist nichts unbelebt und alle vier Naturreiche unterliegen seiner Herrschaft, seiner leisesten Regung; sie sind prägefähiger als Wachs in unseren Händen. Urstoff und seine „Scheidung" sind das große Geheimnis des Universums, das „Mysterium magum", von dem nur zu flüstern zu Zeiten schon den Flammentod heraufbeschwor. Der kosmische Wille ist als Archäus das »eherne Gesetz der Stille", das in ihr souveräne Prinzip. Der Urstoff ist neutral; erst durch den kosmischen Willen tritt durch die Teilung des Iliaster in Gut und Böse, in Licht und Finsternis, das Gegensätzliche in Erscheinung. Der absolute "Wille sorgt kraft seines eigenen Magnetismus dafür, daß die gleichgearteten Stoffe den ihnen zukommenden Platz einnehmen. Es ist ein fürchterliches Geheimnis, daß der Mensch, jeder Mensch, kraft seiner schöpferischen Sendung mehr oder minder kraftvoll Einfluß nimmt auf den gestaltenden kosmischen Willen, der für die Harmonieverteilung, den Ausgleich in der Welt, sorgt. So nur ist es möglich, daß ein böser Einfluß auf den Archäus an anderer Stelle des Alls ausgleichend ein Gutes schafft, das - wie ein Bumerang zurückwirkend - dem Verursacher die Vergeltung bringt. Die Geschehnisse des Makrokosmischen wiederholen sich also im Mikrokosmos Mensch. Wird in die „Stille" eingetreten, ohne daß eine Neutralisation aller Körper erreicht ist - die völlige Sühne begangenen Unrechts oder Vergehen wider die Natur -, stürzt sich der in Bewegung kommende Archäus auf die disharmonische - schwache - Stelle und setzt sie in höchste Wirksamkeit (um durch den gleichfalls wirksam werdenden „Gegenpol" diese Stelle zu „reinigen"). Diese Reinigung aber muß dem Übenden Schicksalsschläge bringen, Katastrophen, Krankheit, Not oder Tod. Zwischen den verschiedenen okkulten Richtungen wogt der akademische Kampf, ob vor Beginn magischer Übungen der Mensch geläutert sein soll, oder ob die Übungen diese Läuterung bewirken sollen. Wir wollen uns nicht in diesen Disput mischen, aber wir wissen aus den Erfahrungen von fast zerbrochenen Menschenleben, daß der Eintritt in das magische Reich zwiefach verhängnisvoll ist für denjenigen, der nicht geläutert ist. Wie im Kosmos findet täglich, stündlich, im Menschen die Teilung in Gut oder Böse statt; jede Regung, jeder Gedanke, jede Empfindung, ja, Art und Einstellung zur genossenen Speise, noch mehr jedes Wort, jede Tat gruppieren die Mächteverhältnisse neu. Wir hoffen von Herzen, daß unsere von Anfang an ausgesprochenen Warnungen beachtet worden sind, daß unsere Leser vor den Übungen die Läuterung, die ethisch-moralische Entwicklung gesucht und gefunden haben. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird jedoch auch die „reine Neutralität" ein Spielball von Gewalten, die im Übenden sich um ihn streiten. Wie der „Sündenfall", die Trennung in Gut und Böse, einst im ganzen Kosmos vor sich ging und auf den einzelnen übersprang, so muß nun im einzelnen dieser „Fall" rückgängig gemacht, die Harmonie von ihm aus, das Paradies in ihm wieder hergestellt werden. Bevor der Studierende den Gipfel besteigt, der die Erde zu seinen Füßen zeigt und alle anderen Reiche dazu, muß er durch den Abgrund, in dem ihn der Versucher überfällt, ihn allen nur denkbaren Verführungen und Verlockungen aussetzt. Ein Nachgeben würde nicht nur bedeuten, daß aller bisherige Kampf vergeblich war, sondern würde ihn wohl oder übel in die Hände des Bösen treiben: zur schwarzen Magie. Gegen alle Gefahren, die ihm auf seinem Wege begegnen können, ist der Studierende geschützt, stehen ihm. Schutzmittel, Abwehrmaßnahmen zur Verfügung. Doch ein starker Charakter gehört dazu, vor der größten Gefahr geschützt zu sein, vor die sich jeder Okkultist
gestellt sieht, insonderheit, weil die Kräfte versuchen, entweder seinen Charakter wirklich unerschütterlich zu machen oder ihn zu Fall zu bringen. Der schwarze Magier ist niemals Herrscher, sondern immer beherrscht, lange Zeit, ohne es zu wissen. Er arbeitet nur an seinem eigenen, unausbleiblichen Untergang. Auch der „vollendete" schwarze Magier muß Fehlschläge einkalkulieren; ihre Rückschläge treffen sofort und erbarmungslos zurück. Die „gelungenen" schwarzen Werke jedoch treffen ihn später - mit zermalmender Wucht. Vierzehnte Übung (Bilden des „Mantram") Ein Mantram (mant = Wort, ram == Feuer, also im Sanskrit „Feuerwort", durchglühtes Wort) recht zu beleben, allen Körpern „einzuverleiben", ist nur in der „Stille" möglich. Ein Magier, der alle Werke tun, alle Wünsche erfüllt sehen will, bedarf nur der Fähigkeiten derStille und des in ihr zu bildenden Mantrams - auf weitere Ausbildung, andere Kräfte könnte er frohlockend verzichten. Die in der Stille entwickelten, eingeprägten, durchglühten Mantren sind von so vollkommener Wirkung, daß wir nur raten können, Mantren zu wählen (wie etwa in den Übungen 8 und 9), die der eigenen Vollendung und der Entwicklung oder dem Heil anderer Seelen dienen. In der Voraussetzung einer zu beseitigenden, die Entwicklung beeinträchtigenden gesundheitlichen Störung ist die folgende Übung trotzdem auf einen „materiellen" Zweck ausgerichtet: a) Da eine Belebung des Mantrams nur in der Stille möglich ist, müssen wir, bevor wir in sie eintreten, die autosuggestive Steuerung des Archäus veranlassen. Wir setzen das erstrebte Ziel wiederum entweder in Worte allgemeiner Geltung oder in einen Satz, der einen Einzelteil angreift. Für die vorliegende Übung wählen wir das allgemeine, den ganzen Körper und seine gefährdeten Stellen umfassende Mantram: „Eiserne Kraft und Gesundheit". b) Während der tiefsten Versenkung, aber vor Eintritt des Vakuums, flüstern wir das Mantram vor uns hin und „bewegen" es eine Zeitlang in unserem Innern, d. h. wir sprechen es zwanzigoder dreißigmal geistig vor uns hin. e) Erst dann rufen wir die Gedankenstille durch einen Akt des absoluten Willens hervor. Wir können sicher sein, daß nach einigen Tagen die ersten Wirkungen spürbar sein werden. d) Für die religiösen Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit der höchsten Liebesquelle für erfahrene Hilfe zu danken, andere Leidende in dringender „Für- Bitte" dem allumfassenden Geist zu empfehlen. Fünfzehnte bis siebzehnte Übung (Die „Kolorierung" der geistigen Welt) So selten es „Farbenblinde" gibt im irdischen Bereich, so oft findet man sie im Geistigen. Diesen Menschen erscheint alles, was sie sich „vorstellen", grau, ohne Farbe, ohne Leuchtkraft. Die folgenden Übungen helfen diesem Übelstand bei einiger Ausdauer ab. Für die magische Arbeit ist es von großer Wichtigkeit, alles „Geistige" so natürlich und lebendig-bunt wie nur möglich zu sehen. Zudem sind diese Übungen notwendige Vorbereitung auf den künftigen Übungsplan, denn bei der vorliegenden Buchreihe greift ja eine Übungsserie in die andere, geht eine Versuchskette in die andere über. Gehört auch die „Imagination" als Übungsstoff zum folgenden Band, so muß die Grundlage, die Imaginationsfähigkeit von Farben, bereits jetzt geschaffen werden, soweit sie nicht schon vorhanden ist. Im letzteren Falle tragen die Übungen dazu bei, die Plastizität kommender Imaginationen, und damit ihre Wirkung, wesentlich zu erhöhen. "Wir wissen, daß Imaginationen der Empfindungswelt und ihrem Feinstoff angehören, während die Stille Fähigkeit des kosmisch-geistigen Körpers ist. Wir wissen aber auch, daß besonders eine grundlegende Wirkung auf einer vorgeordneten Ebene veranlaßt werden muß. Fünfzehnte Übung (Farbsicherung) a) Wir nehmen auf unserem Ruhebett eine entspannte Haltung ein, versetzen uns gleitend in
die verschiedenen Bewußtseinsstufen. Im Zustand vor der Stille geben wir uns die Suggestion, daß wir ein „Rechteck" sehen werden, in der oberen Hälfte rot, in der unteren grün. b) Weisungsgemäß werden uns in der Stille die beiden Farben erscheinen, eventuell erst nach einigen Versuchen - und wir halten sie solange wie möglich fest. c) Wir nehmen, wenn beide Farben klar vor unserem geistigen Auge stehen, die grüne Farbe fort und haben nur noch „rot" vor uns. Dieses „Rot" dehnen wir nun aus, womöglich über den ganzen Hintergrund. d) Wir lassen wieder beide Farben (rot und grün) vor unserem geistigen Auge erstehen und nehmen e) die rote Farbe fort. Das verbleibende „Grün" behandeln wir wie vorher die rote Farbe und füllen mit ihr das geistige Panorama. f) Zum Abschluß der Übung löschen wir auch die grüne Farbe aus und gehen eine beliebige Zeit in die völlige, ungestörte, ungefährdete Stille und Dunkelheit. Sechzehnte Übung (Alle Farben des Regenbogens) a) Vor der Stille setzen wir die Suggestion, alle Farben des Regenbogens zu sehen. b) Sobald die Skala der Farben erscheint, nehmen wir nach bestimmtem Rhythmus eine Farbe nach der anderen fort, bis zum Schluß „Leere" bleibt. Siebzehnte Übung (Die individuelle Farbe) a) Die meisten haben schon in den vorangegangenen Übungen - oder früher - festgestellt, daß ihnen eine bestimmte Farbe besonders angenehm ist und am leichtesten vorstellbar ist. Diese Farbe „erzeugen" wir nun. b) Ist die Eigenfarbe grün, breiten wir die Farbe über eine reizvolle Landschaft, die wir uns „aufbauen". Bei „rot" wählen wir Feuer, das sich ausbreitet, bei anderen Farben passende Gegenstände, zum Beispiel blau: Himmel usw. c) Die Eigenfarbe wird solange wie möglich festgehalten. d) Nach ihrem Verlöschen gehen wir in die Stille und bleiben in ihr, solange es uns möglich ist. Achtzehnte Übung (Arbeit auf der „Astralebene") a) Bei besonders günstiger magischer „Bereitschaft" und günstiger Stunde nehmen wir folgende Übung vor: b) Wir gehen in das Stadium vor der Stille zurück (zum Beispiel Erzeugung des Sonnenrades, der Eigenfarbe) und stellen die autosuggestive Forderung, als unbeteiligter Zuschauer Einblick in das „Empfindungsreich" zu erlangen. Vor dieser Übung ist eine besondere Sicherung zwar nicht notwendig, aber auch nicht unangebracht; in jedem Fall wird der Studierende, der die Stille beherrscht, in keine Gefahr geraten können; c) wir lassen den Konzentrationsgegenstand (Scheibe, Zahl usw.) schwinden und „schweben" im dunklen Nichts. Sogleich wird gemäß unserer Forderung, je nach Konstitution und Umgebung, Einblick in das Reich emotioneller Elementarkräfte gewährt. Die Erfahrungen auf diesem Gebiet sind so unterschiedlich, daß eine Aufzählung der Möglichkeiten allein einen ganzen Band füllen würde. Jeder Leser hat wohl schon ein Spezialwerk hierüber in der Hand gehalten und studiert. Mit ihrer bloßen Aufzählung ist niemandem gedient; eingehende Würdigung erfahren diese Kräfte in einem späteren Buch*. d) Für heute wollen wir den Studierenden nur zu größter Gelassenheit und strengster Objektivität anregen, besonders, falls irgendwelche Störungen auftreten. Gegebenenfalls wird zur sofortigen Rückkehr in die „Stille" geraten. Neunzehnte Übung (Verselbständigung des Empfindungskörpers) War die vorangegangene Übung ein bewußtes Beobachten des Empfindungskörpers im
Astralreich, so soll die nun folgende Übung ein aktives Handeln des Astralkörpers auf dem irdischen Plan ermöglichen oder doch vorbereiten. Freilich ist hierbei die durch lange ausgeübte Stille verursachte Entwicklung des Empfindungskörpers und seiner Organe (Chakren) Voraussetzung. a) Suggestion vor der Stille: der »geistige Körper" wird sich vom irdischen Körper lösen und eine bestimmte Tätigkeit im Raum ausüben, zum Beispiel das Auslöschen einer Kerze, die Bewegung eines bereitgelegten Blattes Papier, die Schaltung einer - „spielend" bedienbaren Lichtquelle usw. Die Aufgaben können mit der Zeit „schwerer" werden, also „stärkere" Kräfte verlangen. b) Außer der vorgenannten Suggestion nehmen wir die Überzeugung mit in die „Stille", daß der Versuch uns leicht glücken wird, daß wir ihn bei klarem Bewußtsein »verfolgen" können, und daß wir sofort nach Ausführung des gestellten Auftrags in den - stets geschützt bleibenden - irdischen Körper zurückkehren. c) Während der Übung in der Stille wird uns neben einem oft sehr eigenartigen Gefühl, das hier absichtlich nicht beschrieben wird, die Empfindung von Furcht vor etwas Unnennbarem überfallen. Wir haben hier nur die Möglichkeit, in der Stille zu bleiben - dann wird die Suggestion verwirklicht - oder aber der Furcht nachzugeben und langsam in den Normalzustand zurückzukehren. d) Als erleichternd wird sich erweisen, die Übung jedesmal ein wenig weiter voranzutreiben, bis plötzlich eines Tages der Versuch glückt. e) Kraft und Gesundheit, Wecker, Überzeugung von der Gefahrlosigkeit für Seele und Körper sind Voraussetzungen der geschilderten Übung. Zwanzigste Übung (wechselnd „gelenkte" Gedankenstille) a) Unter den bekannten Umständen führen wir den tiefsten Versenkungszustand herbei (vor der Stille). b) Die Vorstellung des Kreises - oder andere Basisübungen - richten wir nun auf eins der folgenden Chakren: Hals-, Brust-, Nabel-, Sexual-, Knie- und Fußgelenkchakra. c) Wir lassen den Kreis kleiner werden, schwinden, gehen in die „Stille", bleiben aber konzentriert auf das gewählte Chakra. d) Bei unbefriedigendem Ergebnis versuchen wir nach einigen Übungen, bei anderen Chakren zu Resultaten zu kommen. e) Das Chakra, das uns die schnellste Förderung verspricht, behalten wir bei; in der Konzentration auf dieses Chakra werden erforderlichenfalls die Übungen dieses Buches erneut durchgenommen. f) Auf die Kräfte, die den einzelnen Chakren entsprechen, im Körper des Studierenden erweckt werden, kommen wir später* zurück. Die Übungen vermitteln diese Kräfte jedoch so langsam, stetig, daß im allgemeinen Überraschungen ausgeschlossen sind. Einundzwanzigste Übung (Kundalini- Zentrum) Alle Chakren stehen miteinander in Verbindung und führen sich gegenseitig Feinstoffe ätherische Vitamine könnte man sie nennen - zu, die ihre "Wirkung je nach Übungsdauer steigern. Davon macht eine beschränkte Ausnahme das Kundalini- Zentrum, als es erst zuletzt von den kreisenden Feinstoffen erfaßt, erweckt und in Tätigkeit versetzt wird, weil es - am unteren Ende des Rückenmarks liegend - in engster Wechselwirkung mit dem Scheitelchakra steht, welch letzteres der höchsten kosmischen Kraft entspricht. Die bevorzugte Belebung der Kundalini- Kraft würde die Wechselwirkung zwischen Hirn und Rückenmark steigern und - unter gewissen Bedingungen - gegebenenfalls zur schnellen Belebung des höchsten Chakras führen, ohne daß sich die anderen Chakren bereits in der notwendigen Weise durchgebildet haben. Das aber kann in den meisten Fällen zu großen Schwierigkeiten führen. Um aber Prozeduren, wie sie an anderer Stelle des Erdballs gelehrt werden, auszuschalten und dem Leser die Möglichkeit, nicht die Anregung zu geben, das geheimnisvolle Zentrum
beleben zu können, wird die folgende Übung geschildert mit dem dringenden Rat, die Entwicklung von Kundalini der gesetzmäßigen Entwicklung zu überlassen. Da Kundalini nicht nur mit dem Hirn, sondern auch eng mit der Sexualkraft verflochten ist*, ist für die Zeit der Kundalini- Übungen erotische Enthaltsamkeit geboten. a) In der Versenkung geben wir uns die Suggestion, indem wir den inneren Blick auf den Punkt der ruhenden Kundalini- Schlange richten: „Mutter Kundalini, heiliges Schlangenfeuer! Ich bitte Dich um Hilfe und Unterstützung auf meinem Wege zur Vollendung. Deine Kraft begehre ich, wohl wissend, welche Beschwerden Dein Erwachen verursacht und bin darauf gerüstet. Kundalini, erwache!" b) Auf das Kundalini- Zentrum richtet man nun einen kleinen, glühenden Punkt, der also förmlich den mehrfach gewundenen Schlangenleib durchbrennt und dadurch weckt. c) Daß die - durch den Eintritt in die Stille - nun beginnende Erweckung von Kundalini nur mit reinen Händen vorgenommen werden sollte, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden. Ein noch Vorherrschen niederer Triebe wäre verhängnisvoll. d) Die Übungen, langsam steigend in der Dauer, werden bis zum Erfolg durchgeführt. e) Wer die ersten Regungen von Kundalini spürt und eine Steigerung nicht wünscht, kann die Übungen abbrechen. Kundalini wird dann wieder „zur Ruhe gehen". Zweiundzwanzigste Übung (Übergang zum »Nirwana") Die Übungsreihe dieses Buches kann nicht abgeschlossen werden, ohne noch an eine Übung zu denken, über die zu sprechen schwer fällt. Es gibt eine geistige Fähigkeit, die über „Gedankenstille" noch hinausgeht, in direkte Verbindung mit dem Urlichtkörper bringt und „Samadhi" genannt wird. In den verschiedenen okkulten und magischen Systemen gibt es ganz bestimmte Zahlen Verhältnisse, die den Grad der jeweiligen Versenkung - die Stufen der „Stille" kennzeichnen. Da diese Zahlenwerte aber schwanken, wollen wir uns nur an den wirklich erreichten Grad der Stille halten. Es ist jedenfalls nicht möglich, die zu „Samadhi" führende Kraft zu entwickeln, bevor nicht ausreichende Mindestzeiten in der Stille verbracht wurden. Diese Zeiten sind individuell kosmisch bestimmt. a) In einer ausgewählten Stunde gehen wir in die „Stille". Wir lassen uns geistig und körperlich „fallen", voll wachen Geistes, bei vollkommen ruhender körperlicher Hirnarbeit, bei schlafender unterer Seelentätigkeit. b) Wir haben uns vor der „Stille" den Auftrag gegeben, »so weit zu wandern", wie die Sterne gehen, bis an die Grenzen eines Reiches, das durch eine Tür versiegelt ist. c) Hinter dieser Tür - bisher war ja Dunkelheit und Abgrund - aber ist - wir ahnen es, denn betreten können das jenseitige Reich nur ganz wenige unter uns, unter Millionen einer - Licht: das strahlende Lichtmeer der Gottheit.
*
* Ausführlich dargestellt in Band 9: .Wandlung de» Magiers*
12. Zusammenstellung, Analyse, Auswertung A. Zusammenstellung der Übungen Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Bezeichnung Grundübung l. Basisübung 2. Basisübung Chakrabestimmung 3. Basisübung Ausdehnung der „Stille" Üben bei offenen Augen „Hilfe allen Wesen" „Höchstgeistige Entwicklung"
Dauer 1-2 Monate 24-36 Tage 24-36 Tage 2-3 Tage 15-30 Tage 3-4 Wochen bis zum Erfolg 3-4 Wochen 3-4 Wochen lang
10
Forschung
3-4 Wochen lang
11
Rat
3-4 Wochen lang
12
Systematische Entwicklung
3-4 Wochen lang
13
»Der atmende Stein"
14 15 16 17 18
nach Neigung und Bedarf Mantramübung nach Neigung und Bedarf »Kolorierung" der geistigen Welt Nacheinander bis zum 1-2 X Erfolg
20 21
Arbeit im Bereich der Empfindungen Verselbständigung des Empfindungskörpers Gelenkte Stille Kundalini- Übung
22
Übergang zum »Nirwana*
19
täglich aufzuwendende Zeit 2-4 X 15-30 Min 2 X 15-30 Min 2 X 15-30 Min 1-2 X 2 X tägl. 15-30 Min 2-3 X je 1 Stunde 1-2 X je 15-30 Min. abwechselnd täglich 1 Übung oder nach Neigung und Notwendigkeit 1 Übung oder nach Neigung und Notwendigkeit Übung oder nach Neigung und Notwendigkeit Übung oder nach Neigung und Notwendigkeit
bei günst: Std.; nach Neigung nach Zeit und Neigung längere Zeit nach Neigung u. Notwendigkeit Einzelübung
1-2 X je 15-30 Min.
B. Analyse und Auswertung a) Zielsetzungen I.
Vorbereitende Grundübung zur Harmonisierung und Gleichschaltung des Gesamtorganismus II. Drei Basisübungen zur Erlangung der Fähigkeit der Gedankenstille III. Chakraübungen zur Entwicklung besonderer Zentren IV. Gewinnung der Kraft zur Aufrechterhaltung der Stille für längere Zeit. V . Besondere Technik zur Steigerung der Sicherheit VI. Das Mantram in der „Gedankenleere" VII. Forschung und Hilfe in der Stille VIII. Imaginationsbasis im Vakuum (Kolorierung) IX Arbeit auf der astralen Ebene und mit dem Astralkörper X. Kundalini- Übung XI . Übergang zum „Nirwana
Übung Nr. l Übung Nr. 2, 3, 5 Übung Nr. 4 und 20 Übung Nr. 6 Übung Nr. 7 und 13 Übung Nr., 8, 9, 14 Übung Nr. 10, 11 Übung Nr. 15, 16, 17 Übung Nr. 18, 19 Übung Nr. 2l Übung Nr. 22
b) Übersicht: Übungsphasen und Dauer I II III IV V VI
In aufgeführter Reihenfolge Grundübung Basisübungen Chakrabestimmung Ausdehnung Bei offenen Augen Reinmagische Praxis in Verbindung mit der „Stille
Übung Nr. 1 2,3,5 4 6 7 8 – 20
Dauer 1-2 Monate 2, 3, 5 ca. Monat einige Tage ca. 1 Monat 2-3 Wochen im Anschluß an die Übungen 1-7, nach Notwendigkeit, Fähigkeit und Neigung
Anmerkungen zu Übung 1-7 Gesamtdauer mindestens 4 Mon.
c) Bemerkungen zum Übungsplan Bei gründlicher Durchsicht des vorstehenden Übungsplanes wird der Leser bemerken, daß beim Aufbau Logik und magische Gesetze Pate standen. Die vorbereitende Grundübung ist von großer Wichtigkeit für die Bereitung des Bodens, auf dem die „Stille" wachsen soll, und zur Entwicklung des absoluten Willens, der nur positive Kräfte zum Aufbau und zur Anziehung und Gleichschaltung vorfinden soll. Die Ausdehnung der Basisübungen auf drei erleichtert eine individuelle Übungstechnik, gestattet aber auch oft sehr zweckdienliche Abwechslung. Für den Psychotherapeuten werden die Übungen eine wahre Fundgrube darstellen und ihm viele Vergleichsmöglichkeiten mit der psychotherapeutischen Praxis und tiefenpsychologischen Experimenten bieten. Die Übungen ab Nr. 7 dienen im Grundsätzlichen der Weiterentwicklung und Variation der erworbenen Kräfte sowie praktischer Zielsetzung. Alle angeführten Arbeitsbeispiele verraten dem stetig Studierenden eine Systematik, die er jederzeit an anderen Aufgaben erproben kann. Es ist dringend zu empfehlen, die Übungen mit aller Prägnanz, Gründlichkeit und Sorgfalt auszuführen. Beherzige der Leser, daß die Übungen - die er sonst nirgends veröffentlicht findet, in der vorliegenden Auswahl, Zusammenstellung und in ihrer Gruppierung das Resultat jahrzehntelanger Erfahrungen sind, in ihrer Reichhaltigkeit und klaren Gliederung etwas noch nicht Gebotenes darstellen. Von verschiedenen Seiten wird angegeben, daß Übungen der Gedankenstille unbedingt rein mystischen Charakter haben müßten. Das ist nach unserer Erfahrung und daraus resultierender Auffassung nicht der Fall, solange Ernst, hohe Zielsetzung und Verantwortung die Zügel führen. Buddha zum Beispiel glaubte keinen persönlichen Gott und hatte doch nach
den Bestätigungen seiner Schüler oft so tiefe Zustände der »Entrückung" (Gedankenstille, Ekstase, Samadhi), daß er durch sie Kraft und Tiefe erhielt, ein Religionssystem zu begründen, das die Jahrtausende überdauerte, dessen Anhänger nach Hunderten von Millionen Seelen zählen. Der "Wunsch nach Wahrheit und Befreiung genügt also - bei angeglichener Lebensführung durchaus, in Verbindung mit jenen Kraftebenen zu kommen, die uns eine sichere, fundierte Verbindung mit den Ewigkeitskräften geben und den Körper als Gefäß einer Kraft erscheinen lassen, die diesen Körper und den ihn umgebenden materiellen Plan überwindet. Allerdings sehen wir nicht ein, warum man eine vorhandene Kraft, an die man glaubt, nicht auch mit dem Namen belegen soll, der sein Fundament in einem christlichen Kulturkreis hat, der in Jahrtausenden gewachsen ist, mit dem geheiligten Namen Gottes. Unser Fundament für magische Arbeit, unsere Sicherheit gegenüber Gefahren und Verlockungen wird unendlich gesteigert, wenn der persönliche Gottesbegriff vertieft wird. Zweifellos ist es der Seele wichtiger, zu wissen, daß sie bei Auflösung des irdischen Körpers in die sehnenden Arme eines liebenden Vaters zurückkehrt, als an einen „hohen geistigen Plan" zu glauben, der uns aufnimmt. d) Rückblick auf die Übungen, die dem vorliegenden Band vorausgingen Grundsätzlich treten die Übungen des vierten Bandes an die Stelle der Übungen des dritten Buches. Die Atemübungen würden wir empfehlen, wenn irgend möglich - und das Leben lang beizubehalten, desgleichen die »Glaubenskraft-Übung". Die Übungen „Odspeicherung" können fortfallen; sie werden mehr als ersetzt durch vorliegende Übungen. Wer Zeit und Muße hat, möge sie trotzdem fortsetzen; seine Öd Vorräte werden sich auf diese Weise sehr steigern und zur Verfügung stehen, wenn Krisen oder schwere Aufgaben an ihn herantreten. Abschließend sei noch bemerkt, daß uns in geistiger - nicht in „technisch-magischer" Hinsicht nur noch eine Stufe vom Höchsten trennt. Die technisch-magische Entwicklung wird vom nächsten Band an* stark vorangetrieben. Das Erklimmen der erwähnten letzten Stufe kann Tage, Jahre oder Jahrtausende fordern: das Wissen darüber wird dem Einzelnen nicht gegeben. Wir scheiden für diesmal mit einem herzlichen Gruß an unsere treuen Leser, die geduldig die Mühsal geistigen Emporklimmens mit allen Begleiterscheinungen und Überraschungen um eines hohen Zieles willen auf sich genommen haben. Gloria patrie!
*
Band V: »Imagination all geistige Wegbahnung".
Das »geistige Panorama"* l Gesetze
2 Welten
3 Körper
I. Tatsachen
irdische
ird. Körper
4 geistige 5 Kräfte Zustände irdische Materie Konzentration magische Od Konzentration
II. Mittler PranaLebens zwischen Tatsache und Ursache III. Astral Empfindungs- Imagination emotionelle Ursachen IV. ideelle psychische SeelenMeditation Ursachen V. Gesetze
geistige
psych. Stoff
Urkraft (der »Odem")
8 Chakren
FußgelenkChakra Zwischenbewußtsein Lebenskraft Knie-, Hand und FußflächenChakren Unterbewußtsein materielle SexualEmpfindungen Chakra
kollektives Unterbewußtsein psychisch Kontemplation niederer kollektives Mentalstoff Unterbewußtsein geistig Gedankenstille höherer All-Bewußtsein Mentalstoff
menschlichgeistiger Körper VI. Intuitions- Kosmisch Prinzipien Welt geistiger Körper VII. reine Lichtmeer Urlichtkörper Samadhi schöpferische der Kraft Gottheit
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Astralstoff
6 7 Wirkungen Bewußtseinszustände Oberbewußtsein Tat
Gott-Bewußtsein
Instinkte, höheres Empfinden konkretes Denken
NabelChakra
abstraktes Denken
Hals- und BrustChakren AugenChakra
kosmischer Wille
SchekelChakra
BÜCHER DER PRAKTISCHEN MAGIE Magie, ihr Geheimsinn, ihre Technik und praktische Anwendung BAND V Imagination als geistige Wegbahnung
Eine einzigartige Einführung in die Welt der „geistigen Bilder" als Basis erfolgreich ausgeübter Magie und stetiger Hochentwicklung; eine umfassende Unterweisung in die verschiedenen Arten und Grundlagen, Wirkungen und Möglichkeiten „geistiger Schau"; ein direkter "Weg zur Entwicklung der »inneren Sinne" und „höheren Körper" Von H. E. Douval
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Inhaltsverzeichnis Vorwort .... Einführung in das Wesen der Imagination .... Zielsetzung und Ausrichtung ....... 1. Wirkungen der Imagination..... 2. Meditation: Übung A ....... Unabdingbare Bestandteile ........ 1. Die einzelnen Komponenten.. 2. 4- Stufen- Grundübung: Übungsgruppe B Wirkungsbereiche Umschaltung ........... Wegbereitung ........... Magische Werke ........... Seelische Kräfte ........ Übungsgruppe C ......... Übungsgruppe D ......... Notwendige Exerzitien ...... Übungsgruppe E ......... Wunschziele und „Wunscherfüller"...... Übungsgruppe F .... „Die drei Wünsche" .......... Übungsgruppe G ......... Übungsgruppe H ......... Imagination als Komponent praktischer Magie Übungsgruppe I ......... Weckung schlummernder Kräfte ....... Übungsgruppe K ......... Konzentration auf das Wesentliche ...... „Versetzung des Ich" . . ....... Übungsgruppe L .... „Schicksalsgestaltung mit Hilfe der Imagination". Übungsgruppe M . Zusammenfassung der praktischen Arbeitsvorlagen 1. Übungen und Experimente ..... 2. Anmerkungen zum Übungsplan ....
Vorwort Als 5. Band der .Bücher der praktischen Magie" überreichen wir unserem stetig wachsenden Leser- und Freundeskreis eine Arbeit über den »Angelpunkt der Magie", über die »Imagination". Es gibt eine vornehmlich von Theoretikern vertretene Auffassung, nach der Magie nicht »lehrbar", also auch nicht erlernbar sei. Im Gegensatz dazu sind nun aber, solange Menschen diese Erde bevölkern, zu allen Zeiten, von allen Kulturen - die ja stets einer magischen »Wurzel" entspringen - , Exerzitien in mehr oder minder engem Kreise gepflegt worden, die nichts mehr und nichts weniger bezweckten, als die Heranziehung, die »Züchtung" von Magiern, z. B. als Nachfolger von Priestern, oder Novizen von »Zauberern" und »Medizinmännern". Freilich wurden die »Neophyten" nach bestimmtem System »ausgelesen": es waren für die Magie Prädisponierte, also passiv Veranlagte - wie Medien - oder zu aktiv- okkultem Tun Begabte: Sensitive. Diese »Auslese" besagt nun durchaus nicht, daß nur sogenannte Sensitive oder andersartig Vorbestimmte für die Magie taugen. Allgemein gesehen, hat der Sensitive lediglich den »kürzeren Weg" zur Einweihung zurückzulegen als der minder Begabte. Den »Vor Sprung" des Sensitiven kann der weniger gut Disponierte aber aufholen, mitunter wettmachen durch erhöhten Einsatz, größere Intensität der Übungen, konsequentere Beachtung der geltenden Gesetze, strengere Unterwerfung unter die Gebote der Magie. Eine fehlende »Disposition" kann also nachgeholt werden. In diesen Arbeiten ist davon immer wieder die Rede. Und damit wird magische Bereitschaft und die Fähigkeit zum magischen wirken zur Eigenschaft, die jedem ernsthaft Strebenden erwerbbar ist. Wohl kann der Weg für den einzelnen länger, anstrengender sein: das Ziel wird er, läßt er es nicht aus den Augen, nach Maßgabe seiner entwickelten Kraft und Zähigkeit erreichen. Eine entscheidende Bedeutung für die »Bereitung' des Magiers kommt jenen Exerzitien zu, wie sie in der vorliegenden Arbeit als Imaginations- Übungen erläutert werden: insofern ist geistig- magische Vorstellung die stärkste Säule des werdenden und des ausübenden Magiers. Mit dem vorliegenden Heft strebt die Bücherreihe einem ersten Höhepunkt zu, der im 6. Band erreicht wird. Von da ab - also vom 7. Band an - setzt die eigentliche Steigerung ein, um schließlich im 12. Band in einen neuen Höhepunkt und vorläufigen Abschluß zu münden. Vergessen wir niemals, daß es ein ,Ende" nicht gibt, am allerwenigsten im Magischen, das sich mit Ewigkeitswerten verbindet. H. E. Douval. Einführung in das Wesen der Imagination So wichtig, ja unentbehrlich für regelrechte Entwicklung die vier vorhergehenden Ausgaben der „Bücher der praktischen Magie" auch als Fundament des magischen Werkes sind: streng genommen sind sie trotz ihrer Einordnung in das magische Gesamtgebäude, in die okkultorganische Entwicklung, abgegrenzte, „einseitige" Themen. Das „Wunder des Unergründlichen", das Magische, beginnt recht eigentlich erst jetzt, mit dem vorliegenden Band „Imagination als geistige Wegbahnung". Die ersten vier Bände der vorliegenden Buchreihe sind also unbestreitbar wichtige und notwendige Bausteine der magischen Evolution, aber sie bilden die Basis, nicht den Bau selbst. In der Gliederung, dem Aufbau der Themen innerhalb der magischen Buchreihe wird dem Aufmerksamen so recht deutlich, wie vielgestaltig eine rechte „Bereitung" - Vorbereitung, Umschaltung, Disposition - ist, und wie immer höher sich die Stufen des geistigen Baues türmen, die wir eine nach der anderen zu erklimmen uns vorgenommen haben: wenn wir glauben, dem „Gipfel" nähergekommen zu sein, erkennen wir, daß andere, kleinere „Berge" sich vor ihn schieben.
Aber auch ein anderes wird bei dieser Betrachtung sichtbar: daß mit dem Höherklimmen auch unsere Betrachtungsweise sich verändert hat, unsere Einstellung zu allen Tagesfragen und zu Problemen des geistigen Lebens; daß unsere Kräfte mit dem Höhersteigen wachsen und heute uns Dinge „verständlich", „selbst "- verständlich sind, die wir vor kurzem uns noch nicht vorstellen oder erklären konnten: so wachsen wir mählich, aber stetig, immer weiter hinein in das magische Reich, dessen Weite und Möglichkeiten uns besonders der vorliegende Band erschließt. Das „Höherwerden" des Gipfels stimmt uns also freudig, beflügelt unseren Mut, weil mit dem Gipfel auch unsere Kräfte und Fähigkeiten wachsen. Als Folge der Übungen dieser Arbeit wird sich entsprechend den erkannten Tatsachen unser Blickpunkt wiederum „verschieben" : wir werden erkennen, daß der Magier nicht - lediglich einem 'Wunschgedanken Raum gebend - die Welt in sich und um sich mit Wesenheiten „bevölkert", die personifizierbar und einsetzbar sind. In uns und außerhalb von uns wirken ständig selbständige Wesen, entwickeln sich, gehorsam der Steuerung des absoluten Willens, der die in uns einströmenden „Kräfte" verteilt. Diese „Strahlungen", wie der moderne Mensch sagen würde, dienen uns oder vernichten uns: je nach der Zielsetzung unseres Gesamtwesens. Diese „Wesenheiten" sind „einzellig", primitive Elementarkräfte, oder „vielzellig", komplexselbständig handelnde, nach eigenen Gesetzen lebende Wesen, die retten oder Gefahren bringen können. So gehen wir mit dem vorliegenden Buch einer neuen, sehr bedeutsamen, ja entscheidenden Stufe entgegen. Durch die „vorangegangenen Ausgaben haben wir die Basis gewonnen, von der aus wir an die Ausbildung der Imaginationsfähigkeit gehen können, ohne uns unüberwindlichen Gefahren oder Schwierigkeiten gegenüberzusehen. Die bisherigen Übungen, die entsprechend der Vielgestaltigkeit der menschlichen Persönlichkeiten mehr oder minder gründlich durchgeführt worden sind und zu mehr oder minder großen Erfolgen und Umgestaltungen führten, sollten gewissermaßen die Änderung der „Schwingungsrate" des irdischastralen Körpers herbeiführen und an magische Bewußtseinszustände, an magisches Denken und Handeln gewöhnen. Jetzt sollen die geschaffenen Dispositionen des Organismus, die erworbenen Kenntnisse und die einigermaßen fundierte Selbstsicherheit im magischen Tun zu vollkommenem, magischem Werk eingesetzt werden. Wir stehen also vor der epochalen Stufe, die uns die Entwicklung der imaginativen Fähigkeit bringt, die uns gestattet, die erworbene Fertigkeit zu festigen, und mit Hilfe der Imagination nunmehr die Durchführung fast aller magischen Werke zu ermöglichen. Eine Imagination in unserem Sinne, also in bezug auf das magische Ziel, ist eine lebendige geistige Vorstellung, die jeden Nebengedanken ausschließt, also allein auf eine bestimmte „Vorstellung" gerichtet ist und bestimmte Zeit unwandelbar bleibt. Wir können auch sagen, daß die magische Vorstellung eine „Konzentration in Bildern" ist, die Umsetzung, Umwandlung strenger Konzentration in ein „Bild": in visuelle Werte und Kräfte. „Lebendig" ist nur, was lebt: dieses Leben vermittelt der kosmische Wille in Verbindung mit der geistigen Kraft, die auf der betreffenden Ebene des menschlichen und kosmischen Organismus tätig ist. Ein „Bild" ist die dem Geist völlig und in allen Einzelheiten deutliche und klare, fest umrissene plastische Vorstellung, das „Abbild" irgendeines „Dinges", also die visuelle Nachschöpfung eines solchen, oder die bildhafte „Erinnerung" an es. Unter „plastisch" verstehen wir, daß eine Imagination nicht nur „Fläche", sondern auch „Hintergrund" hat: die Imagination ist also wie ein Gegenstand, der einen Raum füllt, hoch, breit und tief: ein „Körper" im vollen Sinne des Wortes, kein „Bild" aus einer Illustrierten. Die Imagination ist also dreidimensional; Ein Strich ist einflächig, ein Quadrat zweiflächig, eine Kugel dagegen ein umschlossener Raum, der drei Dimensionen umfaßt. In diesem Sinne allein ist Imagination dreidimensional, obwohl sie - wie wir später sehen werden - auch diese irdischen Begrenzungen sprengt.
Die „Plastizität" der Vorstellung gibt ihr noch nicht „Leben", noch nicht die Charakteristika des Lebens: man gewöhne sich also von Anfang an daran, Vorstellungen „natürlich" zu sehen": ein Baum also „bewegt" sich im Wind, wirft - bleibt auch die Lichtquelle unsichtbar „Schatten". Daß eine Belebung noch über das Visuelle hinausgehen muß, um zu einer vollkommenen Imagination zu werden, erkennen wir ebenfalls noch später. Der Lebenskörper (Odkörper) des Menschen trägt und erhält sein Leben, der „Odem Gottes" (absolute oder kosmische Wille) schuf es und lenkt es: diese beiden Kräfte erst „verlebendigen" eine Imagination und machen sie wirkend. Kein anderes inneres oder äußeres Hilfsmittel kann sich messen mit der Imagination, es sei denn der „lebendige Glaube", der Berge versetzt. Wie dieser Glaube ist Imagination als „inneres Hilfsmittel" eine Kraft, die nur in einem bestimmten „Bewußtseinszustand" wirksam wird. Wir wissen aus dem 4. Buch dieser Reihe*, daß der Imagination die Astralwelt, der Empfindungskörper „entsprechen", deren Bewußtseinszustand aber das Unterbewußtsein ist, das im Schlaf, in der Hypnose und Narkose „angesprochen" werden kann. Der seine Erfüllung als selbstverständlich voraussetzende Glaube und die ein Mißlingen ausschaltende lebendig- plastische Imagination sind Attribute ein und derselben Kraft: des kosmischen, also nicht- irdischen Willens. Der „Stoff", der die Imagination „bildet", wird aus dem Öd oder Astralen genommen; der „Steuermann" aber, der das „Boot" auch durch Stürme ans sichere Ziel steuert, ist der absolute Wille: die unerschütterliche Überzeugung vom Gelingen, die plastischlebendige Vorstellung, bereits am Ziel zu sein, ja, Hindernisse einfach „überspringend", wohl wissend, daß „Hilfskräfte" für ihre Beseitigung Sorge tragen werden. Von Anfang an wollen wir uns klarmachen, daß zwischen magischer Vorstellung (Imagination) und den irdisch- körperlichen Mitteln, die sich an ihrem Zustandekommen beteiligen, eine sonderbare, ja, auffällige Wechselwirkung besteht. Auf diesen entscheidenden Faktor, dem A und O der Magie und ihrer praktischen Ausübung, kommen wir noch ausführlich zu sprechen, doch wollen wir schon jetzt ausdrücklich einige Hauptgrundsätze festhalten, gleichsam als richtungweisende Leuchttürme aufstellen: 1. Imaginationen sind im vorliegenden Buch stets geistigmagische, plastisch- lebendige Vorstellungen in allen Einzelheiten, intensiv und mit einer gewissen Wucht „bildhaft" gedacht, und solange wie möglich festgehalten. 2. Der Erfolg, also Wirkungseintritt der Imagination, hängt ausschließlich ab von den „gegrabenen Kanälen", also der entwickelten Imaginationsfähigkeit, dem ständigen, unverdrossenen, ununterbrochenen Üben, der aufgewendeten (verfügbaren) Kraft, und schließlich der Intensität und Dauer der Vorstellung. Die Intensität der Vorstellung steigert sich mit der wachsenden imaginativen Befähigung, die Dauer der Vorstellung hängt ab von der Dauer des Konzentrieren könnens. Die aufgewendete Kraft ist, wie schon erwähnt, das Öd, das wir gelernt haben, in harmonisch reiner Qualität zu erzeugen und nach Belieben „auszusenden" oder »einzusetzen". 3. Imaginationen wirken ein Vielfaches stärker als Verbalvorstellungen (Wortsuggestionen). Dementsprechend schneller und stärker wird ihre „Verwirklichung" (Verirdischung) durchgesetzt, alle denkbaren „Kräfte" hierzu aufgerufen. 4. Imaginationen, die ständig und ausdauernd geübt werden, dienen zur Erweckung eben jener Kräfte, die für die Imagination benötigt werden: die Wechselwirkung ist hier vollkommen. Die Kraft zur Imagination, die angefühlte „gewisse Wucht" der „Bildgestaltung" nach der notwendigen Kraftkonzentration und im erforderlichen „abgezogenen" Geisteszustand, sind nicht von Anbeginn vorhanden, sondern wachsen mit der Übung; mit der Stärkung der Selbstsicherheit, des kosmischen Willens, mit der sich steigernden „Kraftballung". Mit der „Wucht" nicht zu verwechseln ist Verkrampfung, die immer falsch ist. Es ist eines der Übungsziele dieses Buches, die bildhafte Gestaltung von anfänglich längerer *
Siehe Band IV: .Gedankenstille - Mutter aller Magie."
Zeit auf ganz kurze, ja, plötzliche Intervalle zu konzentrieren, weil eine solche schnelle Imaginationsfähigkeit zu mancherlei magischem Werk notwendig und unentbehrlich ist. Es gibt Situationen, in denen es unmöglich ist, längere Vorbereitungen zu treffen: die Wirkung muß augenblicklich eintreten. Imaginationen wirken auf gewisse „Bildekräfte" des menschlichen Organismus, die eng mit dem Gesamtgefüge des Seelischen zusammenhängen, besonders mit bestimmten früheren Zustandsformen, in deren Urgründen unerhörte Kräfte ruhen. Wir erinnern in diesem Zusammenhang nur an das Kollektiv- Unbewußte des Menschen, das stark angesprochen wird. Auch aus diesem Grunde können wir unseren Lesern eine erneute Mahnung nicht ersparen, stets höchsten ethischhumanen Zielen zuzustreben und niederes Wollen dahin zu weisen, wohin frühere Selbstsucht und materielle Genußsucht verbannt wurde. Das allein ist der Sieg des „Iliaster" über „Cagaster" (des Lichts über das Dunkel): Harmonisierung der menschlichen Gesamtpersönlichkeit. Zielsetzung und Ausrichtung l. Wirkungen der Imagination Was eigentlich geschieht, wenn wir uns geistige Bilder vorstellen, also imaginativ im magischen Sinne tätig sind? Es findet eine Beeinflussung sowohl des körperlichen als auch des seelischen Organismus statt, die naturgemäß miteinander verwoben sind, an gewissen Knotenpunkten (Chakren genannt) ihre Strömungen austauschen. Auf diesen „Strömungskreislauf" nun wirken Imaginationen in der Weise, daß die Art der Vorstellungen auch die dazugehörigen, oder, wie der Okkultist sagt, „entsprechenden" Kräfte weckt. Wir können so eine ganze Skala von Vorstellungsarten und mit ihnen korrespondierenden Kräften feststellen: I. Vorstellungen, die nach der „Natur" gebildet werden, wirken zurück auf die Kraft, die die Natur im „Abbild" enthält, ihre Grundlage ist: auf die astralen Kräfte. II. Konkrete Vorstellungen, die des „natürlichen Vorbildes" entraten, bewirken Veränderungen des niederen Mentalkörpers. III. Abstrakte Vorstellungen des höheren Mentalkörpers wirken demgemäß auf den kosmischgeistigen Körper, usw. Die Gruppe III bildet sozusagen ein „Zwischenstadium"; die darüber hinausgehenden Vorstellungen müssen konsequenterweise auf astrale Bildhaftigkeit verzichten, da höhere Kräfte ihr Dasein, ihre Wirkung, bestimmen. Sie haben also mit den hier zu untersuchenden Imaginationen nichts gemein. Schon aus dieser ersten Übersicht wird klar, wie tiefgreifend die Wirkungen sein müssen, die von der Imaginationskraft - ihrer Erwerbung, Fundierung und Ausgestaltung - ausgehen und auf die höheren Organe des Menschen wirken. Tiefgreifende seelisch- geistige Umwälzungen sind demnach nicht nur zu erwarten, sondern sie sind selbstverständlich. Es wäre „unnatürlich", wenn sie ausblieben. So kann zum Beispiel die Konzentration einer Vorstellung an einem beliebigen Punkt des Körpers stattfinden, einem Chakra, das gewechselt werden kann: diese Bild- Konzentration auf gleichbleibende oder wechselnde Chakren führt zu einer symptomatischen Entwicklung des gesamten Astralgefüges und seiner Supranormalen Sinne. Wie der Leser, der uns treulich bis hierher gefolgt ist, gelernt hat, Od- Kräfte nach seinem Belieben abzugeben, lernt er nun auch, den Astralkörper - der ja vorbereitend schon „exerziert" worden ist - zu verselbständigen, ihn bewußt einzusetzen, astrale oder Empfindungskräfte „auszusenden", wirken zu machen, auch dergestalt, daß diese freiwerdenden Astralkräfte, die sich stets des Od- Mittlers bedienen und des steuernden absoluten Willens, eine Verbindung eingehen mit gleichgearteten Quellen des Kosmischen, um so die „Verwirklichung" der Imagination „zu Wege" zu bringen. Erinnern wir uns aus dem vorangegangenen Band der Tatsache, daß den astralen Kräften als Zentrum das Sexual- Chakra „entspricht", so wissen wir nun auch, daß Imaginationen in jedem Falle auch zur Anregung der sexuellen Kräfte führen - freilich zu dem evolutionären
Zweck, die so verstärkten Kräfte zu assimilieren und Zwecken der Höherentwicklung, nicht aber der Vergeudung zuzuführen. Oft tauchen in diesem Zusammenhang „nicht abgetragene", karmische Belastungen niederer Art auf, machen ihre bisher „ruhenden" Rechte geltend, versuchen, sich mit aller Macht durchzusetzen: auf dem Wege über Vorstellungen, die den Übenden überfallen, sich sofort zu verwirklichen trachten. Hier erkennt der Studierende die Gefahren, die auf ihn lauern, wenn er ungeläutert an die Übungen geht. Diese Gefahren sind geringer, ja, können durch positive Haltung ausgeschaltet werden, wenn unsere bisherigen Ratschläge beachtet wurden, und wenn vom Start an eine klare, unmißverständliche Ausrichtung erfolgt, die Ziel und Zweck der Übungen festlegen, und so dem „Fürst der Finsternis" keine Handhabe mehr bieten. Zur Vorbereitung, Sinngebung, Zielsetzung, Ausrichtung und Formung der Übungskräfte nehmen wir als erste Übung des vorliegenden Bandes eine verbal- imaginative Kraft in uns auf, die wir immer dann anrufen, wenn wir in Bedrängnisse, Störungen oder Verwirrungen geraten. Diese Kraft ersteht nicht nur in Worten, sie muß auch in uns empfunden werden, immer und immer wieder durch den ganzen Körper klingen, bis jede Zelle bei ihrem Anruf sofort und eindeutig antwortet, und damit allen anderen Kräften den Boden entzieht. 2. Übung A Meditation „Ich habe mich mit den Gesetzen und Formen der hohen Magie vertraut gemacht, mir ihre Hilfsmittel in langen Monaten konsequenter Übung erschlossen. Ich habe die magische Konzentration zu meinem unverlierbaren geistigen Besitztum gemacht und mir die himmlische Kraft der Gedankenstille erobert, dieses nach meiner Vorstellung einsetzbare geistige Vakuum. Nun habe ich das sichere Empfinden, die unerschütterliche Überzeugung, daß mir „Flügel" gewachsen sind, daß sich in mir die Fähigkeit entwickelt - oder vorbereitet - hat, die irdischen Grenzen von Raum, Zeit und Materie zu überwinden, jetzt, während ich noch auf Erden wandele, die mir hier gestellten Aufgaben vorbildlich erfülle. So werde ich zum souveränen Herrscher in beiden Welten, der irdischen und der magischen; die in mir erwachenden seelischen Tiefenkräfte, durch unermüdliches, ununterbrochenes Training zum steigenden Wachstum gebracht, machen mich zum Herrn aller Welten und Kräfte. Ich weiß, daß alles bisher Erreichte nur Bruchteil des Möglichen ist. Ich ahne, daß sich meine Seele nun zum Höhenflug anschickt in neue Regionen, die zu durchforschen mein Wille, meine Bestimmung, mein Begehren ist. Alle erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten aber sollen dienen der eigenen Entwicklung und der meiner Brüder und Schwestern und aller Wesen. So werden denn alle Kräfte der Liebe und Harmonie angezogen, alle Mächte im Himmel und auf Erden, mich in meinem Werk zu unterstützen. Abgewiesen aber werden alle Störungen und Kräfte, die nicht mit meinem Ziel übereinstimmen. So ruhe ich sicher im Schoß geistiger Harmonie, ein Herold der Liebe und Toleranz, des Helfens und des Aufstiegs." Unabdingbare Bestandteile l. Die einzelnen Komponenten Es ist hier an der Zeit, an die im l. Band erschöpfend aufgezählten Ingredienzien des magischen Werks zu erinnern. Die geistig- magische Vorstellung- wenn wir von Imagination sprechen, meinen wir niemals etwas anderes - ist ein vollkommenes magisches Werk und gleichzeitig die stärkste Säule „zusammengesetzter" (komplizierter) magischer Vorgänge. Die Imagination setzt, wie jede okkulte Handlung, eine bestimmte allgemeine „Gleichschaltung" (Disposition, „Bereitung") des menschlichen Organismus in allen seinen Teilen voraus sowie einen unerschütterlichen Glauben, ohne den kein Ding auf Erden oder im
Überirdischen möglich ist: die Überzeugungskraft also, ein sicheres Wissen, daß wahrhaftig geschieht, was wir wollen, glauben, erstreben, erwarten. Die Imagination selbst besteht aus folgenden Konglomeraten: I. der Zielsetzung; II. besondere Gleichschaltung (notwendiger, geistiger Bewußtseins- Zustand, der die Lösung vom Irdischen umschließt; III. absoluten Willen; IV. Öd; V. das geistige „Bild" selber. Je konkreter (bestimmter, klarer) die Zielsetzung festgelegt wird, um so wirkungsvoller ist die magische Handlung. Nur eine klare Zielsetzung läßt sich in ein deutliches „Bild" bringen, das für die Imagination nun einmal unentbehrlich ist. Wir wissen, daß dem Organismus auch noch andere als visuelle Imaginationen (nämlich Vorstellungen entsprechend den übrigen irdischen Sinnen: Gefühl, Geschmack usw.) „gegeben" werden können, aber zunächst beinhaltet für uns das Wort Imagination lediglich bildhafte Vorstellungen. Über die allgemeine Gleichschaltung ist in diesen Büchern immer wieder gesprochen worden; sie entspricht der Harmonisierung der Gesamtkonstitution oder - im gesteigerten Sinne - einer „Ätherisierung" des Stofflichen: Lösung vom Irdischen, Befreiung von ihm, Aufhebung der „Kreuzigung" an die Materie. Die besondere Gleichschaltung setzt diesen Prozeß der Lösung im speziellen Sinne fort: durch die den gewünschten Kräften entsprechenden geistigen „Zustände". (Vgl. Aufstellung im 4. Band über Kräfte und Bewußtseinsstufen.) Die Imagination wird gespeist vom Öd, gesteuert durch den absoluten Willen, den „Glauben" und „Vorstellen" (als wäre das Gewünschte schon verwirklicht) als Wesen ausmachen. Schließlich ist entsprechend der Zielsetzung, übereinstimmend mit dem zu Erreichenden, das „Bild" selber festzulegen, möglichst in einem einfachen, symbolkräftigen, wirksamen, lebendigen, alle Vorstellungskräfte anregenden „Vorbild". Die magische Verwendung der Imaginationskraft setzt die oft erläuterte Speicherung gesunden Ods und die Fähigkeiten zur Verselbständigung und Aussendung des Od- Körpers voraus. Wenn die Aufzählung dieser Bestandteile der Imagination kompliziert erscheint, dann nur deshalb, weil die Umsetzung geistiger Kräfte und Fähigkeiten in die Sprache des Begrifflichen diesen Eindruck hervorruft. Die nachfolgenden praktischen Beispiele, die wir als Übungsgruppe B behandeln wollen, werden uns besser als alle Worte verdeutlichen, worum es geht, worauf es ankommt, wie eine vollkommene Imagination beschaffen ist und welche Teile zusammenwirken, sie zu „erzeugen". 2. Imaginative Grundübung in vier Stufen Erste Stufe: Betrachtung und geistige Nachschöpfung einer brennenden Kerze a) Wir setzen uns in entspanntem Zustand - also ohne Verkrampfung und Anstrengung, völlig gelockert, alle Muskeln und Glieder „fallenlassend" - vor einen Tisch, auf dem eine brennende Kerze steht. Der übrige Raum sei am besten dunkel, die Fenster und Spiegel verhängt. Stille und Ungestörtheit sind die üblichen Vorbedingungen für erfolgreiches Üben; harmonisch sei die innere Grundeinstellung. Leichte Räucherungen können die Herbeiführung eines „Trance" - Zustandes begünstigen. Wir gewöhnen uns an einigen Übungsabenden daran, völlig ruhig, ohne Bewegung der Lider, in die Kerzenflamme zu „starren". Die Entfernung des Sitzenden von der Kerze soll zwei bis drei Meter betragen. Wir beginnen mit einer Übungszeit von fünf Minuten und steigern sie auf zehn. Ist es uns gelungen, zehn Minuten völlig gelassen und ohne jede Bewegung in die Flamme zu schauen, dabei immer tiefer in „Abwesenheit" versinkend, ist die erste Phase der
ersten Stufe erreicht. b) Wir gehen nun dazu über, und dieses Stadium bildet die zweite Phase, nach zehn Minuten langer Betrachtung der Kerzenflamme die Augen zu schließen und das Bild der brennenden Kerze vor dem Augen- Hintergrund - also geistig - zu reproduzieren. Dazu hilft uns der zunächst vor uns erscheinende Reflex der materiellen Kerzenflamme. Schwindet jedoch der Reflex, müssen wir an seine Stelle das „geistige Abbild" setzen: so genau, wie zu Beginn der Reflex vor uns stand. "Wir üben solange, bis es uns gelingt, das geistige Abbild genau so „wirklich" vor den geschlossenen Augen zu erzeugen, wie das Vorbild. Notfalls üben wir wochenlang; wir werden bemerken, daß unsere Fähigkeit, das „Abbild" zu erzeugen, mit jeder Übung wächst. Wir werden weiter feststellen, daß diese Fähigkeit der geistigen Reproduktion stärker wird, je mehr wir bei der Übung in einen Halbschlaf- Zustand gelangen. Nach einigen Wochen muß es uns möglich sein, die „Flamme" auch ohne Vorlage vor unserem geistigen Auge erstehen zu lassen, so wirklich, wie nur je das Original gesehen wurde. Beim geistigen Aufbau des Abbildes können wir uns die Arbeit insofern erleichtern, als wir von Einzelheiten ausgehen - den Kerzenhalter, der Kerze selbst, der Flamme, die den Docht umgibt, in steiler Spitze nach oben drängt - und aus ihnen das Gesamtbild formen. Es ist wichtig, vor allem die Leuchtkraft der Flamme zu erzeugen. Zweite Stufe: Rein imaginative Erzeugung der brennenden Kerze Die zweite Stufe findet uns auf unserem Ruhebett in Bewußtseinsstufe IV*. Wir erinnern hierbei an den Elementarvorgang der „Versenkung": Entspannung, Körpernichtgefühl (Bewußtseinsstufe II), Konzentration in der Versenkung (Stufe III), Imagination in der Versenkung (Stufe IV). Nach Eintreten völliger Entspannung, Erfühlung von Schwere und Wärme, Eintritt des Körpernichtgefühls, „bauen" wir in der angegebenen Weise das „Abbild" der brennenden Kerze vor unserem geistigen Auge auf: so deutlich wie möglich, in allen Einzelheiten, lebendig, leuchtend. Der Grad der »Lösung", der Versenkung im Geistigen, bestimmt die Plastizität der Imagination. Der Grad der Konzentration, der keinen anderen Gedanken, kein Nebengefühl, keine andere Vorstellung aufkommen läßt, bestimmt den Erfolg der Übung. Dritte Stufe: Verbindung des „Vorbildes" mit dem »Abbild" a) Wir setzen uns entspannt dem Tisch gegenüber, auf dem die nicht angezündete Kerze steht. Wir rufen Zustand und Erscheinung der zweiten Stufe (imaginativer Aufbau des „Abbildes" der brennenden Kerze) bei geschlossenen Augen hervor und verstärken das vorgestellte Bild, soweit es uns nur irgend möglich ist. b) Wir entzünden die vor uns stehende Kerze und betrachten sie in der gewohnten Weise. c) Wir rufen bei geschlossenen Augen den Reflex unserer „Betrachtung" hervor und lassen sie in rein imaginative Nachbildung übergehen. Wir verschmelzen nunmehr geistig - aber so, als ob es in »Wirklichkeit" geschähe - und immer bei geschlossenen Augen, die vor uns stehende materielle Kerze mit dem deutlichen geistigen Abbild in uns, und zwar derart, daß nicht das äußere Bild sich dem inneren gesellt, sondern - umgekehrt - das innere sich dem äußeren nähert. Diese Stufe üben wir immer und immer wieder, bis wir das Gefühl haben, das sichere Wissen, daß unsere Aufgabe befriedigend erfüllt ist. Vierte Stufe: Imaginative - geistigmagische - Einflußnahme auf die materielle Kerzenflamme Dieser Stufe müssen einige grundsätzliche Erklärungen vorausgeschickt werden. *
Siehe Band I: „Ritus und Zeremoniell der Magie."
Zwischen irdischen und astralen (Empfindungs- )Körper ist, wie wir wissen, der Öd- oder Lebenskörper (Äther- oder Prana- Körper der Inder) „geschaltet". Wir haben bereits früher ausgeführt, daß der Odkörper dem Zwischenbewußtsein, der Astralkörper dem Unterbewußtsein entspricht. Der Odkörper ist gemäß seinem Zwischenzustand Träger niederer magischer Erscheinungen, der Astralkörper dagegen wirkt - je selbständiger er arbeiten kann, um so mehr - in den der Odkraft übergeordneten magischen Ebenen. Unter »Exteriorisation" verstehen wir grundsätzlich eine mehr oder minder weitgehende Aussendung des Fluidalkörpers, - also des seelischen Teils des menschlichen Organismus. Der Beginn der Exteriorisation ist die Aussendung eines Teils der Odkraft, seine höchste Steigerung die Aussendung des ganzen Seelenkörpers, wobei ein Teil der Od- (Lebens- )Kraft beim „schlafenden" irdischen Körper zurückbleibt, während der andere Teil die Verbindung zwischen Seele und irdischem Körper aufrechterhält. Die magischen Erscheinungen werden also - und das wollen wir uns ganz klar machen und fest einprägen - im ersten Stadium durch ausgesendete - exteriorisierte - Odkraft, im weiteren Fortgang jedoch im Zusammenwirken der höheren Teile der menschlichen Seele hervorgerufen. Eine weitere Kraftäußerung kommt durch Gleichschaltung mit kosmischen Ebenen zustande, die der menschlich- seelischen Kraftquelle „entsprechen". Eine vollkommene, magische Tätigkeit „veranlaßt" stets außerseelische, universelle Kräfte, sich mit den ihr zuströmenden Kräften zu einen und entsprechend der gegebenen Zielrichtung - dem vorstellenden "Willen, dem „Archäus" des Paracelsus - mitzuwirken. a) Nach vollendeter Beherrschung der dritten Stufe dieser Übung gehen wir zu der vierten Stufe über: ein vorzeitiger Übergang zur letzten Stufe dieser Übung würde unweigerlich Versagen bringen, damit Enttäuschung und Beeinträchtigung der Überzeugungskraft, die sich verhängnisvoll auswirken kann. Es ist ratsam, lieber länger bei der dritten Stufe zu verweilen, als dieses entscheidende Stadium unzureichend zu üben. Auch die vierte Stufe gliedert sich in mehrere Abschnitte - Phasen - , die wir sorgfältig nacheinander durchgehen, auf jede Phase solange verwendend, bis sie nach unserer eigenen Überzeugung „klappt". Wer in dieser Weise arbeitet, muß am Ende Erfolg haben. In der ersten Phase - dieser letzten Stufe - setzen wir uns wiederum der brennenden Kerze gegenüber, gehen in eine Versenkung, die uns die Umwelt völlig vergessen macht. Im Weltall sind nur noch wir und die brennende Kerze: ihre hin- und herzüngelnde Flamme, die wir mit offenen, völlig unbeweglichen Augen betrachten. Die Lider dürfen nicht bewegt werden. b) In der erlernten Weise „erzeugen" wir nun an der gleichen Stelle, an der die materielle Kerze steht, auch ihr Abbild, nehmen also in der geübten Weise eine Verschmelzung vor, jetzt aber vor der materiellen, brennenden Kerze sitzend, bei offenen Augen. Die Erzeugung des Abbildes ist nur möglich, wenn wir die in uns vorhandenen, gespeicherten, gesunden, an „selbständige Tätigkeit", an „Aussendung" gewöhnten Odkräfte einsetzen, d. h., also an die Stelle versetzen, die auch die irdische Kerze einnimmt. c) Wir bemühen uns nun - und werden dazu mehrere Übungen, vielleicht einen ganzen Monat brauchen - durch das „Abbild" auf das „Vorbild" in der Weise zu wirken, daß die ausgestrahlten Odkräfte rein physikalisch- irdische "Wirkungen hervorrufen, zum Beispiel die hin- und herzuckende Flamme der irdischen Kerze zum Stillstand zwingen. Es geht von uns aus ein eherner „Strahl" odischer Kraft, ein „absoluter" Wille, der keine Hindernisse der Materie anerkennt, eine völlig überzeugte „Vorstellung", daß nun, jetzt, in diesem Augenblicks. das Zucken der Flamme aufhört, sie völlig unbeweglich nach unserem Willen, nach unserer ehern- ruhig- gewissen Vorstellung „stille steht". Wir wirken also durch die Kraft unserer plastischen Vorstellung, die bereits als geschehen nimmt, was wir wünschen, auf die brennende Kerze ein; wir arbeiten mit Supranormalen seelischen Kräften auf der irdischen Ebene: wir arbeiten magisch.
d) Durch fortgesetzte, immer intensiver werdende Übungen, mit immer stärkerer Konzentration, immer völligerer „Lösung", immer glühenderer Vorstellungskraft, immer ehernerem Willen, der völlig gelassen bleibt und seines Ziels sicher ist, verstärken wir die eingesetzte Odkraft, daß sie die materielle Flamme förmlich »umklammert" - und nach unserem Willen ersticht, plötzlich auslöscht: in einer einzigen, eruptiven, krampflosen Kraftäußerung bringen wir durch die Gewalt unserer Vorstellung und des im Physischen wirkenden Ods die Flamme zum Absterben. Mit jeder Übung werden die „gegrabenen Kanäle" tiefer, das Ausströmen der Odkraft, die magische Bereitschaft stärker - und um so leichter, schneller, bald leicht, ja, mühelos, „gleichsam spielend", gelingt uns die Übung. Wirkungsbereiche In einem früheren Band* haben wir gesehen, daß wir mit Hilfe der Vorstellungskraft, die regelmäßig, intensiv und lange Zeit hindurch eingesetzt wird, Dinge „werden", also erdhaft werden lassen können nach unserem bzw. dem kosmischen Willen. In der Übung B, die in ihrem grundsätzlichen Aufbau seit Jahrtausenden zu den Exerzitien der Geheimschulen aller Völker und magischen Kulte gehört, erkannten wir, daß wir mittels der Vorstellungskraft nicht nur Dinge schaffen können, die nicht vorhanden sind*, sondern daß wir auch Einnuß nehmen können auf vorhandene irdische Dinge Der schöpferische Einfluß, die Priorität (Herrschaft) des Geistes kann nicht überzeugender nachgewiesen werden, als durch Versuche, die jeder bei einiger Übung und gutem Willen selber durchführen kann. Der disponierte, geschulte, freiwirkende schöpferische Geist schafft also nicht nur Dinge nach seinem Wollen, sondern nimmt auch Einfluß auf das irdische Geschehen nach seiner Zielsetzung. Der Neophyt freilich, der mit seinen noch schwachen geistigen Kräften versuchen wollte, aus dem Nichts ein „Luft- schloß" zu bauen, würde elendig versagen. An Übungen, die nur der Entwicklung der Kräfte dienen, müssen diese selbst gesteigert werden; durch Exerzitien, die nur „geistige" Wünsche erfüllen, müssen die „Kanäle gegraben" werden, die später auch die Durchführung materieller Vornahmen gestatten. Dieser Prozeß aber ist abhängig - wir betonen es immer wieder - von der geistigen Entwicklung des einzelnen und der aufgewendeten Zeit, Kraft und Intensität. Er erfordert Jahre und Jahrzehnte unermüdlicher Tätigkeit, ehe Höchstleistungen erreicht werden. Wer freilich dann eine solche Stufe errungen hat, ist unumschränkter „Herr aller Welten". An dem einfachen Musterbeispiel, das wir als Übungsgruppe B anführten, und das alle Merkmale echter magischer Arbeit trägt, wollen wir uns das Grundsätzliche unserer Arbeit ein für allemal klarmachen. Die so gefundenen Grundsätze wollen wir in uns verankern, derart, daß sie uns zur Richtschnur, zur Stütze unserer ganzen folgenden Arbeit werden. Zum Aufbau eines „Arbeitsgerüstes" wollen wir uns das Skelett der „Grundübung" genau ansehen: Erste Stufe: Betrachtung und geistige Nachschöpfung einer brennenden Kerze a) Reine Betrachtung. b) Nachbildung: vom Reflex zur reinen Imagination. Zweite Stufe: Rein imaginative Erzeugung Dritte Stufe: Verbindung von „Vorbild" und »Abbild" a) Rein imaginative Erzeugung. *
Siehe Band II: „Magische Hilfsmittel"
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Band II: „Magische Hilfsmittel"
b) Betrachtung der realen Kerze. c) Reflex, Nachbildung, Verschmelzung. Vierte Stufe: Imaginativer Einfluß auf reale Dinge a) Betrachtung. b) Erzeugung des Abbildes an der Stelle des Vorbildes. c) Physikalische Wirkung des Abbildes auf das Vorbild. d) Durch Intensivierung stärkere imaginative Einflußnahme auf irdisches Geschehen. Der Übungsweg geht also von der Betrachtung und Nachschöpfung eines „Vorbildes" zur rein imaginativen Nachschöpfung eines „Abbildes" und schließlich zur Verbindung von vorzustellendem Objekt und Vorstellung, zur Beeinflussung des irdischen Dinges durch die Kraft des das „Abbild" erzeugenden „Feinstoffes". Noch kürzer und damit klarer wird der "Weg in folgendem Schema, in dem das Spezielle zum Allgemeinen, das „Zufällige" zum Gesetz wird: a) Nachschöpfung; b) imaginative Neuschöpfung; c) Vereinigung (unio); d) Einflußnahme. So wird ganz eindeutig und klar ersichtlich, daß jeder geistigen Einflußnahme, jeder magischen Handlung also, die Imagination vorangehen muß. Erst die ^unio" von Ding und Vorstellung ermöglicht die Einwirkung. Der aufmerksame Leser wird bereits festgestellt haben, daß die unter Abschnitt „Komponente" aufgeführten Bestandteile - Bewußtseinszustand, Öd, absoluter Wille sowie das „Bild" selber unter zielbewußter, glaubensstarker Lenkung geschlossene Kette untrennbarer Einheiten bilden. eine Bei bekannten Dingen oder Personen können bei fortschreitender Übung die Nachschöpfungen getreu dem Vorbild fortfallen und statt dessen eine - zeitlich oder räumlich getrennte - Reproduktion des Vorbildes vorgenommen werden, so daß nun noch übrig bleiben: a) imaginative Nachschöpfung oder Reproduktion; b) Einflußnahme durch zielgerechte Vereinigung von Nachzubildendem und Nachbildung, oder, als letzte Einheit, Einflußnahme auf das geistig geschaffene Nachbild. Wenn wir bei unserer Grundübung bleiben, müßte das „Verlöschen der Kerze durch magische Kraft" auch dann möglich sein, wenn wir uns - mit dem Gesicht dem Ort zugewendet, an dem die Kerze steht - die brennende Kerze vorstellen, sie „geistig" umklammern und ersticken. Die Fortgeschrittenen unter uns werden nach einer Reihe von Übungen noch ganz andere Resultate erzielen. Es geht hier wie mit jedem Ding im Kosmos: unablässiges Bemühen schließt uns verschlossene Türen auf: klopfet an, so wird euch aufgetan. In dem behandelten prägnanten Beispiel ist uns die Wirkung der Imagination, der geistigmagischen Vorstellung, ganz klar geworden, dazu aber hat sich uns das „Wesen der Magie" entschleiert: Magie ist das Wirken überseelischer - parapsychologischer - Kräfte im Irdischen. Da der „Materialisierung" die geistige Schöpfung und Befruchtung vorangehen muß - im Magischen und bei jedem Ding auf der "Welt - , ist die Imagination so recht das „zeugende Element" des Okkulten: eine zielbewußte geistige Vorstellung, geschaffen und wirkbar gemacht in der festen Überzeugung der Erfüllung, getragen vom kräftigen, gesunden, beweglichen Od- Strom, muß sich, kraft des „Gefälles" der Elementar- Essenz im Irdischen verwirklichen, denn die auf den verschiedenen kosmischen Kraftebenen vorhandenen „Essenzen" werden nach Notwendigkeit zur Realisierung der Imaginationen „automatisch"
herangezogen. Die in den folgenden Kapiteln aufgezeigten Wirkungsbereiche der Imagination sind Abwandlungen desselben Prinzips, das selber stets unverändert bleibt; sofern die magischen Grundgesetze beachtet werden, ist es unmöglich, eine Erfüllung aufzuhalten: der Verursachung muß die Wirkung folgen, mit derselben Gesetzmäßigkeit, mit der ein Gegenstand dem Gesetz der Erdanziehung folgend zu Boden fällt. Umschaltung Der Schwerpunkt unserer Ausbildung liegt also immer wieder auf der Beachtung der unumstößlichen magischen Gesetze. Auf das imaginative Gebiet übertragen, bedeutet es, daß diese Gesetze im ganzen Organismus des Menschen, in allen seinen Körpern, verankert werden müssen, wenn sichere und höchste Leistungen erzielt werden sollen. In seinem Buche „Magie als experimentelle Naturwissenschaft" sagt der uns bereits bekannte Prof. Staudenmaier u. a.: „Es ist unrichtig, wenn man die Begriffe .empfinden', ,sich vorstellen' und ,denken' rein theoretisch- philosophisch oder als bloßes mechanisches Erregen von Zellreihen der Hirnrinde auffaßt. Die bei einer Vorstellung . . . erregten Zellen und 'Zelt- Komplexe der Hirnrinde sind vielmehr ebenfalls als Lebewesen zu betrachten, welche mehr oder weniger selbständig, psychisch selbständig sein können ..." Wir wollen den angeführten Satz jetzt und hier nicht ergänzen durch den Hinweis, daß diese „Lebewesen von Zell- komplexen" nicht nur psychisch, sondern auch materiell selbständig wirken können. Hierüber wird an anderer Stelle zu sprechen sein. Wir wollen jetzt auch nicht grundsätzlich auf den magischen Vorgang der „Belebung von Zell- Komplexen" (zum Beispiel der sogenannten „Archetypen") eingehen. Auch diese Frage muß einem späteren Band vorbehalten bleiben*. Wichtig ist für uns die Feststellung des angeführten Gelehrten, der Physikprofessor, also Vertreter der rationellen Wissenschaft war, daß Vorstellungen nicht allein theoretische Begriffe oder mechanische Reaktionen von Zellreihen sind, sondern zu lebendigen Kräften entwickelt werden können. Dieser Fundamentalsatz, von einem gewiß nicht magisch eingestellten Professor ausgesprochen und experimentell erprobt, ist Grundlage der Magie überhaupt. Wäre es nicht möglich, Vorstellungen routinemäßig zu „verlebendigen", erfolgte auch keine Materialisierung, die ja Produkt der Tätigkeit einer geistigen Kraft ist. Es ist für uns notwendig, unsere ganze geistig- seelische Einstellung in diesem Sinne „umzuschalten"; im vorhergehenden 4. Band haben wir bereits erfahren, daß der menschliche Organismus eine „Komplex- Persönlichkeit" ist, bestehend oder „zusammengesetzt" aus verschiedenen Kräften. Jede Kraft hat ihre kosmische Entsprechung, kann unter den ihr gemäßen Gesetzen (Bewußtseinszuständen) Eigenleben erlangen und für sich tätig sein. Dazu aber kommt, daß bestimmte Kraft- Ebenen (zum Beispiel das Kollektiv- Unbewußte) wiederum Komplexe darstellen, die ebenfalls noch in zahlreiche Wesenheiten (Archetypen) „zerfallen" oder „aufgespalten" werden können. Da eine solche „Persönlich- Werdung" seelischer Kräfte auf kosmische Kraftquellen einwirkt, verursacht eine Machtäußerung im Menschlich- Seelischen eine vervielfachte Reaktion im Kosmischen. So wird oft aus einer „geringfügigen" Ursache eine kaum absehbare Wirkung: daher die unfaßbare Wirksamkeit geistiger Exerzitien und Schulungen. Die „Götter" der alten Sagen sind gar nicht so „fern" oder gar „erdichtet". Die geforderte Revolutionierung des Denkens und Empfindens ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen magischer Arbeit, weil nach den von außen kommenden Richtlinien das „Innere" sich ausrichtet, bereitmacht, entwickelt, stärkt, wächst, Geltung *
Siehe Band X: „Magische Phänomene."
verschafft, Einfluß nimmt. Gegenüber den möglichen seelischen Kraftäußerungen - und ihren Reflexwirkungen im All sind Atombomben ganz gewiß nur ein Spielzeug: Produkt materieller Kräfte, hinter denen gewaltigere geistige Mächte stehen. Für unsere imaginative Tätigkeit aber bedeutet eine Umschaltung in dem aufgezeigten Sinne die Erschließung von Kraftquellen, die Aufschließung von bisher verborgenen "Welten, von denen wir bisher nichts wußten, Kräfte, die unsere "Bemühungen durch ein Vielfaches an Resultaten und Umformungen krönen. Wegbereitung Im Hinblick auf diese unabsehbaren Wirkungen unserer Mühen können unsere Vorbereitungen und Planungen nicht sorgfältig genug getroffen werden; über das bisherige Maß ethischer Wandlung hinaus muß unser Bestreben dahin gehen, völlig harmonischgleichgestimmt zu werden den Kräften, die zu erschließen unsere Aufgabe ist. Wir sagten schon, daß dem Unterbewußtsein, das durch die vorstellende Tätigkeit befruchtet wird, die astrale Welt entspricht, die ihrerseits wiederum mit dem Sexual- Chakra „korrespondiert". Jede ausübende Tätigkeit, die das Vorstellungsvermögen der astralen Sinne entwickelt und steigert, weckt und verstärkt auch latente (verborgene, ruhende) Empfindungen und Gefühle, versteckte Begierden und nichtabreagierte Süchte, denn alle Empfindungen wirken vom „inneren Sinnesorganismus" auf das Sexual- Chakra als dem der Gefühlswelt entsprechenden Kraftzentrum. Je unentwickelter, unbeherrschter, unausgeglichener, disharmonischer also der Mensch ist, um so stärker machen sich bisher nicht bekannte oder nur schwache Kräfte der Gefühlswelt geltend, verlangen gebieterisch Erfüllung, und können sich - in extremen Fällen, ganz besonders aber, wo niedere Beweggründe Motiv der Übungen sind - so stark durchsetzen, daß Besessenheitszustände eintreten. „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich", sagt der Meister, und das heißt, daß jemand, der nicht die Entwicklung der höheren Fähigkeiten in sich betreibt, den dunklen Kräften verfällt. Nicht umsonst sagt - auch im warnenden Sinne verstanden - Paracelsus, „was die Vorstellung dem Leibe zu tun gibt, das gibt der Leib der Vorstellung zurück, und was die Vorstellung den Augen zu sehen gibt, das werfen die Augen wieder zurück in die Vorstellung." Es besteht zwischen der geistigen Vorstellung - und ihrer Wirkung auf den Leib - und der körperlichen Betätigung - die auf Vorstellungs- oder Empfindungswelt wirkt - eine Wechselwirkung, die bei Lastern und Verbrechen zum Sturz in den Abgrund zwingen können. Es gibt nur einen Schutz vor den unberechenbaren, meist unbekannten, schlummernden Kräften der Tiefe: eine Reinigung bis ins Mark der Seele und die absolute Herrschaft des kosmischen Willens, der, wie wir wissen, durch gesundes Öd, positive Zielsetzung, Herrschaft über die niedere Triebwelt und Atemtechnik geweckt, entwickelt und gestählt und damit zum Herrscher wird über alle Körper. Wir wollen nicht vergessen, daß der „Archäus", der gestaltende, schöpferische, absolute Wille, durch alle Körper geht, beim Magier durch alle Körper gehen muß, wenn die Herrschaft über alle geweckten oder ruhenden Kräfte erstrebt wird. So nur wird der absolute Wille auch zum Herrn aller Bewußtseinsstadien und der in ihnen sich entwickelnden, freiwerdenden, angezogenen Kräfte. Der absolute Wille allein darf alle Körper und Kräfte steuern. Gesundes Öd aber, das durch vollharmonisches Leben gewonnen wird, ist die Kraft, deren er als „Antriebsstoff - wie der Motor des Öls - bedarf. Nur bei gesundem Öd, nur bei der Durchflutung des ganzen 7 -teiligen Organismus durch den kosmischen Willen ist seine Gleichschaltung mit höheren Kräften, seine Harmonisierung und Ätherisierung möglich. Die "Wege hierzu sind mehrfach gewiesen worden. Nach dem oben angeführten Zitat des
großen mittelalterlichen Arztes, der sich Paracelsus von Hohenheim nannte und einer der wenigen „Eingeweihten" ist, besteht also eine enge Wechselwirkung zwischen Vorstellung und körperlicher Reaktion. Wir wollen uns dieses Wechselspiel an einem Beispiel klarmachen. Es heißt u. a. in dem zitierten Satz: „ . . . was die Vorstellung den Augen zu sehen gibt, das werfen die Augen wieder zurück in die Vorstellung . . ." Jedes gesunde Auge antwortet auf Eindrücke mit einem mehr oder minder starken Reflex. Sehen wir z. B. eine Zeitlang in das Licht einer Kerze, so können wir bei konzentrierter und aufmerksamer Beobachtung folgende Phasen feststellen: a) wir betrachten die Kerzenflamme einige Minuten unbewegten Auges und ohne zu blinzeln; b) wir schließen die Augen und bedecken sie mit den Händen: es entsteht ein kleiner Reflex, der die Komplementärfarbe des gelben Kerzenlichtes enthält, also bläulichgrün gefärbt ist, oft von einem schmalen roten Kranz umgeben; c) wir versuchen, in der gewohnten Weise zu blicken und bemerken einen dunklen Punkt (Schatten) vor unseren Augen, der mehr oder weniger lange „stört". Die Empfindlichkeit des materiellen Auges wird durch solche Konzentrations- Übungen sehr erhöht. Reflexe können bald länger festgehalten, Farben länger und intensiver „reproduziert" werden. Bei längeren derartigen Übungen wird eine seelische Kraft geweckt, die wir das „innere" Auge nennen können. Die Reaktionen dieses „inneren" Auges entsprechen ganz denen des „äußeren" (normalirdischen). Geistige Vorstellungen, die dieses „innere Auge" beschäftigen - sie tun es „gesetzmäßig", ob man von dem inneren Auge weiß oder nicht - , Imaginationen also, die uns erst mühsam und nur unvollkommen gelingen, verstärken sich in überraschend kurzer Zeit, gewinnen Leuchtkraft und „Leben": die inneren Sinne wachsen. Gleichzeitig aber vermitteln sie auch dem irdischen Auge die Fähigkeit, „mehr" zu sehen, schärfer zu beobachten und zu „speichern", „hintergründiger" zu blicken, empfindlicher zu werden. Hier ist also die Wechselwirkung zwischen Vorstellung und Körpersinn ganz offenbar. Ist dazu die Imagination, der wir uns hingeben, zudem „sinnenfreudig", zum Beispiel erotischer Art*, braucht man über unvermutete Wirkungen nicht erstaunt zu sein. Nicht offenbar wird in der ersten Zeit der Übungen die „heimliche" Entwicklung auch der anderen Sinne: des Gehörs, später des Gefühls, Geruchs usw. Ein Mann, plötzlich auf sich gestellt in der Wildnis, ist gezwungen, schärfer als bisher zu sehen, vielleicht die Zielsicherheit seiner Augen zu steigern. Selbst wenn die Gefahren seiner Umwelt ihn nicht zwängen, auch aufmerksamer zu hören, würde sich auch dieser Sinn - mit allen anderen - zwangsweise ebenfalls verstärken, also empfindlicher werden, weil die Sinne ein zusammenhängendes Ganzes bilden, deren Wurzeln sich „irgendwo" treffen. Genau so verhält es sich auch mit den inneren Sinnen und ihren „Zentralpunkten" (Chakren): die Entwicklung des inneren Sehens bringt nach einiger Zeit - die bei den einzelnen Menschen unterschiedlich lang ist - auch die Fähigkeit des astralen Hörens, und - später - die Belebung der übrigen Sinne mit sich. Die ständig angewendete Kraft der Imagination weckt die mit diesem Prozeß zusammenhängenden Kräfte: die inneren Sinne und den Sinneskörper, auf den sie wirken, und auf seine „sensitiven Punkte", die der Inder Chakren nennt. "Wenn wir also den vollen Nutzen aus unseren Übungen ziehen, aber schädliche Reaktionen vermeiden wollen, müssen wir alles tun, den Gesamt- Organismus zu reinigen und negative „sinnenfreudige" - Vorstellungen zu meiden, sie durch positiv- aufbauende im Sinne unserer Zielgebung zu ersetzen. Die Herrschaft des Ethischen bringt die Herrschaft des absoluten "Willens über äußeren und *
Vgl. das im gleichen Verlag erschienene Heft: „Liebeszauber" von Cesare A. Dorelli.
inneren Empfindungs- und Sinneskörper und damit die rechte Bereitschaft für magisches Tun. Magische Werke Die Wechselwirkung von Imagination und (materiellem) Körper schildert Staudenmaier in dem bereits angeführten Buch in wissenschaftlich- methodischer Weise. Er schrieb: 1. „Wenn ich einen schweren Gegenstand festhalte, geht die bei dieser Leistung des MuskelSystems freiwerdende Energie vollständig in Wärme über. Wenn ich unter Ausschluß anderer eine optische Vorstellung, die einer Blume z. B., lebhaft und etwas gewaltsam festhalte und wie einen realen, vor mir befindlichen Gegenstand zu sehen suche, dann gelingt es durch Übung allmählich, 2. einen immer größer werdenden Teil der freiwerdenden Energie vom Muskel- System in das optische Gebiet zu verwandeln und zur Verstärkung der Lichtwirkung optischer Halluzinationen zu verwenden, 3. so daß dann eine solche nach außen projizierte Halluzination auch für andere ohne besondere Hilfsmittel sichtbar werden mag. 4. Vom rein physikalischen Standpunkt aus ist der menschliche Organismus gewissermaßen ein Universal- Apparat, vermittels dessen man sozusagen die ganze Welt magisch reproduzieren kann. 5. Wenn wir vermittels des optischen Apparates, den unser Körper besitzt, imstande sind, durch bloße „Einbildung" wirkliches Licht magisch zu produzieren, dann können wir es nicht grundsätzlich als unmöglich erklären, 6. vermittels der Organe, welche uns die Materie wahrnehmen lassen, auch umgekehrt Materie wieder zu erzeugen." Einteilung und Unterstreichungen (Hervorhebungen) stammen von uns, um den Überblick zu erleichtern und das für uns Wichtigste zu kennzeichnen. Staudenmaier, der Physik- Professor, kommt also auf Grund seiner Studien und Experimente zu demselben Schluß, wie einige hundert Jahre vor ihm der große Magier, der sich Paracelsus nannte, und der da sagte: „ . . . was die Vorstellung dem Leibe zu tun gibt, das gibt der Leib der Vorstellung zurück." Hier können wir nur sagen: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Mit den Punkten l bis 6 des Zitates wollen wir uns nicht nur deshalb eingehender beschäftigen, weil sie aus dem Lager der „Ratio" kommen, sondern vor allem, weil aus anderer Sicht einige Grundsätze aufgeführt sind, die wir in dieser Arbeit bereits behandelten oder noch besprechen werden. Unter l. fällt uns besonders auf, daß Staudenmaier davon spricht, eine Vorstellung „etwas gewaltsam" festzuhalten oder zu erzeugen. Diese Formulierung könnte zu Mißdeutungen Anlaß geben, zu Fehlschaltungen bei den Übungen, und wir wollen uns deshalb mit ihr beschäftigen. Eine der größten Gefahren der magischen Übungen ist die Verkrampfung, die nicht nur zu nichts führt, sondern schwere Schäden für Körper und Seele bringen kann. Freilich hat Staudenmaier mit „gewaltsam" auch keine Verkrampfung gemeint, sondern eine gewisse Energie, einen bestimmten Schwung, eine plötzliche Kraftballung, wie sie gerade zu. Beginn bei Imaginations- Übungen notwendig ist. Später, bei fortschreitender Übung, wird die „Anschirrung" des absoluten Willens (das ist „Yoga") nicht mehr als Anstrengung empfunden. Immer wieder müssen auch wir darauf aufmerksam machen, daß jede Vorstellung, soll sie wirken, so gesehen werden muß, als sei sie real, im irdischen Sinne wirklich, tatsächlich „vorhanden". Die Übertragung dieses Bewußtseins - es mit einem „wirklichen" Gegenstand, einer „anwesenden" Person zu tun zu haben - ist der entscheidende Faktor der erfolgreichen magischen Vorstellung, weil allein bei solcher Einstellung eine „Belebung" und damit "Wirkung erreicht wird. Weiter können wir nicht genug darauf hinweisen, daß auch Dinge, die unmöglich erreichbar erscheinen, durch Übung erschlossen, zur Wirksamkeit gebracht werden können.
Heute noch kann uns schwärzeste Verzweiflung überkommen über die Vergeblichkeit unserer Bemühungen, und schon morgen, ja, in der nächsten Stunde kann sie sich in jubelnden Triumph verwandeln, weil oft - scheinbar „über Nacht" - sich die Konstellationen, Voraussetzungen, Bedingungen und andere „Imponderabilien" (unwägbare Momente) verändern können. Unter 2. spricht Staudenmaier davon, daß durch Übung ein immer größer werdender Teil Muskel- Energie in optische Kraft verwandelt werden kann. Wir glauben, der größte Teil unserer Leser weiß bereits, welche Energie- Quelle hier zu verstehen ist: die Od- Kraft selbstverständlich. Jede Kraftleistung - körperlicher, geistiger, sexueller, magischer Art, jede Erkrankung „frißt" einen mehr oder minder großen Teil Od- (Lebens- )Kraft, die der gesunde Körper - in den Ruhepausen im Schlaf, in der Entspannung, durch zweckvolle Nahrung, Atmung - immer wieder ergänzt. Diese Odkraft wird für alle Leistungen des Organismus verwendet, für irdische und für magische; sie muß also wandlungsfähig sein wie die Energie- Art, die von ihr zehrt, d. h. sie muß für jede Art Kräfteäußerung verfügbar sein. Das ist sie auch - und kann sie auch für magische Arbeit werden - : in viel höherem, vollkommenerem Maße, als der Nichtwissende auch nur ahnt. Sonderleistungen auf verschiedenen Gebieten, Ergebnisse von Training, Resultate unserer Übungen sind nichts weiter als das Ergebnis der „gegrabenen Kanäle", durch die das für diesen Zweck „geformte" (transformierte) Öd strömt und Höchstleistungen entwickelt. Insofern also ist Staudenmaier zu verstehen, wenn er sagt, daß Muskelkraft in optischmagische Energie umgewandelt werden kann. Übung B schildert in gründlicher Weise die Projektion von Halluzinationen (visuell- geistige Vorstellung) nach außen. Durch Übung (gegrabene Kanäle, Anreicherung und Umformung der Odkraft) können diese nach außen projizier- ten Erscheinungen dermaßen verstärkt werden, daß sie auch mit dem normalen Auge gesehen werden können. Die Wechselwirkung von Körper und Vorstellung geht so weit, daß die Umwandlung der Odkraft nicht mehr nur zum rein optischen Zweck (Halluzination, visuelle Imagination) vorgenommen wird. Vielmehr kann die Odkraft auch von den anderen Sinnen „verwendet", also für ihre charakteristischen Kraftäußerungen „umgeformt" werden - die folgenden Übungen werden uns das eindringlich lehren. Somit können buchstäblich alle Vorstellungen, außer den optischen auch die gefühlsmäßigen und akustischen Imaginationen, „verirdischt", also materialisiert werden: fürwahr, hier ist das Wesen der Magie einmal „vom anderen Lager" überzeugend aufgezeigt worden, und dadurch doppelt wertvoll für uns, unsere Übungen, unsere Überzeugungskraft. „Wo der Griff der Einbildungskraft hingeht", sagt Paracelsus, „dorthin geht der unsichtbare Körper mit seinem Werkzeug und baut, was ihm ins Gemüt gedrungen ist." »Ins Gemüt" dringt nur das Lebendige: die plastische Vorstellung, die wir in allen Einzelheiten plastisch „erzeugten". „Gehen" kann der „unsichtbare Körper" nur, wenn er „Füße" hat, wenn er die Fähigkeit erlangt hat, selbständig zu arbeiten, den irdischen Körper in gewissen, uns bekannten Bewußtseinszuständen teilweise oder ganz zu verlassen (exteriorisieren). Das „Werkzeug" aber des „unsichtbaren Körpers" sind Öd, astrale Kraft, absoluter Wille. In dem nun folgenden Satz weist Paracelsus noch einmal auf die Notwendigkeit hin, das Vorgestellte so anzusehen, als wenn es wirklich geschähe: „So jemand durch seine Imagination jemanden erstechen will, so muß er das Instrument erst in sich anziehen; dann mag er mit ihm wirken; denn was hineinkommt, mag auch wieder hinausgehen: durch die Gedanken, als ob es mit Händen geschähe." „Als ob es mit Händen geschähe": das aber setzt voraus, daß die „Gedanken" lebendig- plastisch- stark und bildhaft
sind, über ausreichende „bewegliche" Odmengen verfügen, und über den kosmischen Willen, der das „treibende Agens" ist. Wir wollen hier durchaus kein schwarzmagisches Rezept verraten, sondern nur das Prinzip verwirklichter Imagination aus der Sicht des mittelalterlichen Magiers aufzeigen: Auch dieses Beispiel - doppelt reizvoll als Gegenstück zu Staudenmaiers Ausführungen zeigt klar, daß a) vor der Verwirklichung die lebendige Imagination steht, b) vor der Projizierung nach außen die innere Vorstellung „aufgebaut" sein muß, c) der „Gedankenkörper" „austritt" und wirkt (seelische Teile gepaart mit „Archäus"), d) der Hauptgrundsatz der Imagination dieses »als ob es mit Händen geschähe" ist: in der Imagination wird das Ziel als erreicht vorweggenommen. Seelische Kräfte Wir wissen nun - und dieses Wissen wird zum unverlierbaren Besitz - , daß Imaginationen die seelischen Tiefenkräfte freilegen, entwickeln, stärken, einsatzfähig machen zu jedem beliebigen magischen Werk. Es ist unsere Aufgabe, in methodischer Arbeit durch sorgsam ausgewählte und erprobte Übungsreihen einen Weg zu gehen, der am schnellsten, schnellförderndsten, zu diesem Ziel führt. Unter der Gruppenübung C werden elementare Imaginationsübungen beschrieben, deren jede bis zur vollendeten Beherrschung geübt werden sollte. Da dieser Zeitpunkt bei jedem Studierenden verschieden ist, kann eine Zeit hierfür nicht angegeben werden. Sie schwankt je Übung zwischen Tagen und Wochen. Neben dem Hauptzweck der folgenden Übungen, Imaginationsfähigkeit und innere Sinne zu entwickeln und zu stärken - „Kanäle" zu graben und ihnen genehmes Öd zu bereiten, verfügbar zu machen - , verfolgen wir die Absicht, die reibungslose, störungsfreie Zusammenarbeit von Zielsetzung, Konzentration, Öd, absolutem Willen und Vorstellung zu erreichen. l. Einfache Gefühls- Imagination Bei dieser Übung wird die Wechselbeziehung von Vorstellung und körperlicher Reaktion besonders deutlich. Sie ist deshalb zur Stärkung von Sicherheit und Überzeugungskraft besonders wichtig. Weiterhin dient sie der Anreicherung gesunden Ods und seiner leichteren Trennbarkeit (Aussendung). a) Wir halten die rechte Hand - zwanglos stehend - ohne Anstrengung in die Höhe und konzentrieren unsere Aufmerksamkeit auf sie. Wir erwarten, daß sich die Hand erwärmt, und bemerken nach einigen Minuten - besonders unter Zuhilfenahme rhythmischen Atmens - , daß sich diese Erwartung erfüllt. Nun verstärken wir die Warme bis zur deutlich fühlbaren Hitze. Das Phänomen ist physiologisch erklärbar: die Ausdehnung der Blutgefäße in der Hand bringt Blutfülle und eine meßbare Erwärmung hervor. Diese „logische Erklärung" spricht aber nicht gegen, sondern für unser Wissen, daß eben eine geistige Vorstellung sich realisieren muß. Die geistige Ursache bringt eine irdische Wirkung, die auch rationell „erklärbar" ist. b) Wir stellen uns - in gleicher Haltung, aber mit geschlossenen Augen - nunmehr ein „Abbild" der Hand vor und „erwärmen" dieses Abbild in der Weise, die wir „in Wirklichkeit" kennenlernten. c) Wir übertragen die „vorgestellte" Wärme auf die - inzwischen erkaltete - „wirkliche" Hand - stets geschlossenen Auges, so daß nun das „Abbild" erkaltet, das Vorbild sich erwärmt. Das Hauptaugenmerk richten wir nach einigen Übungen darauf, die „Übertragung" der Wärme so rasch wie möglich, mit jedem Male schneller, zu bewirken. 2. Gefühls -imaginationen, verbunden mit odischer Wirkung a) Wir erzeugen in der bekannten Haltung in der rechten, hochgereckten Hand „Wärme" und
steigern sie von Übung zu Übung. b) Wir erheben auch die andere Hand und übertragen die Wärme - und stellen uns das „Überstrahlen" deutlich vor - von der rechten zur linken Hand. Die rechte Hand muß - von Mal zu Mal schneller - erkalten, die linke sich erwärmen. c) Wir bemühen uns, diese Übertragung - Erkaltung einerseits, Erwärmung andererseits noch schneller zu erzielen. d) Wir „schalten" zwischen die beiden Hände einen Gegenstand aus Holz, Glas, Papier o. ä. und lassen den hin- und herpulsenden Odstrom durch dieses Ding fluten. e) Wir übertragen nun auch die Wärme zurück: von der linken zur rechten Hand. f) Diese „Übertragung", die „Durchflutung" eines Gegenstandes, muß völlig sicher werden: die Vorstellung des hin- und hergehenden Ods muß deutlich bewußt sein, ebenso die Überzeugung, daß das Öd den zwischengeschalteten Gegenstand wirklich durchläuft. 3. Gefühls- Imagination, verbunden mit Kraft- Übertragung auf ein „Vorstellungsbild" a) Wir erwärmen die rechte Hand so stark wie möglich. b) Wir stellen uns, einige Meter von uns entfernt, bei geschlossenen Augen ein „Abbild" der Hand vor und verstärken von Tag zu Tag die Imagination. c) Wir übertragen mit der Wärme auch die Odkraft auf das „Abbild". d) Wir nehmen Kraft und Wärme zurück vom Abbild auf das Vorbild, die rechte Hand. e) Wir bemühen uns, das Hin- und Herströmen der odischen Kraft ständig zu beschleunigen ohne innerlich zu „hetzen" - und wechselnd Erwärmung und Erkaltung von Hand und Imagination immer deutlicher werden zu lassen. f) Bestehen bei der Vorstellung einer Hand (Nachbildung) Schwierigkeiten, betrachten wir zunächst einige Zeit die rechte Hand, schließen dann die Augen, reproduzieren die Hand vor dem geistigen Auge und projizieren sie erst dann nach außen. g) Das „Abbild" muß immer deutlicher werden; wir müssen mit „Schwung" die EnergieÜbertragung vornehmen. Das gelingt nur, wenn starke Kräfte in der rechten Hand - starke Erwärmung: mit dem Blut fließt das Öd, die Lebenskraft - angesammelt sind und die Abkehr vom Irdischen vollkommen ist (Lösung, Verschiebung des Bewußtseins- Zustandes). 4. Verbindung zwischen „oben" und „unten" Die nachfolgende Übung dient der Herstellung einer „Bahn", eines „Grabens" oder eines „Kanals" zwischen den Kräften in uns und den kosmischen „Strahlungen". a) Wir erheben beide Hände und „füllen" sie mit Öd, "Wärme, Hitze. b) Fünfzig Zentimeter über den beiden Händen, in ihrer Mitte, denken wir uns einen Punkt, den wir mit Wärme ausfüllen. Die Wärme strömt diesem gedachten Punkt aus beiden Händen zu. c) Wir „schließen" den Stromkreis, der nun in einem Dreieck (A) von dem vorgestellten kosmischen Zentralpunkt zu den beiden Händen, von den beiden Händen zu dem vorgestellten Punkt einerseits, von Hand zu Hand „in lebendigem Strom" andererseits flutet. d) Wir halten nun die Wärme in den Händen zurück und lassen aus dem Kosmos lebendige starke Kräfte in den vorgestellten Punkt über und zwischen den Händen einströmen. e) Von diesem Punkt aus strömt nun die Wärme, ein deutlich spürbarer Strom, in die Hände, in den Körper, ihn mit zusätzlicher Kraft und Energie erfüllend. Nach unserer Vorstellung dient dieser Strom der Verstärkung unserer magischen Kraft ins Vielfache, der Förderung all unserer Bestrebungen, und bringt Fülle und Vollkommenheit in unser Leben - gemäß dem Segensstrom, der von uns ausgeht. Übungsgruppe D Die folgenden Übungen dienen der „Lockerung" von Lebens- und Empfindungskörper, die für die magische Praxis so unendlich wichtig ist. Nur voll entwickelte, selbständige Körper können die gestellten Aufgaben erfüllen und auftretende Schwierigkeiten meistern. l. Bewußtseinsübertragung vor dem Spiegel a) Wir setzen uns gelassen - entspannt vor einen möglichst den ganzen Körper
wiedergebenden Spiegel; zwei Kerzen stehen brennend rechts und links hinter uns. Scheint uns die Flamme der Kerze zu hell, stülpen wir je eine Röhre aus Pappe um sie (Durchmesser 5- 8 cm). Wir versetzen uns in einen möglichst tiefen Grad der Versenkung und starren mit unbewegten Augen und Lidern in die Augen unseres Spiegelbildes. Bei den meisten Studierenden werden sich nacheinander - evtl. in anderer Reihenfolge, ergänzt durch andere Visionen - folgende Phänomene im Spiegel einstellen: I. Das Spiegelbild verschwimmt. II. Das Spiegelbild verschwindet zeitweise. III. Es tauchen wechselnde Gesichter auf. IV. Die Umrisse des Empfindungs- (Astral- )körpers werden sichtbar: ein heller Schein umgibt die Körper- Peripherie und wird besonders über dem Kopf deutlich. Umfang des Empfindungskörpers (von der Körperhaut an gerechnet) und Färbung differieren je nach der Eigenart des Übenden. Wir kümmern uns nicht um etwaige „Programmänderungen", sondern versuchen nur mit aller Gelassenheit, so weit wie möglich zu „versinken", entsprechend der zu magischem Tun förmlich einladenden Beleuchtung und Stimmung. b) Wenn wir fühlen, den uns tiefstmöglichen Grad der Versenkung erreicht zu haben, versetzen wir plötzlich und „mit Elan" (Schwung) unser Bewußtsein auf das Spiegelbild, derart, daß - mit jeder Übung deutlicher werdend - das Spiegelbild auf den davorsitzenden irdischen Körper starrt. c) Bei den ersten Übungen begnügen wir uns mit der vollzogenen Tatsache. d) Bei den weiteren Übungen lassen wir das Empfindungsvermögen, das unser Bewußtsein umschließt, zwischen Körper und Spiegelbild, zwischen Spiegelbild und Körper hin- und herpendeln. Wir versuchen, die Schnelligkeit des Wechsels zu steigern. e) Das vorstehende Experiment bietet auch dem Anfänger, dem Unbegabten, bei konsequenter Übung verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten, aber es ist deshalb für viele nicht weniger schauerlich und wohl auch nicht ungefährlich, worauf wir ausdrücklich hinweisen. Nur starke Naturen, die ihrer selbst und ihrer Nerven sicher sind, und auf einem festen weltanschaulichen Fundament stehen, können sich nach entsprechenden Schutzvorkehrungen* diese Übung erlauben. 2. Betrachtung des Spiegelbildes und Imaginationen in völliger Dunkelheit Diese Übungen dienen neben der Feststellung des Umrisses und der Färbung des Empfindungskörpers vor allem der intuitiven Erfassung von Schwächen oder Gefahren. Dann soll sich die imaginative Bewußtseinsübertragung anschließen, damit auch unter ungewöhnlichen Umständen - in der Dunkelheit - Sicherheit hierin gewonnen wird. Im Verlaufe mehrerer Übungen folgt der zunächst rein imaginativen Bewußtseinsübertragung ein mehr oder minder großer - jedenfalls ansteigender - Teil des Öd- und Astralkörpers. Damit wird die wachsende Fähigkeit gegeben, diesen seelischen Teil nach Belieben einzusetzen. a) Wir setzen uns - diesmal ohne Kerzen - in bereits geübter Einstellung und Haltung vor den Spiegel und fixieren unser Spiegelbild. Im allgemeinen ergeben sich in völliger Dunkelheit andere Phänomene als bei - wenn auch noch so schwacher - Beleuchtung. Das ist aber nicht Gesetz. Bei jedem Übenden treten je nach seiner seelischen Bereitung und Aufschließung andere Variationen auf, oft wohl auch erschreckender Natur. Sowie die notwendige Sicherheit verloren geht, sollten diese Übungen unterbrochen werden. Furcht ist ein unsachlicher Berater. Es kann durchaus sein, daß sich das Spiegelbild mehrmals verwandelt, und nacheinander eine „Totenmaske", ein „Affenschädel", ein „Totenkopf", oder andere mehr oder minder schöne oder häßliche Gestalten sichtbar werden - je nach der Entwicklung des einzelnen, der aus _den Phänomenen wichtige Rückschlüsse auf Weg und Stationen erhalten kann. b) Ist die Versenkung vollkommen geworden, „springen" wir mit unserem Bewußtsein auf das Spiegelbild über und sehen nun - seltsam fremd erscheinend - in schwachen,
phosphoreszierenden Umrissen unseren leiblichen Körper vor uns sitzen, völlig unbeweglich, erschreckend vom „Ich" getrennt: ein sonderbares, oft lähmendes, ja entsetzliches Erleben, das aber keine Reaktionen in uns auslösen darf. c) Ist der Vorgang der Bewußtseinsübertragung über die seelischen Eindrücke hinaus schmerzhaft oder qualvoll, unterbrechen wir die Übung sofort, d. h., versetzen unser Bewußtsein bei Abwesenheit sofort wieder in den irdischen Körper. Es ist angebracht, in jedem Falle einen Wecker zu stellen, der uns spätestens nach einer halben Stunde „zurückruft". Bei Schwierigkeiten erlaubt die Entwicklung Experimente der geschilderten Art noch nicht. Es sollte in diesem Fall eine tiefgreifende Wandlung angestrebt werden. 3. Bemerkungen zur Spiegel- Magie Bei allen spiegelmagischen Phänomenen wollen wir nicht vergessen, daß es sich nicht allein um visuelle Erscheinungen, sondern auch um odische Wirkungen - Umformungen nach unserer Zielsetzung - handelt. Nur so ist es erklärlich, daß überhaupt eine Bewußtseinsübertragung stattfindet, denn das Bewußtsein geht niemals für sich allein, sondern ist stets verbunden dem seelischen Teil. Notwendige Exerzitien Der „visuelle Typ" wird aus dem „Gegenpol", dem „Wortdenker", entwickelt In einem früheren Band* wurden bereits Konzentrationsübungen auf die Sinne vorgeschlagen, die sich nicht nur mit optischen oder akustischen Wirkungen, sondern auch mit Gefühl, Geschmack und Geruch beschäftigten. Für die harmonische Entwicklung des gesamten Empfindungsapparates unseres Körpers ist es von höchster Wichtigkeit, wenn auch nicht alle Sinne gleichmäßig zu schulen - das wäre der Idealfall - , so doch wenigstens keinen unserer irdischen Sinne zu vernachlässigen; eine solche Benachteiligung irgendeines Sinnes würde die Verkümmerung des „entsprechenden" höheren Organs zur Folge haben und damit eine „Gleichgewichtsstörung", die nicht die Herstellung vollkommener Harmonie und gleichmäßiger Kräfte erlaubt. In der Übungsgruppe, die nun folgt, müssen wir uns deshalb Exerzitien unterwerfen, wie sie in allen Geheimschulen gelehrt werden. In dieser oder ähnlicher Form bilden diese Übungen auch einen markanten Teil des Hatha- Yoga. Übungsgruppe E Diese Übungen werden in Ruhelage und in völliger Konzentration vorgenommen. Der Übende kann sich bequem in einen Sessel setzen oder - wenn es die Übung verlangt niederlegen. Die Übungen verfolgen, gleich, um welchen Sinn es sich handelt, übereinstimmend den Zweck, mit der forcierten Einschaltung des betreffenden Wahrnehmungsorgans die korrespondierenden „Über- Sinne" zu wecken und zu entwickeln. Wir beginnen mit dem Organ, dessen Gebrauch uns am geläufigsten ist - dem Auge - und gehen dann zu Gehör, Gefühl, Geschmack und Geruch über. Wir wollen bei diesen Übungen immer daran denken, daß zwischen den inneren und den äußeren Sinnen des Menschen eine Wechselwirkung besteht, und daß, was die Vorstellung dem Leibe zu tun gibt, der Leib der Vorstellung zurückgibt, ferner, daß - wie Staudenmaier sagt - „wir vermittels des optischen Apparates durch bloße .Einbildung' wirkliches Licht magisch zu produzieren imstande sind", also auch vermittels der Organe, die uns die Materie wahrnehmen lassen, imstande sein müssen, umgekehrt Materie wieder zu erzeugen. Die Erzeugung materieller Dinge aber hängt ab von der lebendigen Vorstellung, und da kein Ding auf Erden nur von den Augen wahrgenommen wird, sondern gleichermaßen auch durch Gehör, Gefühl usw. wahrnehmbar ist, müssen auch alle Sinne entwickelt werden, um durch ihre schöpferische Produktivität an der Erschaffung vorgestellter Dinge teilzuhaben. *
Siehe Band III: „Konzentration als magische Kraft."
Je mehr Sinne an der Umsetzung (irdischer) Kraft in (magische) Odkraft beteiligt sind, um so gründlicher und schneller erfolgt die Materialisation der Imaginationen. l. Visuelle Imagination I. Positive - visuelle - Imagination a) In einem früheren Band* haben wir bereits die „Erzeugung" von nicht vorhandenen Dingen demonstriert. Während es sich bei dem seinerzeitigen Versuch um eine Materialisation mittels Odkraft handelte, wollen wir bei der vorliegenden Übung lediglich einen visuellen (optischen) Eindruck erzeugen, der so flüchtig sein kann, wie ein Blick, jedoch einwandfrei wahrgenommen werden muß. Verlieren wir den Zweck unserer Übungen nicht aus den Augen - nämlich magische Vorstellungen nach Belieben sichtbar machen zu können - , werden wir auch die uns gestellte Aufgabe klar erkennen. "Wir nehmen uns also vor, einen einfachen Gegenstand - ohne Vorlage! - vor unserem geistigen Auge zu erzeugen, und zwar bis zu dem Stadium, wo auch das irdische Auge den „Eindruck" hat, ihn zu sehen. In diesem Zusammenhang können wir also von einer „Halluzination" sprechen: bewußt herbeigeführte „Gesichtstäuschung". "Wir wählen für unseren Zweck das Dreieck: A, weiß auf dunklem Grund. Unsere ununterbrochene Suggestionsformel lautet: Ich sehe ein Dreieck ... ich sehe ein Dreieck ... usw. b) Es ist erforderlich, falls die Übung nach einigen Versuchen nicht gelingt, den Bewußtseinszustand weiter zu verschieben, notfalls bis zur „Stille" vorzudringen, um den Gegenstand geistig zu erzeugen. Das irdische Auge muß aber bei diesem Experiment beteiligt und darf nicht ausgeschaltet werden, wie es bei reinen Imaginationen geschehen kann, bevor eine „irdische Verdichtung der Materie" eintritt. c) Wenn wir einwandfrei - und sei es nur einen flüchtigen „Augenblick", den wir freilich jederzeit wiederholen könnten - das Zeichen mit dem „materiellen" Auge wahrgenommen haben, ist die Übung erfolgreich abgeschlossen. II. Negative - visuelle - Imagination a) Diese Übung ist das genaue Gegenteil der vorhergehenden Aufgabe: wir werden einen Gegenstand, den unsere leiblichen Augen sehen, nicht mehr wahrnehmen. Zu diesem Zweck zeichnen wir mit schwarzer Tusche einen Punkt (Durchmesser: l cm) auf weißer Unterlage (etwa 10 X 10cm), und hängen diese Vorlage in einem Abstand von etwa 1,20 bis 1,50 m vor uns an die "Wand. Suggestionsformel: Ich sehe den Punkt nicht mehr ... der Punkt verschwindet ... usw. unaufhörlich, monoton, den Sinn „überrennend", bis zum Erfolg. b) "Wir starren den Punkt unentwegt an, bis unsere Zielsetzung, den Punkt nicht mehr zu sehen, mindestens einen „Augenblick" lang einwandfrei erreicht worden ist. Das Erzeugen nicht vorhandener, und das Fort- Suggerieren und - Imaginieren vorhandener Dinge gelingt einigen Übenden leicht und fällt anderen schwer. Erreichbar ist das erstrebte Resultat durch Beharrlichkeit immer. "Wir wollen jedoch auf positive Ergebnisse achten: der Gehorsam der leiblichen Sinne gegenüber den geistigen Befehlen ist eine unentbehrliche Fähigkeit des magisch Arbeitenden. 2. Imagination des Gehörs I. Positive - akustische - Imagination a) "Wir stellen uns vor, auf einer "Wiese zu liegen, nahe einem größeren Dorf. Es ist Sonntagmorgen; in Kürze wird der Kirchgang beginnen, werden die Glocken einsetzen, die Gläubigen zur Andacht zu rufen. b) Mit einem Male - wir können uns ruhig vorstellen, wie über uns jubilierend die Lerchen ins Himmelsblau schwirren - fällt der entfernte, aber machtvolle Ton der Kirchenglocken ein und macht die Stille um uns fast noch deutlicher. Uns kommt es bei dieser Übung darauf an, ganz deutlich - wenn auch nur für kurze Zeit - die *
Siehe Band II: „Magische Hilfsmittel" von Douval, im gleichen Verlag.
vollen Glockentöne der nahen Kirche zu hören. Ist uns diese Vornahme - die wir durch die Suggestion „ich höre die Glocken läuten" unterstützen - gelungen, brechen wir die Übung ab. II. Negative - akustische - Imagination a) Wie wir den vollen Ton der Glocken „erzeugen", können wir den hörbaren auch negieren, ausschalten, nicht mehr wahrnehmen. Zu diesem Zweck konzentrieren wir uns zur Zeit des Kirchgangs auf das Läuten der Glocken, mit der festen Vornahme und der unausgesetzten Suggestion „Ich höre die Glocken nicht mehr ... ich höre die Glocken nicht mehr ..." b) Wenn Suggestion und Imagination ihre Wirkung getan haben, und die negative Gehörsvorstellung einwandfrei festgestellt worden ist, brechen wir die Übung als erfolgreich beendet ab. 3. Imagination des Gefühls I. Positive Gefühls- Imagination a) Wir kennen von unserer Übungspraxis her bereits das Erzeugen von Wärme. Genau so können wir durch Übung das Gefühl von Schmerz hervorrufen. Wir wählen die Vorstellung, in einer unserer Fingerspitzen oder in einem Fuß einen kurzen aber merkbaren Schmerz zu spüren. Wir unterstützen die Imagination durch die Suggestion: „Mein Zeigefinger (oder Fuß) schmerzt ... mein Zeigefinger schmerzt..." usw. b) Ist es eindeutig gelungen, den Schmerz zu „rufen", suggerieren wir ihn wieder fort. II. Negative Gefühls- Imagination a) Wer „zufällig" an Kopf- oder anderen Schmerzen leiden sollte, bemühe sich, diese Gelegenheit zu benutzen, um sich eine unschätzbare Eigenschaft allgemach anzuerziehen: den Schmerz durch die Kraft geistiger Vorstellung und Suggestion „auszulöschen". Suggestionsformel, schnell hintereinander gesprochen bis zum Wirkungseintritt: „Der Schmerz ist fort . . . der Schmerz ist fort ..." usw. b) Sobald es uns gelungen ist, die Suggestion - Imagination - zu verwirklichen, ist die Übung beendet. 4. Imagination des Geschmacks I. Positive Geschmacks- imagination a) Der Übende konzentriert sich auf einen Geschmack, der stark ausgeprägt ist und einer Lieblingsspeise anhaftet. Manch einer erinnert sich fieberheißer Tage, an denen der ausgedörrte Mund nach einer Zitrone oder Apfelsine lechzte; andere können sich genau den Geschmack einer scharfen Gurke oder einer aromatischen Bowle vorstellen: und auf diese Imagination kommt es uns an. Wir müssen deutlich den Geschmack, den wir uns suggerieren, „schmecken", wir müssen diese Geschmackseinbildung methodisch- sicher, am besten an mehreren Übungsabenden hintereinander, hervorrufen können. b) Wir unterstützen unsere Imagination durch die Formel: „Ich schmecke Pfefferminz ... ich schmecke Pfefferminz ..." usw. II. Negative Geschmacks- imagination a) Wir nehmen von der obenerwähnten Speise oder einem Getränk eine Probe auf die Zunge. b) Wir suggerieren uns: „Ich schmecke nichts ... ich schmecke nichts ... ich schmecke nichts ..." c) Bei Eintritt des erwarteten Erfolgs beenden wir die Übung, wiederholen sie einige Male an darauffolgenden Tagen. 5. Imagination des Geruchs I. Positive Geruchs- imagination a) Wir stellen uns den Duft blühender Nelken- oder Rosengärten vor. b) Wir suggerieren uns: „Ich rieche Rosenduft ... ich rieche Rosenduft ..." usw. c) Bei fortschreitender Übung stellt sich unser Öd auf den erwarteten Duft ein und „gaukelt" ihn uns nach unserem Wunsch, unserer Vorstellung, vor. Es kommt nicht selten vor, daß sogar das Zimmer des Übenden den Duft „atmet", der dann auch von anderen Personen wahrgenommen wird. II. Negative Geruchs- imagination
a) Den oben erwähnten oder einen anderen Geruch, der von unserer Nase deutlich wahrgenommen wird, entwirken wir durch unsere Imagination. b) Wir unterstützen diesen Vorgang durch die Worte: „Ich rieche nichts ...", usw. c) Bei eintretendem Erfolg brechen wir die Übung als geglückt ab. Die vorstehenden Imaginationsübungen sind wichtiger, als mancher ahnt; von der so erworbenen Basis aus sind die Entwicklungsmöglichkeiten nahezu unbeschränkt. Wer Ödund Vorstellungskraft - und die äußeren und inneren Sinne - stärker schulen, sicherer ihrer Herr werden will, wiederhole den vorliegenden Übungsplan auch mit anderen Erscheinungen. Der Idealfall ist erreicht, wenn innerhalb kürzester Frist beliebige Sinneswahrnehmungen „erzeugt" oder „gelöscht" werden können. „Wunschziele" und „Wunscherfüller" Es gibt keine Kraft im Kosmos, die vergleichbar wäre richtig angewendeter „Imagination", es sei denn, daß man die Glaubenskraft - ein unentbehrlicher Bestandteil der geistigen Vorstellung und des absoluten Willens - für sich betrachtete. Doch selbst der Glaube, Herrscher in allen Reichen, wird übertroffen in seiner Wirksamkeit durch bildhaften Glauben, und das eben ist Imagination: die unerschütterliche, überzeugte, im ganzen Organismus belebte Vorstellung, daß ein vorgenommenes Ziel erreicht wird. Nun fällt niemandem auf dieser Welt etwas „in den Schoß": nach dem Gesetz des Ausgleichs entspricht die Tiefe des Tals der Höhe des Berges, und die für ein Ziel aufgewendete Kraft und Ausdauer entscheiden über Sieg und Niederlage, über das Ausmaß des Erreichten. Wir erinnern uns des im Vorwort erwähnten Gesetzes, nach dem ein „Minus" zunächst aufgefüllt werden muß bis zur Herstellung der „Grundlage", der Disposition, Schaffung der notwendigen magischen Bereitschaft, Sensitivität genannt. Genau so verhält es sich auch mit der Basis, von der aus unsere Wünsche und ihre Erfüllungen aufsteigen. Das eherne Gesetz des Alls bietet dem Menschen die Erfüllung aller Wünsche - wenn er bereit ist, den Sold dafür zu entrichten. Was bedeutet das? Nehmen wir zwei Fälle zum anschaulichen Vergleich. Ein hochgebildeter, auf einem gewissen Spezialgebiet begabter junger Mann strebt nach politischem Erfolg. Er wird also entweder - wenn es die Mittel seines Vaters erlauben - auf dem Wege über die diplomatische Karriere seine Chance abwarten, oder aber einer Partei beitreten und durch zähe, unermüdliche Kleinarbeit, Zuverlässigkeit und durch eigene Initiative den Parteiführern auffallen. Bei einigem „Glück" - vielleicht wird er Sekretär einer der führenden Männer wird ihm der Erfolg nicht versagt bleiben. Freilich wird er überdurchschnittliche Erfolge nur dann erzielen, wenn er bewußt oder unbewußt seine Erfolge magisch vorbereitet. Als zweites Vergleichsbeispiel wählen wir den ganz extremen Fall, daß ein „Kind des Volkes", bisher ungewohnt aller geistigen Tätigkeit, sich plötzlich ein hohes, für ihn fast unerreichbar scheinendes Ziel steckt. Ein solcher Entschluß kann die Folge harter Prüfungen und Enttäuschungen, aber auch die Wirkung unaufhaltsamen „Karmas" sein. Dieser junge und ungebildete, aber von starkem Wollen und heißer Leidenschaft getriebene Mensch nun steckt sich dasselbe Ziel, das sich der Mann des ersten Beispiels als Aufgabe stellte: Macht und Einfluß zu gewinnen. "Was muß er tun, um - trotz seiner zweifellosen Unterlegenheit gegenüber dem erwähnten Konkurrenten - dennoch sein Ziel zu erreichen? Er muß zunächst die Grundlagen schaffen, die im ersten Fall bereits vorhanden sind. Er muß sich also bilden, durch langjährige harte Arbeit erwünschte, notwendige Gewohnheiten schaffen, aus denen die Talente erwachsen, die er für seinen Aufstieg benötigt. Erst wenn er mit dem Mann aus „Fall eins" auf gleicher Basis steht, kann er an die direkte Befolgung seines Zieles gehen: vorher würde er sich nur lächerlich machen und gründlich scheitern, vielleicht unter Hohn und Verachtung zugrunde gehen.
Wer diese Grundsätze auch in der magischen Arbeit beachtet, braucht kein Ziel zu fürchten: er muß es erreichen und - wenn er dazu magisch- imaginativ arbeitet - schneller als die beiden Männer aus den angeführten Beispielen. Die meisten Irrwege werden aus Unkenntnis begangen. Es ist deshalb die erste Voraussetzung jedes Strebenden, sich an der rechten Stelle zu informieren über den Weg, den er einzuschlagen hat. Ein Rat kann Jahre Irrtümer ersparen. Seit Jahrtausenden lehrt und beweist der Okkultismus, daß durch die Kraft der Imagination unter den oben gemachten Einschränkungen - nahezu jedes Ziel auf Erden oder im Kosmos erreicht werden kann. Einige Beispiele: Ein Mädchen, aus den „untersten" Volksschichten stammend, hat sich in den Kopf gesetzt, aufzusteigen, vielleicht die Geliebte eines Weltherrschers, und damit die wahrhafte Herrin einer Welt zu werden. Es stand jahrelang vor einem großen Spiegelscherben, den es im Stall aufstellte. Die Maid „sah" sich in allen nur denkbaren Situationen, stets in glänzendem Rahmen, sie „zog sich in Gedanken" die schönsten Toiletten an, setzte sich die herrlichsten Diademe „in ihrer Vorstellung" ins Haar, ließ sich imaginativ von den glänzendsten Kavalieren den Hof machen. Der Weg dieses Mädchens führte über Stall und Weide aufwärts, schnell, bestürzend schnell, und endete - der Sold, das ausgleichende Tal - schrecklich: die Frau nannte sich später Madame Dubarry; sie war die Geliebte eines französischen Königs - und Frankreich war damals „die Welt" - und wurde ein Opfer des Fallbeils. Liszt, schon als Jüngling häßlich und mit Warzen verunziert, sehnte sich nach. den schönsten Frauen. Während er Jahr für Jahr seine brillante Virtuosität durch unermüdliche Klavierübungen erwarb, „sah" er über dem Flügel „schöne Frauengestalten" vorüberschweben, ihm zulächeln, ihn umarmen. Nie sah er eine Schöne „in seiner Vorstellung", die ihm nicht hold war, nie erfuhr er „geistig" eine Niederlage. Liszt wurde ein Mann von wahrhaft faszinierender Wirkung auf das schöne Geschlecht, nicht wegen seines Ruhmes - es gab und gibt genug berühmte Männer ohne jeden Erfolg bei Frauen - , sondern wegen der in ihm imaginativ geschaffenen Voraussetzungen und anziehenden und beherrschenden Kräfte*. Verbürgt ist von einem der größten Männer der Geschichte, daß er in jungen Jahren, hungernd, frierend, in seinem Zimmer auf- und abschreitend, Pläne erdachte. Befehle erteilte an imaginäre Untergebene, glänzende Siege geistig aufbaute - und später in Wirklichkeit in unvorstellbarem Maße erfocht: wir sprechen von dem „großen Korsen", von Napoleon Bonaparte, dem einstigen bettelarmen Artillerieoffizier, dessen Stern erst unterging - in Vergessenheit und Nacht, der Ausgleich- , als die Wirkung seiner Imaginationen erlosch. Der Kaiser der Franzosen hatte es ja „nicht mehr nötig", zu „phantasieren", „Luftschlösser" zu bauen, imaginäre Schlachten zu schlagen: so verlor er die irdischen Schlösser, Herrschaft, Freiheit und Leben. Von einem elend- armen, aus Polen eingewanderten Jungen wird berichtet, daß er - unter größten Entbehrungen vegetierend - in seinem Geiste „Schätze ausmalte", „Könige empfing", warten ließ, verabschiedete, hinter den Kulissen - in seiner Vorstellung - Weltpolitik machte: er trieb das jahrelang. Wenn er körperlich hungerte, schwelgte er geistig. Der arme Pole trieb das so lange, bis sein äußeres Leben sich immer mehr seinen Wunschbildern anglich, ja, schließlich sogar seine Vorstellungen übertraf: es war Rothschild, der Begründer der großen Bankiers- Dynastie. Diese Beispiele lassen sich nach Belieben vermehren. Fast jeder kennt solche und ähnliche Fälle - auch aus der neuesten Geschichte. Die Konsequenz und Dauer der Wunschvorstellungen entscheidet über den schließlichen Erfolg, den die meisten deshalb nicht abwarten können, weil sie den Mut verlieren, weiterzuschreiten, oder weil ihnen die Kraft fehlt, durch das „Tal der Schrecken" zu gehen, *
Näheres hierüber in der Schrift „Liebeszauber" von F. E. Dorand.
das mit unvorstellbarer Ausweichlosigkeit den Berg des Glanzes und Sieges ankündigt, den Ausgleich darstellt, der vorher oder nachher kommen muß. Die meisten Strebenden geben nach einiger Zeit, besonders, wenn Schwierigkeiten eintreten, ihre Vorstellungen als „kindisch" auf, oder gehen am inneren Zwiespalt - sie verlieren den Glauben an sich und ihren Stern - zugrunde. Wer Ziele der geschilderten oder jeder anderen Art „imaginativ aufbaut", kann durch nichts aufgehalten werden; alle Störungen und Bedrängnisse erweisen sich stets als Meilensteine auf dem Wege zum Erfolg, und oft folgt gerade dann, wenn die Nacht am dunkelsten ist, der Schimmer eines strahlenden neuen Morgens. Freilich erkennt man den Schmerzensweg und seinen Sinn erst später, wenn man zurückschaut von der lichtumflossenen Höhe auf das finstere Tal. Während des Ganges in der Nacht ist nichts als erbarmungsloses Dunkel, das allein durch den durch nichts zu tilgenden Glauben erhellt werden kann. Übungsgruppe F a) »Bereitung" Wir verweisen an dieser Stelle auf den im l. Band dieser Buchreihe"" veröffentlichten ausführlichen Arbeitsplan. Ob es sich um die Aufstellung einzelner Wunschziele oder eines umfassenden Lebensplans handelt: stets muß vorher - in einer glückhaften Stunde - eine ganz klare Formulierung und schriftliche Fixierung des Ziels und der Etappen, die zu ihm führen, vorangehen. Erst dann gehen wir an die ausführliche Aufzeichnung der ersten Etappe, des ersten Nahziels, das zunächst winkt. Je schwieriger die erste Stufe erscheint, um so umfassender und gründlicher müssen die Vorbereitungen sein. Ob diese erste Stufe tatsächlich schwer zu nehmen ist, erweist sich erst später, denn unser Blick ist vorher nicht objektiv genug in der Erkennung unserer Möglichkeiten und etwaiger Schwierigkeiten. Das Unterlassen auch nur eines Faktors der „Bereitung" kann schon das Erreichen der ersten Stufe gefährden und den Strebenden in Nacht und Verzweiflung zurückwerfen. Ist erst ein Teil des Weges genommen, wachsen Sicherheit und Selbstvertrauen und die Möglichkeit objektiver Erfassung der eigenen Chancen wächst uns zu. Es ist notwendig, lieber einige Tage oder Wochen mehr auf die Vorbereitung der imaginativen Tätigkeit zu verwenden, als durch unstatthafte Eile das Werk von Anfang an zu gefährden. Die Grundsätze der Bereitung (Vorbereitung, Disposition) haben wir in den bisherigen Bänden so oft erwähnt, daß wir uns hier auf die Aufzählung der Hauptpunkte beschränken können. Mit allen Mitteln wird eine „Leermachung" von allen bisherigen Wünschen und Vorstellungen, eine völlige „Harmonisierung" erstrebt. Als erstes fertigen wir Tafeln an, die wir an den Orten der "Wohnung oder des Zimmers aufstellen, denen unsere Augen im Laufe des Tages oft begegnen: neben dem Spiegel, auf dem Schreibtisch, neben oder über dem Bett usw. Diese Tafeln enthalten in prägnanter Kürze die Formulierung des Wunsches, den zu erfüllen wir zuerst trachten. Wir kümmern uns nur um diesen einen Wunsch, alles andere interessiert uns nicht; wir bemerken keine Störung, nehmen nichts wahr, was uns in der Konzentration auf das erste Teilziel erschüttern könnte. Wenn unseren Organismus Leidenschaften, Empfindungen oder Aufwallungen durchpulsen, dann sind es nur solche, die unmittelbar mit dem Ziel zusammenhängen; alle anderen ignorieren wir und zwingen sie so zum „absterben". Wir formulieren unseren Wunsch als Suggestion ausführlicher, und zwar als Suggestion, die wir uns morgens, unmittelbar nach dem Aufwachen, und abends, vor dem Einschlafen, geben. Diese Suggestionen lesen wir mit klarer, wenn auch gedämpfter Stimme vor uns hin, am besten noch in einer Art Halbschlummer, wenn die Müdigkeit uns „noch hat" oder schon umfängt. Am besten ist es, wenn wir diese Suggestion auswendig lernen und so oft als möglich auch tagsüber - zum Beispiel im Rhythmus des Schreitens auf dem Wege zur Arbeitsstätte und zurück - vor uns hinsprechen, - flüstern, - murmeln, in Gedanken durchgehen, besonders aber dann, wenn Mißmut über uns zu kommen droht, Zweifel uns
überfallen, Störungen auftreten wollen. Abends stellen wir uns - oder setzen uns - vor einen Spiegel, sprechen uns die Suggestionen zu: beschwörend, eindringlich, emphatisch, den ganzen Organismus durchrüttelnd. Im Dunkel setzen wir uns vor den Spiegel und versuchen, unsere Wünsche bildhaftimaginativ zu verwirklichen, zu durchleben. Wir können hierzu eine halbe, eine ganze Stunde verwenden. Mit der Zeit gelingt es uns in immer höherem Maße, „Bilder" zu erzeugen und festzuhalten. Bei strahlendem Licht, bei den Klängen von Musik, die uns aufrüttelt und begeistert, gehen wir durch unser Zimmer und sprechen mit den Gestalten, die wir uns „schaffen", so, als wären wir schon, was wir zu sein wünschen; wir sprechen und geben uns selber Antworten unseres Gegenüber, widerlegen seine Einwände, lassen unser „Licht leuchten", d. h., brillieren mit Witz und Einfällen, mit Charme und Diplomatie, mit Gewandtheit und Ritterlichkeit. Wir gehen möglichst jeden Tag einmal in die „Gedankenstille" und lassen auch da die Bilder unserer Phantasie aufleuchten, sprechen unsere Suggestionen vor uns hin. Damit hier keine Mißverständnisse entstehen: Gedankenstille, wie wir sie verstehen, ist neutral, ein Vakuum, ohne Gedanken. Wir müssen also vor Eintritt der Stille dem „Vakuum" Richtung geben, d. h., unsere Imaginationen und Suggestionen wirken lassen. Wir stellen uns morgens und abends vor das offene Fenster, machen unsere Atemübungen und „saugen" beim Einatmen die Bilder unserer Vorstellung mit dem Prana in uns hinein, beleben unsere Imaginationen mit ständig stärker werdenden Odströmen, die wir in uns erzeugen, durch uns pulsen lassen. Vor ganz schweren Entscheidungen oder besonders schwierigen Aufgaben gehen wir auch in die äußere „Stille", in die Einsamkeit, vielleicht gelegentlich eines Urlaubs. Auch eine „Erkrankung" kann man in dieser Weise „einspannen", aus Schmerz und Leid Erfolg formen. In dieser selbstgewählten Einsamkeit befreien wir uns vollkommen von allen Bindungen, die uns bisher fesselten; wir beschäftigen uns, je nach Neigung und Einstellung, mit Gebet, Gedankenstille, Fasten. Wir schaffen zum Schluß unserer selbstgewählten Klausur tiefe Ruhe, Kraft und ein „Vakuum" in uns, das wir nun erfüllen mit den zuvor erwähnten Suggestionen und Imaginationen; um im Anschluß daran an die eigentlichen Übungen zu gehen. b) Die Hauptarbeit Wir haben unseren Wunsch, unser Teilziel, in ein Bild gebracht, das uns als Symbol für die kommende Stufe dient. Wir sind nicht engherzig, kleinlich; wir beschäftigen uns nicht mit „Kleinigkeiten". Wer Geld braucht, kann ebensogut hunderttausend fordern wie tausend. Der Segen, die Fülle des Kosmos, sind unausschöpfbar. Wer ein Haus wünscht, denke nicht an einen Ziegelstein. Und wer ein hohes Amt begehrt, beginne nicht als Bürobote - wenigstens nicht in seinen Vorstellungen. In der ersten Phase unserer Arbeit durchleben wir, nachdem wir den Zustand vor der „Stille" herbeigeführt haben, die Szenen unseres künftigen Lebens, „als ob es in Wirklichkeit" geschähe: wir sprechen, handeln, arbeiten, als wären wir schon, was wir zu werden wünschen. Dann erst gehen wir in die „Stille", wo die Realisierung betrieben wird. Auf dieselbe Weise gehen wir einige Zeit später dazu über, den in ein Bild geprägten Wunsch vor uns „lebendig" werden zu lassen. Alle Kräfte in uns „richten" wir auf den ersten „Meilenstein" unseres Weges, führen „odische Verstärkungen" heran, lassen die Kräfte des Kosmos in uns einströmen, um eine weitere Steigerung zu ermöglichen. Schließlich projizieren wir das Bild unserer Vorstellung nach „außen" und beleben es mit unserer Odkraft, genau so, wie wir die „Hand" belebten oder Einfluß nahmen auf die flackernde Kerze durch unser Vorstellungsbild, das „Abbild". Das Projektionsbild müssen wir in allen Einzelheiten ausmalen, verstärken, verlebendigen,
denn wir wissen, daß das, was der Körper der Vorstellung gibt, die Vorstellung dem Körperlich- Irdischen zurückgibt: in dieser Wechselwirkung des geistigen auf das Körperliche und umgekehrt liegt das Wesen der Magie und unser Erfolg begründet. »Die drei Wünsche" Mit den echten Märchen, die das Volk von Mund zu Mund weiter „spann", hat es eine eigene Bewandtnis. Wer sich die Mühe macht, diese volkstümlichen Überlieferungen nach einem bestimmten System zu untersuchen, wird feststellen, daß der Kern stets magischer Natur ist, d. h., eine okkulte Weisheit verbirgt oder verschleiert darbietet. Das ist zum Beispiel mit „Dornröschen" der Fall - in diesem Märchen werden mystische Wahrheiten offenbart - und auch mit einem Märchenstoff, der in den Völkern unter verschiedenen Titeln auftaucht, stets aber mit übereinstimmendem Wahrheitsgehalt: das ist das Märchen von den drei Wünschen. Entweder wird ein „Wunschring" gefunden und vertauscht, seine Kraftlosigkeit aber niemals festgestellt, weil die Wünsche nicht ausgesprochen werden (die handelnden Personen wissen sich vor Schwierigkeiten sicher durch den „Zauberring" und arbeiten in dieser gelassenen Zuversicht so segensreich, daß sie der „fremden Wunder" entraten können, weil ihre Glaubenskraft ja selber wundertätig ist) oder die offenen drei Wünsche werden verscherzt: der erste Wunsch wird meist „unbedacht" ausgesprochen, der zweite im „Zorn" und bringt Schaden. Der dritte noch offene Wunsch aber muß diesen „Schaden" wieder kurieren. Das erste Beispiel zeigt Reaktion und Handlung „einfältig"- kluger Menschen, das zweite Beispiel das übliche Reagieren „dummer", besser: unwissender Menschen. Eines ist beiden Variationen gemeinsam: der Wünsche sind es stets nur drei, die möglich sind. Diese okkulte Tatsache ist der Kernpunkt des Märchens, der durch die verschiedenen Auslegungen absichtlich verschleiert wird. Die Verschleierung bietet exoterische (rein philosophische) Weisheiten, der Kern esoterische (okkulte) Erfahrungstatsachen. Hier interessiert uns der okkulte Teil des Märchens: warum ein Menschenleben nur drei "Wünschen Raum gibt. In den Zeiten, in denen die Märchen entstanden, lebte der Mensch im Durchschnitt dreißig Jahre, drei Jahrzehnte. In jedem Jahrzehnt konnte er imaginativ - sein ganzes Wesen ausschließlich erfüllend - ein Ziel stecken und erreichen: im ersten Jahrzehnt ein kindliches (der „unbedachte" Wunsch), im zweiten ein leidenschaftlich- emotionelles (der „Schaden" an der Seele), im dritten Jahrzehnt ein ausgleichendes, wieder harmonisierendes Ziel (vor dem Tode, so daß der „Schaden" gerade noch „kuriert" wurde). Freilich gab es auch Unbelehrbare, die mit dem „Schaden" weiter herumliefen und auch den dritten Wunsch verschleuderten, für ein materielles Ziel einsetzten: deren Erdenleben schloß mit einem doppelten Manko, einem zwiefachen Schaden, einer Schädigung der unsterblichen Seele ab. Heute allerdings beträgt unsere durchschnittliche Lebenserwartung mehr als30 Jahre, doch geändert hat sich nichts an der Tatsache, daß nur wenige Wünsche „frei" sind, und daß in den ersten Lebensjahrzehnten die meisten Wünsche „törichte" sind. Halten wir fest: ein lange Zeit imaginativ erzeugtes Ziel erfaßt den ganzen Menschen mit allen seinen Körpern und gewinnt nach und nach „Eigen- Macht". Es kann nur schwer durch „Gegenvorstellungen" (der zweite oder dritte Wunsch) getilgt werden, wobei der Grundsatz gilt, daß die Tilgung um so schwerer ist, je tiefer die „Engramme" der Seele „eingebrannt" worden sind. Es ist von entscheidender Wichtigkeit für den Studierenden, erst nach sorgfältiger Überlegung und Prüfung an die Aufstellung von Wunschzielen zu gehen, denn die Wunscherfüllung läuft - oft zu seinem Schrecken - auch weiter, wenn er längst anderen Zielen sich zuwendete. Jeder nicht- geistige („unbedachte") Wunsch ist eine Gefahr, der im glücklichsten Falle
vielleicht durch Gegenvorstellungen begegnet werden kann. So aber ist - wieder im günstigsten Falle - das ganze Leben sinnlos vertan. Damit ist nicht gesagt, daß alle materiellen Wünsche schwarzmagischer Natur sind. Es gibt Menschen, so sehr für Glück und Glanz geboren, daß ihr Wunschleben sich ausschließlich auf Erfüllung dieses Strebens einstellt - weil sie einfach nicht anders können. Solange diese Menschen ein Wort der Bibel nicht vergessen - „Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit ..." - ist die Befolgung der in sie gelegten Bestrebungen weder ein Verbrechen an der Umwelt noch an der eigenen Seele. Gefährlich wird die Sache erst dann, wenn - wie in den im vorangegangenen Abschnitt angeführten Beispielen - nichts weiter im Menschen herrscht, als der gebieterische eine Wunsch, der wie Unkraut wuchert und jede edlere, geistige Regung erstickt. Die Nemesis - nach dem Berg des Glanzes das Tal des Grauens - ist dann unerbittlich. Diese „Sühne" ist noch immer „humaner", als ein bleibender Schaden an der Seele. Wir merken uns aus dieser Betrachtung, daß wir uns vor Aufstellung unseres Lebensplanes eingehend unterrichten, sorgfältig überlegen und planen, alle materiellen Bestrebungen nur „spielerisch", gleichsam nebenbei, betreiben, ohne weniger Kraft auf sie verwenden zu müssen, weil dem Menschen, der grundsätzlich dem Geistigen die Priorität - Vorherrschaft - einräumt, ungleich zahlreichere und stärkere Hilfsmittel „zufließen" als dem rein materiell Eingestellten. Übungsgruppe G Genau so, wie in Übungsgruppe B die imaginative Neuschöpfung der brennenden Kerze sich mit dem Vorbild verband und auf es wirkte, und genau so, wie in Übung C/3 die „vorgestellte" Hand mit Odkraft „aufgeladen" worden ist, in genau derselben Weise, lediglich auf dem bereits beschrittenen Wege fortschreitend, schaffen wir das Abbild einer Figur - einer „Kwannon" (indische Gottheit), Nofretete (ägyptische Königin), oder einer anderen Statue (Diskuswerfer, Apoll, Merkur usw.) und „laden" sie mit den gewünschten Kräften auf. l. Vorbereitungen, "Wahl des Vorbildes und der Zweckbestimmung a) Auf die unter Gruppe F besprochene „Bereitung" wird hingewiesen sowie auf Erstellung eines Arbeitsplans. b) Das „Vorbild" kann eine Porzellan- , Holz- oder Steinfigur sein, eine geschichtliche Gestalt oder ein Kultgegenstand. Besonders erfolgversprechend ist die Anfertigung, das Schnitzen oder Formen einer Figur nach Muster oder bildhafter Vorlage. Es kommt nicht so sehr auf die Schönheit der Figur, als auf die Intensität an, mit der der Erzeuger seine Wünsche in die Masse „hineinarbeitet*. c) Die Zweckbestimmung wird in jedem Falle sein, eine „Ausstrahlung" nach einer bestimmten Richtung hin anzustreben, zum Beispiel: segensreiche Wirkung auf einen geliebten Menschen, dem die Statue geschenkt wird, oder Rückwirkung auf den Erzeuger selbst für Stunden des Zagens, der Bedrängnis, der Schwäche, die jeden von uns überfallen können. Dabei ist es selbstverständlich, daß wir eine „Befruchtung" der Figur nur in besonders günstigen Stunden der Kraft und Harmonie vornehmen. 2. Betrachtung, Reflex a) Wir setzen uns so vor die Statue, daß wir sie zwanglos ins Auge fassen können. Wir gehen sofort in einen möglichst tiefen Zustand der Versenkung, ohne aber bis zur „Stille" vorzudringen. Das Licht fällt über unseren Rücken auf das „Vorbild". Das übrige Zimmer ist abgedunkelt. b) Wir betrachten die Figur fünf Minuten lang intensivkonzentriert und prägen uns jede Einzelheit genau ein, mit dem festen Vorsatz, sie genau so jederzeit „geistig" wiedergeben zu können: die Umrisse, die Färbung, Ausdruck und Aussage (bei gelassener, intuitiver Betrachtung „sagt" jedes Ding etwas aus, wir müssen es nach und nach zu erfassen suchen).
c) Wir schließen die Augen und lassen den Augen- Reflex wirken. Ist die Figur buntfarbig oder intensiv in einer Farbe leuchtend, ist der Reflex leichter und länger festzuhalten. Der Reflex dient der erneuten „halbgeistigen" Betrachtung und als Zwischenglied zur Phase der Nachschöpfung. 3. Nachschöpfung a) Wenn der Reflex sich verflüchtigt, ersetzen wir ihn durch eine genaue geistige „Nachbildung" der Figur. Wir lassen nun jede Einzelheit, jede Nuancierung, vor unserem geistigen Auge erstehen. b) Wir verstärken die Nachschöpfung durch sich steigernde Konzentration und „Nachmalung", stets gründlicher werdende „Ausmalung" jeder Einzelheit. c) Wir „entlassen" die Nachbildung und entspannen uns völlig, ohne einem Gedanken an unsere Aufgabe - oder an irgend etwas anderes - „Audienz" zu geben. 4. Neuschöpfung a) Nach einigen Minuten des völlig gelockerten Ausruhens lassen wir - nunmehr völlig unbeirrt durch Vorbild, Reflex und Nachschöpfung - das Vorbild vor unseren geistigen Augen - bei geschlossenen physischen Augen - neu erstehen, in allen Einzelheiten, genau der Vorlage nachgebildet. b) Wir verstärken die Imagination durch tiefere Konzentration und Odzufuhr. c) Wir entspannen uns völlig und verabschieden die Neuschöpfung. Wir wiederholen einige Male den Prozeß 4/a- c. 5. Imprägnierung a) In mehreren Übungen versehen wir die geistige Neuschöpfung mit den Kräften, die wir ihr zu verleihen wünschen: mit den Wünschen, die sie verwirklichen helfen, mit dem Segen, den sie auf andere oder uns ausstrahlen sollen. b) Wir „öffnen" uns den „Strahlungen" des Kosmos und führen auch diese Kräfte auf die imaginär in uns ruhende Abbildung der Figur ein. Selbstverständlich können wir erst Kräfte transformieren, die wir gespeichert haben: die erfühlte „Einströmung" ist die Voraussetzung der Kraftübertragung auf die Imagination. c) Bei allen diesen „Kraftaufladungen" muß die Neuschöpfung an Gestalt und Leuchtkraft gewinnen, d. h., sie muß ständig „materieller", zunächst noch in uns, werden. d) Wir bemühen uns, das Abbild jederzeit so schnell wie möglich erzeugen zu können, und nach unserem Wunsch verlöschen zu lassen. 6. Verschmelzung a) Haben wir den höchsten Stand in unserem Bemühen der „Plastizität" und Strahlungskraft der geistigen Neuschöpfung erreicht, öffnen wir die Augen und „schleudern" die Imagination mit aller Kraft und Inbrunst auf das vor uns stehende Vorbild. Wir übertragen somit die Kräfte des Nachbildes auf das Vorbild: Öd, Wunsch, Segen, Wirkungskraft. b) In mehreren Übungen - oft fordert solch ein Prozeß Wochen - werden wir das Abbild immer wieder neu erzeugen, aufladen, verstärken, projizieren, auf das Vorbild „werfen" (mit einem gewissen Schwung), es mit immer stärkerer geistiger Kraft und damit Wirkung erfüllend. 7. Nutzanwendung a) Wer diese Art Kraftübertragung längere Zeit geübt hat, bedarf des Vorbildes nicht und bald auch nicht mehr der Nachbildung, seine Kräfte - und die des Kosmos - überall da einzusetzen, wo es ihm notwendig erscheint. Künftig bedarf es bei einer solchen Kraftübertragung nur noch einer - schon „geläufigen" - geistigen Kraftballung und entsprechender Imagination. b) Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß die Grabung der „Kanäle" - also ständige Übung und die Steigerung der Imaginationsfähigkeit entscheidend sind für den Erfolg der Übung. Jede Übung - besonders der Vorgang der Projektion nach außen - steigert die Wirkung; das Geschehen wird von Mal zu Mal „wirklicher", „materieller". Zeit und Raum sind keine Grenzen mehr für eine Fähigkeit, die überall ihre Wirkung entfalten
kann. Übungsgruppe H In der gleichen Weise, in der wir auf vorhandene oder selbst hergestellte Figuren unsere geistige Kraft konzentrieren, können wir mittels Öd unsere Wünsche und Wirkungen auch auf Personen der näheren oder weiteren Umgebung ausstrahlen, wobei der Anteil der seelischen Kräfte sich steigert mit dem Maß des Ausschlusses der irdischen Welt, die Wirkung sich vervielfacht mit dem Grad der erreichten Plastizität der Imagination. In Trance und tieferen magnetischen Zuständen gelingt es nach längerer Übungszeit, den größten Teil der seelischen Kräfte außerhalb des Körpers wirkbar zu machen und damit Ergebnisse zu erreichen, die sich der nicht Eingeweihte kaum vorstellen kann. Bevor wir an die nachfolgenden Übungen gehen, deren jede mindestens eine Woche Übungszeit umfaßt, legen wir uns die Suggestionen zurecht, die unsere Einwirkung auf die betreffende Persönlichkeit umschließen sollen, wobei wir grundsätzlich nur an Hilfe, niemals an Zwang oder Schädigung denken. a) Wenn möglich, nehmen wir ein Foto der zu beeinflussenden Person zur Hand und betrachten es einige Übungstage nacheinander je 15 Minuten lang bei strengster Konzentration, mit dem festen Vorsatz, diese Person in allen Einzelheiten geistig nachzubilden. b) Sind wir aller Einzelheiten, der Figur, Haltung, des Gesichtsausdrucks (Erfassung der Empfindungen!), der persönlichen Ausstrahlung sicher, schließen wir die Augen und beginnen mit der Nachschöpfung, unsere geistige Vorstellung immer wieder an dem Bild korrigierend und ergänzend. c) Erst dann gehen wir, bequem sitzend oder stehend, jedenfalls aber in tiefstmöglicher „Abgezogenheit", an die Neuschöpfung - geistige Nachbildung der Vorlage - und verstärken die Gestalt im Laufe einiger Übungen, notfalls unter Zuhilfenahme von Räucherungen. Hier beginnt die Übung dann, wenn Bild oder Foto nicht vorhanden sind. d) Die nächste Phase ist die Erzeugung der Versuchsperson vor dem Spiegel bzw. im Spiegel. Es ist anfangs notwendig, 30 bis 40 Minuten oder länger vor dem Spiegel zu sitzen, bevor eine einwandfreie Nachbildung - Imagination - der betr. Person möglich ist. Wir geben aber nach etwaigen Fehlversuchen nicht auf, sondern üben unverdrossen und des Zieles sicher weiter. e) Erst wenn das „Bild" der zu beeinflussenden Person einwandfrei und deutlich wahrnehmbar ist, gehen wir an die Einwirkung: Beseitigung von Fehlern, Schwächen, seelische oder körperliche Störungen, Bitte um Verzeihen o. ä., wir „strahlen" also der im Spiegel erscheinenden Imagination der Versuchsperson unsere Suggestionen zu. f) Wir können aber auch auf den Spiegel verzichten - besonders im fortgeschrittenen Stadium der Übung - und in strenger Konzentration - sitzend oder liegend - die Imaginationen erzeugen und unsere Wünsche auf sie ausstrahlen. g) Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, das Experiment durchzuführen: nach vorheriger Suggestion in der „Stille" geistig die betr. Person, deren Aufenthaltsort man möglichst kennen sollte, aufzusuchen und in der festgelegten Weise zu beeinflussen. Es wird dabei aber strengste Eigenkontrolle notwendig, weil sich hier leicht die Grenzen der weißen und schwarzen Magie verschieben. Wer jedoch den Grundsatz beachtet, nur im guten Sinne zu wirken und niemals eigensüchtige oder gar verbrecherische Ziele zu verfolgen, kann nicht irren. Er allein kommt auch nicht in Schwierigkeiten. Imagination als Komponent praktischer Magie Unsere theoretischen Anleitungen und die zahlreichen - erprobten - praktischen Übungen werden auch den größten Zweifler - der voll gläubigem Selbstvertrauen an die Experimente ging - davon überzeugt haben, daß die Anwendungsmöglichkeiten der Imagination und ihre Wirkung nahezu unbegrenzt sind. Das vorliegende Buch handelt vom Anfang bis zum Ende nur von praktischer Magie, und wer nach gründlichem Studium und einigen Übungen auch
nur einen geringen Teil dessen für sich gewinnt, was durch weitere Übungen gesteigert werden kann, wird den einmal beschrittenen Weg nicht mehr verlassen. Wir haben im l. Band* eine Reihe magischer Phänomene aufgezählt und werden in einer späteren Arbeit** - soweit sie nicht im vorliegenden Buch Behandlung finden - noch ausführlich auf diese Experimente eingehen, Experimente, die alle mit Hilfe der Imagination durchgeführt werden können, so daß sich dieser Zweig des Okkultismus als stärkste Säule der Magie erweist. An dieser Stelle wollen wir noch eine Übung zergliedern, die von grundsätzlicher Bedeutung für unsere Leser schon deshalb ist, weil sie im vorhergehenden Heft die „Stille-" Übungen kennenlernten und nunmehr die imaginative Erweiterung dieser magischen Tätigkeit begrüßen werden. So bereichert sich der Kristall der Imagination noch um eine weitere Facettierung, und deutet dem Übenden, der mit eigener Initiative arbeitet, eine Reihe weiterer Möglichkeiten magischer Arbeit an. Wir haben auf diesen Blättern immer wieder darauf hingewiesen, daß der Sinn der „Bücher der praktischen Magie" vor allem darin gesehen wird, die Übenden zu eigener praktischer Tätigkeit anzuregen, denn nur bei solcher positiven Einstellung sind sie in der Lage, die uns beengenden Fesseln abzustreifen und eine individuelle Entwicklung zu nehmen. Übungsgruppe I Die Übungen dieser Gruppe sind besonders erfolgversprechend, aus einem Grunde, der unseren Lesern sicher nicht verborgen ist: „Gedankenstille" - richtig geübt - ist eine Tätigkeit des höheren Manaskörpers (kosmisch- geistiger Körper), während die Imagination mit den Kräften der Emotion (Empfindungskörper) arbeitet. In der „Stille" erzeugte Bilder strahlen also aus einer höheren auf eine niedrigere Welt und erzwingen so oft in erstaunlich schneller Zeit die Verwirklichung der Vorstellungen. Freilich ist die ganze Weite der Seele, die volle Vakuum- Kraft der höheren Körper notwendig, um die angedeuteten Erfolge zu erzielen. Dieser Erweiterung und Stärkung der höheren Seelenkräfte dient die vorliegende Übungsgruppe. a) Wir stellen uns im Innern unseres Körpers, Brustmitte, einen sechsflächigen Würfel vor, der hell nach außen - zur Brusthöhle also - strahlt. Die Vorderwand des Würfels läßt sich öffnen. Darinnen aber ist äußerste Dunkelheit. < b) Wir konzentrieren unsere ganze geistige Kraft auf einen Punkt und gehen mit unserem Bewußtsein durch die geöffnete Vorderwand in die Finsternis des Würfels hinein und schließen hinter uns die Tür. c) Wir befinden uns nun inmitten völliger Dunkelheit, eingeschlossen von den Wänden des Würfels. In dieser Dunkelheit verharren wir - in völliger Gedankenstarre - solange es uns möglich ist, ohne Zwang, aber in voller Aktivität, und harren der Erscheinungen, die uns früher oder später begegnen werden. d) Diese Art „Gedankenstille", die man die imaginative nennt, ist außerordentlich wirkungsvoll und bringt den Strebenden schnell in Verbindung mit den innersten, verborgensten Kräften seines Wesens, die bereit sind, ihm - wenn er es wünscht - die Geheimnisse des Alls zu erschließen. e) In dieser dunklen Kammer, in der nichts ist als Dunkelheit und Bewußtsein, können wir Fragen stellen, die schnelle Beantwortung finden, können wir Wirkungen hervorrufen, welche wir nur immer wollen. Wir haben nicht nötig, unsere Leser vor Mißbrauch zu warnen. Jeder von uns ist von der Ewigkeitsdauer seiner Seele überzeugt und würde eher sein Leben verlieren, als Schaden an seiner unsterblichen Seele zu nehmen. * **
Ritus und Zeremoniell der Magie Magische Phänomene
Weckung schlummernder Kräfte Obwohl - oder gerade weil - „Gedankenbilder" als Emotion (Empfindung) der Astralwelt angehören, ist mit der Imagination eine unbegrenzte Möglichkeit gegeben, die eigene Entwicklung voranzubringen. "Wer alle Übungen, die in dieser Arbeit aufgeführt sind, dazu benutzt, Schwächen moralischethisch- geistiger Art zu beseitigen, kann in ungeahnt kurzer Zeit seinem Leben eine völlig andere Richtung geben und sich über die Schicksalsgewalten erheben, die bisher sein Leben formten - ohne auf seine Wünsche Rücksicht zu nehmen. Je plastischer die Imagination gelingt, um so größer ist der Gewinn, den der Körper rückwirkend den Imaginationskräften darbietet. Je strenger die Lösung vom Irdischen durchgeführt wird, um so umfassender, gründlicher ist die „Exteriorisation" einzelner Teile feinodischer Kraft möglich und damit die Durchführung magischer Aufgaben. Ein Schulbeispiel vollendeter Imaginationskunst bietet die Übungsgruppe K, die in bereits geschilderter oder abgewandelter Weise Resultate bringt, die einzig und allein durch magische Kraft erklärbar sind. Die magische Arbeit selbst kann auf zweierlei Art durchgeführt werden, ohne daß sich der Übende darum zu sorgen braucht, welche Form sein magischer Körper von sich aus wählt. Diese beiden Möglichkeiten bestehen darin, daß I. die imaginativen Bilder odisch- astral „erzeugt" und damit für den Übenden real werden, also „wirklich" vorhanden sind, oder daß II. der geistige Teil des Studierenden in Wahrheit eine vorhandene irdische Möglichkeit ergreift. In beiden Fällen jedoch wird sich das Gesetz der Imagination erfüllen: III. Bei fortschreitender Übung wird die „Materie" hinter die „geistige Form" zurücktreten, ja, die geistige Form das Irdische entsprechend den Vorstellungen umformen. IV. Die Sinne bestreben sich - und werden von Tag zu Tag tauglicher zu diesem Werk - die Vorstellungen zu verwirklichen, also alles heranzuziehen, was dazu dient, und alles abzustoßen, was hieran hindern könnte. So „strömen" dem imaginativ Tätigen zu: Ideen, Verbindungen, Zeit, Geld usw., bis die irdischen Tatsachen mit den geistig geschaffenen übereinstimmen. V. Wir wissen aus anderen Übungen, daß jedes „lebendig- plastisch- imaginativ Erzeugte und inbrünstig Erfühlte sich früher oder später verwirklichen muß, je nach dem Maß der aufgewendeten Kraft, Dauer und Intensität der Übungen. Wollen wir also nicht die Verwirklichung der Dinge, die wir imaginativ gestalten, brechen wir möglichst frühzeitig Übungen ab, deren Realisierung wir nicht wünschen. Es genügt für unsere Arbeit, die Tatsächlichkeit der geschilderten Phänomene - und den einzuschlagenden Weg - festzustellen, die Gesetzmäßigkeit der Vorgänge für andere Arbeiten bestätigt zu erhalten. l. Imagination des Geruchs Die Übungen l bis 5 bilden nicht nur eine Gruppe, sondern ein geschlossenes Bild, das sich mit jeder Unterübung mehr entschleiert und vervollständigt. Auf jede Übung dieser Gruppe muß soviel Zeit und Kraft angewendet werden, bis sie zweifelsfrei gelingt (liegend üben, in tiefster Versenkung). Wer in einer bestimmten Phase die sofort registrierbar wird - bemerkt, daß ihm die Kontrolle seines „Ich" entgleitet, wer sich also vor dieser „Entäußerung" fürchtet, oder wer - wie schon gesagt - die Realisierung seiner Vorstellungen nicht wünscht, breche sie rechtzeitig ab. Es gibt unter uns, wie im Vorwort gesagt, einige, die ihre „magische Bereitschaft" erst schaffen müssen; genau so aber gibt es unter uns welche, die besonders begabt sind für magisches Tun: für diese magisch Begabten gilt das zuvor Gesagte in besonderem Maße. a) Wir stellen uns vor, „irgendwo" am Strand zu liegen und die salzige Frische der Meeresluft zu „riechen". "Wer noch nicht an der See war - ein Binnengewässer vermittelt nicht den
gewünschten Eindruck - , zerstäube vor seiner Nase einige Male mit Salz getränktes Wasser, um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, welche Art Geruch er imaginativ erzeugen soll. b) Die Vorstellung darf nicht auf andere Sinnesorgane ausgedehnt werden; es ist wichtig, sich nur auf den Geruch zu beschränken. Erst dann, wenn wir einwandfrei das Meer durch die Nase „einatmen", ist die Aufgabe als gelungen anzusehen. c) Für diejenigen unter uns, die an der See waren, wird die Vorstellung verhältnismäßig einfach sein; auch dem anderen Teil werden jedoch kaum Schwierigkeiten erwachsen, da Imaginationskraft und Odkörper durch andere Übungen die körperlichen Sinne bereits „unterjocht" haben. 2. Imagination des Gefühls (und des Geruches) a) Wir dehnen in der Versenkung unsere Wahrnehmungsfähigkeit auch auf das Gefühl aus. Wir spüren nun den weichen Sand der Meeresküste, auf dem wir liegen, in den sich unser Körper schmiegt, in den die Hände greifen, den Sand durch die Finger „rieseln" lassen. Wir spüren die Milde der Luft, die Wärme der Sonne, den Atem des Meeres. b) Wir verbinden Geruch und Gefühl zu einem einheitlichen Bild. Es werden jedoch nur Gefühl und Geruch erfaßt. c) Durch eine Reihe Übungen verstärken wir beide Empfindungen immer mehr und schließen ständig konsequenter andere Wahrnehmungen - des Auges, der Ohren, des Geschmacks völlig aus. 3. Imagination des Gehörs (des Geruchs und Gefühls) a) Nun nehmen wir auch das Gehör zu Hilfe: wir hören das Rauschen der Brandung, das Brausen des Windes, der durch die Bäume über uns fährt. b) Wir hören, fühlen, riechen also nun Sand und Strand, Meer und Wind, Bäume und seidenweiche Luft. c) Noch immer schließen wir Augen und Geschmack von der Wahrnehmung aus, doch immer mehr trennen wir uns vom irdisch- körperlichen unserer „wirklichen" Umwelt, gehen immer stärker auf in der Vorstellung, die nun „Maya" (Täuschung des Irdischen) verdrängt. 4. Imagination des Geschmacks (des Gehörs, Geruchs, und Gefühls) a) Indem wir den Salzgeschmack des Meeres nun auch auf der Zunge spüren, denn „vermittels der Organe, welche uns die Materie wahrnehmen lassen, können wir umgekehrt - Materie wieder erzeugen" (Staudenmaier) verstärkt sich - obwohl wir den Augensinn noch immer ausschließen - in und um uns die „geistig" geschaffene Umwelt, schwindet mehr und mehr die Scheinwelt der irdischen Täuschung. b) Sind wir der Eindrücke, die wir imaginativ erzeugen, nicht völlig sicher, wiederholen wir die Übungen, solange, bis uns kein Zweifel mehr bleibt, „wirklich" am Meeresstrand zu liegen und den Wellen und dem Wind zu lauschen. c) Unter Ausschluß des Gesichtssinnes verstärken wir die Vorstellungen. Das kann um so eher geschehen, als wir ja mit geschlossenen Augen ruhen und uns nur unseren Vorstellungen hingeben, uns in den Sand „fallen" lassen, der uns weich umfängt, Rauschen von Wind, Bäumen und Brandung hören. Imagination aller Sinne a) Nach wie vor auf unserer Liegestatt in tiefer Versenkung, „öffnen" wir nun auch die Augen und „sehen": das strahlend- blaue Meer, wie es seine "Wellen gegen das Korallenriff wirft, das unserem Strand - ja, wir sehen, es ist der weiße Strand einer Insel - vorgelagert ist. Wir sehen mit einem zweiten Blick über uns die Bäume - wir erkennen jetzt: Palmen, Kokospalmen - sich im Winde wiegen und wissen nun, daß wir uns auf einem Südsee- Atoll befinden, das in jahrhundertelanger Arbeit von Korallen aufgebaut wurde. Nun sehen wir auch den weichen, weißen Sand, den wir durch unsere Finger rieseln fühlen,
nun sehen wir den Himmel, der sich wie eine riesige Glocke über das Meer, über die Insel wölbt. Nun ergreifen wir mit all unseren - den irdischen entsprechenden - geistigen Sinnen dieses köstliche Eiland. Alles andere ist nun völlig ausgeschaltet. b) Sobald sich in diese Gesamt- Imagination noch irgendwelche Störungen einmischen, die den Übenden von der „Insel" abziehen, muß die Intensität der Übungen gesteigert, die Imaginations- und Versenkungskraft erhöht werden. c) Sobald wir ganz sicher sind der Insel und ihrer Umgebung, können wir die Imaginationen einen Sinn nach dem anderen - auch sitzend erzeugen, schließlich vor dem Spiegel, dann auch im Zimmer hin- und herwandernd, immer unter gänzlicher Ausschaltung der irdischen, unter strengster, ausschließlicher Imagination der geistigen "Welt. d) Besonders reizvoll und nutzvoll ist der Ablauf der Übung in umgedrehter Reihenfolge: also erst Verwendung aller Sinne, dann Ausschluß der Augen usw., bis nur noch die Geruchswahrnehmung bleibt. e) Erst wenn diese Übung uns völlig geglückt ist, können wir dazu übergehen, auch andere „Gegenden" mit Bewußtsein aufzusuchen, geistig aufzubauen, an diesen Orten zu handeln und zu wirken. Die Grenzen von Raum und Zeit sind nun gefallen: der "Weg ist frei. Konzentration auf das Wesentliche Ergebnisse der Untersuchungen Alle Wirkung der Imagination läßt sich letztlich auf ein Geheimnis, ein kosmisches Grundgesetz zurückführen: auf die Wechselwirkung von Körper und Geist, die durch ausdauernde Übung das „Normale" überschreitet und nach eigenen Gesetzen wirksam wird. Wer in dieser Blickrichtung die vorliegenden Unterweisungen durcharbeitet, erkennt dieses Grundgesetz überall wieder und hat - wenn erst einmal klar erkannt - eine geistige Ausrichtung für seine Experimente, die Irrtümer weitgehend ausschließt und Irrwege vermeiden läßt. Wir können das erwähnte Grundgesetz auch in andere Worte kleiden: Bevor wir etwas sehen, muß zunächst unser Blick unablässig auf das Erwartete gerichtet sein. Wir müssen schon „zuhören", bevor wir etwas hören können: es stellt sich dann gewiß ein. Wir müssen suchen, dann werden wir auch finden. Wir müssen „Kanäle" vorbereiten, dann werden die erwarteten Ströme durchfließen. Wir müssen der geistigen Kraft vertrauen, dann wird sie uns nicht enttäuschen und wir werden erkennen. Diese Grundsätze, auf das tätige Leben angewendet, sagen nichts anderes, als schon zu lächeln, bevor wir heiter werden: das ist die Bejahung, der grundsätzliche, schöpferische Optimismus, der allein „Glückskinder" entwickelt; sich rein zu fühlen, voller magischer Kräfte, damit durch diese Einstellung die gewünschten Kräfte „angezogen" werden. In diesem Sinne entwickelt jede körperlich- sinnliche Vorstellung gleichgerichtete Kräfte im Innern des Übenden und in seiner Umwelt. Der Schlüssel, der die großen Mysterien der Schöpfung erschließt, ist die Liebe. Da Liebe Hingabe ist, Gleichschaltung, Anziehung, ist die geistige Einstellung (Imagination) die Vorbedingung für jedes geistige Werk, das seine Verwirklichung im Irdischen finden soll. Den Preis in der Schule des Lebens erhält der, der am schnellsten und vollkommensten Gehorsam dem Gesetz gegenüber lernt. Das Gesetz des Kosmos aber ist Liebe, die wir auch mit Harmonie bezeichnen: vollkommenes, gelassen- heiteres Gleichgewicht, das weder ein Zuviel noch ein Zuwenig kennt. Wer nur erwünschte Gäste einläßt, nur erbetenen Gedanken Eintritt gestattet, Vorstellungen, die den Zielen entsprechen, ist Herr über sich, seine Umwelt, seines Geschicks, ja, der Ewigkeit. „Versetzung des Ich"
Bei der „Versetzung des Ich" handelt es sich um eine imaginative Übung von außerordentlichem Wert für die Entwicklung des Magiers und für alle Arten seiner magischen Praxis, überhaupt von grundsätzlicher Bedeutung für den Ausübenden schlechthin. Das folgende Experiment ist die beste Grundübung für alle Astralkörper- Exerzitien und solche, die sich die „Aussendung " des „Linga sharira" zum Ziel gesetzt haben. Die Übung der „Versetzung des Ich" ist nicht die „Aussendung der Empfindungssphäre", aber sie bereitet den Boden hierfür vor. Gemäß dem magischen Gesetz, daß wir schon - in unserer Vorstellung, in unserem Glauben zu sein scheinen müssen, was wir zu werden wünschen, und daß wir vollführen, schon mit Wirkung vollführen, was wir zunächst rein imaginativ vornahmen - gemäß diesem okkulten Grundgesetz nun entwickelt sich aus den nachbeschriebenen Übungen heraus die Fähigkeit, auch höhere, ja höchste Aufgaben, die mit dem Astralkörper zusammenhängen, zu bewältigen. Manch aufmerksamer Leser wird bemerken, daß wir gewissen, schwierigen Problemen immer wieder von einer anderen Seite aus begegnen, um so durch die verschiedenen Blickpunkte nicht nur Klarheit und Wissen des Strebenden vervollständigen, sondern vor allem, um die verschiedenen Seiten seines Wesens kennenzulernen, zum Schwingen, zum Einsatz zu bringen. Wo der eine versagt, wird der andere Erfolg haben, und wo der zweite sich vergeblich abmüht, geht der andere einen großen Schritt vorwärts. Obwohl also die beiden Übungen grundsätzlich nicht zu unterscheiden sind (es sei denn: theoretisch), Übergänge zeigen, ineinander übergehen, behandeln wir sie getrennt, um - an frühere Übungen anknüpfend - dem Arbeitenden schroffe Übergänge zu ersparen, Gefahren auszuschalten. Vor allem aber fehlt meistens bei den Imaginationsübungen zur „Versetzung des Ich" das Sensationelle, oft Erschreckende, das Astralkörper- Übungen anhaftet. Ruhe, Bedachtsamkeit und Kontrolle werden dem Schüler also die einzelnen Stufen erleichtern und ihn trotzdem zu den hohen Gefilden führen. Unter Abschnitt C* „Magische Werke (Punkt 3, „Gefühlsimaginationen, verbunden mit Kraftübertragung auf ein Vorstellungsbild") sowie unter „Übungsgruppe g"* (hier besonders Punkt 4, „Neuschöpfung") usw., haben wir bereits Gefühlsübertragungen vorgenommen, das heißt, unsere Empfindungen oder Strahlungen auf ein anderes Objekt überführt: vorgestellte Hand, Vor- und Nachbild einer Figur usw. Das ist uns mehr oder minder gut gelungen, weil naturgemäß auch hier erst Übung und Erfahrung den Meister machen. Bei „Versetzung des Ich" handelt es sich jedoch nicht mehr darum, nur das Gefühl oder einen Teil von uns zu übertragen, sondern vielmehr um folgenden Vorgang, den wir wegen seiner grundsätzlichen Wichtigkeit einmal klar beleuchten wollen, um uns Unterschiede bewußt werden zu lassen. 1. Übertragung von Gefühl, Wärme, Kraftstrahlungen auf vorhandene oder vorgestellte Dinge (Hand, Figur). 2. Versetzung des „Ich- s" in eben derselben Weise. 3. Verselbständigung des gesamten Empfindungskörpers, sein bewußter, unabhängiger Einsatz. Aus diesen Definitionen geht hervor, daß auch unsere bisherige Arbeit durchaus „magisch" war, denn wir arbeiteten ja in Wahrheit bereits mit den „über- irdischen" Kräften des Empfindungskörpers, wenn auch nur zu einem Teile, nicht mit der ganzen geistigen Konstitution! Bei der Arbeit mit dem „ganzen" Empfindungskörper ist im Gegensatz zur teilweisen Kräfteabgabe ein „Strahlungsempfänger" nicht nötig. Wir können also den Empfindungskörper ebenso gut „außerhalb" von uns ins „Leere" projizieren, obwohl es Leere im physikalischen Sinne ja nicht gibt. *
* Siehe vorliegenden Band.
Immerhin ist ein „Hilfsempfänger" besonders für den Anfang oft wünschenswert, weil er dem Übenden eine stärkere Konzentration erlaubt. Im Gegensatz zu den bisher bekannten Übungen (Öd- und Wärme- Ausstrahlung) soll nun nach dem folgenden Schema die Übertragung des Bewußtseins so vollständig wie möglich sein, derart, daß der irdische Körper schließlich im „Tief schlaf" zurückbleibt. Die bisherigen Vorsichtsmaßnahmen sollten hier besonders streng beachtet werden. Jede Verkrampfung ist zu vermeiden, jedoch gelingt bei vielen die „Übertragung des Empfindungskörpers" spontan, also durch einen Akt des archaischen (kosmischen) Willens, während andere in methodischer Arbeit nach und nach Erfolge auf- und ausbauen. In jedem Falle aber sollte für die Übungsreihen, nach den üblichen Vorbereitungen, der nachstehende Plan zugrundegelegt werden: 1. Schriftliche Niederlegung des Geplanten. 2. Räucherungen. 3. Auf Ruhestatt liegend: Konzentration*. 4. Dunkles Zimmer oder abgeschirmtes Licht. 5. Auswendig gelernte Suggestion, gedanklich oder leisemonoton gesprochen, sollen unsere „Abgezogenheit" vertiefen (Suggestionsmuster): Ich versetze nun meinen Empfindungskörper nach außen. Es gelingt mir ohne Zweifel, meinen Empfindungsleib nach außen zu versetzen, bei Bewußtsein zu bleiben usw. 6. Konzentration auf bereitgestelltes Abbild (Figur, Stein, Holz usw.), Foto von uns oder anderen. 7. Diese Übungen sollten Tag für Tag auf die gleiche Zeit verlegt werden; wir setzen sie fort, bis wir das sichere Empfinden haben, daß der Geist ohne Körper arbeitet. Dann ist die Übung beendet. 8. Wir können nun auf „Strahlungshilfe" verzichten und den geistigen Körper in den „Raum" versetzen. Den letzten Schritt sollten wir nur tun, wenn wir völlig sicher und Herr über uns sind. In späteren Titeln** werden wir auf diese Übungen zurückkommen. Schicksalsgestaltung mit Hilfe der Imagination l. Ein unbeschreibbares Gefühl von Größe und hoher Bestimmung - oder wenigstens von Sehnsucht danach - „durchglüht" oft den Menschen, der sich anschickt, sich über die Niederungen des materiellen Lebens zu erheben. Diese Ahnung einer hehren Bestimmung ist ein wesentliches Kennzeichen dessen, der für den Aufstieg vorbestimmt ist. Dieses nicht in Worte zu fassende Begehren nach Gütern, die diese "Welt nicht zu bieten hat, löst den Beginn der Entwicklung unmittelbar aus oder ist ihre erste Stufe. Dieser Anfang einer Evolution, die gleichermaßen vom menschlichen Entschluß wie von der Gnade des Himmels abhängt, führt in einer großen Zahl von Fällen zum zielbewußten Streben, zum unüberwindlichen Trieb nach einem noch unklaren Ziel, das die edelsten Kräfte fordert und das inbrünstigste "Wollen beansprucht. "Wie oft aber stellen sich dieser mehr oder minder bewußten Zielsetzung Hemmungen und Gegenströmungen entgegen, denen der Strebende sehr oft zähneknirschend gehorchen muß: oder glaubt, zu müssen. Die Folge dieses verzweifelten Kämpfens - das darum zum Scheitern verurteilt ist, weil es „Kampf" ist - ist leider allzu oft die heftige Klage gegen Gott: „Heißt es nicht, wer da sucht, wird finden, wer anklopft, dem wird aufgetan? Warum wird gerade meinem - doch so selbstlosen - Streben nicht entsprochen, warum bin gerade ich nicht würdig, dem Ziel zuzustreben?!" Diesem Ausbruch folgt fast immer die Dunkelheit grimmiger Verzweiflung oder kleinmütiger * **
Band III: „Konzentration als magische Kraft". 7. Magie und Toxikologie; 8. Magie und Astrologie
Resignation, manchmal gepaart mit einem Rückfall in üble Gewohnheiten, die man längst überwunden geglaubt. Der so Gescheiterte - oft für immer Gestrandete - hat sich nicht zu rechter Stunde erinnert, daß Gott „das Gesetz" ist: eine namenlose, unpersönliche, eherne Gesetzmäßigkeit und Harmonie, eine gestaltende schöpferische Kraft, die eine Summe darstellt aller Geister und Seelen, die je gewesen sind, die jemals sein werden; daß Gott eine Kraft ist, die überall wirkt und alles umfaßt. Ihr können wir uns durch Dank, Fürbitte und Lobpreisung wohl „gleichschalten", uns „einschalten" in ihren „Stromkreis", aber wir können sie nicht durch Bitten und Flehen „erweichen", etwas zu tun, was gegen das „Gesetz" ist, gegen diese bejahende, positive Harmonie, die ihr höchstes Ziel in der Reinheit, der Selbstlosigkeit, der Liebe sieht. Wir können uns dieser unfaßbar großen Macht nicht nähern, solange wir ihr so völlig wesensungleich sind durch Untugenden und Laster, durch Disharmonien und materielle Verlorenheit. Neben dem Gesetz der Liebe ist das der Anziehung von Gleichem zu Gleichem die Grundlage der kosmischen Ordnung, ja Liebe ist das Gesetz, die Anziehungskraft. Ein Gebet, das eine vorübergehende Union zwischen Gott und Mensch herstellt und in der höchsten Form die unendliche, ewige Kommunikation (Vereinigung) zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos (Mensch) herstellen soll, kann wohl im ekstatischen Überschwang, als Schrei der Not, zu einem „Erfolg", zur „Anrührung" der benötigten Kraftquellen, zur Auslösung der rettenden Segenskräfte, führen, bedeutet aber noch nicht die „Erhöhung" des Menschen, die allein aus der Gemeinsamkeit von Gott und Mensch erwächst. Nichts können wir deshalb von einer Kraft erwarten, die nur „ihresgleichen" anerkennt, aber alles von ihr, so wir ihr gleich werden, oder wenigstens uns zeitweise ihr anzugleichen vermögen. Das aber ist Magie, wie das Gebet ein Vorgang, der die Gleichschaltung sowohl vorübergehend erstrebt, als auch in der höheren Zielsetzung durch ständig wachsende Kraft und harmonische „Gleichstimmung" für ewig die „unio" begehrt, um so die „Befreiung des Geistes" vorzubereiten und durchzuführen. Der Weg hierzu ist der Pfad der Erkenntnis der Schwächen des Menschen und der Größe und Harmonie Gottes. Die Erkenntnis der Fehler und Schwächen erst gibt die Möglichkeit zu ihrer Beseitigung. Es gibt keine vollkommenere Methode, diese „karmischen Lücken" des Menschen festzustellen, als durch das Horoskop*, und es gibt keine großartigere Möglichkeit, diese Mängel zu tilgen, als durch die Schicksalsbeeinflussung mit Hilfe der Imagination. Bevor wir auf den praktischen "Weg eingehen, müssen wir eine wesentliche Frage klären. Wir haben oft hören und lesen müssen, daß ausschließlich geistiges Streben eine Diffamierung des Körperlichen und damit eine „Beleidigung Gottes" sei, nach dessen Gestalt ja der menschliche Körper nach Aussage der Bibel „geformt" ist: Ja, der Körper des Menschen ist nach „Gottes Ebenbilde" geformt: denn alle geistigen Körper - die Ursachen des Körperlichen - sind ja aus Gottes "Wort und Hauch entstanden, nach Gottes Willen und „Vorstellung" (Imagination) und nach dieser „Mater" (Mutter, „Modell") ist der Leib des Menschen gebildet: der menschliche Geistkörper - zum Beispiel der Wanderer auf dem Astralplan - gleicht aufs Haar dem materiellen Körper, wie ein Ei dem anderen, und jeder, der den einen Körper kennt, erkennt auch den anderen. Das Urbild des Menschen liegt also im Geistigen vor und wird im Körperlichen nach diesem Vorbild geformt. Beide Körper - der geistige und der körperliche - beeinflussen einander und verändern sich zusammen, so daß sie immer übereinstimmen. Und nun zum irdischen Körper, zur materiellen Freude: zum Genuß ein: Ja, ja, ja! Freuen wir uns der Körper, der irdischen Gaben, die Gott uns schenkt, aber freuen wir uns im rechten Geist. Materielle Freuden dürfen nicht zum Selbstzweck werden, wir müssen immer die „andere Welt" im Auge behalten („Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes ..."): wir dürfen uns von *
Näheres hierüber bringt Bd. VIII „Magie und Astrologie"
der Materie nicht „verschlingen" lassen. Und dann: Die Stempelung des Fleischlichen zum Sekundären, die Negierung, die Ausschaltung des Körperlich- Irdischen ist unter keinen Umständen ein Werturteil, sollte es wenigstens nicht sein. Das wäre wahrhaftig Kritik an Gott selbst und forderte den Widerstand der Elementarkräfte geradezu heraus, zwänge sie zum „Gegenkampf", der uns vernichten kann. Körperlichkeit und Geistigkeit sind verschiedene Zustände, aber keine moralischen Werte. Wir sagten schon bei früherer Gelegenheit*, daß die Magie Moral nicht kennt, nicht anerkennt. Sie anerkennt nur das Gesetz, die Entwicklung, Involution und Evolution: alles, was diesem Gesetz dient, ist „gut" (im Sinne von zweckmäßig, natürlich), alles, was dagegen verstößt, ist „Sünde" (unzweckmäßig, zielstörend, aufhaltend). Wir haben uns Jahrhunderttausende an unseren Körpern erfreut, an den Genüssen, nach denen er „verlangt". Manch einer unter uns ist nun dahin gekommen, daß er „erkennt": das Sekundäre des Irdischen, seine Hohlheit, den nie zu stillenden Brand, den materielle „Befriedigung" im günstigsten Falle erzeugt (im ungünstigsten: Verderben, Verzerrung des Gottgewollten, Abstumpfung alles Edlen, Vernichtung des Geistigen). Diejenigen unter uns, die durch die „Leiden der Freuden" gereift sind, denn die „Rückseite" der Freude ist Leid, wie Liebe im Irdischen ohne Leid undenkbar ist, also im materiellen Sinne; die andere Seite des Leides aber ist Freude: Reifung, Entwicklung, Aufstieg, diese Reifenden unter uns streben nach den Gefilden, die den irdischen kausal- bedingt benachbart sind, sehnen sich nach dem „Schöße Gottes", weil in ihnen das unerschütterliche Bewußtsein der Gottesheimat erwacht ist und sie nach ihrem Ursprung zurückdrängt. Wieder andere wollen - oft, weil sie den „Trank der Welt" zu heftig genossen haben und deren schalen und bitteren Geschmack nicht mehr verlieren - heraus aus dieser Welt der Täuschung, die nur durch „Illusion" erträglich wird, aus dieser Hölle von Haß, Furcht und Schein: Und sie sollen heraus, und alle anderen Strebenden mit ihnen: Ja, ja, ja! Wir müssen notwendigerweise bleiben auf den Ebenen, die uns kongenial (gleichgeartet) sind, wir werden nicht anders können, es sei denn, wir versetzten uns durch „Umstimmung" in höhere Schwingungszustände und „stiegen" dadurch auf. „Wo unser Herz ist, da ist unsere Heimat" - dahin gehören und bleiben wir, und „steigt" das Herz, zieht es den Körper nach sich. In der Schicksalsgestaltung gilt es nun einmal - wem es ernst ist mit seiner Entwicklung „Hunger" und „Liebe" als schicksalauslösende Faktoren zu überwinden, und „Philosophie" zum Herrn des Denkens, Fühlens, Handelns zu machen, in diesem Falle, und vor allem in der Magie (die zum „Sanctum" erhoben werden und ihren Ausübenden zum Herrn über alle sieben Welten machen soll), durch „Religio" (Rückverbindung zu Gott) zu steigen und zu herrschen. Wir müssen mehr und mehr die Erkenntnis in uns reifen und stark werden lassen, daß „Geistiges" primär ist. Wir müssen die „Illusion dieser Welt" erkennen und überwinden, um unserer Schwächen ledig werden zu können. 2. Die Schicksals- Konglomerate (Bestandteile) bilden stets einen fast unentwirrbaren Komplex, einen verfilzten Knäuel, eine seltsam- bizarre Mischung von günstig- ungünstigen, allein ungünstigen oder überwiegend günstigen Bedingungen mit den bekannten „Wermutstropfen", die dann um so häßlicher auffallen und das Leben vergällen. Oft wissen wir jedenfalls nicht, wo eigentlich wir den Hebel ansetzen sollen, um eine Änderung herbeizuführen. Es kommt jedoch vor allem einmal auf die grundsätzliche innere »Umschaltung" und darauf an, eine »Bresche" in die Widerstände zu schlagen: oft löst sich so der ganze Knäuel widerstrebender, lästiger, hindernder Umstände von selbst auf: die Wolken, die den Schicksalshimmel verdüsterten, verschwinden, der Himmel wird klar, *
Bd. I „Ritus und Zeremoniell der Magie".
und weit der Horizont. Es ist in jedem Falle am besten, mit sich und in sich selbst anzufangen, denn die Veränderung unserer „Schwingung" (Anziehungskraft) verändert auch die Bedingungen, unter denen wir leben, und unsere Umwelt. Oft „wartet" das Geschick nur auf einen „Anstoß", darauf, daß wir diesen entscheidenden „Entschluß" fassen, um plötzlich und unerwartet einen Ausweg, eine rettende Idee, einen „Silberstreifen am Horizont" zu zeigen. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!" „Dieses Wort ist ein Hohn auf menschliches Elend", sagte einmal verzweifelt ein Mann. „Wenn ich mir selber helfen könnte, brauchte ich Gott nicht mehr!" Nun, dieser Mann lebt heute in glücklichsten Umständen, weil er belehrt wurde, daß Gott von uns einen klaren und tapferen Entschluß erwartet, den ersten Schritt gleichsam zu einem neuen, glänzenden Leben: Gott, ja, gerade Gott achtet die menschliche Persönlichkeit, ihre Verantwortung und Entscheidungsfreiheit; diese Attribute sind ja Merkmale seines Wesens, das auch im Menschen schlummert. Und, seien wir ehrlich: wie oft „grollen" wir unserem Geschick, wollen es aber, wenn uns dazu Gelegenheit geboten wird, gar nicht verändern: Wir „spielen" oft mit unserem „Leid", unserem „Pech", wir liebkosen es, wir können ohne es nicht sein. Bevor wir hier nicht in uns „reinen Tisch" gemacht haben, hilft uns kein Gott und kein Teufel. Ja, nicht einmal der Teufel: selbst der verlangt eine klare Entscheidung („Verpflichtung") für sich. Sind wir aber endlich innerlich soweit klar über uns selbst, haben wir uns genügend „erkannt", daß wir wirklich - unter allen Umständen - die Entwicklung unserer Persönlichkeit, die Abschüttelung aller uns belastenden Momente wollen, dann, ja, schon dann ist der erste Schritt zur Wandlung bereits getan, die anderen Schritte schließen sich automatisch an. Zur Unterstützung einer solchen, entschlossenen Haltung dient unsere suggestiv- imaginative Methode, die bei genügender Ausdauer und Intensität geeignet ist, die alte Welt einzureißen und eine neue aufzubauen. 3. Der Verstand, das materielle Hirn, schafft das menschlich- irdische Bewußtsein; unabhängig von ihm arbeiten andere Wahrnehmungsorgane, die mit den höheren Körpern und Kräften gleichlaufen. Das „Unbewußte" nennt man den Komplex von Regungen, die sich in den „Tiefenschichten" sammeln und von dort aus tätig sind. Alle bewußten und unbewußten Gefühle, Empfindungen, Emotionen konzentrieren sich in einer „Schicht", die wir Empfindungs- oder Astralkörper nennen. Diese Schicht wird am stärksten von bildhaften Vorstellungen befruchtet. Das Unbewußte, z. B. ein „versteckter" positiver oder negativer Glaube, daß etwas Bestimmtes eintreten werde, ist stärker als der irdische Wille, z. B. eine „krampfhaftentschlossene" Vornahme: das ist deshalb einleuchtend, weil der Empfindungskörper dem irdischen Körper gewissermaßen „übergeordnet" ist, wie eine „Dienststelle" der anderen: der Gefühlskörper, der so empfindlich auf bildhafte Vorstellungen reagiert, ist Ursache, Veranlassung des Irdisch- Materiellen. Die Verbindung zwischen dem materiellen und dem Empfindungskörper stellt der Lebenskörper durch sein Öd her. Eine langsam aber unabdingbar sicher erfolgende Umgestaltung des Irdischen wird also am erfolgreichsten in der Weise bewirkt, daß dem Empfindungskörper mittels starker OdMengen bildhafte Vorstellungen übermittelt werden, die unseren Wünschen und Zielsetzungen entsprechen; also durch plastische Imaginationen, die durch Empfindungen (Intensität, Inbrunst, Wallung) belebt und durch den absoluten Willen (gelassen- sichere Erwartung, Zielsetzung, rechter Bewußtseinszustand, öd) gesteuert wird, genau so, wie wir es
bei den Übungsgruppen F (Wünsche) und H (Beeinflussung) erfahren haben. Wiederholungen verstärken, verdoppeln nicht nur, sondern vervielfachen die vorangegangenen Bemühungen; festgelegte und streng eingehaltene Übungszeiten finden „vorbereitete" und „empfangsbereite" Kanäle, die gierig auf weitere „Ströme" warten (gleich einem Schwamm, der die Feuchtigkeit abgegeben hat und nun ausgedörrt neuer Flüssigkeit harrt). Zur Vorbereitung einer fundamentalen Umgestaltung unseres Geschicks, wie sie im Band 9* der vorliegenden Buchreihe erläutert wird, nehmen wir uns je nach den Gegebenheiten oder Notständen folgende Punkte nacheinander vor: I Schwächen des Körpers und der Seele. II Störende Umstände in Familie und Beruf. III Schwierigkeiten des Wohnorts (Wohnung) und der Umgebung. IV Finanzielle Behinderungen. V Unfreiheiten, Einengungen, Schicksalsschläge („Pechsträhnen"). VI Personelle Einflußnahmen. Unter I sind ganz besonders jene Störungen und Schwächen des Organismus zu verstehen, die das magische Werk von vornherein unmöglich oder gefährlich machen: körperliche oder charakterliche Schwächen, die der Entwicklung gesunden und ausreichenden Ods im Wege stehen. Schon leichte Störungen beeinflussen jeden magischen Prozeß, also auch Entwicklung, Aufnahme und Ansammlung gesunden Ods, ohne das nun einmal die Entwicklung nicht eingeleitet werden kann. Wo solche Störungen vorliegen, müssen sie nun unter allen Umständen in der geschilderten Weise (Übungen F/H usw.) beseitigt werden. Weiter unten werden wir noch einige Punkte aufführen, die den Erfolg unserer Übungen verstärken sollen. Fast ebenso negierend wie geringe oder schlechte Odkräfte wirken sich seelische Hemmungen und Sperren aus: Zweifel, Depressionen, Komplexe, Furcht, Unsicherheit, Unglaube und dergleichen mehr. Auf die Herstellung einer harmonischen Körper- Seelen- Funktion muß das Hauptgewicht gelegt werden, bevor überhaupt an andere Dinge gedacht werden kann. Bei der Arbeit an den Punkten II- V werden wir nicht umhin können, unseren Einfluß auch auf Personen auszudehnen, wobei wir auf strengste Eigenkontrolle achten müssen, nicht in den persönlichen Bereich des Mitmenschen einzudringen oder ihn gar zu unseren „Gunsten" zu schädigen. Am schnellsten, sichersten und gründlichsten erreichen unsere Suggestionen und umformenden Wünsche die betreffende Person, wenn sie passiv ist, also schläft. Am besten jedoch beginnen wir mit uns selbst. Haben sich die ersten Erfolge eingestellt, wachsen Selbstvertrauen und Kraft mit ihnen. Die Übungstechnik, wie sie unter den Gruppenübungen F und H beschrieben ist, also bei „F": „Leermachung", Tafeln, Suggestionsformulierung, bildhafte Bestimmung und Ausmalung, Odkräftigung, Projektion nach außen; bei „H": Foto, Nachschöpfung, Neuschöpfung, Suggestion, können wir auf vielerlei Arten durchführen, stehend, sitzend, liegend, gehend, usw.: a) Während der täglichen Atemübungen. Unsere "Wünsche - plastisch vorgestellt - atmen wir mit dem „Prana" (Öd) mit ein, ausatmen wir alles Störende, Widerstrebende. Führen wir unsere Atemübungen in der Weise durch, daß wir eine Zeitlang den Odem zurückhalten und aufspeichern - z. B. bei der Zwerchfell- Atmung - dann speichern wir auch unsere Wunschvorstellungen mit auf, so den ganzen vielgestaltigen Organismus mit den Kräften erfüllend, die uns alle gewünschten, dem Ziel dienenden Dinge auf den Weg bringen. b) Während der Meditationen, in der Entspannung, in der Konzentration, in der „Stille". c) Während des Auf- und Abgehens in unserem Arbeitsraum. *
„Verwandlung des magischen Menschen" (gl. Verlag und .Verfasser).
Wir sehen uns - wie unter „F"- Gruppe beschrieben - in der gewünschten Umgebung und bei der Tätigkeit, die wir ersehnen: wir sprechen mit den Personen, die für uns von Wichtigkeit sind, hämmern ihnen unsere Anliegen und Wünsche ein. Musikklänge unterstützen, wie alle Harmonien und Rhythmen, diesen Vorgang ungemein. Auch nach einer erfreulichen Unterredung, einem positiv- aufwühlenden Erlebnis, geben wir uns den Imaginationen hin: ihre Wirkung verdoppelt sich auf diese Weise. Wir können auch „große Gebärden" anwenden: sind sie kraftvollharmonisch, „ziehen" sie Kräfte des Kosmischen an und unterstützen unser Planen. d) Während einer Betrachtung vor dem Spiegel, im Dunkeln oder bei abgedunkeltem Licht: je intensiv- plastischer unsere Vorstellungen im Spiegel erscheinen, um so schneller erfolgt die Materialisation unserer Wünsche. e) Auch während des Ganges zur Arbeit oder auf dem Heimweg, ja, bei Spaziergängen über Wiesen, im Walde, können wir unsere Imaginationen betreiben, im Rhythmus der Schritte Suggestionen aufnehmen, uns dazu vorstellen, was uns nötig erscheint, verhandeln mit Persönlichkeiten, die uns helfen können, negative Einstellungen gegen uns in positive wandeln. f) Besonders wichtig und fördernd sind imaginative Suggestionen vor dem Einschlafen und nach dem Erwachen, oder während der Mittagsruhe, wenn wir vielleicht „träumend" auf dem Ruhebett liegen. Übungsziele und praktisches Verhalten und Denken und Fühlen müssen übereinstimmen. Ich kann mir nicht mühsam das Prinzip „eiserner Kraft und Gesundheit" einpflanzen, und täglich Verbrechen gegen die Gesundheit begehen, ich kann in meinen Seelentiefen keine Ruhe verankern, wenn ich nach wie vor hetze und „auf keinen Fall" eine Straßenbahn versäumen will. Wir halten es für das Richtigste, wenn die Übungen a- f nacheinander durchgenommen und dann wiederholt werden, bis der gewünschte Erfolg eingetreten ist. In einem späteren Band* werden wir noch ein Verfahren kennenlernen, das gewissermaßen „automatisch" Umwandlungen in uns bewirkt, wobei Narkotika die „Auf Schließung" der Seelentief en vornehmen und die Suggestionen „mechanisch" gegeben werden. Vergessen wir niemals. Krampf- und Abwehrstellungen zu meiden: die "Wirkung würde sich dann ins Gegenteil kehren. Bei richtiger Übungsweise sucht sich das „Samenkorn" der suggestiven Imaginationen mit zarten Wurzeln, von den oberen Schichten ausgehend, immer „tiefere Gründe" aus, um so eine Umgestaltung vorzubereiten, die - durch noch folgende Übungsreihen hervorgerufen erst „halt" macht, wenn geistige Zielsetzung und irdische Umstände übereinstimmen, um gemeinsam zu wirken am »großen Werk".
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Band VII: „Magie und Toxikologie" und Band IX: „Wandlung des Magiers".
Zusammenfassung der praktischen Arbeitsvorlagen l. Übungen und Experimente: Übungsgruppe Inhalt: A Meditation B Imag. Grundübung in vier Stufen I. Stufe II Stufe III Stufe IV. Stufe C Gefühls- Imagination, Kraftübertragung und -speicherung I. Übung II Übung III Übung IV Übung D Spiegel- Imaginationen I. Übung II Übung E Positive und negative Imaginationen der Sinne I. Übung II. Übung III. Übung IV. Übung V. Übung F Wunsch- Imagination a) b) G Imagination von Körpern a) b) c) d) e) f) g) H Imaginationen von Personen a) b) c) d) e) f) g) I Imaginative Gedankenstille a) b) c) d) e) K . Aufbau einer imaginativen "Welt I. Übung II Übung III Übung IV Übung V Übung L Versetzung des Ich M Schicksalsgestaltung mit Hilfe der Imagination I- VI
Zielsetzung Vorbereitung, Ausschaltung von Störungen Betrachtung, Nachschöpfung Imaginäre Erzeugung Unio" von Vorbild und Abbild Magie Einfache Gefühls- Imagination Verbunden mit odisch. Wirkung „ Übertragung auf Abbild Unio" von oben und unten Bewußtseinsübertragung (bei Beleuchtung) do. - in der Dunkelheit Visuelle Imagination Imagination des Gehörs Imagination des Gefühls Imagination des Geschmacks Imagination des Geruchs Vorarbeit Hauptarbeit Vorbereitungen, Vorbild, Zweckbestimmung Betrachtung, Reflex Nachschöpfung Neuschöpfung Imprägnierung Verschmelzung Nutzanwendung Betrachtung Nachschöpfung Neuschöpfung Imagination vor dem Spiegel Einwirkung Arbeit ohne Spiegel Über den Raum hinweg „Vakuum" Konzentration auf einen Punkt, Lösung Produktive Stille Kraftentwicklung Magische Arbeit in der Stille Imagination des Geruchs Imagination des Gefühls Imagination des Gehörs Imagination des Geschmacks Visuelle Imagination
Schwäche, Störungen, Beeinflussungen
2. Anmerkungen zum Übungsplan Im Gegensatz zu den Übungen, die wir in den ersten vier Bänden der „Bücher der praktischen Magie" kennenlernten, sind die Übungen des vorliegenden Buches nicht zeitlich begrenzt. Es
ist also keine Übungsdauer vorgeschrieben. Damit steigt die Verantwortung des Studierenden sich selber und seiner Aufgabe gegenüber, denn er muß nun selbst entscheiden, wann er mit den Übungen aufhört, wann er das Übungsziel erreicht hat. Bei der Durcharbeit des vorliegenden Bandes wird es jedem" klar geworden sein, daß eine über ein bestimmtes Maß hinausgehende Konzentration auf Übungen, die nicht im Lebensplan des einzelnen liegen, gewisse Risiken mit sich bringt, auf die wir deutlich hingewiesen haben. Das Übungsziel soll also erreicht, darüber hinaus aber sollte nur in Ausnahmefällen geübt werden. In einem der nächsten Bände* werden einige Lebensplanungen ausgearbeitet vorgelegt, die - wenn sie nicht ganz übernommen werden einen Anhalt geben, welche Momente bei der Aufstellung von Lebensplänen, der Festlegung der einzelnen Stufen, zu berücksichtigen sind. Wenn eine Spezialbefähigung nicht klar ersichtlich ist, lehnen wir also zunächst jede überdurchschnittliche Hinneigung zu einer bestimmten Richtung ab. Die Übungen dienen, wie das Wort sagt, dem Training. Eine Weiterführung der Übungen ist demnach nur dann ratsam, wenn eine Verankerung der durch die Übungen geweckten Kräfte im Sinne der allgemeinen Zielsetzung liegt. Die Abhandlung über die „drei Wünsche" hat uns gelehrt, daß wir in dieser Beziehung nicht vorsichtig genug sein können. Erkennt jemand, daß er für eine bestimmte Art von Übungen besonders geeignet erscheint, kann er sie immerhin bevorzugen, sollte aber keineswegs unterlassen, auch die anderen Übungen nach Vorschrift durchzunehmen. Bei liegender oder sitzender Haltung, ebenso beim Stehen oder Gehen, achte der Übende darauf, daß Kopf, Nacken und Wirbelsäule eine gerade Linie bilden. Überhaupt sollte diese Band IX: „Verwandlung des magischen Menschen." gerade Haltung auch in das tägliche Leben übernommen werden. Wir alle laufen meist mit rundem Rücken und leicht nach vorn gesenktem Kopf herum: ein unschöner Anblick, der die Lungen nicht frei atmen läßt, die Herzarbeit erschwert, den Kreislauf und unsere Seelentätigkeit stört und unsere Übungen beeinträchtigt. Im allgemeinen vermitteln uns die Übungen dieser Arbeit die Überzeugung von der sekundären Bedeutung unserer fünf irdischen Sinne und der Fragwürdigkeit der Materie, der irdischen Welt: die Priorität der geistigen Verursachung geht uns auf und der Wert von Exerzitien, die sich nicht mehr und nicht weniger vornehmen, als alle irdischen Manifestationen unter die Kontrolle des Geistes zu bringen. Mit Ausnahme der Atemübungen und der Glaubenskraftvorstellungen können die Übungen der vorangegangenen vier Ausgaben fortfallen, vorausgesetzt, daß die Übungsziele erreicht wurden. Zum Schluß wollen wir beherzigen, daß jede „Strahlung", die den Tiefenkräften der Seele entstammt, nicht nur seit Jahrtausenden personifiziert wurde, sondern auch experimentell zu verselbständigen ist: zu Engeln oder zu Dämonen. In diesem Sinne gewinnt das „Meister" Problem, das wir im Band 1 aufgeworfen haben, eine ganz besondere Bedeutung, über die zu meditieren außerordentlich fruchtbar ist.
Scanned by Detlef Hinweis: Dies sind ältere Scanns und mit älterer OCR gemacht worden, es kann sein das sich im Text der eine oder andere Fehler noch versteckt hat den ich in der Überarbeitung übersehen habe, tut mir dann leid aber No buddy is Perfect wenn ein zu großer Patzer drin sollte Postet es bitte im Doc Gonzo Forum und ich werde eine Korrigierte Version nachreichen Danke ***Detlef ****
BÜCHER DER PRAKTISCHEN MAGIE Magie, ihr Geheimsinn, ihre Technik und praktische Anwendung
BAND VI
Hellsehen als experimentelle Magie Ein praktischer, gradliniger, systematisch beschreitbarer Weg zur Erlangung der geistigen Schau, ihre zielbewußte, segensreiche Anwendung im Rahmen der Gesamt Entwicklung, der Evolution
Von H. E. Douval
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Hinweis: Dies sind ältere Scanns und mit älterer OCR gemacht worden, es kann sein das sich im Text der eine oder andere Fehler noch versteckt hat den ich in der Überarbeitung übersehen habe, tut mir dann leid aber No buddy is Perfect wenn ein zu großer Patzer drin sollte Postet es bitte im Doc Gonzo Forum und ich werde eine Korrigierte Version nachreichen Danke ***Detlef ****
Inhaltsverzeichnis Vorwort . Meditation Begriffsbestimmung Zielsetzung Überblick über Tatsachen und Hypothesen Nur Training ergibt Sicherheit der Schau. Methodik der Versuchsreihen »Klassische Schulung Hilfsmittel Vorbereitung Räucherungen Narkotika Schutz . Prädisposition Typen .Bereitung Vorübungen (I) Technik Grundübungen (II). Der »Punkt im ALL (III) Erscheinungen* (IV) . .Farben und Schleier (V) Konstitutionelle Veränderungen Trance (VI) ............ Trance - Vertiefung (VII) Formen und Bewegungen (VIII) Zeit und Raum als irdische Begriffe überwinden (IX) . Fragen an .es (X) Forschungen (XI) Unbegrenzte Möglichkeiten Manifestation von .Strahlungen (XII) Zusammenstellung, Analyse, Folgerungen (Verlauf und Ergebnisse der Untersuchungen) . Auszüge aus einem Übungsprotokoll . Die großen Perspektiven . In Klammern gesetzt: Zahlen der Übungsgruppen -
Vorwort Die Saat, die wir vor fast Jahresfrist mit dem ersten Titel der »Bucher der praktischen Magie* in die Seelen und Herzen zu legen begannen, ist inzwischen - wie uns der Gedankenaustausch mit unseren Lesern lehrt - begluckend aufgegangen. Wem die »inneren Sinne als Folge konsequenter Entwicklung und bisheriger Übungen bereits auf getan sind, bedarf der in der vorliegenden Arbeit geschilderten Übungen z u diesem Zwecke naturgemäß nicht mehr. Da diese Übungen jedoch auch der Ausbildung der angesprochenen Chakren dienen, und damit der Entwicklung des ganzen »magischen Schaltwerks auch der »höheren Körper, sind die Exerzitien der vorstehenden Stufe auch für bereits »erschlossene Seelen durchaus nicht überflüssig, sondern gerade für diese besonders dankbare Förderer. Der vorliegende Band zeigt so recht die Vielfältigkeit und Vielgestaltigkeit der praktischen Arbeit, des astralen Sehens und des »magischen Reiches. Der Vielfältigkeit kosmischer Erscheinungen entspricht die Individualität im Mikrokosmischen, im Menschen. Zwischen den beiden Extremen - den bereits erschlossenen Sinnen und den scheinbar noch völlig schlafenden - gibt es so eine Unzahl von Übergängen, von denen wir als die wichtigsten nennen wollen die Phasen, in denen Inspirationen und Intuitionen eindeutige Vorläufer der »Clairvoyance
(Hellsinnigkeit) sind. Nichts ist geeigneter, eine gradlinige Entwicklung dieser Fähigkeiten zu ermöglichen, als die systematische Durcharbeit der hier gezeigten Übungen. Jeder Mensch ist, wie wir bei früherer Gelegenheit schon sagten, eine »Welt für sich, eine einmalige Facettierung des unendlichen Lebens. So sprechen die Seelenkörper auch verschieden auf magische Disz iplinen und Trainingsmethoden an, und es wird ganz sicher eine große Zahl unter unseren Lesern geben, die gerade auf dem Gebiet, das wir nun in unserer Sicht und Methodik unterbreiten, »ansprechen . Auf diese Weise wird eine neue »Schicht dem magischen Werk nähergebracht und vielleicht angeregt, sich nun auch anderen magischen Exerzitien, die möglicherweise bisher ungenügend gelangen, zu unterziehen oder erneut in systematischen Angriff zu nehmen. Immer wieder wird in zum Teil erschütternden Briefen zum Aus druck gebracht, daß in einer bestimmten Entwicklungsphase stehende Menschen .ein ganzes Leben lang' nach gerade den Büchern und Quellen gesucht und gedürstet haben, wie sie nun vorliegen. Wir brauchen wohl nicht zu betonen, daß allein schon diese Tatsache uns Lohn genug ist für alle Mähen und Schwierigkeiten, die bisher zu überwinden waren, den ersten Teil der »Bücher der praktischen Magie vorzulegen. H. E. Douval. Meditation Herz, Seele und Sinn heben sich dem unendlichen Geist entgegen, um eiserne Kraft und Gesundheit für den Pfad zum Ziel zu empfangen. Ewige Jugend, Schönheit und Reinheit sind der Segensstrom, der sich von oben in das bereitete menschliche Gefäß ergießt. Ewiges, glückliches, erfolgreiches Leben voller Liebe, Hilfe und höchstem Streben, Bewußte Gestaltung der Zukunft in der Gnade der höchsten Kraft, Bewußte Arbeit auf geistigen Ebenen zum Heil aller Wesen sind Gebet und Dank des strebenden Geistes. Wunschkraft - Steigerung bis zur Materialisation, Hellsehen in Raum und Zeit, Erinnerung an frühere Erdenleben, an Entwicklungsgang und Entwicklungsstand; Dies sind die Gaben, die eine sich entwickelnde Seele nach ihrem Wunsch empfangen wird. Gott sendet täglich Wunder über Wunder. Aus den Sternen fällt es heute, aus der Götter Schoß, das Heil. Ein Strom der Glückseligkeit trägt nun in unvorstellbare Höhen. Wer an sein Ziel glaubt: nur der allein wird es einst erreichen. So danke ich dem Allmächtigen, daß er mich die ganz großen Möglichkeiten des Daseins erschöpfen läßt. Die unendliche Kraft ist m eine unendliche Hoffnung. Sie wächst nun in mir - von Tag zu Tag mächtiger, umfassender, Ein Strom des Segens, des Sehnens trägt mich in nie gewußte, stets erahnte Höhen. Om. Anmerkung: Vorstehende Meditation kann Satz für Satz oder - auswendig gelernt - auch im ganzen meditiert werden. Wir verstehen darunter, daß die Verse im tiefen Versenkungszustand in ekstatischen Wellen den Organismus durchglühen: daß jede Zelle mitschwingt, mitjubelt, mitdankt. Der Autor.
Begriffsbestimmung Von der Imagination aus haben wir gesehen, daß wir alle Vorstellungen »beleben, materialisieren, verirdischen können. So ist das Hellseh- Phänomen auch nichts anderes, als eine plastizisierte Imagination, eine Verwirklichung, eine Sichtbarmachung suggestiv festgelegter oder gewünschter Vorstellungen, gespeist vom Öd, gesteuert vom absoluten Willen, der die Brücke schlägt zwischen den Kräften innen
und außen: nur so ist die Überwindung von Zeit und Raum möglich. Imaginationsübungen (als aktive Tätigkeit) erwecken in einer Art Rückwirkung die Inspirations- und intuitiven Fähigkeiten (als passiv - magische Kräfte), in ihrer vollendeten Form auch die Zentren, die zur Bildung der Hellseh- Manifestationen erforderlich sind, wobei wir den Grad der Materialisation zunächst unberücksichtigt lassen wollen: er reicht von der subjektiven Phantasmagorie (Halluzination) bis zur objektiv (auch mit irdischen Sinnen) wahrnehmbaren Verkörperung, je nach der Begabung des Experimentators, die eigenen und kongeniale außerseelische (kosmische) Kräfte einz usetzen. Aus Gründen der Konsequenz wollen wir hier noch einmal erwähnen, daß selbstverständliche Voraussetzungen zu erfolgreichem magischem, also auch hellseherischem Werk hohe Moral, gute Gesundheit, starke Odkräfte und durch lange Übung tiefgegrabene Ka näle sind. Je selbstloser die Einstellung des Übenden, um so eher springen die Schlösser, die das Tor zur «anderen Welt verschlossen halten. Geistige Kräfte - und Hellsehen gehört zu ihnen - sollten nicht für materiell - irdische Dinge mißbraucht werden; es sei denn, es ginge für den Wissenden um Leben oder Tod. Wissen ist Macht, aber auch eine Gefahr, vor allem für den Okkultisten, der sich oft förmlich gezwungen sieht, seine Kenntnis zu verraten und etwaige Anschläge oder Täuschungen aufzudecken: der Magier muß um des karmischen Gesetzes willen gerade hier unter allen Umständen schweigen, hart sein gegen sich, auf keinen Fall sein Wissen um die Wahrheit verraten. Dies ist einer der Gründe, warum wir immer wieder auf das Schweigen als notwendigste Tugend de s angehenden Magiers hingewiesen haben. Schweigen über Dinge, die auf magischem Wege bekannt wurden, muß konsequent geschult und unter den schwierigsten Umständen, auch gegen die Interessen des Wissenden, aufrecht erhalten werden. Neben der Alchimie sind es die Märchen und vor allem die alten Sagen, die von den Wundern der menschlichen Seele künden, von Mystik und Magie. Der an den Felsen geschmiedete Adas, der die Erde (Materie) trägt, und dessen Leben von einem Adler immer wieder zerfleischt wird, ist das Symbol des im Irdischen gekreuzigten Geistes, den die Leidenschaften des Körpers (der die Leber fressende Adler) peinigen, bis aus Qual und Not die Kraft zur Überwindung der Materie wächst. Auch die klassische Sage vom König Agamemnon, der durch den eigenen Sohn umgebracht wird, deutet auf die Tötung des Irdischen (Agamemnon) durch den Gottesfunken (den Sohn) hin, der sich der Mutter (der Seele) vermählt. Noch deutlicher kommt der Entwicklungsgang des menschlichen Geistes in der Sage von Odysseus zum Ausdruck. Der Held trennt sich von der Heimat (Geburt des von den Göttern abstammenden Menschen), gewinnt, ganz der Materie hingegeben, durch eine List Reichtümer (Eroberung von Troja durch das trojanische Pferd), die er in den Stürmen des Lebens (den Folgen de r Sünde) wieder verliert. Odysseus besiegt endlich den Teufel (Polyphem) und will sich der Heimat zuwenden. Nun wird durch unerwartete neue Widerstände seine Überwindungskraft gestählt: Den Lockungen der Sirenen (den weltlichen Lüsten) kann er gefesselt (a ngeschirrt an seine Exerzitien) entgehen, um dann aber der Zauberin Circe (dem Astralreich und seinen Lockungen) zu verfallen. Nun verliert er die letzten Gefährten - materielle Regungen, die ihn noch an die Welt banden - und betreibt stürmischer seine Heimkehr. Zuvor aber muß er durch das Totenreich (von Circe, der Verkörperin der Astralwelt, geführt), ehe der geläuterte Odysseus als Bettler (der heimkehrende verlorene Sohn) die Heimat erreicht und nach letztem, hartem Kampf die unio mystica - Vereinigung mit Penelope - erlangt. In dieser Sage wird deutlich, wie wichtig dem Strebenden die Kenntnis der Astralwelt ist, die eine Vorstufe zur geistigen Vollendung darstellt. Und dies ist der Grund, warum Hellsehen (die praktische Anwendung entwickelter innerer Sinne) an dieser Stelle behandelt wird.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist also nicht ausdrücklich das Sehen des Kommenden, der Zukunft diese egoistischmaterielle Zielsetzung würde das Höllentor der Versuchungen und Irrtümer weit aufreißen - , sondern das Erkennen und Studieren der Welt, die zu durchwandeln die Aufgabe Jeder menschlichen Seele nach ihrer »Lösung vom Körper ist. Freilich ergibt sich aus solcher Zielsetzung fast immer auch die Fähigkeit, in Vergangenheit und Zukunft und in die Ferne zu »se hen. Primär muß unser Ziel - wie stets - jedoch auf den geistigen Gewinn ausgerichtet sein. Zielsetzung Hier ist nun der Ort, einige sehr ernste Dinge zur Sprache x» bringen. Wir würden uns nicht - objektiver Berichterstattung zu zeihen haben, wenn wir - neben dem überwiegenden Teil positiver, dankbarer Zuschriften, von denen wir eingangs sprachen - nicht auch der Leser gedächten, die freimütig »mit Skrupeln und Zweifeln zu uns kommen. Auf einige Hauptargumente dieser Suchenden - ihre Aufrichtigkeit haben wir keinen Grund zu bezweifeln - soll allgemein eingegangen werden, schon deshalb, weil manch einer unter ans - vielleicht in einem Winkel seines Herzens versteckt - ähnliche Vorbehalte mit sich herumträgt. Da schreibt zum Beispiel eine ältere Dame - und aus ihren Zeilen spricht Erschrecken, ja, eine Art uneingestandenen Entsetzens, als die ersten Erfolge magischer Übungen unerwartet und wohl ziemlich schroff bei ihr eintraten - , »ob die Dinge, die sich in ihr und um sie ereigneten, nicht »krankhafte Halluzinationen wären, Störungen des Geistigen, die Hand in Hand gingen mit körperlichen, die Dame verblüffenden Veränderungen. Zwischen den Zeilen aber klang die bange Frage auf, ob sie nicht an einer beginnenden geistigen Erkrankung leide, denn, von solchen Dingen hört man doch von Nervenkranken, und die Menge lehnt doch den Okkultismus ab! Ja, auf den letzten Punkt wollen wir zuerst eingehen: die Menge lehnt den Okkultismus ab. Er ist das Vorrecht des Aristokraten - gleich, aus welcher Volksschicht er kommt - , des immer strebenden faustischen Menschen. In Verbindung mit bestimmten Geistes - und Nervenkrankheiten treten - ebenso wie bei gewissen Vergiftungen - Störungen der Wahrnehmungsfähigkeit auf, die - wenn wir von Ausnahmefällen echter Besessenheit oder Äußerungen nicht erkannter psychischer Entwicklung absehen - nichts, aber auch gar nichts mit Okkultismus, Magie oder Mystik zu tun haben. Es gibt zwar Stimmen, die sogar Jesus Christus einen Hysteriker, ja, Epileptiker nennen, aber wir wissen, daß der Gottessohn wohl äußerst sensitiv, aber sonst »von menschlichen Gebärden und fester Gesundheit war: seine Leiden hätten einen Schwächeren zweifellos um den Verstand gebracht. Wären die Wahrnehmungen und Regungen der psychischen Sinne krankhafte Ausgeburten, dann . wäre jede vom Körper befreite Seele geistig gestört (um einen härteren Ausdruck zu vermeiden), und hier wird der Unterschied offenbar: eine Geisteskrankheit ist eine Krankheit des (irdischen) Geistes: die Seele, ihr unverletzbarer Teil und die ihr zugehö renden Wahrnehmungsorgane, können gar nicht erkranken; ihre Wahrnehmungen müssen also Fakten, Tatsachen, sein. Wir sagten, daß man mittels Narkotika Erscheinungen erzeugen kann, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit okkulten Phänomenen haben können. Das ist auch erklärbar: das kranke (vergiftete) Hirn reproduziert ja lediglich vorhandene archaische (Unter - )Bewußtseins - Inhalte. Wohlgemerkt: das Hirn re- produziert, schafft nach, okkulte Phänomene aber sind keine Halluzinationen, sondern Originale. Es gibt also Narkotika, die das Hirn vergiften (dann Reproduktion) und solche, die auf die inneren Sinne wirken (dann echte astrale Bilder) 1. Hypnose, Mediumismus, Toxikologie und tiefenpsychologische Experimente erhärten, daß es sich bei okkulten Phänomenen um echte Erscheinungen handelt, die oft - zum Beispiel beim Spiritismus - auch 1
Näheres hierüber: Band VII: »Magie und Toxikologie und Band X: »Magische Phänomene.
von »normalen Personen gesehen, ja, unter bestimmten Bedingungen photographiert werden können. Die Halluzinationen Wahnsinniger hat noch niemand - außer dem Kranken selbst - wahrgenommen oder photographisch festgehalten, und - gewollte Erscheinungen sind nicht krankhaft. Wir müssen an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, daß eine gute Gesundheit, vor allem feste Nerven, Voraussetzung sind für gedeihliche Entwicklung. Ein bei einem Experiment erlittener Nervenschock ist kein Fortschritt. In vorstehendem Sinne haben wir der Briefschreiberin 'geantwortet und hatten die Freude, schon einige Wochen später volle und begeisterte Zustimmung zu finden: die Krise war überwunden, die Anfangsschwierigkeiten beseitigt. Der Weg war frei. Wir kommen in diesem Buch auf manche überraschenden, bestürzenden Dinge zu sprechen, und manche Übung wird - vielen ganz plötzlich - eine Welt erschließen, die sich bisher beharrlich ihrer Forschung entzog . Denken wir vor den Übungen und in ihrem Verlauf stets daran, daß wir in der Hand des Höchsten liegen, daß uns kein Ungemach treffen kann. Eine solche Einstellung ist die beste Sicherung gegen jede unangenehme oder gefährliche Überraschung. Die richtige Zielsetzung ist die Seelenheimat des Menschen: unsere magischen Arbeiten aber sind Wege zu ihr. Überblick über Tatsachen und Hypothesen Eine Hypothese, die das Hellsehen erklären will, haben wir bereits kennengelernt, nämlich die halluzinatorische, und wir hoffen, sie ad absurdum geführt zu haben. Eine andere Lesart spricht von Einbildung, also von unbeabsichtigter Selbsttäuschung. Nun, geistisch- optische Einbildungen wären auch wieder Halluzinationen, die wir soeben abgefertigt haben, und eine Verwandtscha ft mit mobilisierten seelischen Tiefenkräften oder mit aktivierten oder gar personifizierten kosmischen Kräften besteht nicht. Überhaupt befindet sich gerade der Rationalist unserer Tage in einem merkwürdigen Durcheinander von Empfindungen: die Beweise psychischer Phänomene liefern ihm neben der Hypnose und dem Mediumismus auch Tiefenpsychologie und Versuche mit Narkose - Mitteln, aber in seinem Weltbild ist doch kein Platz für derart verwirrende Erscheinungen. Er muß sie also weiter leugnen, will er nicht den Boden unter den Füßen verlieren, und aus diesem Zwiespalt werden Hypothesen geboren, die ebenso lückenhaft sind wie die Weltanschauung, die sie gebar. Auch von Sehstörungen kann bei hellseherischen Ergebnissen nicht die Rede sein, denn wenn diese Sehstörungen Tatsachen und verborgene Dinge entschleiern oder gar physikalisch wirken, ist ihre Realität für uns durchaus bewiesen. Ernster zu nehmen ist der Einwand, daß ein so hoher Prozentsatz hellseherischer Aussagen ungenau oder falsch ist. Sehen wir uns also die Hellseher und ihre Motive näher an. Die meisten sogenannten Hellseher sind entweder Artisten oder in anderer Weise gewerbsmäßig tätig. Es gibt bekannte Fälle begabter Hellseher, die ihre hellseherische Begabung verloren, weil sie mit ihr Mißbrauch trieben. Und so kommen wir wieder auf den Kernpunkt aller magischer Praxis, zu der das Hellsehen zählt, zu sprechen: wer Irdisches mit Magischem mischt, begibt sich in Gefahr und kann von Glück sagen, wenn sie sich für ihn nur darin äußert, daß seine Arbei tsergebnisse immer unzuverlässiger werden oder seine Befähigung schwindet. Ausgebildete seelische Kräfte sollen dem Ziel dienen, der Forschung, der eigenen Entwicklung, selbstloser Hilfe: ihre Vermischung mit materiellen Interessen ist ihr Tod. Schon die eitle Zurschaustellung psychischer Fähigkeiten zerstört sie oft, mindestens vorübergehend. Die wirklich fähigen Hellsichtigen sind die Stillen im Lande: sie wissen von dem Wert der ihnen verliehenen Gabe, von ihrer leichten Verletzlichkeit, von der Gefahr, von ihrer Verantwortung. Bei der Beschränkung hellseherischer Tätigkeit auf die ihr zukommenden Gebiete, wie wir sie oben nannten, mindert sich die Anzahl ungenauer oder falscher Aussagen bedeutend - zwar muß man mit ihnen rechnen, aber sie können keinen Schaden anrichten, wie er häufig bei geschäftsmäßig
betriebenem Okkultismus feststellbar ist. Wichtiger sind für uns die Versuche, die hellseherischen Phänomene zu erklären, zu begründen. Für den einen handelt es sich um odische Manifestationen, bei einein anderen um »Sehen im Astralen, »Blick in das Innere, Erweckung verkümmerter Drüsen usw. Mit all diesen Problemen wollen wir uns theoretisch nicht befassen, sondern nach unserer Gewohnheit in die Praxis gehen, und da enthüllen sich von selbst die Dinge und sprechen von den Gründen, denen sie entstammen. Bevor wir weiterschreiten, müssen wir uns jedenfalls eine geistige Tatsache völlig klar und zu unserem festen Besitzstand machen. Das ganze Universum mit seinen für den irdischen Geist unfaßbaren Weiten und G esetzen ist, wie alle Religionsbücher künden, nur eine Vorstellung des Geistes. Alle Dinge im Irdischen sind nur mit irdischen Sinnen wahrnehmbar, das heißt, die irdische Welt »schwindet, wenn die materiellen Sinne nicht mehr die Fähigkeit haben, die Scheinwelt wahrzunehmen, zum Beispiel, wenn durch den Tod genannten (geistigen Lebens - ) Prozeß der menschliche Körper und seine Sinne aufgelöst werden. Der Mensch ist - vom Irdischen gesehen - im gewaltigen kosmischen Kraftmeer weniger als ein Staubkorn. Und trotzdem - sagen ebenfalls alle Religionen - »liebt Gott den Menschen, will ihn zu sich ziehen. In diesen Begriffen stecken wiederum rein irdische Vorstellungen. Der Entwicklungsweg der »Monade (um einen Lieblingsbegriff von Leibnitz zu verwenden) geht dur ch immer dichter werdende materielle Verkleidungen erst hinab (in die irdische Umklammerung: Kreuzigung des Geistes) und dann - unter Abwertung der Hüllen - zum «Himmel, in »Gottes Schoß zurück. Daraus folgert, daß alles Leben, alle Kreatur, alle Wesen in diese Evolution, in Gottes sehnende, barmherzige Liebe eingeschlossen sind. Es wäre »gegen das Gesetz, wenn der Mensch hiervon ausgeschlossen wäre. Nun hat der Mensch seit dem .Sündenfall (Vorherrschaft der Materie) die furchtbare Fähigkeit, sich mehr als irgendeine andere Wesenheit - die teuflischen ausgenommen - , in eben dieser Materie zu verlieren: kraft des in ihm entwickelten Selbst - Bewußtseins und den im Negativen furchtbaren Trieben der Ausschließlichkeit, alle Kräfte auf ein Ziel zu richten, sei es unausweichlich oder nur als notwendig angesehen. So kann der Mensch den Prozeß der Rückkehr (die Evolution) ins Unendliche verlängern, das vergebliche Ringen um Befreiung aber zur wirklichen Hölle gestalten. Wir fassen zusammen: die irdischen Dinge sind eine Vorstellung des Geistes. Wir nehmen sie nur durch die körperlichen Sinne wahr. Der Tod löst die Illusion auf: der von der Materie befreite Geist (spirit) geht durch die Materie hindurch: sie ist für ihn nicht vorhanden. So ist unser derzeitiges Leben auch nichts anderes als eine Vorstellung des Geistes, und die Welt hinter dem Trug - eben die geistig - magische - ist die wirkliche, unvergängliche, unzerstörbare. Die Welt, das Leben: Vorstellungen des Geistes, die der Gottesfunke aufrechterhält, solang e es notwendig ist, entweder weil der Mensch zu tief in der Materie verloren ist und eine Verbindung mit der höchsten geistigen Kraft nur ihren Mißbrauch und damit ihre Vernichtung bringen müßte, oder weil die Wirkung des reinen Geistes auf den nicht geläuterten irdischen Körper dessen Verderben wäre, ihn zur karmischen Erfüllung seiner Aufgaben untauglich machen würde. An die Stelle der »materiellen Illusion können, wie wir wissen*, andere Vorstellungen gesetzt werden, kraft der Gesetzmäßigkeit, der Illusionsfähigkeit, die einfach Voraussetzung ist des irdischen Lebens. So wahr sich der ewige schöpferische Geist die Welt durch Wille und Vorstellung geschaffen hat, so tatsächlich kann der Mensch durch seine Imaginationskraft alle Welten schaffen oder nachsch affen, wie wir hoffen, im vorhergehenden Band bewiesen zu haben. Sieht Band V: Imagination alt geistige Wegbahnung. Genau so ist des Menschen Seele imstande, die Rückverbindung (das ist religio) zu seiner geistigen Heimat wieder herzustellen und den Trug d er irdischen Welt aufzugeben, die Scheinwelt durch die wirkliche zu ersetzen: daß auch die der irdischen folgenden Welten nur relativ wirklich sind - für die geistigen Körper, die ihnen entsprechen - , ändert nichts daran, daß sie tatsächlicher sind als da s
Materielle, denn sie - die geistigen Welten - sind Ursache, das Irdische Wirkung. Der Schleier fällt nicht mit einem Male - er wird Stück für Stück abgetragen. Je höher die Welt ist, in die der Hellsichtige Einblick erhält, um so wirklicher ist sie im geistigen Sinne, um so wahrhaftiger sind die Offenbarungen, die er erhält. In der Tatsache, daß der Mensch unter geeigneten Bedingungen in der Lage ist, nachzubilden, was seine Imagination gebietet, liegt die erste gesetzmäßige Grundlage des Magischen; in dem Faktum, daß die Menschenseele den Trug aufgeben und Offenbarungen aus höheren Welten empfangen kann, eine zweite magische Grundursache, die Vorbedingung ist hellsichtiger Arbeit. Der aufrichtig Strebende wird bemüht sein, an Stelle der materiellen Illusion solche Vorstellungen zu setzen, die dem Gottesgeiste, der Evolution, dienlich sind, und Einblicke zu erhalten, die ihn über den trügerischen Grund des materiellen Daseins aufklären und so verstärkt zur Heimat zurückführen: hierin liegt der höchste Segen magischer und hellseherischer Exerzitien. Hellseherische Wahrnehmungen sind auch mit Träumen verglichen worden, und dieser Vergleich ist nicht ganz unberechtigt: für den mählich in geistige Bezirke Vordringenden erscheinen zunächst die Wahrnehmungen und noch wenig materiellen Manifestationen der inneren Sinne, die erst schwach entwickelt sind, traumhaft, unklar, verworren, ja, höchst unsicher. Das ändert sich aber, sobald der Strebende seine Übungen fortsetzt und in der anderen Welt heimisch wird. Der Traum (unseres Schlafs) ist eine Mischung geistiger Wahrheit (der Ahnung des Gesetzes), astraler Bilder, widergespiegelter irdischer Illusionen und Rückerinnerungen archaischer Art; Träume, die Jahrtausende überbrücken, alle Länder und Meere, jeden Stern, jede »Himmelsstraße ergreifen können. In diesem Sinne ist der Traum wirklicher als das Leben ohne Geist, ohne Erkenntnis, und deshalb für das irdische Leben oft von ausschlaggebender Bedeutung, besonders dann, wenn der Mensch sich hohem Ziel zuwendet: dann sind Träume oft Führung, Wegdeutung, Leitsterne. Träume können also astrale Einsichten vermitteln, und insofern ist die Verwandtschaft mit hellseherischen Erscheinungen nicht zu leugnen. Uns liegt jedoch nicht an einer traumhaft - unbewußten Erkenntnis, sonde rn an einer zielstrebigen Eroberung unbekannter Welten. Aus diesem Grunde unterwerfen wir uns einem Übungsplan, der sie uns erschließt. Die Aufgabe der Illusion ist wesentlich für erfolgreiche hellseherische Tätigkeit, denn je mehr wir uns Maya (der Scheinwelt) hingeben, desto wirklicher scheint sie uns, und je mehr wir sie als das erkennen, was sie ist, als Vorstellung des Geistes nämlich, und je mehr wir uns von ihr zurückziehen, um so unwirklicher, schemenhafter, traumhafter wird sie uns. Die Verlorenheit in die Materie muß der Geist - das ist seine Aufgabe - aufheben, rückgängig machen; hierin allein liegt die Daseinserfüllung, die Vorbereitung der Befreiung, endgültiger Erlösung, und deshalb kommt der Kenntnis der durch unsere hellsinnigen Fähigkeiten e rschlossenen überirdischen Welt eine so entscheidende Bedeutung zu. Nur Training ergibt Sicherheit der Schau Es scheint - wenn wir von technischen Einzelheiten absehen, auf die wir noch zu sprechen kommen grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Erschließung der astralen Welt zu geben: 1. Von den Augen her, also von außen. Reizung von Hirnnerven und parallel laufenden psychischen Quellen. 2. Von innen her, also durch Entwicklung und Einsatz der inneren Sinne, die dann die astralen Bilder zu erkennen vermögen. Da die Welt eine Vorstellung des Geistes ist, sind hellseherische Vorgänge realisierte Vorstellungen nach Wunsch oder Suggestion, wobei notwendigerweise bei Suggestionen und materiellen Wünschen viel eher Täuschungen und Fehlergebnisse eintreten als bei E xperimentatoren, die sich der Führung des kosmischen Willens überlassen. Wir sagten soeben, daß es zwei Möglichkeiten hellseherischer Erschließung zu geben scheint; in Wahrheit ist es im Grunde belanglos (sondern nur wichtig für den Weg des einzelnen, der ja
unterschiedlich disponiert ist), ob Hellsinnigkeit vom Optischen - von den Augen - her durch Hirnreflexe erzeugt wird, oder ob die Entwicklung der inneren Sinne dazu führt: letzten Endes entspringen beide Strömungen ein und derselben Wurzel, denn beide Methoden wirken im letzten auf das System der Chakren des menschlichen Organismus und stellen mittels Angleichung an die gewünschten Kraftzentren oder Ebenen die notwendigen Bedingungen her. Daß die Angleichung nur durch Anreicherung gesunden Ods, Abziehun g vom Irdischen, Lösung von materiellen Wallungen und Imprägnationen und Stählung des kosmischen Willens erreicht wird, sagen wir unausgesetzt seit dem ersten Band dieser Bücherreihe. Es sind demnach Entwicklungsstand und Kraft des Studierenden, die über P lastizität und materielle Dichte der Erscheinungen entscheiden, also darüber, ob sie für normale Sinne wahrnehmbar und ob sie wirkbar gemacht werden können oder nicht. Die Kraft für diese spezielle magische Tätigkeit hängt ab von der Konzentration auf nur diese Exerzitien und solche Übungen (Odanreicherung usw.), die sie fördern. Je gründlicher sich der Strebende in den zunächst fremden Bereichen unterrichtet, um so zuverlässiger werden seine Erkenntnisse und um so wertvoller die Folgerungen, die er zieht. Die ununterbrochenen, keinen Tag auslassenden Übungen sind besonders auf dem vorliegenden Gebiet von ausschlaggebender Bedeutung, und zwar vor allem aus nachstehenden Gründen: a) Wird die systematische Schulung des kosmischen Willens auch nur einen Tag unt erbrochen, schließt man am nächsten Tag nicht etwa an den Übungsstand vor zwei Tagen an, sondern ist vielleicht um Wochen, oft Monate zurückgefallen; die ununterbrochene Übung aber steigert die Kraft und Wirksamkeit des absoluten (kosmischen) Willens nicht nur um den Bruchteil, den ein Tag in der Übungsreihe darstellt, sondern um ein Vielfaches: oft ist der eine Tag, der übergangen wurde, gerade der Punkt, der zum Triumph geführt hätte, zu einem Triumph, der durch Nachlässigkeit und Willensschwäche für diesmal, vielleicht für ein ganzes Leben, verschenkt wurde. Es gibt Stunden, Aspekte, Konstellationen, die nie wiederkehren. b) Das unter a) Gesagte gilt auch für die auf den Übungsvorgang gerichtete Konzentration. Die Kraft, die uns die Konzentration schenkt, wird nicht nur während der Übungen in Tätigkeit gesetzt: sie arbeitet unverdrossen auch dann, wenn wir ruhen oder anderen Beschäftigungen nachgehen. Plötzlich ist sie in genau der Dosierung vorhanden, wie wir sie für unsere Experimente benötigen. c) Der ganze Organismus stellt sich auf die Übungen ein: wir sagen, daß Kanäle für den gedachten Zweck gegraben werden. Diese Kanäle öffnen sich - wie die Blume der Morgensonne - stets zur gewohnten Stunde, und wir sollten deshalb die Übungszeit nicht wechseln. Setzen wir nur einen Tag in der Übung aus, wird der Kanal verschüttet, und wir brauchen oft Wochen, ihn zu reinigen und freizulegen. Eine klare Zielsetzung von Anfang an fördert die Bildung von Kanälen ungemein, besonders dann, wenn die Glaube genannte Kraft mitarbeitet, dergestalt, daß sich in das Ober - und danach ins Unterbewußtsein die Einstellung brennt, daß man unter gar keinen Umständen, nun man einmal begonnen hat, aufhören wird, bevor nicht das Übungsziel erreicht wurde. Wir kennen einige auf magischem Gebiet Erfolgreiche, die auf hellseherischem Gebiet versagten, weil hier mehr als bei jeder anderen Arbeit Konsequenz der halbe Sieg ist. Leider geschieht es immer wieder, daß nach monatelanger strenger Übung ein Tag überschlagen, danach mit Mißmut das Training wieder aufgenommen, dann aber plötzlich eingestellt wurde - die erneut auftretenden Anfangsschwierigkeiten wurden nicht überwunden. d) Die Kanäle sind die für die bestimmte Aufgabe geschaffene Disposition des Organismus. Zu ihnen gehören die »Wasser, die sie füllen: die Kräfte, mit denen der Hellsehende arbeitet, und selbstverständlich gilt für diese Kräfte besonders das bisher Gesagte: sie erlahmen, versiegen, oft nach nur kurzfristigem Aussetzen der Übung. Selbst ein Studierender, der sicher über die zur Hellsinnigkeit führenden Kräfte verfügt, muß ständig in der Übung bleiben, will er die erworbenen Kräfte nicht verlieren. e) Der Leser möge den vorstehenden Punkten jedoch nicht entnehmen, daß gesteigerte (Mehr -
)Übungen besser seien als das Aussetzen. Eine Übertreibung der Übungen kann eben so schädlich und zielstörend sein wie eine Unterbrechung des Trainings. Übertreibungen schaden mehr als sie nützen. Sie verkürzen nicht etwa die Gesamtübungsdauer, sondern führen meistens zu Störungen, die zum Abbruch der Übungskette zwingen. Die Harmonie gibt hier wie überall den Ausschlag. Die Übungen sollen - auch körperlich - helfen, nicht anstrengen oder gar peinigen. Jedes Zuwenig oder Zuviel ist falsch. Wenn bei einer Übung vorgesehen ist, daß sie einmal täglich nur fünf Minuten lang betrieben werden soll, halte man sich aus wohlerwogenen Gründen unbedingt an diese Zeit. Der Vorteil magischer Anleitung liegt ja gerade in ihrer lang erprobten Präzision, die bei auch nur durchschnittlichen Voraussetzungen z um Erfolg führen muß. Methodik der Versuchsreihen Wir sprachen von zwei Wegen, die zur Heilsinnigkeit führen, und von einer Wurzel, die beide verbindet. Die Entwicklung der inneren Sinne ist die Folge von Übungen, wie sie in den Bänden aufgezeigt wurden, die dieser Arbeit vorausgingen. Wer auf diesem Wege Hellsichtigkeit noch nicht erreicht hat, kann entweder warten, bis sie sich einstellt, oder aber den zweiten Weg wählen, mit dem sich dieses Buch beschäftigt: auf diesem Wege werden sich innen und außen nä hern und dadurch um so schneller zu Resultaten führen. Alle anderen Leser aber, die sich zunächst durch einen Einblick in das magische Reich von dessen Tatsächlichkeit überzeugen und deshalb die Technik des Hellsehens üben wollen, seien besonders auf die folgenden Abschnitte Schutz, Typen und Bereitung hingewiesen. Bei den nachfolgenden Übungen handelt es sich nach den zu absolvierenden Vor - Übungen (wo sie noch fehlt: nach der Bereitung) darum: durch eine bestimmte konzentrative Fixikationsmethode mittels der Augen einen optischen Reiz über die »korrespondierenden Hirn - Nerven - Partien auf das Chakrasystem des menschlichen Organismus auszuüben und in langsamer, systematischer Entwicklung aller Kräfte die mehr und mehr sich verdichtende Materialisation vo n Erwartungen, 'Wünschen oder Vorstellungen zu erreichen. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um »Materialisation von Imaginationen, wie sie im vorhergehenden Band geübt wurde, sondern um Projizierung von (verlangten) astralen Offenbarungen bzw. ihre M anifestation, die durch den Gleichklang von »parapsychologischer (mikrokosmischer) und außermenschlicher (makrokosmischer) Kräfte bewirkt wird. Im vollendeten hellseherischen Vorgang findet eine Kommunikation von mikro - und makrokosmischen Kräften statt, d er Eintritt in eine Welt, die Zeit und Raum nicht kennt und der »Urgrund alles Seins und deshalb in der höchsten Ebene allmächtig und allwissend ist. Der geschilderte Prozeß ist, wie wir wissen, nur in besonderen Geisteszuständen möglich, die wir magische nennen: Trance bzw. Autohypnose (passiv - magische Haltung), in Gedankenstille2 (aktiv magische Einstellung) oder mindestens einem vorgeschrittenen Entspannungszustand. Auch verschiedene Narkotika begünstigen die Herbeiführung von Zuständen, die hellsic htige Wahrnehmungen gestatten; von ihnen soll insoweit die Rede sein, als sie in Räucherungen den durch Übung herbeizuführenden Zustand unterstützen und erleichtern. »Klassische Schulung Die in diesem Buch dargelegte Methode zur Weckung schlummernder, hell sinniger Fähigkeiten bedarf nicht der Begründung, da die Tatsachen - nicht zuletzt auch der beigefügten Übungs - Protokolle - für sich selbst sprechen und unter den gleichen Bedingungen von jedermann wiederholt werden können. Soweit wir nicht unter Räucherungen und Narkotika über magische Drogen sprechen, wird dieses Thema eingehend behandelt in dem VII. Band3 der vorliegenden Buchreihe. Es ist nun einmal notwendig, sich über dieses heikle Gebiet eingehend zu unterrichten, bevor man auf ihm praktisch arbeitet. Wir müssen im vorliegenden Band also darauf verzichten, sofort hellsinnige Ergebnisse mit 2 3
Siehe Band IV: »Gedankenstille, Mutter aller Magie. Magie und Toxikologie.
Hilfe von Spezialdrogen zu erzeugen, was grundsätzlich durchaus möglich ist. Eine während der Übungen erwähnte Methode erlaubt trotzdem eine Forcierung: hier arbei ten Systematik und »besonderer Antrieb in vollkommener Weise zusammen, um so schnell wie möglich zu befriedigenden Resultaten zu kommen. In diesem Buch darf jedoch nach unserer Anschauung ein Lehrgang ( - Überblick) nicht fehlen, wie er seit Jahrtausenden in vielen Mysterienschulen zur Anwendung kam. Diese »Schulung gliedert sich in drei Etappen: 1. in die geistige Einführung, 2. in die Bereitung des Novizen, und 3. in die eigentlichen Übungen. Zum Verständnis des ganzen Buches ist es von großer Wichtigkeit , uns mit den vorgenannten Punkten vertraut zu machen, wobei wir bemerken, daß wir wohl die alten Grundsätze übernommen, jedoch in unserer Weise - für uns Heutige klar verständlich - dargestellt haben. l. Geistige Einführung Bevor überhaupt an eine körperl iche Bereitung des Novizen gedacht wurde, setzte eine geistige Unterweisung ein (so noch in den pythagoräischen und gnostischen Geheimschulen), die praktisch auf einen - wie wir heute sagen - psychologischen Test hinausläuft, auf eine Prüfung der Frage, ob der Novize überhaupt karmisch über den magischen Urgrund in sich verfügt, der allein ihm Verständnis der magischen Welt und die Fähigkeit zur Arbeit in ihr gibt. Dem Schüler wurde klarzumachen versucht, daß der Mensch als Ergebnis einer unendlich langen Entwicklung Träger mehrerer - trennbarer - Grundstoffe sei, die notwendig mit den Kräften, denen sie entstammen, verwandt seien, so daß der innere Teil zum äußeren, der äußere zum inneren gelangen, einer auf den anderen wirken könne. Bei der Lösung dieser Teile - Tod genannt - kehrt ein jeder Grundteil in die Ebene zurück, der er entstammt. Dieses klassische, ja, prähistorische Gedankengebäude ist praktisch nichts anderes als Grundlage der Kabbalistik und der hinduistischen Religionsphilosophie, die ebenfall s mehrere Körper des Menschen voraussetzen und die Übereinstimmung - und gegenseitige Wirkung - von oben und unten als Grundsäule ihres weltanschaulichen oder kosmischen Systems herausstellen. So wurden - und werden - u. a. als Bindeglied zwischen dem irdischen Teil und der Seele (als Summe der höheren Teile des Menschen) ein Lebenskörper (Äther - , Prana - , Od - Leib), ein Empfindungskörper (Summe der Emotionen: Empfindungen, Gefühle, Begierden, Wünsche) und ein (niederer) mentaler Körper (als Summe geist ig - irdischer Kraft) erläutert, die alle drei nach dem Tode sich auflösen und in ihre Bereiche (Erde, astrale Welt, niedere Mentalwelt) zurückkehren und den unsterblichen Körper, der ebenfalls vielgliedrig ist, in seine Sphären entlassen, versehen mit den Ernte Ergebnissen des soeben beendeten Erdenlebens und schon ausgerüstet mit einer »Marschroute für die folgende (himmlisch - irdische) Entwicklung. Die Übereinstimmung mit den Forschungsergebnissen der modernen Parapsychologie, ja, der Tiefenpsychologie, ist verblüffend, aber nicht Zufall. Selbstverständlich mußte ein so klar ausgerichtetes System auch eine Verbindung herstellen zwischen den Kräften des außen (oben) und innen (unten) einerseits und zwischen dem irdischen Leib und den Seelenteilen des Menschen andererseits. Diese Verbindung wurde geschaffen durch ein System von Chakren, die den ganzen vielgestaltigen Organismus durchdringen und verbinden und den Austausch der Kräfte zwischen Kosmos und Mensch bewirkt. Damals war die Geheimlehre mehr als heute mit der Astrologie verknüpft, mit einer astrologischen Lehre, die untrennbar verbunden war mit der Astronomie. Deshalb wurde jedes Chakra also jeder besonderen Kraft - einem bestimmten Gestirn zugeordnet 4, so daß also die Ebene des menschlichen Organismus vollkommen der Ebene des kosmischen entsprach (kabbalistische 4
Darüber bringt Einzelheiten der XI. Band 7 Welten.
Entsprechung zwischen Makro - und Mikrokosmos). Die Folgerungen, die in der klassischen und vorklassischen Zeit in der Magie daraus gezogen wurden, sind heute noch gültig: jede mikrokosmische Ebene kann sich mit der ihr gleichgearteten makrokosmischen Ebene in Verbindung setzen. Jede Kraft kann selbständig handeln und auf die ihr entsprechende Kraft - oder die ihr unterstellte - wirken: Wesen und Sinn aller Magie seit je und heute. War der Schüler des Okkulten soweit eingeweiht (eingeweiht hier nur im Sinne von Unterweisung gebraucht) und hatten die unauffällig immer wieder angebrachten Fragen bewiesen, daß er magisch denken konnte und für die folgenden Unterweisungen reif war (andernfalls erfolgte sofortiger Ausschluß, wenn nicht Opferung, falls die Geheimnisse bedroht schienen), gingen dann also die alten Priesterlehrer dazu über, dem Priesteranwärter (oder magischen Reflektanten) die Physiologie Gesetze und Arbeitsweise - des Odkörpers und das System der Chakren zu erklären. Dabei wurde vor allem auf die Erklärung der Tatsachen Wert gelegt, daß der Od - oder Pranakörper Träger der primitivster magischen Erscheinungen sei und die Basis abgebe, auf der die höheren Körper (also vom astralen Empfindungskörper aufwärts) ihre Wirksamkeit entfalteten. Starke, leicht lösbare Odkräfte waren die erste Voraussetzung für die erste Einweihung, und die Aufgabe des Novizen bestand darin, die Voraussetzung unter allen Umständen so schnell und gründlich wie möglich zu schaffen. Da bei Versagen des Kandidaten oft der heilige Opfertod winkte, scheuten die Novizen keine Anstrengung, kein noch so schweres Exerzitium, ihre Odkraft zu harmonisieren, zu verstärken und zur weiteren Stählung und Verselbständigung einzusetzen. Der heute noch bei vielen Naturvölkern gebräuchlichste Weg war, daß sich die Strebenden einzeln in die Einsamkeit eines Waldes oder Berges zurückzogen und unter Fasten und Meditationen (Anrufungen der Götter) eine völlige Läuterung des Organismus von allen menschlichen Wünschen durchsetzten. Gewöhnlich wurden auch berauschende magische Drogen verwendet, um die Chakren aus ihrer Latenz zu heben und die schlummernden inneren Sinne zu wecken, um so also nicht nur die Fähigkeit der Aussendung reiner Odkraft, sondern zugleich auch das Mittel zu erhalten, sie einzusetzen: durch Manifestation der angerufenen Götter oder Geister. Wurden die üblichen Fastenzeiten überschritten und das war bei geringer begabten jungen Menschen oftmals notwendig - , traten schwere Schwächezustände auf und mit ihnen Visionen, die je nach Veranlagung und Kräftekonzentration astraler oder rein halluzinatorischer Art waren. Und manch einer der Übenden und sich Kasteienden verfiel bei diesen Gewaltmethoden unheilbarem Wahnsinn und wurde - solange er noch lebte - als eine besondere Art Heiliger (Besessener) gescheut und gefürchtet. Kehrten die Novizen aus ihrer Einsamkeit zurück, hatten sie eine Art Fegefeuer hinter sich, eine große Portion Mut und Beherrschung erworben und Kenn tnis einer Welt, die ihnen bis dahin verschlossen war. Die Gabe des Hellsehens blieb ihnen seit dieser Zeit mehr oder minder sicher erhalten oder konnte beliebig wieder entfacht werden (durch Konzentration, Meditation, Fasten und Gebet, Anrufungen der Götter, Einsamkeit, erneute Läuterung). In diesem Stadium der Unterrichtung wurde den Novizen - sofern sie nicht kraft besonderer Veranlagung von selbst hinter das Geheimnis gekommen waren - noch nicht klargemacht, ob es sich bei ihren Gesichten um Materialisation außenstehender Kräfte, Manifestation innerer Zellkomplexe oder nur um Schau in die Welt feinodischer Strömungen handelte. Sie wurden aber schon unterwiesen, daß eine Verbindung bestehe zwischen Nerven, Wirbelsäule, Hirn einerseits und Öd und Chakren andererseits. Vor der zweiten Einweihung mußten die Novizen im allgemeinen jedoch die Aufgaben lösen, Öd nach ihrem Willen und ihrer Vorstellung - auch als physikalisch meßbare Wirkung - einzusetzen und diese Fähigkeiten durch lange Übungszeiten zu steigern, die Odkraft also nach ihrer Vorstellung zu formen und zu projizieren und die Entwicklung der
inneren Sinne nach besonderen Anweisungen voranzutreiben 5. Es gab allerdings auch Völker und Mysterienschulen, und die heutigen Wilden arbeiten oft heute noch nach dieser Methode, die ihre Priesteranwärter oder künftigen Medizinmänner (Zauberer) unter Verwendung von Narkotika einer Dauersuggestion (lebenslang wirkende Engramme) unterworfen und auf diese Weise die Gabe des Hellsehens vorbereiteten und erzwangen 6. Noch eine dritte Art der Heranzüchtung hellsichtiger Personen wollen wir der Vollständigkeit halber erwähnen: magisch Veranlagte (Sensitive oder Medien) wurden einer scharfen hypnotischen Schulung - wiederum durch Narkotika unterstützt - unterzogen, bis sie völlig abhängig wurden von ihrem Herrn und Meister, meist einem höheren Priester oder Zauberer, der nun nach seinem Belieben mit den oft im Unbewußten gehaltenen, bedauerlichen Wesen schalten konnte. Nach der Festigung der Hellsehfähigkeit erfolgte jedoch durchaus noch nicht die zweite Einweihung; ihr ging die jetzt systematisch einsetzende Bereitung des Novizen voraus. 2. »Bereitung Erst vom Band VIII dieser Buchreihe ab ist es möglich, den Schleier, der über dieser klassischen Bereitung des Mysterium - Novizen liegt, nach und nach zu heben und dem Leser den Blick auf die geistige Wirklichkeit und ihre Gesetze freizugeben. Wir wollen hier aber - soweit zum Verständnis des Folgenden notwendig - schon einige Grundzüge dieser Schulung vorwegnehmen, damit wir uns später auf die wirklichen Mysterien beschränken können. Nach der strengen Klausur, der sich der Geheimschüler unterworfen hatte, durfte er zunächst wieder in die Gemeinschaft seiner Sippe, seines Stammes, zurückkehren und - mit geringen Einschränkungen - leben, wie er mochte. Daß der Sinn des angehenden Priesters eine grundsätzliche Wandlung erfahren hatte, dürfte nicht überraschen, und er lehnte, so jung er war, manche Zerstreuungen und Genüsse von sich aus ab, weil er schon wußte, daß sie ihm und sei ner künftigen Entwicklung nicht zuträglich waren. Überhaupt hatte sich in der wochen - und monatelangen, oft von Schrecken erfüllten Einsamkeit sein Geist - sofern er sich nicht umnachtete - gestärkt und zielbewußtes Denken gelernt, dem er, da er noch nicht eingeweiht war, zunächst unbewußt folgte. Nach einigen Monaten dieser Ruhepause zog der Schüler - der unter vielen ausgesucht war, während die meisten über die erste Einweihung nicht hinauskamen - mit seinem Meister erneut in die Einsamkeit, diesmal noch weiter von allem Lebenden, Atmenden entfernt, um hier erbarmungslosen Exerzitien unterworfen zu werden, die sich in folgende Punkte gliederten: a) Nahrung, b) Atmung, c) Ruhe, Waschungen, d) Gebet, Meditation, e) magische Grundübungen, f) geistige Unterweisungen, g) Beherrschung, h) Schweigen. Die Nahrung wurde freigehalten von allem, was die körperlichen Sinne beunruhigen oder reizen konnte, frei von Gewürzen und Fleisch, frei von erotisierenden Stoffen, frei von aufschwemmenden (dickmachenden) Ingredienzi en, dagegen vervollständigt durch alle Nahrungsmittel, die - ohne übermäßig zu schwächen - den Körper schlank - ätherisch erhalten oder werden lassen. Außer je einem Schluck Wasser morgens, mittags und abends gab es keine Flüssigkeiten, es sei denn, es wurden die berüchtigten magischen Getränke verwendet (wie heute noch bei einigen Südseevölkern Kawa 5 6
Vie in den Bänden XI (7 Welten) und XII (.Stein der Weisen) erläutert. Siehe hierüber Band VII/IX dieser Reihe.
Kawa), die stark anregend auf die geistigen Sinne wirkten oder teilweise narkotisierten. Diese Mittel, deren es soviel gibt wie Völker auf Erden, schufen einen schrecklichen Zustand zwischen Stumpfsinn und Alpdruck, zwischen wüsten Träumen und Trance, immer wieder durchbrochen durch die murmelnden Beschwörungen des Meisters, der nach genau festgelegtem suggestivem System das Innere des Schülers wandelte, wie es den Wünschen der Priester - Hierarchie entsprach. Die verschiedenen Atmungssysteme, besonders das geistige Atmen* und die Zwerchfellatmung, aber auch das Atmen der einzelnen Körperteile 7, wurden dem Lernenden so beigebracht, daß er seinen bisherigen Atmungsrhythmus vergaß und damit ein völlig neuer Mensch wurde. Bei jedem Atemzug, bei jeder Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme war das Wichtigste, sie geistig zu sich zu nehmen: stets mußte der Schüler beim Essen, Trinken, Atmen an die Gottheit denken, der er diente, oder an den Meister, der sein Herr war. Das Lager, auf dem der Novize ruhte, war hart, der Schlaf kurz, oft unzureichend. Das Wasser, das die durstenden Lippen vergebens begehrten, erhielten die Glieder: magisch - rituelle Waschungen, an odreichen Quellen, waren für mehrmals täglich vorgeschrieben. Zum Tagesplan gehörte das regelmäßige Gebet, die Hingabe an den Stammesgott oder Dorfgötzen. Teile der Nacht wurden durch überwachte Meditationen ausgefüllt, die nicht in Schlaf übergehen durften. Der Novize wurde den ersten, rein magischen Grundübungen unterzogen, von denen wir in diesen Büchern bereits sprachen, unter anderem der Stromkreis - Übung und Imaginationen. Sie wurden abgelöst durch geistige Unterweisungen, die wir bereits allgemein als Umwandlung geschildert haben. Dann mußte sich der Novize den Exerzitien unterwerfen, die seine Willenskraft schulten und aus Zwang und Gewohnheit eine restlose Selbstbeherrschung schufen, jene Beherrschung, die allein die spätere Machtausübung gestattete und sic h vor allem auf geistige Reinheit erstreckte. Jeder sinnliche Gedanke, noch mehr jede derartige Vorstellung - dem hellsichtigen Meister offenbar - war streng verpönt und wurde durch immer strengere Fron bestraft. Und an den Schluß setzte man die für junge Menschen fürchterlichste Prüfung: das völlige Schweigen, wochen-, monate- , jahrelang, je nach dem Ziel, das man für den Zögling gewählt hatte. Diese letzte Probe überstanden viele nur als völlig gebrochene Menschen, die dann zu willenlosen Werkzeugen ihrer Lehrer wurden, aber selbstverständlich nicht den Rang einnehmen konnten, für den man sie in Aussicht genommen hatte. Bei positivem Bestehen der geschilderten Prüfungen und Übungen erst wurde die zweite Einweihung vorbereitet. Aber das ist ein anderes Blatt in der Geschichte der Magie. 3. Die eigentlichen Übungen Es ist begreiflich, daß derart harte Prozeduren nur von den Besten, Stärksten, Begabtesten, Zielstrebigsten überstanden wurden. Alles, was bisher geschah, war ja nur Bereitung, Vorbereitung auf ein Größeres, Universelleres, das mit raffinierter Verhaltenheit, oft verworren, absichtlich verwirrend enthüllt wurde. Die Übungen, von denen wir jetzt sprechen, hatten den Zweck, die bisher geschaffenen Voraussetzungen zusammenzufassen und zum zielbewußte n Einsatz zu bringen. Und dieses erste Ziel war fast immer die Gabe des Hellsehens, die zwischendurch einmal spontan, als Folge von Übungen, Riten, Narkotika, Schwächezuständen aufgetreten war, so zu verankern, daß sie ständig, willensmäßig, zur Verfügung stand. Die Heilsinnigkeit mußte zur ständig verfügbaren, zur dauernd greifbaren Fähigkeit werden, denn sie war ja das Werkzeug, mit dem man oben (in astralen und höheren Welten) und unten (die Menschenwelt) beobachten, dirigieren, beherrschen konnte. Man bedurfte ganz einfach der dauernden Hellsehfähigkeit zur Ausübung und Unterstützung anderer, 7
Siehe Band XII »Stein der Weisen'.
stärkerer magischer Werke. Die Übungen gruppierten sich in a) Einweisung in die Hilfsmittel und geistigen Voraussetzungen, b) Zusammenfassung aller erzeugten Kräfte zu dem einen Zwecke (der Hellsinnigkeit), c) völlige Passivität gegenüber den geschauten Bildern und Wesen. Jede dieser Gruppen hatte die ihr entsprechende praktische Übungsreihe, wie sie in diesem Buche erläutert werden. Wo wir von der klassischen Schule abgewichen sind, geschah es mit Rücksicht auf die Erfordernisse der modernen Verhältnisse und des heutigen Kulturmenschen (und seine Gesundheit) oder als Auswirkung neuer Forschungs- und experimenteller Ergebnisse. Die geistigen Voraussetzungen befaßten sich vornehmlich mit der »Lehre von der Physiologie der geistigen Körper: den beiden Nervensystemen des (irdischen) Körpers, der Tätigkeit der Wirbelsäule und ihre besondere Bedeutung für die magische Praxis, dem Hirn, seiner Funktion und seinen magischen Zentren, den magischen Zentren des übrigen Organismus, dem Lebens - Od - Körper und der Zusammenarbeit der vorgenannten fünf Systeme. Hirn, Wirbelsäule und Sonnengeflecht bilden die körperlichphysiologischen Nervenzentren und Funktionsautomatismen; durch die Chakren wird die Verbindung zwischen ihnen und den Nervenfunktionen der höheren Körper: durch Vermittlung des Odkörpers. Wenn immer wieder betont wird, daß eine gesunde Seele einen gesunden Körper bedingt und umgekehrt, dann finden hier die (okkulte) Bes tätigung: kranke Organe höherer Körper - also der Seele übertragen durch die Chakren ihre Schwäche oder Störung auf die entsprechenden irdischen Teile. Es findet also ein Austausch »feinodischer Kräfte statt, und zwar a) von der Seelentiefe her, vom kollektiven Unbewußten, über die Chakren nach außen (wo auch eine Vereinigung mit gleichartigen kosmischen Strahlungen erfolgen kann, wenn diese angezogen werden), b) durch Vermittlung der Chakren und durch Öd - und Astralkraftabgabe die Manifestation von Kräf ten des Kosmischen, und - als dritte okkulte Phänomenologie c) entweder die Projizierung von Vorstellungsbildern und ihre Manifestation (außen) oder durch Vermittlung des Augen - (Hirn - )Chakras die Belebung des inneren Sehorgans und der Fähigkeit des Sehens im Astralen. Somit haben wir eine erneute Bestätigung für die oben von uns vorgebrachte hellseherische Kausalität. Die zum Hellsehen seit Jahrtausenden gebräuchlichen Hilfsmittel führen wir im nächsten Abschnitt gleichen Titels an. Bei der Zusammenfassung aller bisher erworbenen magischen Fähigkeiten handelt es sich um folgende Stadien: a) geistige, körperliche und magische Lösung von der Welt des Irdischen (durch Umschaltung, Suggestion, Diät, Beherrschung, Atem usw.), b) Gleichschaltung mit der magischen Welt (durch Angleichung an sie: Harmonisierung oder auch nur Leere: Anziehung), c) Entwicklung der magischen Zentren der höheren Körper, d) Übertragung dieser Entwicklung auf die irdischen Nervenzentren, e) Zusammenarbeit - Training! - aller vorgenannten Faktoren zu dem einen Zweck: die astrale Welt kennenzulernen und durch ihre Beherrschung auf die irdische Welt - und ihre Wesen - zu wirken. Freilich: für den Schüler galt es, sie zunächst unter ^Vorbehalten zu beherrschen. Der Hierarchie der Priester lag an einer absoluten Herrschaft, und der Nachfolger muß ihre, nicht eigene Wege gehen. Also muß er ihr Denken zu dem seinen machen, ohne ihre Erlaubnis darf er keinen Einfluß nehmen auf Welten, die sie sich untenan gemacht haben, um ihre Macht - solange das ausgleichende Gesetz sie nicht vernichtet - hier und dort zu behaupten.
War der Novize nach zwei bis drei Jahren soweit entwickelt, daß er die astrale Welt mit Sicherheit und getreu den erhaltenen Direktiven - beherrschte, und die Erscheinungen, di e ihm begegneten, ohne zu irren, klassifizierte8, war er endlich für die zweite, die höhere Entwicklung reif. Und hatte er die harten Prüfungen, die hinter ihm lagen, bestanden, war er ein ganzer Mann, ein legitimer Anwärter auf den Thron des Magiers gewor den, der oft auch die Throne der Könige kontrollierte. Zwei Punkte müssen wir hier abschließend noch behandeln, die von besonderer Wichtigkeit sind: a) die Einweihung selbst und b) die dabei verwendeten Riten und Zeremonien. Die Einweihung wurde von einem der höheren oder - höchsten Priester vorgenommen. Sie war keine bloße Erklärung: Du hast deine Examina mit Auszeichnung bestanden, nun sei einer der Unseren. Die wirkliche Einweihung bestand in einer Kraftübertragung, die den Novizen wirklich zum Priester, zum Magier, zu einem der Eingeweiten machte. Weihe bedeutet Heiligung, Erhöhung des Wertes durch Aufnahme einer mehr als menschlichen Kraft, Heraushebung aus der Masse, dem Durchschnittlichen: das, was der Schüler in langen Jahren harter Pein in sich vorb ereitet, bewirkt hatte, wurde durch die überlegenen, stärkeren Kräfte des hohen Priesters verstärkt; der Novize wurde durch die Einweihung wahrhaft geadelt, nicht nur durch Worte und Gestikulationen zum Priester erklärt. Die Zahl der Einweihungen schwankte; je mehr ihrer waren, um so geringer war ihr Wert, desto formeller ihr Inhalt. Grundsätzlich gab es drei Haupt - Einweihungen, zwischen die oft Zusatz - Weihen gelegt wurden: die erste (formale) Einweihung für die unteren Priestergrade, die zweite, die wi rklich eine Weihe, Stärkung der magischen Kraft war, und die höchste Weihung, die zur letzten Stufe empor trug. Der Verwirrung dienten die Zeremonien, die seit etwa 2500 Jahren als bloße Gaukelei übrigblieben. Sie waren so wenig Weihe, wie das Hochzeitsspiel der Kinder mit wahrer Hochzeit etwas gemein hat. Später nahm man die Form, weil man den Inhalt nicht mehr kannte. Die Form aber war lediglich Allegorie des Vorganges, der sich mit dem Novizen - und in ihm vor allem - abspielte. Wir hoffen, daß die vorstehend skizzierte klassische Schulung - Teile der Mysterien des Altertums unseren Lesern einen Überblick über den Wert des astralen Sehens gibt, sowie eine allgemeine Einführung zum besseren Verständnis des Übungsablaufs. Hilfsmittel So bunt die astrale (Empfindungs- )Welt ist, so vielgestaltig sind auch die Mittel, die dazu verhelfen, eine Brücke zu ihr zu schlagen. Wir unterscheiden drei Gruppen von Hilfsmitteln: a) Konzentrationshilfen, b) Mittel, die abnorme Geisteszustände begünstigen (Raucher - und narkotische Drogen), c) unterstützende Hilfsmittel (Beleuchtung, Räucherutensilien, Verdunkelung, Abschirmung, andere, vorbereitende Hilfsmittel). Als Konzentrationshilfe kann praktisch alles genommen werden, was glatt ist oder glänzt: bei Beleuchtung ein schwarzes Woll- oder Seidentuch, im Dunkel auch ein weißes Tuch oder weißes Papier, die Fläche eines Wasserspiegels (in Schüssel oder Glas), Edelsteine, Metall - und Schrankflächen, die völlige Dunkelheit selber, ein gewöhnlicher oder magischer Spiegel, Glas und Kristall, vor allem aber eine Kristallkugel (Durchmesser 5 - 7cm9). Es ist empfehlenswert, daß der Leser alle Konzentrationshilfen durchprobiert, und zwar einmal bei verdunkeltem Zimmer ohne Licht, und ein zweites Mal bei Beleuchtung (siehe Abschnitt Technik). Es ist durchaus nicht selten, daß ein glattes Stück schwarzes oder weißes Papier der Mentalität des Studierenden mehr zusagt als ein teurer Hohlspiegel, und es gibt viele Hellsichtige, die stets ohne jedes 8 9
Das werden wir im X. Band (.Magische Phänomene) und XI. Band 7 Welten tun. * Bezugsquelle weist der Verlag nach.
Hilfsmittel arbeiten. Hilfsmittel bedeuten also für uns Durchschnittsmenschen, besonders aber für den Anfänger, eine Hilfe, eine Stütze, einführende Erleichterung, auf die man oft mit der Zeit verzichten lernt oder wenigstens lernen sollte. Je unabhängiger der Studierende von äußeren Hilfsmitte ln wird, um so mehr kann er sich auf die inneren Fähigkeiten konzentrieren, die allein jederzeit und unter allen Umständen die Anwendung magischer Kraft in kürzester Frist gestatten. Nach unseren Erfahrungen hat sich am wirksamsten erwiesen ein Kristall in Kugelform oder der magische (schwarze) Spiegel, dessen Präparation noch beschrieben wird. Über Räucherungen mit Narkotika unterrichten uns weitere Abschnitte. Jetzt wollen wir uns noch den unterstützenden Hilfsmitteln zuwenden, deren Einsatz sehr oft von großer Wichtigkeit ist für das Gelingen unserer Experimente. Wer in völliger Dunkelheit am besten arbeitet, sorge dafür, daß in sein Arbeitszimmer auch nicht ein Schimmer von Licht dringen kann. Türen und Fenster müssen also völlig abgedichtet bzw. verdunk elt sein, die meisten unter uns werden hierin ja noch einige Praxis haben. Wer bei (schwacher) Beleuchtung experimentiert, sorge für eine violette Umhüllung der Glühbirne, am besten aus Stoff, da dieses Licht erfahrungsgemäß das Zustandekommen magischer Ph änomene erleichtert. Für die Vorübungen benötigen wir nachstehende Hilfsmittel, die sich jeder leicht anfertigen kann: 1. Weißer Stern (¶) auf lila Grund (Größe der Augentafeln: 12 X 20 cm) (Größe des Sterns: 6 cm). 2. Sonnenzeichen (Kreis mit Punkt in der mitte) in rot oder orange auf weißem Grund. 3. Drei Kreise (drei kreise zum Dreikeck ) (grün, rot und blau) auf weißem Grund. 4. Dreieck im Kreis ((Kreis mit einen Dreieck in der mitte) auf rotem Grund. Kreise, Dreiecke usw. sollen einen Durchmesser von 10cm haben. Stärke der Linien: 1,5cm. Die Anfertigung wird wie folgt vorgenommen: 1. Man schneidet in der angegebenen Größe aus festem, weißem Papier den vorgezeichneten Stern aus und klebt ihn auf lila Papier (und beides dann auf eine Pappunterlage). 2. Auf weißes Papier oder Karton klebt man den ausgeschnittenen roten Sonnenkreis (Kreis) und das rote Zentrum (•) (letzteres: 2cm Durchmesser). 3. Auf weißen Karton kleben wir die zuvor aufgezeichneten und ausgeschnittenen verschiedenen farbigen Kreise in der gegebenen Anordnung, also l l/2 cm breite Kreise in grün, rot und blau (oder lila). 4. Auf rotes Papier kleben wir einen weißen Kreis (10 cm Durchmesser) und darein ein Dreieck, danach alles auf festen Karton (auch 1 2X20 cm). Nun wenden wir uns der Herstellung eines magischen oder schwarzen Spiegels zu. Wir beschaffen uns - falls wir es nicht vorziehen, den Spiegel fertig zu kaufen und ihn entsprechend diesen Vorschriften zu behandeln - ein gewölbtes Glas mit einem Durchmesser von 15 bis 20 cm und bestreichen ihn derart mit schwarzer Lackfarbe (auf der nach außen gewölbten Seite, also nicht im inneren Hohlraum), daß eine gleichmäßige glatte Fläche entsteht. Wenn der Lack getrocknet ist, wiederholen wir die Prozedur. Zur Entodung und Imprägnation legen wir ih n zuerst in Wasser, das möglichst von einer Quelle (oder Bach) stammt und hängen ihn dann mit der Lackfarbe nach außen bei klarem Himmel so auf, daß der Vollmond ihn mehrere Stunden durchdringt. Dann wickeln wir den Spiegel in ein schwarzes Tuch und legen ihn eingewickelt in einen Karton oder ähnliches, wo er nun für unsere Arbeit bereitliegt. Vorbereitung Ein Mann lebt in glänzenden Verhältnissen, in harmonischer, fördernder Umgebung; bei einem Schritt vom Wege, auf einem Spaziergang, verliert er sich im lasterhaften Vergnügungsviertel der nahen Großstadt, lebt mit Dirnen und Verbrechern, übernimmt ihre Unneigungen, gleitet schnell abwärts, unaufhaltsam einem Abgrund moralischen und ethischen Verfalls entgegen.
Dieser Mann ist wahrhaft beklagenswert, doch er demonstriert lediglich die menschliche Seele, die bei einem Spaziergang (das Leben) in die Fesseln der Materie gelangt, in ihr steckenbleibt und vergißt, in die Heimat zurückzustreben. Die Seele, der Gottesfunke, hat seine Vorstellung bis ins Materielle vorgestoßen und hier verkörpert, nur zu dem Zweck, um selbstbewußt zu werden, ein machtvolles, individuelles Kraftzentrum, das gegenüber der früheren unpersönlichen Namenlosigkeit eine ins Vielfache gesteigerte Macht darstellt. Wie widersinnig, wenn die zu dem erwähnten Zweck erfolgte Umkleidung mit Materie beibehalten wird, wie beklagenswert, wenn der Körper als Gefäß samt seinem unsterblichen Inhalt gegen die evolutionäre Zielsetzung handelt, in der Scheinwelt verharrt, ja, über ihr sein Streben vergißt. in ihr versinkt, zugrunde geht - zu grundegehen muß aus einem Grunde, der klar wird, wenn wir ein gefährliches kabbalistisches Geheimnis hier enthüllen. Wie der Allgeist (Gott) im Großen, im Universalen, seine Vorstellung bis zur Materie verdichtet, schafft auch der Gottesfunke für sich, im mikrokosmischen Ausmaß, seine materiellen Bedingungen, im kleinen wie im großen dem großen Atem gehorsam, die Welt zu schaffen, an ihr zu reifen zur vollendeten Souveränität (Herrschaft), und sich danach wieder von ihr zurückzuziehen, um den Entwicklungsgang weiterer Epochen zu lenken und zu überwachen. Ein Widerstreben - kurzfristig oder langdauernd - wäre verderblich, well das Große, Allmächtige vorwärtsstrebt, der kleine Funke gegen ihn brandet, gegen seinen göttliche n Willen, zurück statt vorwärts, nach unten statt nach oben: er wird zermalmt. Ja, auch kurzfristiges Widerstreben kann in einer entscheidenden Epoche verhängnisvoll sein, dann nämlich, wenn es schicksalsmäßig gilt, jetzt, in dieser Minute, sich für oben oder unten zu entscheiden. Diese Entsprechung zwischen oben und unten, zwischen Makro - und Mikrokosmos, bildet die Grundlagen der Macht des wissenden Kabbalisten: in dem einen - positiven - Fall automatisch Gottes Gnade, im anderen - negativen - die nicht zu tilgende Sünde gegen den Heiligen Geist, der als Archäus (Paracelsus) die Harmonieverteilung der Welt vornimmt. Mit dem Strom der Evolution ist der entwickelte Mensch allmächtig gleich seiner großen ^Entsprechung, der er sich einen kann, gegen ihn ein »Gefallener, der wie eine Schneeflocke vor der Sonne zergeht. Es gibt keinen besseren Schutz gegenüber der Allgewalt der Materie (der Macht des Bösen), als den Glauben an die schöpferische Allmacht, als einen Einblick in die hinter dem Irdischen liegenden Reiche, die durch die Fähigkeit des Hellsehens vermittelt wird. Der hellseherische Vorgang an sich ist rein geistiger Art: im Laufe von Jahrtausenden hat sich jedoch eine Praxis entwickelt, zwischen hier und dort eine Brücke zu schlagen durch bestimmte Exer zitien und Vorbereitungen, wie sie hier aufgezeigt werden. Allmählich und gleitend muß der Übergang erfolgen von der Welt des Irdischen und den Sinnen, die sie wahrnehmen, zu der Welt des geistig - magischen Wirkens, die ihr eigene Wahrnehmungsorgane erfordert. Der erste Schritt auf diesem Wege ist ein völliger Ausschluß der irdischen Außenwelt, das Ausschalten materieller disharmonischer Schwingungen innen und außen. Bevor wir an die nachfolgend beschriebenen Übungen gehen, sorgen wir für ein behaglich - ruhiges Zimmer, in dem wir sicher vor Störungen arbeiten können. Unsere seelische Verfassung sei die völliger Ausgeglichenheit und Harmonie. Gerade für die Anfangsübungszeit ist es wichtig, daß in den letzten Tagen keine heftigen Stürme des Zornes oder der Leidenschaften uns durchbebten. Dagegen sind Spaziergänge im Wald, über Wiesen, eine gute Angleichung. Harmonie beherrsche uns und unsere Umgebung. Hellseh- Übungen werden am besten abends betrieben, je nach Neigung und Fortschritt im völligen Dunkel oder bei »magischer Beleuchtung (lila Umhüllung). Wie und wo wir später unsere hellseherischen Eingebungen empfangen, ist nicht wichtig. Aber notwendig ist, daß die ersten Übungen an einem Tisch sitzend vorgenommen werden, aufrecht sitzend: Kopf, Nacken und Rüc kgrat bilden eine gerade Linie.
Das Licht fällt - es steht hinter unserem Rücken - so auf den Tisch, daß es den Konzentrationsgegenstand (Kristallkugel oder Spiegel usw.) beleuchtet; es darf jedoch kein Reflex entstehen, der vom Auge als störend empfunden wird oder gar schmerzhaft - scharf wie ein Dolch blitzt. Es ist gut, wenn die letzte Mahlzeit 2 - 3 Stunden hinter uns liegt. Vor Beginn der Übungen dürfen wir ein wenig Obst essen oder - besser - Obstsaft trinken, mehr nicht, weil sonst die vorher und etwa während der Übung notwendigen Atemübungen beeinträchtigt werden. Nach der vorbereitenden Atemübung 10 nehmen wir die Imprägnation aller Hilfsmittel vor. Sie sollen Brücke bilden zum Geistigen. Es ist deshalb erforderlich, daß sie diesen Befehl übermittelt bekommen, damit alle etwa vorhandenen störenden Strahlungen oder entgegengesetzten Kraftkonzentrationen beseitigt oder umgeformt werden. Zu diesem Zweck nehmen wir eine Odung aller Hilfsmittel, besonders der Konzentrationshilfe, nach folgendem Ritus vor: 1. Nach der Atemübung (Aufladung mit Öd) halten wir beide Hände im Abstand von 10 cm über eine Schüssel mit frischem Wasser. Nach unserer Vorstellung strömt das Öd in die Schüssel und wieder in die Hände zurück. Wir sehen mit der Zeit deutlich, wie der fein odische Strom hin - und hermeßt. Abschließend nehmen wir das abgegebene Öd wieder völlig in uns auf. 2. Nun überströmen wir das Öd auf die Hilfsmittel, besonders aber die Kristallkugel, nun wir - nach einer Reihe vorbereitender Übungen - sicher geworden sind, Öd nach unserem Willen abzugeben oder aufzunehmen. Rein psychologisch äußert sich die Od - Konzentration in den Händen durch verstärkte Wärme, die Abgabe durch Lösung der Od - Stauung. 3. Bei dieser odischen Imprägnierung sprechen wir unter starker Kon zentration und lebendiger Imagination: Das Öd, als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits, strömt nun auf dich über und macht dich zum harmonisch gestimmten Helfer in meinem Bemühen, eine Brücke zwischen hier und dort zu schlagen, Einblick in übersinnliche Welten zu erhalten. Nun bist du bereitet und geeignet, meine Übungen stark zu fördern und sie sehr schnell zum Erfolg zu führen. Alle Eigenschaften in dir und in mir richten sich aus auf das eine Ziel, die Fähigkeit des Hellsehens in mir zu wecken, zu entwickeln, rasch zu steigern und so zu gestalten, daß ich diese Fähigkeit jederzeit und überall nach meinem Wunsch und zum Heil aller Wesen einsetzen kann. Gott helfe es. 4. Nach dreimaligem Sprechen vorstehender Worte, unter intensiver Vorstellung des über strömenden Ods und der sich zum Krafteinsatz ausrichtenden Strahlungen in uns und in den Hilfsmitteln ist die Präparation beendet. Räucherungen Über die für Räucherungen erforderlichen Hilfsmittel und Drogen ist ausführlicher im 2. Bande dieser Reihe11 gesprochen worden. Hier wollen wir kurz das Grundsätzliche wiederholen, um auch dem neu hinzukommenden Leser eine erste Arbeitsgrundlage zu geben. Nach dem Gesetz der Entsprechung, das kraft der im vorhergehenden Abschnitt geschilderten Zusammenhänge und durch unsere Entscheidung, Vorstellung und Autorität gilt, sowie dank einer merkwürdigen magischen Wechselwirkung zwischen ähnlichen Faktoren, ist Blut von Früchten (frischer Saft) gleichbedeutend und gleich wirksam dem Blut der Tiere. Der aufwärtsstrebende Mag ier lehnt die Verwendung des Bluts von Mitgeschöpfen ab. Zudem sind die odischen Emanationen von frisch gepflückten Früchten oft stärker als die von konserviertem Tierblut. Kein magisches Werk bringt Segen, das den Opfertod eines Tieres fordert. Ein Opfer ist nur dann segensreich, wenn es nicht brutaler Gewalt anheimfällt, sondern liebend dargebracht wird. Mit Gewalt und Blut arbeitet der schwarzmagische Praktiker. Für Hellseh- Übungen wird allgemein nicht das Blut von Opfertieren 10 11
Siehe Band I: .Ritus und Zeremoniell der Magie Magische Hilfsmittel (gleicher Verfasser und Verlag).
gefordert. Es ist aber gerade für die ersten Übungen empfehlenswert, die eigenen odischen Ausstrahlungen zu verstärken durch die odischen Emanationen von besonders geeigneten Pflanzen, die wir deshalb zu Räucherungen heranziehen: Wir nehmen zu diesem Zweck: 1. Salbeiblüten, 2. Holundermark, 3. Pappelblätter, 4. Lorbeerblätter, 5. Myrrhentinktur, 6. europäische Hanftinktur (also nicht indischen Hanf - cannabis indica - , der das berüchtigte Haschisch, heute Mariuana genannt, enthält). Vorgenannte Pflanzenteile und Tinkturen sind in f ast jeder Drogerie zu erhalten und kosten nur wenige Pfennige. Ihre Wirksamkeit ist ebenso groß wie die gefährlicherer Schwestern oder Brüder, die jedoch schwer zu beschaffen sind. Wem die vorgenannten Räucherungen nicht helfen, den fördern auch stärkere Konzentrate nicht. In diesem Falle heißt es, weiter zu üben, intensiver. Die Drogen l - 4 werden auf Holzkohle verqualmt (verräuchert), die Tinkturen auf erhitztem Blech verdampft. Eckartshausen berichtet über die Wirkung solcher Räucherungen: Sobald das Rauchwerk in die Pfanne geworfen wird, bildet sich ein weißlicher Körper, der Ähnlichkeit mit der zu sehen gewünschten Person hat . . .. Je nach dem Entwicklungsstand des Ausübenden können sich also selbst bei harmlosen Räuchermitteln starke Wirkungen einstel len. Provisorische Räuchergefäße kann sich jeder nach folgender Anweisung leicht herstellen. Für die Holzkohlen - Verbrennung - auf die glühend gewordene Holzkohle legen wir die Drogen l bis 4 - fertigen wir uns aus feinmaschigem Fliegendraht ein tassenförmiges Gebilde, das wir am besten unter der Zimmerlampe (Ampel) aufhängen. Für die Verräucherung der Tinkturen besorgen wir uns aus der Drogerie ein Gestell, wie es zur Verbrennung von Insektenvertilgungs- Tabletten beigegeben wird. Die in einer solchen Packung liegenden Verbrennungstabletten (Hartspiritus) dienen durchaus auch unserem Zweck. Wir machen uns am besten einige Abende vor den eigentlichen Hellseh - Übungen (oder Vorübungen) mit der Technik des Räucherns vertraut. Die odischen Kräfte der Blätter u nd Tinkturen werden durch Verräucherung gelöst und ziehen - durch den Hellsehprozeß beschworene - Kräfte an: Kräfte des Experimentierenden und oft schon nach einigen Versuchen auch Kräfte von außen, also bisher latent liegende (verborgene) kosmische Strahlungen, die mehr oder minder spürbar, aber oft auch überraschend greifbar sind. Der ganze Prozeß jedoch dient nach unseren autosuggestiven Erwartungen der Herbeiführung hellseherischer Phänomene. Narkotika Ein kurzes Wort wollen wir hier den Narkotika widmen12. Zunächst einmal: mit ihnen zu arbeiten, ist stets mit erhöhter Gefahr verbunden, das heißt, die bei magischen Experimenten vorhandenen Gefahrenmomente werden durch unbekannte Gefahrenpunkte vervielfacht. Es ist richtig, daß einige Narkotika die Eigenschaft haben, magische und vor allem hellseherische Fähigkeiten - vorübergehend zu lösen. Der ernsthaft Strebende sollte jedoch den längeren aber zuverlässigen und bleibenden Weg der eigenen Entwicklung gehen. Gerade die oft leicht zu pflückenden Früchte n arkotischer Wirkungen verleiten dazu, das bei magischem Tun Wichtigste zu übersehen, daß nämlich Magie stets nur ein Weg zurück, zur Heimat ist, der nur durch systematische Entwicklung begangen werden kann. Wer zufällig ein geeignetes Narkotikum zur Verfügung hat und das Risiko eingehen will, mit ihm zu arbeiten, halte sich dabei an folgende Grundsätze: 1. Mindestens die ersten Übungen mit Narkotika nur in Gegenwart eines Assistenten vorzunehmen, am 12
Ausführlich wird das ganze Gebiet besprochen im Band VII: Magie und Toxikologie*.
besten eines Arztes oder Pharmakologen (Arzneimittelkundig en). 2. Als Anfangsdosis die geringst mögliche zu nehmen, gegebenenfalls eine Verdünnung. 3. Bei der ersten unangenehmen oder bestürzenden Wirkung das Experiment sofort abzubrechen und ein vorher bereitgestelltes Gegenmittel - das der Fachmann kennt, zusätzlich aber auch Kaffee, Herz und Kreislaufmittel - zu nehmen - ebenso vorsichtig dosiert wie das Gift selbst. 4. Die Fenster des Arbeitsraums bei Räucherungen von Narkotika aufzureißen und alle Dünste abziehen zu lassen, auf keinen Fall in ihnen zu schlafen. Die unter dem nachfolgenden Abschnitt Schutz angeführten Maßnahmen gelten verstärkt für Experimente, die unter Benützung von Narkotika vorgenommen werden. Vergessen wir niemals, daß die Wirkung magischer Gifte eine doppelte ist: die Wirkung des Giftes selbst und eine undefinierbare, bei jedem Menschen anders auftretende magische Einwirkung, die zu den verblüffendsten oder zu schrecklichen Folgen führen kann. Deshalb ist es am besten, von allen Giften die Finger zu lassen; sie können unter Umständen, di e ständig wechseln, den Erfolg einer ganzen Übungsreihe zunichte machen. Schutz Selbst unter der Voraussetzung, daß ein für magisches Werk gut veranlagter Mensch sich recht bereitet hat (siehe folgenden Abschnitt Bereitung), ist das Treffen von Schutzmaßna hmen eine unumgängliche Notwendigkeit, und zwar mehr noch für den vorstehend Charakterisierten, denn für einen Studierenden, der sich mühsam erst die Grundlagen erarbeiten muß und deshalb viel langsamer in magische Bereiche und Gefahrenquellen eindringt. Nur ein gesunder Mensch, Herr seiner Nerven und geistesgegenwärtig, sollte sich magischen Übungen hingeben. Zwar wird im allgemeinen einem Kranken magisches Werk nicht gelingen, doch gilt dies zum Beispiel nicht für eine gewisse Art von Nervenkrankheiten, die im Gegenteil eine gefährliche Anziehungskraft auf bestimmte Wesenheiten ausüben. Kranke dieser Kategorie, unmöglich in schwierigen Situationen Herr über diese oder über sich, sind ganz besonders gefährdet und müssen auf jeden Fall zunächst auf völlige Wiederherstellung ihrer Gesundheit bedacht sein, ehe sie sich einem so exponierten Gebiet nähern, wie es der Okkultismus darstellt. Wenn jedoch ein gesunder Mensch voller Harmonie, Selbstlosigkeit und ethischem Streben, mit fundierter Weltanschauung, magische Experimente durchführt, wird ihm unter Beachtung der nachstehenden Punkte kaum je etwas geschehen können, es sei denn, er lieferte sich selbst vernichtenden Kräften aus oder betreibe schwarze Magie (Arbeit mit magischen Mitteln zu egoistischen oder verbrecherischen Zwecken). Der eigentlichen Vorbereitung sollte wenigstens 8 - 10 Tage vor Beginn der Übungen eine möglichst weitgehende Abkehr von weltlicher Unrast und Lockung vorangehen. Es ist empfehlenswert, für die Übungen ein eigenes Gewand bereitzulegen und, wenn möglich, einen Raum zu benutzen, der nur für magische Arbeit zur Verfügung steht und von dem Übenden allein betreten und gereinigt wird. Vor Beginn jeder Übung - das gilt besonders für den Anfang - ist der Arbeitsraum durch Räucherung von Weihrauch zu reinigen und mit dessen segensreichem Öd zu füllen (Weihrauch ist auch »geronnenes Pflanzenblut: das Harz des Stammes). Leser, die im Besitz des I. Bandes sind, werden sich an die Schutzhülle gewöhnt haben, die imstande ist, mit der Zeit jegliches Ungemach, jede Störung fernzuhalten, jede helfende Kraft anzuziehen. Daß magischer Arbeit eine körperliche Reinigung (rituelle Waschung) vorangehen soll, bedarf wohl kaum der Erwähnung, doch muß der körperlichen auch die seelische Desinfektion folgen: Beic hte in stillem Gebet, Dank, Überantwortung in den Schutz des Höchsten. Das Lesen von Psalmen, von denen einige von bekannt magischer Wirkung sind (Nr. 91, 30, 51, 38 usf.), ist stets von fördernder und schützender Wirkung. Wer dazu die unerschütterliche Üb erzeugung in sich trägt, daß er unter dem Schutz der Allmacht keiner Gefahr anheimfallen kann, daß alle guten Kräfte angezogen und zur Mithilfe aufgerufen, alle bösen Mächte aber abgestoßen und vertrieben
werden, hat die sicherste Schutzwehr gegen jede Unb ill, die ihm etwa begegnen könnte. Prädisposition Von den Naturtalenten abgesehen (Medien, Menschen mit dem zweiten Gesicht usw.), sind prädisponiert für okkulte bzw. hellseherische Tätigkeit lediglich sensitive Menschen. Der Vorsprung, den diese für die Magie besonders Geeigneten gegenüber ihren Mitmenschen haben, kann aufgeholt werden durch größere Zähigkeit, intensiveres Mühen, kurz, diese Sensitivität kann erarbeitet werden. Die bisher erschienenen Ausgaben dieser Buchreihe verfolgen u. a. durch viele Ü bungen das Ziel, diese Sensitivität als Grundlage hervorzurufen und so eine Ausgangsbasis für schnellere Fortschritte zu schaffen. Wer sich bisher weder mit magischen Exerzitien befaßt hat, noch zu den Sensitiven gehört, wem also nach einigen Hellseh- Übungen noch keine Erfolge in den Schoß fallen, gebe sich nicht von vornherein geschlagen. Er benötigt nur eine längere Anlaufzeit, um dann aber um so sicherer und schneller fortzuschreiten. Die Feststellungen der Psychologen (und Pädagogen) beweisen, daß ein Talent nicht immer ein Vorteil ist. Sehr oft verführt es zur Nachlässigkeit - da die Erfolge in guten Zeiten allzuleicht kommen - und zur Schwäche gegen sich selbst, so daß in harten Zeiten, die für jeden unter uns einmal kommen, der Talentierte scheitert und der Durchschnittsmensch durch erworbene und ständig geübte Härte und Zähigkeit vorankommt. Genau so verhält es sich auch im Magischen. Leider gehen Sensitivität, Willenskraft und Beharrlichkeit nicht Hand in Hand, im Gegenteil: sehr oft sind Sensitive labil und gegenüber Schwierigkeiten nachgiebig und verlieren so den Vorsprung, den sie den anderen voraus hatten. Die Bücher der praktischen Magie rechnen mit dem Durchschnitts - Menschen, der sich über den Durchschnitt zu erheben wünscht, nicht mit dem Ge nie, das seine eigenen Wege geht. Alle Übungen sind also für die Gruppe bestimmt, die nun einmal den höchsten Prozentsatz unter uns ausmacht. Es folgt aber auch aus diesen Feststellungen, daß der Sensitive sorgfältiger noch als andere die Übungen absolvieren muß, um nicht das Opfer seiner Begünstigung zu werden. Alle aber werden mit heiterer Gelassenheit an Übungen gehen, die vielleicht Wochen, ja Monate lang kein Ergebnis zeigen mögen, dann aber plötzlich Erfolg an Erfolg reihen lassen. Typen Die Sensitiven, von denen wir vorstehend sprachen, finden wir vor allem in einer Gruppe, die man mit Bilddenkern bezeichnet, also jenen, die sich bei jedem Gedanken, jeder Empfindung, jedem Wort sofort ein Bild vorstellen, während der scharf ausgeprägte Gegentyp - es gibt selbstverständlich alle Übergänge - , der Wortdenker, beim besten Willen nicht imstande ist, sich auch nur eine Person vorzustellen, mit der er gerade gesprochen hatte. Diese beiden Grundtypen sind nicht streng geschieden, gehen ineinander über, zerfal len in Untertypen. So finden wir optischaufnehmende Individuen - die nur aufnehmen, was sie sehen, lesen usw. - in beiden Grundtypen genau so, wie akustisch empfindende Menschen, die alles hören müssen, um es zu behalten, zu verarbeiten usw. Die Pädagogik arbeitet - um sicher zu gehen - stets ihre Lehrbücher und Methoden für beide Gruppen aus; und der erfahrene Pädagoge richtet den Unterricht so ein, daß er gleichermaßen die optisch wie die akustisch Aufnehmenden anspricht, also Auge und Ohr zum Recht verhi lft. Für uns ist wichtig, zu wissen, daß der Wortdenker im Verlaufe der Übungen zum Bilddenker wird, werden muß, und daß der akustisch Verarbeitende auf optische Aufnahme umschaltet. Demnach scheinen die Bilddenker (das sind ja meistens Sensitive) und die optisch Empfindenden ihrem Gegentyp etwas voraus zu haben. Nun, hier gilt das unter dem Abschnitt Prädisposition Gesagte entsprechend. Das Auge ist das am meisten gebrauchte und empfindlichste Organ des Menschen. Dazu steht es über Hirn und Nervenzentrale in engstem Rapport mit den magischen Rotationsquellen (Chakren) des menschlichen Organismus.
Alle Übungen dieses Buches beschäftigen zunächst das Auge und wirken dann tiefer. Die Nutznießung hat also jeder Übende, gleich welchen Typs, wenn er nur unverdros sen und gemäß den Anleitungen übt. Die ersten werden die letzten sein! Dieses Wort gilt auch für die magische Arbeit, die höchster Dienst ist am Werk und an sich selbst. »Bereitung Die Faust eines Riesen stößt - wir wollen mit der Bildhaftigkeit eine klare Vorstellung als Halt und Richtung gewinnen - durch die schützende Eisschicht eines klaren Gewässers vor und taucht wieder heraus, durch die starre Kälte des Raumes im Nu von einem Eispanzer umgeben. Die Faust des - nehmen wir an: unsichtbaren - Riesen ist nicht zu sehen, nur die Umkleidung von Eis, von dem wir für unser Beispiel annehmen, daß es von der Körperwärme nicht sofort geschmolzen wird, nur die Eiskruste also wird von den materiellen Sinnen wahrgenommen. So wird von den irdischen Sinnen auch nur der Körper des Menschen wahrgenommen, der Funke des Alls in ihm (die Faust) nicht, und schon gar nicht der Riese, der die bewegende Kraft der Faust und ihrer Umkleidung ist. Wir müssen das Eis, das die Faust umkleidet, durchstoßen, der Kraft des Inneren den Weg zur Kraft nach außen und die Rückkehr zum Riesen (dem unendlichen Geist, dem hinduistischen Lichtmeer der Gottheit) ermöglichen: wir müssen den Funken dem All, seinem Ursprungsgeschoß, zurückgeben, versehen mit individueller Autorität, mit Erfahrungen und Selbstbewußtsein. Obwohl die unsterblichen und der irdische Körper nicht so schroff geschieden sind wie Faust und Eispanzer, sondern ineinander übergehen, miteinander verschachtelt sind, ist der hier angewendete Vergleich recht instruktiv: Die Überwindung des Körperlich - Irdischen (Zertrümmerung des Eispanzers) ist der gründlichste, sicherste, schnellste Weg zur Erschließung der Seelen - Heimat. Je klarer und hoch - schwingender die Seele ist, um so höher ist die himmlische Welt, der sie kraft dem Gesetz der Angleichung zustrebt. Wir Menschen haben wenig Talent, über Nacht zu Engeln zu werden, aber: je weiter wir unser Ziel stecken, desto größere Wegstrecken werden wir zurücklegen, und je höher unsere Forderungen an Ethik und Moral sind, um so mehr werden wir erreichen. Die Bereitung - wir haben es immer wieder gesagt - liegt im wesentlichen darin, den erwünschten Ebenen gleich zu werden, frei von Begierden, Wallungen, egoistischen Wünschen und Trieben. Haben wir auch nur einen Teil der Übungen konseque nt durchgeführt, die uns in den vorangegangenen Titeln erläutert wurden, sind wir recht bereitet, auch für die Übungen des vorliegenden Buches und werden schnell zu Erfolgen gelangen. Dann sind auch der absolute (kosmische) Wille, die Glaubenskraft in uns zu einem nicht hoch genug einzuschätzenden Kraftfaktor geworden, mit dem nahezu jedes magische Werk erreicht werden kann. Wollen wir uns aber einer besonderen Bereitung, einer letzten, hohen Weihung unterziehen, gehen wir in die Einsamkeit, fasten, beten, atmen mit dem All und seiner Schöpfung: nach einer solchen Bereitung aufgenommene Übungen gelingen erstaunlich gut. Übungsgruppe I: Vorübungen Zu der Bereitung gehört noch - wegen der Wichtigkeit setzen wir diesen Punkt an die Spitze der Vorübungen - der am besten schriftlich niedergelegte Entschluß, die Zielsetzung, und eine Umschaltung im Sinne des Abschnitts Tatsachen und Hypothesen. Wir nehmen die im Abschnitt Hilfsmittel erläuterten, inzwischen von uns hergestellten Augentafeln mit Stern, Sonne, Kreisen und Dreieck zur Hand. Der Arbeitsraum, wir selber, sind »hergerichtet nach den Anleitungen des Kapitels Vorbereitung, das Zimmer ist durch Weihrauch - Öd entgiftet, die hinter uns brennende Glühbirne verhüllt. A. Wir nehmen die Tafel l (weißer Stern auf lila Grund) zur Hand, halten sie, gerade sitzend, mit aufgestützten Händen vor uns hin, so, daß wir fünf Minuten ohne Verkrampfung bequem sitzen können. Wir achten von Anfang an darauf, daß wir nicht die Lider bewegen und die Augäpfel völlig
ruhig halten. Das ist nur bei den ersten Übungen schwer, gelingt dann aber bald ohne Anstrengung auch für lange Zeiten. Die erste Übung - Betrachtung der Tafel l - dauert nur fünf Minuten. B. Wir haben uns so gesetzt, daß das Licht der verhüllten Glühbirne über unseren Rücken auf das Vorbild fallt und sich vor uns die - möglichst gleichförmig dunkle - Wand befindet, denn auf diese wollen wir jetzt den Reflex - das Abbild des Sterns und seiner Umgebung - werfen. Je konzentrierter wir das Vorbild betrachtet haben, desto lä nger können wir das Abbild, den Augenreflex - wieder mit unbewegten Augen und Lidern - auf die Wand vor uns werfen. Dabei wird der in der Vorlage weiße Stern nun in lila Nachbildung erscheinen, während die Umgebung sich heller abhebt (Komplementärfarben, die jedoch durch die Färbung der Wand, auf die der Reflex fällt, beeinflußt werden). Wir versuchen, das Abbild ebenfalls fünf Minuten festzuhalten. Gelingt dies bei den ersten paar Malen nicht ganz, brechen wir trotzdem hier (bei den ersten drei) die Übung ab. C. Am nächsten Abend nehmen wir Vorbild 2 (0) und betrachten es, geben sie wieder nach den Richtlinien A/B. Wir versuchen, das Abbild genau solange festzuhalten, wie wir das Vorbild betrachteten, also je fünf Minuten. Der Sonnenreflex erscheint uns in einem zauberhaften Grün. D. An den nächsten Abenden folgen die Vorlagen 3 (Kreise) und 4 (Dreieck). Die Kreise erscheinen in den Komplementärfarben, also rot für grün, grün für rot und gelb für blau. Am wichtigsten sind Vorlage und Reflex von Tafel 4: Weißes Dreieck in weißem Kreis auf rotem Grund. In der Wiedergabe erscheinen Kreis und Dreieck rot, die Umgebung grün. E. Wir beginnen dann wieder mit Tafel l und verlängern Betrachtung und Wiedergabe auf je zehn Minuten (Gesamt - Übungsdauer 20 Minuten). Diese Zeit wird auch bei 2 bis 4 nicht überschritten. Wir wollen darauf achten, daß die Reflexfarben anders sind als natürliche Farben: magisch verändert. Wir werden bei folgenden Übungen noch Gelegenheit haben, uns dieser Betrachtungen zu erinnern. Für diejenigen unter uns, denen trotz der Übungen in den vorhergehenden Büchern die Farben Sicherung noch nicht vollkommen gelang, wollen wir darauf aufmerksam machen, daß vorstehende Übungen die Fähigkeit des farbigen Sehens (in der Imagination) wesentlich steigern. Schließen wir zum Beispiel nach Betrachtung einer der Tafeln die Augen und halten sie auch jetzt unbewegt, erblicken wir nach einigen Sekunden zwischen geschlossenem Lid und Auge eine verkleinerte Wiedergabe der Vorlage buntfarbig (Gegenfarben): Auf di ese Weise wird auch das innere Auge erzogen, eine Farbe zu denken. Über die Farbensicherung hinaus sind die vorstehenden Übungen eine wunderbare Stärkung für die Augen - falls diese nicht ausgesprochen krank sind: dann dürfen diese Übungen nicht vorgenommen werden - und eine gute Vorbereitung auf die Erlangung der hellseherischen Befähigung sowie ein Mittel zur Steigerung von Konzentration und Imagination und eine Einführung in magische Erlebnisse, wie sie besonders in bestimmten Stadien der noch folgenden Übungen auftauchen. Technik Je nach der individuell verschiedenen Veranlagung des einzelnen, unterscheiden wir drei magische Stadien, die dem Hellsehen selbst voranzugehen pflegen: l. Nach einiger Zeit der Übung - manchmal auch plötzlich, fast ohne Übergan g - erfolgt ein Hineingleiten in eine seltsam beleuchtete magische Welt - oft ist es auch so, als gleite - man nicht hinein, sondern als käme eine dunkelglimmende (magisch - durchleuchtete) Glocke über uns - , die manche Ähnlichkeit aufweist mit den Farberlebnissen der Vorübungen. Es ist ein seltsam - rätselhaft durchleuchtender Untergrund, auf dem, sobald er uns umfing, sehr bald die Bilder abrollen. Ohne Zweifel erscheint dieser magische Untergrund nur dann, wenn eine bestimmte psychische Veränderung eingetreten ist, auf die wir noch zu sprechen kommen. 2. Der vorstehend erläuterte Vorgang ist gewissermaßen ein komplexer, der oft übergangslos eine magische Welt mit ihren Erscheinungsformen über uns stülpt oder um uns erwachen läßt, in der wir nicht mehr sind; der zweite Weg entspricht mehr systematischer Kleinarbeit und wird nach und nach
entwickelt. Bei der konzentrierten Fixierung der Hellsehfläche - wir nehmen stets eine Kristallkugel an - geraten wir ebenfalls im Verlaufe einiger Übungsabende in eine Ar t autohypnotischen Zustandes, in dem nun sonderbare Veränderungen mit dem Glase vor uns vor sich gehen: Verfärbungen, Verschwinden, Flackern von Flammen und Funken (vergleichbar den Protuberanzen, die aus der Sonnenperipherie schlagen). Daran schließen sich Stadien, wie sie in den weiteren Übungen geschildert werden, an. 3. Es kommt auch nicht so selten vor, daß der Übende fast keine oder nur geringfügige Veränderungen in sich, um sich, im Konzentrationsobjekt bemerkt, nach einigen Wochen beginnt, den Mut z u verlieren. Er sage trotzdem immer wieder vor sich hin: Täglich steigern sich in mir Konzentrations und Odkraft, so daß die Fähigkeit des Hellsehens sich täglich mehr und mehr entwickelt und zum Durchbruch kommen wird. Dann plötzlich aber - es braucht durchaus nicht während einer Übung zu sein, sondern vielleicht vor dem Einschlafen, nach dem Erwachen, bei einem Blick in das Dunkel, nach einem Schock, bei einem Blick auf eine glänzende Fläche, in der Entspannung oder in einem Augenblick der Selbstvergessenheit usw. - überraschend sind wir ganz urplötzlich in einer anderen Welt, etwa wie sie unter l. soeben beschrieben wurde, oder erhalten einen hellen Ausschnitt auf oder in ihr. Diese Lichtblicke werden dann häufiger - wenn die Übungen fortgesetzt werden - , stellen sich dann auch bei den Übungen ein, können bald jederzeit, unter allen Umständen, willensmäßig erzeugt werden. Der magische Untergrund zieht uns in seinen Bann, wir vergessen uns selbst, gewünschte Bilder erscheinen. Übungsgruppe H: Grundübungen A. Unter den bekannten Versuchsbedingungen setzen wir uns vor die Kristallkugel, derart, daß die Kugel in Augenhöhe - evtl. auf einem Gestell, einer Vase o. ä. - auf einem schwarzen Tuch gebettet vor uns steht. Die Kugel ist zuvor von uns odisch präpar iert worden (samt Tuch usw.), getreu der gegebenen Anleitung. B. Wir nehmen zunächst einen Punkt der Kugel in Augenschein, eine hellere Spiegelung o. ä. Wir dehnen im Verlaufe mehrerer Übungsabende die Betrachtung des Punktes auf der Kugel - Oberfläche von 5 Minuten ausgehend bis zu 10, dann 15 Minuten aus. Auf keinen Fall bewegen wir Augen oder Lider; beginnen die Augen zu tränen, brechen wir die Übung ab, nehmen sie entweder nach einigen Minuten, oder - wenn die Übungszeit fast herum ist - am nächsten Abend wieder auf. Auf keinen Fall soll die Anfangsübungszeit von 15 Minuten überschritten werden. C. Am dritten oder vierten Übungsabend konzentrieren wir unseren Blick vor die Glasfläche der Kugel, sehen also nicht mehr direkt in das Glas, sondern auf die Fl äche direkt vor ihr. D. Wir achten streng darauf, daß wir nicht in Verkrampfung fallen; der Blick soll fest, aber ungezwungen - gelassen sein, die Haltung gelockert, bereit zur Entspannung. Die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, leicht gekrümmt; wir atmen ruhig und gleichmäßig. E. An und nach den ersten Übungsabenden werden wir außer Brennen auch leichte Augenschmerzen haben, genau so, wie wir unter Muskelkater leiden, wenn wir ungewohnt viel gelaufen sind. (Anmerkung für Leser, die Augengläser tragen: Der Übende muß ausprobieren, ob ihm mit oder ohne Gläser die Übungen besser gelingen, vor allem, wie es ihm am leichtesten möglich ist, sich ganz auf das Konzentrationsobjekt zu konzentrieren.) Die erwähnten leichten Augenbeschwerden schalten wir - am besten jeweils nach der Übung anzuwenden - durch folgende Augenübung aus: Wir atmen tief ein und halten den Atem an. Während wir den Atem zurückhalten, leicht, ohne Zwang, rollen wir beide Augen nach unten, von da nach rechts, nach oben und nach links. Bei jedem A temzug (Zurückhaltung des Atems) rollen wir das Augenpaar dreimal umher, um dann auszuatmen. Nach einer normalen Zwischenatmung beginnen wir von neuem, bis zu höchstens fünf Atemzurückhaltungen. F. Werden die Übungen in der vorgeschriebenen Weise durchgefü hrt, wird uns gar nicht mehr bewußt, daß wir starren. Wir spüren die Anspannung nicht mehr, im Gegenteil: des Körpers - der kerzengerade
gehalten wird, aber angelehnt werden kann - bemächtigt sich im Verlaufe der Kugelfixierung eine bestimmte Müdigkeit, die von Abend zu Abend schwerer wird. G. Im Verlaufe weiterer Übungsabende geht - trotz ununterbrochener Fixikation des Kristalls - die Körperschwere in Wärme über: es bemächtigt sich unser bald das sogenannte Körper - Nichtgefühl, eine völlige Entspannung, ein halb - tranceartiger Zustand. H. Inzwischen sind auch mit der unablässig betrachteten Kugel einige Veränderungen vorgegangen: die Augen haben sich mehr und mehr an die ihnen aufgezwungene Tätigkeit des reglosen Starrens gewöhnt. Je länger wir aber - ohne blinzeln, ohne Lidbewegung - auf den Raum vor die Kugel starren, desto sonderbarer sind die Veränderungen, die mit dem Kristall vorgehen. I. Sind wir bis zu diesem Punkt vorgedrungen, d. h. bemerken wir die angedeuteten Veränderungen des Kristalls, auf die wir noch zurückkommen, und hat sich des Körpers Schwere und Wärme bemächtigt, sind die Grundübungen beendet und wir gehen zur nächsten Phase über. Übungsgruppe in: Einstellung auf einen »Punkt im All Dem Gesetz der Entsprechung folgend, steht der Punk t vor dem Kristall, den wir bei unseren Übungen anstarren, dem »Punkt im AU gleich, d. h. daß alle Kräfte, die im Verlaufe der Übungen geweckt, entwickelt, verstärkt und eingesetzt •werden, sich auf diesen Punkt sammeln und nach unserer Vornahme einen x - beliebigen Ort und seine Geschehnisse zitieren. A. Wir erweitern die Übungsdauer nach drei bis vier Wochen auf 20 Minuten Gesamtdauer, d. h. jedoch, daß wir auch dann, wenn wir mehrmals abbrechen mußten, zunächst diese Zeit nicht überschreiten. Bei Beschwerden, die trotz der angegebenen Augenübung auftreten und nicht schwinden, breche man die Übungen ab und suche einen Augenarzt auf. Erst wenn dieser versichert, daß die Augen gesund sind, nehme man die Übungen wieder auf. Schwere und Müdigkeit - die in den Augen überwunden werden müssen - des Körpers müssen immer stärker spürbar werden, eine bleierne Schwere und eine wohlige Wärme und Behaglichkeit durchfluten uns und wollen uns zwingen, die Augen zu schließen. Dieser Versuchung zu widerstehen ist schwer, aber nicht unmöglich. Tausende blieben in diesem Kampf Sieger. B. Wir halten nach wie vor - wenn auch mit leicht geschlossenen Augen - den Punkt vor dem Kristall fest und kümmern uns nicht darum, was es etwa auf oder im Glas zu sehen gibt. C. Es ist wichtig, darauf zu achten, daß die Augen von dem gedachten Punkt nicht abgleiten. Die Konzentration auf diesen Punkt wird uns später gestatten, jeden Ort, jede Zeit, jedes Geschehnis, jedes Problem an seine Stelle zu setzen, an der Stelle dieses Punktes jede Antwo rt auf gestellte Fragen zu lesen. D. Wir müssen uns vor dem Fehler hüten, eigene Vorstellungen in das Glas oder davor zu projizieren: das wären Halluzinationen. Wir dürfen in dieser Phase der Übung auf nichts achten als auf die Körperschwere und Wärme und auf den Punkt im All, sowie auf Unbeweglichkeit von Auge und Lid. E. Es kommt bei dem einen Übenden früher, bei einem anderen später, bei jedem bald aber einmal vor, daß plötzlich der ganze Raum trotz seiner - gedämpften - Beleuchtung einschließlich Kristall ins Bodenlose absinkt. Darüber werden wir nicht verstört, sondern gleiten mit, lassen uns fallen. Wenn wir uns sträuben, können Übelkeit oder Furcht die Folgen sein. F. Wir haben keine Suggestion gesetzt, etwas zu sehen; bisher erwarten wir nichts als eine präzise Erfüllung der gestellten Aufgaben, deren Bewältigung allein Garantie ist für erfolgreiche Arbeit. G. Wir setzen die Übungen bis zu dem angegebenen Stadium - ungeachtet aller etwa sonst noch auftretenden Sensationen - insgesamt vier Wochen fort. Diese Zeit ist als Minimum notwendig, um die mit den Augen korrespondierenden Hirnpartien und Nervenzentren in Entwicklung zu versetzen, in eine Entwicklung, die bei fortgesetzter regelmäßiger Übung nicht mehr aufgehalten wird.
Übungsgruppe IV: Erscheinungen Erscheinungen, die wir etwa im Kristall, an seiner Peripherie oder in seiner Umgebung sahen, haben wir bisher ignoriert; Entwicklungen, die sich in uns anbahnen, sehen wir auch nicht, obwohl sie in jedem Menschen mehr oder weniger stark wirksam werden. Wir wollen diesen wichtigen Punkt hier deshalb betonen, weil wir erlebt haben, daß Übende ungeduldig wurden, da sie scheinbar trotz aller Mühen und Anstrengungen keine Erfolge oder Fortschritte erzielten. Das aber ist ganz erklärlich. Der ganze vielfältige Organismus des Menschen muß sich erst auf die Übungen »umstellen und dabei gewaltige Veränderungen auch in seinen höheren Körpern (Öd - , Mental - , Astralkörper) herbeiführen, die wohl erfolgen, aber zunächst nach außen, im körperlich - irdischen Sinne, noch nicht bemerkbar werden. Dieser Prozeß - ein mehr oder minder langes Übergangsstadium - ist vergleichbar dem Winter, währenddem unter Schnee und Eis das Korn wächst und die Frühjahrsblüte sich vorbereitet. Räucherungen haben wir noch nicht vorgenommen , mit Ausnahme der Entgiftung des Raumes durch Weihrauch, der auch sonst eine günstige Wirkung auf unsere Arbeit ausübt. Es ist notwendig, jetzt daran zu erinnern, daß mit dem Übenden und um ihn zweierlei geschieht: Eine Ausschaltung des irdischen Körpers durch Müdigkeit und Schwere, die dem passiv - magischen Zustand von Trance (Autohypnose) voranzugehen pflegen, und eine »Entwicklung seiner Augen, die allmählich sensibel werden für feinodische Kräfte, gleich woher sie kommen. Wir kümmern uns zunächst um d ie Haltung des Körpers überhaupt nicht, sondern wenden nun unsere Aufmerksamkeit dem zu, was hinter dem Punkt mit dem Kristall - oder in ihm - geschieht. A. Wenn wir von nun ab und etwa 14 Tage lang unsere Aufmerksamkeit dem Kristall zuwenden und unseren Körper soweit wie möglich vergessen, dann soll damit nicht gesagt sein, daß wir den Punkt aufgeben: er wird nach wie vor weiter beobachtet. Da sich dieser Punkt aber vor dem Glas, etwa in seiner Mitte, befindet, können wir auch ohne Bewegung von Auge und Li d den Kristallhintergrund mit erfassen. Das zu üben, ist nun unsere Aufgabe, wobei der Schwerpunkt der Fixikation auf den Punkt gerichtet bleibt. Die Augen und Lider bleiben in jedem Fall unbeweglich. In dieser Erziehung des Auges liegt der entscheidende Schritt zu seiner Sensitivierung. Diese aber ist die Voraussetzung für Aufnahme und Widergabe der aus dem Innern kommenden astralen Bilder, die oft von außen verstärkt werden durch kosmische Kräfte: sobald die Grenze zwischen »hier und »dort durch unseren » Zustand verwischt, aufgehoben wird. B. Wir werden in diesen Übungstagen - falls es nicht schon vorher geschehen ist - den Kristall einmal in Dunkelheit versinken, einmal in allen Regenbogenfarben - vor allem an seinem Rand - erglühen sehen. Seine Oberfläche nimmt, wenn wir übend weitergehen, mählich eine sonderbare Färbung an; die Spiegelungen, die bisher von den Möbeln, den Wänden, auf das Glas geworfen wurden, sind wie fortgewischt, das Glas erscheint plötzlich dunkel, geheimnisvoll, oder leuchtend, in einer Färbung, die uns aus den Vorübungen bekannt erscheint. C. Die »trockenen, weißlichen Flammen (anders kann man sie kaum nennen), über die wir vorher als eine Art Sonnen - Protuberanzen sprachen, schlagen nun aus der Glasmitte, aus seinem Rand, »beleben den fixierten Punkt. D. Nun scheinen sich diese grau - weiß - gelblichen Flammen in das Innere des Glases zurückzuziehen, tauchen an anderen Stellen des Glases auf, wandern hin und her. Der Körper ist wie ausgelöscht. Wir sind allein auf der Welt, allein im Kosmos mit dem Punkt, den wir fixieren, und dem Kristall hinter ihm. E. Die vorstehend erläuterten Erscheinungen verstärken sich im Verlaufe weiterer Übungen, die wir wenn wir uns umgewöhnt haben - nunmehr unbedenklich auf eine halbe Stunde ausdehnen k önnen. Der Übungsplan sollte eingehalten werden, auch wenn die Reihenfolge der aufgeführten Phänomene anders ist, als hier - Durchschnittsbeobachtungen entnommen - verzeichnet wird. Der Übungsplan steht
fest, und wir sorgen uns nicht darum, wenn bei uns ei ne Abweichung von der Norm erfolgt. Es ist angebracht, ein Übungsberichtsbuch zu führen, das etwa folgende Punkte enthält: 1. Gesundheit (wer leichte Unpäßlichkeiten festhält, wird den Zusammenhang zwischen ihnen und fehlendem Fortschritt feststellen könne n). 2. Wetter - bei vielen sind unterschiedliche Resultate nach offenem Wetter und bewölktem Himmel oder Regen usw. feststellbar. 3. Emotionen: eine Kontrolle über heftige Gemütsbewegungen, wie Neid, Haß, Zorn, Leidenschaft, die leider nicht immer ganz vermieden werden können, zeigt die Beeinträchtigung der Übungen durch sie. 4. Stand des Mondes. 5. Beginn der Übungen: wir sollten stets die gleiche Stunde und Minute wählen. 6. Dauer der Übung. 7. Resultate. 8. Bemerkungen: zur Verwertung für nächstfolgende Übungen. 9. Übungsgruppe. Es wird auffallen, daß in vorstehender Tabelle der »Stand des Mondes gesondert aufgeführt wird. Wir werden sehr bald bemerken, warum das geschieht. Bei regelmäßiger Übung wird gegenüber mondarmen Abenden (also bei Neumond, Viertel mond usw.) die Übungszeit während des Vollmondes – auch schon davor und danach - bei den meisten Studierenden besonders ertragreich sein. Der Mond fördert gerade Hellsehübungen ungemein und wirkt auf die Zentren, die für die Herbeiführung somnambul - hypnotischer Zustände und verwandter Einstellungen maßgeblich sind. Übungsgruppe V: Farben und Schleier Der Übergang von der Übungsgruppe IV zu V ist die entscheidende Phase der ganzen Versuche. Es kommt hier mehr als vorher darauf an, jeden nicht zur Übung geh örenden Gedanken völlig auszuschalten, d. h. also, nur auf die Realisierung der Suggestion (des Erwarteten) sich zu konzentrieren, noch besser aber auf völlige Leere (da dieses Vakuum der Erwartung entsprechende Kräfte anzieht). Machen sich Störungen im Gedanken - oder Gefühlsleben bemerkbar, unterbrechen wir die Übungen und bemühen uns zunächst, einen Standpunkt völliger Unbeschriebenheit zu gewinnen. Vor allem hüten wir uns vor Depression, Furcht, Unruhe, Nervosität, Aufregung, Anstrengung, Verkrampfung. Für die unter uns, deren Gedanken trotz allem immer wieder abschweifen, also nicht auf das Übungsziel gerichtet sind, gilt es, nachstehende Punkte strenger zu beachten: 1. Materielle Infiltrationen vor den Übungen zu meiden (alle Gemütsbewegungen, Depressi onen, sowie Anregungen, wie Kaffee, Bier, Medikamente, Narkotika, Lustbarkeiten). 2. Stärkere Abkehr vom Materiellen zu pflegen (Genußmittel einzuschränken). 3. Etwaige gesundheitliche Störungen zu beseitigen. 4. Stärkere Anreicherung mit gesundem Öd vorzunehmen. 5. Stählung des kosmischen Willens. 6. Konzentrationsübungen zu betreiben 13. Unter materiellen Infiltrationen verstehen wir alle der Harmonie widerstrebenden Gemütsbewegungen, aber auch seelische oder körperliche Erschöpfungszustände. Die stärkere Abkehr vom Materiellen besteht im Vermeiden aller Dinge, die den Organismus einer höheren Schwingungsrate entziehen. Auch vorübergehende gesundheitliche Störungen (Kopfschmerzen, rheumatische Anfälle, Erkältungen) machen grundsätzlich ein Gelingen der Übung, wenigstens aber Fortschritte, unmöglich. Man sollte an solchen Tagen also nur das Pflichtpensum erledigen, um nicht zurückzufallen. Wichtig ist vor allem die Anreicherung mit gesundem Öd und erforderlichenfalls Durchführung von Konzentrationsübungen. 13
Band III: »Konzentration als magische Kraft.
Über alle diese Gebiete haben wir in den vorangegangenen Ausgaben so oft und ausführlich gesprochen, daß wir glauben, jedes Nichtwissen auf diesem Gebiet beseitigt zu haben. Die ersten Zeichen außerirdischen Lebens zu erhalten, gelingt den meisten Übenden oft leicht; gerade diese ersten, leicht errungenen Erfolge aber sind eine Gefahr, denn die meisten glauben, die Entwicklung ginge so spielend weiter. Das ist aber höchst selten der Fall. Es gehört harte Arbeit, große Zähigkeit (die auch den absoluten Willen stählt, der im Grunde der Leiter der Experimente ist) und unermüdliche Ausdauer dazu, auf dem eingeschlagenen Wege voranzuschreiten. Und dieser Weg ist nicht gleichmäßig. Er führt tage - , wochenlang durch öden, in denen wir glauben, daß wir sie nie überwinden, ja, in denen wir alles bisher Erreichte zu verlieren scheinen. Dann wieder gibt es Wegstellen, da eine Überraschung die andere jagt, ein Symptom nach dem anderen sich zeigt. Nur wer mit unerschütterlicher Beharrlichkeit und nach den aufgestellten Rich tlinien übt, wird schließlich ans Ziel gelangen. Unter diesen Voraussetzungen aber bestimmt. Die innere Geduld, Gelassenheit und Zuversicht sind wichtige, ja entscheidende Faktoren zum Erfolg. Es kommt alles darauf an, einen hin und wieder auftauchenden to ten Punkt zu überwinden, nicht mit zäher Verbissenheit, sondern mit ruhiger, heiterer Langmut, die ihres Zieles gewiß ist. Es liegt im Wesen der Übungssystematik, daß neue Phänomene stets erst zum Schluß einer Übung erstmalig auftreten und sich dann immer weiter nach vorn schieben, neuen Eindrücken Platz machen, die wiederum erst zum Schluß auftauchen. So bringt oft eine Verlängerung der Übungsdauer um etwa 5 - 10 Minuten ein Ergebnis, das sonst erst bei der nächsten oder übernächsten Übung eingetreten wäre . Diese Tatsache sollte nicht dazu verführen, die Übungen willkürlich auszudehnen, den Bogen zu überspannen, Rückfälle zu erleiden, die in keinem Verhältnis stehen zu etwa vorzeitig errungenen Erfolgen. In der Magie ist jede unreife Frucht giftig. A. Wir haben die angegebenen Räuchermittel durchprobiert und das uns am besten zusagende herausgefunden. Dieses Mittel wenden wir jetzt an, verräuchern soviel, wie wir zwischen zwei Fingern halten können oder 10 - 15 Tropfen. Wir nehmen nicht mehr, legen eventuell noch einmal nach. Was ein Geringes nicht tut, gelingt durch ein Stärkeres auch nicht. B. Wir nehmen eine stärkere suggestive untermauerung vor. Wir flüstern vor uns hin oder denken einige Minuten lang in uns, und zwar erst dann, wenn eine weitgehende Abgezogenheit des Körpers vom Irdischen erreicht ist: Mit jeder Übung komme ich schneller, leichter und tiefer in einen Zustand völliger Lösung vom Irdischen. Mein ganzer Organismus ist nur auf die heutige Aufgabe konzentriert. Meine hellseherischen Fähigkeiten entwickeln sich mit jedem Tag stärker, so daß ich sie an jedem Ort, zu jeder Stunde, unter allen Umständen einsetzen kann. C. In gleichmäßiger, ununterbrochener Monotonie flüstern oder denken wir dann die Worte: Ich erhalte nun die gewünschte Offenbarung ... ich erhalte nun die gewünschte Offenbarung ... Diese Suggestionen geben wir uns bis zu 5 Minuten lang, sinken dabei in eine immer tiefcrc Lösung vom Irdischen, die ja durch die Räucherung gefördert wird. Die Augen, die Lider sind und bleiben unbeweglich. Die Haltung ist völlige Entspanntheit; Kopf, Nacken, Rücken bilden eine gerade Linie (jedoch ohne Anstrengung); wir sind nur noch Auge oder vielmehr der Punkt vor dem Kristall, auf den wir konzentriert sind. D. Unter den vorstehend geschilderten Umstän den verdichten sich allmählich die in der vorhergehenden Übungsgruppe erreichten Flammen und Funken zu größeren, grau - weißen Schemen, die hin - und herhuschen, dort auftauchen, vorübereilen, dort versinken. E. Im weiteren Verlaufe der Übungen tauchen auch Gebilde auf, die andere Färbungen aufweisen, rötlich, grau, gelb, weiß; diese Gebilde eilen wie Schleier, wie Nebelfetzen vorüber, wollen sich da oder dort gestalten, werden aber meist immer wieder - wie von einer unsichtbaren Zugluft bewegt - auseinandergerissen und verflüchtigen sich, nur um neuen Platz zu machen. F. Diese Schleier und Farben müssen während mindestens 10 - 14 Tagen sicher auszumachen sein und werden durch weitere Übungen verstärkt. Die
Suggestionen, im rechten Bewußtseinszustand gesprochen, wirken sich inzwischen aus; die technischen Bedingungen der Übungen dürfen uns nicht mehr stören. Die Herbeiführung des halbschlafartigen Zustandes muß nun ganz kurz nach Beginn des Versuchs möglich sein; die Konzentration ist vollendet, Augen und Lider unterstehen dem hart gewordenen Willen. Die Augen starren unverwandt, still und ausdauernd den imaginativen Punkt im All an; wo diese Bedingungen noch nicht vollkommen erreicht werden, sollten sie in Sonder - Übungsreihen Punkt für Punkt vervollständigt werden, bevor weitergeschritten wird. G. Bei den ersten Übungen dieser Reihe (V) treten die erwähnten optisch astralen Zeichen im allgemeinen erst zum Schluß der Experimente auf; allmählich aber verlagern sie sich zur Mitte, dann an den Anfang der Übung , um danach neuen Phänomenen Platz zu machen. Das Erreichen der Phase V/G ist ein Sieg über die Materie, ein Beweis für den langsam aber sicher einsetzenden Einfluß auf magische Sphären, für ausreichend vorhandenes, gesundes, projizierbares Öd, für geschulten kosmischen Willen, für magische Disposition. Übungsreihe V ist die Drehscheibe der Gesamt - Übungsplanung: auf sie muß - durch größere Intensität, wochenlange Übungen, stärkste Ignorierung irdisch - materiell - egoistischer Bestrebungen und Neigungen - der größte Wert gelegt werden. Konstitutionelle Veränderungen Hellsehen ist auch das Erblicken eines hellen Ausschnittes im umgebenden Dunkel. Die Abstufungen führen bis zum Sein im astralen Reich; in diesem Falle wird uns das Wesen aller Dinge entschleiert und wir sind mitten unter ihnen. Es gibt kein verdecktes hinter uns, kein Entferntes - nur Zeitlosigkeit und ewigen Wechsel. Das Aufflackern eines Blitzes in dunkler Gewitternacht gibt eine bildhafte Vorstellung von dem Untergrund, auf dem sich unsere Gesichte abspielen. Dieses blitzartige Aufhellen - fast stets völlig unvermutet, nach dem Erwachen, vor dem Einschlafen, bei einem Blick auf einen glänzenden Gegenstand oder in einen dunklen Winkel, ja, beim Starren in nächtliches Dunkel - überfällt uns nach einiger Zeit auch außerhalb der Übungsreihen, als Beweis dafür, daß allgemein Veränderungen in unserem Organismus vor sich gehen: im Sinne unserer Zielsetzung. Die innere Entwicklung parallel mit den äußerlichen Übungen, verläuft unterirdisch und bricht erst nach einer bei den Einzelnen verschieden langen Zeit nach außen. Dieser Ausbruch unterliegt individuellen Bedingungen: bei dem einen treten die Veränderungen der magisch - seelischen Bedingungen sofort im ganzen und elementar in Erscheinung, bei ein em anderen Studierenden setzen sie langsam und allmählich ein, Symptom nach Symptom, bis sie ausreifen und zur Vollendung auf dem behandelten Sondergebiet führen - auch unabhängig von den speziellen Übungen. Im allgemeinen ist damit die Fähigkeit zum Wesensbestandteil geworden und das Übungsziel erreicht, das nur durch dauernde praktische Arbeit gesteigert und verankert werden kann. Trotz allem aber dürfen die technischen Spezialübungen nicht ausgesetzt werden, denn eine Unterbrechung würde zum Verschwinden der erworbenen Kraft führen. Die hellseherischen Augenübungen führen zur Verbesserung der allgemeinen Sehfähigkeit: die Augen werden schärfer, blicken ruhiger - durchdringender, faszinierend. Allmählich wirken die allabendlichen Entspannungen, die ja nun eine halbe Stunde andauern, allgemein beruhigend und entgiftend, harmonisierend. Darüber hinaus können wir die so oft geübte Entspannung nun jederzeit willkürlich erzeugen bis zu Tiefen, die wir nur selbst begrenzen. Damit wird uns ein wichtiger Faktor für den Lebenskampf in die Hand gegeben: Bei Erregungen, vor wichtigen Besprechungen, bei Überarbeitung, Überanstrengungen, bei Unruhe oder Furchtanwandlungen wird uns eine sofort herbeigeführte Entspannung Ruhe und Ausgeglichenheit, heitere Gelassenheit, Kraft und Überlegenheit über die jeweilige Situation geben. Unsere Nerven bessern sich, wir reagieren ruhiger und deshalb richtiger, zweckentsprechender. Weiter steigern sich Empfindlichkeit, Sensibilität der Augen: sie schauen oft hinter die Dinge, erkennen intuitiv das Wesentliche, auch bei Menschen, die uns
gegenübertreten. Unsere Aufnahme - und Wiedergabefähigkeit wird sehr gesteigert. Sahen wir zum Beispiel früher ein schönes Bild mit dunklem Rahmen, um es in der nächsten Sekunde zu vergessen, so prägt si ch uns heute, selbst bei flüchtigem Blick, das Bild mit Rahmen derart scharf ein, daß wir es noch nach längerer Zeit in allen Einzelheiten reproduzieren können. Damit haben wir sehr an Beobachtungsgabe gewonnen, eine Fähigkeit, die für richtiges Reagieren und Handeln außerordentlich wichtig ist. Im Innern jedoch geht eine noch auffälligere Veränderung mit uns vor: wenn wir jetzt denken, uns etwas geistig vorstellen, verwandelt sich das Gedachte, Vorgestellte, Gewünschte sofort in ein Bild: wir sind bildsichtig geworden, unsere Disposition zur Imagination und damit zur magischen Arbeit, aber auch zur Verwirklichung von Wünschen und Zielen ist bedeutend gewachsen und wirkt wie ein Bumerang wieder anregend auf unsere Exerzitien. Wer bisher zu den Wortdenkern ge hörte, sich vielleicht kaum selbst Personen seiner nächsten Umgebung deutlich mit Gesicht, Gestalt, Kleidung vorstellen konnte, wird nun auch nur einmal gesehene Personen im Gedächtnis behalten und jederzeit hervorholen, sich wieder vorstellen können. Auch die unter uns, die nur behielten, was ihnen durch das Ohr zugeführt wurde, - die also zum Beispiel nicht lesen, sondern hören mußten - , werden überrascht sein, daß ihnen nunmehr das Auge die stärkeren Impulse liefert: Dinge, über die sie früher verständn islos hinweglasen, prägen sich nun leicht ein, zugleich mit dem Gehalt des Geschriebenen, Gedruckten: wir lesen nun »zwischen den Zeilen, uns erschließt, offenbart sich der Sinn: unsere Intuitionsfähigkeit ist allgemein gewachsen. Bei einigen unter uns wird sich die überraschende Entwicklung nicht auf das Optische beschränken. Bei ihnen wird die Ausbildung des Chakrenkörpers auch Zentren in Bewegung setzen, die auch andere Wahrnehmungsorgane fördern. Wenn nicht zuletzt auch im täglichen Leben unsere Konzent rationsfähigkeit, unsere Ruhe und Geduld gewachsen sind, so sind diese neuen, bisher mangelhaft vorhandenen Eigenschaften allein schon ein erstaunlicher Gegenwert - im Irdischen Münzen von Goldeswert - für die aufgewendete Zeit und Energie. Doch ist unsere Umgestaltung mit den angedeuteten Phänomenen durchaus noch nicht abgeschlossen, sondern erst in Gang gesetzt. Sie wird sich mit fortschreitender Übung weiter ausdehnen und auch noch andere Bereiche unseres Wesens erfassen. In dieser Phase unseres Mühens u m die Erlangung der Heilsinnigkeit wollen wir vor einem Fehler warnen, den - ungewollt - viele begehen: mit der steigenden Sensibilität wächst naturgemäß auch die Empfindlichkeit - aber um diese dürfen wir uns nicht kümmern, ja, wir müssen sie bewußt aussc halten. Es darf nicht sein, daß unsere Fähigkeit der schnelleren, schärferen Erfassung (wie sie bei hochintellektuellen Persönlichkeiten zu beobachten ist) auch deren Schwäche in uns zeugt: eine übergroße Empfindsamkeit, die man mit Labilität bezeichnet, d ie sich bis zu Angst - , ja Furchtkomplexen auswachsen kann. Die magische Sensibilität, die wir systematisch erringen, darf nicht einhergehen mit sich steigernder Empfindsamkeit. Es ist auch nicht notwendig, daß wir diese Schwäche in uns wachsen lassen. Wir wollen nur die Fähigkeit, nicht ihren Schatten, und wenn wir uns von Anfang an bewußt darauf einstellen, die sich meldende Empfindlichkeit zu mißachten, wächst sie auch nicht, sondern verkümmert und stirbt ab. Wir müssen trotz Sensibilität mählich Nerven aus Stahl bekommen: und das ist es, was wir in dieser Welt brauchen. Übungsgruppe VI: Trance Das Hineingleiten in magisch erhelltes (aus unergründlicher Quelle leuchtendes) Dunkel ist eines der Kennzeichen des - bewußten - Trancezustandes. Das eintretende Körper - Nichtgefühl, ja, das völlige Vergessen der Eigenpersönlichkeit ein weiteres. Niemals aber darf Trance - bei den vorliegenden Übungen jedenfalls nicht - einen Grad erreichen, daß die Kontrolle des Ichs entgleitet, daß sich der Übende somit halt - und willenlos allen Gewalten
ausliefert, die dann mit verdoppelter Kraft auf ihn einstürmen würden, um ihre Zielsetzungen, nicht die des Übenden, durchzusetzen. Solange der Übende sich sicher weiß auf dem Boden seiner Weltanschauung, solange er das Bewußtsein dieser unerschütterlichen Stellung und von sich selbst behält, kann ihm nichts passieren. Aber dieses Bewußtsein ist das Mindeste, was er unter allen Umständen erhalten muß. Die Verschiebung des Bewußtseins im Trance mag für einige anfangs beunruhigen d sein, ist aber zur Erlangung hellseherischer Ergebnisse unentbehrlich. Mit der Zeit tritt die Umschaltung immer schneller und gewohnheitsmäßiger auf und erlaubt trotzdem tiefere Blicke in die Bezirke der anderen Welt, und bald stellt sich der notwendige Zustand ein, ohne daß er uns überhaupt noch bewußt wird. A. Wir sind jetzt an einer Station unserer Übungen angelangt, an der wir unbedingt den Trancezustand erreichen wollen, um befriedigende Ergebnisse zu erzielen. Unter den bekannten Versuchsbedingungen, nach den einleitenden Phasen, richten wir erst alle Aufmerksamkeit auf die Entspannung, dann auf den Punkt im All : so entgleiten wir mählich dem Irdischen und nähern uns dem schöpferischen Stadium. B. Wir geben uns die Suggestion: Mehr und mehr entschwin det nun das Körpergefühl Mein ganzes Sein konzentriert sich auf den Punkt vor dem Kristall, der Körper wird wesenlos, ist aber geschützt. Meine odischen Ausstrahlungen manifestieren sich im Kristall und bringen mir die gewünschte Aufklärung. Meine Hellsehkraft wächst von Tag zu Tag und wird zu meinem unverlierbaren Besitz. Nun sehe ich, was ich begehre und erkenne, was ich sehe. C. Wir stoppen den Vorgang da, wo wir ganz abzugleiten fürchten und erzielen im Übungsverlauf genau den Grad der Versenkung, der f ür unsere Arbeit notwendig ist. D. Ist es uns nach einigen Übungen mehrmals hintereinander gelungen, ohne Anstrengung in Trance zu fallen, stellen sich nach unserem Erwarten auch bald die ersten Erscheinungen ein, zunächst nicht klar, aber doch als astral erkennbar. E. Von nun an bemühen wir uns, die Bilder schneller, deutlicher, plastischer zu erzeugen, erreichbar durch stärkere Konzentration und Intensivierung. Stellt sich nach etwa achtwöchiger Übung das gewünschte Resultat nicht ein, können wir eine Vertiefung körperlicher Abgezogenheit durch Aufnahme nachfolgenden Atmungsschemas durchsetzen. Haben wir erst einmal mit seiner Hilfe das Ziel erreicht, können wir die forcierte Atmung wieder fallen lassen, weil dann erfahrungsgemäß die geistigen Zentren auf den Prozeß eingespielt sind. Übungsgruppe VII: Trance - Vertiefung A. In dem Augenblick unserer bisher tiefsten Abgezogenheit setzen wir mit der zusätzlichen Atmungsforcierung ein: der Erfolg tritt fast stets schlagartig ein. B. Wir atmen tief, ganz tief aus, ohne Anstrengung jedoch. Der Blick bleibt auf den Punkt gerichtet, das Körper - Nichtgefühl verstärkt sich, Ruhe und Zuversicht erhöhen sich. C. Wir atmen langsam ein, bis Leib - und Brustraum ausgefüllt sind. Dann drücken wir den Atem vom Leib fort in die Brust und wieder zurück in den Leib (Zwerchfellatmung). Diesen Rhythmus wenden wir dreimal an und atmen dann aus. Wir können fortschreitend die Anzahl der Rhythmen je Abend um einen bis auf höchstens zehn steigern. D. Tritt die Vertiefung - und mit ihr der magische Ungrund mit seinen Phänomenen - ein, atmen wir normal weiter und achten nur noch auf den Kristall. E. Andernfalls setzen wir den Atmungsprozeß fort: Wir atmen aus und wieder - gründlich - ein. Den Atem halten wir - bis 10 zählend - an, atmen wieder aus, beginnen von neuem - bis zum Erfolg. F. Übertreibungen sind nicht angebracht; wir können die Zeit des Atemanhaltens nur nach und nach steigern, also am zweiten Abend bis 12 anhalten, dann bis 14 usw., höchstens aber bis 20.
Der ganze Vorgang - aus - und einatmen, Atem anhalten - kann drei - bis viermal wiederholt und langsam ausgedehnt werden (jede Woche ein Rhythmus mehr). G. Nach diesen Atmungsserien atmen wir tief aus und normal weiter. H. Später - nach den ersten vier Wochen - können wir den Atmungsvorgang A - G wiederholen. I. Der ganze Atmungsvorgang darf anfangs 10 Minuten nicht übersteigen. Herz - und Lungenkranke - für magische Tätigkeit an sich nicht disponiert, bevor sie nicht gesundeten - sind von diesen Übungen grundsätzlich ausgeschlossen. K. Durch forcierte Atmung tritt die notwendige, steuerbare Trancetiefe ein und mit ihr bald die gewünschten Manifestationen. L. Diese Atmung mit Räucherung bringt doppelt schnellen Erfolg. Vorsicht vor Abgleiten ist hier besonders empfohlen. Durch vorstehendes Atmungssystem wird erreicht: a) Starke Odkonzentration. b) Belebung und Aktivierung des Zwerchfells (dadurch werden die somnambulen Zonen angesprochen). c) Leichte Narkotisierung des Organismus durch zurückbehaltene Kohlensäure: der Verwendun g von Narkotika vorzuziehen. Übungsgruppe VIII: Formen und Bewegungen Abgesehen davon, daß in diesem Übungsstadium die Zeit dafür nicht reif ist, ist das Prophezeien (der Zukunft) aus folgenden Gründen eine höchst unsichere Sache: l. Wir stecken zu tief in der Materie, um uns völlig von ihr lösen zu können. 2. Dadurch treten Trübungen und Täuschungen auf: Unerlöstheken, Belastungen, Verwirrungen, Verzerrungen. 3. Meist treten Symbole und Allegorien auf, dem Anfänger erst deutbar, wenn das Ereignis selbst eintritt. 4. Wie ein roter Faden durchzieht unser Leben das karmische Geschick, eine Schicksalsformung, die über unser Leben hinausgreift und unbeeinflußbar - schon deshalb meist nicht erkennbar, wenigstens nicht auf astralem Boden. 5. Astrale Wellen und Bilder sind Gegenwartszustände, das heißt sie ändern sich mit uns, unseren Schwingungen, Neigungen, Zielen, guten und schlechten Taten. 6. Gestirnsinfluenzen sind Kräfte, die uns in einem bestimmten Zustand bewegen, zum Handeln veranlassen können, in einem veränderten Zustand jedoch entweder auf Latenz (Untätigkeit) oder auf Überwindungskraft stoßen: Wirkungen können sich nicht auswirken. Im Horoskop des Nativen (Horoskop - Eigners) freilich können wir erkennen, welche Entwicklung er nehmen wird, nicht aber aus den hellseherischen Bildern. Nur die Verbindung beider Prozesse erlaubt einigermaßen klare Aussagen. 7. Hellsehen und Prophetie sind zweierlei. Die letztere arbeitet auf höheren Planen. Man läuft seinem Geschick nicht davon, sondern entgegen. Es läßt sic h nur korrigieren, wenn der Schicksalsunterworfene sich und seine Schwingungen wandelt. A. Im Besitz der autohypnotischen (Trance - )Fähigkeit sind wir bald auch Herr über die in uns liegenden, um uns verfügbaren Kräfte. Wir können die für die Manifestatio nen benötigten Öd - und astralen Feinstoffe abgeben und die kosmischen Quellen ansprechen. B. Was den einen erst nach langen Übungszeiten gelingt, fliegt anderen förmlich zu: Übungszeiten sind deshalb individuell abzuwandeln. C. Nach allgemein vier Wochen gestalten sich die bisher beobachteten hin - und herhuschenden Funken, Flammen, Schatten, Schemen, Schleier, unbestimmte Formen und Farben zu mehr und mehr fest umrissenen, bestimmteren Formen, Figuren, Symbolen, Bildern oder Bildergruppen, oft klein und scharf, manchmal bunt, vielfach nur grau, fast stets der Erwartung entsprechend, ohne Halluzination zu sein.
D. Oft rollen Bilder gleich einem Filmband - merkwürdigerweise seitlich, also nicht von oben nadi unten - vor uns ab, oft aber auch erstarren die Be wegungen zu einem Bild, das durch Räucherung verstärkt werden kann. E. Je länger in vollkommener Weise die Hellsehübungen fortgesetzt werden, um so greifbarer werden die Ergebnisse. F. Wer - um besondere Ergebnisse zu erzielen - sich eine Zeit von der Welt zurückzieht (Fasten, Gebet, Vegetarismus), wird über seine Fortschritte erstaunt sein und den Zusammenhang zwischen Magie und Befreiung von der Materie klar erkennen. Übungsgruppe IX: Zeit und Raum als irdische Begriffe überwinden Die Aufnahme und Wiedergabe astraler Bilder erfolgt entweder derart, daß scheinbar in uns - von außen in uns einstrahlend - gewisse Urbilder, archaische Grundtypen - darauf deuten u. a. Symbole und Allegorien - , entwickelt und auf die Konzentrationshilfe - Kristall oder Spiegel geworfen werden, oder daß die Manifestation der Erscheinungen direkt von außen erfolgt, auf oder in den Kristall gebannt wird oft aber auch heraustritt - und durch unsere medial - odischen Ausstrahlungen verstärkt werden (deshalb Trancezustand notwendi g, der diese Abgabe gestattet). Leider ist die Trennung nicht scharf vorzunehmen, da sich oft beide Prinzipien vermischen, ineinander übergehen, trennen, wechselnd auftreten, ja, auch andere Modulationen möglich sind. In jedem Fall ist es grundsätzlich möglich, jedes Geschehnis zu projizieren, unabhängig von Raum und Zeit, d. h., daß wir als vollendete Hellseher ebensogut ein vorjähriges Erlebnis rekapitulieren könnten, wie ein künftiges, den Baum vor unserem Hause so gut wie die Palmen der Südsee, die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und die des eben vergangenen gleichermaßen. Wir müssen uns lediglich dem allwissenden Geist gleichschalten, der alles durchdringt und erkennt. Um Aussendung und Manifestation der feinodischen Kräfte und ihre Einschaltung i n die allwissenden, kosmischen Mächte zu erproben, unterwerfen wir uns den folgenden Exerzitien: A. Wir bereiten diese Übungen durch eine schriftliche Niederlegung unserer Zielsetzung vor: Meine Gesundheit ist heute besser denn je, mein Gemüt heiter - gelassen; seit vielen Tagen haben mich keine disharmonischen Schwingungen durchtobt. Ich habe in den letzten Tagen ausschließlich von Obst, Gemüse, Eiern, Käse, Brot, Milch und Butter gelebt und auf andere .anregende Genußmittel* verzichtet. Durch Atemübungen habe ich mir eine zusätzliche Odreserve geschaffen, durch Übungen mit einer Wasserschale habe ich Öd abwechselnd ausgestrahlt und aufgesogen. Das Wetter ist seit Tagen klar und schön; der Himmel läßt gute kosmische Influenzen durch; die astrologischen Konstellationen sind denkbar günstig für mich; für heute versprechen die Aspekte erfolgreiche Arbeit auf okkultem Gebiet. Der heutige Abend zeigt den Vollmond (oder seine Nähe) an. B. Nach Proberäucherung und gewohnter Zeremonie erfolgt suggestive Zielsetzung: Die Fortschritte der letzten Übungen verraten mir, daß ich mich vor einer entscheidenden Phase meiner Entwicklung befinde. Die im Trancezustand bereits geschauten Formen und Gestalten werden sich heute verdichten und die gewünschten Bilder zeigen. Man nehme nun eine nicht zu weit zurückliegende Begebenheit, die man gern reproduziert sehen möchte, oder einen bekannten Ort, um das gegenwärtige Geschehen zu beobachten. C. Bereits nach den ersten Augenblicken der Konzentration auf den Punkt vor dem Kristall gl eiten wir in den fast schlafähnlichen Zustand, den wir durch kurze Atemforcierung eventuell vertiefen. Bereits nach kurzer Zeit - die Räucherung haben wir vorher in Gang gesetzt - tauchen die ersten nebelartigen Gebilde auf, huschen vorüber,, kristallisieren sich schließlich im Hellsehglas. D. Der Erfolg dieser Übungen - die nun regelmäßig fortgesetzt werden - hängt wesentlich ab von der strikten Beachtung der aufgezählten Bedingungen, von dem Erreichen eines genügend tiefen
Trancezustandes, von der Stärke der Odkonzentration und Projektion, sowie von dem unerschütterlichen Glauben an das Gelingen des Versuchs. E. Weitere Übungen schließen sich nach Wunsch und Wahl des Experimentierenden, nach den individuellen Gegebenheiten, an, bis das Übungsziel mit genügender Sicherheit erreicht wird. Übungsgruppe X: Fragen an es Wir können nun dazu übergehen, von den Übungen der vorangegangenen Bücher eine Reihe besonders geeigneter mit unserer wachsenden hellseherischen Tätigkeit zu verknüpfen. Besonders geeignet sind hierzu Fragen, die uns bewegen, mögen sie nun uns selbst, besser aber andere Menschen betreffen, denen wir gern helfen möchten. A. Diese Übungsgruppe vorbereitend, stellen wir uns so lebendig wie möglich - immer unter den bekannten Bedingungen - eine Person unserer näheren Umgebung vor und lassen diese autosuggestiv vorbereitende Vorstellung schwinden, in der Gewißheit, daß die, diese Person betreffende Frage nun gelöst werden wird. B. Wir können nun diese Frage stellen, die uns zweifellos beantwortet wird eventuell in Symbolform - , wenn sich diese Frage unmittelbar mit dem Wohlergehen befaßt. C. Nehmen wir als Beispiel an, wir wollten in bezug auf einen erkrankten Menschen wissen, wie diesem zu helfen sei, und uns wurde als Symbol etwa das astrologische Zeichen des Mars (d) gezeigt, könnten wir mit einiger Sicherheit schließen, daß eine Operation dem Betreffenden helfen, daß ein tüchtiger Chirurg ihn heilen könnte. D. Die Deutung der Symbole ist anfangs schwierig, bis man sich an die gesetzmäßigen Zusammenhänge gewöhnt hat. Um einen Anhalt zu haben, macht man sich durch ein gutes Traumdeutungsbuch mit der Traumsymbolik vertraut. E. Sind erst einige dieser Versuche zur Zufriedenheit ausgefallen, finden wir bald Gelegenheiten genug, weitere Versuche in dieser Richtung anzustellen. F. Sind einige Abende ohne befriedigende Antwort vergangen, nehmen wir eine andere Frage vor, um erst nach deren Klärung zur ersten zurückzukehren. Übungsgruppe XI: Forschungen Es sind nicht nur Dinge projizierbar, die materielle Fragen betreffen, vielmehr noch und leichter ist es möglich, in geistigen Fragen Antwort zu erhalten. Die geistige Grundkraft ist nicht nur durch Wille und Vorstellung Schöpferin aller Materie, sondern schwingt auch in allem, was ist, differenziert durch de n kosmischen Willen, der gut und böse trennt. Dem Irdischen viel zu sehr verhaftet, sind wir alle keine Engel, und je mehr Licht wir ausstrahlen, desto tiefer sind auch die Schatten, die wir werfen; aber: der Entschluß, auf der rechten Seite zu stehen, unser Streben nach oben, unser Glaube an das Ziel - diese Dinge machen uns größer als der Mensch an sich ist. Wille, ewiger Kampf für das Licht - gegen das Dunkel, unbesiegbare Hoffnung auch im tiefsten Dunkel: dies sind die Fackeln, die unsere an die Erde geschmiedete Seele erhellen und sie in ihren heimatlichen Schoß zurückführen. Soviel Wirrnis ist oft um uns, in uns, soviel Unsicherheit auf dem Wege: und hier soll unsere nun erworbene Fähigkeit, mit dem Geiste zu sprechen, weiterhelfen. Hier ist das eigentliche Arbeitsfeld für unsere dürstende Seele: die Wahrheit, die für uns gültige Wahrheit zu ergründen, denn die Wahrheit hat - wie alle Dinge - für jeden Menschen ein anderes Gesicht, wenn selbst auch ewig unveränderlich. Die für uns gültige Wahrheit zu er gründen, den für uns richtigen Weg festzustellen, die uns plagenden Sorgen fortzuräumen, die uns bestürmenden Zweifel zu tilgen: das alles und noch mehr können wir in ernster Zwiesprache mit dem unendlichen Geiste und seinen Kraftquellen ergründen. Auf dem Gebiet der Forschung, besonders dem okkulter Forschung, bietet sich dem aufrichtig Suchenden und entschlossen und ehrlich Strebenden ein unabsehbares Arbeitsfeld. Es ist förmlich - wir werden es bald selber spüren - , als sammelten sich alle guten Kräfte des Himmels und der Erden, den Studierenden in seinem Streben und Forschen zu unterstützen. Wer in dem Geiste,
dessen Hauch wir hier zu bannen versuchten, an geistige Forschung und okkultes Studium geht, fragt nie, nie vergeblich; so oder so wird ihm immer Antwort. Diese Tatsache ist unendlich oft bewiesen. Wer nach dem Geiste fragt, wird von ihm geführt werden; unmerklich erst, allgemach aber immer deutlicher; je mehr die Sinne aufgeschlossen werden einer Kraft, die ebenso in uns wie außer uns und durch un s schafft, einer Kraft, der der Mensch in seinem tiefsten Grunde wesensgleich ist. A. Wir bereiten uns durch Gebet, Dank, Fürbitte, Bitte um Hilfe und Schutz vor, lesen vielleicht einige Psalmen, die uns besonders anrühren. Wir treffen gelassen und methodi sch alle vorbereitenden Arbeiten und legen schließlich eine vielleicht zusammenhängende Reihe von Fragen fest, die wir heute und an den folgenden Abenden demütig und vertrauend vorlegen wollen. B. Wir nehmen vielleicht als eine der ersten Fragen vor: Was kann ich tun, um die Ergebnisse meiner Studien und Experimente zu verbessern? und warten gelassen die Antwort ab, im tiefsten überzeugt, daß die Antwort schon in uns ruht und nur auf den auslösenden Augenblick wartet, ans Licht zu treten, vor unseren Augen zu erscheinen. Vielleicht wird uns als Antwort auf unsere Frage ein Kreuz gezeigt; dann wissen wir, daß wir uns mehr als bisher dem Gekreuzigten, dem Sohn, zuneigen müssen, daß wir versuchen sollen, seinem Beispiel zu folgen, auch wenn das Kreuz drückt. C. Empfehlenswert ist dann die Frage: Welcher Zweig okkulter Forschung entspricht am besten meiner Mentalität? Als Antwort erhalten wir möglicherweise ein für uns besonders aufschlußreiches Bild von einer nie erlebten Deutlichkeit, und wir wissen, daß gerade die hellseherische Forschung und Deutung unser Spezialfach sein wird: Hilfe und Rat allen, die uns gesandt werden. D. Es stört und beunruhigt uns nicht, wenn wir auf die Antwort warten müssen, auch nicht, wenn der heutige Abend - wir waren so sicher der Lösung! - doch nicht das Erwartete bringt. Wir wissen: morgen oder übermorgen, vielleicht nicht einmal in der Übungsstunde, sondern irgendwie am Tage oder in der Nacht wird uns Antwort werden, Licht, und wir werden ganz klar sehen. E. Nicht verwerflich ist die ein wenig materiell gefärbte, aber, wenn sie ehrlich gemeint ist, in ihrer Grundlage durchaus vertretbare Frage: Wie kann ich pekuniäre Unabhängigkeit erringen, um mich ganz den Fragen des ,Woher' und des ,Wohin' des Menschen zuwenden zu können? Vielleicht wird uns eine rettende Idee gegeben, die uns von der Unfreiheit der materiellen Enge erlöst, vielleicht wird uns ein Weg gewiesen, der uns durch zusätzliche Arbeit Segen und finanzielles Fundament gibt, vielleicht aber wird uns bedeutet, in Geduld zu warten, bis irgendwie und irgendwo sich überraschend die Schleusen der Fülle über uns öffnen. F. Besonders dankbar sind Fragen, die sich um Mitmenschen sorgen: Welcher Mensch meiner Umgebung leidet mir unbekannte Not und in welcher Form kann und darf ich i hm helfen? Von hundert solcher Fragen bleiben allgemein kaum zehn ohne klare Antwort. Freilich sollten wir dann auch tun, was uns geheißen wird» denn - wenn wir auch nicht damit rechnen : den Segen, der auf uns zurückfällt, können wir nicht aufhalten (do ch die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut). Vergessen wir nicht, an den Schluß unserer Exerzitien ein vielleicht kurzes, aber inbrünstiges Wort des Dankes an den höchsten Geist zu setzen, der alle Wunder wirkt und uns in. Verbindung bringt mit Kräften, von denen wir noch vor kurzem nichts wußten. Lob, Preis und Dank sind wahrhafte Segensquellen, besonders nötig dem, der da glaubt, daß er für nichts zu danken habe. Vielleicht hat gerade er am meisten Anlaß zu Lob und Dank, denn weiß er es, ob die Do rnenkrone, die ihn jetzt etwa schindet, nicht morgen zur Königskrone wird? Düstere Ereignisse, besonders wenn sie lange vorherrschen, werden von den meisten Menschen nur mit einem Extrem beantwortet: entweder mit Verbitterung, Ausschluß alles Glaubens, alles Göttlichen, Verlust der Liebesfähigkeit - oder demütiges Beugen unter die strafende Vaterhand und herrliche Reifung und unfaßbarer Lohn. Im ersteren Fall ein verfehltes Leben, im zweiten Segen, oft plötzlich und überraschend, hier schon, auf Erden.
Für geistige Gaben sollten wir mehr noch danken als für irdische Güter: sie sind es, die wir mitnehmen können. Unbegrenzte Möglichkeiten Wir haben absichtlich in den angeführten Übungsreihen stets von einer Kristallkugel als Konzentrationsobjekt gesprochen. Wi r haben eingangs geschildert, welche Hilfsmittel ebenfalls zu Hellsehversuchen geignet sind und dabei besonders des schwarzen oder magischen Spiegels gedacht, der sich besonders gut für eine bestimmte Kategorie von Versuchen eignet. Gemeint sind Beobachtungen von Orten und Personen und Beobachtungen okkulter Zusammenhänge, besonders aber zur Anziehung und Konzentration von Strahlungen und Kräften, die in der magischen Terminologie Geister und Dämonen genannt, also personifiziert werden. Es ist richtig, daß der mediumistisch (passiv - magische) Veranlagte und der magisch (aktiv geschulte) Arbeitende in besonderen Fällen in der Lage sind, besonders nach Erlangung einer durch Hilfsmittel geförderten Routine, geistige Wesenheiten anzuziehen und zu materialisiere n. Da es aber vor allem darauf ankommt, jenen Geisteszustand zu schaffen, der die der gewünschten Kraft entsprechenden Emanationen löst, ist ein bestimmter - bei Medien selbstverständlich vorausgesetzter - , hier immer wieder beschriebener Geisteszustand e rforderlich, der eben mit Hilfe eines Konzentrationsmittels am besten erreichbar ist (damit wir uns zu aktiven Medien mit ihren Zuständen verwandeln). Für die Zitation von geistigen Wesen nun eignet sich vorzüglich der schwarze Spiegel, dessen Anfertigung und Bereitung wir bereits geschildert haben. Der Vorteil der Arbeit mit dem magischen Spiegel liegt darin, daß man auf Beschwörungen und andere Hilfsmittel verzichten kann, die besondere Gefahr aber, daß man auch des Schutzes des Kreises und seiner Sicherungen entraten muß (oder es wenigstens meistens tut). Lediglich für Forschungszwecke wollen wir in der letzten Übungsgruppe XII: Manifestation von Strahlungen für verantwortungsbewußte Studierende die Methodik bekanntgeben, durch die wir uns mit dämonischen Kräften in Verbindung setzen können. Der Erfolg dieser Experimente hängt von der Fähigkeit des Übenden ab, in sich geistige Bedingungen zu schaffen, die denen der angerufenen Kraft gleichen, sowie - und das vor allem - in der gesteigerten Abgabe ausreichend starker Mengen feinodischer Kraft (kurz: Schaffung mediumistischer Vorbedingungen). Als Räucherung verwenden wir im vorliegenden Fall Salbeiblüten und Holundermark, danach eine Mischung aus getrockneten Rosen, Holundermark, Rosenblut (Saft der ausgepreß ten frischen Rose) und Ambra oder Aloeholz. Die Ingredienzien sollen zermahlen, geknetet und mit Rosenblut getränkt, sodann zu Kugeln geformt und getrocknet werden. Wichtig ist die Gestirnstellung bei diesen Versuchen. Da wir unternehmen wollen, eine mit dem Venusstern zusammenhängende Kraftballung anzuziehen - eine der am besten durchzuführenden Zitationen- muß sich
(Venus) in
(Stier) oder
(Fische) befinden und darf gar nicht von
(Saturn) und (Mars), von den übrigen Planeten nicht schlecht bestr ahlt sein. Der Name der anzurufenden Kraft ist Leihcanom. Der Ablauf des Experiments unter den bekannten Bedingungen ist der folgende: A. Wir fundieren in uns die Überzeugung, daß wir - was immer auch geschieht - völlig ruhig und Herr über uns bleiben, und daß uns überhaupt nichts geschehen kann. Wir beschränken uns bei unserem Experiment auf reine Beobachtung, das heißt, daß wir weder irgendeine Reaktion zeigen, noch irgendwie aktiv oder passiv handelnd eingreifen. B. Den schwarzen Spiegel haben wir so vor uns aufgestellt, daß wir - bequem sitzend - ohne Anstrengung in ihn schauen können. Die Räucherung, vorher mit Salbei und Holunder, jetzt mit den vorbereiteten Kügelchen, arbeitet. C. Wir starren auf einen Punkt des Spiegels, der dem Auge einen Halt biet et, also einen lichten Reflex, o. a. Diese Konzentrationsstelle entspricht dem Punkt vor dem Kristall.
D. Nun beginnen wir flüsternd oder geistig den Namen der Kraft zu sprechen - vorwärts oder rückwärts gelesen, wie der Name in uns am besten wirkt - , in der rechten Akzentuierung, stets im gleichen Rhythmus, in Monotonie übergehend - eventuell Trance durch forciertes Atmen steigernd - , jedoch geistig - wach und überzeugt, daß uns die gewünschte Wesenheit erscheinen, im Spiegel sichtbar werden wird. E. Bei rechter Durchführung zur rechten Stunde (Venusstunde, freitags bevorzugt) endet das Experiment meist damit, daß sich im Spiegel eine Gestalt zeigt, die der Anrufung gefolgt ist. Wir können nun mit diesem Wesen sprechen, Fragen stellen, aber nichts begehre n, und schließlich zum Schluß nicht vergessen, sie mit Dank zu entlassen. F. Bei besonders gut disponierten - oder schon entwickelten - Übenden zeigen sich oft auch weitere, andere Phänomene, die von physikalischen bis zu spiritistischen Erscheinungen reic hen. G. Erkennt jemand seine besondere Eignung, mit dem Kristall oder Spiegel zu arbeiten, will er sich also auf Hellsehübungen und Forschungen spezialisieren, wird er bald ein unabsehbares Tätigkeitsfeld entdecken, dessen Hauptzweige hier nur angedeutet w erden konnten. Auf eine Frage jedoch wollen wir wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung noch eingehen, auf die Frage, ob der besonders gut für hellseherische Experimente Geeignete sich beruflich mit der Clairvoyance (französisch: Hellsehen) befassen soll. Wir raten ganz entschieden ab, und zwar aus einem sehr triftigen Grunde: Ein guter Hellseher ist immer nur derjenige, von dem man nichts hört. Geht er in die Öffentlichkeit, übt die erworbene Fähigkeit gewerblich oder artistisch aus, kommt bei sauberster Grundhaltung ein Schein von schwarzer Magie in seine Arbeit. In jedem Fall ist er nicht immer gleich gut disponiert und oft gezwungen, auch dann Rat und Auskunft zu geben. Was bleibt ihm da weiter übrig, will er nicht Kundschaft und - Einnahme verlieren, als seine Gesichte zu - konstruieren?! Von hier aber bis zum bewußten Schwindel ist nur ein kleiner Schritt. Je höher die Einnahmen des Hellsehers werden, je höher die Wellen des Reklamerummels und emsiger, lärmvoller Geschäftigkeit über ihm zusammenschlagen, um so weiter entfernt er sich von den Quellen, die seine Gabe allein speisen können, um so geringer werden seine Fähigkeiten, bis sie versiegen und nur noch Täuschung bleibt, die nur darauf wartet, den Meister, der sie schuf, selber zu verschlingen. Ungezwungen ausgeübt, kann Hellsinnigkeit zu einer lebendigen Kraft des Segens und Fortschritts werden. Die Forschung ist durchaus nicht nur auf okkulte Zweige beschränkt: alle Gebiete menschlicher Tätigkeit und des Geisteslebens können erschlossen und ergründet werden, wobei selbstloses Motiv und klare Fragestellung die wichtigsten Punkte erfolgreicher Arbeit sind, sobald erst einmal die Technik selbst zum festen Besitzstand des Magiers geworden ist. Nicht vergessen wollen wir bei unserem Eifer, uns einen neuen Bereich praktischer Magie erschlossen zu haben, daß all unser Mühen, Trachten und Denken letztlich nur ein Ziel hat: Konsequente und zielbewußte Vorbereitung auf die Wirklichkeit, die sich uns mehr und mehr enthüllt, auf die Welt des Geistes! In dieser Sicht ist der Eintritt in die Astralwelt durch unsere erschlossenen Sinne Vorbereitung auf einen Seins - Zustand, der einmal gewiß das jetzige Leben ablösen wird. Wir können nicht genug tun, heimisch in jenen Gefilden zu werden, schon heute die Aufgabe zu wählen, denen sich viele in jenem Bereich weihen: segnend, helfend, lindernd, heilend tätig zu sein, die Kräfte des Astralen und Mentalen auszugießen über die gepeinigte irdische Welt, auf eine gequälte Menschheit, die der Erlösung harrt. So wahr der große Ge ist in allem herrscht, was ist, so sicher ist der menschlich - bewährte Gottesfunke Teilhaber der väterlichen Macht und Verantwortung. Zu seinem Teil beizutragen an Fortschritt und Erlösung, heißt, eins zu sein mit dem Segensstrom, der der Harmonie, dem ewigen Gesetz, entfließt, bedeutet aber auch, teilzuhaben an der unversieglichen Quelle von Frieden, Kraft und Fülle, die ein Merkmal sind der Vollendung.
Zusammenstellung, Analyse, Folgerungen Verlauf und Ergebnisse der Untersuchungen Übungsgruppe
Zielsetzung
Minuten je Übung
Durchschnittsdauer der Übungen in Tagen
1 (Augentafeln l -- 4) II Grundübungen III IV V VI VII VIII IX
Vorübungen Augentraining Punkt im All Erscheinungen Farben und Schleier Trance Trancevertiefung Formen und Bewegungen Überwindung von Zeit und Raum Fragen an es Forschungen Kräftekonzentration und Manifestation
20 10 - 15 2020 Höchstens 30 30 30 Zusätzlich 10 30 30
Je Tafel 7 mind. 30 30 14 30 30 - 60 bis 60 30 - 60 nach Entwicklung, Zeit und Neigung
30 30 30
nach Entwicklung, Zeit und Neigung nach Entwicklung, Zeit und Neigung nach Entwicklung, Zeit und Neigung
X XI XII
Analyse und Folgerungen Die Übungen zur Erlangung der Fähigkeit des Hellsehens zeigen einmal mehr, daß magische Disziplinen methodisch erschlossen werden können, wenn man nur die notwendige Disposition schafft, die Übungssystematik kennt und - last not least - die nötige Zeit und Geduld aufbringt. Damit rückt der Okkultismus im allgemeinen und das Hellsehen im besonderen aus der Zufälligkeit ererbter Fähigkeiten oder spontaner Erlebnisse oder als Folge ungeregelter, unkontrollierter, außergewöhnlicher Entwicklung des Geistes und der Seele in den Bezirk experimentell erforschbarer, unter den bekanntgegebenen Bedingungen und Gesetzen jederzeit wiederholba rer Naturwissenschaft, oder, wenn man will, der Anthropologie (Wissenschaft vom Menschen) oder Tiefenpsychologie. A: Vorübungen, Grundübungen, Grundeinstellung. B: Stetgerungen. C: Trance. D: Praxis. Die Übungsgruppen I, II und III dienen der Schaffung von Grundlagen; die Übungsgruppen IV, V und VIII, IX bringen sich automatisch aus konsequenter Übung ergebende Steigerungen, Verdichtungen. Die Aufgabengruppen VI und VII zeigen auf die Methodik der nach den hier vorliegenden Notwendigkeiten und Gegebenheiten abgewandelten autohypnotischen Trancezustände und ihre Vertiefung durch Atmungsmechanik, während die übrigen Versuchsreihen (X, XI und XII) zur praktischen Verwertung ausgebildeter Fähigkeiten und erworbener Technik anregen wollen. Wie im Materiellen gilt es auch im Geistigen - und hier besonders auf magisch - hellseherischem Bezirk - auf sicheren Fundamenten aufzubauen, das heißt, daß das Hauptgewicht der Übungen auf die Vorstufe (Übungsgruppen I, II, III) zu legen ist, wenn sicher reifende, weitere Resultate erwartet werden. Wer die vorliegenden Exerzitien gleichsam als Spielerei betrachtet und die eine oder andere Übung aus dem Zusammenhang herausnimmt, um sie zu erproben, leistet sich und der Sache einen schlechten Dienst. Nur systematisch vorgehend können Erfolge erzielt werden auf einem Gebiet, das gerade wegen seines Umstrittenseins sorgfältig erforscht werden sollte, wobei es einleuchten wird, daß die Beachtung der herrschenden geistigen Gesetze erstes Gebot sein muß. Schon wenn man in ein fremdes - irdisches Land geht, macht man sich mit den dort geltenden Gesetzen, Bedingungen, moralischen Anschauungen, der Landessprache vertraut. Und diese Umstellung wollte man auf magischgeistigem Gebiet unterlassen und doch eine Verständigung, ein Vorwärtskomme n, erwarten? Wir sind uns klar darüber, daß die angegebenen Übungszeiten zum Teil selbst für den Durchschnitt
reichlich bemessen sind. Ein Konvoi von Schiffen muß Rücksicht auf das Schiff nehmen, das am langsamsten fährt, und eine Methode, die sich an eine Vielzahl von Typen wendet, muß sich an dem Unbegabten ausrichten. Es ist aber sicher, daß die meisten ernsthaft Strebenden die angegebenen Übungszeiten unterbieten können, immer vorausgesetzt, daß sie überzeugt sind, das angegebene Ziel der Gruppenübung - die Voraussetzung für das folgende - erreicht zu haben, und es ist ebenso feststehend, daß die Begabten unter uns mit noch kürzeren Übungszeiten auskommen, wenn sie nur bei der Methodik bleiben und keine Sprünge machen, die alles Erreichte in Frage stellen. Die Übungen der vorangegangenen fünf Titel der Bücher der praktischen Magie können im allgemeinen bei Aufnahme der Übungen der vorliegenden Arbeit fortfallen. Gewiß wird aber fast jeder einige der bisherigen Übungen liebgewonnen haben und sie - zu seinem Vorteil - ebenfalls weiter betreiben. Gegen einen solchen Entschluß ist nichts einzuwenden, im Gegenteil, wir befürworten jede Gestaltung der Übungen, die auf die individuelle Persönlichkeit und Entwicklung Rücksicht nimmt, denn wir sind nun einmal der unerschütterlichen Ansicht, daß der Mensch ein Aristokrat und kein Massenprodukt ist. Die Aristokratie, die wir meinen, ist freilich unabhängig von Rasse und Religion, Stand und Elternhaus, Vermögen und Armut, und der elende Bettler am Straßengraben (siehe indische Yogi) kann durchaus in unserem Sinne aristokratischer - entwickelter - sein als der Maharadscha, der auf seinem Elefanten, mit seinem königlichen Prunk und Gefolge, vorbeizieht (womit natürlich nichts gegen indische Fürsten gesagt sein soll, die oft sehr adligen und auch menschlich - geistig hochstehenden Familien angehören). Wir zweifeln nicht, daß unsere Leser verstehen, worauf wir hinauswollen, und wir glauben, daß unsere Lesergemeinde, die sich von Buch zu Buch erhöht, auch den Übungsstoff des vorliegenden Buches ganz im Sinne unserer aristokratischen Weltanschauung mit Erfolg bewältigen und mit reichem Segen für Entwicklung und Zukunft abschließen wird. Wozu uns Gott helfe. Auszüge aus einem Übungsprotokoll 1. Vorbemerkungen Als Musterarbeit eines sich regelrecht Entwickelten lassen wir nachstehend Auszüge folgen, die dem Tagebuch eines Chela entnommen sind und nach einer kurzen Einführung über die Gründe, die zu magischer Arbeit riefen, Ausschnitte bringen aus einer Übungsreihe, die sich über mehrere Monate erstreckte und zur voll ausgebildeten Fähigkeit des Hellsehens führte. Besonderer Wert kommt diesen Aufzeichnungen deshalb zu, weil sie ehrlich auch Rückfälle aufzeigen und die Ursachen klarstellen, die sie auslösten. Dazu aber sind unsere R ichtlinien bei dieser Übungskette in nahezu mustergültiger Weise berücksichtigt worden, und wir glauben, daß allein dadurch der - verhältnismäßig schwer erkaufte - Erfolg garantiert wurde. Es gibt für den Strebenden kein besseres Anschauungsmaterial als di e Notizen eines Studierenden, der den Weg voranging: wie viele Zweifelsfragen werden auf diese praktisch - überzeugende Weise geklärt, wie viele Unsicherheiten beseitigt. Wir wollen an dieser Stelle bemerken, daß die folgenden Bände 7 - 12 in steigendem Maße derartige Aufzeichnungen aus der Praxis bringen und damit den Leser noch mehr als bisher mit den tatsächlichen Voraussetzungen und Gegebenheiten vertraut machen werden. Leider ist es hier nur möglich, Teile der beispielhaften Hellseh- Exerzitien zu bringen, denn der Abdruck der vollständigen Übungsprotokolle würde einige Bände füllen. Wir haben aber in sorgfältiger Auswahl die wichtigsten Abschnitte ausgesucht und sind sicher, daß auch das Konzentrat der Übungsberichte dem Studierenden die Unterstützung gewährt, die zu seiner schnellen und stetigen Entwicklung beitragen soll. Die technischen Details der Notizen sind umfangreicher als die in der Übungsgruppe IV aufgeführten, die lediglich die Mindestpunkte darstellen. Selbstverständlich steht es jedem Leser frei, die Punkte für sein Protokoll zu wählen, die er für sich als notwendig oder zweckmäßig ansieht. Die Erfahrung lehrt, daß man selten zuviel, meist aber zuwenig festhält.
Im übrigen haben wir die Berichte kommentarlos gegeben, da sie am besten für si ch selbst sprechen. 2. Der Entschluß 26. 7.1949. (Aus Tagebuchaufzeichnungen) Die allgemeine geistige Stagnation, ja, Haltlosigkeit breitester Kreise, selbst jener, die früher als kulturtragend angesprochen wurden, war nicht ohne Einfluß auf mein dem Ratio zugewendetes Denken geblieben. Der Sturz aller Begriffe und Fundamente nach dem großen Kriege hatte ein seelisches Chaos in mir ausgelöst, das in der einen Frage gipfelte: Wie konnte Gott so etwas zulassen? und den Gegenpol fand in der Antwort: Gott ist im rationalen Denken nicht vorhanden. Stand auf der einen Seite eine Ablehnung jeder Form von religio (Bindung an göttliche Kräfte), brach auf der anderen Seite um so stärker die Trostlosigkeit der Menschenseele durch, die jeder Bindung an höhere Werte bera ubt war. Waren alle, die Gott glaubten oder schauten, Schwindler oder Narren? Gab es nicht irgend etwas, das hinausragte über den blinden Glauben, etwas, das Beweiskraft abgab für eine überirdische Kraft gleich, ob göttlich oder teuflisch - , die in unser Leben hineinragte, ja, es vielleicht wesentlich oder allein bestimmte? Doch, es gab und gibt - das weiß ich heute - eine solche Kraft. Die Magie, die man heute mit dem gelehrten Ausdruck »Parapsychologie bezeichnet, bringt seit Jahrtausenden, in allen Kontinenten, bei allen Völkern, gleich welcher Kulturstufe, unter allen denkbaren Formen der Religion, der Philosophie oder Mystik Erscheinungen, die es noch heute gibt und die sich nicht erklären lassen mit dem bloßen menschlichen Intellekt. Und war letzten Endes die Entdeckung der Zusammensetzung aller Körper, die Atomlehre, nicht eine Zurückführung auf den Geist, eine Entkörperung der Materie, Zusammenbruch des Häckel Darwinschen, des materiellen Weltbildes? Erst verworren, dann klar, zuletzt gebieterisch gestalteten sich vorstehende Fragen in meinem Hirn und verlangten nach eigener Prüfung und Fundierung. Was war wirklich an den genannten Dingen, was hatte Bestand vor den Augen des sezierenden, kritisch prüfenden Menschen des 20. Jahrhunderts, des Menschen eines technischen Zeitalters? War eine Verknüpfung von Technik, Systematik und Magie, von Wissen und Glauben, von Seele und Geist möglich, ja notwendig? Dem Suchenden wurde bald ein Weg gewiesen, sich Klarheit über alle diese Fragen zu verschaffen. Ein Buch war es erst, dann eine erschütternde Begegnung, eine Wegweisung die Folge. Aus dem Blinden, der nur Dunkelheit um sich sah und vergebliches Mühen, leeres Stroh zu dreschen, wurde allmählich der Tastende, der nicht mehr alles als Schwindel oder Geschäft emacherei ansah, der ein Ziel dämmernd erblickte. So entwickelte sich der Ahnende, der einem Licht zuging, das er zu sehen meinte, aus ihm aber wurde der Fühlende, der nach und nach eine völlige Umschaltung des gesamten Denkens, Sehens, Empfindens vornahm und es lernte, mit dem Kosmos zu atmen. So wurde er zum Sehenden, dem die ersten Beweise sich erschlossen, der belehrt wurde, die geistigen Voraussetzungen und Grundlagen der Magie, der geistigen Welt des Menschen, zu erkennen. Am Ende dieses beschwerlichen Weges stand der Wissende, der die Überzeugung unerschütterlich in sich trug, und nun dem Experimentierenden die Hand reichte, um in systematischen Versuchen einen magischen Bezirk nach dem anderen zu erschließen und zu durchforschen. 3. Übungsprotokolle 2.5.1953. Nach allseitiger gründlicher Vorbereitung, besonders nach lange währendem Training der Augen durch schwarz - weiße und farbige Kontrasttafeln bin ich nun an die ersten Hellsehübungen gegangen, um jetzt auch zu sehen, wo ich empfinde und erkenne. Ich werde stets zuerst einen Ausschnitt geben aus den Aufzeichnungen über die technischen Bedingungen meiner Arbeit, um dann meine Wahrnehmungen anzufügen.
Ich arbeite abwechselnd mit präpariertem magischem (schwarzem) Spiegel und einer Kristallkugel. Beide Konzentrationshilfen habe ich vor Beginn der Übungen unter suggestiver Beschwörung mit starken Odmengen aufgeladen, und sie so hoffentlich recht für mein Werk bereitet und für feinodische Strömungen aufnahmefähig gemacht. Ich arbeite im allgemeinen auf einer Couch liegend, Spiegel oder Kristall, auf dem Untergrund eines schwarzen Tuches 82 ruhend, ungezwungen in den Händen vor mir haltend und fixierend. Wo veränderte Verhältnisse herrschten, bemerke ich das. I. Tag 26. Übungstag
Zeit Min.
Mond
2.5.
22
Beleuchtung
Arzneien
Augen
Konzentrationso Atmung bjekt
Konzentrationshilfe
violett
-
Leichte Störung
Spg.
Zahlen - Monotonie
(|
Wetter
Gesundheit
Ruhe
Erreichte Konzentration
trübe
gut
gut
gut
-
Bevor ich auf meine Beobachtungen zu sprechen komme , muß ich einige Erklärungen zu vorstehender Tabelle geben, weil diese Angaben immer wieder auftauchen. Zunächst einmal ist der 2. 5. bereits mein 26. Übungstag, und ich hatte bisher alle Mühe, mich an die Ruhigstellung und Beschwerdefreiheit der Augen, an das Nichttränen und Nichtblinzeln, zu gewöhnen. Heute ist mir das alles zum ersten Male vollständig gelungen. Die Übungszeit ist stets dieselbe, d.h. ich beginne abends um 20.30 Uhr. Das Zimmer ist stets verdunkelt, da es zur Straße zu liegt und selbst be i Dunkelheit störende Lichtreflexe, z. B. von vorüberfahrenden Autos, ins Zimmer dringen würden. Meine Gesundheit ist, allgemein gesehen, gut; trotzdem glaubte ich, die Spalte Gesundheit nicht übergehen zu dürfen, da leichte Unpäßlichkeiten, wie Kopfschmerzen, Erkältungen usw., hier festgehalten werden können. War der Grad der erreichten Konzentration gut, habe ich das vermerkt. Wurde volle Konzentration nicht erreicht, traten auch keine Ergebnisse ein. Die Beleuchtung war fast stets die einer durch ein violettes Tuch abgeschirmten Glühbirne (40 oder 25 Watt, niemals stärker); andere Umstände habe ich vermerkt. Die Spalte Arzneien dient nicht nur zur Festhaltung etwa verwendeter Narkotika bzw. Räuchermittel, sondern auch dem Zweck, etwa - gegen Kopfschmerzen zum Beispiel - eingenommene Medikamente und ihre Wirkung auf den Übungsablauf zu vermerken. In der Spalte Augen wird ruhige Haltung (ohne Blinzeln, ohne Tränen, ohne Beschwer) mit gut bezeichnet. Unter Konzentrationsobjekt habe ich angegeben, ob Spiegel o der Kristall verwendet wurden. Die Atmung habe ich erst zum Schluß meiner Übungsreihe als Vertiefungsmittel angewendet. Als weitere Konzentrationshilfe hat sich für mich als wertvoll herausgestellt, nicht nur ruhig - gelassen und unverwandt auf die Konzent rationsfläche zu starren, sondern auch vor mich - in Gedanken hinzuzählen. Je 100 markierte ich in Gedanken mit den Fingern. Hatte ich 1000 erreicht, begann ich von neuem, wußte aber genau am Schluß, ob ich bis 2000 oder 3000 gezählt hatte. Ich sparte mi r dadurch auch den ablenkenden Blick auf die Uhr. Da ich stets so langsam zählte, daß ich nicht schneller als der Sekundenzeiger war (etwa mein Herzschlag) - also in einer Minute nicht viel mehr als 60 zählte - , hatte ich bei einer halben Stunde Übungszeit gewöhnlich rund bis 2000 gezählt. Die Vertiefung mit Hilfe der Zahlenmonotonie war jedenfalls, besonders zur Überwindung der Anfangsschwierigkeiten, beträchtlich, und ich bin von
diesem System erst dann abgewichen, als ich es durch ein wirkungsvolleres ersetzte (Atmungsforcierung). Soviel als allgemeine Vorbemerkung und zum Verständnis der tabellarischen Angaben. Wie ich schon sagte, war der 2. Mai bereits mein 26. Übungstag, und ich hatte bisher vollauf zu tun gehabt, mich an die Übungsbedingungen so zu gewöhnen, daß sie wirklich zur Gewohnheit wurden. Heute, zum ersten Male, habe ich die ersten Anzeichen wahrgenommen, daß um uns eine geheimnisvolle, rätselhafte, völlig unerforschte Welt existiert, in die einzudringen nur möglich ist, wenn man ihre Gesetze kennt und sie beachtet. Ganz deutlich haben meine leiblichen Augen im Spiegel einige hin - und herhuschende Schemen, gleich farblosen, züngelnden Flammen, gesehen, die - da ich sie mehrmals feststellte - ganz gewiß keine Einbildung sind. Ich hatte sofort das untrügliche Gefühl, die erste Manifestation einer anderen Welt erlebt zu haben, und das in dem Augenblick, da ich merkte, daß meine Augen so ruhig - starr waren, daß ich hätte stundenlang so starren mögen, ohne irgendeine Anstrengung oder Beschwer. Die ersten Schatten, die über den Spiegel huschten, versetzten mich leider in den Rausch des Entdeckers: mein Herz begann unruhig zu schlagen und mit der Konzentration ist es für heute vorbei. Die grau - weißen Gestalten verschwinden, geheimnisvoll, wie sie gekommen. II. Tag 30. Übungstag Zeit Min.
Mond
Wetter
Gesundheit
Ruhe
Konzentration
klar
gut
gut
gut
6.5.
32
Beleuchtung
Arzneien
Augen
Konzentrationsob Atmung jekt
Konzentrationshilfe
violett
-
gut
Krise.
Zahlen - Monotonie
|)
-
Gestern hatte ich ohne Ergebnis fast 40 Minuten geübt, und mich schmerzten ein wenig die Augen, als ich heute mit den Konzentrations - und Fixikationsübungen einsetzte. Nach kurzer Zeit aber befand ich mich in guter Verfassung, war innerlich völlig ruhig. Der heutige Tag ist sonst nicht bemerkenswert, denn auch heute blieben irgendwelche Erscheinungen aus. Es trat jedoch ein sonderbares Faktum auf, das mich erst ein wenig erschreckte, bis ich mich zur Ruhe und Wiederholung zwang. Wenn die Augen einen ganz bestimmten Grad v on Konzentration und den richtigen Blickwinkel auf einen Punkt vor dem Kristall, den ich heute benutzte, haben, und wenn es gelingt, gelassenstarr diesen Punkt festzuhalten, ihn unter keinen Umständen aufzugeben und damit die Körperwelt auszuschalten, dann wird plötzlich ein Empfinden wach, als ob der ganze Raum verschwömmen wäre, als ob man mit dem Punkt im All allein sei. Durch Rückfrage erfuhr ich, daß es sich hierbei um die ersten Anfänge autohypnotischen Trancezustandes gehandelt hat, der hellseherisch e Phänomene ganz wesentlich fördert bzw. überhaupt erst ermöglicht. Der Schreck über dieses so völlige »Losgelöstsein vom Körperlichen ist zunächst so wirkungsvoll, daß man mit einem Schlage sich wieder seiner Umwelt bewußt wird. Zwingt man sich zur Ruhe, kann man durch Gelassenheit und Konzentration bald diesen Zustand erneuern. III. Tag 40. Übungstag
Zeit Min.
Mond
Wetter
Gesundheit Ruhe
Konzentration
16.5.
28
Neumond
•warm
gut
gestört
Licht
Arzneien
Augen
Konzentrationsobjekt Atmung
Konzentrationshilfe
violett
Hol. - Mark Schierling
gestört
Krist.
Zahlen
-
gut
Für heute habe ich eine neue Versuchsanordnung getroffen, da die Ergebnisse der letzten Tage mich durchaus nicht befriedigten, weil sie keine Fortentwicklung, keine neuen Resultate brachten . Ich habe mich heute in den Sessel vor den Tisch gesetzt, die Kristallkugel vor mir (so auf die Öffnung einer Vase gelegt - nachdem diese mit dem schwarzen Tuch bedeckt war - , daß sie in Augenhöhe vor mir steht, in einer Entfernung von 25 bis 30cm). Die Räucherapparatur habe ich in Bewegung gesetzt, und zwar sowohl den Verdampfer, als auch das kleine Holzkohlenbecken. Über dem letzteren habe ich ein wenig Holundermark verräuchert, durch den Verdampfer die Atemluft ein wenig angefüllt mit dem Dunst des Schierlings. Ob die veränderten Umstände Schuld trugen, oder die Räucherungen, oder die Schwüle der Luft, kann ich nicht sagen: der Erfolg war jedenfalls heute schlechter denn je zuvor, und selbst die Konzentration wurde gestört, ja, sogar die Augen waren unruhig. Ich will vorstehende Versuchsanordnung einmal einige Tage durchführen, um mich an sie zu gewöhnen. Jedenfalls habe ich jetzt die Fenster geöffnet und die Räucherdünste hinausgelassen.
IV. Tag 42. Übungstag 18.5.
Zeit Min. Mond
Wetter
25
vor dem 1. Viertel dunstig
Licht violett
Arznei Codein
Augen gut
Gesundheit
Ruhe
Konzentration
erkältet
gestört
vorübergehend gut
Konzentrationsobjekt Atmung Krist. -
Konzentrationshilfe Zahlenmonotonie
Trotz einer leichten Erkältung wollte und durfte ich mit den Übungen nicht aussetzen, um nicht alles zu gefährden, was ich an 41 harten Übungstagen erreicht hatte. Ich habe jedoch das Bett aufgesucht und betreibe von hier aus die Übung. Trotz der körperlichen Indisposition fühle ich, daß ich heute ein gutes Ergebnis erreichen werde. Die Zahlenmonotonie verhilft mir zu einer vorübergehenden Konzentration - trotz der vorher genommenen Medizin oder gerade deswegen? - , und völlig unvermutet sehe ich im Kristall - so deutlich sichtbar wie diese Blätter vor mir. nur schärfer, leuchtender, mikroskopisch klein, aber scharf einige bunte, fremdartige Gestalten, die blitzschnell über die Konzentrationsfläche huschen, wieder auftauchen, verwehen, sich in Schleiern auflösen. Diesmal bin ich ganz sicher, mich nicht getäuscht zu haben, und noch fester ist meine Überzeugung, daß solche Bilder die Sinnenwelt nicht bietet: das waren astrale Wesen, die ich auf diese Weise zum ersten Male erblickte. V. Tag 46. Übungstag
Zelt Min.
22.5.
85
Licht
Arznei
violett
-
Mond
Wetter
Gesundheit
Ruhe
Konzentration
Gewitter
besser
gut
gut
Augen
Konzentrationsobjekt
Atmung
Konzentrationshilfe
gut
Spg.
-
-
|)
Vom Sessel bin ich wieder zu meiner Couch zurückgekehrt. Hier scheinen doch die besseren Bedingungen zu liegen. Trotz des drohenden Gewitters bin ich gesammelt; da auch die Erkältung nachgelassen hat, hoffe ich auf gute Resultate, besonders da ich außerordentlich lange übte, und zwar zunächst eine Stunde vor dem Stehspiegel im Dunkeln sitzend, dann auf dem Ruhebett, den schwar zen
Spiegel vor mir. Ich fürchte, das Gewitter war schuld - oder die geladene Atmosphäre, oder das Unterlassen der Zahlenmonotonie - » daß ich heute zu keinem Resultat kam. Vielleicht aber hatte ich auch des Guten zuviel getan und zu lange geübt. VI. Tag 53. Zeit Min. Übungstag 29.5. 40/40
Mond
Wetter
Gesundheit
Ruhe
Konzentration
Tag nach Vollmond
klar
indisponiert
erträglich
gut
Licht violett
Augen gut
Konzentrationsobjekt Atmung Spg. u. Krist. Stauung
Arznei Ticarda
Konzentrationshilfe Zahlenmonotonie
Bis gestern habe ich trotz Zuhilfenahme von Räucherungen und erhöhten Übungszeiten keine besonderen Erfolge gehabt. Ob meine noch anhaltende leichte Unpäßlichkeit (Bronchitis) oder das kalte, trübe Wetter verantwortlich sind, kann ich nicht entscheide n. Vielleicht ist es gesetzmäßig, daß auf Erfolge immer wieder Rückschläge eintreten, daß sich bei Beharrlichkeit trotzdem aber langsam die Erfolge immer höher gruppieren. Heute habe ich mich erst 40 Minuten auf den magischen Spiegel konzentriert, und dann die gleiche Zeit auf den Kristall. Bemerken muß ich nachträglich, daß ich beide in Abständen von etwa 10 Tagen jeweils neu magnetisiere und mit Suggestionen anfülle. In meiner Verzweiflung - als nichts anderes half - wendete ich heute zum ersten Male forc ierte Atmung an, d. h. ich hielt den Atem, so lange ich konnte, zurück, pumpte ihn zwischendurch einige Male auf und ab, hielt ihn dann wieder an (ob das der Erkältung wohl tut?). Da endlich gelang mir wieder einmal die Umschaltung- ich versank ins Nichts, ohne aber die Konzentrationsfläche - ich beobachtete den Kristall - aus den Augen zu lassen. Mit aller Kraft hielt ich diesen Zustand aufrecht, und wenn er mir wieder zu entgleiten drohte, setzte ich wieder mit der besonderen Atmung ein, wobei ich die Erf ahrung machte, daß man das Atmen auch vergessen kann wovor man sich offenbar zu hüten hat. (Anmerkung des Verfassers: Wer die unterbewußte Atemtätigkeit bewußt dirigiert - eben durch die geschilderte Atmungsweise - , schaltet oft wider Willen das automatisch arbeitende Atemzentrum aus und bewirkt eine Atemstockung, die mindestens gesundheitsbedrohlich ist.) Ich hielt diesen Zustand der Abgezogenheit einige Minuten an und hatte dann die Genugtuung, zu erreichen, daß sich endlich wieder einmal im Kristall Bilder zeigten: sie waren scharf und leuchtend, wieder mikroskopisch klein, aber sie schienen sich nicht zu bewegen, und als ich schärfer hinsah, lösten sie sich auf. Mir scheint, ich bin hier meiner Einbildungskraft aufgesessen. VII. Tag 82. Übungstag 27.6.
Zeit Min.
Mond
Wetter
Gesundheit
Ruhe
Konzentration
45
Vollmond
trocken
gut
gut
sehr gut
Licht
Arznei.
Augen
Konzentrationsobjekt
Atmung
Konzentrationshil fe
dunkel
Mdgr
gut
Krist.
forciert
Zahlenmonotonie
Seit einigen Tagen arbeite ich im Dunkeln und mit Räucherungen von Mandragora - Tinktur (alkoholischer Auszug der Alraunwurzel).
Ob nun diese neuen Vorkehrungen wirksam sind, oder allgemein die Übungsdauer sich bemerkbar macht, möge offen bleiben, aber es sind jedenfalls in den letzten Tagen st ändig neue Phänomene wahrnehmbar geworden. Heute, bei Vollmond, hatte ich einen ganz besonders günstigen Tag. Mal sah ich glühende Kugeln oder leuchtende Wolken auf der Konzentrationsfläche, ein andermal Nebelschleier und Fetzen und leuchtende Farben, die sich zu unklaren Figuren gruppierten. Am Anfang der Konzentration begann ich, mich durch Zahlen - Monotonie in den Umschaltungs Zustand zu versetzen; inzwischen machen sich die Wirkungen des Räuchermittels bemerkbar und vertiefen die Abgezogenheit vom Irdischen. Nun werden die Gestalten klarer, und dann ist es mir sogar - einem Einfall folgend - gelungen, mich blitzartig an einen Ort zu versetzen, den ich persönlich kenne: den Raum eines vertrauten Menschen. Mir fiel auf, daß der eine der beiden Sessel an einer anderen Stelle stand als sonst, nämlich vor dem Fenster, statt vor dem Tisch in der Ecke (späteres unauffälliges Befragen ergab die Richtigkeit der Beobachtung: der Sessel war vorübergehend an eine andere Stelle gesetzt worden). Ich beginne zu begreifen, daß Ort und Zeit keine Hindernisse mehr sind für den seiner Bande ledigen Geist, und daß ich durch ausdauernde Übung die Fähigkeit erlangt habe, zu sehen, was ich zu sehen wünsche, zu erfahren, was ich begehre. Es gilt, in weiteren Übungen diese Fähigkeit zu festigen und weitere Versuche anzustellen. Besonders interessiert mich, ob der Umgang mit Geistern, sonst nur in spiritistischen Sitzungen oder bei Beschwörungen möglich, auf hellseherische Weise bewerkstelligt werden kann, und ob es möglich ist, zuverlässige Antworten auf gestellte Fragen zu erhalten. Erst nach diesen Feststellungen gilt es, weiteres, zu erforschendes Neuland abzustecken. VIII Tag 109. Übungstag 24.7 Licht dunkel
Zeit Min Mond
Wetter
45
2 Tage vor, Vollmond schön
Arznei
Augen gut
Gesundheit Ruhe
Konzentration
gut
gut
Konzentrationsobjekt Atmung Spg.
gut Konzentrationshilfe
Trotz aller Rückschläge der letzten Zeit habe ich doch ein gewisses Stadium halten können: ich kann zum Beispiel jederzeit, auch ohne Atemtraining und o hne Zahlen - Monotonie, in jenen Trancezustand kommen, der für die Bildung der Hellseh- Erscheinungen so entscheidend ist. Die Technik selbst Augen, Konzentration, Gelassenheit, Räucherungen usw. - ist zum selbstverständlichen Besitz geworden. Trotzdem ist es ärgerlich, daß der Mensch immer wieder seinen Leidenschaften unterliegt oder emotionellen Wallungen, die ihn zurückwerfen. Ich fürchte, mein Weg ist noch lang, ehe ich von mir sagen kann, Herr über meine Empfindungen, mein Denken und Fühlen und damit über die astralen Kräfte zu sein. Obwohl mir inzwischen die Mandragora - Tinktur ausgegangen ist - gestern habe ich die letzten 30 Tropfen verräuchert, ohne gute Ergebnisse zu erzielen - , kam ich heute sofort in jenen merkwürdigen Zustand der Abgezogenheit und Konzentration, der mir stets mit Sicherheit Ergebnisse oder gar weitere Entwicklung ankündigt. Seit mehr als 14 Tagen versuche ich unablässig, Antwort auf eine Frage zu erhalten und benutze diese Frage selbst als Konzentrationshilfe, das heißt, daß die Monotonie ihrer ständigen Wiederholung hilft, mich in einen vertieften Trancezustand zu bringen. Trotzdem ist mir bisher nicht gelungen, auf diese für mich so wichtige Frage eine Antwort zu erhalten. Plötzlich nun, heute, steht diese Antwort vor mir, und zwar unerwartet nicht in einer lebendigen Szene, die ich zu sehen hoffte, sondern in einem Symbol, das trotzdem klar ausdrückte, was ich zu wissen wünschte.
IX. Tag 163. Übungstag
Zeit Min.
16.9,
50
Licht
Arznei
Mond (|
Wetter
Gesundheit Ruhe
Konzentration
gut
gut
gut
Augen Konzentrationsobjekt Atmung
Violett / dunkel.. Myrrhen - Tinktur gut (nacheinander)
Spg.
-
gut Konzentrationshilfe -
Es ist mir einige Male geschehen, daß ich - zum Beispiel über einem Buche grübelnd und vor mich hinstarrend - plötzlich lichte (helle) Bilder vor mir sah, die mir zeigten, womit ich mich beschäftigte, oder was ich unbewußt zu sehen wünschte, oder die mir Antwort gaben auf offene oder versteckte Fragen. Es geht mir eine Ahnung auf, als hätte ein heimlicher Unterricht eingesetzt, der sich mit fortschreitender Übung und Konzentration auf diese Dinge ständig verstärkt. Die Tag für Tag durchgeführten Hellseh - Übungen bringen nun fast jedes gewünschte Resultat, wenn die Ergebnisse auch immer wieder schwanken und der Gemütslage unterworfen sind oder kosmischen Einflüssen und Beeinträchtigungen astraler Art (die ich neuerdings durch 'Weihrauch - Räucherungen, vor Beginn der Übung, vertreibe). Den heutigen Tag habe ich besonders festgehalten, weil ich glaube, heute zum ersten Male eine Kraft materialisiert gesehen zu haben, die sich in mir schon einige Male bemerkbar machte. Unter sonderbaren inneren Schauern sah ich bei der üblichen Abgezogenheit im Spiegel sonderbare, kleine Wesen hin und herhuschen, die mir irgendetwas Unverständliches zuzurufen schienen. Ich hoffte, klarere Bilder zu erhalten und verräucherte vierzig Tropfen Myrrhen - Tinktur (in der Drogerie erhältlich). Als ich wieder den Spiegel in den Händen hielt, verdunkelte sich die Fläche plötzlich - ich übte noch bei violettem Licht - und ein fast spürbares Gebilde kristallisierte sich aus dem Nebel, der den Spiegel umwallte. Ich sah, erkannte und wußte. Nun ist der Weg gefunden. Er soll unverdrossen weitergegangen werden bis zum Ziel. Ende der Tagebuchauszüg e. Die großen Perspektiven Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. Psalm 91, Vers 15. Wohl ausgerüstet mit den psychisch - geistigen Grundlagen, die allein zu magischem Werk befähigen, unterrichtet über die geistigen Gesetze, denen der Magier sich vollbewußt unterwirft - um nicht gegen den Strom zu schwimmen und Schaden zu nehmen, sondern um sich übereinstimmend mit den kosmischen Emanationen zu entwickeln - , nun also wohl vertraut mit der okkulten Technik, den ehernen Gesetzmäßigkeiten der Magie, denen Worte und Formeln sekundär, die Kräfte der Seele aber dominierend sind, betreten wir nun das innere Heiligtum des geistigen Reiches: uns eine Tür nach der anderen aufzustoßen, ist die Aufgabe der nun folgenden Bände sieben bis zwölf. Die Titel eins bis sechs haben ein Echo gefunden, eine Aufnahme, die mehr als alle Stimmen ausdrücken, was diese Bücher dem Suchenden bedeuten: trotzdem werden sie - getreu dem Gesamtplan - gegenüber den kommenden sechs Büchern zurückzutreten haben, denn jede noch folgende Arbeit wird eine Steigerung der vorhergegangenen sein, und die Titel sieben bis zwölf stehen gewissermaßen über den ersten sechs Bänden. Wir wissen, was wir hier sagen. Wir werden - der Strebende und wir - als Weggenossen gemeinsam Stufe um Stufe höhersteigen, weiter einem Lichte entgegen, das dem sehnenden Glanz unserer Herzen entgegenstrahlt.
Es ist, meinen wir, nur zu bedauern, daß der philosophischschöngeistige Teil unserer Arbeit aus Raumgründen völlig zurücktreten muß gegenüber den praktischen Erfordernissen des Werks: denn zunächst und vor allem suchen wir doch die Bücher der praktischen Magie, und so werden auch die folgenden Bände bis zum Bersten angefüllt sein mit neuen, wirku ngsreichen Übungen, Experimenten, Exerzitien, Manifestationen, Erkenntnissen und Offenbarungen. So führt uns der kommende Band (7) in ein geheimnisumwittertes Land, angefüllt voll brodelndem Leben, dem wir uns nach gründlichen Unterweisungen und Vorsichtsm aßnahmen nähern; magische Drogen, Rauschgifte, Hexenmittel und Salben, Narkotika und erotische Gifte und exotische Stoffe werden uns in ihren Bann ziehen, aber uns auch ihre Geheimnisse aufdecken, die sie mit dem magischen Werk verbinden. Im Band VIII werden uns die Zusammenhänge enthüllt, die seit den ersten Tagen der Menschheit Magie und Astrologie aneinanderketten. In einem großen Bogen werden die notwendigen Grundlagen klargelegt, die astrologischen Grundgesetze und Konstellationen, die Beziehungen zur Magie und Quabalah, die wirksam sind oder beachtet werden müssen, soll das Werk gelingen. Der neunte Band - einer der wertvollsten überhaupt - bringt für diejenigen unter uns, die noch immer mancherlei Schwächen des Körpers und Tücken des Schicksals unterw orfen sind, einzigartige, noch nie veröffentlichte Wege zur Befreiung aus Schicksal, von Gestirnseinflüssen ungünstiger Art und Belastungen des Charakters und der Umwelt. Das Buch ist derart aufgebaut, daß von feinster, subtilster Beeinflussung und Umgestaltung ausgegangen wird, um zu schwerstem Geschütz überzugehen, das selbst in verzweifelten Fällen die düsteren Wolken des Schicksalshimmels auseinanderreißen soll. Damit ist die letzte Bereitung von Weg und Magier möglich, so daß der zehnte Band Magische Phänomene dann einen Okkultisten findet, der mit souveräner Sicherheit an die Lösung jeder magischen Aufgabe gehen kann. Nach unserer Weise bleiben wir nicht bei der Schilderung magischer Phänomene stehen, sondern enthüllen die Hintergründe, die Wirkungs- Mechanik und die bewegten Kräfte bis ins letzte und lassen durch den umfangreichen praktischen Übungsteil den Studierenden das Werden dieser Manifestationen miterleben. In einem größeren Zuge umfassen wir nun im Band 11 (Sieben Welten und Kräfte) den gesamt en Kosmos und legen bisher verborgene Zusammenhänge frei. Nun wird die letzte Umschaltung vor dem letzten Schritt vollzogen: der Magier hat die Wahl zwischen Stillstand - der immer ein Rückgang ist oder Fortschritt, Aufstieg in eine Höhe, die ihm vor Jah r und Tag noch undenkbar schien. Auch hier sprengen praktische Übungen alle Theorie und lassen die andere Seite der Welt lebendig werden; in uns und um uns. Der Band 12 schließt unter dem Titel »Der Stein der Weisen - das Lebenselixier die Bücherreihe ab. Wir dringen ein in die wahre Alchimie und erfahren Sinn und Weg der Mystik, die Krönung und Ziel ist aller Religion und Magie. In einer Ganzheitsschau erspähen wir abschließend ein Stück kosmischer Geschichte, die immer auch Gottes Geschichte und die der M enschenseele ist. So mischen sich die Kräfte des Makrokosmos mit den geweckten und gewachsenen Kräften des Mikrokosmos Mensch: ein Jubelklang ohnegleichen wird uns erheben. Nun stehen wir an den Stufen des Thrones, nun können wir den unsagbaren Glanz um un s ertragen, weil er sich in uns wiederfindet. Nun können wir den Aeolsharfenklängen lauschen, sie verstehen, weil gleiche Rhythmen, weil dieselben Harmonien auch in uns schwingen. Nun geht uns der Sinn des Kosmos, des Lebens, des Menschenweges auf: alles kommt aus dem »Wort und, kehrt zu ihm zurück. Ich will ihn sättigen mit ewigem Leben und will ihm zeigen mein Heil. Psalm 91, Vers 16.
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BÜCHER DER PRAKTISCHEN MAGIE Magie, ihr Geheimsinn, ihre Technik und praktische Anwendung BAND VII
Magie und Toxikologie Ein Weg in den Dschungel der magischen Droge: bunt, glühend, lockend, gefährlich; Darstellung von Hexensalben und Narkotika, ihre Verwendung bei magischen Experimenten. Manifestation tiefenpsychologischer Phänomene, mit Tagebuc haufzeichnungen und Erlebnisberichten. Ausführliches Verzeichnis von Drogen, Giften, Narkotika. Großer praktischer Übungsteil.
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INHALTSVERZEICHNIS Vorwort I. Einleitung II. Die Brücke zwischen Magie und Droge III. Wirkungs- Methodik IV. Schutzwehr: Voraussetzungen zur Arbeit mit magischen Drogen V. Hexensalben; Rauschgifte; magische Drogen ..... VI. Hexentum; Aphrodisiaka; Verbrechen, Sucht und Rausch . VII. Unterstützung von Imaginationen; Weckung der inneren Sinne VIII. Autohypnose . IX. Materialisationen Aktiv - magische Steuerung Passiv - mediumistische Führung Astralkörperphänomene (Exteriorisationen) Magie und Tiefenpsychologie Manifestation archaischer Kräfte X. Praktische Arbeiten mit magischen Giften (Einführung des Versuchsleiters) XI. Technisierte Magie und Narkotika XII. Tabelle der Drogen; Beschreibung und Fundorte XIII. Bereitung und Anwendung ......... XIV. Tagebuch - Aufzeichnungen von Praktikern. Berichte der Versuchspersonen I -III: A: Mandragora officinalis B: Cannabis indica C: Bilsenkraut D: Hexensalbe XV. Todsünde": magisches Gift und Verbrechen ..... XVI. Zusammenfassung und Überblick
Vorwort Wir freuen uns, unseren alten" und neuen Freunden den 7. Band der .Bücher der praktischen Magie' vorlegen zu können. Dieses Buch ist nur für reife Menschen mit starkem Verantwortungsbewußtsein gegenüber sich und ihrer Umwelt und mit festem Glauben an die Ewigkeit bestimmt, an eine Ewigkeit, die haargenau abwägen wird die guten und die bösen Fruchte eines Jeden M enschenlebens. Der Weg des Okkultisten sollte in langsamer, aber stetiger Entwicklung vorangetrieben werden; durch gleichmäßige, gleichzeitige Steigerung von Ethik und Moral das allmähliche Abwerfen der .Erdenkleider" erlauben und eine mähliche Angleichung an .höhere Welten" und das Kennenlernen ihrer Kräfte und Phänomene gestatten. Autosuggestion ist ein mächtiger Faktor in dieser Entwicklung, denn sie kann die tiefsten Glaubenskräfte in Bewegung setzen und alle Kraftquellen aufschließen, die zum Ziel trag en. So haben wir im 6. Band (.Hellsehen") gesehen, daß ein einmal erlebtes Verweilen im magisch astralen Bereich nachfolgende darauf gerichtete Übungen sehr erleichtert: mit einer Art .Gewaltmaßnahme' haben wir oft die Fähigkeit entwickelt (.Kanäle gegraben', Überzeugung und Sicherheit geschaffen), die uns fürderhin die Entwicklung erleichtert. Ähnlich verhält es sich teilweise mit den Übungen des vorliegenden 7. Bandes .Magie und Toxikologie'. Sie demonstrieren Zustände, die durch die Entwicklung rein ka usal (nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung) erreicht werden sollten, und bereiten sie selbst mit vor. Sie können also Hilfe sein, ebensogut aber auch, anderen, weniger Geeigneten, eine Belastung, die dann unter allen Umstanden vermieden werden sollte. Der Studierende hat nun, glauben wir, ein Maß von Eigenverantwortlichkeit, Urteilsvermögen und magischer Kraft erlangt, die ihm gestatten, selber zu bestimmen, was seiner Entwicklung dienlich ist. Eine Gefahr liegt weniger in den Übungen selbst - falls sie nach den Richtlinien vorgenommen werden -, als in der Möglichkeit eines Versagens der Geistesgegenwart, des Verstandes und der klaren Kontrolle über sich und die Versuchsbedingungen. Deshalb sollten die Voraussetzungen zur Arbeit mit magischen Drogen (siehe Abschnitt IV: Schutzwehr) beachtet und niemals Übergängen werden. Im übrigen glauben wir, neben einigen fundamentalen Ergebnissen unserer Tätigkeit einen so interessanten und neuartigen Stoff vorzulegen. daß jeder Leser auf seine Kosten kommen wird. H. E. Douval.
I Einleitung Das Gebiet, das uns durch den vorliegenden Band erschlossen wird, ist vergleichbar dem Dschungel der tropischen Klimate: bunt, glühend, lockend, gefährlich. Jeder Schritt bringt neue, unerwartete Gefahren, zeigt neues, glühendes, ü berraschendes Leben, enthüllt den ganzen Zauber, aber auch den verderbten Überschwang ungebändigter Welten, die nach schier unbegreiflichen Gesetzen leben. Ohne gründliche Vorsichtsmaßnahmen werden wir uns diesem schillernden, dämonischen Kreis nicht näher n. Ein häufigerer Aufenthalt vor allem wird unserem Wohlbefinden nicht zuträglich sein. Wir werden unsere Besuche also auf das unbedingt Notwendige beschränken; kennenlernen und feststellen, aber nicht unnötig verweilen; prüfen, aber nicht versinken; beobachten, jedoch niemals Anteil nehmen. Der Boden der Magie ist fremdes, unerforschtes Land - wie sehr, merkt man erst, wenn man es betritt -, voller Gefahren. In Verbindung mit Narkotika aber wird es zum trügerischen Sumpf, der überall seine Fallstricke bereit hält, den Verwegenen zu vernichten, der sich ihm nähert. Wen also nicht lauterste Absichten treiben, wen nicht feste Gesundheit und gute Nerven auszeichnen,
wer ein unerschrockenes Herz und kühle Geistesgegenwart nicht besitzt, wer nicht über ein festes , weltanschauliches Fundament verfügt und wer nicht der Vorsichtigste der Vorsichtigen und trotzdem mutvoll ist, der beteilige sich nicht an den Übungen dieses Buches, soweit sie mit Giften oder Drogen operieren. Die Experimente sind oft so gefährlich, daß nur ausgezeichnete Naturen aus ihnen heil hervorgehen können. Nur unbändiger Wissensdrang und pionierhafter Forschergeist können. allenfalls ein vorübergehendes Eindringen in so gefahrdrohende und doch erfolgverheißende Regionen erlauben. Man fragt uns mit Recht, warum wir überhaupt ein so heißes Eisen" anfassen. Antwort darauf gibt der Inhalt des vorliegenden Buches, vor allem aber die Tatsache, daß es heute jedem Zielstrebigen möglich ist, sich mit jedem Ding auf der Welt vertraut zu machen, das er mit b eharrlichem Willen kennenzulernen entschlossen ist. Es ist uns aber lieber, der Leser wird - im Rahmen unserer Gesamtplanung durch uns unterrichtet, als durch andere, trübe Quellen, die vielleicht geringerer Praxis und minderer Verantwortungsfreudigkeit en tspringen. Dieses Verantwortungsbewußtsein, das jeden Mißbrauch erworbenen Wissens ausschließt, müssen wir bei jedem unserer Leser voraussetzen: Verantwortung sich und anderen gegenüber. Im übrigen ist die Arbeit mit Drogen (Räucherungen und Narkotika) sei t jeher Bestandteil der Magie gewesen und konnte hier nicht übergangen werden. Zudem bieten diese Blätter ein so reiches Anschauungsmaterial, daß wir überzeugt sind, Ernst und Vorsicht auch da zu wecken, wo sie noch mangels Unkenntnis der Gefahren fehlen s ollten. Wir zeigen im vorliegenden Buch die Zusammenhänge auf zwischen Magie und magischen Giften wenigstens war das der Grundgedanke zu diesem Buch. Wenn darüber hinaus noch andere, angrenzende Gebiete berührt werden, so hoffen wir, damit unseren freund lichen Lesern zu dienen. Eines ist die vorliegende Ausgabe freilich nicht: sie ist keine Arzneimittellehre (Pharmakologie) und keine Lehre von den Giften (Toxikologie); es konnten verständlicherweise nur die Drogen behandelt werden, die von altersher in der magischen Praxis verwendet wurden. Ein Wort über die Beschaffung: die meisten der angeführten Drogen sind dem Durchschnittsbürger unzugänglich. Wo das eine oder andere nicht heimische Kraut zu erhalten ist, gibt im Bedarfsfall der Verlag bekannt. Und noch eines. Wir dürfen nicht naiver weise annehmen, das Einnehmen eines magischen Mittels genüge schon, sofort zum Zauberer" zu werden. Auch in der Arbeit mit magischen Drogen sind das Graben von Kanälen" (die Schaffung der Disposition"), Übung und autosuggestive Untermauerung notwendig, und lediglich der Ausgebildete (Entwickelte) oder Begnadete - oder durch unsere Übungen Geschulte - ist in der Lage, nach und nach Erfolge zu erzielen. In den Schoß wird uns nichts gelegt. In der Magie will alles erarbeitet" s ein. Und dann: wer mit magischen Mitteln operiert, als Räucherung oder Hilfsmittel zur Erreichung von Trance - und verwandten Zuständen, verwende niemals das. gleiche Opiat mehrere Tage hintereinander, sondern lege zwischen die Übungen Pausen von mehreren Tagen und beschäftige sich inzwischen mit anderen Exerzitien. Wir dürfen uns niemals an ein Narkotikum gewöhnen" (Erkrankungen oder Sucht könnten die Folgen sein). Damit würde das Kraut auch aufhören, überhaupt noch eine magische" Wirkung zu entfalten, weil der Organismus in allen seinen Teilen sich gewöhnt. So schädlich aber diese Gewöhnung für die Gesundheit ist, so nachteilig ist sie für die magische Arbeit.
II. Die Brücke zwischen Magie und Droge Da Magie das Wirken mit jenseitigen (Supranormalen) Kr äften im Diesseits ist und das Zustandekommen magischer Phänomene von veränderten Bewußtseinsstadien abhängt 14, leuchtet es 14
Siehe Band IV: Gedankenstille
ein, daß Mittel, die solche Bewußtseinsverschiebungen" erleichtern oder bewirken, geeignet sein müssen, ebenfalls magische Phänomene zu begünstigen, besonders dann, wenn die notwendige autosuggestive Vornahme erfolgte. Bereits im l. Band der vorliegen Buchreihe 15 haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß magische Phänomene bewirkt werden können in somnambulen, Trance - , mediumistischen und anderen, besonderen Bewußtseinszuständen (die der Okkultist beherrscht), durch Konzentration auf magische Riten und Zeremonien (Beschwörungen"), durch ererbte übersinnliche Fähigkeiten, in krankhaften Zuständen (z. B. der Hysterie und der Epilepsie), od er daß magische Resultate - abgesehen von spontanen" Erlebnissen bei Katastrophen – hervorgerufen werden in ekstatischen Stadien oder durch Kraftäußerungen, die durch magisch - narkotische Mittel bewirkt werden. Wir werden weiter unten sehen, daß diese Kra ftäußerungen aktiver oder passiver Art sein und daß sie schauend oder produzierend sein können. Uns scheint, die Brücke zwischen Magie" und Toxikologie" ist damit bereits überzeugend geschlossen. Trotzdem halten wir es für notwendig, schon einleitend auf d ie vielgestaltigen "Wirkungen der verschiedenen Drogen aufmerksam zu machen. "Wenn wir nachfolgend eine Gruppeneinteilung vornehmen - lediglich mit Rücksicht auf die magische Praxis-, heißt das keineswegs, daß die unter dieser Gruppe aufgeführten Mittel nu r für diesen Zweck gelten oder in der einen angezeigten Richtung wirken. Im Gegenteil. Mandragora (Alraunwurzel) zum Beispiel, unter Gruppe l aufzuführen, könnte ebensogut unter allen anderen Gruppen auch erscheinen: so vielfältig ist die Wirkung gerade di eses magischen Mittels. Wir unterscheiden für unsere Arbeit nachstehende Gruppen von Mitteln: 1. magische Drogen (einschließlich der sogenannten Hexen - mittel"), 2. Betäubungsmittel (Narkotika), 3. Rauschgifte, 4. erotisierende Mittel (Aphrodisiaka), 5. visuell wirkende Drogen, 6. Räuchermittel, 7. Hellsehen und Prophetie weckende" Drogen. Wir müssen uns nun zunächst über die einzelnen Gruppen unterhalten, um über die Begriffsbestimmung völlig klar zu werden. Ein Gift, das narkotisch wirkt, ist noch nicht magisch" in unserem Sinne. Die magische Wirksamkeit ist erst dann gegeben, wenn eine Beeinflussung bestimmter Nervenzentren erfolgt, die mit den Chakren zusammenhängen und durch sie auf die höheren Körper" des Menschen Einfluß nehmen. Eine magische Einflußnahme liegt für uns auch dann vor, wenn bestimmte Nerven - Steuerungs- Organe des Organismus angesprochen werden, so daß also von dort eine Wirkung auf den äußeren (irdischen) Körper erfolgt. Das Wesen der Magie liegt ja gerade in dieser Wirksamkeit (von o ben" nach unten", von innen" nach außen") begründet. Sehen wir uns einmal die Tabelle in Band IV der vorliegenden Buchreihe16 auf Seite 86 an, das Geistige Panorama", dann stellen wir fest, daß den verschiedenen Körpern" des menschlichen Organismus (oder de s Makrokosmos als oberer" Entsprechung) die in Spalte 6 aufgeführten Bewußtseinszustände entsprechen": wirkt also eines der von uns verwendeten Mittel auf die den Körpern 11-V entsprechenden Bewußtseinszustände, tritt eine magische Wirkung dergestalt ein, daß gewissermaßen trotz ausgeschaltetem" irdischem Körper (oder gerade deswegen) die höheren Körper zu erwachen, zu leben und zu wirken beginnen: das ist eine rein magische Wirkung, wie wir sie durch unsere Übungen systematisch hervorzurufen suchen und wie sie vorübergehend - durch Narkotika herbeigeführt werden können. Die höchste Wirksamkeit wird in beiden Fällen, also auf Grund systematischer Schulung oder durch 15 16
Ritus und Zeremoniell der Magie. Gedankenstille, Mutter aller Magie.
Einfluß der Droge, dann erreicht werden, wenn der dem Bewußtseinszustand entsprechende höhe re (mikrokosmische) Körper mit den entsprechenden makrokosmischen Kräften zusammenklingt, zusammenarbeitet. Es dürfte uns allen klar sein, daß hier wieder das eherne Gesetz der Magie und des Kosmos gilt, daß sich dem Gebot der Anziehung folgend gleich zu gleich" gesellt. Wer also durch ein Opiat einen höheren Körper in sich anspricht" (ohne die niederen" Körper gereinigt", harmonisiert zu haben), wird nicht die dem höheren Körper entsprechende kosmische Ebene anziehen, sondern niedere astrale Wesen, die nur darauf warten, eben diese Menschenseele in ihren Bann zu schlagen. Besessenheit kann die Folge sein. Wir wollen uns also von Anfang an darüber klar sein, daß bei der Arbeit mit magischen Drogen dieselben Vorbereitungen notwendig sind, ja, in noch höherem Maße erforderlich sind, als bei unseren anderen magischen Übungen und Exerzitien. Wer diesen Grundsatz nicht beherzigt, spielt mit Leib, Leben und Seele. Diese Gefahr wird besonders groß dann sein, wenn ein Narkotikum zu stark ist oder sich ausnahmsweise überstark äußert (es gibt bei jedem von uns solche Idiosynkrasien, Überempfindlichkeiten" gegenüber bestimmten Medikamenten): die Kontrolle des irdischen Bewußtseins fällt fort und dunkle astrale Mächte können unter Umständen mit der unvorbereiteten Seele machen, was sie wollen. Die Kraft der Strahlungen (als Geistwesen" personifiziert) ist so groß, daß ihre Gefahr weniger in ihrer Gewalt, als in der Verlockung liegt. Zum Exempel zeigen oder versprechen sie dem Experimentierenden die Erfüllung gerade seiner am inbrünstigsten gehegten Träume oder ein von ihm ersehntes Paradies. ... freilich: auf der anderen Seite", die den Tod, Abschluß der irdischen Entwicklungsarbeit bedeutet. Und: was wir hier auf Erden an Zeit verlieren, gibt uns keine Ewigkeit zurück. Halb zog sie ihn, halb sank er hin...": dieses Wort Goethes ist mehr als Dichtung. Unter den magischen oder narkotisierenden Giften befinden sich welche, die man als Rauschgifte" anspricht. Was ein Rauschgift ist, weiß jeder von uns. Alkohol ist zum Beispiel ein Rauschgift": es erzeugt Rausch und bei Mißbrauch die bekannte Sucht", die nur durch eine Entwöhnung" (mehr oder minder offiziell") aufzuheben ist. Das "Wesen des Rausches", den magische Gifte erzeugen, liegt weniger darin, trunkenes Vergnügen" (Euphorie) hervorzurufen, als vielmehr in der Fähigkeit des Herrn der Droge", bestimmte - oft gar nicht einmal empfundene - Reize auf den Organismus auszuüben. Die Gefahr erkennt man - meist zu spät erst dann, wenn die gewohnte" Dosis ausbleibt (oder ihre Steigerung); nun erst weiß man, was einem fehlt": das ist das Wesen der Sucht, die also nicht unbedingt mit beschwingten Rauschzuständen verbunden zu sein braucht. Es ist klar, daß Gifte, die solche versteckte Sucht" heraufbeschwören, wesentlich gefährlicher sind, weil unkontrollierbar, als ihre anzeigenden" Schwestern. Die unter den Rauschgiften, die einen derben Kater" verschaffen, sind noch am besten zu überblicken, weil sie uns aufmerksam, ja, argwöhnisch machen. Wo dieser Vergiftungszustand" fehlt, wächst automatisch die Gefahr. Am gefährlichsten sind also die Gifte, die keine Trunkenheit, und keinen Kater" (Folgen von Vergiftung und Entwöhnung) hervorrufen. Plötzlich, erschreckend unvermittelt, steht die Sucht vor uns, um so bedrohlicher, als wir das Ausmaß der Gewöhnung gar nicht übersehen können, also auch nicht die Schwierigkeiten kennen, die uns die Entwöhnung bereiten würde. Es ist wahrhaftig ein Glück, daß wirkliche Rauschgifte allgemein so schwer zugänglich sind: vor der wirklichen" gibt es kaum eine größere Hölle, als die der Sucht und der Entwöhnung von ihr (übrigens ist die jenseitige" Hölle auch nichts anderes als eine Entziehungsanstalt": hier sollen unsere allzu festen Bindungen an die materielle Welt, die sich bis auf empfindliche, unsterbliche seelische Teile erstrecken, gelockert, beseitigt, gelöst werden, um damit eine Befreiung von der Sucht nach dem .Materiellen" und ein Höhersteigen" zu ermöglichen). Viele Rauschgifte, Narkotika und magische Drogen sind mehr oder minder stark erotisierend. Es ist
wichtig, von dieser Gefahr zu wissen und sich nach Möglichkeit durch Gegenmittel" vor ihr zu schützen: sonst könnte eines Tages alle mühsam erworbene Askese und Beherrschung buchstäblich zum Teufel" gehen. Viele der unter l-4 aufgeführten Gifte erze ugen Visionen. Für uns ist hierbei wichtig zu wissen, welche Visionen magisch real" und welche subjektiv - halluzinatorisch" sind. Hierüber belehrt uns das folgende Kapitel Wirkungs- Methodik". Unter Gruppe 6 führen wir Räuchermittel an, die entweder noch unbekannt oder aber seit Jahrtausenden gebräuchlich sind (oft trifft beides zusammen: unbekannt und doch von Eingeweihten seit langem gebräuchlich). Die Wirkungsbreite dieser Drogen ist recht verschieden: sie reicht von der einfachen Bewußtseinsverschiebun g über Trance bis zur Materialisation von dämonischen Kräften und archaisch - unterbewußter Vorstellungsgruppen. Seien wir uns bei Räucherungen darüber klar, daß wir auch auf diese Weise Gift" zu uns nehmen können: beide Lungen nicht nur, auch Haut und Ner ven nehmen den Geist" der Droge auf und leiten" ihn weiter, oft in Bewußtseinstiefen - die uns gar nicht einmal deutlich zu werden brauchen -, die uns der Herrschaft über uns selbst berauben und astralen Wesenheiten allen Spielraum lassen. Unter 7 haben wir die Mittel zusammengefaßt, die dafür bekannt sind, Hellseh - Phänomene und die Fähigkeit des Weissagens (z. B. Pappel - und Lorbeerblätter) zu erzeugen". Unseren Lesern wird klar sein, daß auch hier wieder das Oberbewußtsein" herabgesetzt oder ausgeschalt et wird, um den höheren Körpern" Fühlungnahme mit entsprechenden kosmischen Kräften und damit die erwähnten Phänomene zu gestatten. Der Studierende wird begriffen haben, warum wir diese siebenfache Gliederung der magischen Mittel vorgenommen haben. Lassen sich die Mittel meist auch nicht klar rubrizieren, ist doch ihre Hauptwirkungsweise angegeben und eine bestimmte Ordnung in die Vielfalt der Narkotika und Gifte gebracht. Dieser Abschnitt soll nicht abgeschlossen werden ohne die Bemerkung, daß die vorliegenden Blätter die Zusammenhänge zwischen Magie und Toxikologie behandeln und eine ganze Reihe von Übungen und Übungsberichten bringen, die dem Studium der Gifte dienen bzw. dienten. Die durch Verwendung der Drogen zu erzeugenden Phänomene selbst können logi scherweise nur gestreift werden, denn ihre Darstellung ist bekanntlich dem Band X dieser Buchreihe 17 vorbehalten, der die magischen Erscheinungen behandelt, gleich welchen Ursprungs (mediumistischer oder anderer Genese) sie sind. III. Wirkungs- Methodik Um dem Strebenden von Anfang an die Möglichkeit des vollen Verständnisses zu geben, für das, was nun folgt, sind wir gezwungen, schon jetzt die Ergebnisse unserer Experimente vorweg aufzuführen, Resultate von Versuchen, die teilweise mit Assistenten oder Versuchspersonen vorgenommen wurden. Bereits im Band VI der Buchreihe 18 (Abschnitt Zielsetzung") haben wir davon gesprochen, daß bestimmte Gifte sowohl auf das Hirn (dann krankmachend") als auch auf bestimmte Nervenzentren (die magische Wirkung auslösen) wirken können. Um einen abschließenden Überblick über diesen wichtigen Teil unserer Untersuchungen zu geben, treffen wir folgende Feststellungen als Ergebnis langjähriger Versuche; anschließend werden wir die einzelnen Punkte interpretieren: 1. Das kranke - vergiftete - Hirn reproduziert vorhandene (archaische) Bewußtseinsinhalte in Form von Halluzinationen. Diese krankhaften Visionen tauchen spontan - ungewollt - auf und sind nur subjektiv - vom Kranken wahrzunehmen. Der Kranke identifiziert sich mit ihnen, h at keine Distanz zu seinen Vorstellungen, keinen Überblick und keine Kontrolle über sie. Oft verfällt er ihnen ganz (Besessenheit" - Wahn 17 18
Magische Phänomene. Hellsehen als experimentelle Magie.
Sinn). 2. Magische Mittel können bewirken die Weckung der inneren Sinne". Das sind die Sinne", mit denen die Seele arbeitet, z. B. nach dem Tode: nur wer an die Auferstehung nicht glaubt, wird wahrhaftig sterben. Diese durch magische Drogen (oder auf andere Weise) geweckten inneren Sinne des Menschen machen Wahrnehmungen echter, astraler Art oder tragen bei zur Materialisation astraler Erscheinungen. In diesem Fall handelt es sich um gewollte Phänomene zu vorher festgelegten Zeiten. Der Experimentator beherrscht sie, wirkt durch sie und mit ihnen. Diese Erscheinungen sind magisch - objektiv, von jedem Hellsinnigen (von vielen Sensitiven, oft aber auch von Normalen") wahrnehmbar, unter geeigneten Bedingungen auch photographierbar. Stets kehrt nach dem Experiment der Okkultist zum Normalen" zurück (soweit dem Okkultisten gesunder Menschenverstand" zugestanden wird), befreit sich also von allen Erscheinungen, die seine Versuche beschworen" haben; er steht souverän über ihnen, distanziert sich von ihnen; sein irdischer (gesunder) Geist erkennt sie als das, was sie sind: mehr oder minder materielle kosmische Strahlungen", Kräfte und geistige Wesen. Die Materialisation (Manifestation) odisch - astraler Kräfte setzt bei dem Experimentator (oder seinem Medium als Mittler) mediumistisch - magische Fähigkeiten voraus, unter anderem die Lösung odisch - astraler Teile aus seinem eigenen Organismus- eine Fähigkeit, die dem Geisteskranken" völlig abgeht. Die Kenntnis dieser Tatsachen und die Herrschaft über die daraus resultierenden Gegebenheiten und Möglichkeiten unterscheidet den Parapsychologen weltenweit von seinem kranken Gegenpol", dem Geisteskranken, der seinen Halluzinationen nicht gebieten kann und seinen Zustand überhaupt nicht erkennt. 3. Die Lösung odisch - astraler Teile vom menschlichen Organismus zum Zwecke der Herbeiführung magischer Phänomene ist grundsätzlich auf zweierle i Art möglich: a) auf aktiv - magische Weise, bei vollem oder eingeschränktem Bewußtsein des Experimentierenden: die Haltung des echten Magiers, der freilich auch mit seinem höheren Bewußtsein" arbeiten kann; b) auf passiv - mediumistische Weise, fast immer in mehr oder minder tiefen Trancezuständen: der Zustand" des Mediums, das durch seine besondere Begabung" zum Mittler wird zwischen den Kräften des Jenseits" und den irdisch - physikalisch - physiologischen Tatsachen. Ist der Experimentator im Falle a) sich allein und seiner Glaubensvorstellung verantwortlich, erstreckt sich seine Verantwortlichkeit im Falle b) auch auf das Medium und die durch dessen 'Vermittlung produzierten Erscheinungen: der Okkultist allein hat Kontrolle und Herrschaft über den Versu chsablauf (oder sollte zumindest sich diese Kontrolle, Herrschaft und Lenkung niemals entreißen lassen). Aus dem Gesagten erhellt, daß der Versuchsleiter ein tatkräftiger, willensstarker und charaktervoller Mensch sein muß, dem gute Nerven gehorchen und der über eine ganz besonders rasche Reaktionsfähigkeit verfügt, die mit starkem (intuitivem) Kombinationsvermögen gepaart sein muß, weil immer wieder unerwartete Situationen schnelle - und unbedingt richtige - Entschlüsse fordern: der Experimentator muß also geistig überdurchschnittlich gut veranlagt sein: auch nur Schwäche, geistig oder der Nerven, würde ihn mit Sicherheit über kurz oder lang zugrunde richten. Für die beiden grundsätzlich zu unterscheidenden magischen Tätigkeiten (aktive oder mediumistische) gilt natürlich das bereits oben Gesagte (siehe Abschnitt Brücke"): sie sind auf vielerlei Arten zu bewirken (z. B. durch magische Bewußtseinszustände oder Narkotika). 4. Bei der Erzeugung magischer Zustände beim Experimentator selbst - also unter Ausschluß eines Mediums- geht es um Stadien, die sonst nur durch systematische Ausbildung (wie in den Bänden I -VI erläutert) erreichbar sind. Diese vorübergehend, gleichsam künstlich" herbeigeführten Stadien können wertvoll sein - wenn man den geschilderten Gefahr en gewachsen ist -, weil sie einmal die Bereitschaft" schaffen und zweitens das Wissen von ihnen vermitteln, das die Entwicklung begünstigen und beschleunigen kann (falls nicht die negative Seite bei ungenügend vorbereiteten" Naturen stärker ist und den Experimentierenden weiter zurückwirft als an den Beginn seiner magischen Laufbahn).
5. Aus dem unter 4. Gesagten geht klar hervor, daß nur ganz besonders disponierte Menschen zur Arbeit mit magischen Drogen geeignet sind. Selbst wo nur die Gefahr, ja, die Furcht vorliegt, daß man Schaden nehmen könnte - sie kann zum Bestandteil des Unbewußten werden -, sollte man unter allen Umständen auf das Einnehmen von Narkotika verzichten und sich lediglich auf die - verhältnismäßig harmlosen - Räucherungen beschränken ( die nicht weniger wirkungsvoll zu sein brauchen). In jedem Fall wollen wir alles, was wir auf diesen Seiten erfahren, als Bereicherung unseres Wissens nehmen und mit um so größerem Eifer an die systematische Schulung unserer magischen Kräfte gehen. Wer so handelt und entscheidet, hat ganz gewiß keine Rückschläge zu erwarten und geht einer stetigen Aufwärtsentwicklung entgegen. 6. Alle magischen Zustände - Trance, Autohypnose, Somnambulismus (Katalepsie), Konzentration, Gedankenstille - sind durch Verwendung von Narkotika ebenfalls herbeiführbar. Da aber hier weitgehend die Kraft der Droge den Ablauf des Geschehens bestimmt, kann von aktiver magischer Handlung nur beschränkt gesprochen werden: Das Narkotikum führt mehr oder minder starke Dämmerzustände" herbei (Halbschlaf, Trance, magnetischer Tiefschlaf). In diesen Stadien aber ist es nach den Erfahrungen der Magie - die Jahrtausende alt sind - und nach den Ergebnissen der experimentellen Tiefenpsychologie - neuesten Datums- möglich, auf die Seelentiefen des Menschen einzuwirken und damit Einfluß zu nehmen auf die Nerven - Steuerungs- Organe, die alles physiologische Geschehen lenken. Der Psychiater Prof. Dr. med. Brauchle sagt hierüber: Bewußtsein, Unterbewußtsein und Organisch Unbewußtes bilden eine Kraftpyramide. Die seelische Persönlichkeit, die entwicklungsgeschichtlich spät auftaucht, muß sich des Organisch - Unbewußten bedienen, will sie "Wirkungen auf die stofflichen Leistungen und den Aufbau des Körpers entfalten. Der Begriff des Organisch - Unbewußten umfaßt die Wirkungsentfaltung einer gleichsam verborgenen Intelligenz, eines Geist ähnlichen Prinzips, einer zielgerecht denkenden und handelnden Kraft beim organischen Wachstum, bei allen Entwicklungs- und "Wiederherstellungsprozessen (Hervorhebungen v om Autor). Dies ist nur eine Stimme aus einer ganzen Reihe gleicher und ähnlicher Bekundungen der modernen Psychologie. 7. Das Unbewußte, das also in bestimmten Bewußtseinsstadien angesprochen wird, entfaltet seine Tätigkeit auf das organisch - materielle Körpergeschehen, aber nicht nur das: es wirkt (z. B. im autohypnotisch gesteuerten magnetischen Schlaf) auch nach der seelisch - geistigen Richtung: auf die immateriellen Körper und kann so zum Auslöser magischer Phänomene werden. Bei richtigem Einsatz dieser erstaunlichen Kraft kann sie zum Wunscherfüller, Problemforscher und Problemloser werden, ja, nach dem "Willen des Experimentators sogenannte Traumlösungen" bringen (also Arbeiten schwierigster Art im Schlaf" ausführen) oder entsprechend der autosugges tiven Steuerung den Empfindungskörper teilweise oder ganz exteriorisieren (verlagern": aussenden). Sind bei einigen Versuchen erst einmal diese Ergebnisse erzielt, gelingt es auch bald - Geduld und Beharrlichkeit sind hierzu erforderlich - mit den ausgesandten odisch - astralen Teilen bestimmte (sich steigernde) irdisch - physikalische Wirkungen hervorzurufen. IV. Die Schutzwehr" Voraussetzungen der Arbeit mit magischen Drogen 1. Wir gehen an keinen Versuch dieses Buches, bevor wir es nicht vollkommen durc hstudiert und in allen Punkten erfaßt haben. 2. Wir sollten unter allen Umständen die Hauptübungen der Bände I -VI der vorliegenden Buchreihe mit Erfolg hinter uns gebracht haben. 3. Wir sollten vor den Versuchen mit Narkotika wenigstens ein gutes Durchschn ittsniveau in ethisch sittlicher Hinsicht erlangt haben, wie es in den vorangegangenen Büchern immer wieder erläutert worden ist. 4. Mindestens die ersten Versuche sollten unter gar keinen Umständen egoistisch - materielle Ziele
verfolgen, niemals aber solche, die anderen schaden könnten oder Freiheit, Recht und Würde eines Menschen antasten. 5. Wer in seiner Weltanschauung noch nicht fundiert ist oder auch nur Zweifel hat am Gelingen eines Experiments, sollte es solange zurückstellen, bis die genannten Voraussetzungen erfüllt sind. 6. Gesundheitlich nicht unangreifbare Leser sollten zunächst an Festigung ihrer Gesundheit denken: die vorangegangenen sechs Bücher der praktischen Magie" haben eine Reihe von Wegen dazu gewiesen. 7. Wer schreckhaft ist oder ne rvös, darf sich den Gefahren eines Experiments mit unberechenbaren Drogen nicht aussetzen. Der Schaden könnte in jedem Falle größer sein als ein möglicher Nutzen. 8. Wer noch nicht sicher ist, überwundene Schwächen völlig getilgt" zu haben (aus dem Empfindungskörper nämlich, wo sie noch lange Zeit nachher ''herumspuken"), begebe sich noch nicht auf ein so exponiertes Gebiet, wie es die Arbeit mit magischen Drogen darstellt. 9. Wenn möglich, sollten wenigstens die ersten Versuche mit Hilfe eines Assistenten durchgeführt werden. Sind erst einmal die Anfangsschwierigkeiten überwunden, wachsen Sicherheit und Autorität. 10. Wir gewöhnen uns niemals an ein und dasselbe Mittel, ganz gleichgültig, ob wir irgendwelche Wirkungen spüren (nach dem Einnehmen oder einen T ag darauf) oder nicht. Dasselbe Mittel nehmen wir in Mindestzwischenräumen von vier Tagen ein, niemals eher, am wenigsten dann, wenn wir einen Drang nach ihm verspüren sollten. 11. Zu Beginn nehmen wir die geringst mögliche Menge zu uns. Bei Tinkturen sind Verdünnungen mit Zuckerwasser möglich, die auch noch im Verhältnis von 1:100 wirksam sein können. 12. Wir verwenden Mischungen erst dann, wenn wir die einzelnen Drogen erst ausprobiert haben. Dann mischen wir zwei von ihnen in der geringst möglichen Dosis (siehe Punkt 11) und setzen dann eventuell unter denselben Vorsichtsmaßnahmen ein oder weitere Mittel zu. Erst dann erhöhen wir erforderlichenfalls die Mengen der einzelnen Drogen. 13. Grundsätzlich verwenden wir jedes magische Mittel zunächst als Räucher ung (und beginnen auch hier mit den geringsten Mengen), dann - wenn nötig - als Salbe, und. - erst dann - als ultima ratio nehmen wir es notfalls ein (siehe Punkt 11). 14. Bei dem leisesten Unbehagen brechen wir den Versuch sofort ab und gehen an die fri sche Luft, setzen uns bewußt anderen Eindrücken aus. 15. Alkohol wirkt oft stark steigernd. Im Falle des Punkt 14 ist es also nicht empfehlenswert, einen Gasthof aufzusuchen und einige Glaser Kognak zu trinken: die Wirkungssteigerung des vorher verwendeten Mittels könnte verblüffend, ja erschreckend sein. 16. Wir halten stets ein Gegenmittel bereit, um ein etwa auftretendes Unbehagen - das stets den Abbruch des Versuchs erzwingen sollte - zu verscheuchen. In fast allen Fällen hat sich hier der Kaffee als wirksam erwiesen, eventuell in Form von anregenden koffeinhaltigen Tabletten, wie sie in jeder Apotheke zu haben sind. 17. Bekanntlich ist wahrer Mut die Überwindung der Feigheit: wir sollten also mit aller Gelassenheit an einen als notwendig angesehenen Versuch gehen und uns niemals in Erregung versetzen lassen, weder durch äußere noch durch innere Eindrücke. Wie Alkohol wirken auch Erregungen oft wirkungssteigernd, und eine sonst harmlose Droge kann böse Folgen zeitigen (abgesehen davon, daß der Mensch allein durch autosuggestive Vorstellung sterben" kann). 18. Die Ordnung aller persönlichen, besonders aber geistigseelischen Dinge ist der Nährboden der Gelassenheit und Ruhe. Wer also in zerrütteten Verhältnissen lebt, tut gut daran, abzuwarten, bis sie sich klären: er wird dann zu der heiteren, selbstsicheren Einstellung zurückfinden, die eine unentbehrliche Voraussetzung ist für magisches Tun. Zu l: Es ist eine weitverbreitete Angewohnheit", sich aus einem Buch die markantesten Stellen herauszusuchen - wir gestehen, selber an dieser Schwäche zu leiden" - oder die am meisten interessierenden Versuche sofort vorweg zu probieren". In allen anderen Fällen mag diese Art planloser Arbeit noch hingehen; bei der Behandlung des vorliegenden Stoffes dürfen wir uns kein er
Nachlässigkeit hingeben, denn es könnte sein, daß wir einen wesentlichen Punkt übersehen haben, von dessen Beachtung gerade bei dem beabsichtigten Experiment Gesundheit und Seelenfrieden abhängen. Wir sollten auch nichts überstürzen und die Materie völl ig beherrschen, das heißt, nicht schon nach dem ersten Durchlesen glauben, daß sich uns alles Wesentliche erschlossen hat: das ist oft erst beim zweiten oder dritten Durchlesen der Fall, oft erst in einer besonders glücklichen Stunde, in der wir aufgeschlossen sind für alles, auch zwischen den Zeilen Gesagte. Zu 2 und 3: Der Sinn dieser Punkte liegt nicht darin, denjenigen, die noch nicht die Bände I -VI besitzen, unbedingt ihren Kauf einzureden" - obwohl dieser Rat durchaus vertretbar wäre -, sondern vielmehr darin, daß nur jemand, der die in den genannten Büchern erläuterten Grundsätze kennt und die in ihnen gezeigte Entwicklung gegangen ist, sicheren Boden unter sich hat, von dem aus er in unsicheres Neuland vorstoßen kann. Zu 4: Dieser Punkt will besagen, daß die ersten Versuche wenigstens rein geistigen Zielen dienen sollten. Die aus diesen Versuchen erlangten Erfahrungen sind Basis dann für weitere Versuchsreihen und den einzuschlagenden Weg. Zu 5: Eine fundierte Weltanschauung hat zum Beispiel, wer die Überzeugung hat, daß es Tod oder Auflösung des Unverweslichen nicht gibt, und daß Raum und Zeit irdische Begriffe sind", und wer vor allem an die Priorität (Allmacht) des Geistes und an die Einheit alles Seins glaubt. Wer die Ströme der kosmischen Kraft" durch sich hindurchleiten konnte, sich eines fühlte den Planeten und Sonnen, dem Äther (Prana) und der Erde mit allen ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen - der hat ein Fundament, das kein Schock erschüttern kann. Zweifel ist schlimmer als falsches Tun", und der Feige stirbt tausend schreckliche Tode": wer an die Vorherrschaft des Geistes und daran denkt, daß er - der Mensch als zeit