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r/li/i( ~~ ~i i ~ lt (~"~ i:/ t f o ~ c ~ ~ r c i kDiI oG~ ~ ~i i. / i k i I ; I O I I O I~ I I I I I I i i . grc?K, dir G I ~ ~ i c ~ l r g c i ~ ~ i ~ ~ l ~ i . s .sofor/ c ~ i i i s ~c,t:fi)lg/. c l l ~ r t t Zur g Formulierung von Ioneilgleichgewichten werden nur Konzentrationen (nicht Aktivitäten) verwendet. M:ill muß sich aber darüber klar sein, daß die abgeleiteten Beziehungen dann exakt nur fiir ideale Lösungen gelten. J
=
K~~
wird Löslichkeitskoefizient genannt. Bei Erhöhung des Druckes um das 5fache nimmt auch die Löslichkeit auf das 5fache zu. Auf Gase, die mit dem Lösungsmittel chemisch reagieren, wie z. B. HCI, ist das Gesetz nicht anwendbar. Bei einer gesättigten wäßrigen Lösung eines Salzes der allgemeinen Zusammensetzung AB ist fester Bodenkörper AB im Gleichgewicht mit den Ionen A i und B (vgl. Abb. 3.40). Bodenkörper AB
+ Ionen in Lösung $
Ai + B -
314
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
in Lrisung. Im Gleichgewichtszustand werden pro Zeiteinheit ebenso viel Ionenp aare A + + B aus der Lösung im Kristallgitter AB eingebaut. wie aus dein Gitter in Lösung gehen. Durch Anwendung des MWG auf den Lösungsvorgang erhiilt
und C . sind die Konzentrationen der lonen A t und B- in der ges5ttigto L,sung. LADist eine Konstante, sie wird Löslichkeitsprodukt des Stoffes AB genannt, L AB ist temperaturabhängig. Iiii <;/<~i<~/ig~~i~i<~h/i:~i.~i(oi(l ii/also hri ,yi~gob<~ii<,i. i'i,,i,:,, ,,.(,[ur &IS Proiiiih-r i h r Ioii~viho i i ~ ~ ~ i i r r i ~koiiii(iiii. i i o ~ ~ ~Wie ~ i ~schon bei anderen heterogenen Gleichgewichten erläutert wurde (vgl Abschn. 3.5.2). treten im MWG die Konzentrationen reiner fester Stoffe nicht auf. Auch bei Lösungsgleichgewichten h;lt die vorhandene Menge des festen Bodenkörpers keinen Einfluß auf das Gleichgewicht. Es spielt keine Rolle. ob als ungelöster Bodenkörper 20 g oder nur 0,2 g voih:inden ist. wesentlich ist nur, daß er überhaupt zugegen ist. Für die Lösungen eines schwerlöslichen Salzes AB, z. B. AgC1, sind drei Fälle möglich. CA+
1. Gesättigte Lösung
315
gesamte AgCl ist gelöst. das Produkt der Ionenkonzentrationen ist kleiner als das ~öslichkeitsprodukt,die Lösung ist ungesättigt. Eine ungesittigte Lösung erhält man durch Verdünnen einer gesättigten Lösung. Sie entsteht auch dann, „W man einer gesättigten Lösung lonen durch Komplexbildung entzieht. So bildet z. B. Agi mit NH, das komplexe Ion [Ag(NH3),]+, so da13 durch Zugabe von NH, einer gesättigten AgCI-Lösung Ag*-Ionen entzogen werden. Als Folge davon geht der im Gleichgewicht befindliche AgC1-Bodenkörper in Lösung. Die ~ ö ~ l i ~ h kvieler e i t Salze kann durch Zugabe komplexbildender Ionen oder Moleküle sehr wesentlich beeinflußt werden (vgl Abschn. 5.4).
~6~Salze der allgemeinen Zusanimensetzung AB, und A,B3 erhält man durch Anwendung des MWG die in den folgenden Gleichungen formulierten Löslichkeitspro-
Es ist zu beachten, daß die Koeffizienten der Reaktionsgleichungen im MWG als Exponenten der Konzentrationen auftreten. Beispiel: Löslichkeit von Ag2Cr04 2
Die Lösung ist gesättigt. Bei 2 5 T beträgt
. C C ~ O ~=- L ~ p l ~ r 0 = 4 4 . 10-12 moI3/l3 AUS C„+ = 2 c O o 2 folgt 4c& = 4 . 10- ' moI3/l3 und c C r o p= I 0 - 4 mol/l, C„+ = 2 . 1OP4mol/l. Die Löslichkeit von Ag2Cr04 beträgt 10-4 mol/l. -
In einer gesättigten Lösung von AgCl in Wasser ist also C„+ = C „ = I O - ~mol/l 2. Übersättige Lösung p
Bringt man in die gesättigte Lösung von AgCl zusätzlich ~ g +oder - Cl--Ionen. so ist die Lösung übersättigt. Das Löslichkeitsprodukt ist überschritten,und es bildet sich solange festes AgCl (AgC1 fällt als Niederschlag aus), bis die Lösung gerade wieder gesättigt ist, also C„+ . C „ = 10-l0 mo12/12beträgt. Setzt man z. B. der gesättigten Lösung Cl -Ionen zu, bis die Konzentration C „ = I O - ~mol I erreicht wird. dann fällt solange AgCl aus, bis C„+ = 1 0 p 8mol/l beträgt. In der gesättigten Lösung ist dann cAg+ . C„- = 10-8 . 10-2 = 10-1° mo12/12. Die gesättigte Lösung von AgCl in Wasser mit C„, = = l o p 5 mol/l ist also nur ein spezieller Fall einer gesättigten Lösung. 3. Ungesättigte Lösung
<.„-
Die Löslichkeitsprodukte von einigen schwerlöslichen Verbindungen sind in der Tabelle 3.8 angegeben. Schwerlösliche Salze Stielen in der analytischen Chemie eine wichtige Rolle, da viele Ionen durch Bildung schwerlöslicher, oft typisch gefärbter Salze nachgewiesen werden könn en . Beispiele typischer Fällungsreaktionen zum Nachweis der Ionen Cl-, SO:-, C u 2 + und Cd 2 + sind: Clp + Ag+ 4 AgCl (weiß) SO:- + Ba 2 + + BaSO, (weiß) C u 2 + + S 2 -+ CUS (schwarz) C d 2+
+ S2-
4
CdS (gelb)
Für die Verteilung eines gelösten Stoffes in zwei nichtmischbaren ~ösungsmittelngilt
für ideale Lösungen das
~ ~ r ~ ~ < ~ i / L rot, ~ l ~V<~i,iiri. ~ q . s gBei l ~gegebener , ~ ~ ~ / ~ Temperatur stellt bei der Verteilung eines Stoffes A in zwei nichtmischbaren Flüssigkeiten ein Gleichgewicht ein
316
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleicligewichte von Salzen. Säuren und Basen
Tabelle 3.8 Löslichkeitsprodukte einiger schwerlöslicher Stoffe in Wasser hei 25 C
3.7.4 s a u r e n u n d Basen
-
Halogenide %F2 Ca F, Ba F, PbF, P~CI, Pbl, CuCl
Sulfide 6 . IO-' 2.10-1° 2 . 10-6 4 . 10-8 2.10-5
CuBr
Cu1 AgCl AgBr Ag1 AgCN Hg2C12 H&12
CaSO, SrSO, BaSO,
2 10-5 X . 10-7
PbSO,
2 10-8
1
-
10-9
Beispiele:
H C ~~issoziation H + + Cl-
i
H$,
Dissoziation
' 2H'
+ SO;-
Basen sind Hydroxide, sie bilden durch Dissoziation in wäßriger Lösung O H - 1 0 -
Carbonate
Chromate BaCrO, PbCrO, Ag,CrO,
Sulfate I . 10-26 3.10-28 7.10-'" 10-21
SnS PbS MnS Ni S FeS CUS Ag2S zns CdS HgS
317
8.10-" 2.IO-l4 4.10-I'
Li,CO, MgCO, CaCO, SrCO, BaCO, P bCO ZnCO, Ag2C03
,
Beispiele: Disso~idtl~n
NaOH 2. 1 r Y 2.10-~ 3.10 " 6.10-" 6 , 10-I'
Fe(OH), Cu(OH), Z~I(OH), Cd(OH),
5 . 10-38 2 . iWiq 2 . 10-l7 2 . 10-14
!
/
Die Löslichkeitsprodukte von Stoffen unterschiedlicher Zusammensetzungen haben auch uners schiedliche Einheiten. Nur Loslichkeitsprodukte gleicher Einheit sind direkt initcin~iiider vergleichbar. 1
C
Beispiel: Extraktion von Iod
I
1
-t
Ba(OH)2
+ OHBa 2 + + 2 0 H p
Na'
~ l \ ~ ~ Z l d ~ i O r i -
---"
Arrheniue erkannte, daß die sauren Eigenschaften einer Losung durch H '-Ionen, die basischen Eigenschaften durch OH--Ionen zustande kommen. Vereinigt man eine Säure niit einer Base. z.B. I mol HCl niit 1 niol N a O H , s o entsteht aufgrund der Reaktion
eine I.ösung, die weder basisch noch sauer reagiert. Es entsteht eine neutrale Lösung, die sich so verhält wie eine Lösung von Kochsalz NaCl in Wasser. Die Un~setzung
H + + O H - -. H 2 0
A H =-57.4k~rnol-l
31 8
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
Säure und konjugierte Base bilden zusammen ein Säure
Base
Sri.lirc~-ßri.\c,-I'cirit~.
+
H20 konjuperie Bav
H+
H,O+
Proion
%urc
Säure-Base-Paar 2 (3.36)
Faßt man die Teilreaktionen (3.35) und (3.36) zusammen, erhält man als G... LWntre. aktion: HCI
+
Saure 1
wohl als Säure als auch als Base reagieren können. Man bezeichnet sie als -Ion kann als Base ein Proton anlagern und in ein H,SO,r es kann als Säure ein Proton abspalten und in das Ion SO:~ a s s ~gilt l bfür ~ das Molekül H,O, das ebenfalls als Saure oder als Base
+ Proton
Die Abspaltung eines Protons kann jedoch nicht als isolierte Reaktion Vonich sondern sie muß mit einer zweiten Reaktion gekoppelt sein, bei der das Proton vergehen, braucht wird, da in gewöhnlicher Materie freie Protonen nicht existiereli wäßriger Lösung lagert sich das Proton an ein H,O-Molekül an. H,O uil.k[;,lS B In~ Durch die Aufnahme eines Protons entsteht dabei die Säure H,Oi.
H20
H,O+
koni. Hase 2
Saurc 2
+
C 1
Protolysereaktiori
~
~
,
cht nur neutrale Moleküle, sondern auch Kationen oder Anionen können als Sen fungieren. Beispiele: H,O' und NH: sind Kationensäuren. Anionensäuren, C O : und C N - Anionenbasen. awn sind nicht nur die Metallhydroxide (bei ihnen ist die wirksame Base das - lon), sondern auch Stoffe. die keine Hydroxidionen enthalten. z. B. CO:. s'reaktion eines Ions mit Wasser wird auch als H,~,eh.o!i'.sc, bezeichnet,
allgemein unter Hydrolyse Umsetzungen mit Wasser versteht (bei denen „„,Änderung der Oxidationsstufe erfolgt). Zweckmäßig ist die Verwendung des
k o n i Hasel
Bei der Auflösung von HCI in Wasser erfolgt also die Übertra g un g eines Protons von einem HCI-Molekül auf ein H,O-Molekül. Bei der Protonenübertragung von der Säure HCI auf die Base H 2 0 entsteht aus der Säure HCI die Base Cl- und aus der Base H 2 0 die Säure H , O + . . 4 r 1 e ~ i i i i ~Pri ~ e ~ ~ o i r r ~ i i i h c ~ i . ~ ~ ~ c(Pr»;olysereak~~y~~t~,~.s~~c~~~l<~io~~ tion) .viritl
i i ~ i i t i c i .zi1c.i
.Siiiri.c,-Bci.sc,-f~(~r~~.r~ h o i r
~ i l i~ i i ~ i~ . s.c ~ he
wachsende Stärke der Säure
^
+
+ + + + +
s G
+ s
+ +
Säure 2 H,O+ H,O+ H,O+ H,O+ H,O+ H,Oi
+
+ +
+ + +
Base 1 ClHS0; SO:NH, CO:OH-
Ionenprodukt des Wassers
onen eine Lösung enthält, um so saurer ist sie. Als Maß des Säuregrat der Lösung, wird aber nicht die H,O+-Konzentration selbst bet, da man dann unpraktische Zahlenwerte erhalten würde, sondern der pH-Wert. rlvr riqoiirc d c ~ i ~ i i / i . sLi~/ ~
Beispiele für Protolysereaktionen: Base 2 H20 H,O H20 H20 H,O H,O
se für die Spaltung kovalenter Bindungen mit Wasser, also z. B. für H,O + >P-OH + HCI.
1i:civich:
c~si.\lie~rl
Säure 1 HC1 H,SO, HS04 NH; HCO; H20
319
wachsende Stärke der Base
Wenn nur Wasser als Lösungsmittel berücksichtigt wird. tritt immer das Säure-BasePaar H , 0 + / H 2 0 auf. 1st die Tendenz zur Abgabe von Protonen groß, wie z. B. bei HC1, sind die Säuren starke Säuren, da viele H,O'-Ionen entstehen, die für die saure Reaktioii vei.,ntwort]ich sind. Die konjugierte Base C 1 ist dann eine schwache Base. die T d e l i z zur Protonenaufnahme ist nur gering. Umgekehrt ist bei einer schwacheil S;iure wie H C 0 3 die konjugierte Base CO:- eine starke Base. Die Brönstedsche Säure-Base-Theorie ist in folgenden Punkten allgeiiieinerals Theorie von Arrhenius. ~ i i i i i i ~I tI ~i I ( ~ / ( I . ~ ,,\;II,I ~ I I l l ; l ~ e t , ~ i . ,s~,,,i/(l.„„, ~ ~ l ~ ~ , . . ~ o l l ~ j ~ ~l ,l~. l cl ~;jll.(zl/l J.),! . r ; ~ u(I
Da Logarithmen nur von reinen Zahlen gebildet werden können, muß die in mol/l zentration durch die Standardkonzentration 1 mol/l dividiert werchend pH = - Ig C„, + zu schreiben. Bei analogen . S. 321) wird ebenso verfahren. Irn Wasser ist das Protolysegleichgewicht H20
+ H20 s
H30+ + OH-
rhanden. Darauf kann das MWG angewendet werden.
das Gleichgewicht weit auf der linken Seite liegt, reagieren nur so wenige HlO-
leküle miteinander, daß ihre Konzentration (55.55 molil) praktisch konstant bt und in die Gleichpwichtskonstante einbezogen werden kann.
320
3.7 Gleichgeuichte
3 Die chemische Reaktion +
. COH
-
Kc
=
=
Kr+)
C"$,
(3.37)
+
'
CA-
=
Lori
Salzen, Säuren und Basen
321
Ks
CHA
K, wird Ionenprodukt des Wassers genannt. Bei 25' C beträgt
ird S i i l r ~ . < ' l \ o i i \ / r rgenannt. ~~t(~ D a in verdünnten wäßrigen Lösungen die H,oKs Konzentration annähernd konstant ist, kann C„„ in die Konstante einbezogen werden. Statt des &-Wertes wird meist der negative dekadische Logarithmus des Zahl en wertes der Säurekonstante Ks (Saureexpolient) benutzt.
Für reines Wasser ist
~ ~ b ~3.9l enthält l e die pKs-Werte einiger Säure-Base-Paare. Zu den starken Säuren gehören HCl, H 2 S 0 4und HCIO,. D a Ks > 100 ist. reagieren fast alle Säuremoleküle , i t Wasser. Bei den schwachen Säuren CH,COOH, H 2 S und H C N liegt das Gleichgewicht so weit auf der linken Seite, d a ß nahezu alle Säuremoleküle unverändert in der wäßrigen Lösung vorliegen. Säuren, die mehrere Protonen abspalten können. nennt man mehrbasige S"auren. H1S04 ist eine zweibasige, H 3 P 0 4 eine dreibasige Säure. F ü r die verschiedenen ProW
Hat eine wäßrige Lösung eine H,Ot-Konzentration so ist nach GI. (3.37) die OH--Konzentration
=
C.„+
1 0 2 m o l / l (pH
=
21,
In dieser Lösung überwiegen die H 3 0 + - I o n e n gegenüber den O H - I o n e n . sie reagiert sauer. Für wäßrige Lösungen verschiedener pH-Werte erhält man das Schema der Abb. 3.41. Neutralität
Saurer Bereich
C ~ 3 0 t =C
C H ~ O + >L O H -
pH<7
PH
~
Basischer Bereich ~
-
C
~
>~ C t i-3 0 +
pH>7
pH-7
1
2
3
Zunehmende Aciditat
4
5
6
7
8
I
9 1 0 1 1
-
Säure
Base
HCIO, HCI H204 H,O HNO, HSO, H,SO, H,PO, CFeW,O),l3 + HF CH,COOH [A~(H20)6]3+ CO, + H 2 0 CFe(HzO)J2+ H,S HS0; HzPOS CWH20),12+ HCN NH: HCO; H202
CIO, CI~ ~
0
4
+
I
0
Tabelle 3.9 pK,-Werte einiger Säure-Base-Paare bei 25 C
i
1 2 1 3 1 1
Stärke der Säure nimmt zu
Zunehmende Basizitat
Abbildung 3.41 Acidität wäßriger Lösungen. Für wäl3rige Lösungen gilt das ~onen~rod~lkt des Wassers. Es beträgt bei 25 C c~,~,,,+. toll = 10-" molZ 1 -,. ,
3.7.6 Säurestärke. pKs-Wert, Berechnung des pH-Wertes von Säuren Liegt bei der Reaktion einer Säure HA mit Wasser das Gleichgewicht
HPO:
weit auf der rechten Seite, dann ist H A eine starke Säure. Liegt das Gleichgewicht weit auf der linken Seite, ist HA eine schwache Säure. Ein quantitatives M a ß für die Stärke einer Säure ist die Massenwirkungskonstante der Protolysereaktion.
HSH20
OH-
L
-
NO; SO: HSO; H,PO; CF~(OH) (H 20)s12' FCH,COO[AI(OH)(H~~)~]~+ + + HCO; + [Fe(H20),0H] + HS+ SO: +
H P O -~
CZnW20),0HI+ CNNH3 CO; HO; POS S2 OH -
o2-
4,97 6,35 6,74 6,99 7,20 + 7,Y + 836 + 9.21 + 925 + 10.33 +11,65 + 12,32 1-l2,89 + 15-74 + 29
Stärke der Base nimmt zu
322
3
Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
tonen mehrbasiger Säuren ist die Tendenz der Abgabe verschieden groß (vgl &belle 3.9).
323
it erhält man aus G1. (3.38) C1-l,oi
Ks~cH~Coot~
=
CH,oi -
(3.39)
ist die Konzentration der CH,COOH-Moleküle im Gleichgewlcht. Sie 1st der Gesaintkonzcntration an Essign2ure csiuie.vermindert um die Konzentration der durch Reaktion umgesetzten Essigsäuremoleküle:
CCH,COOH
Für die einzelnen Protolyseschritte mehrbasiger Säuren gilt allgemein ~ ~ ( 1 ) Ks(II) > Ks(JJJ). Aus einem neutralen Molekül ist ein Proton leichter absp.il(har als aus einem einfach negativen Ion und aus diesem leichter als aus einem n$eifach negativen Ion. Das Protolysegleichgewicht einer starken Säure. z. B. von HCI, liegt sehr iveit auf der rechten Seite:
Praktisch reagieren alle HCI-Moleküle mit H 2 0 ,so daß pro HC1-Molekül ein H ,O t Ion entsteht. Die H30+-Konzentrationin der Lösung ist demnach der Konzentration der Saure HCI, und der pH-Wert kann nach der Beziehung
Da die protolysekonstante Ks sehr klein ist. ist cHqo 9 csaurcund c ~ ~ , -i~ csIurl, ~ „ ,
I I
i
Fiir eine Esaigsäurelösungder ~onzentrationC = 1 0 ' mO1/l erhält man
+
4,l5 1,o p~ = -2 I
1
Bei Säuren, die nicht vollständig protolysiert sind, muß zur Berechnung des pHWertes das MWG auf das Protolysegleichgewich~angewendet werden.
erhält aus 01.(3.39) als Näherungsgleichung
I
PH = - Ig Csaure berechnet werden Beispiele:
Man ..-
=
2,87
Diese Essigäurelösung hat, wie zu erwarten ist. einen größeren pH-Wert als eine Lösung der stärkeren Säure HCI gleicher Konzentration.
I
L
p~
=
6,99 + 1 = 4,00
Beispiel: Essigsäure. CH,COOH
+ H20
H,O+
+ CH,COOFür die zweite Protolysestufe gilt (3.3s)
Da, wie die Reaktionsgleichung zeigt, aus einem Molekül CH,COOH ein ~ , O + - I r i n und ein CH3COO--Ion entstehen, sind die Konzentrationen der beiden Ionensarten in der Lösung gleich groß: 'HJO+
=C
~
~
I
~
~
~
-
I
H S
1
cHsOi C+ C
~j~
~
~ ~ ( 1= 1 )1,29 . 1 0 l 3 rnoiil
(3.41)
= 1,3. 10-13 mol/l
'
I
i
+ ~~0e H 3 0 i + S 2 ~
-
K~~~~~~~~~~~~~~ von H ,o+und HS- werden im zweiten p r o t o l prak~ ~ ~
tiWh nicht geändert. Daraus folgt
324
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Sulzen, Sauren und Basen
325
Beziehung heißt Ostwaldsches Verdünnungsgesetz. Für schwache Säuren ist ~ , man~ erhalt ~ aus ~ GI.d(3.45) die Näherungsgleichung
Die Konzentration der S2--Ionen ist gleich der Säurekonstante Ks(II) Die Multiplikation der beiden Protolysekonstanten ergibt
Diese Beziehung täuscht eine Protolyse vor. bei dcr aus H2S zwei H,O+-Ioiic1, und ein S2--Ion entstehen. Die Gleichgewichte (3.40) und (3.41) zeigen aber. ~j;,[j die H,O+-Konzentration sehr viel größer ist als die S2--Konzentration, da die. S Z - Ionen erst im zweiten Protolyseschritt entstehen und Ks(II) Ks(I) ist. Aus GI. (3.42) erhält man
+
1
Damit kann nian die S2--Konzentration in Abhängigkeit vom pH-Wert berechnen. Für C„, = 0,1 moljl und p, = 1 ist
12,5% zu. Bei sehr verdünnten schwachen Säuren kann der Protolysegrad so große Werte erxjchen, daß die Näherungsgleichung pH = $(pKs - l g ~ „ , , ~zur J pH-Berechnung nicht mehr anwendbar ist. Mit dieser Gleichung kann man rechnen, wenn
ist. Der Protolysegrad ist in diesem Bereich Mit dieser S2--Konzentration wird das Löslichkeitsprodukt der Sulfide HgS, CuS, PbS, CdS, ZnS überschritten. Sie lassen sich in stark saurer Lösung ausfällen. Zur Fällung von MnS (L = 7 . 10- l 6 mo12/12)muß durch Erhöhung des pH-Wertes die S2--Konzentration erhöht werden.
Als größten Fehler erhält man für den Fall kleinen Wert.
3.7.7 Protolysegrad, Ostwaldsches Verdünnungsgesetz
Tabelle 3.10 Formeln zur Berechnung des pH-Wertes
e
H30t
4,O+ I
Csäure
=
pH
exakte Berechnung
+ A-
kann definiert werden Protolysegrad a
Ks einen um 0,Z pH-Einheiten zu
Säuren
Für die Protolysereaktion HA -t H 2 0
=
Konzentration protolysierter HA-Moleküle Konzentration der HA-Moleküle vor der Protolyse P -
-- -
-=
- cHJO+
Ks
.
säure 2 Ks
r
5
~ ~ ä u r e Ks
5 0,62
r
2 0.62
pH =
=-
Ig C,*„,
K5:- 0,- pH-Einheiten
-
pOH
Basen exakte Berechnung
Es bedeuten: c die Gesamtkonzentration HA, C„ die Konzentration von H ~ - b l o l e külen im Gleichgewicht. a kann Werte von 0 bis 1 annehmen. Bei starken Sauren ist a = 1 (1 00 %ige Protolyse). Wendet man auf die Reaktion (3.43) das M W G an und substituiert cH3,. C a und (.HA durch (3.44), so erhält man
c„o+
Näherungen
pH = $(pK, - Ig (,sä„,) Maximaler Fehler beicsa„,
-
=-
=
- 1g i'oij
Näherungen -. - -,pOH = t(pKB-
.
kc„J
Maximaler Fehler beic„„
POH = - k c „ „ POH-Einheiten
= K,: - 0.2
Salze
--------
-
-
Kationensäuren+ schwache Anionenbasen Berechnung wie bei Säuren, C„„ = csi„,
Anionenbasen + scliwachc Kationensauren Berechnung wie bei Basen, (.„I, = Cs„,
326
3 Die chemische Reaktioii
327
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
Im Bereich
CH,COO
+ H 2 0 =$
CH3COOH
+ OH-
(3.47)
tt. Den H20-Molekülen werden von den CH3C00--Ionen Protonen entzogen, entstehen O H - I o n e n , die Lösung reagiert basisch. Die Anwendung des ist die Beziehung I
PH = - Ig C,iure
KB =
die geeignete Näherung (vgl. Tabelle 3.10).
I-
3.7.8 pH-Wert-Berechnung von Basen Die Teilchen SZ-:PO:-, C O : , C N , NH3. C H , C O O (vgl. Tabelle 3.9) rc;igicren in wäßriger Lösung basisch. Die Reaktion der Base A - mit Wasser führt zLini gewicht
A-
+ H20 s O
H
CCH~COOH' COHC
CCH~COOH -
CO^ - =
~
~
3
~
~
~
~
~
-
COH-
1/ KB
c
3
~
~
~
-
wenn das Gleichgewicht der Reaktion (3.47) so weit auf der linken Seite liegt, da0 die Gleichgewichtskonzentration von CH,COO- annähernd gleich der Konzentration an gelöstem Salz NaCH3CO0 ist, erhält man =
+ HA
und
Das MWG lautet
pOH
=
bzw. pOH= KBbezeichnet man als Bri\c~til,ot~rtcit~/c~ und den negativen dekadischen Logarithmus als Basenexponent.
PKB -- lg PKB - lg C„lz
Aus G1. (3.46) erhält man für den pK,-Wert von CH,COOpKB = 14 -- 4.75
PK, = -IgKB Zwischen Ks und KB eines Säure-Base-Paares besteht ein einfacher Zusammciitlang,
=
9,25
Das Protolysegleichgewicht (3.47) liegt danach tatsächlich so weit auf der linken Seite, daß näherungsweise ccH,coo - c~~~~~~~~ gilt (vgl. Tabelle 3.10). Für eine Lösung der Konzentration c ~ , = ~0'1 mol/l ~ , erhält ~ man ~ ~
CHA
Multipliziert man Ks mit K„ erhält man Kw, das Ionenprodukt des Wassers und pH
und pKS+ pKB = 14
(3.36)
Beispiel:
= 14 -
s2
-
5,l
= 8,9
.
Der P&-Wert von H S beträgt 12,89. Mit der Beziehung (3.46) erhält man NaCH,COO dissoziiert beim Lösen in Wasser vollständig in die Ionen Na+ CH3COO-. Das Ion Na' reagiert nicht mit Wasser. C H , C O O ist die kon;ugierte Base von CH3COOH. E S findet daher die Protolysereaktion
k , ( S 2 ) = 10-I,' mol/l
L I J ] ~
Für eine Lösung der Konzentration cs2 = 10-' niol/l ist also C < KRund folglich die Näherung für starke Basen anwendbar.
328
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
pOH
=
2
und pH
=12
ie Gleichgewichte liegen vollständig auf der rechten Seite, die Protonenübertragung ver~äUft also vollständig. In sauren Lösungen entstehen aus Cyaniden und Sulfiden die flüchtigen Säuren HCN und H , S In stark basischen Lösungen entwickeln Ammoniumsalze NH,. (NH,),S, (NH4),P04 und (NH,),C03 sind bei Raumtemperabeständig. Sie wandeln sich unter Abspaltung von NH, in NH,HS, XU, IhT~d).,HPOJ und NH,HCO, um. Im festen Zustand gibt es kein N H 4 0 H , sondern (i.*-+,* das Hydrat NH, H,O ( S m p - 79 C). 1st pK > 0, liegt das Gleichgewicht auf der linken Seite, es findet keine ProtonenL-.,
3.7.9 Reaktion von Säuren mit Basen
I I
Zwischen zwei Säure-Base-Paaren existiert das Gleichgewicht S, + B ,
329
e B,
,..--
U
+ S,
Dafür lautet das MWG
Die Gleichgewichtskonstante K IäRt sich aus den Säurekonstanten der beiden SiiurL. Base-Paare berechnen. SI
+ H 2 0 e H 3 0 t + B,
B?
+ H,O+
S2
+ H20
~ ~ (=1' ')~ 3 0 ' Csi I (2)
--
KS
P
'
('B,
('sr
-
''R~
'
( ' ~i ~ 0
Ks(1) K= -
G a
Beispiele:
+ SO:- $ HSO, + NH, + HCO; $ COz + H 2 0 + NH, H2S + NO, + HNO, + HSH S O ~+ CI+ H C ~ + SO:-
NHZ NH;
pK= pK = pK = pK =
7,3 2,9 5,6 17,4
Die Gleichgewichte liegen vollständig auf der linken Seite, die Ausgangsprodukti reagieren nicht miteinander. Die Salze (NH4),SO„ NH,HC03, AI(CH,C00), z. B sind beständig.
PK = pKs(1) - pKs(2)
(3.48) Ist pK < 0, liegt das Gleichgewicht auf der rechten Seite. Dies ist der Fall. i4enn pKs(1) < pKs(l), das Säure-Base-Paar 1 also in Tabelle 3.9 oberhalb des Säure-BasePaares 2 steht.
Löst man ein Salz in Wasser, so zerfällt es in einzelne Ionen. Außer der Hydratatia erfolgt in vielen Fällen keine weitere Reaktion der Ionen mit den Wassermolekülel Die Lösung reagiert neutral. In der Lösung sind wie in reinem Wasser je 10-' mal H,O+- und OH--Ionen vorhanden. Dafür ist NaCl ein gutes Beispiel. Viele Salze jedoch lösen sich unter Änderung des pH-Wertes Zum Beispiel reagi ren waßrige Lösungen von NH,Cl und FeC1, sauer. Lösungen von Na2C0, U1 N~CH,COO reagieren basisch.
Beispiele:
+ NH, + NH4 + ClHNO3 + C N - e HCN + NO.; HC1
pK = -15.1
HSO4 NH4
pK = -10.6 pK = - 5.0 pK = - 3,6
NI2
+ HS- + H2S + SOS+ S2- e HS- + NH, + O H e H 2 0 + NH,
3.7.10 pH-Wert-Berechnung von Salzlösungen
pK
=-
6,5
Beispiel: NH,Cl. Beim Lösen dissoziiert NH,Cl in die Ionen N H und ~ CI- . CI- reagiert nicht r Wasser, es ist eine extrem schwache Brönsted-Base. NH: ist eine ~römted-Sä1 Tabelle 3.9). es erfolgt daher die Protolysereaktion
330
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
NH; gibt unter Bildung von H,O*-Ionen Protonen an die Wassermoleküle ab, E. NH4Cl-Lösung reagiert daher sauer. Der pH-Wert kann in gleicher Weise berech llle werden wie der von Essigsäure (vgl. Abschn. 3.7.6 und Tab. 3.10). Die Anwend net des MWG führt zu
Kationens"ren und schwachen Anionenbasen reagieren sauer. Weitere Beispiele thält Tabelle 3.1 1. en Salze, deren Anionen Ampholyte sind, wie Z. B HSO;, H2P0,, HPO:, HCO;, H ~ - reagieren , gleichzeitig als Säuren und als Basen. Der pH-Wert kann näherungsweise mit der Beziehung pH
Wegen
C„,
+ = C„
331
=
folgt
pKs(1) + 2
berechnet werden. (I) bedeutet Ampholyt. Z. B. HSO,. (2) bedeutet konjugierte Säure des Ampholyten, also H2SO3. V--
Da NH4CI vollständig in Ionen aufgespalten wird und von den entstandenen NH:. Ionen nur ein vernachlässigbar kleiner Teil mit Wasser reagiert (pKs = 9,25), l j t die NH:-Konzentration iin Gleichgewicht nahezu gleich der Konzentration des gelosten Salzes:
Diese Näherungsformel ist auch auf eine Reihe von Salzen anwendbar, die aus ~ ~ t i ~ ~ e n s ä uund r e n Anionenbasen zusammengesetzt sind. z. B. NH4CN, Beispiel: NaH2P0, Zur pH-Berechnung sind folgende Gleichgewichte zu berücksichtigen:
Damit erhält man aus GI. (3.49) =
und
= 0,l mol/l erhält man daraus Für eine NH4C1-Lösung der Konzentration cNHUC1 pH = 5,l.
Beispiel: NaCH,COO. Eine NaCH,COO-Lösung der Konzentration 0.1 mol/l hat den pH rechnung Abschn. 3.7.8).
=
8.9 (vgl. Be-
Lösungen von Salzen, deren Anionen starke Anionenbasen und deren Kationen schwache Kationensäuren sind, reagieren basisch. Lösungen von Salzen aus st~irken
Dividiert man Ks(H2P0, ) durch &(H2P0,) man c;,o+ . cHp0: - . c Ks(H,POJ) Kw -C H , P O ~ ('H~Po, Kß(%PO%) '
Tabelle 3.11 Protolysereaktionen von Salzen in wäßriger Lösung Salz
Charakter der Ionen in Lösung
Reaktion des Salzes in wäßriger Lösung
AICI„ NH,HSO„ FeCI„ ZnCI,
Kationensäure + sehr schwache Anionenbase
sauer
NaCI, KCI, NaCIO„ BaCI,
sehr schwache Kationensäure + sehr schwache Anionenbase
neutral
Na,S, KCN, Na,PO,. NazSO,
Anioiienbase + sehr schwache Kationensäure
basisch
---
----
---
und multipliziert mit Kw, so erhält ~ . ('OH, '
~
~
~
COH-
Da K 9 Ks(H2P0, ) und K 9 KB(H2PO;) ist. sind die Konzentrationen von H,PO4 und H P O : ganz überwiegend durch die Autoprotolyse von H2PO; festgelegt und C ~ 3 p o ,= cHPO; - . Daraus folgt C~3 * 0 -
~ H ~ O ; ) & ( H ~ P O ~ )
pH
pKs(H2POT) + 2 pKs(H3PO4)
und =
Unabhängig von der Konzentration der NaH2P04-Lösungerhält man für den PHWert
332
3 Die chemische Reaktion
3.7 Gleichgewichte von Salzen, Säuren und Basen
333
(3.51) Beispiel: NH,F. Protolysegleichgewichte:
+
+
NHZ H20 G H30i NH, + H 2 0 G OH- + H F F
+ F-
NHq
F? H F
+ NH,
der Abb. 3.42 ist die Beziehung (3.52) für den Acetatpuffer graphisch dargestellt. ist das Verhältnis C,-/C„ = 1 (dquiniolare Mischung), dann gilt pH = P&. Ändert sich das Verhältnis C , /C„ auf 10, wächst der pH-Wert nur um eine Einheit, ändert es sich auf O,l, dann sinkt der pH-Wert um eins. Erst wenn C, - /C., größer als 10 oder kleiner als 0.1 ist, ändert sich der pH-Wert drastisch.
Man erhält für
und K 9 K, ( F ) ist c M 3 = C„. Wegen K 9 K,(NH:) Da K % 1, erfolgt nahezu keine Protolysereaktion der NHZ- mit den F - - I o n e n und CNH2
=
U
CF -
20
kO+ = P s ( ~ ~ :K~(HF) ) 40 Stoffmengenunteil von CH,COO- in %
6
I
80
Die Näherungsformel ist nur anwendbar. wenn für die Protolysereaktion der Kationensäure mit der Anionenbase K < 1 ist, also für Salze mit einer Kombination Kationensäure-Anionenbase „links unten - rechts oben", aber nicht für Salze mit der Kombination „links oben rechts unten'..
100
--
Abbildung 3.42 Pufferungrkurveeiner Essigs2ure-Acetat-PuHerlösung. Die beste pufferwirLuna hat eine I : I -Mischung (pH = 4.75). H,Oi-Ionen werden von CH,COO--Ionen, OH-Ionen von CH,COOH gepuffert: Pufferung von OH CH,COO- + H30' CH3C00H Pufferung von H,O+ Solangedabei das VerhhlfnisCH,COOH/CH,COO itn Bereich O,I bis 10 bleibt. ändert sich der p ~ - ~ enur r t wenig.
3.7.11 Pufferlösungeri
+
Beispiele: Der Acetatpuffer enthält CH3COOH und CH,COONa (~ufferbei.ekh bei pH = 5). Der Ammoniakpuffer enthält NH, und NH,CI (Pufferbereich bei pH = 9). Wie eine Pufferlösung funktioniert, kann durch Anwendung des MWG auf die Pi.«tolysereaktion HA
+ H 2 0 = H 3 0 i + A-
erklärt werden.
(3.50)
Versetzt man eine Pufferlösung mit H30+-Ionen,dann müssen, damit die Konstante in G I (3.51) erhalten bleibt, die H,Oi-Ionen mit den A - I o n e n zu H A reagieren. Das Protolysegleichgewicht (3.50) verschiebt sich nach links, die H30i-Ionen werden durch die A--Ionen gepuffert, und der pH-Wert nimmt nur geringfügig ab. Die Lösung puffert solange, bis das Verhältnis C , /cHAz 0,1 erreicht ist. Erst dann erfolgt bei weiterer Zugabe von H 3 0 i eine starke Abnahnie des Verhältnisses 'A-/c„ und entsprechend eine starke Abnahme des pH-Wertes. Fügt man der Pufferlösung O H - I o n e n zu, so reagieren diese mit H A zu A und H,O,das ~leichgewicht
334
3 Die chemische Reaktion
335
3 7 Gleichgewichte von Salzeil, Sauren und Basen
~ ~ w e n d u des n g MWG ergibt
Ks (H 1nd) =
C-o%p ' Hlnd
Beispiel:
pH
=
pKs (H Ind) + lg 5
's
C~lnd
Ein Liter eines Acetatpuffers. der 1 mol CH3COOH und 1 mol CH,COO&;, enthält. hat nach GI. 3.52 einen pH-Wert von 4,75. Wie ändert sich der pH-Wert da PufTerlösung, wenn außerdem noch 0.1 rnol HCI zugefügt werden? Die durcti Protolyse des HCI entstandenen 0,1 mol H30i-Ionen reagieren praktisch v0lJs[iiiidig mit den CH3COO--Ionen zu CH3COOH H,O.
das verhdtnis C,.,-/cHind = 10, ist für das Auge meistens nur noch die Farbe von lnd- wahrnehmbar. Ist das Verhältnis c , n d - / ~ ~ H=i n0.1, d SO zeigt die Lösung nur die ~ ~ von~ H Ibn d eBei dazwischen liegenden Verhältnissen treten Mischfarben auf. pH-Bereich, in dem Mischfarben auftreten, nennt man Umschlagbereich des ~ n d i k a t o r ~Der . Umschlagbereich liegt also ungefähr bei
+
pH = pKs(H Ind) _+ 1
Die Konzentration der CH,COO--Ionen wird damit (1 - 0,l) m01;l. die Kollientration der CH,COOH-Moleküle (1 0,1) mol/l. Nach GI. (3.52) erhält inan
+
I
Bei !größeren oder kleineren pH-Werten tritt nur die Farbe von Ind bzw. H Ind auf, der Indikator ist umgeschlagen. Der Umschlag erfolgt also wie erwünscht in einem kleinen pH-Intervall (Abb. 3.43).
I
Der HCI-Zusatz senkt den pH-Wert des Puffers also nur um etwa 0,1. Ein Liter einer Lösung, die nur 1 mol CH,COOH und außerdem 0,1 rnol HCl enthält, hat dagegen einen pH von ungefähr 1. Das Gleichgewicht (3.50) liegt bei der Essigsäure so weit auf der linken Seite, d a ß nahezu keine CH3COO--Ionen zur Reaktion mit den H 3 0 -Ionen der HCI zur Verfügung stehen. Reine Essigsäure puffert daher nicht.
3
s a u r e r Bereich L 5
6
7
basischer Bereich 9 10
8 I
11 I
f
I 1
Abbildung 3.43 Umschlagbereicheeiniger Indikatoren. Im Urnschlagbereich ändert der Indikator seine Farbe. Indikatoren sind daher zur pH-Anzeige geeignet. In der Tabelle 3.1 2 sind Farben und Umschlagbereiche einiger Indikatoren angegeben.
3.7.12 Säure-Base-Indikatoren
Tabelle 3.12 Farben und Umschlagbereiche einiger Indikatoren
I
I
HInd
+ H,O
e H,O+
+ Ind
Beispiel Phenolphtalein: Indikatorsäure H Ind farblos liegt vor in saurem Milieu
I
I
konjugierte Indikatorbase Indrot liegt vor in stark basischem Milieu
Indikator Thyrnolblau Methylorange Kongorot Methylrot Lackmus Phenolphtalein Thyrnolphtalein
Umschlagbereich PH
Farbe der Indikatorsäure rot rot blau rot rot farblos farblos
Farbe der Indikatorbase gelb gelb-orange rot gelb blau rot-violett blau
Der ungefähre pH-Wert einer Lösung kann mit einem L i i i i cJi \ ( i / / r i i / i k ( i / o i p ( ~ / j i " ~ bestimmt werden. Es ist ein mit mehreren Indikatoren imprggniertes Filterpapier,
336
3 Die chemische Reaktion
3.7 Cileichgewichie von Salzen, Säuren und Basen
das je nach pH-Wert der Lösung eine bcstimmtc Farbe annimmt, wenn man Lösung auf das Papier bringt. Indikatoren werden bei Säure-Base-7iiriiiiot1(,11verwendet. Dabei wird eine kannte Stoffmenge Säure (Base) durch Zugabe von Base (Säure) bekannter Konzennbe. tration bestininit. Der Äquivalen~punkt.bei dem gerade die zur Neutralisation forderliche Äquivalent-Stoffmenge zugesetzt ist. wird am Farbumschlap des I n dik a tors erkannt (Abb. 3.44).
Beispiel NH3: p i e ~ u t o p r o t o l y s eim wasserahnlichen Lösungsmittel NH, ist g e r i n g r als in pas~ ~ ~ e n p r o dbcträgt ukt = 1wZ9 mo12 I - 2 . CNHT Einige typische p,Otoncnübertragungsre:iktionen in flüssigem Ammoniak sind: CNH;
Neutralisation
Ku,'
+ XU;
-,
2NH3
Reaktion eines unedlen Metalls mit der Säure NHZ Ca 2NHz -+ Ca 2 + 2NH,
+
+ H,
3.7.14 Der Säure-Base-Begriff von Lewis Säure-Base-Reaktionrii nach Bronsted sind Protonenübertragungsreaktionen. Brönste&Säuren müssen Wasserstoffverbindungcn sein und der Brönstedsche Säurebegriff ist nur auf wasserstofRaltige (prototrope) Lösungsmittel wie H 2 0 , NH,. HF anwendbar. Das bereits 1923 von Lewis entwickelte Säure-Base-Konzept ist allgemeiner. Lelu»-lZurrii sil>dE,i/<,h<~> mit unbesetzten Orbitalen in der Valenzelekironenschale.
Ä q u i v a l e l t - ~ t o i f m e n ~Base e
Aguivolent- toffm menge
Säure-
Abbildung 3.44 Titrationskurven von Siilzsüure und Essigsäure bei der Titration mit ?iner starken Base. Am Äqui~alenz~unkt erfolgt ein pH-Sprung. Für die HCI-Titratioii ist sowohl Methylorange als auch Phenolphtalein als Indikator geeignet (ebenso alle Indikatoren. deren Umrhlagbereichr dazwischen liegen). Zur Titration von CH,COOH ist Phenolphtalein als Indikator geeignet. Am Äquivalenzpunkt ist eine NaCH,C00-Lösung vorhanden. die ja basisch reagiert (vgl. Abschn. 3.7.10), und der pH-Sprung erfolgt im basischen Rereich.
Beispiele für Lewis-Säuren:
BF„ AlH„ SiF„ PF„ SnCl„ S O 2 , So,, H + , Mg2 +,Al", Cu". Hg' Beispiele für Lewis-Büsen:
NH„ PH„ H,O. F- , Cl-, CO. N 2 , NO. C N -
3.7.13 Säure-Base-Reaktionen in nichtwäßrigen Lösungsmiiteln
Bei der Reaktion einer Säure mit einer Base entsteht eine ~ t o m b i n d u n g
Protonenübertragungsreaktionen sind auch in nichtwäßrigen Lösungsmitteln rnöllich, in denen wie bei H,O Autoprotolyse auftritt.
+ NH,+ + NH;
2 NK, 2 HF 2 H,SO,
=$H2FS
2CH,COOH
e
+F +
H3SOqf HSo; CH,COOH; + CH,COO-
Die weiteren Beispiele zeigen. wie vielfiiltig Säure-Base-Reaktionen nach Lewis sind -
-
- -
-
3.8 ~edoxvorgänge
3 Die chemische Reaktion
338
Lewis-Säuren Lewis-Basen SiF, 2F4 SiF6SO3 Ca2+02Ca2+SO:CO, + C a 2 + 0 2 - CaZ+CO:SO, + OHHSO; 2 Cu + 4 N H 3 +[Cu(NH3),IZ+ Ni + 4C0 + Ni(CO), Die Stärke einer Brönsted-Saure bzw. -Base kann durch die Säurekonstante tirr, Basenkonstante quantitativ erfaßt werden. Für Lewis-Säuren und L e ~ i s - B : i \ ~e,, folgte zunächst nur eine qualitative Klassifizierung (Pexson 1962). Es wird ~ i i i ~ ~ h .,harten ' und ,.weichen" Säuren und Basen unterschieden. Die Härte einer Saure nimmt mit abnehmender Große, kleinerer P 0 1 a r i s i e r h ; ~ ~ ~ ~ i ~ und zunehmender Ladung der Säureteilchen zu
--
+ +
-
I
G
Hart
Grenzbereich
--
Weich -
H+, L i t , Na', Ki,Be2+ Mg Z+, Ca 2 +, Al3+. Fe3+ 3 Cr +. Ti4+, SO,, BF,
ie
I
+
Fe 2 +. Co 2 +, ~ ] 2 + .cU2+ Pb 2 +. Zn 2 +. Sn2+,SO,
-.
Pd 2 +, pt2+ , Cu +. Ag Aii +. Hg ', Hg2 +, Cd", R H ,
--
339
I + E,', ' 7 =- 7
-
I Ionisierungsenergie. Eea Elektronenafinität (Definitioii des Vorzeichens s. Tab. 1.12)
Harte Atome und lonen sind die niii grol3er lonisierungsenergie und kleiner Elekrranenaffiniidt, wciche solche mit kleiner Ionisierungsenergie und gr08es Elekiro~ ~ nenafini~at,F ü r das weichste Teilchen niit der Härte null gilt I = - E C iDie leichten Gruppe sind daher in1 allge~neilienhart, die schweren Atome weich. Atome Die Beziehung zwischen chemischer Härte und absoluter Elektsoiiegiitivitit (vgl. Abschn. 2.2.9) ist aus deni folgenden Schenia ersichtlich.
--
+
Basen sind um so härter. je kleiner, weniger polarisierbar und schwerer oxidierhar die Basenteilchen sind. Wart F., OH-, 02-,C10$ SO: NO;, PO: -. CO: H20, NH,
Grcnzbereich -----
Br:
NO;, SO:;
s;. N,
Weich -
H-. I-, C N -. S C N -. & o : .CO, C&,
s2-
Beispiele: Der Komplex [AIFJ3- ist stabiler als der Komplex [ ~ l 1 , ] ~ -aber , [ H ~ I , ] ~ -ist stabiler als [HgF4I2-. [Cu(NH,)412+ ist stabiler als [Cu(H,0),J2'. NH, ist eine weichere Base als Es findet die Ligandenaustauschreaktion [Cu(H,0),12C + 4 N H 3 -+ [Cu(NH,),I2+ 4H,O statt. Die auch in der Natur vorkommenden stabilen Verbindungen von ME-7 +. C a Z + ,Al3' sind Sulfate, Carbonate, Phosphate und Oxide. Die stabilen naiidichen Vorkommen von Cu ', H g Z + , Zn 2 + sind Sulfide.
+
Das HSAB-(hard-soft acid-base)Prinzip wurde von Pearson und Pars (19811 Cl.weitert. Leris-Säuren und Lewis-Baren werden nach ihrer HQrtequantitativ geoi-d-
Auc}, Moleküle gi\t, der Abstand zwischen deni niedrigsten unbes etzten Orbita] (LUMO. lowest unoccupied molecular orbital) und dem höchsten besetzten Orbital (HOMO, Ilighest occupied molecular orbital) bei harten Molekülen groß und bei weichen Molekülen klein ist.
3.8 Redoxvorgänge
Statt der mchrdeuligen Begriffe „Wertigkeit6'oder .,Vden~"eines Elemeiits wird der Begriff Oxi&tionszahl oder Oxidationsstufe verwendet.
340
3 Die chemische Rcaktior,
3.8 Redoxvorgänge
Die Oxidationszahl eines Atoms im elementaren Zustand ist null. gei ~ ~ r b i n d u n g emit n gleichen Bindungspartnern ist für dar Redoxverhalten ittlere Oxidationszahl sinnvoll.
. In Ionenverbindungen ist die Oxidationszahl eines Elements identisch
- 1
- 7
0
I
11
0
. I
I
0
8
HI-E~~NHN ++I H(-NHNXE Auftretende Ionen
NaCl
N a 1 + , CI 1 -
LiF
L i 1+ , F ' -
Ca0
ca2+ ,
LiH
Li1+,H ' -
Fe304
2 F e 3 + , F e 2+ , 4 0 2 -
~~~h den in 3 angegebenen Regeln erhält man fiir die einzelnen Stickstoffatorne unterschiedliche Oxidationszahlen, die mittlere Oxidationszahl beträgt - . Dies für bei& Grenzstrukturen.
02-
I
! I
I
~i~ ~ ~ i d ~ t i ~ n s z ader h l eElemente n hingen von ihrer Stellung im PSE iib. Für die nauptgruppen gilt: ~i~ p(>rjfil.i>O . ~ f l / l i ~ i ~o i~i i ii ~~E, ~i i ~~ t~i ii~li 1bli ~ i i ,/ ~ G i ~ ~ q > pI ~iitill r i 2 ~k / ~ <-. t10. l l i ~ ~ l l ~ (/i<j
. Bei kovalenten Verbindungen wird die Verbindung gedanklich in Ionen aukeieiit. Die Aufteilung erfolgt so. daß die Bindungselektronen dem elektronegaiiveren Partner zugeteilt werden. Bei gleichen Bindungspartnern erhalten beide die Hälfte der Bindungselektronen Die Oxidationszahl ist dann identisch mit der erhaltenen Ionenladung. Verbindung
Lewisformel
fiktive Ionen
HCl
H ( J ~ /
H + , Cl-
H20
H(I~I)H
H+. 0'-, H +
Beispiele: Halogene - 1; Chalkogene - 2; N, P - 3.
Oxidationszahlen + I
-
1
H C1 + l
8 7 6 5-
L
H, 0
4
0 0
20
-
.
3-
7, 2 -
E
0
0
0
0
C
-
1 - 0
0
0 0
.
0
. . . 0
. 0
0
0 0
0
0
0
e
0 X
HNO,
nur
Beispiel Stickstoffwasserstoffsiiure H N 3 inii d„
Ionenladung. Verbindung
341
-1
-
-2
-
0
0
-
-4
-
-
0
0 0
0
-3
-
0
0 0
H
1.Periode
Li
B C
N
2.Periode
D
F
Na ~ . e
Mg
Al
Si P S 3.Periode
CI Ar
Abbildung 3.45 Wichtige Oxidafianszahlen der Elemente der ersten drei Perioden
3 Die chemische R e a k t i o n
342
3.8 Redoxvorgänge
Dic, itliJi.s/<,f1 E/itriiv~/c, / t i ' i n l i i i iiiohi.i~ipiiO.ii(/(~/io1irzi16/<.ii cii,/: Der Bereich der Oxidationszahlcn kann für ein Element maximal acht Einheiten betue„, (vgl Abb. 3.45).Die Oxidationsstufen des Elements Stickstoff z.B. reichen voll NH, bis + 5 in HNO,. Bei den Metallen kommen besonders die Überganpiliiel;iil -3 .in sehr unterschiedlichen Oxidationszahlen vor. Mn z. B. hat in M n 0 die Oxi&ii„,e in zahl + 2, in KMnO, 7 (vgl. Abb. 2.81 ). Die wichtigsten Oxidationsmhlen der Elemente der erstcn drei Perioden des p S ~ sind in der Abb. 3.45zusammengestellt.
343
+
---
Glei~hg~wichtsreaktionen, dann erfolgt je nach abläuft. eine Oxidation oder eine Reduktion. der Richtung, ~nder die Reaktion
: Schreibt m m diese Rcaktionen als
1
N~
3.8.2 Oxidation. Reduktion
Beispiele: 2 M g 0, S 0,
+ +
-,
2Mg0 SO,
Beispiel:
+ 3C
+
Na
Reduktion
reduzierte Form +
Der Begriff Reduktion wurde für den Entzug von Sauerstoff verwendet.
Fe203
Oxidation
-*
2Fe
+ 3C0
Die
+ C-
= oxidierte Form + ze
Form und die reduzierte Form bilden zusammen ein korrespondieren+2
13
des Redoxpo
+
Red 1 + 0 x 2 $ 0 x 1 Red2 Redoxreaktion Je st$rker bei eincm Redoxpaar die Tendenz der reduzierten Form ist. Elektronen abzugehen, um so schwächer ist die Tendenz der korrespondierenden oxidierten Form, Elektronen aufzunehmen. Man kann die Redoxpasre nach dieser Tendenz in einer Redoxreihe anordnen.
344
3 Die chemische Reaktion
Je höher in der Redoxreihe ein Redoxpaar steht. um SO stärker ist dic redurjerende Wirkung der reduzierten Form. Man bezeichnet daher Na, Zn, Fe als Reduktionsmittel. Je tiefer ein Redoxpaar steht, um so stärker ist die oxidierende Wirk oxidicrtcn Form. Cl2. Br, bezeichnet man entsprechend als Oxidationsmiitel der ~ i i l i giii i i i ~ R ~~ r l i ) . i p i ~ ~:iiii(Ywti ~ . i * < ~ ~ t t i c wr/~i:ii,i-~cti i fiilrll ,7i;[ l ~ j / l p r,,! rel;. Redo.~-r(~iix, iliirtii~ tvr . s t d w 1 1 ~o.i-idi(,rictz 1~~~ F o t , ~rd7, ~i Redoxreihe Reduzierte Form $ Oxidierte Form + Elektronen .f Na ? Na+ + eI I Zn Z n 2+ + 2e7iiriehmeridc Fe I Fe 2 + 2e - Tcirdenr der ElekirotieriZunehmende HZ+ 2 H,0 $ 2H30+ + 2e - runehmerids aufnahrne. Tender17 der Elekrronen2r12 f 2e oxidierende ahgahr: ~unehrneiide CU $ Cuz+ Wirkung redurierenrlr 2e3 Wirkung Fe 2 + $ Fe + e-
,-
+ H,O+
-
-
?Br2c1-
$ L Y
+ + ++ 22e-e
Br, CI,
i
1
Beispiele für in wäßriger Lösung ablaufende Redoxreaktionen:
+
C u Z f -f Z n 2 + + C u Zn Fe CU" , Fe" + Cu 2 N a + 2 H , O + -,2 N a + + H, 21- + Br, -, I2 2Br3BrCl2 3 Br, + 2C1-
+
+ NO
G?
C u Zt
+ 2e-
wie man etwas unübenichtlichere Redoxsysteme aufstellen kann, sei am Beispiel des Redoxsystems 2 erläutert.
,,
Auffinden der Oxidationszahlen des oxidierten und reduzierten Form. 1 5
1
L
NO; F' NO
2.
der Differenz der Oxidationszahlen erhält man die Anzahl auftretender Elektronen.
AUS
+5
NO;
3. Prüfung der Elektroneutralirät. Auf beiden Seiten mull die Summe der elektrischen Ladungen gleich groß sein. Die Differenz wird bei Reaktionen in saurer Lösung durch H30+-Ionen ausgeglichen.
In basischen Lösungen erfolgt der Ladungsausgleich durch OH--Ionen.
+
+
Cu 2 +
Cu
~ ~ d o x s y s t e1m
+
2
-
lautet dis Redoxgleichung'? Bei k o m p l i z i e r ~ r eRedoxvorgängen ~i ist es zweckmäßi) zunächst die beiden beteiligten Redoxsysteme getrennt zu formulieren,
,
a
1
+ NO,
+ 2H20
Bei allen Beispielen können die Redoxreaktionen nur von links nach rechts verlaufen. nicht umgekehrt. Nicht möglich ist auch die Reaktion
Man kann demnach Cu nicht in HCI lösen.
4. StofTbilanz. Auf beiden Seiten der Reaktionsgleichung mulJ die Anzahl der Atome jeder Atomsvrte glcich groß sein. Der Ausgleich erfolgt durch H,O.
+ 3e-
4 H 3 0 + + NO;
$
NO
+ 6H20
Die Redoxgleichung erhält man durch Kombination der beidcn Redoxsysteme. Redoxsystem 1 Redoxsystem 2-
C u -+ C u 2 + + 2 e 4 H , 0 f + N O ; + 3e-
Redoxgleich~n~
3Cu
-
+ 8H30++ 2N03
X
N O-+ 6 H 2 0
-4
3
x2
3Cu2++ 2 N 0
+ 12H20
3.8.3 Aufstellen von Redoxgleichungen Das Aufstellen einer Redoxgleichung bezieht sich nur auf das Aufinden der stckhiometrischen Lahlen einer Redoxreaktion. Die Ausgangs- und Endstoffe der Re~iktion müssen bekannt sei~l. Beispiel: Bei der Auflösung von Kupfer in Salpetersäure entstehen Cu2+-Ionen und Stickstoffmonooxid NO.
3.8.4 Galvanische Elemente Taucht man einen Zinkstab in eine Lösung, die Cu 2'-Ionen enthält, findet die Redoxreakiion
Cu 2 + + Ln
-
Cu
+ Zn ' 2
statt. Auf dem Zinkstab scheidet sich metallisches Kupfer ab, Zn löst sich unter Bildung von Zn7+-Ionen (Abb. 3.46).
346
3 Die chemische ReakLion 3.8 Redoxvorgänge
347
en v o rhanden sind. Es entsteht das Rcdoxpmr C u / C u 2+ . Die beiden Re a k tionsf5ume Sind duicli ein Diaphragma. das aus porasem durchlässigen Material besteht, getrennt. Verbindet man den Zn- und den Cu-Stab durch einen elektri,,Leiter, so fließen Elektronen vom Zn-Stab zum Cu-Stab. Zn wird in der gegebe-„anOrdnung zu einer negativen Elektrode, Cu zu einer positiven Elektrode. Zwi'
-
Abbildung 3.46 Auf einem Zinlstab. der in eine CUSO,-Lösung taucht. scheidet aus Zn bilden sich Zn 2'-Ionen Es findet die Redoxreaktion Cu 2 + 1 Zn cu+ zri:C,„ h,litt, Diese Redoxreaktion kann man in einer Anordnung ablaufen lassen, die sches Elenient genannt wird (Abb. 3.47). Ein metallischer Stab aus Zink taucht in eine Lösung, die Z n 2 + - und S O : - J ~ ~ ~ ~ enthält. Dadurch wird im Reaktionsraum 1 das Redoxpaar Z n / Z n 2 + gebildet. 1, Reaktionsraum 2 taucht ein Kiipferstab in eine Lösung, in der C u 2 + - und SO:--
-
ab: Raum 1 mit Redoxpaar 1: Raum 2 mit Redoxpaar 2: ~esamtreaktion:
Zn Zn2 ' + 2e C u 2 + + 2 e -+ Cu Zn
+ C u 2 + -+
ZnZt
+ Cu
Oxidation Reduktion Redoxreaktion
~ n - A t o m eder Zinkelektrode gehen als Zn2+-1onen in Lösung, die dadurch im ZnStab zurückbleibenden Elektronen flienen zur Kupferelektrode und reagieren dort mit den Cu 2 +-Ionen der Lösung, die sich als neutrale Cu-Atome am Cu-Stab abscheiden. Durch diese Vorgänge entstehen in der Lösung des Reaktionsraums 1 überschüssige positive Ladungen, im R a u m 2 entsteht ein Defizit a n positiven Ladungen. Durch Wanderung von negativen SOi--Ionen aus dem Raum 2 in den Raum 1 durch das Diaphragma erfolgt Ladungsausglcich. von Zn, ElckZn steht in der Redvxreihe obcrhalb von Cu. ß t r s grijßcre Bc~.vlrrhc~rr trorieti abzugc+cri, Ac.rrir~rrntdie Richflrr~gr/c~.sEl(~li~rorrc~rlfl~rs.sc~.v irir gulcorri.rchcr~ Elcmznt und durtrii die Rotrl~iic~rr.sric~lrl~rr~g.
3.8.5 Berechnung von Redoxpotentialen: Nernstsche Gleichung Abbildung 3.47 Daniell-Element. In diesem galvanischen Element sind die Redorpaarc Znizn2+undCu/Cu2' gekoppelt. DaZn leichter Elektronen abgibt als Cu, nieRen Elektronen von Zn zu Cu. Zn wird oxidiert, Cu 2 + reduziert.
-
Redoxpaar 2 (Halbelement 2 ) Cu2+ + 2 e Cu Gesamtreaktion Zn + Cu 2 + + Zn" + cU Redoxpotential 2 -
Redoxpotential 1 Ez.
=
E;.
+ 0,059 2 lg czn2
G , = Ec, + 0,059 -IgcCu2+
-
2
Gesamtpotential
Ox + z e - zeigen ein unterschiedlich starDic vcrschicdcncn R e doxsysteme Red kes Reduktions- bzw. Oxidationsvermögen. Ein M a ß dafür ist d a s R& Y ~ I O I C IE~ eines Redoxsystems. Es wird durch die Nernstsche Gleichung
beschrieben. Es bedeuten: R Gaskonstante; T Temperatur; F Faraday-Konstante, sie beträgt 9 6 4 8 7 A s m o 1 1 (vgl. S. 365); z Zahl dcr bei einem Redoxsystem auftretenden Elektronen; cRcd,cOx sind die auf die Standardkon7entration 1 mol/l bezogenen Konzentrationen der reduzierten Form bzw. der oxidierten Form. In die Nernstsche Gleichung sind also nur die Zahlenwerte der Konzentrationen einzusetzen. Bei nichtidealen Lösungen m u ß statt der Konzentration die Aktivität eingesetzt Werden (vgl. AGschn. 3.7.2). Für T = 298 K (25°C) erhält m a n aus GI. (3.54) durch Einsetzen der Zahlcnwerte fGr die Konstanten und Berücksichtigung des Umwandlungsfaktors von In in Ig
~ ; ~ ~ ~
3 Die chemische Reaktion
348
6 ~ ~ n z e n t r a t i o n i k e t t e Elektroden n, zweiter Art Beträgt
C„
= 1 und
C„,
=
1, folgt aus GI. (3.55)
das ~lektrodenpotentialvon der Ionenkonzentration abhängt, kann ein galvani~ l ~ ~aufgebaut e n t werden, dessen Elektroden aus dem gleichen Material bestesh'und die in Lösungen unterschiedlicher lonenkonzentrationen eintauchen. Eine blche Anordnung nennt man Konzentrationskette. A b b 3.48 zeigt schematisch eine Silberkonzentrationskette. Sowohl im Reaktionsraum 1 als auch im Reaktionsraum taucht eine Silberelektrode in eine Lösung mit Ag+-Ionen. Im Reaktionsrauni 1 ist jdoch die Agi-Konzentration großer als im Reaktionsraum 2 Das Potential des ~ ~ l b ~ l ~ 2mistedaher n t ~ negativer als das des Halbelements 1. In1 Reaktionsraurn 2 . gehen ~ g - A t o m als e Ag'-Ionen in Lösung. die dabei freiwerdenden Elektronen RieHalbelement 1 und entladen dort Agi-Ionen der Lösung. Der Ladungsausgleich durch die Anionen erfolgt über eine Salzbrücke, die z. B. KN0,-Lösung enthalten kann. Die EMK der Kette ist gleich der Differenz der Potentiale der beiden Halbelemente
P
*„W
Beispiel: Daniell-Element Redoxpaar Zn
Zn 2 '
Redoxpotential bei 25 C
+ 2e-
Ezn = EZ,
+ 0,059 Igczn2, 7 -
Standardpotentiaf Ezn = - 0,76 V
Wie im MWG treten auch in der Nernstschen Gleichung die Konzentrationen reiner fester Phasen nicht auf. Die EMK des galvanischen Elements erhält man aus der Differenz der Redoxpotentiale der Halbelemente.
0 059 ~ „ 2 + lg -2 czn2+ = cZn2+ erhält man aus GI. (3.56)
AE=Ea-E Für
Zn
--E oCU -E;',+;
Die Spannung des Elements ist dann gleich der Differenz der Standardpotentide. Während des Betriebs wächst die Zn 2 +-Konzentration, die Cu 2+-Konzentration sinkt, die Spannung des Elements muß daher. wie G 1 (3.56) zeigt, abnehmen. Bei einer isothermen und isobaren Reaktion ist die elektromotorische Kraft (EMK) mit der maxinialen Arbeit durch die Beziehung
verknüpft (vgl Abschn. 3.5.4, GI. 3.1 4). Für Standardbedingungen gilt AG = - - F A E O
Ag NO3 -~ Losung
Y
Holbelement 1
Holbelement
CA^;
Agio3Losung
2
>
Abbildung 3.48 Konzentrationskette. Ag-Elektroden tauchen in Lösungen mit unterschiedlicher Ag+-KoiiZentration. Lösungm verschiedener Konzentration haben das Bestreben. ihre Konzentrationen auszugleichen. Irn Halbelement 2 gehen daher Ag'-Ionen in Lösung. lm HaWemeni 1 werden Ag+-Ionen abgeschieden, Elektroneii fließen vom Halbeleinetit 3 zuin Halbelement 1, Reaktion itn Halbelernent 2 Reaktion irn Halbelement 1 Ag -' Ag+ + e AgC t e- -t Ag Redoxpotential 1 EAK(l) = E A p+ 0,059 Ig cA,+(l)
Redoxpotential 7 E&) = E 4 g 0.059 16 cAg+(7)
+
i
I \
350
3 Die chemische Reaktion
Die EMK der Kette kommt also nur durch die Konrentrationsunterschiede in den beiden Halbeleinenteri zustande und ist eine Folge des Bestrebens verschiedeil k o n zentrierter Lösungen. ihre Konzentrationcn auszugleichen. Leistet das Element qrbei(, wird der Konzentrationsunterschied kleiner, die EMK nimmt ab. Setzt man einem Ag/Ag'-Halbelement Anionen ZU. die mit Ag '-Ionen ein g-hiie, lösliches Salz bilden, z. B. CI--Ionen. dann wird das Potential nicht mehr durch die ~ g-Kunzentntion, + sondern durch die CI -Konzentration bestimmt. Solche [:lektroden nennt man Elektroden zwciter Art. Das Potential einer solchen Elektrode erhält man durch Kombination der (;leichung
Das potential eines einzelnen Redoxpaares kann experimentell nicht bestimmt werk t ist nur die Gesamtspannung eines galvanischen Elementes, also den. ~ ~ amcßbar
zweier Redoxpaare Man mißt daher die P~tentialdifl'eren~der „,hiedenen Redoxsysteme gegen ein Bezugsredoxsystem und setzt das Potential dieses Bez~gssystemswillkürlich null Dieses Bezugssystem ist die Standardujasserstoffelektrode.
mit dem Löslichkeitsproduki
Elektroden zweiter Art eignen sich als Vergleichselektroden, da sie sich leicht herstellen lassen und ihr Potential gut reproduzierbar ist. Eine in der Praxis häufig benutzte Vergleichselektrodc ist die I \ t / / ~ ~ t ~ c ~ l - E l c ~Sie / i rbesteht ~ c j ~ / ~aus ~ . Quecksilber, das iiiit festem Hg,CI2 (Kalomel) bedeckt ist. Als Elektrolyt dient eine KCI-Lösung bekannter Konzentration, die mit Hg,CI, gesättigt ist. In das Quecksilber taucht ein Piatindraht, der als elektrische Zuleitung dient. Mit Konzentrationsketten lassen sich sehr kleine Ionenkonzentrationen messen und z. B. Löslichkeitsprodukte bestimmen. Beispiel: Löslichkeitsprodukt von AgI. Versetzt man eine AgN0,-Lösung mit I--Ionen. fällt Ag1 aus. Es gilt das Löslichkeitsprodukt
Verwendet man eine I '-Lösung der Konzentration 1 0 ' molll, so kann durch M o sung der Ag+-~onzcntrationdas Löslichkeitsprodukt bestimmt werden. Man erhält die Ag+-Konzentration durch Messung dcr EMK einer Konzentrationskette. die aus dem Halbelement Ag 1 Ag1 J Ag+ und dem Referenzhalbelenl~iit Ag1 Ag+ besteht
pH1=1,013bar
M Standardwasserstoffelektrode
Wasserstc
Abbildung 3.49 Schematischer Aufbau einer Wasserstoffelektrode. H, + 2 H 2 0 + 2H,0f + 2eRedoxsystem Redoxpotential
E,
=
E,
+ 0,059 ~
l
a)!,,o+ DU.g A
.<
Das Standardpotential einer Wasserstoffelektrode wird willkürlich null gesetzt. Für die Standardwasserstoffelektrode ist daher E„ = 0.
Abb. 3.49 zeigt den Aufbau einer Wasserstoffelektrode. Eine platinierte - mit elektrolytisch abgeschiedenem, fein verteiltem Platin überzogene - ~latinelektrode taucht in eine Lösung, die H,Oi-Ionen cnthält und wird von WasserstoKgas umspült. Wasserstoff löst sich in Platin unter Bildung einer festen Losung (vgl Tabelle 2.30). An der Pt-Elektrode stellt sich das Potential des Redoxsystems
ein. Bci 15 C beträgt das Potential
Treten in einem Redoxsystem Gase auf, so ist in der Nernsischen Gleahiing der Partialdruck der Ciase einzusetzen. Da das Standardpotentiül für den ~tandarddruck 1atm festgelegt ist, muß in die Ncrnstsche Gleichung der auf 1 atm bezogene partialdruck eingeseilt werden Tm SI wird der Druck in bar angegeben. Der ~tandarddruck
352
3 Die chemische Reaktjori
3.8 ~ e d o x v o r g ~ l l g e 353
betragt 1.O13 bar. in die Nernstsche Gleichung- wird der auf 1,013 bar beZogelle Partialdruck eingesetzt:
Voltmeter
W Salzbrucke
waßrigen Lösungen bleibt die Konzentration von H,O nahezu konstant, sie wird das ~tandardpotentialeinbezogen. 8ei einer Standardwasserstoffelektrode beträgt U„„ = I und pH2= 1 atm 1,013 bar. Man erhält daher
Das ~ t ~ n d a r d p o t e n t ider a l Wasserstoffelektrode EHwird willkürlich null gesetzt. das potential einer Standardwasserstoffelektrode ist also ebenfalls null (vgl. Abb. 3.49). Die ~tandardpotentialevon Redoxsystemen erhält man durch Messung der EMK einesgalvanischen Elements, bei dem ein Standardhalbelement gegen eine Standardwasserstoffel~ktrodegeschaltet ist. S ~ e ~ ~ r r l ~ i i ~ t l ~.si~rrlalso ~o~c.,~ Rt,/c~/ii.,i.~,l.t~~ ~ i c ~ l ~ ~ he~~o,y,.ll auf die S / o n t / ~ ~ ~ ~ t / i i ' c ~ . \ s r r . c . l ~
3.8.8 Die elektrochemische Spannungsreihe htandardzinkelektrode
Standardwosserstoffelektrode
Voltmeter
Die Standardpotentiale sind ein Maß für das Redoxverhalten eines Redoxsystems in wäßriger Lösung. Man ordnet daher die Redoxsystenie nach der Größe ihrer Standardpotentiale und erhält eine Redoxreihe. die als Spannungsreihe bezeichnet wird li;Jl .vic.lr i.orr~~i.s.sr~gc~~i, ii,c~lchcRctlo.\-rcwX-/io(Tab. 3.1 3). M i / Hilfe 11c.r Spu~ln~rng.src~il~c~ nen möglich s i ~ ~ tßic l . I . ~ V / L I : ~ ~ ~ I .F I CO ~ I~ilic.s I I R ~ ~ ~ ~ . Y ~ . .gib/ Y I cEI /ICI s/ ; I ~ O II ZI L~I V~(111I elie oxidierte F01.171 1 m 1 S O / C / I C I I R C ~ / O . Y S J . . St I~~h~(/;C , ~ I 111 I ~ (lc't. ~ I ~ Spmr~~ilzg~r<~ih(> ~kiri~nl~r stehen. Einfacher ausgedrückt: Es reagieren Stoffe links oben mit Stoffen rechts unten (Abb. 3.51). ES ist natürlich zu beachten. daß diese Voraussage nur aufgrund der Standardpotentiale geschieht und nur für solche Konzentrationsverhältnisse richtig ist, bei denen das Gesamtpotential nur wenig vom Standardpotential verschieden ist. Beispiele dafür sind die Reaktionen von Metallen
Abbildung 3.50 Bestirnmung von Standardpotentialen. Als Bezugselektrode dient eine Standardwasserstoffelektrode. Die Standardwasserstoffelektrode hat das Potential null. ihr Standardpotential willkürlich mit null festgesetzt wird. Diegesamte EMK der Anordnuripa) jst also gleich dem Elektrodenpotential der Zn-Elektrode: 0 059 AE = Ezn= E,. 27--Igoz,,i-. Beträgt die Aktivität von Z n 2 + eins (aZn2+= 1 ) . so isl die
+
L
EMK gleich dem Standardpotential von Zink. Entsprechend ist die EMK des in b) d a i - p r d l ten Elements gleich dem Standardpotential von CU.S t a n d a r d ~ o t e n t i asind l ~ Relativwci.1~bezogen auf die Standardwasserstoffelektrode.
Abbildung 3.51 Das Potential E, des Redoxsystems 1 ist negativer als das Potential E, des I f e d o ~ s ~ s t e m2.s Die reduzierte Form 1 kann Elektronen an die oxidierte Form 2 abgeben, "lcht aber die reduzierte Form 2 an die oxidierte Form 1 . Es läuft die Reaktion Red1 + 0 x 2 - t 0 x 1 + R e d 2 a b .
354
3 Die chemische Reaktion
Beispiele dafür Tabelle 3.13 Spailnungsreihe
e
OxidiertI
e
Li' K+
Reduzierte Form
=
e
das Redoxpotential H2/H,0f ungefähr null. Alle Metallc mit negativem Potential, also alle Metalle, die in der Spannungsreihe oberhalb von Wasserstoff stehen, können daher Elektronen an die H,O+-Ionen abgeben und Wasserstoffentwickeln. Beispiele:
Ba z+
e Ca 2 +
+ + + +
hra+ Mg 2+ AI'+
Mn2+
Man bezeichnet diese Metalle als ~nlc& . M < J ~ ( ~Metalle I I < ~ . mit positivem Potential, die in der Spannungsreihe unterhalb von Wasserstoff stehen, wie Cu, Ag, Au, konnen sichnicht in Säuren unter H,-Entwicklung lösen und sind z. B. in HCI unlöslich. Man bezeichnet sie daher als edle ~MerrrIl<~. Für neutrales Wasser mit C„„ = 10 -' mol/l erhält man aus GI. (3.57)
2 Zn 2 +
= = + = = + = = *
SO, Cu
+ 6H,O
+
* *
Cr 3 + S Fe 2+ Cd 2 + Co 2 + Sn 2 + Pb 2+ Fe 3 + 2H30i Sn4+ Cu 2 + SO:-
i
Mit Wasser sollten daher alle Metalle unter Wasserstoffentwicklung reagieren können, deren Potential negativer als - 0,41 V ist (Abb. 3.52). Beispiele: 4H30+
Cu2+ Cu+
* I, * 0, +2H,O+ Fe + * Ag+ * Hg2+ e
$
3
unedle Metalle
I
edle Metalle
Abbildung 3.52 Unedle Metalle behit~enein negatives,edle Metalle ein positives Standardpolential. Nur unedle Metalle lOsen sich dahcr in Säuren unter Wasserstoffentwicklung.
356
3 Die chemische Reaktioii
3.8 Redoxvorgänge
Einige Metalle verhalten sich gegenüber Wasser und Säuren anders als nach d„ Spannungsreihe zu erwarten wäre. Obwohl r . B. das Standardpotential von ,,qlurninium E„ = - 1.7 V beträgt, wird Al von Wasser nicht gelöst. Man bezeichnet diese Erscheinung als P(i.i.sirit
Im Zähler des konzentrationsabhängigen Teils der Nernstschen Gleichung stehcii die Produkte der Konzentrationen der Teilchen der oxidierenden, im Nenner die Produkte der Konzentrationen der Teilchen der reduzierenden Seite des Redoxsystems. Wie beim M W G treten die stöchiometrischen Zahlen als Exponenten der Konzentrationen auf. Bei Reaktionen in wäßrigen Lösungen werden im Vergleich zu der Gesamtzahl der H,O-Teilchen so wenig H20-Moleküle verbraucht oder gebildet, daß die Konzentration von H 2 0 annähernd konstant bleibt. Die Konzentration von H 2 0 wird daher in die Konstante E ' einbezogen und erscheint nicht im Konzentrationsglied der Nernstschen Gleichung. V Berechnet man E unter Annahme der Konzentrationen cMno4= 0,l mol 1 und cMn2 + = 0,l mol/l, so erhält man für verschieden saure Lösungen: PH
cl,,„
0 5 7
IO-~ 10-'
in rno1,il
EinV 1,51 1,04 0,85
1
Die Oxidationskraft von MnO, verringert sich also stark mit wachsendem PH. Ein weiteres Beispiel ist das Redoxsystem 6H,O
+ N O + NO; + 4 H 3 0 + + 3 e -
Die Nernstsche Gleichung dafür lautet E=E +
0,059 cNoS C:„, l g 3 PNO
:
E
=
0,96 V
E unter der Annahme pNO= 1 atm pH = 7, so erhält ma.n:
= 1,013
bar und cNOT =1
EinV
= + O,8O V, für Hg/Hg2 1st E = +0,85 V. Man kann daher mlt Salpetersäure Ag und Hg In Lösung bringen, nicht
Für das Redoxsystem Ag/Agi beträgt E
+
= 0.1 mol/l, so erhält man für das ReBetragen die Konzentrationen c f i 2+ = doxpotential E = + 0,77 V. Setzt man der Lösung N a F zu, so bildet sich der stabile Komplex [ F e F 6 I 3 und die Konzentration der nicht komplex gebundenen Fe 3 +Ionen beträgt nur noch etwa 1 0 " mol/l. Das Redoxpotential nimmt dadurch auf E = + 0,12 V ab. die Lösung wirkt jetzt stärker reduzierend. Nur eine NaF-haltige FeS0,-Lösung kann z. B. C u 2 + zu C u i reduzieren (E&,+,cu2 + = 0.1 5 V). Ein anderes Beispiel ist die Löslichkeit von Gold. Gold löst sich nicht in Salpetersäere, ist aber in Königswasser, einem Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure. löslich. In Gegenwart von Cl--Ionen bilden die Au 3 +-Ionen die Komplexionen [ A u C I , ] Durch die Komplexbildung wird die Konzentration von Au 3 und damit das Redoxpotential Au/Au3 so stark erniedrigt, daßeine Oxidation von Gold möglich wird. Gibt es corl c~irwrrE / ~ W I ~Ioriiw ~ I I i/ ~ i i li . c ~ r . s < ~ l ~ i c ~ < I cL~ i~~ici~l~iir t ~ g ~.sow .siiitl . I I I ~ > / I I . L J I . ( ' Rcdoxprozrsso - 1 , hci-ii<~ksii~/~ii,pi~ri,. Beispiel Standardpotentiale des Eisens und seiner Ionen:
+
+
+
F e 2 + + Fe" +
E
fe-
Aus dem Kreisprozeß
,/
Fe
111
.Fe3+
=
+ 0,77 V
3 Die chemische Reaktion
358
2.0
erhält man für die freien Enthalpien A G der Redoxvorgänge relativ zu einer standardwasserstoffelektrode Dü folgt
A G;
+ AG;, = AG,,,
AC"
=
-
in wäßriger Lösung Die schwerlöslichen Wrbindungcn CuI, CUCN,Cu,s beständig und disproportionicrcn nicht. Versetzt man eine Lösung, die Cu 2'-Ion e n mthält, mit 1--Ionen, so entsteht durch Redoxreaktion schwerlösliches Cul.
(vgl. GI. 3 . 1 5)
-zFAE
- ~ -
Cu2'
2 EI + E,, = 3 Ei,, -0+38V+0,77V=-O,llV
+2
1
-+
Cu1 + $1,
+
-
= 0.54 V) erfolgt. weil wegen der Schwerlös*ie ~ ~ i d a t i ovon n I - I o n e n (E;, li&keit von Cu1 (L,:., = 5 - 10~"mo12/12)die Konzentration der Cu t -Ione n so stark erniedrigt ist. daß das Redoxpotential
Beim Lösen von Eisen in Säure unter H2-Entwicklung bilden sich Fe2+-loncTi„d nicht Fe3+-Ionen. />
Besitzt ein Element mehrere Oxidationsstufen, kann das Redoxverhalten iiberririr~i werden. Beispiel Standardp~tcnti~l sichtlich in einem P o i c ~ t i i i i ~ / ~ l i o , ~ r . tdargestellt des Kupfers und seiner Ionen:
+ Cu+ + e $ C u 2 + + 2,Cu ' + e -
Cu Cu Cu'
CU
2
+ 0.52 4
*" Sb
3
+ 0,52 V E' = + 0,34 V B
2
---t
3$
und es erfolgt daher keine Disproportionierung. Eine Reihe von Redoxprozessen laufen nicht ab, obwohl sie aufgrund der Redoxpotentiale möglich sind. Bei diesen Reaktionen ist die Aktivierungscncrgie so groß, daß die Reaktionsgeschwindigkeit nahezu null ist, sie sind kinetisch gchcmmt. Die wichtigsten Beispiele dafir sind Redoxreaktionen, bei denen sich Wasserstoff oder Sauerstoff bilden. So sollte sich metallisches Zn(E;, = -0,76 V) unter Entwicklung von H, in Säuren lösen. Reines Zn löst sich jedoch nicht. M n 0 4 oxidiert H,O nicht zu O„ obwohl es auf Grund der Redoxpotentiale zu erwarten wäre (vgl. Tabelle 3.1 3). Die Redoxpotentiale erlauben nur die Voraussage, o b ein Redoxprozeß überhaupt möglich ist, nicht aber, o b er auch wirklich abläuft.
E' = +0,15 V
CU+ ---t C u 2 +
E&,
+
+ E&
+
,cUz+
Cui ist nicht stabil. Für die Disproportionierungsreaktion 2Cui
-t
Cu
+
=
t0.15
=
+ 0.54 V. Dieses Potential ist auch positiver als das Redoxpotential EcUicu = E&. + 0,059 Ig crcu
positiver ist als
+ Cu"
ist A G " negativ. man erhält eine Spannung von
3.8.9 Gleichgewichtslage bei Redoxprozessen
,
Auch Redoxreaktionen sind Gleichgewichtsreaktionen. Bei einem ~ e d o x p r o ~ e ß Red 1 + Ox 2 + OX1 + Red 2 liegt Gleichgewicht vor. wenn die Potentiale der beiden Redoxpaare gleich groß sind.
Aus den Standardpotentialen wird klar, daß z. B. F e 2 + nicht d i ~ ~ r o ~ o r t i o n i ~ r ~ ~ kann. Cu(1)-Verbindungen sind Beispiele für den I~Vllj~i/.
J:illlldj
/ . G s / i c . / l l i ~~ i l u t (/o.\ f /
P
Diese Beziehung erhält man auch durch Kombination der GI. (3.15) und (3.1 6)
3 Die chemische Reaktion
360
3.8 Redoxvorgange
und entladen dort Zn 2 +-Ionen. An der Cu-Elektrode gehen Cu 2 +-Ionen in Lösung, die freiwerdenden Elektronen fließen zum positiven Pol der Stromquelle. Die Richdes Elektronenflusses und damit die Reaktionsrichtung wird durch die Richtung des angelegten elektrischen Feldes bestimmt.
J p gru&r die> iliffiirwz (/W .Yr(i~i~/otii~~ti(~/o ii I I ~ s oI ii.ritcv /ic>,yi <,r (,/<;, ( r u f ciilcr Scirc.
Beispiele: Zn
+ Cu
2
+
-+
501
StromfluO
Z n 2 + + Cu
e-Batterie Diaphragma
Gleichgewicht liegt vor, wenn die Gleichgewichtskonstante
CuSOL Losung
Zn506 Losung
1
zn2+
beträgt. Die Reaktion läuft also vollständig nach rechts ab. 2Br
+ Cl,
-t
Br,
so:-+
-cu2+
I
+ 2C1 r
Abbildung 3.53 Elektrolyse Durch Anlegen einer Gleichspannung wird die Umkehrung der
im Daniell-Element freiwillig ablaufende11 Reaktion Zn + C u 2 + -r Z n 2 + + Cu erzwungen .---
Obwohl die Differenz der Standardpotentiale nur 0,3 V beträgt, erhält Inan für K = 1010, das Gleichgewicht liegt sehr weit auf der rechten Seite.
.
znZ+
wird reduziert, C U oxidiert. ~lektrodenvorg~nge CU Zn2+ + 2e- -r Zn
-r
C u 2+
+ 2e
3.8.10 Die Elektrolyse Etektronen-
I
bei der E l ~ k r r o , ~ ~ s c .
Als Beispiel betrachten wir den Redoxprozell
e-
(1,101
Elektronenstrom
0
Zn
+ C u + .errwuiigcn 2
freiwillig
2
Zn +
+
I
+ Cu
Im Daniell-Element Iäuft die Reaktion freiwillig nach rechts ab. Durch ~ l e k t r o l ~ s e kann der Ablauf der Reaktion von rechts nach links erzwungen werden (Abb. 3.53). Zn 2 e Z n 2+ galvanischxtrolyse Prozeß Cu Cu 2
H
0,76 V
E'
=
-
E'
=
+ 0.34 V
Dazu wird an die beiden Elektroden eine Gleichspannung gelegt. Der negative Po1 liegt an der Zn-Elektrode. Elektronen fließen von der Stromquelle zur Z n - ~ l e k t r d c
Galvanischer Prozess
Lage der Standardpotentiale von Zn und Cu
strom Elektrolyse
Abbildung 3.54 Galvanischer Prozeß: Elektrotien fließen freiwillig von der negativen ZnElektrode zur positiven Cu-Elektrode (Daniell-Element). Da sie von einem Niveau höherer Energie auf ein Niveau niedrigerer Energie übergehen. können sie elektrische ~ r b e i leisten. t Elektrolyse: Der negative Pol der Stromquelle muß negativer sein als die ~n-Elektrode.dfmit Elektronen zum Zn hinfließen können. Von der Cu-Elektrode fließen Elektronen zum positiven 0' 1 der Stromquelle. Bei der Elektrolyse werden Elektrotien auf ein Niveaii höherer Energie gepu1llpt. Dazu ist eine Spannung erforderlich, die größer sein muß als die EMK der freiwillig
362
3 Die chemische Reaktion
3.8 Redoxvorgange
363
1lut71il C ~ I I E C i~ d 11.011'~~' .).lul/fi~~ k~ u~ k i~t ~ in, lz l ~ /die, j (ltl,qe>ic~gl~~ G ~ > ~ C . / I . Y / lIl /l ,>n ( ~ ~ I I I L I I I ~
de.
für eine Elektrolyse notwendige %cJl~.ic~l~irlg.i,ipiiilllutl~ kann aus der Differenz der Redoxpotentiale berechnet werden. Sind die Aktivitäten der Z n 2 + - und Cu 2 +-Ion en gerade eins, dann ist die Zersetzungsspannung der beschriebenen Elektroly~ezell~ I ,10 V (vgl. Abb. 3.54). In der Praxis zeigt sich jedoch, daß zur Elektrolyse eine höhere Spannung die berechnete angelegt werden muß. Eine der Ursachen dafür ist, daß zur Überwind des elektrischen Widerstandes der Zelle eine zusiitzliche Spannung benötigt wird, ~ i , , anderer Effekt, der zur Erhöhung der Elektrolysespannung führen kann, wird später besprochen. Zunächst soll ein weiteres Beispiel. die Elektrolyse einer H C I - L ~ ~ , , ~ ~ , behandelt werden (Abb. 3.55). .Y/~J/~,Y
proLi
w i t i i i i c ~die. S p ~ r r ~ t i ~ i
,I,
?b
Pt Kathode
-
,
Elektrolysespannung
-
Abbildung 3.56 Stromstärke-Spannungs-Kurve bei einer Elektrolyse. Die Elektrolyse beginnt erst oberhalb der Zersetzungsspannung. Die Zersetzungsspannung von Salzsäure der ~ ~ ~ ~ ~ ~ lmol/l t r a (vgl. t i oAbbildung n 3.55) ist gleich dem Standardpotential des Redoxpaares cl-/Cl, Sie beträgt 1,36V.
GrmhIt
Kathode
EH= 0,059 lg , PH~
Anode
Ecl= E;,
C ~ 3 0 +
:!' + 0,059 lg PI -
EMK Abbildung 3.55
Elektrolyse von Salzsäure.
Kathodenreaktion H30++e+jH2 H30+
Anodenreaktion C1-+JCl2 + e
+ H20
Gesamtreaktion +&H2 +Cl2 + H 2 0
+ Cl-
+
In eine HC1-Lösung tauchen eine Platinelektrode und eine ~ r a ~ h i t e l e k t r o d e . Wenn man die a n die Elektroden angelegte Spannung allmählich steigert, tritt erst oberhalb einer bestimmten Spannung, der Zersetzungsspannung, ein merklicher Stromfluß auf,und erst dann setzt eine sichtbare Entwicklung von H, an der ~ a t h o d e und von Cl, an der Anode ein (Abb. 3.56). Die Elektrodenreaktionen und die Gesamtreaktion der Elektrolyse sind in der Abb. 3.55 formuliert. 1st die angelegte Spannung kleiner als die Zersetzungsspannung, scheiden sic1-i an den Elektroden kleine Mengen H, und Cl, ab. Dadurch wird die Kathode zu einer Wasserstoffelektrode, die Anode zu einer Chlorelektrode. Es entsteht also ein galianisches Element mit einer der angelegten Spannung entgegengerichteten,gleich grOßen Spannung. Die E M K des Elements ist gleich der Differenz der Elektrodenpotentiale.
Mit wachsendem Druck von H, und Cl, steigt die Spannung des galvanischen Elements. Der Druck von Cl, und H, kann maximal den Wert des Außendrucks von 1,013 bar = 1 atm erreichen, dann können die Gase unter Blasenbildung entweichen. Bei pH2= 1 atm = 1,013 bar und pCl2= 1 atm = 1,013 bar ist also die maximale EMK erreicht. Erhöht man nun die äußere Spannung etwas über diesen Wert, so kann die Gegenspannung nicht mehr mitwachsen, und die Elektrolyse setzt ein. Mit steigender äußerer Spannung wächst dann die Stromstärke linear an. Die Zersetzungsspannung ist also gleich der Differenz der Redoxpotentiale beim Standarddruck p = 1,013 bar. Ecl- EH= E;,
+ 0,059 lg cC1
1
-' cH304
Für die Elektrolye von Salzsäure mit der Konzentration daraus die Zersetzungsspannung
C„,
=
0,l mol/l erhält man
In vielen Fällen, besonders wenn bei der Elektrolyse Gase entstehen, ist die gemesseZersetzungsspannung größer als die Differenz der ~lektrodenpotentiale.Man bezeichnet diese Spannungserhöhung als i'hcr.i/~ciililliit,q.
364
3 Die chemische Reaktion
3.8 Redoxvorgarige
JUJ
Wasser D118 ~ ' h < ~ . \ ~ o i i i >i i ii ri d i g(birrh ciiii L - i i i ~ r i . ~Hi,iritiiiitig ~/i~~ iiclr
E/ok~i-oclc~tirc~~~~~;,,~,~,~~
Damit die Reaktion mit ausreichender Geschwiridigkeit abliuft. ist zusätzliche Spannung erforderlich. Die Größe der Übers p annun g hingt von, E, ek. trodenmaterial. der Oberfliichenbeschafinheit der Elektrode und der Strolllc~ichte an der Elektrodenfläche ab. Die Übers p annun g ist für Wasserstoff besonders an Zink-, Blei- und Quecksilberelektroden groß. Zum Beispiel ist zur Abscheidliiig „n H 3 0 + an einer Hg-Elektrode bei einer Stromdichte von 1 0 ' A c m 2 eitle überspannung von 1.12 V erforderlich. An platinierten Platinelektroden ist die Übcrspannung von Wasserstoffnull. Die Überspannung von Sauerstoffist besonders ~ i i Platini elektroden groß. Bei der Elektrolyse einer HCI-Lösung müßte sich aufsrund der Redoxpotentiale an der Anode eigentlich Sauerstoff bilden und nicht Chlor. ~ ~ grund der Übers p annun g entsteht jedoch a n der Anode Cl,. E / i ~ L - ~ i ~ o / jI~ I Z~UsIiIPl ~ ~ IrZ~~~, i ~ ' $ r i L6s~i11,q. g~ d k ~ ~ c ~ r . i l ~ / i ; c I, (oIt~~~c i~i ot i . s o r O~I ~, ~i /i I ~ I ! , , . s c ~ / i c ~ i r / c.vich v ~ niit it~uc~/~s~~rrc/c~r Sptitliirii~gdic~c i t m / t l c w l o t ~ ~ ~ i ~ . si ~oo rc ,~l lc( ~ ~i ii i~l i i i („/i~) ~. ,dI1 ,
Sn
rorgcv~iifii~.
c l i ~K ~ ~ / ; o ) i < ~ t t 111 , ~ do ur t/ i~p~o s i / ~ r s / e P~ ot ~ / p t i / i ( / /e ~ t i / / ~ / , je edler ein Metall ist. um so leichter sind seine Ionen reduzierbar. ,411 (/W A t i o ( 1 ~! , , . i / r , i l riiclrst r/ic
K(~//io(/c, it.ird XPIW
/(
In wäßrigen Lösungen mit pH = 7 beträgt das Redoxpotential von H, H 3 0 i -0,41 V. Kationen, deren Redoxpotentiale negativer als - 0,41 V sind (Na', Al3'), können daher normalerweise nicht aus wäßrigen Lösungen elektrolytisch abgescliieden werden, da H 3 0 + zu H, reduziert wird. Aufgrund der hohen Übers p annun g von Wasserstoffgelingt esjedoch. in einigen Fällen an der Kathode Metalle abzuscheiden, deren Potentiale negativer als - 0,41 V sind. So kann z. B. Zn 2 a n einer Zn-Elektrode sogar aus sauren Lösungen abgeschieden werden. Ohne die Überspannung uiire die Umkehrung der im Daniell-Element ablaufenden Reaktion nicht möglich. Bei der Elektrolyse würden statt der Zn 2'-Ionen H,Ot-Ionen entladen. Die Abscheidung von Na -Ionen aus wäßrigen Lösungen ist möglich, wenn man eine Quecksilberclektrode verwendet. Durch die Wasserstoffüberspannung am Quecksilber wird das W s serstoffpotential so weit nach der negativen Seite, durch die Bildung von Natriumsmalgam (Amalgame sind Quecksilberlegierungen) das Natriumpotential so ~ ~ e i t nach der positiven Seite hin verschoben, daß Natrium und Wasserstoffin der Redoxreihe ihre Plätze tauschen. Lokalelemente. An einer Zinkoberfläche ist die Reaktion 2 H , 0 i 2 e - -+ H1 + 2H,O kinetisch gehemmt, da eine hohe Überspannung auftritt. An einer Kupfe1.oberfläche ist dies nicht der Fall. Sorgt man für eine Verunreinigung der Zinkoberfliiche mit Kupfer (oder anderen edleren Metallen. bei denen keine Wasserüberspannung auftritt), so bildet sich ein Lokalelement. Die bei der Auflösung von Zink gebildeten Elektronen fließen zum Kupfer und können dort rasch mit H,O+-Iont.ll Z U H z reagieren (Abb. 3.57a). Man kann Lokalelemente durch Zusatz von CU'+oder Ni 2'-Ionen zum Lösungsmittel erzeugen, da sich dann auf der Zn-Oberfläche Cu bzw. Ni abscheidet. +
+
+
Fe bl 4)
~bbildung3.57 Entstehung von L,okalelementen.
f
-
~ ~ ~man ü Zn h mit ~ einem t Pt-Draht. entsteht ebenfalls ein Lokalelement. Die bei der ~ ~ ~ Znk -+ u Zn~2 ' n 2 e entstehenden Elektronen fließen zum Pt-Draht. Sie reagieren dort mit H30'-Ionen und an der Oberfläche des Pt-Drahtes entwickelt sich
+
Hz.
Lokalelemente sind wichtig bei der Korrosioil. Schutzschichten auf Eisen aus Metallen, die edler als Eisen sind. (Cr, Sn, Ni) beschleunigen bei ihrer Verletzung die Korrosion von Eisen durch Bildung eines Lokalelements (Abb. 3.57b). Schutzschichten aus einem unedleren Metall. z. B. Zn, fördern bei ihrer Beschädigung die Korrosion des Eisens nicht. Bei rostfreiem Stahl (siehe Abschnitt 5.16.4.1) wird die Korrosion durch Bildung einer chrornreichen Oxidschicht verhindert. Gesetz von Faraday. Die Faraday-Konstante F ist gerade die Elektrizitätsinenge von 1 mol Elektronen (vgl. GI. 3.54). Das Faradaysche Gesetz sagt aus, daß durch die Ladungsmenge von einem Faraday 1mol Ionenäquivalente (vgl. Abschn. 3.1) abgeschieden werden. Bei einer Elektrot lyse werden also durch die Ladungsmenge 1 F gerade 1 nlol ~ e ' + - I o n e n( N d . Ag ), i m o l Me 2 '-Ionen (Cu 2 +,Zn 2 +)und i m o l Me 3 '-Ionen (Al" Fe3+ )abgeschieden. Die Elektrolyse ist eine wichtige Methode zur qualitativen und quantitativen Analyse von Metallen. E ~ ~ ~ \ I I . O ~ ~ U LAus . ; I ILösungen I ~ ~ I I ' ~können C ~ : durch kathodische Reduktion Metallkationen als Metalle abgeschieden werden und die abgeschiedenen Mengen durch Wägung bestimmt werden. Polrwogi-ciphir..-Durch Bestimmung der A b ~ h e i d ~ i n g s ~ o t e n t ian a l eeiner Quecksilberkathode können die Metallkationen von Lösungen wegen der Überspannung auch unedle Kationen - identifiziert werden. Die Stromstärke der Stromstärke-Spannungs-Kurve ist proportional der Ionenkonzentration. E l e k t r o ~ ~ t i s di/c.~:fdi~oi ~c~ sind von großer technischer Bedeutung. Die Gewinnung Alkalimetallen, Erdalkalii~~etallen, Aluminium, Fluor, Zink und die ~afiination von Kupfer erfolgen durch Elektrolyse, ebenso die Oberflächenveredelung von Metallen, Z. B. das Verchromen und die anodische Oxidation von ~luminium(EloxalVerfahren). An dieser Stelle soll die Elektrolyse wäßriger NaC1-Lösungen besprochen werden. Die anderen elektrolytischen Verfahren werden bei den Elementen behandelt. +
-
366
3 Die chemische Reaktion
3.8 Redoxvorgänge
Chloralkali-~lektrol~~~
Diaphragma'erfa1iren i A b b 3.58). Bei der Elektrolyse einer N ~ c ~ „,ii - eine, L ~ Eisenkathode und einer Titananode (friiher (irdphit) lailfen folgende Re;,kiianen an den Elektroden ab: Kathode Anode
2H,0 2Clp
Gesamtvorgang
2Na*
+ 2e-
--r
c12
+
ZEja+
+
20H-
I
I I
I
Diaphragma (pomse Wand)
3.58 Elektrolyse einer NaCI-Lösung nach dem ~
i
~
~
/ 1 I
#
Bei der Chloralkali-Elektrolyse entstehen also Natronlauge, Chlor und Wasserstoff. Um eine möglichst CI--freie NaOH-Lösutig zu erhalten, wird der Anodenraum vom Kathodenraum durch ein Diaphragma getrennt. Da das Diaphragma für Ionen durchlässig ist, wandern C l - I o n e n in den Kathodenraum und OHp-lonen in den Anodenraum. Da bei zu hoher OHp-Konxntration auch eine unerwünschte OH--Abscheidulig erfolgt, wird der OH-Waliderung dadurch entgegengewirkt. daß nur eine verdünnte Lauge (bis 1 5 % ) erzeugt wird. Beim Eindampfen der verdünnten Lauge fällt das NaCl fast vollständig aus und wird erneut elektrolysiert. Quecksilberverfahren. Die Anode besteht aus Graphit oder bevorzugt aus mit Edelmetallvcrbindungen beschichtetem Titan. Als Kathode wird statt Eisen Quecksilber verwendet. Wegen der hohen Wasserstoffüberspannung bildet sich an der ~ a t h o d e kein Wasscrstoffgas. sonders es werden Nai-Ionen zu Na-Metall reduziert. das d l als Natriun~rmalgam(Amalganie sind Quicksilberlegierungen) iti der ICdthode lii,i. Kathode Anode
Na' C1
+e
-+
-+
Cl,
Na-Amalgam
+ e-
+ H,O
-
Na'
+ OH- + $ H 2
dem ~ ~ ~ c k ~ i l b ~ r v e r ferhalt a h r eman n eine chloridi'rcie N;itronlauge und reines Chlorgas, Der Nachteil des Verfahrens ist die Emission von toxischem Qusksilber. neues drittes Verfahren, das Menbranvcrfahren. gewinnt zunehmend technische
CI,
+
~
~ m a l g a mwird mit Wasser unter Bildung von Natronlauge und Wasserstoff Graphitkontakten zersetzt. ~ ~
N~
Hz+ 2 0 ~ -
+ 2e + 2CIp + 2 H 2 0 -+ H,
-+
~
367
I
~ ~ m b ~ ~ ~ v e r f aAn h rder e i iAnode . und der Kathode laufen die gleichen Prozesse ab wie beini Diapiiragmavcrfahren. Kathoden- und Anodenraum sind durch eine ionenselektive Membran getrennt. Sie soll eine hohe Durchlässigkeit für Na'-Ionen und keine Durchlässigkeit für C1 - - und OH--Ionen besitzen. Die Membranen bestehen aus plymeren fluorierten Kohlenwasserstoffe~~ mit Seitenketten, die Sulfonsäure- bzw. Carboxylgruppenenthalten (Nafion-Membran). Die Na+-Ionen treten vom ~ ~ ~ d ~ durch ~ r die a uMembran m in den Kathodenraum. Bei zu hoher Konzentration anOH--Ionen erfolgt auch eine Diffusion von OH--Ionen vom Kathodenraum in den Anodenraum, dadurch sinkt die Stromausbeute. Das Membranverfahren liefert eine chloridfreie Natronlauge mit einem Massenanteil von maximal 35 010 und die Umu~eltbelastungdurch H g entfällt. Nachteile sind die hohen Reinheitsanforderungen an die NaC1-Lösung (wegen der Empfindlichkeit der Membranen) und hohe Kosten der Membranen. In Westeuropa hat das Quecksilberverfahren einen Anteil von 55 % und das Membranverfahren von 22% an der Chloralkalielektrolyse. In den USA sind die Anteilc h 10% und~ 17%. ~ die Emission ~ ~ ~ ~ vulhtändig ~ ~ des toxischen Quecksilbers zu vermeiden wird bei Neuanlagen weltweit die Membrantechnologie verwendct. Die Auslastung der Elektrolyseze1ler.iwird zur Zeit durch die Chlornachfrage bestimmt. 97% Chlor (Weltproduktion 80. l o b t ) wird durch Elektrolyse erzeugt. NaOH und H, sind Koppelprodukte. In einer Anlage mit 100 Zellen werden täglich 800 t Chlor erzeugt.
3.8.11 Elcktrocheinische Stromquellen
Galvani.cc/i<.E l ~ t w t t t <. ~~i t dEti(>t.gi<'ll~jllt(~tl(//(>t.. itl ( / c ~ 1 1 ( ~~1 ~ / M w I ~ . s LE, /IKI ~~ I :direkt S~(~ e l e k b i ~ ~ .Etli>rgic h < ~ i r t ~ l ~ ~ \ t . ( ~ it.;r.tl. t ( / r ~ Man lt unterscheidet Pt.iiiitirc~/c~t~tc~~~~c~, Sc'kdiirelenlentc und Brc~,ln.rtc!ff!<~l/c~/l. Bei Primärelementen und Sekundärelernenteil 1st die Energie in den Elektroderisubstanzen gespeichert, durch ihre Beteiligung a n Redoxreaktionen wird Strom erzeugt. S ~ ~ X . u l t ( / L i t . c ~ / c ~ tf~. l ;( ~~ Xt i .[ ~~ ~~ I I I I I I / U/I .~s~i ~~ ~~ I( /I g ( ~ l l . l l l l ; ~ ( ' I ~ Elenitut(>,hcli t l p t 1 p t i .sj(h [lic hcxj [jcr Stroj~lpjltjltihv~c~ (Entltiik~rl)nhl(~l~l;.~lrk~tl ('Iw~liScher? L'OI.~CK,P~, ~ j l l l . ~~~ l~1 / i (Mi d ~tri.s('I1~1r r E I Z P I (. Lli(iet~ , ~ ~ ~ )~ ~ ~ t ~ ~ k c ~/ Ul .iSrSc~w~Bei I I . einer Brennstoffzelle wird der Brennstoff den Elektroden kontinuierlich zugeführt.
368
3 Die chemische Reaktion
Der Bleiakkumulator besteht aus einer Bleielektrode und einer Bleidioxidelektrode, Als Elektrolyt wird 20 %ige Schwefelsäure verwendet. Die Potentialdifferenzrwisehen den beiden Elektroden beträgt 2,04 V. Wird elektrische Energie entnoll,,n en (Entladung), laufen an den Elektroden die folgenden Reaktionen ab:
-- + Entladung
Negative Elektrode Positive Elektrode Gesamtreaktion
+4 PbO,
+2
PbSO,
2e
+ S O $ + 4H,O+ + 2eh + kho, + 2 H 2 S 0 4 .Entladung - 2 kbso, + 2 Ladung -
2Na
+ GS,
~ , o
, Na2S,
Der Na/S-Akkumulator liefert eine Spannung von 2,08 V, pro Masse fünfmal soviel Energie wie ein Bleiakkumulator und er ist längerlebig als dieser. Vorwiegend verwendet für stationäre Anwendungen als ununterbrocheiie Stromversorgungsanlage. Beim Natrium-Nickelchlorid-Akkumulator wird die negative ~atriumelektrode und der P-Al,O,-Festelektrolyt beibehalten. Als positive Elektrode wird NiCl, dispergiert in einer NaAlC1,-Schmelze verwendet. die als Na+-Ionenleiter zwischen ß-AI,O, und NiCI, fungiert. Die Betriebstemperatur beträgt 325 C i 50 C. die Spannung 2,6V. Gesamtreaktion
2Na
+ NiCI,
-*
oSiti,~eElektrode
2NaCI + Ni
Im Unterschied zur Na-S-Zelle schadet auch mehrfaches Abkühlen der Batterie nicht. Vorwiegend in Elektrostraßenfahrzeugen verwendet. Der Nickel-Cadmium-Akkumulator liefert eine EMK von etwa 1.3 V. Beim Entladen laufen folgende Elektrodenreaktionen ab:
-
-
Cd + 2 0 H Cd(OH)2+ ? C ZNiO(0H) + 2H,O + 2 e 2Ni(OH),
369
+ 2OH-
Der ~ickel-Metallhydrid-Akkumulatorbasiert auf dem gleichen Prinzip wie die ersetzt . Ni-~d-Zeik. Das toxische Cd wird durch Metnllhydrid. z. B. LaNi,H„ ~1~ Elektrolyt wird konz. KOH-Lösung verwendet. Entladung
Bei der Stromentnahme wird H,S04 verbraucht und H 2 0 gebildet. die Schwefelsäure wird verdünnt. Der Ladungszustand des Akkumulatoi-s kann daher durch Messung der Dichte der Schwefelsäure kontrolliert werden. Durch Zufuhr elektrischer Energie (Laden) Iäßt sich die chemische Energie des Akkumulators wieder erhöhen, Der Ladungsvorgang ist eine Elektrolyse. Dabei erfolgt wegen der Überspannung von Wasserstoff an Blei am negativen Pol keine Wasserstoffentwicklung. Bei Veru~ireinigung des Elektrolyten wird die Überspannungaufgehoben,und der Akku kann nicht mehr aufgeladen werden. Der Natrium-Schwefel-Akkumulator besteht aus einer Natrium- und einer Schwefelelektrode, die bei der Betriebstemperatur von 300--350' C flüssig sind. Sie sind durch einen Festelektrolyten voneinander getrennt, der für Na+-Tonen durchlässig ist. Dafür verwendet inan den Na+-lonenleiter ß-Al,O, (vgl. Abschn. 4.8.5.2 ~ind 5.7.5.1). Beim Stromfluß wandern Na+-Ionen durch den Festelektrolyten und reagieren dann mit Schwefel unter Elektronenaufnahme zu ~atriumpolys$fid (vgl. Abschn. 4.5.5). Gesamtreaktion
tive Elektrode
3.8 Rrdoxvorgänge
-
M H / KOH I N i O ( 0 H ) M H NiO(0H) M
+
+ Ni(OH)2
Längere Lebenszeiten erhalt man mit Hydriden der Legierungen LsNi„M, (M = Co, Al. Mn. Si). Die EMK beträgt 1.3 V.
~ithi~m-Ionen-Akkumulatoren.Negative Elektroden sind graphitische Wirtsgitter, die reversibel Li+-Ionen einlagern können. Durch Elektronenaufnahme aus dem Wirtsgitter werden die Li+-Ionen neutralisiert. In den Schichtlücken des Graphit@ers wird maximal 1 Li pro 6C-Atome eingelagert (LiC,). Positive Elektroden sind Schichtstrukturen vom Typ LiMO? (M = Co, Ni, Mn), die reversibel Li'-Ionen aufnehmen können. Derzeit wird vorwiegend LiCoO, verwendet, der Trend geht zuManganoxiden. Für den Li '-Transfer zwischen den Elektroden sorgen organische Elektrolyte. Zellreaktionen: Negative Elektrode
Li,C,,
Entladung
<
Ladung
Positive Elektrode
Li, _,MO,
+
C,,
+ .xLi+ + r e
+ ' c e + xLi+
tntladung Ladung
LiMO,
Die Li-Ionen-Zelle basiert also auf einem reversiblen Li+-Austausch. die WirtsStrukturen (nicht die Li+-Ionen) sind die redoxaktiven Komponenten und bestinimen das Potential der Zelle. Die Entladespatitiung beträgt 4-5V. Lithiumbatterien sind mittlerweile die meist verwendeten Batterien für portable Elektronik (Handy. Laptop) und verdrängen auf Grund ihrer hohen spezifischen Energie die Ni-Cdund Ni-Metallhydrid-Akkus (Spezifische Energie in Whlkg: Li-Tonen 120- 130, N i - ~ d 50, Ni-Hydrid 80).
Das LeclanchC.-Element ist das bekannteste Primärelement. Es besteht aus einer Zinkanode, einer n ~ i tMnO, umgebenen Kohlekathode und einer mit Stärke bzw. ~ethylceiiuioseverdickten NH,CI-Lösung als Elektrolyt. Es liefert eine EMK von l,5V. Schematisch lassen sich die Vorgänge bei der Stromentnahme durch die folgenden Reaktionen beschreiben.
370
3
Die chemische Reaktioti
3.8 Redoxvorgänge
Zn 2 + + 2e-
Negative Elektrode
Zn
Positive Elektrode Elektrolyt
+ 2H,O + 2 e 2 NH,CI + 2 0 H + Zn
Gesamtreaktion
2 M n 0 2 + Zn + 2NH,CI
+
-
2MnO(OH) + 2 0 H -
2Mn0,
2
'
-r
Zn(NH,),C12 + 2 H z 0
I M n O ( 0 H ) + Zn(NH,II<:12
Lithiumbatterien sind Primärzellen mit hoher Energiedichte. niedriger Selbstcntl,dungsrate und langer Lebensdauer. Bei der Lithium-Thionylchlorid-Zelle erfolgt eine Oxidation der negativen Lithiumelektrode
und eine Reduktion des Elektrolyten Shionylchlorid an einer positiven Koh]cclektrode mit großer Oberfläche 2SOC1,
+ 4e-
-
4C1-
+ SO, + S
Die Li-Ionen wandern durch den Elektrolyten zur Kohleelektrode, bilden dort mit Cl--Ionen LiC1, das sich an der Elektrode ablagert. Die Kohleelektrode hat also keinen Anteil an der Zellreaktion. Die Spannung beträgt 3.6 V, die Lebensdauer bis zu 10 Jahre, der Temperaturbereich - 50"C bis über 100 C. Die Verwendung erfolgt zur langlebigen Energieversorgung zahlreicher elektronischer Geräte, z. B. Personal Computer. Als Elektrolyt wird auch Sulfurylchlorid, S02C12und ein Gemisch aus S02C12 und BrCl eingesetzt. In der Alkali-Mangan-Zelle. die überwiegend als Primärzelle benutzt wird.,wird Kalilauge als Elektrolyt verwendet. Sie arbeitet bis - 35 C. Reaktionen bei der S tromentnahme: Negative Elektrode Positive Elektrode Elektrolyt Gesamtreaktion
371
nu>18,~p~~~v,yicl c v ~ z c ~ ~Am i ~ cweitesten ~~. fortgeschritten ist die Entwicklung von Brenn-
Sto~zeljen, die mit Wasserstoff betrieben werden. An der einen Elektrode wird Wasserstoff zu Protonen oxidiert. an der anderen Sauerstoff zu Oxidionen reduziert.
- -
schematische Elektrodenreaktioilen:
positive Elektrode
H, 2 H i + Ze1 O 2+ Zeo2-
~~sarntreaktion
H z+ i O2
pJegative Elektrode
+-
HZO
Die ~ ~ ~ d i f f u s i o n s e l e k t r o sind d e n durchlässig für die reagierenden Gase und durch einen ionenleitenden Elektrolyten voneinander getrennt. so daß die Gase sich nicht mischen können. Die Sauerstoffionen reagieren mit den Hi-Ionen, die durch den Elektrolyten wandern zu H 1 O Es wird also elektrochemisch H 2 mit O 2 ZU H Z O umgesetzt (Abb. 3.59). Die abgreifbare Zellspannung unter Betriebsbedingungen beträgt für eine Wasserstoff-SauerstoR'-Zelie 0,5-0,7 V. Man unterscheidet Brennstoffzellentypen nach ihren Elektrolyten. ober auch nach der Betriebstemperatur (Hoch- und Niedrigtemperaturzellen). Die Tabelle 3.14 gibt einen Überblick. Brennstoffzellen haben Wirkungsgrade von etwa 60%. Konventionelle Systeme wie Dieselmaschinen und Gasturbinen ähnlicher Leistungsbereiche
Stromverbraucher
+ 2e 2 M n 0 2 + 2 H 2 0+ 2 e I MnO(0H) + 2 O H Zn(OH), Zn0 + H 2 0 Z n + + 2 0 H - + KOH 2 M n 0 2 + Zn + H 2 0 -, 2MnO(OH) + Z n 0 Zn
+
2
Zn 2 +
-
-
--
Die Zn-Mn02-Zelle ersetzt als Primärzelle in zunehmendem Maße das ~eclancheElement. Vorwiegend in den USA hat sie sich als wiederaufladbare Zelle, bezeichnet als RAM-Zelle (Rechargeable Alkaline Mang~inese)durchgesetzt.
negative Elektrode H?-zH-+
gasdichter Elektrolyt lonenwanderunq
zs
W I \ f
E I I A ~ Ihlr I
;(I ,?F -r;
-
Abb. 3.59 Schenlatischer Aufbau einer Brennstoffzelle mit ~rotonenaustauschmenibrL111 (PEM). Iii Brennstoffzellen wird elektroche~iiischgnsfirmiger Brennstoff (H,, Erdgas) mit Sauerstoff (Luft)ZU Wasser unigesetzt und damit Gleichspannurigsenergie erzeugt. Der Wirkungsgrad beträgt ca. 60rX,.Mit Brennst«Kzellen betriebene Autoniobile haben höhere Wirkungsgrade als mit Verbrennungsniotoren und sind abgasfrei oder zumindest abgasärmer.
372
3 Die chemische Reaktion
Tabelle 3.14
Überblick über die firiS Typeii von Brennstoffzellen (englisch fuel cell, )
Alkalische BZ (AFC)
ProtonenAustauschmembran BZ (PEMFC
Phosphorsaure BZ (PAFC)
ProtonenAustauschmembran (Nafion)
Konz. H,PO. in poröses Matrix
Carbonatschinelzen BZ (MCFC) -
Elektrolq t
4rbeitstem2eratur in C Brennstoff
H2 (hochrein)
3xidationsnittel
02 (hochrein)
Wirkungs;rad in %
60
Raumfahrt
H2 Methanol (reforinicrt) Lufts~iuerstoff
Li2C0, K2C0,Schmelze in LiAIO,Mairix
160-220
600- 660
Erdgas Kohlegas (reformiert) Lufisauerstoff
Erdg,~b Ko h legCis Biog'i\ Luftsauer\toff
Kleinanlagen Kleinanlagen (Elektrofahr- Mittlere Kraft-Wärme-Kopplung zeuge. Anlagen Schiffe, Schicnenfahrzeuse Kleinbtkraft- Kraftwerke) Wärmekopplung 50kW-11 MW
(250 kW bis 10 MW) erreichen nur Wirkungsgrade bis 457;". Gasturbirieiiaiil~1ge~~. die Wirkungsgrade von 60% erreichen, sind aber ökonoinisch nur in1 Leistungsbereich einiger hundert MW sinnvoll. Es gibt keine Brennstoffzelle, die sich für alle Anwendungen eignen würde. Alkalische Brennstoffzellen finden nur noch in d t r Raumfahrt Verwendung. Für alle anderen Typen gibt es technische Anwenduiig~.li (Tabelle 3.14). Einen großen Anwendungsbereich haben Membraribrennstoffie11~1~ (PEMFC). Für die Elektroden wird als Elektrokatalysator Platin verwendet. das in nanodisperser Form auf die innere Oberfläche von Aktivkohle aufgebracht wird. Die Membran besteht aus Nafion, das für die Chloralkalielektrolyse entwickelt ~ ~ 1 1 ' de (Zusammensetzung siehe dort). Alle großen . A r , t o i r ~ o h i l l ~ c ~ r . s~ ti r~r ~i i .IiIc~~~k c~~~1. \1f <1 , i ~ ' dieser Zellen ist ca. I O 0 ! ~höher als der des Verbrennungsmotors und mit ~asserstotl'
betriebene Fahrzeuge sind abgasfrei Die Probleme bei wasserstoffbetriebsnen Fahrzeugen sind die Wasserstoffspeicherung und die nötige Wasserstofflnfriistruktur. Tertfahrzeuge wiirden von DaimlerChrysler. Toyota und General Motors entwickelt. Einfacher zu handhaben ist als Treibstoff Methanol, das aber durch Methanolreformierung i n Wasserstoff umgewandelt werden muß. Dabei entsteht auch Kohlen,to~dionidund etwas Kohleiistoffmonooxid
Der CO-Gehalt (Katalysatorgift) muß auf 10 ppm gesenkt werden. Die E i n b u k n beim Wirkungsgrad liegen bei 10-15°/~. Prototypen gibt es von DaimlerChryslcr und Toyota Im Freiburger Frauenhofer- Institut wurde ein bereits serienreifer Brentistoffzellenakku (PEMFC) entwickelt, der zur Stromerzeugung z. B. für Notebcioks dienen kann. Davon abgesehen ist nur die phosphorsaiire Brennstoffzelle (PAFC) derzeit kommerziell verfügbar. Bei Blockheizkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung (Hotels, Fabriken, Bürohäuser) kann der Wirkungsgrad auf 80% gesteigert werden. Die Brennstoffzelle ist geräuscharm und die Abgase sind zu vernachlässigen.
Die Erdkruste reicht bis in eine Tiefe von 30-40 km. Die Häufigkeit der Elemente in der Erdkruste ist sehr unterschiedlich. Die zehn häufigsten Elemente ergeben bereits einen Massenanteil an der Erdkruste von 99,5 %. Die zwanzig häufigsten Elemente in der Tabelle 4.1 angegeben. Sie machen 99,9 % aus, den Rest von 0,1% bilden dieübrigen Elemente. Sehr selten sind so wichtige Elemente wie Au, Pt, Sc, Ag, I, Hg, W, Sn, Pb. Tabelle 4.1
Häufigkeit der Elcmente in der Erdkruste
Element
Massenanteil in %
Element
Massenanteil in %
0 Si Al Fe Ca
45,SO 27,20 8,30 6,20 4,66 2,76 2,27
P Mn F
0,112 0,106 0,054 0,039 0,038 0,034 0,018 0,016 0,014 0,013
Mg Na K Ti
H
1,84
0,63 0,15 99,51
Ra
Sr S C Zr V CI
0,444
Die Anzahl der Mineralarten in der Erdkruste beträgt etwa 3500.9 1,5 % der Erdkruste bestehen aus Si-0-Verbindungen (hauptsächlich Silicate von Al, Fe, Ca, Na, Mg), 3,5 % aus Eisenerzen (vorwiegend Eisenoxide), 1,5 O h aus CaCO,. Alle anderen Minera~artenmachen nur noch 3 , 5 O A aus.
376
4 Die Elemente der
Hauptgruppen
4.2 Wasserstoff 4.2.1 Allgemeine Eigenschaften Ordnungszahl Z Elektronenkonfiguration Ionisierungsenergie in eV Elektronegativitiit Schmelzpunkt in C Siedepunkt in C
1 I s' 13,6 2,2
---
-~ -Y
lrn ~ ~ b ~ r m a ß sgewinnt tab man Wasserstoff durch Reaktion von unedlen Metallen, wie Zn oder Fe, mit Säuren.
-259 -253
Wasserstoff nimmt unter den Elementen eine Ausnahmestellung ein. Das wasserstoffatom ist das kleinste aller Atonie und hat die einfachste Struktur aller Atome. Die Elektronenhülle besteht aus einem einzigen Elektron, die Elektronenkonfiguration ist 1 s'. Wasserstoff gehört zu keiner Gruppe des Periodensystems. Verglichen mit den anderen s l -Elementen, den Alkalimetallen. hat Wasserstoff eine doppelt so hohe Ionisierungsenergie und eine wesentlich größere Elektronegativität, und es ist ein typisches Nichtmetall. Die durch Abgabe der 1 s-Valenzelektronen gebildeten H+-Ionen sind Protonen. In kondensierten Phasen existieren H+-Ionen nie isoliert, sondern sie sind immer mit anderen Molekülen oder Atomen assoziiert. In wäßrigen Lösungen bilden sich H,O+-Ionen. Wie bei den Halogenatomen entsteht aus einem Wasserstoffatom durch Aufnahme eines Elektrons ein Ion mit Edelgaskonfiguration. Von den Halogenen unterscheidet sich Wasserstoff aber durch seine kleinere Elektronenafinität und Elektronegativität, der Nichtmetallcharakter ist beim Wasserstoff wesentlich weniger ausgeprägt. Ver* bindungen mit H--Ionen wie K H und CaH, werden daher nur von den stark elektropositiven Metallen gebildet. Da Wasserstoffatome nur ein Valenzelektron besitzen, können sie nur eine kovalente Bindung ausbilden. Im elementaren Zustand besteht Wasserstoff aus zweiatomigen Molekülen H,, in denen die H-Atome durch eine o-Bindung aneinander gebunden sind. Zwischen stark polaren Molekülen wie H F und H,O treten ~asserstoffbindungen auf (vgl. Abschn. 2.6).
4.2.2 Vorkommen und Darstellung Wasserstoff ist das häufigste Element des Kosmos. Etwa der Gesamtmasse des Weltalls besteht aus Wasserstoff (vgl. S. 24). In der Erdkruste ist jedes sechste Atonl ein Wasserstoffatom. In der unteren Atmosphäre kommt elementarer ~ a s s e r s t o f f nur in Spuren (Volumenanteil 5 . 10-5 %) vor. Wasserstoff kann aus Wasser (Massenanteil H 11,2%),der häufigsten ~ a s s e r s t o f f verbindung, dargestellt werden.
~ ~ ~ ~ ~ - R c / o rl>/./(~hrc,ti t~~irig-
Methan aus Erdgasen oder leichte Erdölfraktionen (niedere Kohlenwasserstoffe) wrden bei Temperaturen zwischen 700 und 8 3 0 C und bei Drücken bis 40 bar mit Wasserdampf in Gegenwart von Ni-Katalysatoren umgesetzt. AH' = + 206 kJ/mol CH, + H 2 0 -+ 3 H 2 CO
+
Da die Ni-Katalysatoren durch Schwefelverbindungen vergiftet werden, müssen die eingesetzten Rohstoffe vorher entschwefelt werden. Partielle O.~irlrr/ioilroil . W / I I I Y ~ H(~i:öl ~CI?~
Schweres Heizöl und Erdölrückstände werden ohne Katalysator bei Temperaturen zwischen 1200 und 1500°C und einem Druck von 30 bis 40 bar partiell mit Sauerstoff oxidiert. 2C,H2,+,
+ n0,
4
2nC0
+ 2(n + 1 ) H 2
Eine Entschwefelung ist nicht notwendig.
Wasserdampf wird mit Koks reduziert. AHn= C + H z O e CO + H,
+ 131 kJ/mol
_ Wassergasi
Die Erzeugung von Wassergas ist ein endothermer Prozeß. Die dafür benötigte Reaktionswärme erhält man durch Kombination mit dem exothermen Prozeß der KohleVerbrennung. C
+ 0,
-+
CO,
AU;
=-
394 kJ/mol
Beim Winkler-Verfahren wird ohne Druck bei 800 -1 100'C gearbeitet. Bei anderen
378
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Verfahren erfolgt die Umsetzung bei höheren Temperaturen und zum Teil unter Druck. Bei allen drei Verfahren erfolgt anschließend eine
CO reagiert in Gegenwart von Katalysatoren mit Wasserdampf zu CO,. Es stellt >ich das sogenannte M . i ~ s , \ c ~ r g < ~ . s , y I ~ ~ein. i<~l~~y~~~~~i(~Ii/
Bei 1 0 0 0 T liegt das Gleichgewicht auf der linken Seite. unterhalb 500°C prakiixh vollständig auf der rechten Seite. Bei der Hochtemperaturkonvertierung arbeitet man bei 350-380 C mit Eisenoxid-Chromoxid-Katalysatoren. Die Tieftemperaturkonvertierung wird mit Kupferoxid-Zinkoxid-Katalysatoren bei 200-250°C durchgeführt, man erreicht Restgehalte von CO unter 0,3 %. Dieser Katalysator ist aber, im Gegensatz zum Eisenoxid-Chromoxid-Katalysator, sehr empfindlich gegen Schwefelverbindungen. Fur die Tieftemperaturkonvertierung eignen sich daher die Reaktionsgemische aus dem Steam-Reforming-Prozeß. CO, wird unter Druck durch physikalische Absorption (z. B. mit Methanol) oder durch chemische Absorption (organische Amine, wäBrige K2C03-Lösungen)aus dem Gasgemisch entfernt.
Zur Benzingewinnung aus Erdöl werden die im Erdöl enthaltenen Kohlenwasserstoffe unter Rußabscheidung und H,-Entwicklung katalytisch gespalten.
Elektrolytisch erzeugt man Wasserstoff durch Elektrolyse 30 %iger KOH-Lösungen und als Nebenprodukt bei der Elektrolyse von Natriumchloridlösungen (vgl. S. 366).
Der erzeugte Wasserstoff ist sehr rein und wird z. B. für Hydrierungen in der Nahrungsmittelindustrie (Fetthärtung) verwendet. Die Weltproduktion an H, liegt bei 500. 109m 3 . In Deutschland wurden im Jahr 2000 2,9 . lo9 m 3 produziert. Gegenwärtig werden 80 % petrochemisch erzeugt. Die Kohlevergasung gewinnt in Ländern mit billiger Kohle wieder an Bedeutung (toi. dem 2. Weltkrieg wurden danach weltweit 90% des Wasserstoffs hergestellt). Dei. Anteil des elektrolytisch erzeugten Wasserstoffs ist Ca. 4 %.
..~ e ~ .r/ j / i i
4.2.3 Physikalische und chemische Eigenschaften wasserstoff ist ein farbloses, geruchloses Gas. Es ist das leichteste aller Gase, 11 hat bei O°C die Masse von 0,08987 g, es ist 14,4mal leichter als Luft. Es hat von allen Gasen die größte spezifische Wärmekapazität und das größte Diffusionsvemögen. Die Diffusionsgeschwindigkeiteines Gases hängt von seiner Molekülmasse m ab. Für die Diffusionsgeschwindigkeit v zweier Gase gilt:
Wasserstoff diffundiert also viermal schneller als Sauerstoff. Auf Grund der hohen mittleren Geschwindigkeit der H,-Moleküle (vgl. S. 252) hat es von allen Gasen die größte Wärmeleitfähigkeit. Bei 20K kondensiert Wasserstoff zu einer farblosen, nichtleitenden Flüssigkeit . . bei 14 K kristallisiert Wasserstoff in einem Molekülgitter mit hexagonal-dichteste] Kugelpackung (vgl. S. 169). Von großem theoretischen Interesse ist der Übergang Nichtmetall-Metall. de bei hohen Drücken zu erwarten ist und der z. B. beim Iod experimentell realisier werden konnte (vgl. S. 399). Für die Umwandlung in metallischen Wasserstoff wurd theoretisch ein Druck von 2,5 Mbar abgeschätzt. Wasserstoff, der Stoßwellen mi Drücken bis zu 2 Mbar ausgesetzt wurde, zeigte eine elektrische Leitfähigkeit vo 2000Q cm- l . Damit wurde erstmalig der experimentelle Nachweis von metallischer Wasserstoff erbracht. Wasserstoff besitzt nur eine geringe Löslichkeit in Wasser (18,2ml H2/1 bei 20'( und anderen Lösungsmitteln, löst sich jedoch gut in einigen Übergangsmetallf
380
4 Die Elemente der H a ~ p t g r u p ~ e n
7.A
,
gie sowie durch Oberflächenreaktionen an Katalysatoren (vgl. S. 305) ~kr;~.;<,, den, So wirkt molekularer Wasserstoff erst bei höherer Temperatur auf die schwach elektropositiver Metalle (Cu, Fe, Sn, W ) reduzierend.
pdC1, wird
-
ausnahmsweise
~ d C 1 ,+ H, -. Pd
-
bereits bei Raumtemperatur reduziert.
+ 2HC1
PdC1,-Lösungen benutzt man daher zum Nachweis von H,. Bei Raumtemperatur reagiert ein Gemisch aus molekularem Wasserstoff und Sauerstoff (Ktiolbris) praktisch nicht. In Gegenwart von Katalysatoren (Pt) oder bei erhöhter Temperatur (> 400'C) läuft die exotherme Reaktion
explosionsartig als Kt~trenrruktir~n ab. H, + 2 H H+O,-tOH+O OH + H 2 + H,O + H O+H,-tOH+H
Startreaktion Kettenreaktion mit Kettenverzweigung
Die Kettenabbruchreaktionen
+
H,O OH H 0 H, -t H,O
+
finden nur dann statt. wenn ein Teil der Rekombinationsenergie von einem weiteryi Teilchen (Dreierstöße) oder der Gefäßwand aufgenommen wird. Auf Grund der hohen Verbrennungsenthalpie kann man diese Reaktion zur Erzeugung hoher Temperaturen benutzen (Knallgusphl
,,...,---~~
Atomarer Wasserstoff H ist sehr reaktionsfiihig und hat ein hohes Reduktionsver,,.,ogen. Schon bei Raumtemperatur erfolgt Reaktion mit CI2,Br,. I,, 0,. S,, P,, Ar, Ge und Reduktion der Oxide CuO, SnO„ PbO, Bi,O, zu Metallen. Atomarer Wasserstoff entsteht mit Ausbeuten bis zu 95%. wenn man H,~ ~ l ~ liuir-Fiickd wird die Rekombinationswärme zum Schweisen (reduzierende Atmosphäre) und Schmelzen höchstschmelzender Stoffe (Ta, W) ausgenutzt. Ein scharfer Strahl der im Lichtbogen erzeugten H-Atome wird auf die Metalloberfläche gerichtet. An den Auftreffstellen entstehen durch die Rekombinationswärme Temperaturen bis 4000°C.
„
4.2.4 Wasserstoffisotope Natürlicher Wasserstoff besteht aus den Isotopen ' H (leichter Wasserstoff, Protium), 'H (Deuterium D ) und 3H (Tritium T) (Häufigkeiten 1 : 1Op4: 10-I'). Tritium ist ein ß-Strahler und wandelt sich mit einer Halbwertszeit von 12.4 Jahren in :He um. E S wird daher zur radioaktiven Markierung von Wasserstoffverbindungen verwendet. Natürliches Tritium entsteht in den höchsten Schichten der Atmosphäre durch Reaktion von N-Atomen mit Neutronen der Höhenstrahlung. ''$N
+ An
-+ :H
+ ';C
Die künstliche Darstellung von T und die Kernfusion von T mit D ist im Abschn. 1.3.3 beschrieben.
Auch die Reaktion von Clzlorknullgus
muß aktiviert werden. Sie verläuft ebenfalls explosionsartig nach einem Kettenmcchanismus (vgl. S. 303). Gegenüber Alkalimetallen und Erdalkalimetallen kann Wasserstoff auch als 0 x 1 dationsmittel reagieren. Bei der Reaktion bilden sich salzartige Hydride, die aus Metallkationen und H--Ionen aufgebaut sind (vgl. S. 383).
Schmelzpunkt in K Siedepunkt in K ~erdampfungsenthalpiein kJ/mol Di~soziationsener~ie bei 25 'C in kJ/mol
-
14.0 20,4 0,117 436
18,7 23,7 0,197 444
382
4 Die Elemente der Hüuptgruppen
4.2 Wassersroii
Bei keinen1 Elc.~not~i isl dir i-c~lirlicc~ A./c~.s.vc.tr~ij/~i~rc~n= (/r<~kiion.\/iilii,~(~~u/.~ D,. Die Keaktionen von H, mit CI,, Br2 lind 0, verlaufen schneller als die entsprechenden Reaktionen mit D,. Auch die Reaktionsgeschwindigkeiten deuterierter Verbindungen sind meisl kleiner als die entsprechender H-Verbindungen. Solche I.soropenc.fl~kt('benutzt man zur Anreicherung und Isolierung von Deuteriumverbindungen aus natürlichen Isotopengemischen. Bei der Elektrolyse von Wasser reichert sich D,O im Elektrolyten an, da H,O schneller kathodisch reduziert wird. Aus D,O erhält man Dz durch Elektrolvse oder Reduktion mittels Na. Da deuterierte Verbindungen einen kleineren Dampfdruck als H-Verbindungen haben, kann man D-Verbindungen von H-Verbindungen durch fraktionierende Destillation trennen. Viele deuterierte Verbindungen können durch ~soto~enaustaus~hreaktionen hergestellt werden. Zum Beispiel reagieren H,, H,O, NH,, CH, an Pt-Katalysatoren mit D, zu den deuterierten Verbindungen HD, H D O usw. Auch durch Solvolyse mit D 2 0 werden deuterierte Verbindungen hergestellt.
Pbische Trennung des Gemisches hergestellt werden. 0-H, und P-H, zeigen keinen
unterschied im chemischen Verhalten, aber geringfügige Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften.
4.2.6 Wasserstoffverbindungen wasserstoff bildet mit fast allen Elementen Verbindungen, mehr als irgend ein anderes Element. Nach der vorherrschenden Bindungsart können drei Gruppen von Wasserstoffverbindungen unterschieden werden: kovalente Hydride, salzartige Hydride und metallische Hydride.
Kovalente Hydride
Beispiele:
+ 2D20 SO3 + D,O
SiCI,
+
-t
SiO,
JOJ
dieser Gruppe gehören die Hydride der Nichtmetalle und Halbmetalle, sie sind bei ~ ~ r m a l b e d i n g u n g emeist n Gase oder Flüssigkeiten. Flüchtige kovalente Hydride bilden auch einige schwach elektropositive Hauptgruppenmetalle (Sn, Pb, Bi, Po). Eine überwiegend kovalente Bindung besitzen die binären Metallhydride von Be, Al und Ga, die bei Raumtemperatur polymer und daher nichtflüchtig sind. Die kovalente Bindung ist fast unpolar (CH,, PH,, AsH,) bis stark polar (HCI, H,O, HF), BezLig1ic.h der B i ~ i r / ~ r n g . ~ p c ~giht l c i ~rsi tHiclrick mir po~ifil~ierfeni Wrl.~.sersto! 6+
6-
6-
n+
H-X HCI, H,O, N H 3 und solclie mir negcificirrreni Wc~.r.ver.vtoß'
+ 4DC1
D,SO,
D,O wird in Kernreaktoren als Moderator verwendet (vgi. S. 22). Deuterierte Verbindungen sind wertvoll bei der Aufklärung von Strukturen und Reaktionsabläufen.
H-X SiH,, B,H, Der p o s i l i c i ~ f rWas.wrsfoff'ist zu Siiurq futikt iotrm hefiYliig I irt~tlii.irkt u1.s O.vir101ionsmittel.
4.2.5 Ortho- und Parawasserstoff Der Wasserstoffatomkern besitzt einen Spin. Ein li,-Mo/<~kiil hc~ic~lrf etit~i.r~tk.lii.v 1 Atotnen, deren Spins prrrcill(~li O r f l r o ~ i ~ r r . s . s c ~ ~orkr ~ ~ ~ri~ifi~rrralk~l ~(?fl) /Parcr~i~rc.c..v~~~ sind Z~i.isr,/ie~i heiclc,~iildolckiil/~r~nc./r c.vi,sticrf p i ~ i f~~~r~~~~~,-~~f~rt.(~h/lii~?gig~~,s G ' I ~.'~:C,-i ~ 1i~ic.11 I. 0-H, p-H, \:
P-H, ist die energieärmere Form. In der Nähe des absoluten Nullpunkts liegt das Gleichgewicht daher vollständig auf der Seite von P-H, (99.7% bei 20 K). Nur in Gegenwart von Katalysatoren (Aktivkohle, Pt, paramagnetische Substanzen) erfolgt eine rasche GleichgewichtseinsteIlung.Der ReaktionsmeChanismus verläuft über die Dissoziation der Hz-Moleküle an der Katalysat~roberflä~he und nachfolgende Rekombination des Moleküls. Dabei erfolgt Spinkopplung entsprechend der Gleich$wichtslage. Oberhalb 200 K ist im Gleichgewichtszustand der maximal mögliche Gehalt von 75 % o-H, vorhanden. Reines o-H, kann aber z. B. durch gaschromatogra-
Beispiel: SiH, SiH,
+ 2 H 2 0 -, SiO, + 4 H 2 + 2 0 , + SiO, + 2 H 2 0
Die wichtigsten kovalenten Wasserstoffverbindungen werden bei den jeweiligen Hemmten behandelt.
Salzartige Hydride Sie werden von stark elektropositiven Metallen (Alkali~netalle,~rdalkaljmetalle außer Be) mit Wasserstoff bei 500-700°C gebildet und sie kri.stulli.cierc~tiin I o t i w ~ i t -
4 Die Elemente der Hauptgruppen
384
Die Ionenkristalle sind aus Metallkationen und Hydridionen H aufgehaut, Das weiche H- -Ion hat je nach Bindiingspartner einen Ionenradius zwischen 110 und 200 pm und ähnelt in der Größe F und C I (vgl Tab. 2.2). Die Hydride der Alkalimetalle kristallisieren daher in der NaCI-Struktur. Die Erdalkalimetnllhydride CaH„ SrH, und BaH, kristallisieren in der Hochdruckmodifikation im Fluoi-it.~yp die ternären Hydride KMgH„ LiBaH, und LiEuH, im Perowskit-Typ. Die Bildungsenthalpie der Alkalimetallhydride ist viel kleiner (AH.(L~H)- 91 kJ/mol; AH;(NaH) = - 57 kJ/mol) als die der Alkalinietallhalogenid, (vgl, Tabelle 3.2). Dies liegt daran. daß die ReaktioniH, eH endotherm ist: bei den Halogenen ist die analoge Reaktion exotherm (AHi(H-) = + 140 kj ,mal; A H ; ( C I ) = - 167 kJ/mol). Bei der Schmelzelektrolyse salzartiger Hydride s ~ ~ ( ~ i k kelt sich an der Anode Wasserstoff, analog der Chlorentwicklung bei der Schlnelrelektrolyse von NaCl (vgl. S. 608). J
.
+
-
Mit Protonendonatoren reagieren Hydridionen nach
Alle sulrnrtigen Hydride iierdeti (I
änderung des Metallgitters. Sie verändert die Struktur der Elektronenbänder der lalle und damit auch die elektronischen Eigenschaften (elektrische Leitiihigkeit. petisches Verhalten). So erfolgt z. B. beim Übergang von Dihydriden der Seloerdmetalie zu Trihydriden ein Übergan g Metall-Halbleiter. Pd wird durch Wnssefstoffaufnahmesupraleitend (vgl Abschn. 5.7.5.3). wenn die Zusammensetzung erreicht wird. In den meisten Metall-Wasserstoff-Systemen existiert eine Reihe von Phasen mit foßer phasenbrcite. Bei stöchiometrischen Zusammetisetzungen können Kristallstrukturen auftreten. die auch von anderen binären Verbindungeii bekannt sind. Beispiel: lm System Pd-H ( A b b 4.1) löst sich bei 20 C im kubisch-flächenzentriertet1 Gitter des Pd (a = 389,O pm) Wasserstoff bii zur Zusammensetzung PdH„, (a-Phase. a = 389.4 pm). Es folgt ein Zweiphasengebiet aus X-Ph~ise und PdH„, (B-Phase, a = 401 ,X pm). Bis zur Zusamnien~etzungPdH vergrößert sich die Gitte&onstante der ß-Phase auf Ca. 410 pm. Die H-Atome besetzen die Oktaederlücken des Pd-Gitters, die ß-Phase besitzt also eine NaCI-Defektstruktur (vpl. S 719): bei tiefen Temperaturen (50-80 K) entstehen geordnete Verteilungen. z. B. p d , H Die H-Atome besitzen eine hohe Beweglichkeit lm Gitter, die Aktivierungsenergie der Diffusion beträgt 22 kJjmo1. PdH hat NaCI-Struktur und iat supraleitend, die Sprungtemperatur beträgt ca. 9 K.
In schwer zugänglichen Gebieten kann diese Reaktion zur H,-Darstellung dienen (z. B. Füllung von Wetterballons in Polarregionen). CaH, wird für viele Lösungsmittel als Trockenmittel verwendet. Salzartigc Hj,drir/e ~i,ertlen als fij~ririf~rurzg.vund Rcdrktioii.\riliirel bcnurrr. Vielseitige Anwendung findet Lithiumaluminiumhydrid (Lithiumalanat) LiAIH„ das man durch Hydrierung von AICI, mit LiH erhält.
LiAIH, löst sich in Ether; mit dieser Lösung lassen sich überführen.
I . B.
Chloride in Hydride
Metallische Hydride Viek i~b<~rgonpiniero/le r<~ugicr~ti in eroiliorn><~r Rc~okiioniirii Wilrrrl>~fr?#-ii11.)!;~irlio,rr<~tri.di zroa~iiir?i~ti~crrizi i i d . Der Wasserstoffgehalt ist variabel und im allgemeinen um so größer, je niedriger die Temperatur und je höher der Hz-Druck ist. Sie .sin(/ Fc~.rr.vrc!flijniit i,rc~trr//i,sc~/rc~r,i .-i~r.vsc~/i<~ti. ti111liiic.idii\ I''('
0
0.5
1
Stoffmengenverhaltnis von H/Pdd
Leitflr ~ X / W H(l/b/i~itc~i. i , t i ( / / ~ ( r i ~ ( ~ i i i ~ ~ ~ ~ , 1r)i i ~ ~ Afclrlr//yitff~r ti,s~~/>, ;.SI W ~ r . s . ~ c ~ i ~ . ~ f ~ / / ' c l ~ ~ ~ j i i ~ ; ~ ~ Abbildung 4.1 Phasendiagramm des Systems Pa1l;idiiim-WasscriioR gcJ[ij.~t. Die Wasserstoffatome besetzen Tetraederlücken oder Oktaederlücken des h31fPhasen, die durch eineil Zweiphasenbereich &etren"t sind D ie Bis 300°C elis~iereri tallgitters dazu S. 202). Die Aufnahme des Wasserstoffs im Metallgitter bewirkt W~srerstoffatomi besctlen die Oktaedcrlücken des Pd-Gitters. es entsteht eitle N;iCI-Defekteine Vergrößerung des Metall-Metall-Abstandes und manchmal auch eine StrukStruktur.
386
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.3 Gruppe 18
Beispiele für stöchiometrische Strukturen: NiAs-Siruktur: MnH. CrH; Fluorit-Struktur: TiH„ VH,. CrH,, CeH, Es gibt für die strukturell sehr komplizierteii metallischen Hydride kein eillhciil, Bindungsn~odell.Die Bindung ist vorwiegend metallisch mit sowohl ionischcn als iches auch kovalen ten Bindungsanteilen.
Komplexe Ü bergangsmetallhydride
Mg&H, (A = Mg, Ca. Sr, Ba) MgmH4
Mg2CoHS Mg6C02H„ A2RhH, (A = Ca, Sr) A,lrH,
387
Die ~rdalk:ilimetall-~ber~angsmetallh~dride besitzen keine nictallischen Eigen-
Bei den Hydriden A2MH4existieren bei tiefen Temperaturen Strukturen mit pla„ren [ ~ ~ ~ ] ' - - B a u g r u p p (typisch en für die da-Konfiguration von Pt 2 ' und P d 2 + ; S, 681): die Hochtemperaturformen kristallisieren im K,PtCl,-Typ. die H-Ato„besetzen statistisch 'i3 der aktaedrischen CI-Plätze. Zusätzlich zu den [MH412-Gruppen gibt es bei den Hydriden A,MnH,, A,PdW, und A3PtH, einzelne ~ - . l o n e n ,die oktaedrisch von A-Ionen unigeben sind. Die Verbindungen A,PdH, enthalten lineare [PdHJ2-Gruppen (typisch für P d mit d-1°-Koiifiguration; vgl, Abrchn. 5.8.7.1). bei K,PdH, gibt es zosiitzlich oktaedrisch von K'-Ionen koordinierte H--Ionen. Die übrigen Hydride enthalten die komplexen Gruppen [MH,13brw. [ M H , 1 2 (siehe Abb. 5.84) Die ~lkalimetall-ÜbcrgangsmctallhYdride sind meist farblos. Nur Na2PdH, und Li,PdH, haben metallische Eigenschaften. Ternäre Hydride sind als Wasserstofispeicher technisch interessant, da bei höheren Temperaturen reversible Wasserstoffabgabe erfvlgt. Mg,NiH4 wurde bereits für wasserstoffgetriebene Automobile eingesetzt (vgl. Abschn. 3.8.11).
Mg,NiH, CaMgNiH, CaPdH,
(A = Ca, Sr)
4.3 Gruppe 18 (Edelgase)
A,0sH6 (A = Mg, Ca, Sr. Ba) Die Hydride Mg2FeH„ A,RuH6 und Mg,OsH, kristallisieren im K,PtCI,-Typ (Abb. 5.101). sie enthalten die oktaedrischen Komplexe [MH614-. Die Hochtemperaturformen der Hydride Mg2CoH,, A2MH, und Mg,Nill, kristallisieren ebenfallr im K,PtC16-Typ, die CI-Punktlagen sind statistisch mit den beweglichen H-Atomen besetzt; bei den Tieftemperaturformen ordnen sich die HAtome bei Mg,CoH, tetragonal-pyramidal und bei Mg2NiH4 tetraedrisch. Auch beim CaMgNiH, ist Ni annähernd tetraedrisch von H koordiniert. [RUH,]" i b t ein Komplex. bei dem aus dem oktaedrischen Koordinationspolyeder zwei H-Atome in cis-Stellung entfernt sind. Mg3RuH, enthält den Komplex [ R i i 2 ~ , , I i 2 -in, dein RU durch drei H in verzerrter T-Konfiguration unigeben ist und für den tim schwache Ru-Ru-Bindung angenommen wird.
~lkalimetall-Übergangsmetallhydride A3MnH5 (A = K, Rb, Cs) Li,RhH4 A,PdH, (A = Li, Na) K,TcH, A3RhH, (A = Li, Na) A,PdH, (A = K % Rb. Cs) K,ReH, A31rf& (A = Li, Na) A,PdH, (A = Na, K, Rb. C \ ) K2ReH, A,PdH, (A = K . Rb, Cs) Li2PtH2 A,PtH, (A = Na, K, Rb, C51 A$tHs (A = K , Rb, C S) AxPtH, (A = Na, K, Rb, Cs)
4.3.1 Gruppeneigenschaften Helium Neon Ne He
Argon Ar
Krypton Xenon Kr Xe
Radon Rn
3 ,..
10
18
36
54
86
I s2
[Hel
[Ne1 CArl 3s23ph ~ 2 3d1°~
[Kr1
CXel 4ft45d"
-
Ordnungszahl Z Elektronenkonfiguration Ionisierungsenergie in eV Promotionsenergie np (n + 1)s in eV Schmelzpunkt in 'C Siedepunkt in 'C Kritische Tern~eratgrin 'C Van der Waals-Radien in pm Farbe des in Gasentlad~n~sröhren ausgestrahlten Lichts
2 24,6 -
~
~4d1°
4s24$
5s2 5ph 6s' 6p6
21,6 16,6
15,8 11.5
14,O 9.9
12,l
-249 -246 -229 160 rot
-189 -186 - 123 1 Y0 rot
-157 - 153 - 64 200
-112 -108 17
- 71
220
--
8.3
10.7 63
-P
-272 -269 -268 120
gdb
gelbgrün violett
-62 105
weil)
-
Die Edelgase stehen in der 18. Gruppe des PSE. Sie haben die Valenzelektronenk ~ n f i ~ u r a t i osZp6 n bzw. s2, also abgeschlossene Elektronenkonfigurationen ohne ungepaarte El e kt r onen. Sie sind daher chcmisch sehr inaktiv. Wie die hohen Ionisie-
388
4 Die Elemente der Hauptgruppen
rungsenergien zeigen, sind Edelgaskonfigurationen sehr stabile E l e k t r o n e n k ~ ~ f i gurationen. Viele Elemente bilden daher Ionen niit Edelgaskonfiguration und i n zahlreichen kovalenten Verbindungen besteht die Valrnrschale der Atome aus acht tronen (Oktettregel). Wegen des Fehlens ungepaarter Elektronen sind die Edelgas, als einzige Elemente im elementaren Zustand atomar. Bei Zimmertemperatur die Edelgase einatomige Gase. Sie sind farblos. geruchlos, ungiftig und ~ n b r ~ ~ ~ ~ , h „ , Zwischen den Edelgasatomen existieren nur schwache van der Waals-Kräfte. bell,entsprechend sind die Schmelzpunkte und Siedepunkte sehr niedrig. Sie nehmen ,it wachsender Ordnungszahl systematisch zu, da mit größer werdender Elektroncnhülle die Polarisierbarkeit wächst und damit die van der Waals-Kräfte (Dispersionseffekt) stärker werden. Helium hat den tiefsten Siedepunkt aller bekannten Substanzen. Unterhalb 2.2 K geht das normale flüssige Helium I in einen Zustand extrem niedriger Viskosit$[ über, Dieses superfluide Helium 11 besitzt außerdem eine extrem hohe Wärmeleitfähigkeit, die um drei Zehnerpotenzen höher ist als die von Cu bei Raumtemperat~ir. In1 festen Zustand kristallisieren alle Edelgase in dcr kubisch-dichtesteii P;icl\llng, Neon außerdem auch in der Iiexagonal-dichtesten Packung (vgl. Abschn. 7.4.7). Edelgase können kovalente Bindungen ausbilden. Da die Ionisationsenergic lind die Promotionsenergie sehr hoch sind (siehe Tabelle), sind die Elektronen sehr fest gebunden. Beide nehmen aber von Neon zum Xenon auf die Hälfte a b und Verbindungsbildung ist daher an1 ehesten bei den schweren Edelgasen zu erwarten. Tatsächlich gibt es hauptsächlich Verbindungen von Kr, Xe und Rn, in denen diese Edelgase kovalente Bindungen mit den elektronegativen Elementen F. 0. Cl, N und C ausbilden. In der Matrix' konnte auch die Existenz der Argonverbindung HArF nachgewiesen werden. Thermodynamisch stabile binäre Verbindungen sind nur die tlic < ~ s t cE(l~~lgc~.vi.c~i~l~ii~/~~i~~y~~~~. t~ Edelgasfluorid~, Fluoride von Xe. Erst 196.2 ii~~ndcw .~j.i?tl~rtisiei.t. Vorher waren nur Edelgas-Clathrate, z. B. Hydrat-Clathrate der idealen Zusammensetzung (H,O)„E, (E = Ar, Kr, Xe) bekannt. Bei ihnen sind in den Hohlräumen des Wirtsgitters Edelgasatome eingelagert, die durch schwache \-an der Waals-Wechselwirkungen festgehalten werden. Dio I I I P ~ . S ~ C II II C L ~ ~ hCA i l i i i l l 1 ' ~ ~ E~l'c./~r~.si~c~~~l~it~~l~~t~~~t~ .riilt/ X J ~ I ~ I I I . ~ ~ / Die ) N IChemie ~ / L I ~der I ~Edelgase ~ ( J ~ I ist . weil$hend die Chemie des Xenons.
4.3.2 Vorkommen, Gewinnung, Verwendung Edelgasr sind Bcstundteik der Luft. Ihr Volumenanteil in der Luft beträgt 0,935 O o . Ini einzelnen ist die Zusammensetzung der Luft in der Tabelle 4.3 angegeben. He lsl in Er&asen enthalten. Ergiebige Erdgasquellen in den USA enthalten Volumenanteile He bis 8 %. Die He-Reserven in Erdgasen werden auf 5 . 1 O9 m 3 geschiitzk
'
Bei Rauintemper:i~urinstabile Molckülc kann nian bei tiefen Tcniperaturen isolieren. wenn sie in eine feste inerte blatrix einbettet.
~
1
~
~
~
"
Tabelle 4.3
Zusammensetzung d e r Luft (Volutnenanteiie in
Ol0)
Die technische Gewinnung von Edelgasen aus der Luft erfolgt durch fraktio n i e rende Destillation verflüssigter Luft (vgl 5.423). He erhjlt man aus Erdgasen Bei der ~ b k ü h l u n gauf - 205 C bleibt nur He gasförmig zurück. Ar wird auch aus Inrit~(~,itiungrgehiet~~ sitzd C/;<, Lichiiechik 11tld d/<,S<,bit,ei/it<>cht~ik. Argon wird als Schutzgas, z.B. beim Umschmelzen von Metallen und bei der ~i~htbogenschweißung verwendet. Gasentladungsröhren mit Edelgasfüllungen dienen als Lichtreklame. Ar, Kr und Xe werden als Füllgase für Glühlampen verwendet, da dann die Temperatur des Wolframglühfadens und damit die Lichtausbeute gesteigert werden kann. K r besitzt eine geringe Wärmeleitfähigkeit, der Kolbendurchmesser der Glühlampen kann daher klein gehalten werden. In den Halogenlampen wird vorwiegend Kr als Füllgas (3-4 bar) verwendet. Spuren von Halogen transportieren verdampftes Wolfram zurück zum Glühfaden (vgl. S. 401) und ermöglichen eine Steigerung der Glühfadentemperatur bis 3 200°C (W schmilzt bei 3410°C). Hochdruck-Xenonlampen (100 bar) arbeiten mit einem Hochspannungslichtbogen und strahlen ein dem Tageslicht ähnliches Licht aus (Flutlichtlampen, Leuchttürme). Helium wird zur Füllung von Ballons und in der Tieftemperaturtechnik benutzt. He-0,-Gemische sind vorteilhaft als Atemgas für Taucher, da sich unter Druck wcniger Heim Blut löst als N,. In der Kerntechnik hat He als Kühlmittel Bedeutung erlangt, da He nicht radioaktiv wird und einen geringen Neutronenabsorptioncquerschnitt hat.
4.3.3 Edelgasverbindungen 4.3.3.1 Edelgashalogenide Man kennt bisher die Fluoride KrF„ XeF,, XeF,, XeF,. RnF, (Tabelle 4.4). die Chloride XeCI,. XeCI, und das Bromid XeBr,. In der Matrix wurden auch die Spezies HArF, HKrCl. HXeCl, HXeBr und HXeI gefunden. Die EdeIgo~eirugicwtr nur iiiii ~ . ; ~ L EV I ~I i ~ i mdii.i i ~Ruor. diixii. Das Fluor muß aber entweder durch Erhitzen, Bestrahlen oder elektrische Entladungen aktiviert werden, da Fluor nur in atomarer Form mit den Edelgasen reagiert. Xenon reagiert mit Fluor nach folgenden Gleichgewichtsreaktionen schrittweise und exotherm:
390
4
Die Elemente der Hauptgruppen
Tabelle 4.4 Eigenschaften von Edelgasfluoriden
---.
Oxidationszahl
Eigenschaften
Molekülstruktur
KrF,
+2
linear
XeFz
+2
RnF, XeF,
+2
XeF,
+6
farblose Kristalle AN; = +15kJ/mol nietastabil bei t < 0-'C farblose Kristalle A H" = - 164 kJ/mol; Smp. 129%Festkörper farblose Kristalle A Hg = - 278 kJ;moI; Smp. I I 7'C farblose Kristalle A H,"= - 361 kJimol; Smp. 49 C
+4
H P
1
linear quadratisch verzerrt oktaedrisch
XeF, 1 :20 400LC,6 bar 300 C, 60 bar
p
-
Xe
+ 3C1, + 6 H F
XeF, reagiert z . B mit PtF, zu einem gelben Salz [XeF:] [PtF;] Ionen sind quadratisch-pyramidal gebaut. Mit Alkalimetallfluoriden (außer LiF) entstehen Fluoroxenate(V1)
+ XeF,
-
Xe
+ ? H F + i0,
KrF,
+ 2AgF
-4
2AgF2 + Kr
Von Wasser wird KrF, zersetzt. KrF,
+ H,O
Kr
+
2HF
+ 0,50,
Radonfluorid. Rn reagiert mit F, bei 400 -C zu einem schwerflüchtigen Festkörper, der erst bei 250°C sublimiert; wahrscheinlich entsteht RnF,. Weitere Verbindungen konnten bisher nicht synthetisiert werden, obwohl eigentlich thermodynamisch stabilere Verbindungen als bei Xe zu erwarten wären. Da aber das stabilste Radonisotop 2 2 2 ~eine n Halbwertszeit von nur 3,8 Tagen hat und die freiwerdende Strahlungsenergie außerdem Verbindungen zersetzt, ist die Chemie des Radons äußerst schwierig. XeCI,. XeCl,. XeBr,. Diese instabilen Halogenide konnten als Produkte des ßZerfalls der isoelektronischen Ionen lZ9ICl2, 1291Clq.1291Br; nachgewiesen werden. '2,9,ICl; '54XeC1, e-
+
Isoliert werden konnten die Organoxenon(l1)-chloride C,H,XeCI und [(C,H,X~),CI][ASF,]. Die vermutlich stabilste Verbindung mit einer Xe-CI-Bindung ist das Kation XeCli, das unterhalb - 20 C als [Xe~ll+[Sb,F,,I - beständig ist.
Die Xenonfluoride können sowohl als F -Donatoren als auch als F--Akzeptorm reagieren.
CsF
--*
Die Hydrolyse von XeF, und XeF, wird bei den Oxiden des Xenons behandelt. ~ ~ ~ ~ t o n ( I I ) - f l uKIF, o r i d bildet farblose Kristalle. die bei -78'C längere Zeit unaufbewahrt werden können, die bei - 10'C sublimieren und bei Raumtemperatur spontan zerfallen. KrF, wird bei - 183 T aus einem Kr-F,-Gemisch durch Einwirkung elektrischer Entladungen hergestellt. ES ist das stärkste bisher bekannte oxidationsmittel. Mit KrF, konnte erstmals A U F, hergestellt werden.
-
Beispiele:
+ 6HC1
+ H,O
A ~ wird F zu AgF, oxidiert.
400'C oder Mikrowellen Xe(1I)-fluorid XeF, und Xenon(IV)-fluorid XeF, sind in allen Phasen monomer. Xenon(V1)-fluorid XeF, ist nur in der Gasphase monomer, im festen Zustand sind quadratisch-pyramidale XeF:-Ionen durch F--Ionen zu tetrameren oder hexameren Ringen verbunden. Die Xenonfluoride sind bei Raumtemperatur beständig, zersetzen sich aber beim Erhitzen in die Elemente. Sie sind flüchtig und sublimieren bereits bei Raumtemperatur. Sie sind starke Oxidations- und Fluorierungsmittel. Bei F e doxreaktionen entsteht Xe. Mit der Oxidation einer Verbindung ist vielfach eine Fluorierung verbunden.
XeF,
XeF,
---__
Darstellungsbedingungen der Xenonfluoride: Stoffmengenverhältnis Xe/F,
je ~ctafluoroxenate(VI)zersetzen sich erst oberhalb 400 .C und sind die stabilsten bekannten Xenonverbindungen. Alle Xenonfluoride reagieren mit Wdsser. XeF, zersetzt sich unter Oxidation von
Die XeFq-
4.3.3.2 Oxide, Oxidfluoride und Oxosalze des Xenons Bekannt sind nur die beiden Oxide XeO, und XeO,, außerdem die Oxidfluoride X ~ O F „Xe0,F2, XeOF,, X e 0 3 F 2 und XeO,F, (Tabelle 4.5). Xenon(V1)-oxid XeO, entsteht bei der Hydrolyse von XeF, und XeF,.
+
XeF, + 3H,O 4 XeO, 6HF 3XeF4 + 6 H 2 0 --. Xe 2Xe0,
+
+ 12HF
392
4 Die Elemente der Hauptgruppen
xeo4zerfällt
Tabelle 4.5 Eigenschaften von Xenonoxideri und Xenonoxidfluoriden L
Oxidationszahl ~....
XeOF, gelbe Kristalle instabil AH,>O XeO, F, Xe03 farblose Kristalle farblose Kristalle explosiv metastabil, Smp. 31 C A H , = + 402 kJ/mol AHA > 0 XeO, XeO,F, farbloses Gas Flüssigkeit explosiv Smp. - 54 C A H; = + 643 kJ/mol
+4
-
XeOF, farblose Flüssigkeit Smp. - 46 C A H; = - 96 kJ/mol XeO,F, massenspektrometrisch nachgewiesen
Beständig sind wäßrige Lösungen von XeO„ in denen es überwiegend molekular gelöst ist. Außerdem entsteht etwas Xenonsäure H,XeO„ deren Anhydrid XeO, ist.
+ H,O e H,XeO, + H,O H 3 0 + + H X e 0 4 + OH-
,HXe04
+6
+ 4Naf + 2
0 H
+8
Na,Xe06
AH
=
-
643 kJ/mol
gei der vorsichtigen Hydrolyse von XeF, bzw. XeF, entstehen die Verbindungen ~ ~ ~ ~ ~ d i f l u o r iXeOF, d o x i dund Xenontetrafluoridoxid XeOF,.
+ H,O XeF, + H,O
-50 C
XeOF, XeOF,
6
+ 2HF + 2HF
~~~~h Thermolyse von XeOF, entsteht Xenondißuoriddioxid XeO,F,. 2XeOF,
-15 C --+
XeO,F,
+ XeF,
4.3.3.3 Verbindungen mit Xe- 0-. Xe-N-, Xe-C-, Xe-S-, Xe-Au-, Kr-0-, Kr-N-. und Kr- C-Bindungen Es existieren bereits viele Verbindungen und eine umfangreiche Chemie. Jeweils ein oder wenige Beispiele seien gcnanilt. [H-c-N-E-F]+
[AsF,]
E = Kr. Xe C6F5
=
+ Xe + 0, + 2 H 2 0 0
Auf diese Weise können die thermisch ziemlich stabilen ~erxenate(Yll1) Na,Xe06 . nH,O und Ba2Xe06. 1,5 H,O erhalten werden. Perxenate(VII1) sind sehr starke Oxidationsmittel:
TeF,-0-E-0-TeF,
E
=
F
F
F
F
G'
0
+ H,O
+
+ 20,
II
Isoliert werden konnten Xenate(V1) mit Alkalimetallkationen. In stark alkalischer Lösung disproportioniert Xe(V1) in Xe(0) und Xe(VII1). 2 HXeO;
Xe
-+
c6~,-C-O-Xe-C,F5
Die Lösungen reagieren schwach sauer und wirken stark oxidierend. Bei Zusatz von Lauge bildet sich Xenat(V1). H,XeO,
XeO,(g)
XeF,
Die farblosen Kristalle bestehen aus einem Molekülgitter mit isolierten Xe03Einheiten, sie sind hochexplosiv.
XeO, H,XeO,
explosionsartig
Kr, Xe
-0-TeF, und -C,F5 sind Substituenten mit einer hohen Gruppenelektronegativität. Die Verbindungen HKrCN. HXeOH und HXeSH sind wie die schon oben erWähnten Halogenide HArF und HXeHal in der Matrix nachgewiesen worden. H X ~ O Hist bis 48 K und HXeSH bis 100 K stabil. Der erste isolierbare Komplex mit einer Metall-Edelgas Bindung wurde bei der Reduktion von Gold(1II)fluoridmit Xenongas in der Supersiiurc SbF, H F erhalten.
394
4 Die Elemente der Hauptgruppen p.im Molekül XeF, folgt aus Regel 2 des VSEPR-Modells eine quadratische Molekülgeometrie. Die berechnete Ladung $- 2 am Xe stimmt mit der Grenzstruktur
Für die Stabilisierung des Xe:- und des [AuXe,12+-Kations ist die S C ~ W K,;- ~ Ordination durch das supersaure Medium entscheidend. Mit rr(itii-[AuXc2F][SbF,][Sb2F, ,] wurde der erste Xe-Komplex mit drcjii,ertigern Gold synthetisiert.
~
~
~
uberein, die zwei 3-Zentren-2-Elektronen-Bi11d~11gen enthalt. Die Oxide XeO, und XeO, können unter Berücksichtigung der Bindungsgrade mit den Gre~lzstrukturen
4.3.3.4 Struktur und Bindung
Die
E ( / ~ ~ / g c i . s c r i . b i t ~ (bcsic~licvi / ~ ~ t ~ g ~ ~(ILLS t~
h I o / c k i i k > t l t t i i i / ) O / O I . P I Ik o l . ( l / ( ~ / ( > tBl i t ~ ( / , ~ , , : ~ ( , , , ,
Die Molekiilgeometrie Iäßt sich mit dem VSEPR-Modell erklären (Abb. 4.2u). Das Molekül XeF2 kann bei Berücksichtigung der ElektronegativitätsdiRercnz 7wischen Xe und F mit zwei Grenzstrukturen beschrieben werden.
In Übereinstimmung damit wurde berechnet. daß Xe einfach positiv geladeii ist. Auch das MO-Modell zeigt, da0 eine 3-Zentren-2-Elektronen-Bindung vorliegt und die Bindungen fast nur von p-Orbitalen gebildet werden.
XeF2
XeF,
~e0;-
XeF,
XeOF,
Xe0,F2
Xe03
Xe04
XeOF,
Abbildung 4.2a Strukturen einiger Xenonverbindungeri. Die Struk~urdt.b Moleküls XeF, ist oktriedriscti verzerrt. Dies ist nach dem V S E P R - M ~ ~ ~ ~ ~ zu erwarten, da XeF, 7 Elektronenpaare besitzt und zuin AB,E-Typ gehört (vgl. Tab. 2.18). Eine aus F-Atomen gebildete Drciccksfläche wird aufgeweitet. damit das eiiisarne Elektro-
neiipaar Platz hat. -
-
-
-
-
-
-
P
P
bächrieben werden, die in Übereinstimmung mit einer pyramidalen bzw. tetraedris&en Molekülgestalt sind. XeO, und XeO, sind isoelektronisch mit ClO; und CIO;. Für die Bindungen des Moleküls XeO, kann ein dem Ion C l o n analoges MO-Diagramm konstruiert werden. Vier tetracdischen a-Bindungen überlagern sich schwache Mehrzentren-n-Bindungen, die durch Hyperkonjugation entstehen (siehe Abschnitt 2.2.9, Hyperkonjugation). Mit zunehmender Ordnungszahl der Edelgase nimmt die Promotionsenergie ab und die Verbindungen werden stabiler. Die größere Promotionsenergie führt bcim Krypton 7u einer sehr viel kleineren Bindmgsenergie. und KrF, ist daher metastabil. Von Ne. He sind keine Verbindungen bekannt Bei spiel: Dissoziationsenergie F, -42 F in kJ/mol Bindungsenergie in kJ/mol Bildungsenthalpie in kJ/mol
Xe
+ F,
-. XeF,
Kr
+ F2
+I58
Xe-F XeF2(g)
- 131 -
104
-4
KrF2
Kr-F
t158 - 50
KrF2(g)
+ 58
Die Stabilität der Edelgashalogenide nimmt mit zunehmender Ordnungszahl des Halogens ab. Ursache ist rowohl die größere Dissoziationsenergie als auch die kleinere Bindungsenergie. Aus den gleichen Gründen sind Xenonoxide endotherme, metastabile Verbindungen, während die Xenoniluoride cxothcrme, beständige Verbindungen sind Beispiel: Dissoziationsenergie 0, 2 0 in kJ/mol Bindungsenergie in kJ/mol Bildungsenthalpie in kJ /mol
Xe
+ 1.50,
-+
+ 498
-+
Xe-0 XeO, (g)
- 84
+ 495
XeO,
Atornorbitale der Fluorotome
Molekülor bitole
Atornorbitale
eines Xe Atoms
4.4.1 Gruppeneigenschaften Y
Abbildung 4 2 b MO-Schenia für das Mnlekiil XeF, Durch Lineitrkombin;itioll ip-Orbitalen der F-Atome mit dein 5p-Orbital dr, Xe-Atonis erhalt man eiii bindenBer ;ils !. Diii d-Orbital hat aber nur einen sehr geringen Anteil ( <594) an dcii Bindungcii.
-
Fluor
Chlor
F
Cl
Broni Br
Iod 1
2.7
~l~ktronegati~ität ~l~ktronenafinitüt in eV Ionisierungsenergie in eV Nichtmetallcharäkter ~eaktionsfähigkeit Affinität zu elektropiti\,cn Elementen Aflinität zu elektronegativen Elemrri ten
-
3,4
11,8
-+
nimmt ab nimmt ab nimmt ab
-+
nimmt zu
-+
-+
Die Halogene (Salzbildner) sind untereinander recht ähnlich. Sie sind ausgeprägte Nichtmetalle, sie gehören zu den clcktronegativsten und reaktionsfähigsten Elementen. Fluor ist das elektronegativste und reaktionsfähigste Element überhaupt, es reagiert mit Wasserstoff sogar bei - 250°C. Die Halogene stehen irn PSE direkt vor den Edelgasen. Wie dic Elektronenafhitäten zeigen, ist die Anlagerung eines Elektrons ein stark exothermer Prozeß. In Ionenverbindungen treten daher die einfach negativ geladenen Halogenidionen X - mit Edelgaskonfiguration auf. Die IIalogcnc besitzen im Grundzustand ein ungepaartes Elektron, sie sind deshalb zur Ausbildung cilwr- kovalentcn Bindung befiihigt. F ü r Fluor gibt es nur die B i n d ~ n ~ s z i i s t ä n dF e- und -F. Da es als elekironegativstes Element stets der elektronegative Binduiigspartrier ist, ist in Verbindungen seine einzige Oxidationszahl - 1. Die hohe Elektronegativitr'it hat zur Folge. d a ß Fluor in der Gruppe der Halogene eine Sonderstellung einnimmt. Bei den Halogenen Cl. Br und I können mit elektroiiegativen Bindungsp:irtnern wie F, 0. C1 die Oxidationszahlen + 3, + 5 und 7 erreicht werden. Beispiele dafür sind
+
+3
+3
+5
1-5
C1F„ ICI„ BrFS, CIO;,
+7
47
IF„ C10,.
In einigen unbestäiidigen Verbindungen kommen auch noch andere, seltenere 0x1dationszahlen n i e + 4 (C102)vor. Das fünfte Element der 7 . Hauptgruppe ist das Astat At. Alle bekannten Isotope sind radioaktiv. das stabilste hat eine Halbwertszeit von nur 8.3 Stunden.
398
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.4.2 Vorkommen Mgrti ihwr groi(h R < ~ ( i k ~ i o t t . ~ / ~ i / ~kon~iri<w i g k o i r die Ifu/o,y<-iro iir ( / C ) / . ,%l(lll(r I;, 1n~'tllU1'1 ' 0 1 ' . Die wichtigsten Rohstoffquellen für Fluor sind: Flußspat C ~ F , , hPalil Ca,(PO,),(OH, F) (der F-Gehalt schwankt, da sich die OH-- und die r - - l o n e n gegenseitig substitutieren können). Kryolith Na3AIF, (die einzigen stätien in Grönlarid sind weitgehend abgebaut). Chlor und Brom kommen als Halogenide in Salzlagerstatten vor, die aus verdunsteten, eingeschlossenen Meerwasserbecken entstanden sind. Die wichtigsten Verhind u n p n sind: Steinsalz NaCl. Sylvin KCI, Carnallit KMgCI, .6H,O, ~ ~ KMgCI(S0,) 3 H,O, Birhofit MgCI, - 6 H - 0 , Bromcarnallit KMg(CI.Br)3 6 H 2 0 , Bronisylvinii K(C1,Br) Die größlen Chlormengen befinden sich im Wasser der oreane, das 2 % Chloridionen enthält; der Br-Gehalt beträgt nur 0,01%. Iod kommt im Chilesalpeter NaNO, als Iodat Ca(IO,), vor. Im Meerwasser vorhandenes Iod wird im Tang (Meeresalgen) angereichert.
4.4.3 Die Elemente
Aussehen Schmelzpunkt in "C Siedepunkt in 'C Dissoziationsenergie D (X2 4 2X) in kJ/mol
Fluor
Chlor
Brom
schwach gelbliches Gas -220
gelbgrünes
braune Flüs-
Gas
sigk., Dampf rotbraun
-388 I 59
-
101
7 59
-
- 34
243
193 +
Standardpotential (2X-/X2) in V Bindungslänge X-X im Gas in Pm
Iod blauschwarze Kristalle. Dampf violett 114 185 151
Chlor ist bei Raumtemperatur ein gelbgrünes, giftiges, die Schleimhäute angreifendes Gas. Es ist 2,5mal so schwer wie Luft und durch Kompression leicht zu verflüssigen. Die kritische Temperatur beträgt 144-C. der Dampfdruck bei 20°C 6.7 bar. Brom ist bei Raunitempcratur eine dunkelbraune Flüssigkeit, die schon bei - 7 'C
~
dunkelbraunrot kristallisiert. Bromdampf reizt die Schleimhäute, Rüssiges Brom errugt auf der Haut schmerzhafte Wunden. In Wasser ist Brom weniger gut löslich als Chlor. Es ist aber mit unpolaren Lösungsmitteln (z. B. CCI,, CS,) gut mischbar. lad bildet bei Raumtemperatur grauschwarze, metallisch glänzende, halbleitende istal alle. Es schmilzt bei 114°C zu einer braunen Flüssigkeit und siedet bei 185 -C i wter ~ Bildung i ~eines violetten Dampfes. Alle Phasen bestehen aus 12-Molekülen. Schon bei Raumtemperatur ist Iod flüchtig, beim Schmelzpunkt beträgt der Dampfdm& 0.1 3 bar. Man kann daher Iod sublimieren und durch Sublimation reinigen. 1, kri.irul/i.c.icrtwie Br2 1 1 1 ~ C'/Z 1 i t i cilror S C / I ~ ( . / ~ ~ (Abb. S / I . ~4 .~3 ~) mit I Uausgeprägter I. spaltbarkrit der Kristalle parallel zu den Schichten. Zwischen den Schichten sind die Moleküle durch van der Waals-Kräfte aneinander gebunden. Die Abstände betragen 435-450 pm (van der Waals-Abstand 430 pm). Innerhalb der Schichten sind die Ab&nde zwischen den I,-Molekülen kürzer, so daß auch schwachc kovalente Teilbindungen auftreten. Es liegen Mehrzentrenbindungen vom G-Typvor, die sich über dic ganze Schicht erstrecken (vgl. Mehrzentrenbindungen in Polyhalogeniden, S. 407). Die damit verbundene Elektronendelokalisierung erklärt Farbe, Glanz und elektrische Leitfähigkeit des Iods (parallel zu den Schichten). Bei Normaldruck ist Iod ein Halbleiter mit einem gefüllten Valenzband und einem lccrcn Leitungsband. Bei etwa 170 kbar wird Iod ein metallischer Leiter, die Packung der Molekülc ist so dicht geworden, daß Valenzband und Leitungsband überlappen. Bei 210 kbar erfolgt
nimmt ab
142
4.4.3.4 Physikalische Eigenschaften, Struktur
&/Grund der l i , k ~ z ~ ~ / ~ ~ i - i r u r r ~ t ~ k .i2p5 o t ~ fbosiebcri i ~ ~ ~ r udip t i [o~~l ~< ~ i > i e t i HOIO::, i e r ~ ~ ~1 1i ' in u l h n 24sgr(~,?c~rzi(.siiin~Ic~~~ aiu zii3rilitoi?/i,yc.,~ Alo/pXül~.ti.Zwischen den Molekülen sind schwache van der Waals-Kräfte wirksam, die Schmelz- und Siedetemperaturen sind daher z. T. sehr niedrig. Innerhalb der Gruppe steigen sie als Folge der zunehmenden ran der Waals-Kräfte regelmäßig an (vgl Ahschn. 2.3). Fluor ist bei Raumtemperatur ein gelbliches Gas. Es ist stark ätzend und extreiii giftig Es kann noch in sehr kleinen Konzentrationen am Geruch erkannt werden. der dem eines Gemisches aus 0, und Cl, ähnelt.
Abbildung 4.3 Struktur von Iod. a) Elementarzek des Iodgitters. Das Iodgitter besteht aus Iodschichteii. Die Hanteln der 1 2 Moleküle liegen in den Schichten. b) Darsteiiune einer Schicht. Die Abstände zwischen den I,-Molekülen sind kleiner als der van der Waals-Abstand (430pm), es existieren kovalente Teilbindungen zwischen den 12Molekülen. Beispiel für eine Grenzstruktur: 3 2 3 4 1 ' 2 ' [Q 1---[3 I I---I
400
4.4 Gruppe 17
4 Die Elemente der Hauptaruppen
eine Stiukiurhndcrung. alle Iodabstande wcrden gleich groß. es entsteht ,in aus Atomen aufgebauter metallischer Krislall. Iod lost sich inunpolaren Lih~ingsinitteln(CCI,. CHCI,. CS,) mit violetter hrbe Die Losungen enthalten wie der Dampf I,-Moleküle In anderen Lösungrliiili ' eh, wie H,O. Ether, löst sich Iod mit brauner Farbe. in aromalischen Kohlcllii;issermit roter Farbe. Die Farbändcrung ist auf dir. Bildung von Charge-Tl-ansie, Komplexen zurückzuführen. Sie kommen durch den teilweisen Übergang eilie5 ~ l ~ tronenpaares des Losungsmittelrnolekiils auf ein 1,-Molekül zustande. Deizustand der < ' / I ~ I x < ' - fiio~.~/i,i;K(~lirj~l~-~o (vgl Abschn 5.4.8) kann rnit deli lilesoincren Grenzstrukturen I,....D
tt
401
mit H,O reagiert F , auch mit anderen Wasserstoffverbii~dungenunter Bildung
chlor !gehört zu den reaktionsfähigsten Elementen. es reagiert außer mit den Edel0,. N,und C mit allen Elementen, meist schon bei niedrigen Temperaturen. ~
Mit vielen Metallen reagiert es beim Erwärmen oder bei große1 Metalloberfliche unter Feuererrheinung, Z. B. mit Alkalimetallen. Erdalkalimetallen. Cu. Fe, As, Sb. Ri. ~i~ Reaktion mit W zu WCI, und dessen thermische Zersetzung dient zur Reini"gung des Metalls. W
$-
3C1,
<700 C F====+
> 700 C
WCI,
(Sdp. 346 'C)
I;Dt
~ i ~ h t ~ e t dwie l l Phosphor e und Schwefel werden je nach Reaktionsbedingungen in II diekovalenten Chloride PCI,, PCI,, S,Cl,, SCI,, SC], überführt. Die Reaktion mit beschrieben werden, wobei die Grenzstruktur I übcrwicgt. D o ~ i o r e i p e n s c h ~bfest ~it-~ ~ zen z. B. n-Elektronensysteme und die einsamen Elektronenpaare des O - A ~ ~ ~ ~ ~ H,2 Charge-Transfer-Komplexe zeichnen sich meist durch eine intensive Lichtabsorption AN' = - 185 kJ!mol H, + Cl, s 2HC1 aus. Dabei erfolgt em Elektronenübergang in einen angeregten Zusiand des Kompleverlauft nach Zündung explosionsartig (Chlorknallgas) in einer Kettenreaktion (vgl. xes. bei dem die Grcnzstruktiir 11 überwiegt. Die C h a r g e - T r a n ~ f e r - A b r o r ~ t 1 ~ ) 1 1 ~ ~ S. 303). der I,-Komplexe liegen im nahen Illtraviolett. Durch die Bildung der Charge-Tl aiiSCI, löst sich gut in Wasser, dabei bildet sich in einer Disproportionierungsreaktion fer-Komplexe wird die I-I-Bindung geschwächt und damit auch die Energie der HCl und Hypochlorige Säurc HOC1 (vgl. S.413). Elektronenanregung. die im ungestörten I,-Molekül die vlolette Farbe veriirs;icht, -1 +1 bccinflußt. Eine Farbänderung in Abhängigkeit von den Donoreigenschafteli des 0 Cl, + HIO s HCI HOC1 Lösungsmittels ist die Folge. Weniger stabile Komplexe sind auch von CI, und Br, bekannt. Die InierlioloHOC1 wirkt stark oxidierend, daher wird feuchtes Chlor zum oxidativen Bleichen genverbindungen IBr und ICl (vgl. Abschn. 4.4.4) bilden ebenfalls Charge-Ti;insSer(Papier, Leinen, Baumwolle), sowie zum Desinfizieren (Trinkwasser, Abwässer) verKomplexe. wendet. Brom reagiert analog Cl„ die Reaktionsfähigkeit ist aber geringer. Iod ist noch wcniger reaktiv, verbindet sich aber immer noch direkt mit einigen Elementen, 7. B. mit P, S, Al, Fe, Hg. Charakteristisch für I, und als Nachweisreak4.4.3.2 Chemisches Verhalten tion für kleine Iodinengen geeignet ist die intensive Blaufärbung mit wäßrigen Stärkelösungen. Bei dieser ,.lodstdrkrreakiion'~erfolgt ein Einschluß von Iod (EinschlußFluor ist das reaktionsfähigste Element. Es reagiert direkt mit allen Elementen außer Verbindung). He, Ne, Ar. N,. In Verbindungen mit Fluor erreichen die Elemente hohe und höchst$ Fluor und Chlor sind starke Oxidationsmittel. Fluor ist - abgesehen von KJF, Oxidationszahlen: I F , , SF,. XeF,. CIF,, BiF,, AgF„ AUF„ UF,. das stärkste Oxidationsmitlel überhaupt. Inn~rhalhder Gruppe i l h m l h s O w i h Ni, Cu, Stahl sowie die Legierungen Monel((:u-Ni) und Elektron (Mg-Al) \\.ertionsverniören nlil :unchnzendcr Ordnungs~ahlab. Fluor kann daher alle anderen den von Fluor nur oberflächlich angegriffen. Es bildet sich eine dichte, fest haftcndtHalogene aus ihren Verbindungen verdrängen. Fluoridschicht, die den weiteren Angriff von Fluor verhindert (Passivierung). Cu T
+
U
kann bis 500°C, Ni und Monel bis 800'C für Arbeiten mit Fluor verwendet werden Fluor ist in Stahlflaschen mit Drücken bis 30 bar im Handel ( I , = - 129 C ) In Quarz- und Glasgefaßcn kann nur gearbeitet werden, wenn weder H,O noch H F zugegen ist, da sonst ein ständiger Angriff erfolgen würde.
F, F,
+ 2C!+ 2Br-
2F,2 F --t
+ Cl2 + Br,
Chlor kann Brom und Iod, Brom nur Iod in Freiheit setzen
4.4 Gruppe 17
403
~ , - ~ n i s o t omittels pe Diffusion von U F, ver\\'elidet. Bedeutung hat F, zur Herstellung von CF, und Sc, (Dielektrikuili. Kühlmittel). zur Reinstdarstellung hoctischmelzenderMet;ille aus Fluoride11(W, Mo. Re. Ta).aber hauptslichlich bei der Aufarbeitung von ~ernbrennstoffen("BI. S. 406). chlor. Echni.wh ii,ii.
-
+
Obwohl die Elektronenafinität von Chlor größer als die von Fluor ist, ist ~l~~~ ? N a + + 2C1- + 2 H 2 0 4 2 N a i + 2 0 H H, + CI, das wesentlich stärkere Oxidationsmittel. Dies liegt an der kleinen D i ~ s o ~ i ; ~ t i ~ ~ ~ Das Verfahren wurde bereits im Abschn. 3.8.10 beschrieben. Große technische Beenergie von F, und der großen Hydratationsenergie der kleinen FP-Ionen. Uic d e utung hatte früher das Drucon- lirfuhr(~i? größere Dissoziationsenergie von CI, entspricht im Vergleich mit Br, und I , der Erwartung. F, hat eine kürzere Bindungslänge, daher ist eine starke Abstoßung 2HC1 + 2 0 2 -+ Cl, H,O nichtbindender Elektronenpaare wirksam (vgl. Tabelle 2.13). das bei 430 C mit Luftsauerstoff und CuCl, als Katalysator durchgeführt wurde. In modifizierter Form (Shell-Deacon-Verfahren) verwendet man heute als wirksamere ~ t a l y s a t o r e nein Gemisch von Kupferchlorid und anderen Metallchloriden (z. B. 4.4.3.3 Darstellung, Verwendung von Lanthanoiden) auf einem Silicatträgr. Bereits bei 350 C erhält man CI, niit . Fluor. Liijg~/i.\L>~/IP.s 1101i~iiS i ( / / ~ ( l ~ / / ~ ~ l j/ic//ii/ >~t~ F1110r ~ / ~ 011.~ / i ~ .i ~I .~~i t i I~i i~i~ . l ) i / l r l i o ~ ~ ~ ~ ' i ~ einer Ausbeute von 76 1 ' 0. ~iiclii(1~1rc.11 ~ ~ / i ~ v i i i . sOc l.i ~ ~i ~ l ~ ~ ~ i o i ~ . ~ ii ~ ~i oi i i~ ~l F2 c ~i i 11,iiyI .~ l , (// ( ~~ / I~( J Ic(/i~i.c~li , ~ i ,C ~I ~ IIO ~ ,,/ ;~- ~ ~ ~ ~ ~ Im Labormaßstab kann Cl, durch Oxidation von konzentrierter Salzsäure mit sclic~Oxidu/ioli IW? F - I o ~ i c wi i ~ii~tr.s.vc~r/i~ic.ri Elc,Xiro!i./r'~ih ~ r g ~ . s ~ o In I I / Gegenwart . MnO, (historisch als Weldon-Verfahren von Bedeutung) oder KMnO, hergestellt von Wasser erfolgt Entladung von OH-Ionen zu 0,. D a wasserfreies H F ein schlcchwerden. ter Leiter ist, verwendet man zur Elektrolyse wasserfreie Schmelzen der Zusam4 ~ C +i Ei, ~ n c l , 2H20 mensetzung K F . xHF. Die Schn~elzpunktesinken mit wachsendem HF-Gehalt: K F . H F 217°C. K F . 3 H F 66 -C. Im technisch verwendeten Mitteltemperaturverfahren elektrolysiert man Schmelzen mit s = 2-2,2 bei Temperaturen von 70 bis Die größten Chlorniengn benötigt die organisch-chemische Industrie (mehr als 130'C. Für die Herstellung im Laboratorium benutzt man Hochtemperaturzelleri 80%). In der anorganisch-cheiiiischen Industrie wird es vor allem zur Darstellung mit K F - HF-Schmelzen, die Temperaturen von 250 '-C erfordern. D a KHF, prakvon HCI, Br, und Metallchloriden verwendet. Weiterhin wird es zum Bleichen und tisch nicht hygroskopisch ist, enthält das damit erzeugte F, nur sehr wenig O1 b m . OF,. Die Elektrolysezellen bestehen aus Stahl oder Monel. Die verwendeten Metalle überziehen sich bei Betriebsbedingungen mit einer vor weiterein Fluorangrifl. schütder deutschen Chemieunternehmen hängen direkt oder indirekt von chlorcheniizenden Fluoridschicht (Passivierung). schen Verfahren ab. Die Weltproduktion beträgt ca. 80 1 o6 1. In der ~undesrepublik Die Darstellung von Fluor auf chemischem Wege gelingt mit dem Trick. ein iilDeutschland wurden 1999 3.5. l o h t produziert. stabiles Fluorid herzustellen, das sich unter Entwicklung von elenientarem Fluor Brom. Bei der Aufarbeitung von Kalisalzen entstehen Br--haltip Lösungen. In die zersetzt. Aus K,MnF, wird mit SbF, das instabile Fluorid MnF, freigesetzt. das schwach sauren Lösungen wird Cl, eingeleitet und das entstandene Br, niit einem spontan in MnF, und F, zerfällt. Luftstrom ausgetrieben.
+
-
-
G~O,
K,MnF,
+ 2SbF,
150 C
2KSbF,
+ MnF, + $F,
-
2Br
K,MnF, und SbF, werden nach den folgenden Reaktionen hergestellt:
+
+
2KMn04 2KF IOHF + 3 H 2 0 2 SbCI, 5 H F + SbF, + 5HC1
+
2K2MnF,
+ 8 H 2 0+ 302
Großtechnisch wird F, seit dem 2. Weltkrieg erzeugt. Es wurde zur Herstellung des Kampfstoffes CIF, und beim Bau der Atombombe (vgl S. 23) zur Trennung der
+ Cl,
Br,
+
+
+ 2C1
Im Labor kann Br, durch Oxidation von KBr mit k o n z H,S04 hergestellt werden. +6 0 +4 ~ H B :+ H, SO, -+Br, + SO, + 2 H 2 0 Iod. Die Hauptmenge des Iods wird aus iodathaltigen Lösungen gewonnen, die bei der Kristallisation von Chilesalpeter zurückbleiben. Zunächst wird ein Teil der Iodsäure HIO, mit SO, reduziert.
404
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.4 Uluppr
A
r
.
-
Die ~nterhalogenverbindungenXY sind wie die Halogenc sehr reaktive SubstanSie sind Oxidationsmittel und Halogenüberträgci. Die Reaktionsfähigkeit und ~ i ~ ~ ~ o p o r t i o n i e r u n g s n e i gistu num g so gröDer, je weiter die Halogene im PSE neinander entfernt stehen.
H1 wird durch noch vorhandene Iodsäure oxidiert.
+
Gesamtreaktion: 2 H I 0 3 f 5 S 0 2 4 H 2 0 + 5 H 2 S 0 4 + I, Außerdem wird Iod aus Salzsolen gewonnen. die oft bei der Erdöl- und Erdgnsförderung anfallen. AUS Iodiden (2. B. in der Asche der Meeresalgen) kann I, durch Oxidation ( Z B, mit MnO, oder H,SO,) hergestellt werden. Technisch ist die Gewinnung aus Algen oder Tang heute ohne Bedeutung. Iod und lodverbindungen werden für Katalysatoren. phiirm;i7eutischr ziiccke, Futtermittelzusätze und Farbstoffe vcrwendet.
4.4.4 Interhalogenverbindungen Von Verbindungen drr Hulogene unierr,inundrr .iiird die n p c n XY, XY„ XY, i
~~ispiele:
CIF ist disproportionierungsstabil, es wird als Fluoricrungsmittel benutzt, BrF disproportioniert nach 3 BrF -t Br, + B r F , I F ist nur bei tiefen Temperaturen beständig oberhalb - 14uCzerfällt es nach 5 l F -+ 21, + IF,. Die zerfallsneigung der Interhalopnverbindungen XY in die Elemente wächst in der Reihe ClF < ICI < BrF < IBr < BrCl. Mit Wasser findet die Reaktion XY + HOH -+ HY HOX statt: X ist das elek-
+
le 4.7). Die Halogenide XY, sind T-förmig gebaut, die Pentahalogenide XY, haben die Geometrie quadratischer Pyramiden. [F7 bildet eine pentagonale Bipyramide (Abb. 4.4).
+
Tabelle 4.6 Interhalogenverbindungen vom Typ XY CI F farbloses Gas 256 - 50 BrF hellrotes Gas 280 -
94
braunes Pulver 271 - 96
Schmelzpunkte Siedepunkte BrCl dunkelrote Flüssigkeit
Abbildung 4.4 Molekülgeometrie der inter halogen ver bin dun^ XYa, XY5 und XY, nach dem VSEPR-Modell. . --
218
+ 1.5 rote Kristalle 211 + 18
IBr rotbraune Kristalle I70
Disproportionierung oberhalb - 14°C (Oberer Zahlenwert: Dissoziationsenergic D„, in kJ,'mol Unterer Zahlenwert: Bildungsenthalpie L.! H, (g) in kJImol)
Nur Br. CI und I sind Zentralatome und hauptsächlich F ist als Substituent geeignet. Die Ionisierungsenergie nimmt von CI zu I ab, die Afinität zu elektronegativen Elementen nimmt zu. Daher ist verständlich, daß die thermodynamische Stabilität der Verbindungen XY, und XY, von CI zu I zunimmt (vgl Tabelle 4.7) und nur I ein Heptafluorid bildet. Von allen Elementen besitzt Fluor die größte Fähigkeit Stabilisierung hoher positiver Oxidationsstufen. Chlor kann nur noch mit Iod
406
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Tabelle 4.7
I n t e r h a l o g e n v e r b i n d ~ ndes ~ Typs XY,. XYs, XY,
CIF, farbloses Gas - 165 Br F, farblose Flüssigkeit - 256 IF3 gelbes Pulver - 486 Disproportionierung oberhalb - 28-C
Cl Fs farbloses Gas - 2.55 Br FS farblose Flüssigkeit - 429 IFs farblose Flüssigkeit 841 -
1F7 farbloses Gas - 962
antibindend
("'312 gelbe Kristalle - 90 (A H , ( s ) J
(Zahlenwerte: Bildungsenthalpien A H, (g) in kJ/mol)
nisch hergestellt. Sic werden z.B. zur Trennung von U-Pu-Spaltprodukten Kerntechnik verwendet.
iii
~bbil
der
Pu bildet nichtflüchtiges PuF, und das flüchtige UF, kann durch Destillation nbgetrennt werden. Bekannt sind zahlreiche Interhalogenionen. Beispiele: BrF; (Oktaeder), 1F; (wie XeF, verzerrt oktaedrisch), 1F; (quadratisches Antiprisma).
4.4.5 Polyhalogenidionen
4.4.6 Halogenide
HydrogenRuorid HF, Hydrogenchlorid HCI, Hydrogenbromid HBr und Hydrogeniodid H1 sind farblose, stechend riechende Gase. Einige Eigenschaften der untereinander ähnlichen Verbindungen sind in der Tabelle 4.8 angegeben. Tabelle 4.8
Eigenschaften von Hydrogenhalogeniden HF
Bildungsenthalpie in kJ/mol Schmelzpunkt in "C Siedepunkt in "C Verdampfungsenthalpie in kJ/mol Säurestärke Dipolmoment in D
-~
Bekannt sind auch die weniger beständigen Polyhalogenidionen Br;. CI.:. F; und gemischte Polyhalogenidionen wie 1CI;. [,Br-. I B r F . Das Halogen mit der kleinsten Elektronegativität ist das Zentralatom. Es können Alkalimetallsa!ze wie /. B. CsI, oder RbI, isoliert werden. Die Trihalogenidionen sind linear gebaiit; in Lösung sind die Ionen 1; und ICIi symmetrisch mit gleichen Kernabständen, die einem Bindungsgrad von 0,5 entsprechen Eine Erklärung liefert sowohl die MO-Theorie (Abb. 4.5) als auch die VBTheorie.
Von Iod sind auch die Anionen I;, I;. 1; und Salze davon bekannt.
X
HCl
- 271 - 83 20 30
+
HBr
- 92 - 114 - 85
13
- 36 - 87 - 67
18
H1
-
+ 27 - 51 - 35
70
+ nimmt zu
1.8
1,1
0,8
0,4
408
4 Die Elemente der H:iuptgruppen
4.4 Criuppr
dürften im flüssigen H F vorliegen. Es ist eine farblose. bewegliche, hygroskopische ~lüssigkeit.Im Dampf sind gewellte (HF),-Ringe (s. S. 208) irn Gleichgewicht mit ~ ~ - ~ o l e k ü lerst e n oberhalb , von 90 T ist Hydrogenfluorid nur monornolekiila,, A / I ~~~&ogcrzhirlogenid~~ lii~en.sich gut in W~ssi.r.Bei 0 C lösen sich in 1 I W 507 1 Hel-Gas und 6121 HBr-Gas. Da .skJ dabei Protonen abgeben.,/ililai,,, ,: ,i,a%er Siiureti.
Die Ursache dafür ist die von H F iiiich HI abnehmende Bindungsenergie (siehe Tabelle 2.14). Alle H~~~/rogei~Iialog~nide hild~nsich in tlir~krcrRcukrioi~ciir.\. 11~11 :/I.
,,
Die Reaktionen mit Fluor und Chlor verlaufen explosionsartig (vgl. S. 292). Br, reagiert auch in Gegenwart von Pt-Katalysatoren erst bei 200dC. Die> R i l t I ~ i i!;ilitil~.~~ pie w ~ die d t/zw,i>ir(hcSfubiirr
Reinstes, wasserfreies H F gewinnt man durch thermische Zersetzung von KHF,. KHF,
-r
KF
+ HF
Mit den im Flußspat als Nebenprodukt vorhandenen Silicaten entsteht SiF,. das mit H F zu Hexafluorokieselsäure umgesetzt wird.
Die Hauptmenge H F wird zur Herstellung von AlF„ Kryolith und Fluorhalogenkohlenwasserstoffen verwendet. In der Glasindustrie dient es zum Ätzen und Polieren. Aus H,SiF, gewinnt man AlF, und Kryolith (vgl. S. 583 U. 586). Wäßrige Lösungen von H F heilJen Flußsäure. FlulJsäure ist eine mittelstarke Säure; sie ätzt Glas
und kann daher nicht in Glasflaschen aufbewahrt werden. Handelsübliche Flußsaure ist meist 40%ig, sie kann in Polyethenflaschen aufbewahrt werden.
i
.W.
~ ~ d ~ ~ e n c h lHCl. o r i dBei der technischen Diirstellung von HCI aus den Elemen* benutzt man einen nach dem Prinzip des Daniellschen Hahns (vgl. S 380) arte itenden Quarzbrenner. Beim chlorid-Schwefelsäure-Verfahren wird NiiCl mit konz. H2S0, umgesetzt.
+ H2S0, NaCl + NaHSO,
NaCl Dia S
L
-20 C
NaHSO,
80 C
Na,SO,
4
+ HCI + HCI
Das meiste HCI entsteht als Zwangsanfnll (zu etwii 90 X ) bei der technisch wichtigen chlorierung organischer Verbindungen.
~ ~ ~ h nicht ~ i verwendbares ~ c h HCI wird durch Elektrolyse in CI, und H, umgewandelt. Die Weltproduktion von HCI betrug 2000 15 106 t. in der Bundesrepublik Deutschland wurden 2000 1.7 . 10' t erzeugt. Wäßrige Lösungen von HCI heißen Salzsäure. In konzentrierter Salzsäure ist ein Nassenanteil von ca. 38 O/O HCI-Gas gelöst. Salzsäure ist eine starke, nichtoxidierende Säure. sie löst daher nur unedle Metalle wie Zn. Al, Fe, nicht aber Cu, Hg, Ag, Au, Pt und Ta.
Hydmgenbromid HBr. Hydrogeniodid H1. HBr und H1 können nicht aus ihren Salzen mit konz. H,SO, hergestellt werden, da teilweise Oxidation zu Br, und I, erfolgt. Sie werden durch Hydrolyse von PBr, bzw. PI, hergestellt. PBr, PI,
+ 3H,O + 3H20
-+
-+
3HBr 3HI
+ H3PO3 + H3PO3
Dazu kann roter Phosphor und das Halogen direkt in Gegenwart von Wasser umgesetzt werden, intermediär bildet sich das Phosphortrihalogenid. Hydrogeniodid ist eine sehr starke Säure, sie ist oxidationsempfindlich. Bei Einwirkung von Luftsauerstoff wird Iod ausgeschieden.
Die Halogenide der Alkalimetalle und der Erdalkalimetalle sind typische Salze, die überwiegend in Ionengittern kristallisieren (vgl. Abschn. 2.1 3 ) Typisch für Fluor ist die Existenz von HydrogenRuoriden, so z. B. der ~lkalimetallhydrogenfluoride M ~ + H F „ MetH,Fy und MetH,F4. Mit Nichtmetallen bilden die Halogene flüchtige, kovalente Halogenide, die in M ~ l e k ü l ~ i t t e rkristallisieren. n
)
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Beispiele:
4.4
LJruppc 1
I
-.,.
~ ~ b ~4.9 l l eSauerstoffsäuren der Halogene*
BF3, SiF„ S F b PF„ CF, SC]„ PC13, CCI„ SiBr,
Gase (bei 25°C) Flüssigkeiten (bei 25 -C)
mit Fluor erreichbaren Koordinationszahlen sind meist höher als bei den übr. 'gen ilogenen. So existieren zu den Fluoriden SF6, XeF,. UF„ I F , , ReF, keine analo1 Halogenidemit CI, Br, I Einige Fluoride, wie BF,, AsF,, SbF„ PF,, sind xarke -Akzeptoren. Aus AIF,, SiF„ PF, entstehen dabei die mit SF, i ~ o e l e k t r ~ ~ i ~ ~ h en ien A I F ~SiF,' . -, PFC. Sie sind oktaedrisch gebaut und in Wasser stabil, w$hrend h und PF, hydrolysieren. Der Ioiieiiradius des F--Ions ist ähnlich dem des O H - I o n s Diese Ioiieii können h daher diadoch vertreten. z. B. in Silicaten und im Apatit. Der F l ~ o r g e h im ~l~ mtit der Zähne (bis 0.5%) schützt gcgcn Karies. Durch Fluoridicrung des Rink. ssers (1 ppm F p ) kann Resistenz gegen Karies erreicht werden. Dic Silbcrhalogenide und der photographische Prozeß werden beim Silber bcspro-
C1
+3 +5 +7 z
HClO HC10, HCIO, HCIO,
Br
I
HBrO
H10
-
HBrO, HBrO,
HIO, HIO„ H,IO„ H,I,O„
HOF siehe S. 420
Die Formeln, die Nomenklatur der Sauerstoffsäuren des Chlors und ihrer Salze, „wie die Bindungsverhältnisse sind in der Tabelle 4.10 angegeben.
--
Fluorierte Kohlenwasserstoffe.Aus chlorierten Kohlenwassers toffen können mit 7 Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW (Frigene. Kaltrone) hergestellt werden. e wichtigsten sind:
: sind farblos, meist ungiftig, unbrennbar, chemisch resistent und sie besitzen
,drige Siedepunkte. Sie finden Verwendung als Kühlmittel in Kälteanlagen. als sungsmittel und zur Verschäumung von Kunststoffen. Da die FCKW die Ozonlicht abbauen, ist ihr Ersatz notwendig (vgl. Abschn. 4.11).
Lewisformel der Anionen
1
I1
/
-0
O=CI-01 - 11
P
101
101
Ius CHCIF, erhält man durch HCI-Abspaltung Tetrafluorethen F \ ~ = /F ~ F/ 'F 1 daraus durch Polymerisation Polytetrafluorethen (PTFE)
i .
C-CF F
(Teflon, Hostaflon). das chemisch sehr widerstandsfähig und bei T m -
lturen von -200'C
bis +26OC'Cverwendbar ist.
7 Sauerstoffsäuren der Halogene Der räumliche Bau ist durch o-Bindungen bestimmt, die von sp3-Hybridorbitalcn gebildet werden. Den C-Bindungen überlagern sich schwache n-Bindungen. Mit der Mesomerie wird die Delokalisierung der n-Bindungen berücksichtigt. Das C10;-Ion ist perfekt tetraedrisch gebaut. Die Entstehung der Mehrzentren-n-Bindungen ist am Schluß des Abschnitts 2,.2.9 Molekülorbitale, Hyperkonjugation zu finden. Dort wird auch das Beispiel C104 behandelt.
412
4.4 Gruppe 1 1
4 Die Elemente der Hatiptgruppen
Mit zunehmender Zahl der n-Bindungen wächst die Anzahl mesoinerer Grenrstrut turen. die Anionen werden dsdiirch stabilisiert. die negative Ladung .in Ionen CI - und sauerISstoffreichere Anionen entstehen.
-
+5
cio;
+ 2ci-
doc1 ist eine schwache Säure und ein starkes Oxidationsmittel
(Desinfektion von \Nasser), Sie ist im wasserfreien Zustand nicht bekannt, beim Entwässern entsteht ihr C 1 2 0 In Lösungen ist CI,O irn Gleichgewicht mit HOC1
Cl,
pH = 0
+ 1-65 + l,63 + 1.21 Cl- -- CI, - HClO -- HCIO, - cio;
pH = 14
Cl- -- Cl,
+1,36
+ 1.36
HgCI,. Es entsteht 20%ige
so daß nebeneinander CI2. HOC1 und C120 vorliegen. Die Salze der Hypochlorigen Säure. die Hypochlorite, erhält man durch Einleiten von Chlor in kalte alkalische Lösungen.
Beispiel:
3Cio-
HgO--Suspension als unlösliches aber schon bei 0°C langsam zei
415
+ 0.32
---
+ 0.66
+ 0,?3
C 1 0 -- C l 0 2 - C103
+1,1Y - -
+0,3h
---
Cl(),
+ 2NaOH
-t
NaCl
+ NaOCl + H,O
Brom und Iod reagieren analog zu Hypobromiten bzw zu Hypoioditen. Technisch kann man die Darstellung von NaOCl an die Chloralkalielktrolyse (s. S. 366) anschließen, indem man das modisch entwickelte Chlor in die kathodisch gebildete Natronlauge einleitet. Chlorkalk erhält man aus Cl, und Ca(O14),.
C10;
Aus den Potentialdiagrammen können die Standardpotentiale für die verschiedenen Redoxsysteme ermittelt werden (vgl. S. 358). Beispiel: Redoxsystem CIO;/C12 bei pH = O
In saurer Lösung sind alle ChlorsauerstoKsäuren starke Oxidationsmittel. Ein besonders starkes Oxidationsvermögen besitzt HCIO. Mit wachsendem pH-Wert nimmt das Oxidationsvermögen stark ab. Die Potentiale zeigen auch, daß n. B. die Disproportionierung von CI, in CI - und CI0 nur in alkalischen Lösungen möglich ist ( v d dazu unten). In sauren Lösungen ist die Komproportionierung von HCIO und CIzu Cl2 energetisch begünstigt. Hypoch~origeSäure HOC1 entsteht in einer Disproportionierungsreaktion beim Einleiten von Cl, in Wasser.
Das Gleichgewicht der Reaktion liegt aber ganz auf der linken Seite (Chlorwasser). -. m e Verschiebung des Gleichgewichts nach rechts erreicht man durch Abfangen von
Mit Salzsäure entsteht aus Chlorkalk Chlor.
Hypochlorite sind schwächere Oxidationsmittel als HOCl, sie weiden als Bleich- und Desinfektionsmittel verwendet. Wäßrige Lösungen reagieren basisch, d a CIO- eine Anionenbase ist. Chlorige Säure HCIO, ist bedeutungslos. da sie sich schnell zerseiL
Beständiger sind ihre Salze, die Chlorite. Sie werden technisch durch Einleiten von C10, in NaOH-H202-Lösungenhergestellt.
Verwendet werden sie als Bleichmittel für Textilien, d a das beim Ansäurern freiwerdende C10, faserschonend bleicht. Chlorsäure HCIO, erhalt man aus ihren Salzen, den Chloraten.
Lösungen mit mehr als 4Ooh HCIO, zersetzen sich. HCIO, ist eine starke Säure (P& = - 2,7) und ein starkes Oxidaiiorismittel (Eclo3,ci-= f 1.45 V bei pH = 0). „Euchlorin" ist eine Mischung aus konz. IIC10, und konz. HCI, die sich wegen ihres starken Oxidationsvermögens besonders zur Auflösung organischer Stoffe eignet.
4 Die Elemente der Hauptgruppen
ilornte entstehen durch Dis p ro p ortionierung von Hypochloriten in erwhmten mgen.
-
+5
3 ?io CIO; + 2 Cirscheinlich wird dabei das Anion C I 0 durch die freie Säure HClO oxidiert, 2HC10
+ C10-
CIO,
-+
+ 2 HCI
:I, in NaOH zu C I 0 und C I disproportioniert, erhält man CIO; durch rinlei7on Cl, in heiße Laugen.
nisch elektrolysiert man heiRe NaCI-Lösungen ohne Trennung des Kathoden. Anodenraums. ilorate sind kräftige Oxidationsmittel. Gemische von Chloraten mit oxidicrba. iubstanzen (Phosphor, Schwefel. organische Substanzen) sind explosiv. KCQ zur Herstellung von Zündhölzern (vgl S. 461). Feuerwerkskörpern und Spreng:n verwendet. NaClO, ist Ausgangsprodukt zur Herstellung von CIO, und hlorat und wird als Herbizid verwendet. :rchlorsäureHCIO, ist die beständigste und die einzige in reiner Form herstellbailorsauerstoffsäure. HCIO, ist eine farblose Flüssigkeit, die bei 120 C siedet und - 101 'C erstarrt. Beim Erwärmen zersetzt sie sich, manchmal explosionsartig. xennbaren Substanzen erfolgt Explosion. In wäßriger Lösung ist HCIO, stabil, ;t eine der stärksten Säuren. Trotz des hohen Redoxpotentials (EPao,.„- 38 V) wirkt sie aus kinetischen Gründen weit weniger oxidierend als HCIO,. Von 3 , wird z.B. HCI zu CI, und S zu H 2 S 0 4oxidiert, nicht aber von HCIO,. 210, kann aus Perchloraten dargestellt werden. KCIO,
+ H 2 S 0 4 -, HCIO, + KHSO,
mtstandene Perchlorsäure wird im Vakuum abdestilliert. rchlorate werden technisch durch anodische Oxidation von Chloraten herp-
ilorate entstehen auch bei der thermischen Disproportionierung von Chloraten.
I
4.4 Gruppe 17
41 5
lodsäure HIO, kristallisiert in farblosen Kristallen. Sie ist ein starkes Oxidationsdttel, durch Entwässern erhält man aus ihr I,O,. HIO, kann durch Oxidation von Ir mit HNO„ Cl, oder H 2 0 2 hergestellt werden. I,
+ 6H,O + 5C1,
4
2HI0,
+ IOHCI
HCI rnuß aus dem Gleichgewicht entfernt werden, da es HIO, reduziert. Iodate enthalten das pyramidale Anion 10;. In den sauren Salzen MeIO, HIO, und MeIO, 2 H I 0 , sind Iodsäuremoleküle über Wasserstoffbrucken an die Iodatioocn gebunden. Die Iodate sind beständiger als die Chlorate und die Bromate. periodsäuren. Orthoperiodsäure H,lOI bildet farblose. hygroskopische Kristalle (Smp 128 "C). Sie ist die einzige in Wasser existenzfähige Iod(VI1)-säure; sie ist ein ,mrkes Oxidationsmittel und eine schwache mehrbasige Saure, die nur sehr wenig protolysiert. Es liegen folgende Protolysegleichgewichte vor:
Außerdcm finden Dehydratisierungen statt:
Bei Raumtemperatur herrscht in wäßriger Lösung das Ion 10; vor. In alkalischen Lösungen liegen die Ionen H,IO;, ~ ~ 1 0H ,2I O, ~ - , 10, und H21,0:ö nebeneinander vor. Aus diesen Lösungen können unterschiedliche Salze gewonnen werden: CsIO,, MeH,IO„ Me,H,IO,, Me,H,IO„ Me4HII,0„ (Me = Alkalimetalle. Erdalkalimetalle), Ag5106. Durch Erhitzen von H,IO, im Vakuum erhält man zunächst die Triperiodsäure H,I,O„ und daraus die Periodsäure (HIO,)., aus der bei weiterem Erhitzen unter H,O- und 0,-Abspaltung I,O, entsteht. In wäßriger Lösung entsteht aus H7130„ und HIO, wieder H510,. Die Strukturen der Periodsäuren sind in der Abb. 4.6 wiedergegeben.
loch stärkerem Erhitzen zersetzt sich KCIO,. KC10,
500 C ---t
KCI
+ 20,
'erchlorate sind die beständigsten Salze von Oxosäuren des Chlors. Schwerioiind die Perchlorate von K, Rb, Cs. NH,CIO, wird als Raketentreibstoff verweil-
Abbildung 4.6 Strukturen der Periodsäuren. In allen Periodsäuren sind die Iodatome oktaedrisch von 0-Atoinen koordiniert. HIO, ist daher polymer und nicht wie HCIO, monomer.
416
4.4 Gruppe 17
4 Die Elemente der Hauptgruppen
eile 4.1 1 Oxide der Halogene
4.4.8 Oxide d e r Halogene
Iod
Brom In den Oxiden von Chlor, Brom, Iod kommen die Halogene in positiven Oxidationszahlen vor. Gesichert ist die Existenz der in der Tabelle 4.11 angegebenen (jxide Mi/ ,411,s~1c,}lt,pvor1 I,O, .sitlt/ die. Hulogcv~o.vit/(~ L > I I ~ ~ I / I P ~ I H I( ' ; ( , I . ~ ~ I I ~ ~ ( I I R ( , I , , Erit.dr/77rn/ci/it.ri.sc~c~splo.sinn.sur~ig ic~t:$tllc~. Sie .sit~tl.sr11ir c d tioti,!fii'/~i,q ! , , I , / i,crik, ~ r j ~ u l ~ c i l i s t n iDie / / c Strukturen ~/, sind zum Teil noch ungeklärt. Technische ~ ~ d tung hat C10,. Dichloroxid C1,O ist ein gelbrotes Gas, das beim Erwärmen e x p l ~ s i o n s a r ti in~CI 2 und 0, zerfallt. Es entsteht durch Reaktion von Cl, niit HgO. 2C1,
+ 2Hg0
+
C1,O
~
~
Br,O braun, fest AH; z + 110 kJ/mol Zers. > - 40'C I 0* BrO*
CIO*, Dimere
orange, kristallin Zers. > - 40 C
+ H g 0 . HgCI,
BrO, gelb, kristallin A H;; = + 52 kJ/mol Zers. > -40°C
In analoger Reaktion entsteht B r 2 0 . C1,O ist das Anhydrid von HOCI, es bildet in Alkalilaugen Hypochlorit. C1,O und Br,O sind gewinkelte Moleküle mit schwachen Einfachbindungen.
Br02* Br204
Cl,o,
gelbe Flüssigkeit,
Chlordioxid C10, ist ein gelbes, sehr explosives Gas. Mit CO, verdünni, wird es als Oxidationsniittel zum Bleichen (Mehl, Cellulose) und als Desinfektionsinittel (Trinkwasser wird wirksamer und geruchsfreier desinfiziert als mit Chlor) verwendet. Es wird durch Reduktion von NaCIO, mit SO, oder Salzsäure hergestellt. 2NaC10,
417
+ SO, + H,SO,
+
2C10,
+ 2NaHS0,
Im Labor entsteht es aus KCIO, und konz. H,SO, durch Disproportionierung der Chlorsäure. KCIO, + H 2 S 0 , -+ HC10, 3 H C I O ~+ 2 ~ 1 0 , + HCIO,
+ 4,5
IO,*
gelb, fest
-Br
+5 $6
IZ04 gelb, fest Srnp. 130 C
@, farblos Zers. - 20 C Br03*
C1206
braunrote Flüssigkeit, A H; = + 145 kJ/mol
120s farblos, kristallin A H , = - 158 kJ/rnol 103* '4'12
hellgelb, fest
+ KHSO, + H,O
In alkalischen Lösungen disproportioniert C10,.
* kurzlebige monomere Radikale. ** Bei einigen Verbindungen ist es die 111it1 +2
C10, ist ein gewinkeltes Molekül, es enthält ein ungepaartes Elektron.
1 4
CI2O, ist ein Chlor(11)-chlor(1V)-oxid OCI-C102 +7 Ci,O, ist ein Chlorperchlorat C~-O-CIO, +5 +i CI,O, im festen Zustand ist ein Chlor(V.VI1)-oxid [C102]+ [C1041 il
A i
+
l
Br,O, ist ein Brombromat ~r-O-B~O, Wahrscheinlich ist das ungepaarte Elektron über das ganze Molekül delokalisl~i't~ Bei tiefen Temperaturen existieren iin festen Zustand Dimere mit konipensiert~ll Spinmomenten. b 0 , - D i m e r e entstehen bei elektrischen Entladungen aus Br,/O,-Geinischel1. Die +1
t7
Struktur ist die eines Broinperbromats. Br-O-BrO,.
+I
+5
Br,O, ist vermutlich ein Bromperbromat Br-O-BrO, 13
15
1204ist ein Iodosyliodat [IO]' [103] +3+5
140, ist ein Iod(II1)-iodat I( IO,), I in den Oxidaiionsstufen + 5 und 140„-Molel<üle
+ 7 sind zu Schichten ~r~~~~~~
418
4 Die Elernenle der- Hauptgr-uppen
Dichlorhexaoxid Cl,O,. Feitcs C1,0, (rot, Smp. 3 C) ist aus Ioncn i ~ l i ir . 1 111 +5 +7 unterschiedlichen Oxidationszahlen aufgebaut: [CIO,]' [CIO,]. Die S t r u k t u r , Gaszustiiiid ist nicht gesichert. Ga\förmiges CI,O, 7erset7i sich in CIO,. (1 iril * 20, und 0,. Dichlorheptaoxid <JI,O, ist das bcständigstc Chloroxid, es ist das Anhydrid der Perchlorsäure und entsteht durch deren Entwässerung.
Es ist eine farblose Flüssigkeit, die bei gewöhnlicher Temperatur langsam zerf$lt durch Schlag explodiert. Das Molekül C1,0, besitzt folgende Struktur:
,. .
1.
~ ~ d i kCaIl0 hat Chlor nicht die Oxidationsstufe + 2. sondern nur + I . wenn das bindende Elektronenpaar der CI-0-Einfachbindung den1 Sauerstoff zu-
- gilt wahrscheinlich für B r 0 und 10. Das Radikal CIO, ist verzerrt tetraedrich gebaut und besitzt drei kurze und eine lange CI-0-Bindung
ES entsteht
Diiodpentaoxid 1 2 0 5ist ein farbloses. kristallines Pulver, das erst oberhalb 300 C in die Elemente zerfällt. Die Kristalle sind aus 120,-Molekülen
-.
-
bei der Vakuiin~thermolysevon C120,
C1,0,
c1o4+ C10,
4.4.9 Sauerstofffluoride
aufgebaut, dic über koordinativc I-0-Wechselwirkungen dreidimensional verknüpft sind. 120jist das Anhydrid der Iodsäure und wird aus dieser durch Entwässern bei 250 'C hergestellt.
Da in den Saucrstoffverbindungen des Fluors nicht 0 , sondern F der elektronegativere Partner ist, sind diese Verbindungen als Sauerstofffluoride zu bezeichnen. Bekannt sind die Verbindungen OF,. O,F, und O,F,. Die Existenz von &F2, O,F, und O,F, ist nicht gesichert. SauerstoffdifluoridOFz entsteht beim Einleiten von F, in Natronlauge. 2F,
1 2 0 5reagiert mit H,O wieder zu HIO,. Bei 1 70T reagiert 1,05 mit CO quantitativ zu I, und CO„ so daß CO iodometrisch bestimmt werden kann. Das Radikal Cl0 tritt als Zwischenproduki heim Abbau der lebensnotwendi@en Ozonschicht in der Stratosphäre (vgl. A b r h n . 4.1 1 ) auf. Aus den in die Atmosphike abgegebenen FCKW entstehen durch Phoiolysr Cl-Atutne. Diese rergierrii mit Ozonmolekülen unter Bildung von C10.
+ 20K-
,2 F -
+ OF, + H 2 0
OF, ist ein giftiges Gas und ein starkes Oxidations- und Fluorierungsn~ittel.aber reaktionsträger als F,. Es zerfällt beim Erwärmen auf 200 c C in die Elemente. In alkalischer Lösung entsteht kein Hypofluorit, sondern F - und 0,.
OF, ist wie H,O ein gewinkeltes Molekül mit Einfachbindungen. DisauerstoffdifiuoridO,F, ist eine feste, gelbe Substanz (Sinp. - 163'C), die aus kann zu ClOOCl dimerisieren Das Isomere CICIO,. Chlorylchloiid i i ~ l i d ~ durch Matrixtechnik iwliert. Er hat einen pyraniidalen Bau, in der Gssphsse re]-Wzt es sich in C10, und Cl.
einein 0,-F2-Gemisch durch elektrische Entladungen bei 8 0 9 0 K entsteht. 0,F. zersetzt sich bereits oberhalb - 95 C in die Elemente und ist ein starkes Fluorier u n g ~ -und Oxidationsmitkl Die Struktur des Moleküls entspricht der ~ o i H i 20, (vgl Abb. 4.15). Der Bindungsgr.id 0-F ist viel kleiner als der einer Einfachbilldung, der von 0-0 liegt bei 2. dem entspricht die Mesomerie
420
4 Die Elcrncntc der IIauptgruppen
4.5 Gruppe 16
Hydmxylfluurid HOF (Hypofluorige Säure) ist ein nicht beständiges G a s fällt in H F und 0,. Mit Wasser erfolgt Reaktion nach
HOF
+ H,O
, HF
(Chalkogene)
ze, I
+ H,02
Im festen Zustand sind die Molekde durch Wasserstofirückeii unendlichen Ketten verknüpft.
421
1
„ ge\iinkelten,
4.5.1 Gruppeneigenschaften
----
Sauerstoff Schwefel 0
S
Selen Se
Pnloiiium Po
Tellur Te
F
2,s ;,*RL'Y---o~
In H O F hat F die Oxidatioiiszahl - 1, in der formal analogen H ~ p ~ c h l osdure ri~~~~ HOC1 (vgl. S. 412) hat C1 die Oxidationszahl + 1.
, P'# 1
%
s.
~
,~jchtmetallcliarakter Nichtmetalle Affinitätzu elektro- -+ nimmt a b p j t i v c n Elementen Affinitätzu elektro- + nimmt zu negativen Elementen
2.0
1.8
Metall
Halbmetalle
-
4.4.10 Pseudohalogene Einige anorganische Aton~gruppenähneln den Halogenen. Beispiele: A tomgruppe Ionen
CN CNCyanid
SCN SCNThiocyanat (Rhodanid)
OCN OCN Cyanal
N3 N; Azid
Analogien: Die Pseudohalogene Dicyan (CN), und Llithiocyan (Dirhodan) (SCN), sind fliichtig. X Pseudohalogene bilden Wasserstoffverbindung~die allerdings schwächer sauer ind als die Hydrogenhalogenide. Am bekanntesten ist das stark giftige Hydrogencymid (Blausäure) HCN (vpl. S. 526). Sie bilden Verbindungen mit Halogenen (z. B. lromcyan BrCN) und untereinander (r. B Cyanaiid CNN,). In alkalischer Lösung 'folgt Disproportionierung: (CN), + 2 O H -+ C N + O C N + H,O. ~ s e u h "logenidionen bilden schwerlönlichc Silber-, Quecksilber(1)- uiid Blei(l1)-Salze Es ristieren PseudohalogenokomP1exe wie [ A ~ ( C N ) J , [ ~ g ( N , ) , l ' und Hg(SCN),I2 - .
Die Chalkogene (Erzbildncr) unterscheiden sich in ihren Eigenschaften stärker als die Halogene. Sauerstoff und Schwefcl sind typische Nichtmetalle, Selen und Tellur besitzen bereits Modifikationen mit Halbleitcrcigenschaften, deswegen werden sie zu den Halbmetallen gerechnet. In ihren chemischen Eigenschaften verhalten sie sich aber überwiegend wie Kichtmetalle. Polonium ist ein radioaktivcs Metall. Das stabilste Isotop ,09po hat eine Halbwertszeit von 105 Jahren. Sauerstoff hat als Element der ersten Achterperiode eine Sonderstellung. Er ist wesentlich elektronegativer als die anderen Elemente der Gruppe, nach Fluor ist er Element. Er tritt daher hauptsächlich in den Oxidationszahlen das elektr~ne~ativstc - 2 und - 1 auf, nur in Sauerstofffluoriden besitzt er positive Oxidationszahlen. Schwefel hat eine ausgeprägie Fähigkeit, Ketten und Ringe zu bilden, daher ist es das Element mit vielen Modifikationen. Die Chalkogene stehen zwei Gruppen vor den Edelgasen. Durch Aufnahme von zwei Elektronen entstehen Ionen mit Edelgaskonfiguration. Die meisten Metalloxide sind ionisch aufgebaut. Wegen der wesentlich geringeren Elektronegalivität von Schwefel sind nur noch die Sulfide der elektropositivsten Elemente lonenverbindungen. Auf Grund ihrer Elektronenkonfiguration können alle Chalkogenatorne zwei kovalente Bindungen ausbilden. Sic erreichen dabei Edelgaskonfiguration. Bei Schwefel. Selen und Tellur sind in ihrcn Verbindungen vor allern die Osidationszahlen + 4 und + 6 von Bedeutung. Die Beständigkeit der Oxidationszahl 6 nimmt mit steigender Ordnungszahl ab, die oxidierende Wirkung also zu. H2Se04 1st ein stärkeres Oxidütionsinittel als H,SO,. SO, ein stärkeres Reduktionsmittel als S**. _ _ _ -
+
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
4 Die Elemente der Hauptgruppen
422
7 . -
Der saure Charakter der Oxide nimmt von SO, zu TeO, und von SO, zu ~ ~ab 0 , Schwefelsäure ist eine starke, Tellursäure eine schwache Säure. SO, ist ein siiureanhydrid, TeO, hat amphoteren Charakter.
..
-
Q=Q
bcsc,reibt aber das Molekül unzureichend, da Sauerstoff
paramagnetisch ist und ungepaarte Elektronen besitzt. Mit der MO-Theorie ist sowohl die Bindungsurig als auch der Paramagnetismus zu verstehen (vgl A b b 2.65). Das 0 , - M o k k i i l i,si iiiwili
@
4.5.2 Vorkommen ~ < i r ~ ~ ~ r , s t ~( h~if,lh
0, -+ 2 0
A H" = 498 kJ/mol
Umsetzung mit Sauerstoff (O."'i
Verbindungen des Schwefels. vor allem die S < / i i ~ i ~ i t i ~ ~ ~ i h/ ,/s,isi i~~/, Yfi i, ,~; ! / ,,~ ~Re.,
-.
~ ~ stärker c hwird die Verbrennung durch flüssigen Sauerstoff gefördert Ein glimrnender Span verbrennt in flüssigem Sauerstoff - trotz der tiefen Temperatur von --- 183°C - heftig mit heller Flamme. -
,
~ ~ ~g r o j { ~~ c , ~ ~~(Weltproduktion / I ~ ~ ; ~i ~ ( ~ / ~~ ca. 10' ~ t) < i lf~ ~ . i h , /~i i i k i i o t i r~< . i ~ r iD(,i <; i ' siillo,ion i.pl~iirsigtL~i. Lu/i ~ i i i < /~i -c i : / i i / i i ~/ic~i~,~<~\t<~iit i) (Abb. 4.7 und 4.8).
4.5.3 Die Elemente Sauerstoff --
Farbe Schmelzpiinkt in ' C Siedepunkt in C Dissoziationsenergie D„, (Xz(g) 2 x 1 in kJ,mol
~
hellblau 2 1 9
-
183
498
Schwefel
Selen
Tellur
komprimierte Luft
--
gelb
rot,yrau
120* 445 475
220** 68 5
333
bra~in
C
450 1 390 3 8
-
+
* monokliner Schwefel ** graues Selen
P -
4.5.3.1 Sauerstoff Disauerstoff 0,
Unter Normalbedingungen ist elementarer Sauerstoff ein farbloses, geruch- und CeGas, das aus 0,-Molekülen besteht. Verflüssigt oder in dickeren Schichten sieht Sauerstoffhellblau aus. In Wasser ist 0, etwas besser löslich (0,049 1 in I I Wasser bei O ' t und I bar) als N,, Im sind die Sii~erstoffatom~ durch eine o - ~ i n d u n gund eine n - ~ i n dung aneinander gebunden. Die Bindungrlänge beträgt 121 ~i~ ~ ~ ~ i
~
-
Abbildung4.7 Schema der Luftverflüssigung nach Linde. vorgekühlt A~~~~~~~~~I.uft wird im Verdichterauf ca. 200 bar komprimiert. d ann im der ~rosie,venti~s wieder entspannt und dabei abgekühlt "litdieser und ~~f~ wird im C e n e n s t r o m - ~ ~ r n l e a u S t a u S ~die h ~nachkommende r verdichtete Luft vorgekuhlt' ~i~ T~~~~~~~~~~ sinkt immer *ehr, bis schließlich bei der Entspannung flüssige Luft entsteht' ~ Bei ~Druckerniedrigung ~ , ~ um ~ 1 bar ~ sinkt l die Temperatur um etwa 114'C'
~
~
Beispiel: Umsetzung von H,O, mit C10
426
4.5 Gruppe 16
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Die freiwerdende Energie bei der Umwandlung von '0, in '0, wird als Lichtenergie abgegeben. Man beobachtet ein rotes Leuchten. AUSzwei '0,-Molekülen entstehen durch Elektronenaustausch ohne Spinumkehr zwei 3 0 2 - ~ ~ l e k ü l e .
Dabei wird ein Lichtquant mit der Wellenlänge 2 = 633 nm (orangerot) abgestrahlt (vgl. Abb. 4.9). Ozon O, Sauerstoff kommt in einer zweiten Modifikation, dem Ozon 0, vor. Ozon ist ein charakteristisch riechendes, blaßblaues Gas. das sich bei - 11 1 C verflüssigen und bei - 193°C in den festen Zustand übergeht. Die kondensierten Phaseri sind schwarzblau und diamagnetisch.
linearkombination der ; p Orbitale
.
Mit dem MO-Modell erhält man den Bindungsgrad 1,5 (Abb. 4.10). Ozon ist eitre c~ntlothr~rnlc VL'rhin(1~11g.
I
i
Reines Ozon, besonders in kondensiertem Zustand, isr c.vpk)sil~.In verdünntem Zustand erfolgt bei Normaltemperatur nur allmählicher Zerfall, der sich beim Erwärmen und in Gegenwart von Katalysatoren (MnO,, PbO,) beschleunigt. 0, U! ein sturkt~sO.virlrrrion,s~~ift~~l. PbS wird zu PbSO, oxidiert, S zu SO,. Das Standardpotential zeigt, daß das Oxidationsvermögen von 0, fast das des atomaren Sauerstoffs erreicht und nur von wenigen Stoffen übertroffen wird (F„ H,XeO„ KrF,).
in Wasser löslich als andere Reizgase, z. B. HCI. NH„ CI, und S O , Es wird daher nicht wie diese bereits im vorderen Teil der Atemwege absorbiert. sondern dringt
Auch angeregte 0,-Moleküle reagieren zu
~~oN-7
0;
+ 0,
+
0 3 .
o3+ 0
Da Ozon durch die schnelle Folgereaktion
0,
-
3eim Einleiten von 0, in eine KI-Lösung entsteht I,,
O3
+2
1
+ H20
I,
+ 0, + 2 0 H -
Iurch Titration des Iods kann 0, quantitativ bestimmt werden. In größeren Konzentrationen ist 0, giftig, Mikroorganismen werden lnd 0, wird daher zur Entkeimung von Trinkwasser verwelldet 0, ist schlechtl-"
+0
+
20,
A Hr = - 392 kJ/mol
abgebaut wird, erh2ilt man nur 0,-volumenanteile Von 10 X . Durch f r a k tio n ie r e n d e Kondensation kann man aber aus den 0,-O,-Gemischen reines 0 3 darstellen. Oronhaltig ist elektrolytisch entwickelter Sauerstoff, da an der Anode prinlar wird. Eine Spaltung des Siiuersloffmoleküls in Saueratomarer Sauerstoff Stoffatome erfolgt auch durch Lichtquanten mit Weilenlangen < 24O nm (kiirzwe'liges U V ) In der ulnFbung von ,,Höhensonnen riecht es daher nach LG
Durch Einwirkung von UV-Strahlung auf Sauerstoff in den oberen Schichtei, der s P ~ ä ~entsteht -e in Spuren Ozon mit einer inaximalen Konzentration ,1013 Atmo ,reilcliCn~~mi) in c a 25 km Höhe (Stratosphrre 10 5 0 km). Ozon hat cin hollej ~ h .onsvermögen für die UV-Strahlung der Sonne und die O i o i i i c h i < I i i ist
I
Druck -,1.100 bar
,„,
,,
2 .lW5 bor 5
kationen. Chemisches Verhalten ~odifi
bar
L
I
96°C
/
I
I
I5L0C 111°C (na'ürlicher Schmelzpunkt) Temperatur
-
.L\bbildung 4.12 Phasendiagramm des Schwefels (nicht malistahsgerecht). Bei Normalbedingungen thermodynamisch stabil ist rhombischer WS. Er wandelt sich bei 95,6"C reversibel in monoklinen {I-S um. Beide Modifikationen sind aus S,-Ringen aufgebaut. Rciner ß-S schmilzt bei 119°C. Das thermodynamische Gleichgewicht liegt aber bei 114'C (natürlicher Schmelzpunkt), da die Schmelze außer S, auch andere Schwefelmoleküleenthält, die den Schmelzpunkt erniedrigen.
,undep sind. Thermodynamisch stabil bei Normalbedingungen ist der rhombisclie l-Schlcfcl mit 16 Molekülen S, in der Elementarzelle. Die Kristalle dieses natürlich orkoll~mendenSchwefels sind hellgelb, spröde, unlöslich in Wasser. aber sehr gut jslich in C%. Bei 95,6"C erfolgt reversible Umwandlung in den monoklinen -schaefel der ebenfalls aus S,-Molekülen besteht. Bei Raumtemperatur wandelt er langsam in rhombischen Schwefel um. Der Dampfdruck ist bei 100"C bereits so och, daß ~chwefelsublimiert werden kann. P-Schwefel schmilzt bei 119.6"C. Die chnielze besteht zunächst aus S,-Ringen (i-Schwefel). und bei sofortiger Abküh„g sie wieder bei 119,6'C. ?lach längerem Stehen erstarrt die Schmelze bei 14.5 Schmelzpunkt) (Abb. 4.12). Die Schmelzpunktserniedrigung ist ,f die Bildung von etwa 5 an Fremdmolekülen in dcr Schmclzc zurückzuführen ,X yo $ 7 1 0,5% S& 1.5 % > S,). In der Nähe des Schmelzpunktes ist der Schwefel ;1lgelb und dünnflüssig. Mit steigender Temperatur wächst der Anteil an niedermokularen Schwefelringen S,, (X-Schwefel:ii = 6 - 26, hauptsächlich 6,7,9,12) sowie -
-
-
- . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
h~chmolekularenSchwefelketten S, (p-Schwefel; X = 10j-106). Bei 159'C nimmt die Viskosität sprunghaft zu, die Schmelze wird dunkelrot, das Gleichgewicht verschiebt sich drastisch in Richtung p-Schwefel. Durch Abschrecken dieser Schmelze erhält man plastischen Schwefel, der hochmolekulare Schwefelketten enthält. Er ist instabil und wandelt sich nach kurzer Zeit in kristallinen Schwefel um. Bei 187 'C erreicht die Viskosität ein Maximum, bei höheren Temperaturen nimmt dic Molekülgröße itifolge thermischer Crackung ab und beim Siedepunkt (444,6"C) ist die Schnielze dunkel-rotbraun und wieder dünnflüssig. In der Gasphase existiert ein temperaturabhängiges Gleichgewicht von Molekülen Sn mit n = 1-8. S-Atome überwiegen erst bei 2200°C (Tabelle 4.12). S„ S„ S„ S, sind ringförmig gebaut. S, ist keltenförmig und von roter Farbc. S, ist blau und wie 0, gewinkelt gebaut. S2 ist blauviolett, paramagnetisch und enthält eine Doppelbindung (die Elektronenkonfiguration ist analog der von 0,). Die Reaktion
ist exotherm, während die Berechnung für die analoge hypothetische Reaktion von 0,-Molekülen zu einem 0,-Molekül eine Reaktionsenthalpie A H' = 888 kJ/mol ergibt.
+
430
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Tabelle 4.12 Zustandsformen des Schwefels rhombischer Schwefel gelb
Beispiele:
--
---
1 kristalliner Schwefel
monokliner Schwefel gelb Schmelzpunkt des monoklinen Schwefels
Gegen Wasser und nichtoxidierende Säuren wie HCI ist S, inert, von oxidierenden Säuren und Alkalien wird er angegriffen. S ~ ~ ~ ~ / W ~ I , S .\1c,/1 ~ . / I. Y i ~ / i ~ \ ~ ~ ~ / ~ ~ / ~ i i o (1 1/ 1i1 // i ~/ I~t ~ i~Ri ~~i oI ~I ~i cI~~~ji/~,/! ~~ o I .Y,! L ~,>? / ,j , = 6 , 7 , 9 , 10. 11, 17, 13, /F, I S . 20 I i o i ~ . s ~ c ~(Abb.4.13). l/c~ Nach thermischer Stabilität und Reaktionsfähigkeit können 4 Gruppen unterschieden werden. /(/,\,\LI~I
,
S,-Ringe, gelb, leichtflüssig
flüssiger Schwefel temperaturabhängige Gleichgewichte zwischen L-,x- und V-Schwefel abgeschreckt: plastischer Schwefel
niedermolekulare Ringe n = 6 bis 26 &-Ketten (X = 10' - 106) zähflüssig, dunkelbraun Siedepunkt ri = 1 bis 8 dunkelrot braun
S, S„S„S,o S,S9S„S„S„S„ Thermische Stabilität + Reaktionsfähigkeit +
S6 gasförmiger Schwefel temperaturabhängige Gleichgewichte oberhalb 2200 "C überwiegen S-Atome
~~t~loo~riis~S ~ ,/ i i.ii i ~ ~bc~i ~ :N / >o ul i ~ u l i e ~ r i p t ~ r u rzichi t u ~ ' S C - b il t i s / i I ; Bei
Raumtcmpcratur rcagicrt Schwcfcl nur mit Fluor und Quccksilbcr. Bci crhöktcr Temperatur verbindet er sich direkt mit vielen Metallen und Nichtnietallen (nicht niit Au, Pt, Ir, Nb Te, I, Edelgasen).
S7
z. B. bei der Zersetzung von Thiosulfatcn mit Säuren. Na2Sz0,
+ 2HC1 --, $S, + SO, + 2NaCI + H,O
Zur Synthese von Schwefslniodifikationen mit Polysulfanen siehe S. 433.
Darstellung. Verwendung Der kleinere Teil der Weltproduktion (35. 10" t) entstammt Lagerstritten aus Elementarschwefel. Mit heißem Wasserdampf wird der Schwefel unter Tage geschrnolzen und mit Druckluft an die Erdoberfläche gedrückt ( F I Y I . v ~l ,i/ .I -t : / i t / ~ Der ~ ~ ) .geförderte Schwefel ist bereits sehr rein (99,5-99,9 %). Die Hauptmenge des Schwefels wird aus H$-haltigen Gasen (Erdgas, Rafiinericgas, Kokcreigas) nach dem Cl(rir.i-Pro~cJ~ hergestellt. Zuerst wird in einer Brennkammer ein Teil dcs H,S zu SO, und Wasserdampf verbrannt. H,S
+ :O,
SO,
-4
+ H,O
AH'
= - 518
kJ/mol
Die Sauerstoffzufuhr muß so geregelt wcrdcn, daß sich ein Verhältnis H,SISO, = 2 einstellt. Dieses Gemisch reagiert in hintereinander geschalteten Reaktoren katalytisch ZU Schwefel. 2H,S
s' Sl0
s11
Abbildung 4.13 Strukturen einiger Schwefelmolekü~e.
+ SO,
-
300 300 C
3s
+ 2H,O
Diese Reaktion findet auch in der Brennkammer statt, so daß dort bereits 60% des H,S in Schwefel umgewandelt werden. Schwefel wird in großen Mengen zur Herstellung von Schwefelsäure gebraucht (85 '10der Produktion von S wird zu H,SO, verarbeitet). Außerdem ist er wichtig zum Vulkanisieren von Kautschuk, 7ur Herstellung von CS„ Zündhölzern, Feuerwerkskörpcrn, Schicßpulver und Farbstoffen (Zinnober, Ultramarin).
4.5.3.3 Selen, Tellur, Polonium Se und Te sind in Spuren in sulfidischen Erzen enthalten. Beim Rösten der Sulfide (vg~.S. 443) werden SeO, und Te02 im Flugstaub angereichert. Hauptausgangsmaterial für die Se- und Te-Gewinnung ist der bei der elektrolytischen Kupferrafination
s.729) anfallende Anodenschlamm in dem die Verbindungen CuiSe, Ag,%, se, c u , ~ e Ag2Te , und Au2Te enthalten sind. ausSelenitlösungen kann mit SO, rotes amorphes Selen ausgef%llt werden.
(V&).
Au2
'-L
>
~
polonjum ist bereits ein Metall. Es kristallisiert i n einem kubischen Gitter mit exakt Koordinatio~i. ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ i"1iw~ ~ f fi~»rireitionii<~r < ~ ~ < >riuhik~ t ? ~( p<- p~i - ~ B i i u b W ~ <~ushii,Ll,.~,ii~.,s <./(.li. c&hurfe/utld Sc~iitili , <~ Ketirn 1 iinii siiiii itrl < ~ L ~ ~ u ~ :uni .su!z Gr lJ Ti'f/ur siiid Ifii/l>/(~i/~,i Graues Se]eIi ist ein ~ ~ l b l ~dessen i t ~ ~ , bi[dPii &lhrr r i ? ~ ( / i ~ ~ i ~ i ,b'o/
für
4.5.4 Sauerstoffverbindungen Sauerstoß bildet mit allen Elementen Verbindungen, auDer mit He, Ne, Ar und Kr. Die weitaus wichtigsten und häufigsten Verbindungen sind die Oxide mit der Oxidationszahl - 2 des Sauerstoffs. Die Bindung variiert von überwiegend ionisch bis vor-
0
$
-
$0, 0 2e- -+ 0'-
A H' = 249 kJ/mol A H ^ hr 640 kJ/inol
1st die Gittrrenrrgie (vgl Abschn. 2.1 4 ) ausreichend groß, werden stabile ionische Metalloxide gebildet.
34
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Nur F ist elektronegativer als 0 , daher besitzt Sauerstoff in Fluoriden positive )xidations~ahlen.Die Sauerstofffluoride wurden bereits im Abschn. 4.4.9 behandelt :inige Fluoride besitzen eine so große Elektronenafinität, daß sie mit 0, das Kation 1: bilden können, in dem Sauerstoff die Oxidationszahl ++besitzt. Die wichtigsten Oxide außer H 2 0 werden bei den entsprechenden Elementen (Strukturen siehe Abschn. 2.1.3). An dieser Stelle werden neben H,<) die ,auerstoffverbindungen mit den Oxidationszahlen 1, - i ,- und + besprochen -
y~~~serstoffperoxid H,O,
ist eine sirupöse, fast farblose, in dicker Schicht bläuliche Flüssigkeit (Sdp 150°C, Smp. -0.4 C). In den Handel kommt eine 30°/oige Lösung (Perhydrol). H 2 O 2hat die Strukturformel
H202
-
-
H-D-&H
:
,her es liegt eine verdrillte Kette von 4Atomen vor (Abb. 4.1 5). I>;<>0-0-Biiichriig
ixr i,st (i(r/lclrc~iiwiiicJ/[i,s/eventuell auch explosionsartig -
schwach. die Bindungsenergie ist klein (vgl. Tabelle 2.14). 11,0, <,O ist die bei weitem wichtigste Wasserstoffverbindung. Das H,O-Molekül ist gevinkelt, die Bindungen lassen sich am besten mit einem sp 3-Hybrid am 0 - ~ jeschreiben (vgl. Abb. 2.35).
Iie Bindungen sind stark polar (vgl. Abschn. 2.2.8), o.c tretcw z~r~ischerr clcw [ I , ( ) Molekiilen Wrr.ssc~r.st(?flhiri(lungc.~~ m i f : Wasser hat daher, verglichen mit den anderen 3ydriden der Gruppe, einen anomal hohen Schmelzpunkt (0 "C) und Siedepunkt 100"C) (vgl. Abb. 2.1 16). H,S z. B. ist unter Normalbedingungen gasförmig. Von H,O sind 7 kristalline Phasen bekannt. Bei Normaldruck existiert nur die Modifikation Eis I. Sie ist isotyp mit ß-Tridymit (Abb. 2.119). Jedes Wassermolekül st tetraedrisch von 4 anderen umgeben. Jedes Sauerstoffatom ist an zwei Wasserstoffitome durch kovalente Bindungen und an zwei weitere durch Wasserstoffbindungen :ebunden. Die Wasserstoffbrücken sind die Ursache dafür, daß die Struktur sehr ocker ist. Die Dichte bei 0 ° C beträgt 0,92 g/cm 3. Beim Schmelzen bricht die Gitterxdnung zusammen, die Moleküle können sich dichter zusammenlagern und Wasser lat daher eine höhere Dichte als Eis. Das Dichtemaximum von Wasser liegt bei 4 C, :s beträgt 1,0000 g/cm 3. Diese Anomdic~&s U/cl.s.crr.c ist in der Natur von grolkr 3edeutung. Da Eis auf Wasser schwimmt, frieren die Gewässer nicht vollständig zu. lies ermöglicht das Weiterleben von Fauna und Flora. Beim Gefrieren dehnt sich Nasser um 9 % aus, die dadurch auftretende Sprengwirkung gefrierenden Wassers in iissen und Spalten von Gesteinen fördert ihre Verwitterung. Für die Gleitfähigkeit Eises (Gletscherbewegung, Eislaufen) ist wichtig, daß Eis unter Druck bei Tempe'aturen unterhalb 0 ° C schmilzt (vgl. Zustandsdiagramm Abb. 3.6). 3 Das Wrl.c.s<~ri~olrt~i~c~~~ (/(Y Ei.& beträgt 1,4 . 109 km , dies entspricht einem ~~~~~~1 nit 1100 km Seitenlänge. Davon sind 2,6% Süßwasser (einschließlich der E i s w Lammen). nur 0.3% ist als Trinkwasser verfügbar. Die Gefährdung der Gewiis5cr lurch Eutrophierung wird in1 Abschn. 4.11 behandelt. Wasser isr eine schr hrstiindigr~I+rhinehrng. Bei 2000 "C sind nur 2 1 ' 0~ a s s e r m o l c d e thermisch in H,- und 0,-Moleküle gespalten. Die Autoprotolyse und das Lö,ungsvermögen von H,O sowie die Protolysegleichgewichte in H,O wurden bereiis n Abschn. 3.7 behandelt.
&i[e Vtrhiuchri,. die sich bei höherer Temperatur zersetzt.
t
~
~
H 2 0 2 +-
H20
+ 40,
A H'
-
= - 98
kJ/mol
Abbildung 4.1 5 Struktur des H,O,-Moleküls. Die vier Atome des Moleküls bilden eine verdrillte Kette. Durch die Verdrillung wird die Abstoßung der freien Elektronenpaare der Sauerstoffatome verringert. Die noch vorhandene Abstoßung ist die Ursache für die geringe Bindungsenergie der 0-0-Bindung.
Die Zersetzung wird durch Spuren von Schwermetallionen wie Fe3+,CU'+, sowie Pt und alkalisch reagierende Stoffe katalysiert. Stabilisierend wirkt Phosphorsäure. H 2 0 2ist cijw s e / ~ rsc~hii~ucIrc~ Siiirrcl ( K , = 10- 1 2 ) . Gcgcpiiühur ilic.lc,n I'c.rhitlilriil,~cri wirkt H202sowohl in saurer als auch in alkalischer Lösung o.~itlic~rcwl.
-I
H,02
+ 2H20
Dies ist gegeniiber MnO;,
0
0,
+ 2 H 3 0 f + 2e-
E ' = +0,68 V
CI,. Ce(IV), PbO, und 0, der Fall. Die Reaktion
wird zur titrinletrischen Bestimmung von H 2 0 , benutzt.
436
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.5 Gruppe 16
H,O, bildet ein tiefblaues Chromperoxid CrO, (vgl. S. 789) und ein gelbes Peroxotitanylion [ T ~ O , ] ~ ' (vgl. S. 771), die zum H,O,-Nachweis geeignet sind. H , O ~wird in großen Mengen technisch nach verschiedenen Verfahren produziert Durch elektrolytische Oxidation von H,sO,-SO:--LÖsungen entsteht Peruxodisulfat, das durch Hydrolyse zu H,O, umgesetzt wird.
Na202
+ CO,
-. N a 2 C 0 3
437
+ $0,
In der Raumfahrt wird das leichtere L i 2 0 2 verwendet. Durch Oxidation von BaO ,
--
man BaO, (vgl. S. 605). Ba0
+ $0,
500 -600 C l bar
Ba02
A H ' = -71 kJ/mol
gei höherer Temperatur wird 0, wieder abgegeben, bei 800 C betriigt der O2-Drllck 1 bar. BaO, dient als Sauerstoffübertriiger bei der Entzündung von Thermitlemisehen (vgl. S. 557). Heute wird H,O, ganz überwiegend nach dem Atithruc11inot1-K1rfi~llrc~tr hergestellt. Anthrachinon wird zu Anthrahydrochinon hydriert. Durch Oxidation mit ~ u f t Sauerstoff entsteht H 2 0 2 und Anthrachinon, das wieder hydriert werden kann. OH
0
(R = C2H,) H,O, entsteht also letztlich aus H, und 0 , . Wegen seiner Oxidationswirkung dient H,O, als Desinfektionsrnittel und als Bleichmittel. Perborat NaBO,(OH), . 3 H,O (vgl. S. 577) ist Bestandteil von Waschmitteln.
Hyperoxide
K, Rb, Cs verbrennen in 0, zu Iic.rhint/utlgc~trtk8.v -./).Y
M e 0 2 , die c l ~ sIon 0; p t l f / l t I / ren. Dip O.uit/utioti.szu/d t1c.s Srrircr.stc?ffsist Sie kristallisieren wie CaC, in einer tetragonal verzerrten NaC1-Struktur (Abb. 4.56). Außerdem sind LiO,, NaO„ Sr(O,), bekannt. Ihre Darstellung ist komplizierter. Die Hyperoxide sind paramagnetisch. Sie sind starke Oxidationsmittel und reagieren heftig mit Wasser unter Disproportionierung.
-4.
Dioxygenylverbindungen
Sie ~v~thulten t / ~ Kurioli s Of tliit Peroxide Peroxide enthdtc~nSuuerstof ~ n i (1cv f Ouidutionszah/ I. Ionische Peroxide sind formal Salze der schwachen zweibasigen Säure H 2 0 2 . Sir enthulrc~trdu.5 Arllotr (1: . das eine starke Anionenbase ist. Löst man Peroxide unter Kühlung in Wasser, erhält man eine alkalische Lösung von H,O,. --
+ i. Das 0;-Kation
t / c O.\-it/orio1l.\rc1/1/ ~
ist paramagnetisch. Die Entfernung eines Elektrons aus einem der n*-Orbitale erfordert eine hohe Ionisierungsenergie.
p
Der Reaktionspartner muß daher eine große Elektronenafinität haben. Beispiel:
Ohne Kühlung zersetzt sich wegen der Temperaturerhöhung und der katalytischen Wirkung der OH -Ionen das gebildete H,O, unter 0,-Entwicklung.
Beim Erhitzen zersetzen sich die Peroxide in das Oxid und 0 , . Bekannt sind die Peroxide der Alkalimetalle, sowie die von Ca, Sr, Ba. Wichtig sind Na,O, und BaO,. Na,O, entsteht beim Verbrennen von Na an der Luft.
0, + PtF6 +6
25°C
+5
O:[PtF6]-
Außerdem sind bekannt: 0 2 B F 4 , 0 2 P F 6 , 0 2 A s F 6 , 0 2 S b F „ O,AuF„ O,RuF,. Einen Vergleich der Bindungseigenschaften der Teilchen o:, 0 2 , O y , 0: - zeigt Tabelle 4.13. Die 0- 0-Bindung wird in der Reihe vom 0: zum 0:- geschwächt. Dies ist nach den MO-Energieniveaudiagrammen (Abb. 4.16) auch ZU erwarten.
Ozonide Es ist bis 500°C thermisch stabil, mit oxidierbaren Stoffen (Schwefel, ~ o h l e n s t o ~ Aluminiumpulver) reagiert es explosiv. Es dient zum Bleichen von Papier und Textilrohstoffen. Mit CO, entwickeln alle Alkalimetallperoxide Sauerstoff.
3KOH
+ 203
-
2K03
+ KOH . H 2 0 + 30,
438
4.5 Gruppe 16
4 Die Elemente der Hauptgruppen
439
H$. H&. fizS und H,Se können aus den Elementen dargestellt werden. 600 C
H z + S --4 H2S
AH
= - 20
kJ/mol
f i z ~ ist e eine stark endotherme Verbindung und wird durch Zersetzung ionischer Te]juride hergestellt, z. B. nach AI,Te,
+ 6HC1
-4
3 H2Te + 2AIC1,
In analoger Reaktion entstehen aus A12S3und Al,Se, H2Sund H2Se. Im Labor stellt man H2S aus Fes her. FeS
Magnetismus
2.5 +1
In 1 1 Wasser lösen sich bei 20°C 2,6 1 H,S. H2S wirkt reduzierend, z. B. auf Cl2 und konz. H2S0,.
Bekannt ist auch das Ozonid N(CH,),O,. das stabiler ist als das stabilste Alkalimetallozonid CsO,. Nach der MO-Theorie ist der Bindungsgrad 1,25. da sich das ungepaarte Elektron in einem antibindenden n*-MO befindet (vgl. Abb. 4.10). Tabelle 4.1 3 Bindungseigenschaften der 0-0-Bindung für 0: Anzahl der Valenzelektronen
Bindungsgrad
11 12 13 14
2.5 2 1,5 1
, 0„ 0;. und 0:-
Bindungslänge in pm
Dissozia tim>energie D„, in kJ1mol
112 121 134 149
628 498 398 126
-0 2
0; 0:-
H2S + FeCl,
paramagnetisch
Abbildung 4.16 Energieniveaudiagran~mefür die Teilchen 02, 02.O;, 0:-
0;
+
H2Se und H,Te sind farblose, sehr giftige, unangenehm riechende Gase. H,S zerfallt bei hoher Temperatur in die Elemente. Bei 1000'C sind 25 % zerfallen. An der Luft verbrennt H2S mit blauer Flamme.
0; Bindungsordnung Oxidationszahl
+ 2HC1
H2Se und H,Te sind als endotherme Verbindungen wenig beständig. An der Luft erfolgt Oxidation zu H 2 0 und Se bzw. Te, ihre Darstellung muß daher unter Luftausschluß erfolgen. H2S, H2Se und H,Te sind schwache zweibasige Säuren.
H,S HS-
+ H,O + H,O+ + HS+ H,O $ H 3 0 t + S Z -
K ~ 1= . 0 . 1 0 - ~ Ks = 1 , 3 . 1 0 - ' "
Die Säurestärke nimmt - analog dem Gang bei den Hydrogenhalogeniden - in Richtung H,Te zu. Ursache ist die abnehmende Bindungsenergie. Die kleinen Säurekonstanten zeigen, daß s 2eine starke Anionenbase ist. Ionische Sulfide zersetzen sich daher in sauren Lösungen unter Entwicklung von H2S.
4.5.5 Wasserstoffverbindungen von Schwefel, Selen und Tellur Die Elemente S, Se, Te, Po bilden die flüchtigen Hydride Monosulfan (Schwefelwasserstoff) H2S, Monoselan (Selenwasserstof) H2Se, Monotellan (~ellurwasserstotf) H2Te und Poloniumhydrid H2Po. Vom Schwefel sind außerdem noch Polysulfane H2S, bekannt.
HzS bildet zwei Reihen von Salzen: Hydrogensulfide mit dem Anion HS- und Sulfide mit dem Anion S2-. Die Sulfide stark elektropositiver Metalle sind ionisch.
B
4 Die Elemente der Hauptgruppen
440
Beispiele: Na2& K2S, AI2S,
4.5 Gruppe 16
441
polysulfide und Polysulfane
Technisch erhält man Na2S durch Reduktion von Na2S0,.
schmilzt man Alkalimetallsulfide mit Schwefel bei 500c'Cunter Luftausschluß, so entstehen -Alkalimetallpolysulfide, die gewinkelte Schwefelketten enthalten: ig(-5-),,g2-. Gießt man Lösungen von Alkalimetallpolysulfiden unter Kühlu ng in Salzsäure, erhält man ein gelbes Rohöl, das aus den Polysulfanen H2Sn(n = 4 bis 8) besteht.
-
Die aus NH, und H,S im Stoffmengenverhältnis 2 : I hergestellte ,,farblose Ammeniumsuliidlö~ung"enthdlt keine S 2 - I o n e n . sondern HS--Ionen ( s Abschli 3.7.9) Na$, + 2HCI 4 2NaCl + H2Sn Von ~ b e r ~ a n g s m e t a l l esind n zahlreiche Sulfide bekannt. dir in Struktureil überwiegend kovalenten Bindungen kristallisieren: N a t r i u r n c h l o r i d - ~ t ~ ~ ~ k ~ ~ ~ Durch Crack-Destillation können auch H2S2und H,S, isoliert werden. Polysulfane (Abb. 2.2). Zinkblende-Struktur (Abb. 2.54). Wurtzit-Struktur (Abb. 2.55). ~ ~ ~ k ~ l - sind gelbe Flüssigkeiten. Sie sind schwache Säuren. Sie sind instabil in Bezug auf arsenid-Struktur (Abb. 2.56), Cadmiumiodid-Struktur (Abb. 2.58), Pyrit-Strriktur einen Zerfall in H2Sund S,, der schon durch Spuren von Hydroxiden ausgelöst wird. (Abb. 5.91). Bedeutung haben Polysulfane für Kondensationsreaktionenzur Synthese z. B. von Schwefelringen (vgi. S. 431). -
P
-
Struktur
Verbindung
Antifluorit Natriumchlorid Nickelarsenid Pyrit Zink blende Wurtzit Cadmiumiodid
Li,S, Na$, K,S MgS. CaS, BaS. MnS, PbS, L&, Ces, US, PuS Fes, CoS, NiS, VS. TiS. C r s Fes„ CoS„ NiS2. MnS,. OsS2, RuS, BeS. ZnS, CdS, H @ ZnS, CdS, MnS TiS,. ZrS„ SnS2. PtS„ TaS,
--
P -
Lösungen von Polysulfiden (z. B. Na2S, oder (NH,),Sn „gelbe Ammoniumsulfidlösung") zersetzen sich beim Ansäuern in H2S und S. Mit polaren Medien (z. B. Aceton) entstehen aus Alkalimetallpolysulfiden farbige Lösungen, die Polyschwefelanionen S n enthalten. --
ü i c , S c ~ l ~ ~ i ~ c ~( i1 ~ 1 ~hl ~ i ~~ ~ ~~~~ ~ ll /i s~i hi~I~ fI~i ~ li ci l~~1~ 7~ l 1: ~~ l i i ii i ~~ I N r i i i r i l i . l i c ~ . I i ~ (~ i i l ~ i i o :W 7 k 1 i l l l o y 1-011 l ! 4 c ~ t r / l l r ~ Bei ~ i . pH = 0 beträgt in einer gesättigten H2S-Lösung die Konzentration c ( S 2 ) = 10-21mol/l (vgl. S. 324). Schwerlösliche Sulfide fallen da;)C
her mit H2S schon aus saurer Lösung aus (Schwefelwasserstoffgruppe): As2S3 Sb2S3 SnS gelb orange braun
HgS PbS Bi2S, CuS CdS schwarz schwarz dunkelbraun schwarz gelb
Weniger schwerlösliche Sulfide fallen erst in ammoniakalischer Lösung aus, in der die S2--Konzentration wesentlich größer ist (Ammoniumsulfidgruppe): NiS CoS Fes MnS schwarz schwarz schwarz fleischfarben
ZnS weiß
Als Reagenz eignet sich Thioacetamid, das mit Wasser zu H2S reagiert. S H3c-C
Thioacetamid
+
H20
-t
H,C-C'
0 '\NH,
Acetamid
+
H2S
Si gelbgrün
s; blau
Si rot
Die blaue Farbe des Ultramarins (Lapislazuli) entsteht durch SY-Ionen, die sich in den Hohlräumen des Alumosilicatgitters befinden (vgl. S ,538).
4.5.6 Oxide des Schwefels Tabelle 4.14 Schwefeloxide
Polyschwefeli~~onooxide Heptaschwefeldioxid Dischwefelmonooxid Schwefelmonooxid Dischwefeldioxid Schwefeldioxid Schwefeltrioxid Schwefeltetraoxid Polyschwefelperoxid
4.5 Gruppe 16
>ie stabilsten und ökonomisch wichtigsten Oxide sind Schwefeldioxid S o 2 und khwefeltrioxid So,. Es gibt eine Reihe weiterer. zum Teil sehr instabiler Schwefelbxide. Eine Übersicht gibt Tabellc 4.3 4.
Viedere Schwefeloxide
443
~~hwefeldioxid SO,
SO, ist ein farbloses. stechend riechendes, korrodierendes Gas (Sdp. - 10JC). Es löst sich gut in Wasser. die Lijsei~gr ( l i ~ , q i r r t. s ( ~ h \ ~ ~ i si it iIi ~i i J i (vgl S 449) i i i i i / i i i i k t ,duricr~~»
Iie P~l~schwefelmonooxide S.0 und das Polyschwefeldioxid S,O, leiten sich sirul
Die beiden 0-Bindungen werden von sp 2-Hybridorbitalen dcs S-Atoms gebildet. Die n-Bindungen sind wie beim SO, Mehrzentren-n-Bindungen, auch die Bindungs&stände sind mit 143 pm fast gleich. Technisch ivird S O , durch V~rhrot~izcri i.ot~Sc,lricc,/c.l S irnd clurili
Iie kristallinen Substanzen sind dunkelgelb bis orange und zersetzen sich bei Raumemperatur langsam in Schwefel und SO,. Man kann sie durch Einwirkung von Xfluorperoxoessigsäure auf Schwefel Sn in CS, bei - 10 bis - 40°C herstellen.
)ischwefelrnunouxid S,O entsteht durch Überleiten von Thionylchloriddampf über .g2S.
+ O2
4
SO,
AN;
= - 297
kJ/moI
Erhirzetr sulfir1i.cchor Errc an der Luft (Abrösten)
hergestelli und zu Schwefelsäure weiterverarbeitet. Fossile Brennstoffe enthalten Schwefel. Bei ihrer Verbrennung entsteht SO2,das besonders in Ballungsraumen zu ~ , ~ ~ ~ ~ ~ e l i h t > l führt. a s t u nIn g ~der t ~ Bundesrepublik Deutschland betrug 1990 die SOl -Emission 5,2 . 1 0 9 , sie konnte durch Umweltschutzmaßnahmen und Änderungen der industriellen Struktur in den neuen Ländern bis 2002 auf O,55 . 106t reduziert werden (45% entstehen bei der Energieproduktion). Emissionsdaten und dic Schadstoffwirkungen von SO„ sowie Verfahren zur Rauchgasentschwefelung enthält Abschn. 4.11.
Schwefeltnoxid SO, SO, konmt ;I?I ? ~ L ~ I I T C T L.Modi/ikuti011~11 J~ 1 . 0 ~Monomer . existiert es nur im ~ a s z u s t a n d im Gleichgewicht mit S,O,-Molekülen.
ie gasffirmige Substanz ist unter vermindertem Druck nur einige Tage haltbar. Das S20-Molekül ist gewinkelt, die Struktur ist analog der von SO,.
hwefelrnonooxid SO und Dischwefeldioxid S,O, sind instabile Moleküle. SO Zerr t sich in weniger als 1 s in S und SO,. S , 0 2 rerxtzt sich in einigen Sekunden in SO. 3 0 ist wie 0, und S, paramagnetisch, Bindungslänge und Dissoziationsenergic - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 4kJ,5mol)-enf$GecheneKeF DÖpkKndung.
Das SO,-Molekül ist trigonal-planar gebaut und enthalt drei gleichstarke S-0Doppelbindungen (Bindungsabstand 142 pm; S-0-Einfachbindung 162 pm). Die drei a-Bindungen werden von sp2-Hybridorbitalen des S-Atoms gebildet. Die 71Bindungen sind Mehrzentren-71-Bindungen. Am Beispiel SO, wurden diese nichtklassischen-n-Bindungen im Abschnitt 2 2 . 9 Molekülorbitale erörtert.
444
4.5 Gruppe 16
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Kühlt man gasförmiges SO, auf - 80'C ab, entsteht kristallines, eisartiges ,/-SO das bei 17 'C schmilzt und bei 44'C siedet. Y-SO, ist aus S30,-Molekülen aufgebaut. 3 ES sind gewellte Ringe, in denen die S-Atome verzerrt tetraedrisch von SauerstoR umgeben sind.
445
4.5.7 ~auerstoffsäurendes Schwefels
3
Die folgende Tabelle 4.1 5 gibt eine Übersicht über die bekannten Oxosäuren. ihre Namen Und Oxidationszahlen. sowie ihre Salze. ~-- ~ b4.15 ~ lSauerstoffsäuren l ~ des Schwefels ~
/
~~idationszahl
Säuren des Typs H,SO, und ihre Salze
+.1
+2 +3
Unterhalb Raumtemperatur wandelt sich Y-SO, in stabilere, asbestartige Modjf ka. tionen (ß-SO,, M-SO,) um. die weiße. seidigglänzende Nadeln bilden. ß-SO, besteht aus kettenförmigen Molekülen
H2S02Sulfoxylsäure Sulfoxylate H2S0, Schweflige Säure Sulfite H2S0, Schwefelsäure Sulfate H2S0, Peroxoschwefelsäure Peroxosulfate
und ist eigentlich eine Polyschwefelsäure. Die genaue Struktur von a-SO, ist nicht bekannt, wohl aber der von ß-SO, ähnlich. S O , ist eine sehr reuktiw I<.rhint/ung,citl .v~~lrkes O . ~ i i k ~ t i o ~ . ~ n ~ i I I C [ .Ol/~.l(/t.!il ~~t~d(/u.s der Schitcfi~lsüurt~. Die wichtige technische Darstellung von SO, wird bei der Schwefelsäure behandelt.
.
Peroxoschwefeloxide Schwefeltetraoxid SO, entsteht durch Reaktion von SO, mit atomarem Sauerstofr. Monomeres SO, wurde bei 15-78 K durch Matrixtechnik (siehe Abschn. 4.3.1 isoliert. Es zerfsllt noch unterhalb Raumtemperatur, die Konstitution ist unbekaniit. Polyschwefelperoxide (SO„.)„ 0 < .X c 1, leiten sich von ß-SO, durch statistischen Ersatz von Sauerstoffbrücken durch Peroxobrücken ab.
Oberhalb 15"C erfolgt Zerfall in SO, und 0,.
Säuren des Typs H2S20,und ihre Salze H,S,O, - Thioschweflige Säure Thiosulfite H2S20, Thioschwefelsäure Thiosulfate H2S204Dithionige Säure Dithionite H2S20, Dischweflige Säure Disulfite H2S20, Dithionsäure Dithionate H2S20, Dischwefelsäure Disulfate H2S20, Peroxodischwefelsäure Peroxodisulfate
Als reitle Ve'<.rbindutigen irii[icri>«riitld: S~/~it~ql<.lr
448
4 Die Elemente der H;iuptEruppen
4.5 Gruppe 16
Die Darstellung der Halogenoschweklsäuren (Halogensulfonsäuren) erfolgt ,U, SO, und HF, HC1 bzw. HBr. H1 wird zu I, oxidiert.
449
piese Reaktion ist umkehrbar und man erhält H,SO, durch Einwirkung von H,O, auf kalt^ konz. H,SO,. Setzt man Chloroschwefelsäure mit H,O, unter Kühlung um. so erhält man H,SO, und H,S,O, in reinen, farblosen Kristallen.
Chloroschwefelsäure (Chlorsulfonsäure) ist eine farblose, an der Luft rauchende Flüssigkeit. Mit Wasser reagiert sie heftig. HS0,Cl
+ H,O
+
H,S04
+ HCI
HS0,CI ist ein starkes Sulfonierungsmittel (Einführung der Sulfongruppe HSo,-). RH
+ HS0,CI
, HS0,R
+ HCI
Die Sulfurylhalogenide werden bei den Schwefelhalogenidoxiden besprochen (S. 456). Peroxomonoschwefelsäure H,SO, (Carosche Säure). Peroxodischwefelsäure
Von H,SO, sind keine Salze bekannt. Festes H,SO, besteht aus Schichten mit Wasserstoffbindungen zwischen den hlolekülen. Die Salze von H2S,0, heißen Peroxodisulfate, ihre Lösungen sind relativ beständig, sie sind starke Oxidationsmittel und oxidieren in Gegenwart von Ag i als Katalysator z.B. Mn 2 ' LU Mn04 und Cr" zu Cr,O$-. Peroxodisulfate werden technisch durch anodische Oxidation konzentrierter Sulfatlösungen bei hoher Stromdichte an Pt-Elektroden (SauerstoffÜberspannung) hergestellt:
H 3 2 0 8
- -
Die Peroxosäuren enthalten die Peroxogruppe -Q-Q-. Bei verdünnten Lösungen und kleiner Stromdichte reagiert entladenes SO, nicht mit SO:--Ionen, sondern nach SO, H 2 0 + H2S0, + $0,.
+
Schweflige Säure H,SO,. Dischweflige Säure H 2 S 2 0 , H,S,O, ist hygroskopisch (Smp. 65°C) und ein starkes Oxidationsmittel. In Wasser erfolgt zunächst Hydrolyse zu H,SO, und H,S04.
SO, löst sich gut in Wasser (45 1 SO, in 1 I H,O bei 15 'C). Die Lösung reagiert sauer und wirkt reduzierend. Dir hj~pothcti.wlicS<.llirjefligc.Stlurc~H,SO, hantz nicht i.solirr.l werden. Aucll in ii,iiJ!higcrLösung esi.~/icr.ikcitic tzic~lz~pro~o~i~.sicrfe H,SO,. SO,
+
+ H2S0,
K
IO-~
Es existieren folgende Gleichgewichte:
H,SO, ist ebenfalls hygroskopisch (Smp. 45 "C) und ein starkes ~xidationsmittel. Mit Wasser hydrolysiert die Carosche Säure langsam zu H 2 0 , und H2S04.
0- 0- H
+ H-0-S-0-HII 0
+ 2 H 2 0 e H?O+ + HSO; + H,O e H,O+ + SO:-
pKs = 1,s pK, = 7,O
Bei höheren Konzentrationen entstehen S,O:--Ionen.
0
0 0
SO, HSO;
2HSO;
+ H-0-0-H
+ S,O:- + H 2 0
Auch die Dischweflige Süure H,S,O, ist sowohl als freie Säure als auch in Lösungen unbekannt. Von der hypoThetischenSäüreH~OJleitensich zweiReihm v o n S a k e m l t ; d k -
450
4.5 G r u p p e 1 6
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Hydropnsulfite mit dem Anion HSO; und die Sulfite mit dem Anion S O : , ~ ~ gensulfite sind leicht löslich, Sulfite mit Ausnahme der Alkalimetallsulfite schwer löslich. Man erhält sie durch Einleiten von SO, in Laugen. -
d
~
+
/
+ H,O
/s-s.,
+
I1
I1 9 1 e
I01 1 0 1
ist eine extrem lange S-S-Bindung (239 pm) vorhanden, die leicht zu spalten ist und diedie geringe Beständigkeit der Oxidationszahl 3 erklärt. H 2 S 2 0 4kann man nicht isolieren. Beim Ansäuern zerfallen Dithionite nach
+
Disulfite entstehen durch Wasserabspaltung aus Hydrogensulfiten. 2NaHS03
~ Anion - S 2~m 04- -
--
\
NaOH SO, + NaHSO, NaHSO, + NaOH -, Na,SO,
451
+ H20
Na2S205
,, Schweflige Säure" und ihre Salze wirken reduzierend. Die R e d u k t i o n s w i r k ~ist~ in ~ alkalischer Lösung stärker als in saurer Lösung.
0,
~ithionsäure
' Die Anionen haben folgende Strukturen:
H*s,O, ist nur in wäßriger Lösung beständig. Dithionate erhält man durch Oxidation von Hydrogensulfiten (mit MnO, oder durch anodische Oxidation).
I
Die n-Bindungen sind delokalisiert. Beim tautomeren Gleichgewicht1 von HSO; erfolgt der Ortswechsel des H'-Ions so rasch. d a ß sich keine der beiden Formen isolieren Iäßt. Von beiden Formen sind aber Ester bekannt: 02SR(OR) Alkylsulfonsäureester, OS(OR), Dialkylsulfite. Die S-S-Bindung im Disulfition ist länger als* eine normale S-S-Einfachbindung. N a 2 S 2 0 5zerfällt daher bereits bei 400c'C in Na,SO, und SO,.
\o' \
0 ' 10-S-S-Ql 4 \ O? \o'
G-
4 -e
Thioschwefelsäure H,S,O, Dithionige Säure H,S,O, In der Thi~schw~felsäure ist ein Sauerstoffatom der Schwefelsäure durch ein Schwefelatom („thio") ersetzt.
Dithionite erhält man durch Reduktion von Hydrogensulfiten (mit Zink oder durch kathodische Reduktion).
101
Es sind starke Reduktionsmittel, da sie in Umkehrung der Bildungsreaktion die beständigere Oxidationszahl + 4 erreichen.
I
I I
I Unter Tautomerie versteht man das gleichzeitige Vorliegen von zwei oder mehr isomeren Formel1 Mokküls im Gleichgewicht. Die Tautomere unterscheiden sich nur in der Position ejnci beweglichen Gruppe, die Umwandlung erfolgt meist schnell.
I
1 0 1 Die S - O - B ~haben ~ ~ starken ~ ~ D ~ ~ ~ ~ e~l b i n d u n g s c h a r a k t(Bindungslänge er 147 Pm), der Doppelbindungscharakter der S-S-Bindung ist schwächer (Bi ndun g s länge 201 P m ) F Udie ~ beiden Schwefelatome erhält man die mittlere Oxidationszahl 2 (vgl.Tab. 4.15 und Abschn. 3.8.1). In wasserfreiem Zustand kann H 2 S 2 0 3bei - 80°C als farblose, ölige Flüssigkeil hergestellt werden. z. B. nach
+
SO3 + H2S
+
H2SZ03
452
4.5 Gruppe 16
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Bein? Er~rürrn~ri xrflillr .sie .schon z~tlr<~rliulh 0 C wieder in H2S und SO,. Die Saki..die Thiosulfate, sind in LVks.~o.h~stünlliy. Man erhält sie durch Kochen von Sulfitlösungen mit Schwefel.
455
seOz bildet farblose Nadeln, die bei 31 5 "C si1blimieren. In der Gasphase besteht es aus monomeren Se0,-Molekülen (Abb. 4.17a). in der kristallinen Phase liegen nichtplanare hochpolymere Ketten vor (Abb. 4.17b). I01 -
Il
101
I1
I01
11 -173 pm
Zunächst sprengt SO; den SB-Ringunter Anlagerung des freien Elektronenpaars am Schwefel. Dann wird die Schwefelkette schrittweise durch SOS- abgebaut.
~bbildurig4.17 Struktur von SeO,. ,) Die Gasphase besteht aus SeOz-Molekülenmit Se=O-Doppelbindungen.
Angesäuerte Thiosulfatlösungen zersetzen sich unter Schwefelabscheidung. HZS2O3
-f
H20
+ SO, + S
Praktische Bedeutung hat Natriumthiosulfat Na,S,O,. 5 H,O in der Photographie als Fixiersalz (vgl. S. 738). S,O;- wirkt reduzierend. In der Bleicherei benutzt man es zur Entfernung von Chlor aus chlorgebleichten Geweben.
Die quantitative Reaktion mit Iod zu Tetrathionat ~ ~ 0(vgl. 2 - Polythionsäiiren) wird in der analytischen Chemie (Iodometrie) verwendet.
Formal kann man H 2 S 2 0 3auch von H2S(Monosulfan) durch Ersatz eines H - A t o m durch die Sulfonsäuregruppe -SO,H ableiten. Der rationelle Name ist dann Monosulfanmonosulfonsäure. Analog kann man eine Reihe von Schwefelsäuren von Polysulfanen H-(S),-H ableiten, in denen beide H-Atome durch Sulfonsäuregruppen ersetzt sind. Sie heißen daher Polysulfandisulfonsäuren H0,S-(S), - ,-SO,H (n = 3 bis 14) oder auch Polythionsäuren. Sie sind farblose, ölige Flüssigkeiten und nur bei tiefen Temperaturen beständig. Die Zersetzlichkeit nimmt mit wachsender Kettenlänge zu. Isolierbar sind ihre Salze. z. B. die farblos kristallisierenden Alkalimetallpolythionate. In den Polythionaten sind Schwefel-Zickzack-Ketten mit Einfachbindungen vorhanden.
b) Die kristailine Phase besteht aus polymeren, nichtplanaren Ketten. Alle Se-0-Bindungen haben Doppelbindungscharakter. ~i~dungslängen: Se-0 183 pm; Se=O 160 pm.
Selentrioxid SeO, SeO, bildet farblose, hygroskopische Kristalle (Smp. 118'C), die aus cyclischen, achtgliedrigen Se,O„-Molekülen bestehen. In der Gasphase stehen diese Moleküle mit monomerem SeO, im Gleichgewicht. SeO, ist ein noch stärkeres Oxidationsmittel als SO,. SeO, erhält man durch Entwässerung von H,Se04 mit P4010bei 150°C. Mit Wasser reagiert SeO, wieder zur Selensäure.
Selenige Säure H,SeO, SeO, löst sich in Wasser unter Bildung der Selenigen Säure H2Se03. Sie ist eine schwächere Säure als die Schweflige Säure, aber im Gegensatz zu dieser in Form farbloser Kristalle isolierbar. H 2 S e 0 3wird von SO,, H,S, HI, N,H4 zu rotem Selen reduziert.
Selensäure H,SeO, Selensäure bildet farblose, hygroskopische Kristalle, die bei 60'C schmelzen. Sie kann durch Oxidation von H2Se0, mit H,O„ KMnO, oder von Se mit Cl, dargestellt werden. H,SeO, ist eine ebenso starke Säure wie H2S04,ihr Oxidationsvermögen ist aber bedeutend stärker. Ein Gemisch aus Selensäure und Salzsäure bildet aktives Chlor und es löst wie Königswasser Gold und Platin unter Bildung von Chlor~kom~lexen.
4.5.8 Oxide und Sauerstoffsäuren von Selen und Tellur Selendioxid SeO, SeO, entsteht beim Verbrennen von Selen. Se
+ 0,
-+
SeO,
AH"
= - 225
kJ/mol
Wie H,SO, ist H,SeO, so stark wasserentziehend, daß sie auf organische Substanzen verkohlend wirkt. Die Selenate PbSeO, und BaSeO, sind wie die Sulfate schwerlöslich.
454
4 Die Elemente der Hauptgruppen
..- -
Tellurdioxid TeO,
4.16 Binäre Halogenverbindungen des Schwefels
TeO, ist dimorph. a-TeO, entsteht durch Verbrennung von Te in Luft. Te
+ 0,
-t
X-TeO,
o;;da-
A H = - 323 kJ/mol
tions-
Es 1st farblos (Smp. 733 C) und kristallisiert in einem rutilähnlichen Ionengitter, TeO, löst sich schlecht in Wasser. Es hat aber amphoteren Charakter und löst sich in starken Säuren zu Te(1V)-Salzen (TeO, 4H,O' Te4+ 6H,O) und in st;lrken Laugen zu Telluriten (TeO, 2 OHTeO: H , O ) P-TeO, kommt als gelbes Mineral (Tellurit) vor und kristallisiert in einer Schichtstruktur. Tellurige Säure H,TeO, ist nur in wäßrigcr Lösung bekannt. Sie ist eine s c h ~ ; , ~ h , Säure, die beim Erwärmen in TeO, und H,O zerfällt.
-+ +-
+
+
'
+
6
+5
+4
TeO, kommt in zwei Modifikationen vor. X-TeO, ist gelb, in Wasser unlöslich. ein starkes Oxidationsmittel und zerfällt oberhalb 400-C in TeO, und 0,. Es enlsteht durch Erhitzen von Tellursäure. 300-360 C
------,
TeO,
+ 3H20
F
Schwefelhexafluorid
s&
SF6 farbloses Gas AH; = - 1220 kJ/mol
Dischwefeldecafluorid
S2Fio farblose Flussigkeit
Schwefeketrdhalogenide
SF, farbloses Gas AH,
halogenide
SF2 SCI, farbloses Gas rote Flüssigkeit A H; = - 298 kJ/mol A HB = - 49 kJ/mol
Die binären Hal~genverbindun~en des Schwefels sind in der Tabelle 4.16 zusammengestellt. Mit I bildet S nur eine endotherme, zersetzliche Verbindung, d a die I-S-Bindun9 sehr schwach ist. Brom bildet nur Verbindungen, die sich von Polysulfanen ableiten. Mit Ausnahme von SF, sind alle Schwefelhalogenide hydrolyseempfindlich. SchwefelhexaHuorid SF, ist ein farbloses und geruchloses, ungiftiges Gas ( S b b - 64'C). Es entsteht aus elementarem Schwefel mit Fluor.
+ 3F2
--t
SF,
N
sx2 +1
Dischwefeldihalogenide XSSX oder SSX,
ClSSCl BrSSBr ISS1 FSSF farbloses Gas gelbe Flussigkeit tiefrote dunkelAH; = - 350 kJ/mol AHB = - 58 kJ/rnol Flüssig- braune keit Substanz Zers. > -31'C SSF, farbloses Gas AH; = - 385 kJ/mol
+1
Polyschwefeldihalogenide S,X, (n > 2)
S"Cb gelbe bis orangerote Öle (isoliert bis n = 8)
Sm2 tiefrote Öle (isoliert bis n = 8)
Es ist ungeadztilidi rciiktio,l,ifr/icqc und reagiert z. B. nicht mit Wasserdampf bei 500°C, obwohl das Gleichgewicht der Reaktion
Halogenide von Schwefel
S
I
SCI, farblose Substanz - 762 kJ/mol Zers > - 30 C
sx4
Tellursäure H,TeO,
4.5.9 Halogenverbindungen
Br
3
Das stabilere, weniger reaktive graue ß-TeO, entsteht durch Erhitzen von a-T&,.
Die Orthotellursäure (Smp. 136 'C) wirkt wesentlich stärker oxidierend als die Schwefelsäure. Analog zur Periodsäure besitzt Tellur auf Grund seiner Größe in dzr Tellursäure die KZ 6. H,TeO, ist eine sechsbasige Säure. Es sind saure Tellurate Me,H,-,TeO, und neutrale Tellurate, z. B. Ag,TeO„ Hg,TeO„ bekannt. Das TeOa--Ion ist wie Te(OH), oktaedrisch gebaut. Die Tellursäure bildet Heteropolyanionen: [Te(MoO,),]", [Te(WO4),I6- (vgl. S. 798).
Cl
VerbindungstYP
zahl
Tellurtrioxid TeO,
Te(OH),
L.
A H:
=
- 1220 kJ/mol
ganz auf der rechten Seite liegt. Mit H, kann SF, erhitzt werden, ohne d a ß HF gebildet wird. Die Resistenz von SF, wird auf die sterische Abschirmung des S-Atoms zurückgeführt. Im Molekül SF, ist das S-Atom oktaedrisch von sechs F-Atomen umgeben. Die Bindungen wurden mit dem MO-Modell im Abschnitt 2.2.9 Molekülorbitale (Abb. 2.75) diskutiert. Reaktionen mit Lewis-Basen sind kinetisch gehemmt. SF,Cl ist dagegen ein hydr~l~seempfindliches Gas, das wesentlich reaktionsfähiger ist. Sf;, ii,iii/ ',Ir piisfi>itiii,qri Isoloi~i.in ~ochspannungsanlagen ~ e r i i * r r i &da ~ es eine hohe Dielektrizitätskonstante besitzt. In Isolierglasfenstern
4.0
wird SF, im Fensterinnenraum anstelle von Luft zur Wärme- und G e r ä u ~ c h d 2 , ~ mung eingesetzt. Die Produktion von SI:, beträgt weltweit mehrere tausend Tonnen iin Jahr. Zur Wirkung als Treibhausgas siehe Abschn. 4.11.1.2. Als ein Begleiter von SF, wurde SF,-CF, in der Atmosphäre nachgewiesen, ist wie SF, ein äußerst wirksames Klimagas. Es bildet sich evtl. bei der Hoc]lslJannungsentladung im SF,-Schutzgas in Gegenwart von Fluorpolynieren. ~chwefeltetrafluoridSF, ist ein farbloses, sehr reaktionsfähiges Gas, das als rierung~inittelverwendet wird und mit Wasser zu SO, und H F reagiert. S2F2 ist die Summenformel von zwei isomeren gasfikmigen Verbindungen: Thiothionylfluorid S=S
'F
7 - 1 1
SP,-hybridisiertem Zentralatoin. Die Sulfiirylhalogenide sind verzerrt tetraedrisch gebaut. ~ 0 ~ist1eine , farblose Flüssigkeit (Sdp. 76' C), die von H,O zu SO, und HCI hydro]ypiert wird. Man erhält es nach
+ PCI,
SO,
-+
SOCI,
+ POCI,
Die technische Gewinnung erfolgt durch Oxidation von SCI,.
+ SO,
SCI,
-
- - /F
U 1 Uppb 1 i>
SOCI,
-+
+ SO,
wird als Chlorierungsmittel verwendet. sOF, ist ein Gas. das man durch Chlor-Fl~or- A~istausch aus SOCI, mit SbF, oder HF erhält. SO,CI, ist eine farblose Flüssigkeit (Sdp. 69 "C), die aus SO, und Cl, in Gegenwart von Aktivkohle als Katalysator hergestellt wird.
(thermodynamisch stabiler) und
Dischwefeldichlorid S,CI, ist das beständigste Schwefelchlorid und eine gelbe. stechend riechende Flüssigkeit, die beim Überleiten von Chlor über geschmoli.enen Schwefel bei ca. 240 C entsteht. S2C1, dient zur Herstellung von Schwefeldichlorid SCI,, Thionylchlorid SOCI, und Schwefeltetrafluorid SF,. Es ist /rc,/rrri,sc./rr-,,,: /;C.dcu~~rng. da sich Schwefel unter Kettenbildung als S,,CI, (n = 3 bis 100) löst und diese Lösungen zum Vu1k;inisieren von Kautschuk dienen. S,CI, ist wie alle Sch\+.efelchloride hydrolyseempfindlich. SCI, erhält man als dunkelrote Flüssigkeit aus Schwefel oder S2CI, mit einen1 Chlorüberschuß. Bei Raumtemperatur zersetzt sie sich langsam.
+ Cl,
SO,
--t
SO,CI,
Mit Wasser erfolgt Hydrolyse. SO,CI,
+ 2H,O
+
+ 2HC1
H2S04
SO,CI, wird wie SOCI, als Chlorierungsmittel verwendet. s 0 , F 2 ist ein cheniisch relativ inertes Gas. Man erhält es durch Halogenaustausch aus SO,CI,.
4.6 Gruppe 15 4.6.1 Grup~eneigenschaften
Halogenide von Selen und Tellur Die Halogenicle des Selens und E1lur.c. sind he.sriin(liger als die d ~ sS~,hr~~:Jbl.c. Eine Ausnahme ist SF,. Mit den Oxidationszahlen 1, +2, + 4 sind Chloride und Bromide bekannt. Mit der höchsten Oxidationszahl + 6 sind nur Fluoride bekannt. Mit der Oxidationszahl 1 und 2 gibt es keine beständigen Fluoride. Wegen des stärker elektropositiven Charakters bildet nur Te beständige binäre Verbindunge~l mit I. Strukturell interessant sind die Subiodide Te,I, r-TeI, 8-Te1 und die Intercalationsverbindung (Te,),I,, in der zwischen Schichten, die von Te,-Hanteln gebildet werden, Schichten aus I,-Molekülen eingelagert sind. Von Tel, gibt es 5 Modifikationen, die alle aus tetrameren Molekülen aufgebaut sind; nur eine davon ist hci TeCI, und TeBr, bekannt. Typisch für die Tetrahalogenide von Se und Te ist die Bildung von Anionen wie Sec]+?-, TeBri-, T e I i .
+
+
Stickstoff
4
+
Schwefeihalogenidoxide Ersetzt man in Sauerstoffsäuren OH-Gruppen durch Halogenatome, erhält man formal Säurehalogenide. Halogenide der Schwefligen Säure sind die ~ h i o n ~ l h a l o g e n i d e SOF2, SOCl2, SOBr,. Halogenide der Schwefelsäure sind die ~ulfurylhalogenid~ SO2F2, S02C1,. Die Thionylhalogenide bestehen aus pyramidalen Molekülen m i t
Phosphor P
N
Arsen As
Sb
Antimon
Bismut Bi
51
83
---
P -
Ordnuneszahl Z Elektronenkonfigui.ation Ionisierungsenergie in eV Elektronegativität U
Aftinität ZU elektropositiven Elementen Aftinität zu elektronegativen Elernen ten Basischer Charakter der Oxide Salzcharakter der Halogenide
7
15
33
143
11,O
93
8,6
7,3
3 ,O
2,l
2.2
1.8
1.7
nimmt ab
+
nimmt
ZU
-t
nimmt
ZU
-t
nimmt zu
-t
P -
458
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Die Elemente der 1 5 Gruppe zeigen in ihren Eigenschaften ein weites Spektrum. Mit wachsender Ordnungszahl nimmt der metallische Charakter stark zu, und er erfolgt ein Übergang von dem typischen Nichtmetall Stickstoff zu dem metallischen Element Bismut. ~ uGrund f der Valenzelektronenkonfiguration s2p%ind in den Verbindungen d. ie häufigsten Oxidationszahlen - 3, 3 und 5. Die Beständigkeit der Verbindungen mit elektropositiven Elementen nimmt mit wachsender Ordnungszahl Z a b . NH, ist beständig, BiH, instabil. Bei Verbindunpen mit elektronegativen Elementen nimmt die Beständigkeit mit Z zu, und sie werden ionischer. NCI, ist flüssig, thermisch unbeständig und hydrolyseempfindlich. während BiCI, farblose Kristalle bildet, die unzersetzt schmelzen. Mit steigender Ordnungszahl nimmt die Stabilität der Oxidationszahl + 3 zu. die Oxidationszahl + 5 wird instabiler. P,O, ist im Unterschied zu Bi,O, ein Reduk. tionsmittel, Bi,O, im Unterschied zu P40„ ein starkes Oxidationsmittel. Mit steigender Ordnungszahl nimmt der basische Charakter der Oxide zu. N,o,, P,O, und As40, sind Säureanhydride, Sb,O, ist amphoter, Bi,O,ist ein Basenanhydrid. Stickstoff nimmt innerhalb der Gruppe eine Sonderstellung ein. Dafür sind mehrere Gründe maßgebend. Stickstoff ist wesentlich elektronegativer als die anderen Elemente. Stickstoff bildet im elementaren Zustand und in vielen Verbindungen (p-p)n-Bindungen. In den Verbindungen der anderen Elemente der Gruppe sind (p-p)n-Bindungen seltener und in den elementaren Modifikationen treten nur Einfachbindungen auf. Beim Vergleich der Oxide und der Sauerstoffsäuren des Stickstoffs mit denen des Phosphors wird die Wirkung dieser Unterschiede besonders deutlich.
+
+
BllA häufigsten ist der
Grauspießglanz Sb,S,. Elementares Sb ist selten und tritt meist porm von Mischkristallen mit As auf. nie wichtigsten Bismuterze sind Bismutglanz Bi,S, und Bismutocke
L-6.3 ..- Die Elemente P -
itstorr
Phosphor -Arsen
Antimon
Bismut
P -
* weißer Phosphor
** graues Arsen unter Luftabschlul3 bei 27 bar *** graues Arsen sublimiert bei Normaldruck, ohne zu schmelzen
4.6.3.1 Stickstoff Stickstoff ist bei Kaumtemperatur ein Gas (Sdp. N,-Molekülen besteht.
-
196',C, Smp.
-
210LC),das aus
Die Stickstoffatome sind durch eine o-Bindung und zwei x-Bindungen aneinander gebunden (vgl. Abschn. 2.2.6 und 2.?.1?). Die Dissoziationsenergie ist ungewöhnlich hoch. A H = + 945 kJlm01 N, s 2 N
4.6.2 Vorkommen StickstoJ'ist rlcr Hci~iprhrstaridtt~il tlcr Luji, in der er molekular als N, mit einem Volumenanteil von 78,1% enthalten ist. In gebundener Form ist er im Chilesalpeter NaNO, enthalten. Stickstof ist Bestandteil der Eiweißstoffe. Da Phosphor sehr reaktionsfähig ist, kot1in7t er in (/(,Y 1 V u t ~ inur ~ in Ci11J i/iJ/1~!gPn vor. Dir ri~ichtigstc~nMinrrulic,ri sir~tl die P/iosphn/c. Häufig ist Apatit Ca,(PO,),(OH, F, Cl). Seltener sind Vivianit (Blaueisenerz) Fe,(PO,), . 8 H,O, Wavellit AI,(PO4),(F, OH), . 5H,O und Monazit, ein Phosphat, das ~eltenerdmetalle und Thorium enthält. Hydroxylapatit bildet die Knochensubstanz der Wirbeltiere. Arsen kommt nur gelegentlich elementar vor (Scherbencobalt oder ~liegenstein genannt). Am häufigsten sind Arsenide: Arsenkies FeAsS, Glanzcobalt CoAsS. Arsennickelkies NiAsS, Arsenikalkies (Löllingit) FeAs,. In den Sulfiden Realgar As,S.+ und Auripigment As,S, ist As positiv polarisiert. Vom Antimon gibt es in der Natur wie beim Arsen Sulfide und ~etallantimonide. 2
,
Die N2-Moipkiikl ,sjni/ dementsprechend t~ht~iiiisc~li wiii siubil und Stickstoff wird oft als Inertgar bei chemischen Reaktionen verwendet. Eine Aktivierung erfolgt bei hohen Temperaturen oder durch Katalysatoren. riicI/ut~~ ea. 100 106t) erfolgt durch Die t d i r i i s c h ~S ~t i e ~ k , s ~ ~ ~ ~ h i ~ (Weltproduktion fraktionierende Destillation verflüssigter Luft (vgl. S. 423). Die Entfernung von Sauerstoff aus der Luft durch Reaktion mit glühendem Koks zu CO (V& S.467) hat heute keine technische Bedeutung mehr. Chemisch reinen Stickstoff erhält man dureh thermische Zersetzung von Natriumazid
oder durch Erwärmen konzentrierter NH,NO,-Lösungen.
460
4 Die Elemente der H a u p t g r u p ~ e n
4.6 G r u p p e 15
N, ist isoelektroiiisch' niit CO, NO+ und C N , voii denen schon lange Komplexe mit Übergangsmetallen bekannt sind.
Beständige Koniplexe des Typs Me(N2), konnten bisher jedoch nicht hergestellt werden. Einige Mikroorganismen sind in der Lage, Luftstickstoff N2 enzymatisch auf&nehmen und zum Aufbau von Aminosäuren zu verwenden. An der katalytischen Reduktion von N, L U NH, sind Metall-Cluster von Fe und M o beteiligt (vgl. S. 829). Stickstoff ist ein wesentlicher Bestandteil von Aminosäuren und N ~ c l e o h ~ ~ ~ ~ ~ , , Dir pfltr~i:lic~llc~ Stic~k.v/c!flir.v.ri~~liI~~~io~~ ist c~i~rc chc~lr.vo~i~c~.vc~~rtlic~/ic~ liir.~r~i.\.c.c,~:i~ii~ 11c1.s Lehrlr nrif'ilor F i ~ l c1~1 . idie ~ Plroto.v~i~~~tlr~~.st~.
StickstoK bildet als einziges Elerrierit der Gruppe mit sich selbst Molekülc i i l i ~ (p-p)n-Bindungen. Bei dcn Strukturen der anderen Elemente sind dic Atonie d~irch Einfachbindungen an drei Nachbarn gebunden.
4.6.3.2 Phosphor Phosphor tritt in mehreren festen Modifikationen auf (Abb. 4.1 8). Weißer Phosphor entsteht bei der Kondensation von Phosphordampf. Er ist wachsweich, weiß bis
1,200
,
380 C, H;\
/
C, I ? kbar
/'
\-.
/
/350
C
/'
P*Lhwdrl
1
83 kbar
pkubisch
Abbildung 4.18
Modifikationen des Phosphors.
Isoelektronisch sind Moleküle. Ionen oder Formcleinhciteii. wenn die Anmlil der Atonie und Elektronen und die Elektronerikonfiguratioii gleich sind. Mari verwendet den BegriK isoelc.k[i.c3liisch in1 weiteren Siriris auch bei gleiclirr Vlilzri~elzkirurieri~alil uiid V ; i l c r i z e l e k t r o t i c n k o n l i ~ ~ ~ ~ ~ ~ t m . z. B. für SiO, und BeF, ndcr BF, und CIO,. Gcnaucr sollte m;in dies dann als isoulenrelektronisch bezeichnen. Als isoster werden 'leilchen hcrciclinet. die isoelektronisch siiid lind auficrdem dir gleiche Gesaintladung besitzen.
461
gelb]ich, schmilzt bei 44 C und löst sich in CS2, nicht in H 2 0 . Er ist sehr reaktionsrä-
hig und sehr giSlig. Er verbrennt zu P401„ in fein verteilter Form entründet er sich an der ~ u fvon t selbst und er wird daher unter Wasser aufbewahrt. Durch brenn e nd en phosphor entstehen auf der Haut gefährliche Brandwunden. Im Dunkeln leuchtet weißer Phosphor (C'hemiluininc~-pn:).Diespurenweise abgegebenen Dämpfe werden von ~ ~ f t s a u e r s ~zunächst off zu P40, und dann unter Abgabe von 1,icht 7~ P,()„ oxidiert. Festkörper, Schmelze, Lösung und Dampf (unterhalb 800 C) bestehen aus tetraedris~henP,-Molekülen. P
P
Wegen der kleinen Valenzwinkcl von 60 ' befindet sich das Molekiil in einem Spannungszustand, es ist daher instabil und sehr reaktiv. Roter Phosphor. Erhitzt man weißen Phosphor unter Luftabschluß auf 180400°C, so wandelt er sich in den polymeren, amorphen roten Phosphor um. Iod beschleunigt die Umwandlung katalytisch. Er besteht aus einem unregelmäßigen, dreidimensionalen Netzwerk! dessen Ordnungszustand von der Temperatur und Temperzeit abhängig ist. Roter Phosphor ist ungiftig und luftstabil und entzündet sich erst oberhalb 300°C. Er wird in der Zündholzindustrie in den Reibflächen für Zündhölzer verwendet. Die Zündholzköpfe enthalten ein leicht brennbares Gemisch von Antimonsulfid Sb,S, oder Schwefel und Kaliumchlorat. Violetter Phosphor (Hittorfscher Phosphor) entsteht beim Erhitzen von rotem Phosphor auf 550°C, er kristallisiert in einer komplizierten Schichtstruktur. Schwarzer Phosphor i.rt clic, lwi Stu~~clurticll-uc.k his 550 C' tficrir~odyr~c/nzisc~/l .s~crhilir Modijikation. Er entsteht aus weißem Phosphor bei 200°C und 12 kbar oder bei 380°C in Gegenwart von Hg als Katalysator. Schwarzer Phosphor zeigt Metallglanz, ist ein elektrischer Halbleiter und reaktionsträge. Er kristallisiert in einer rhombischen Schichtstruktur: die aus Doppelschichtcn besteht (Abb. 4.19). Oberhalb von 550°C erfolgt Umwandlung in violetten Phosphor, der bis 620"C die stabile Modifikation ist. Bei 6 2 0 T sublimiert er bei Normaldruck, bei einem Druck von 49 bar schmilzt er. Gas und Schmelze bestehen aus P,-Molekülen. Schwarzer Phosphor kann in Hochdruckmodifikationen umgewandelt werden. Bei 83 kbar erfolgt reversible Umwandlung in eine rhomboedrische Modifikation, bei 111 kbar in eine kubische Modifikation. Rhomboedrischer Phosphor ist isotyp mit grauem Arsen (vgl. Abb.4.20). Der kubische Phosphor kristallisiert primitiv mit idealer oktaedrischer Koordination. Neu ist der Nachweis des P h o ~ ~ h o r m o l e k üP,l s in der Gasphase. Wahrscheinliche
\
-4
P-P
462
4 Die Elemente der Hauptgruppeti
4.6 Gruppe 15
463
I
As
='-\TI
AS
AS
Ar
,-/-\-/-\-H
'is
As
Perspektivische Darstellung
As
b)
a)
As
I
1
r
1
As -As Schicht 1
Seitenansicht
90 % des Phosphors wird zu Phosphorsäure weiterverarbeitet. Roter Phosphor wird aus weißem Phosphor durch Tempern bei 200-400'C unter Luftabschluß hergestellt.
1,53 I ,2S 1,154 1,149
Prhomboedrisch
I /
Asgrau
i
Bi
%rau
'
/
I
4.6.3.3 Arsen Die l~rrr7rrari.1wnnrisc.hh~sriinrligc~ MorlifiX rr,iotf i~v/n~p/r,[/;.rc,/ic~s ot/c~rgraues Arsen. Die rhomboedrischen Kristalle sind spröde, grau und metallisch glänzend, sie leiten den elektrischen Strom. Die Struktur besteht aus gewellten Schichten (Abb. 4.20). Bei 616 "C sublimiert Arsen. Der Dampf besteht aus As,-Molekülen. Schreckt inan A r m d a m p f ab, entsteht metastabiles gelbes Arsen, das analog dem weißen Phm-
I I
tt
rzIr1
I
I I
r2
As A s Schicht 2
Abschrecken I
Darslellung. Phosphor wird aus Calciumphosphat durch Reduktion mit Koks bei 1400°C im Lichtbogenofen hergestellt, wobei der Phosphor als ~ a m ~ f e n t w e i cund ht als weißer Phosphor gewonnen wird. Quarzsand wird als Schlackenbildner zugesetzt.
I
I
As AS A s As Schicht 1 Schicht 2 I II Das Gewicht der mesomeren Struktur I1 wächst vom As zum Bi und damit auch der metallische Charakter. Das Verhältnis der Bindungslängen r , / r , nimmt mit Zunahme des metallischen Charakters ab.
I
Abbildung 4.19 Struktur des schwarzen Phosphors. Die Struktur besteht aus übereinander liegenden Doppelschichten. Die Doppelschichten bestehen aus unten (*) und oben (*)parallel liegenden Zickzack-Ketten mit P-P-Einfachbindungen. Der kürzeste Abstand zwischen benachbarten Atomen verschiedener Ketten einer Doppelschichthälfte ist kleiner (331 pm) als der Abstand zwischen den Schichten (359 pm). Wie beim Se und Te korrespondieren die Abstandsverkürzungen mit der Halbleitereigenschaft und der grauen bis schwarzen Farbe der Modifikationen.
A?
~ b b i l d u n g4.20 a) Anordnung der Atome in einer Schicht des Gitters von grauem Arsen. In demselben Gittertyp kristallisieren rhomboedrischer Phosphor, graues Antimon und Bismut. b)strukturausschnitt einer Arsenschicht. Die Abstände zwischen den Schichten sind kleiner als die van der Waals-Abstände und es gibt schwache Bindungen auch zwischen den Schichten entsprechend der Mesomerie
Aufsicht
7J-L
T
As
0-\-/-\-/-\
As„ Dampf, .Kondensation " 1
4
bei 100-200"C
\
300
Abbildung 4 21
C\
Modifikationen des Arsens
I'
'100-175
C
A~,'huart l < i i % t . i ~ ~ i n isotyp mit P„„„„
phor aus As,-Molekülen besteht und sich in CS, löst. Bei 2 0 T wandelt es sich in graues Arsen um, unter Lichteinwirkung auch bei tiefen Temperaturen (- 180°C). Kondensiert man Arsendampf an 100-200rC warmen Flächen, so entsteht amorphes schwarzes Arsen, das nichtleitend, glasartig hart und spröde ist und in der Struktur dem roten Phosphor entspricht. Oberhalb 270°C wandelt sich das amorphe Arsen in das graue Arsen um. Erhitzt man amorphes Arsen zusammen mit Hg auf 100-175 "C, so entsteht rhombisches schwarzes Arsen, das mit schwarzem Phosphor isotyp ist. Bei 300°C wandelt es sich in das graue Arsen um (Abb. 4.21).
464
4 Die Elemente der H - ~ a u p t g r u ~ ~ e n
FeAsS
-+
FeS
+ As
~~i Raumtemperatur stabil sind:
4.6.3.4 Antimon
,
Sriihil~~s, nii/iiliir(~hc.soder graues Antimon i.si iiiii gioiiorri 4i;ic~ri; , s ~( [~~b ~4 b ~-,o~ . - 1. Die Kristalle sind silberweiß, glänzend und spröde. Sie leiten den elektrischen s,,.<,, gut und schmelzen unter Volumenabnahme Außerdem gibt es eine instabile nichtlcitende. dem roten Phosphor analoge Modifikation (schwarzes Antimon). Sie c,,rstchi durch Kondensation von Antimondampf, bereits bei Oc'Cwandelt sie sich in graues Antimon um. Anrinzon ii.ircl t r i i s Gru1r,spil$g/tin3 .yh2S, rrtic./r :ii.i,i I.i,i:/ir/lrc~tr/rcq~c,,\rc~l// Beim N i c ~ ( k ~ r ~ s < ~ h / < r ~ s ~ wird : c ~ ~ ~Sb2S, f i i I ~ i ' cmit ~ n Eisen verschmolzen.
Sb,S3
+ 3Fe
r n m o n i a k Nt3, Hydrazin N ,H4 ~~j~k~toffwasserstoffsäure HN ~ydroxy)aminNH20H. ein Derivat dcs Ammoniaks
-
+
2Sb
+ 3FeS
Beim R ö s r r ~ d i t k t i o t ~ . s z ~ t ~wird ~ ' f i ~Sb$, / ~ r ~ ~zunächst i~ geröstet
Bei tiefen Temperaturen sind isolierbar:
Ammoniak NH,
-NH, 3 ist ein farbloses, stechend riechendes Gas (Smp. - 78
C, Sdp. - 33 C ) , das sich leicht verflüssigen läßt. Das KH3-Molekül ist pyramidenförmig gebaut, die Bind ~ n ~ s w i n kbetragen el 107".
und das entstandene Oxid anschließend mit Kohle reduzicrt.
Antimon dient zur Herstellung von Lc~gi~,rrrngeri. Weiche Metalle wie Pb und Sn werden durch Sb gehärtet. Antimonlegierungen werden als Lagermetalle verwendet. Pb-Sb-Legierungen sind als Letternmetalle zum Buchdruck geeignet.
Struktur und Bindung wurden bereits in Abschn.2.2.2 und 2.2.5 diskutiert. Im flüssigen Ammoniak sind Wasserstoffbrücken vorhanden, die eine Erhöhung des Siedepunktes und der Verdampfungseiithalpic bewirken (vgl. Abschn. 2.6). Flüssiges Ammoniak ist ein gutes Lösungsmittel für viele Salze. Wie in Wasser tritt Airtoproto~~.\r auf (vgl. S. 31 9).
4.6.3.5 Bismut Alkalimetalle und Erdalkalimetalle lösen sich in flüssigem NH, unter Biliiutlg solcurisierter E1c.k rronen.
Me
+ NH, e ~ e , , + e&
Die Lösungen sind sehr gute elektrische Leiter (vergleichbar mit Metallen). sind blaugefärbt und paramagnetisch. Auf Grund der Coulomb-Abstoßung zwischen den solvatisierten Elektronen und den Elektronen der NH3-Molekülc entstehen ziemlich große Hohlräume (Radius ca. 350 Pm), in denen ein oder zwei Elektronen cingefangen sind. Solvatisierte Elektronen sind starke Reduktionsmittel. Sie reduzieren vick Schwermetal~ionenzum elementaren Zustand und die meisten Nichtmetalle ZU Anionen. Dic Lösungen sind metastabil, beim Erwärmen oder bei Zusatz von Katalysatoren (Ni. Pt, Fe,O,) zcrsctzen sie sich.
NH,
+ e,. e NH; + *H2
AH
= - 67
kJ/mol
466
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Solvatisierte Elektronen könncn auch in Wasser erzeugt werden. Ihre beträgt aber nur etwa 1 ms und es erfolgt rasche Reaktion mit H,O.
\
Lebensdauer
NH, löst sich gut in Wasser (in 1 I H 2 0losen sich bei 15 'C 772 1 NH,). Auf Grund des freien Elektronenpaares ist NH, eine Base. Wißrigc N H , - Lij.wngr rcc/giri.en SC/?~r~uc.h hrr.virc~/l.
Das Gleichgewicht liegt weit auf der linken Seite, die Verbindung NH,OH existiert daher nicht und durch Reaktion von Ammoniumsalzen mit Basen entsteht NH, (vgl. S. 329).
Mit Protonendonatoren wie HCI reagiert NH, praktisch quantitativ zu Ammoniumsalzen. NH3
+ HCI
+
Beispiel:
Großtechnisch wird NH, mit dcm Nirhc~i--Bo.rc~I~-Ti~i:firI7~~c~rr aus den Elementen hergestellt.
+ :N2
=$
~ 1 ~ 0C 3 a, 0 und K,O zugesetzt werden (vgl. Abschn. 3.6.6). Der eigentliche Katalysator @-Febildet sich in der Anfahrphase durch Reduktion des Eisenoxids mit bei 400 'C. Die Aktivierungsenergie der nichtkatalysierten üasreaktion beträgt „. 400 kJlmol, sie wird durch den Katalysator auf 65-85 kJ/mol herabgesetzt. Der
&schwindigkeitsbeslimmende F Schritt der Katalyse ist die dissoziative Adsorption (chemisorptiOn) von N, an der Eiscnobcrfläche. Die Aktivierung~ener~ie dieser Reaktion hängt von der Oberflächenstruktur a b (Reaktivität der Flächen: (1 11) z (100) > ( I 10)) und sie wächst mit dem Redeckungsgrad der Oberfiiiche an N-Atomeii Die N-Atome reagieren zu einem Oberflächennitrid, dessen Fe-N-Bindungsenergie beträgt etwa 590 kJImol und liegt damit zwischen den Werten einer Stickstofl-Dreifachbindung und einer Stickstoff-Doppelbindung. Wasserstoff wird ebenfalls dissoziativ adsorbiert und reagiert stufenweise in schneller Reaktion zu NH,, das dann desorbiert wird. Schema des katalytischen Mechanismus der NH,-Synthcsc:
NH,+CI
Das tetraedrisch gebaute (sp 3-Hybrid), stabile NH2-Ion ähnelt den Alkalimetallkationen. Es bildet Salze, die in der Caesiumchlorid- oder in der NatriumchloridStruktur kristallisieren (vgl. Tabelle 2.4). Das freie Elektronenpaar befähigt NH, zur Komplexhilrlung.
;H2
Katalysator wird Fe,O, eingeset~t,dem zur Aktivierung als Promotoren
NH,
A H , = - 46 kJ/mol
Auch bei Verwendung von Katalysatoren ist die Reaktionsgeschwindigkeit erst bei 4 0 0 5 0 0 3 C ausreichend groß. Bei diesen Temperaturen liegt das Gleichgewicht aber weit auf der linken Seite. Um eine ausreichende NH,-Ausbeute zu erhalten. nmfi man daher hohe Drücke anwenden (Abb. 3.21). Der wirtschaftlich optimale Druckbereich liegt bei 250-350 bar, es werden aber auch Anlagen bis 1000 bar betrieben. Die Synthese ist ein Kreislaufprozcß. In cincm Druckrcaktor findet die Umsetzuw statt, das gebildete NH, wird durch Kondensation aus dem Kreislauf entfernt und das unverbrauchte Synthesegas in den Reaktor rückgeführt. Der Druckreaklor besteht aus Cr-Mo-Stahl, der gegen Wasserstoff beständig ist. Die erste Produktionsanlage ging 1913 bei der BASF in Betrieb. Man arbeitete bei 200 bar und mit einem Stahlreaktor, der mit einem kohlenstofffreien Weicheise11 ausgekleidet war. Dadurch verhinderte man, daß H, mit dem Kohlenstoffdes Stahls reagierte und der Reaktor undicht wurde.
A1,0, und C a 0 (Strukturpromotorcn) stabilisieren die Oberfliichenstruktur und verhindern das Zusammcnsintern der ~ i s e n ~ a r i i k eKl .2 0 (elektronischer Promotor) verringcrt die Aktivierungsenergie der Dissoziation der adsorbierten N,-Moleküle wahrscheinlich durch eine Verstärkung der n-Rückbindung Fe-N und damit Schwächung der N-N-Bindung (Fe-NrNl c-+ Fe=N=N: vgl. Abschn. 5.5.1) der adsorbierten N2-Moleküle. Die Herstellung des Synthesewasserstoffs wurde bereits im Abschn. 4.2.2 behandelt. Der Synthesestickstoff wird heute überwiegend durch fraktionierende Destillation verflüssigter Luft (siehe S. 423) hergestellt. Chemisch kann er durch Umsetzung von Luft mit Koks crzcugt werden. 4 N 2 + 0,
+ 2C + 2C0 + 4N2
A R " = - 221 kJ/moI
i__i
Luft
Generatorgac
Die Entfernung von CO aus dein Gasgemisch crfolgt nach den auf S. 378 beschriebenen Verfahren (Konverticrung in CO,). Die NFi,-Sj~nt/~ese ist h .~in:i,ge ~ tccfrrrisd~hcdcutscunc I'crfirl~rrri,hci rkw die redfionsrrllg~nV,-Molrkiilc iler Lufi in rinc chnisc~lir~ I.ivhit~t/rrrrgiihct:fulo.i itrrr/m. Die Reaktion hat daher eine zentrale Bedeutung (z. B. für die Düngemittelindustrie). NH, wird in riesigen Mengen erzeugt (Weltproduktion 120. 106 t) und hauptsächlich zu sticksto#aitigen Düngemitteln verarbeitet (Weltproduktion 91 . 106 L), außerdem wird es zur Herstellung von HNO, und von Vorprodukten für Kunststoffe und Fasern verwendet. Die Wasserstoffatome im NH, könncn durch Metallatome erset7t werden.
468
4 Die Elemente der Hauptgruppen
L
Beim Erhitzen reagiert gasförmiges Ammoniak mit Alkalimetallen oder Erdalkalimetallen zu Amiden. 2Na 2 N H 3 + 2NaNH2 + H, Aus Amiden der Erdalkalimetalle erhält man bei weiterem Erhitzen Imide
+
Ca(NH2),
+
CaNH
+ NH,
und schließlich Nitride.
+
3CaNH -t Ca3N2 NH, In Wasser entsteht aus den Ionen NH;, N H
T."
H2N-NH2 ~i~ beiden NH2-Gruppen sind um die N-N-Achse des Moleküls Ca. 100' gegenei~ z dieser c ~ ~ i cKonformation )~~). ist die Abstol3ung nander verdrillt ( y u o ~ b i - K o n i ~ ~ ~ ~ In den freien Elektronenpaaren am kleinsten. Im Gleichgewicht besteht N2H4 n, gleichen Teilen aus zwei spiegelbildlichen Isomeren, die sich mit hoher Frequenz (Aktivierungsenergie 3 kJ/mol) ineinander umwandeln.
H 2
und N 3 - sofort NH,.
Beispiel:
H\N'
I /-
IN
'H Es kurin wie bei den Hydriden und Carbideni\i.i\c,hc,ir.v(rls(rr.ti~yc,tl. lio~.crl(,ri/~ I , oirtl ~nctallur/tgcnNirriclcw itn trr..schi~~Ic~~~ I i~c~i.tlrw. Salzartige Nitride bilden Lithium, Natrium, die Erdalkalimetalle. die Lanthano]& und Actinoide. Als Festelektrolyt geeignet ist Li,N, das aus Li+- und N3--lonen aufgebaut ist und einer der besten festen Ionenleiter ist (vgl. Abschn. 5.7.5.1). Ladungsträger sind die Li+-Ionen. In den Verbindungen BaN, und SrN, sind N,2--Ionen vorhanden, die isoelektronisch mit C";-Ionen sind. Kovalente Nitride entstehen mit den Elementen der 3. bis 5. Hauptgruppe. Die Nitride BN (vgl. Abschn. 4.8.4.6), A1N und Si,N4 (vgl. Abschn. 4.7.10.3) gehören zu den nichtmetallischen Hartstoffen und werden als Hochleistungskeramiken \.erwendet. GaN und InN kristallisieren irn Wurtzitgitter und sind wegen ihrer Halbleiter- und Lumineszenzeigenschaften interessant. P,N, bildet eine dreidimensionale Raumnetzstruktur aus eckenverknüpften PN4-Tetraedern. Metallartige Nitride werden von den Übergangsmetallen der 4.-8. Nebengruppe gebildet. Dazu gehören die metallischen Hartstoffe. Sie wurden bereits bei den Einlagerungsverbindungen im Abschn. 2.4.6.2 behandelt. Sowohl ionische als auch metallische Bindung ist im Subnitrid NaBa,N vorhanden. Die Ba- und N-Atome bilden Säulen aus flächenverknüpften Oktaedern, zn'ischen denen sich die Na-Atome befinden. Innerhalb der Säulen ist die Bindung ionisch: (Ba:+N3-),+3e-. Die positiv geladenen Säulen werden durch die überschüssigen Elektronen metallisch aneinander gebunden. Die sowohl zwischen den Säulen als auch den Na-Atomen vorhandene metallische Bindung hat metallisches Verhalten der Verbindung zur Folge. Ionisch und metallisch ist auch die Bindung im Subnitrid Ca,AuN, das im Perowskit-Typ kristallisiert: (Ca3'Au- N 3 ) ' + 2 e . Die Bindungsverhältnisse sind denen in Rb- und Cs-Suboxiden analog (vgl. Abschn. 4.10.4.2).
Hydrazin N,H, -2
N2H4ist eine farblose Flüssigkeit (Smp. 2' C, Sdp. 1 13 'C), die an der Luft raucht. In1 N2H4-Molekülist eine N-N-Einfaclibindung vorhanden, die Bindungswinkel entsprechen etwa einer sp3-Hybridisierung.
ui-rr -
H
H
s
H
H'~/ I /-
NI
H/
wie die F-F- und die 0-0-Einfachbindung
besitzt auch die N-N-Einfachbindung eine kleine Bindungsenergie (vgl. Tabelle 2.14). Hidruziii ist daher ciiir ~n~lothi~rnic~ yerbitidurig(A H; = + 51 kJ/mol), die beim Erhitzen oder bei Initialzündung explosionsartjg zerfällt.
Mit Wasser ist Hydrazin unbegrenzt mischbar. WLiprige LGsany~elassen sich gefahrlos handhaben. Sie huhrii rodil;ierunik iitid h u . ~ i ~ ~ Eigeii.scliuftc~n. li<~ Cu(11)-Salze werden ZU C u 2 0 ,Ag- und Hg-Salze zu den Metallen, Selenit und Tellurit zu den Elementen reduziert. Dabei wird N,H4 zu N2 oxidiert. Mit Sauerstoff verbrennt N2H4unter großer Wärmeentwicklung und wird daher als Raketentreibstoff verwendet.
N2H4 ist eine schwächere Base als NH,.
Es gibt zwei Reihen von Hydradniumsalzen. N2H:-Salze sind in Wasser beständig. N2H;+-Salze wie N2H6C12und N2H6S04hydrolysieren, da Km sehr klein ist.
N2H4 kann durch Oxidation von NH, mit NaOCl hergestellt werden. wobei als Zwischenprodukt Chloramin NH2Cl auftritt (Rusc~lii~q-S~rith~~.se). NH, + NaOCl -' NaOH + NH2Cl N H ~ ~ +~ NaOH ~ -+ ~ H2N-NH, H , + NaCl + H 2 0 H20 Gesamtreaktion: 2 N H 3 + NaOCl -' N2H4 + NaCl
+
Spuren von Schwermetallen katalysieren die Konkurrenzreaktion
470
4 Die Elemente der Hauptgruppen
..-
Daher werden Komplexbildner wie EDTA zugcsetrt. die die S ~ h w e r i n e ( ~ l l i ~ ~ ~ ~ stellt man durch Überleiten von N 2 0 über NaNH, her. binden. 190°C Heute wird Hydrazin überwiegend durch Oxidation von NH, mit Natriuinh NaNH2 + N 2 0 ---4 NaN, + H 2 0 in Gegenwart von Aceton hergestellt ( ß « > ~ o i f ' i o : < ~ j fDas l. Z W ~YPo- S C ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ist ~ e e t o n a z i n . HN, erhält man aus - I NaN, mit verdünnter H2S04. 2NH,
+ NaOCl + 2CH,COCH,
(CH,),C=N-N=C(CHJ2
-+
+
(CH,),C=N-N=C(CH,), NaCI + ~ H , Q 2 k i 2 0 1 2CH3COCH3 + N,H,
+
180°C metastabil. Diazen (Diimin) N2H2. Festes Diazen ist gelb und unterhalb N2H4mit 0, oder entsteht als Reaktionszwischenprodukt bei der Oxidation von
Derivate des Hydrazins sind als Polymerisationsinitiatoren, als Herbizide und pharmaka von Bedeutung. Dargestellt wird -1 es durch Thermolyse von Hydrazinderivaten.
Stickstoffwasserstoffsäure HN,
TetraZen N4H4 kristallisiert in farblosen Nadeln. Bei 0°C zersetzt es sich in N2, N2H4 und NH4N„ bei -30°C ist es metastabil.
1 --
3
Wasserfreies HN, ist eine farblose, explosive Flüssigkeit (Sdp. 36 'C). 2HN3
--t
3N2
+ H,
AH" = - 538 kJ/mol
Die Salze der Stickstoffwasserstoffsäureheißen Azide. Das Ni-Ion ist ein Pseudohalogenidion (vgl. Abschn. 4.4.10). Schwermetallazide wie AgN, und Pb(N,), sind schwerlöslich und explodieren bei Erhitzen oder Schlag. Pb(N,), wird als Initiülzünder verwendet. Alkalimetall- und Erdalkalimetallazide lassen sich bei höherer Teinperatur kontrolliert zersetzen.
4.6.5 Hydride des Phosphors, Arsens, Antimons und Bismuts
+
Die Stabilität der gasförmigen Hydride NH„ PH,, AsH,, SbH„ BiH, nimmt mit steigender Ordnungszahl ab. SbH, und BiH, sind thermisch instabil. Zusammenstellung einiger Eigenschaften: NH3
Die Zersetzungsreaktion dient zur Darstellung von Alkalimetallen und Reinststickstoff. HN, ist ein starkes Oxidationsmittel. Metalle (Zn, Fe, Mn, Cu) lösen sich unter Stickstoffentwicklung.
Das Azidion ist linear und symmetrisch gebaut.
Im Gegensatz dazu enthält das HN,-Molekül zwei unterschiedliche N-N-Bindungen. 8 0 - o 0 H , ~ = ~ = ~ > H / - A-N=NI
-
A H: in kJ/mol Siedepunkt in "C Bindungswin kel Basizität
PH3
- 46 -
33
107" + nimmt ab
+
s(?) - 88 94"
AsH3
SbH3
BiH,
+66
+ 145
+ 278
- 17 91'
-
- 62
92"
+
-
17
Die Hydridmoleküle sind pyramidal gebaut. Mit zunehmender Ordnungszahl nimmt der S-Charakter des freien Elektronenpaares zu und damit die Basizität der Moleküle ab. Phosphoniumsalze, die das Ion PH: enthalten, sind weniger beständig als Ammoniumsalze; sie werden in wäßriger Lösung zersetzt.
AsH4 ist bereits unbeständig und bildet keine Salze. Darstellmg der Hydride: Hydrolyse von Phosphiden, Arseniden, Antimoniden mit Säure.
472
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Reduktion mit naszierendem Wasserstoff.
Distjckstoffmono~xid N 2 0
r4z0 ist ein farbloses, reaktionsträges Gas. Es ist metastabil (AHB= + 82 kJ/mol),
Reduktion der Halogenide mit LiAIH,.
aber erst oberhalb 600,'C in die Elemente. Es wird als Anästhetikum verd t, wen e unterhält aber die Atmung nicht. Da es eingeatmet H;illuzin;itionen und ~ ~ ~ h lhervorruft. ust wird es auch Lachgas genannt. Phosphor, Schwefel und Koh,p„toflverbrennen in N,O wie in Sauerstoff. Gemische mit Wasserstoff explodieren beim Entzünden wie Knallgas. ~~0wird durch thermische Zersetzung von Ammoniumnitrat hergestellt.
PH3 entsteht aus weißem Phosphor und Kalilauge unter Erwärmen.
.V.--
Neben Phosphan entsteht auch Diphosphan. Phosphan PH, ist ein farbloses, knoblauchartig riechendes, sehr giftiges Gas (sdp, - 88-C). Mit Hydrogenhalogeniden bilden sich Phosphoniumsalze, die in waRriger Lösung hydrolytisch zersetzt werden.
Diphosphan P2H, ist eine farblose Flüssigkeit (Sdp. 52 "C), es ist selbstentzündlich und zersetzt sich im Licht und in der Wärme unter Disproportionierung in PH3 und wasserstoffärmere Phosphane. Es sind zahlreiche weitere Phosphane bekannt. Isoliert hergestellt wurden bisher P,H„ P5H„ P,H, und ein polymerer Phosphorwasserstoff. Arsenhydrid (Arsan) AsH, ist ein farbloses, äußerst giftiges Gas (Sdp. -67 C). Seine thermische Zersetzung und Abscheidung als Arsenspiegel wird zum Nachweis von As verwendet (Marshsche Probe). Das sehr giftige As(CH3), kann sich durch Wirkung von Schimmelpilzen aus dem grünen Farbpigment [Cu, (ASO,), . C U ( C H , C O O ) ~ (Schweinfurter ] Grün) bilden (Biomethylierung).
- 3
+5
NH4NO3
200C
N20+ 2H20
+ I
A H"
=
-
124 kJ/mol
oberhalb von 300°C kann explosionsartiger Zerfall von N H 4 N 0 3 erfolgen. Das Molekül N,O ist linear gebaut. isoelektronisch mit CO,, N; und NO: und kann mit den folgenden Grenzstrukturen beschrieben werden.
N 2 0 ist eines der wichtigeren klimawirksamen Spurengase (vgl. Abschn. 4.1 1). Es wirkt in der Stratosphare ozonzerstörend und tragt zum Teibhauseffekt bei. Für die Zunahme der N20-Konzentration in der Atmosphire sind landwirtschaftliche Aktivitäten verantwortlich: verstärkter Einsatz mineralischer Dünger und Ausweitung des Nassreisanbaus. NO; wird mikrobiell zu N,O reduziert.
Stickstoffmonooxid NO. Distickstoffdioxid N 2 0 , I
NO ist ein farbloses, giftiges Gas, das aus N, und 0, in endothermer Reaktion
entsteht. i N 2 + 40,
4.6.6 Oxide des Stickstoffs Es gibt Oxide des Stickstoffs mit den Oxidationszahlen Oxidationszahl Stickstoffoxide
+1 N2
Cl
+2
NO
+ 1 bis + 5.
+3
+5
+4
N2°3
NIo,
ßk .~lic~~~.sro//o.\-i(lc .vilrd I I I I I / I I 1 0( )I 0 1 ~ ' ~ ' / ~ ~ / I (A/ 111, ~ / .S~~(~/,.Y/O//~.YIC/L~ ~J~~'II. :c>l./(///L,l1 /lc,jlllEl,/li/-- ( .> / I .
N2°5 - . ~ 2 0 4
.
( I . c~~l(lorlic~i I'
Die O,~ir/c~ NO zrnd NO2 he.si/zcn ein ~u7gcy,clrrrto.t.Ek~ktroll,c.\i.rtirrc~rl(her hr2i R ( l i / ' l ~ tet?lpcJrtrtirrals stcrhile Rudikalt.. Sie .rtr>henirl? Glrir~llgc~i~-ic~lli rtlit c/icrr~log~irti.vc~~~~'ll 1'. Vieren, die in den kondensierten Phasen bei tiefen Temperaturen überwiegen. Nachgewiesen wurde das paramagnetische, instabile Radikal NO,, jedoch nicht als reine Verbindung isoliert. N 4 0 ist nur bei tiefen Temperaturen isolierbar. es ist ein Nitrosylazid.
+ NO
A H," = + 90 kJjmol
Bei Raumtemperatur liegt das Gleichgewicht vollständig auf der linken Seite. Bei 2000°C ist ein Volumenanteil von 1 O/o NO, bei 3000°C von 5 OO/ NO im Gleichgewicht mit N, und 0,. Durch Abschrecken kann man N O unterhalb von etwa 400'C metastabil erhalten (Abb. 4.22). N O ist ein Zwischenprodukt bei der Salpetersäureherstellung. Früher wurde N O durch „Luftverbrennung" in einem elektrischen Flammenbogen hergestellt. Die technische Darstellung erfolgt heute mit dem billigeren Ostitdd- firliibrc~n.bei dem NH, in exothermer Reaktion katalytisch zu NO oxidiert wird.
Ein NH3-Luft-Gemisch wird über einen Platinnetz-Katalysator geleitet. Die Kontaktzeit am Katalysator beträgt nur etwa '/„,,, s. Dadurch wird NO sofort aus der heißen Reaktionszone entfernt und auf Temperaturen abgeschreckt. bei denen das metastabile NO nicht mehr in die Elemente zerfällt.
474
'.
4 Die Elemente der Hauptgruppen
I
4.6 Crruppe
IJ
~t I
.J
erst im kondensierten Zustand. Als Dimer bildet sich ein diamagnetisches ~ ~ l ~niit k cis-l
Volumenanteil NO i%l
0
Temperatur ( K )
-
-
/
\
0
Die ,,~i~ht"-Dimerisierung ist mit dein MO-Dia,Oramm von NO zu verstehen (vgl. ~ b b2.65) , Bei der Dimerisierung würde eine Kopplung der Elektronen in einen1 NO antibindenden Orbital erfolgen. Mit ~ a u c r s t q frrugicjrt f NO sponlutl zu NO,. AH = - 114kJi'mol 2 N 0 + 0, G 2 N 0 2
+
Abbildung4.22 Volumenanteil N O in % beim Erhitzen von Luft (4N2 0,).Nur bei hohen Temperaturen erfolgt Bildung von NO aus N, und 0,. Unterhalb 400°C ist NO metastabil. darüber erfolgt Zerfall in die Elemente.
Im Labor kann NO durch Reduktion von Salpetersäure mit Kupfer hergestellt werden (vgl. S. 478).
Die Bindung kann am besten mit dem in Abb. 2.65 angegebenen MO-Diagramm beschrieben werden. NO besitzt 11 Valenzelektronen und das X*-Orbital ist nur mit einem Elektron besetzt. Das Molekül ist daher paramagnetisch und der Bindungsgrad beträgt 2,5. Durch Abgabe des einsamen Elektrons kann das NO-Molekül leicht zum Nitrosylkation NO' oxidiert werden, das mit N 2 und CO isoelektronisch ist und den Bindungsgrad 3 besitzt (vgl. S. 460). Von N O t sind ionische Verbindungen bekannt. Z. B. NOCIO,, NOBF, und NOHSO,. Das Nitrosylhydrogensiilfat entsteht als Zwischenprodukt bei der Schwefelsiiureherstellung nach dem Bleikanmervcrfahren (weiße ..Bleikammerkristalle"). Die Nitrosylsalze reagieren mit Wasser zu Salpetriger Säure.
Mit Übergangsmetallionen bildet N O t wie CO Komplexe. Der braune Ring beim NO;-Nachweis z. B. entsteht durch das Komplexion [ F ~ ( H , O ) , N O ] ~N~O . lagert sich an das Zentralion an und gibt dabei formal ein Elektron ab.
Meist sind Moleküle mit ungepaarten Elektronen gefärbt und sehr reaktiv. NO ist jedoch ein farbloses. mäßig reaktives Gas, das unrein im kondensierten Zustand blau aussieht. Für das Radikal NO sollte man eine Dimerisierung erwarten. Die Diriiwiiicrii~i:.
oberhalb von 6 0 0 C liegt das Gleichgewicht vollständig auf der linken Seite. Das NO-Molekül spielt beim Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre eine Rolle (vgl. Abschn. 4.1 1). Es ist außerdem ein biologisch relevantes Molekül Erst in den 90er Jahren erkannte man, dass es in nienschlichen Zellen synthetisiert wird und als Botenstoff und für Kontrollfunktionen bei einer Vielzahl physiologischer Prozesse wichtig ist: Blutorinnung, Blutdruck-Kontrolle. Vasodilatation (Relaxation von glatter Muskulatur, z. B. des Verdauungstraktes und der Blutgefäße). Zur Verringerung des arteriellen Blutdrucks z. B. bei frischen Herzinfarkten wird Nitroprussidnatrium Na,[Fe(CN),NO] 2 H 2 0 (siehe Abschn. 5.16.5) als schnell wirkender Vasodilatator eingesetzt. Distickstofftrioxid N 2 0 3 N 2 0 3 entsteht als blaue Flüssigkeit beim Abkühlen einer Mischung aus gleichen Stoffmengen der beiden Radikalmoleküle NO, und NO. NO
+ NO2
N203
AH"
= - 40
kJ/mol
Bereits oberhalb - 10°C zerfällt N,03 in Umkehrung der Bildungsgleichung. bei 25 "C enthält der Dampf nur noch 10 % undissoziiertes N,03. N 2 0 , ist das ~ n h y d r i d der Salpetrigen Säure. Mit Laugen reagiert N 2 0 3 (oder ein NO-NO,-Gemisch) daher zu Nitriten.
Das N203-Molekül ist planar gebaut und enthält eine schwache N - N - ~ i n d ~ n g . es kann als Nitrosylnitrit beschrieben werden.
Stickstoffdioxid NO,. Distickstofftetraoxid N 2 0 4 NO, ist ein braunes, giftiges, paramagnetisches Gas, das zu farblosem diamagnetlschen N20, dimerisiert.
476
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.6 Gruppe 1 5
477
Distickstoffpentaoxid N,O, Bei 27 "C sind 20 %, bei 100 -C 90 ?4N 2 0 4dissoziiert. Bei - I1 ' C erhält man farblose N205 ist das Anhydrid der Salpetersäure und kann aus dieser durch Entwässern mit Kristalle von N 2 0 4 . p,oloerhalten werden. NO, ist ein Zwischenprodukt bei der Salpetersäureherstellung. I m Labor crbali man es durch thermische Zersetzung von Schwermetallnitraten im S a ~ e r s t o ~ ~ ~ ~ ~ ~ , Pb(N03),
250-600 C
Pb0
~
+ 2 N 0 2 + 50,
besitzt&?ionogene Struktur [NO;] [NO, 1 und ist also ein Nitrylnitrat. Im gasförmigen Zustand sind Moleküle der Struktur
Oberhalb 150 C beginnt NO, sich in NO und 0, zu zersetzen. bei 6 0 0 C ist der /,11./~,11 vollständig.
NO, und N 2 0 4 sind starke Oxidationsmittel. NO, ist das gemischte Anhydrid der Salpetersäure und der Salpetrigen Säure. ~ j i Lauge reagiert NO, bzw. N,O, nach N,O,
+ 2OH-
, NO;
~bildet 0 farblose , Kristalle. die bei 32 C sublimieren, mit Wasser zu HNO, reagie-
,,,und sich bereits bei Raumtemperatur zu NO, und 0, zersetzen. Festes N,O,
vorhanden. Vom NO:-Ion (vgl. oben) sind farblose Salze bekannt z. B. N 0 2 C I 0 4 . NO: ist ,uch in der Nitriersäure (konz. HNO, + konz. H2S04)vorhanden, mit der aromatische Kohlenwasserstoffe in Nitroverbindungen überführt werden können (vgl.
+ NO; + H,O
NO, ist gewinkelt und kann nach neuen VB-Berechnungen mit folgenden Grenzstrukturen etwa gleichen Gewichts beschrieben werden.
Hydroxylamin NHzOH -I
Formal ist N H 2 0 H ein Hydroxylderivat von NH,. Es kristallisiert in farblosen Kristallen (Smp. 32 "C), die sich bei Raumtemperatur langsam zersetzen und oberhalb 100°C explosionsartig in NH,, N, und H,O zerfallen. NH,OH ist eine schwächere Base als NH, (pK, = 8.2). In saurer Lösung disproportioniert es zu NH, und N 2 0 , in alkalischer Lösung zu NH, und N ,.
N,O, besteht in der Gasphase und auch im festen Zustand aus planaren Molekülen mit einer schwachen N-N-Bindung.
4 NO, kann leicht zum Nitrition NO; reduziert und zum Nitrylion NO: (vgl. S. 484) oxidiert werden. NO: ist ein lineares Molekül mit einem sp-Hybrid am N-Atom lind isoelektronisch mit CO,. 1
Die Stickstoffoxide N O und NO, sind L„lt.idr~id
I
6
~
-
-3
+1
~ 2 N0 H 3~+ N,O
+ 3H20
ZU Hg, wobei ESist ein starkes Reduktionsmittel und reduziert Ag+ zu Ag und es ZU N, oxidiert wird. Mit anderen Oxidationsmitteln reagiert es auch ZU N 2 0 und NO. Gegenüber Sn 2 +,e r 2+,V2+ reagiert es als Oxidationsmittel und wird ZU NH3 reduziert. Die Darstellung erfolgt großtechnisch mit drei Verfahren. Beim StickstoffmonoOxid-Reduktionsverfahren wird NO mit Wasserstofl' in saurer Lösung katalytisch (Pt, Pd) zu Hydroxylammoniumsulfat reduziert.
98 % der Gesamtproduktion wird zur Herstellung von Caprolactam verwendet, das zu Polyamiden verarbeitet wird. Beständiger als NH,OH sind die Hydroxylammoniumsalze wie [NH,OH]CI oder
478
4 Die Elemente der Ha~ptgrup~en
4.6 Gruppe 15
479
4.6.7 Sauerstoffsäuren des Stickstoffs
WO, (Weltproduktion ca. 30 10" t) wird übcrwiegcnd zur Herstellung von Diin-
Die wichtigsten und stabilsten Sauerstoffsäuren sind:
gemitteln, vor allem NH,NO, und für Sprengstoffe verwendet. wasserfreie HNO, ist eine farblose Flüssigkeit (Sdp. 84'C). Beim Sieden erfolgt Z e r s ~ t ~ ndie g , durch Lichteinwirkung schon bei Raumtemperatur einsetzt.
Salpetersäure HNO, Salpetrige Saure HNO, Hyposalpetrige Säure H,N,O,
Oxidationszahl
Salze
+5 +3 1
Nitrate Nitrite
\
-
--
+
Hyponitrite
Außerdem sind einige instabile Oxosäuren bekannt. +5 Peroxosalpetersäure HOONO, Sie zerfällt bereits bei -30'C Salze sind nicht bekannt.
-
explosionSrriig,
+3
Peroxosalpetrige Säure HOONO. Sie wandelt sich rasch in die isomere Salpeter. säure um. Alkalische Lösungen sind stabiler. Salze konnten nicht isoliert werden,
4HN0,
--, 4 N 0 ,
+ 2 H 2 0 + 0,
HNO, wird dahrr in braunen Flaschen aufbewahrt. Gelöstes NO, färbt HNO, gelb bis rotbraun. Die konzentrierte Säure hat einen Massenanteil von 69 HNO,, sie sidet hei 122°C als azeotropes Gemisch. Rauchende Salpetersäure enthält NO, gelöst und entwickelt an der Luft rotbraune Dämpfe. HNO, ist ein i i u i k t ~ rO.ridutionsmittrl. NO
+ 6H,O
$
NO;
+ 4 H 3 0 + + 3e-
E" = + 0.96 V
Oxohyposalpetrige Säure H2N203.Die Säure ist instabil, das Anion
Die konzentrierte Säure löst Kupfer, Quecksilber und Silber, nicht aber Gold und Platin. 3Cu 2NO; 8H,O+ --t 3Cu2* 2 N 0 + 1 2 H 2 0
ist in alkalischen Lösungen relativ stabil. bekannt ist das Salz Na,N,O,.
Einige unedle Metalle (Cr, Al, Fe) werden von konz. HNO, nicht gelöst, da sich auf ihnen eine dichte Oxidhaut bildet, die das Metall vor weiterer Säureeinwirkung schützt (Pussitlierung). Diese Metalle lösen sich nur in verdünnter HNO,. Die Mischung von konz. HNO, und konz. HCI im Volurnenverhältnis 3 : 3 heißt Königswasser. Es löst fast alle Metalle, auch Gold und Platin, da aktives Chlor entsteht und mit den Metallionen Chlorokomplexe gebildet werden, die das Redoxpotential beeinflussen (vgl. Abschn. 3.8.8):
+2
Salpetersäure HNO, H N O , wird groJjlechnisch durch Eirileiren c o t ~N 2 0 4 iti WUSSLY hergestellt, wobei zur Oxidation noch Sauerstoff erforderlich ist.
N,O,
+ H 2 0 + 50,
20-35 -C -----t
2HN0,
3-1 0 bar
Im einzelnen laufen folgende Reaktionen ab: Aus N 2 0 4entsteht mit Wasser durch Disproportionierung Salpetersäure und Salpetrige Säure. +4 +5 +3 N 2 0 4 H,O -, HNO, HNO:
+
+
HNO,
+
+ 3 HCI
+
+
NOCl
+ 2C1 + 2 H 2 0
Niob, Tantal und Wolfram werden von Königswasser nicht gelöst. Eine Mischung von konz. HNO, und konz. H2S04(Nitrier.\iiure) wirkt nitrierend. Dabei ist das angreifende Teilchen das NO:-Ion.
+
HNO, ist instabil und disproportioniert (ugl. S. 480). Das HN0,-Molekül ist planar gebaut und kann mit den beiden Grenzstrukturen NO reagiert mit Luftsauerstoff zu NO2, das überwiegend dimerisiert (vgl. S. 474). ?NO
+ O2 --, N 2 0 4
Letztlich wird Salpetersäure durch mehrere großtechnische Reaktionen aus dem Stickstoff der Luft hergestellt: N2
+H2
Haber-Bosch-Verfahren
NH3
+0
2
--
+0
+O„H 0
+ NO -i NO, ---L HNO,
Ostwald-Verfahren
1-
-
beschrieben werden. Die Salze der Salpetersäure heißen Nitrate. Das Nitration NO; ist planar gebaut, die Bindungswinkel betragen 120'. es kann mit drei mesomeren Grenzstrukturen beschrieben werden.
480
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Mit NH, reagiert HNO, zu N 2 (vgl. S. 459).
HNO, besteht aus planaren c k - und trms-Isomeren. Wie beim HN0,-Molekül ist das N-Atom sp2-hybridisiert, die völlige Delokaljsierung des x-Elektronenpaares führt zu einer Sttrhiii.sici.iiii~tlc~.r.~C),.-fOil.\. daher ist das NOT-Ion stabiler als das HN0,-Molekül. Nitrate sind in Wasser leicht löslich. Alkalimetallnitrate zersetzen sich beim Erhitzen in Nitrite, während aus Schwermetallnitraten NO, und Metalloxide entstehen,
Nitrate sind, besonders bei höheren Temperaturen, Oxidationsmittel. Durch starke Reduktionsmittei wird das NO;-Ion ZLI NH, reduziert. NaNO, (Chilesalpe~e~), KNO, (Salpeter) und N H 4 N 0 3 sind wichtige Düngemittel (siehe Abschn.4.6.5). Bei höherer Temperatur kann sich N H 4 N 0 3 explosiv zersetzen. KNO, (Salpeter) ist im ältesten Explosivstoff Sc~lrii~cii.:i)rrl~.c.r. enthalten, der aus einer Mischung von Schwefel, Holzkohle und Kaliumnitrat besteht. Vom späten Mittelalter bis zur Neuzeit war die notwendige Beschaffung von Salpeter zur Herstellung von Schwarzpulver und von Düngemitteln schwierig. Dies führte zu iiationalen Konflikten und ist ein interessantes Beispiel für die Beziehung zwischen Wirtschaft und Politik. Zu hohe Nitratgehalte im Trinkwasser und in pflanzlichen Nahrungsmitteln (z. B. Salat) können im Speichel und im Dünndarm zu Nitritbildung führen (siehe unter Nitrit). Die Oxidation von Hämoglobin zu Methämoglobin führt zu Sauerstoffmangelsymptomen (Blausucht). Besonders empfindlich gegenüber Nitrit reagieren Säuglinge während der ersten Lebenswochen.
Salpetrige Säure HNO, H N O , ist in reinem Zustand nicht d~rr.r~c~llbai~, sondern nur in verdünnter Lösung einige Zeit haltbar. HNO, ist eine mittelstarke Säure (K, = 4 . 1 0 4 ) , sie :cr.sc~t:l ,\ii,lj unter Disproportionicrung.
HNO, kann je nach Reaktionspartner reduzierend oder oxidierend wirken. Als dzu7iionsnli//e/
fungiert sie gegenüber MnO,, PbO, und H,O„ als ~.\it/(ition.smitteI
NO;
+ 2 H 3 0 + + e - e NO + 3 H 2 0 2
gegenüber I - und Fe +.
E
=
+ 0,996 V
i?'-
cis
trmis
-.
Das [,-ans-Isomere ist um ? kJ/mol stabiler als das cis-Isomere. Beständig sind die Salze der Salpetrigen Säure, die Nitrite. Das Nitrition NO; - isoelektronisch mit 0, - ist mesomeriestabilisiert.
sp 2-Hybrid rr-Bindung Darstellung von Nitriten:
KNO,
Erhitzen
KNO,
+ $0,
-
Als K~iipi~~.\-ligiii~ii bildet NO; Nitrokomplexe Me + NO,. z. B. Kaliumhexanitrocobaltat(II1) K, [Co(NO,),], und Nitritokomplexe Me ONO. bei denen die Bindung an das Zentralatom über das 0-Atom erfolgt. NaNO, wird zur Haltbarmachilng von Lebensmitteln verwendet. z. B. als Nitritpökelsalz, ein Gemisch aus Speisesalz mit 0.4-0,5 O/O N a N O , Es konserviert g e p n Botiilismus und Salmonellen und bewirkt eine stabile Pökelfarbe. NaNO, ist giftig, die bei Verwendung von Pökelsalz vorhandene Nitritmenge gilt jedoch als ungefährlich Allerdings können sich bei gleichzeitiger Aufnahme von Aminen carcinogene Nitrosamine bilden (R,NH + NO; -, R2N-NO). Hyposalpetrige Säure H 2 N 2 0 2ist in reinem Zustand in weißen Kristallblättchen isolierbar. die leicht explodieren. Die wäßrige Lösung reagiert schwach sauer und zerfällt nach H,N,O,
,N 2 0
+ H20
N 2 0 ist nur formal das Anhydrid der Hyposalpetrigen Säure, denn weder die Säure noch ihre Salze lassen sich aus N,O herstellen. ES gibt zwei Reihen zersetzlicher Salze mit den Anionen HN,O; und N , O $ Sie reagieren in wäßriger Lösung alkalisch und wirken reduzierend. Von der Säure ist nur die trans-Form H- O
-\
-
N=N
\-
Q-H bekannt, Bei den Salzen gibt es auch die cis-Form.
482
\
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.6 Gruppe 15
4.6.8 Halogenverbindungen des Stickstoffs
8-61
NCI,
483
+ 3 H 2 0 -, NH, + 3HOCl
1
Die binären Halogenverbindungen der Zusanimensetzungen NX,, N,X4, N2X2und I N,X leiten sich vom Ammoniak, Hydrazin. Diimin und der S t i c k s t o f f w a s s e r ~ t o ~ ~ ~ ~ ~ re ab. Eine Übersicht enthält die Tabelle 4.17. Tabelle 4.17 Binäre S tickstoff-Halogen-Verbindungen Verbindungstyp
F
NX3 Stickstofftrihalogenide
NF3 farbloses Gas
CI
Br
I
NBr3 rotc, explosive Kristalle
NI3 roischwai-?C. explosive Kristalle
--.-
NCl; gelbes, explosives Öl AN," = - 125 kJ/mol AH," = +?29 kJirnol
-
.N,
~~f Grund der unterschiedlichen Bindungspolarität reagieren NF, und NCI, mit Wasser unterschiedlich. Nicht explosiv und bci tiefen Temperaturen beständig ist das Salz [NClJ' [AsFJ, das das tetraedrische Tetrachlorammoniumion NC1; enthält. ~ti~kstofftribromid NBr, lind Stickstofftriiodid NI, sind endotherme, er;p]osive Festkörper. Stickstofltriiodid bildet Ammoniakate NI, . n N H , (n = 1, 3. 5 ) . bei Raumtemperatur entstcht durch NH,-Abgabe NI, . NH,. NI, . NH, hat eine polymere Struktur, die aus Ketten besteht, in denen N annähernd tetraedrisch von I umgeben ist.
/ -
x l x
NI, . NH, schwarz.
X
explosive
Kristalle N2XA
N2FA
Distickstofftetrahalogenide - X2N-NX, (gauche- und trans-Form)
farbloses Gas AN," = - 7 kJ/mol
N2X2 Distickstoffdihalogenide X/ ~ = ~ / ~
trans-N2F2 farbloses Gas AN: = + 82 kJ/rnol ~ci'-N2F2 r ~ n s farbloses Gas AH+ +69 kJ/mol
- -
X/N'N\X
N3X Halogenazide
cis
N3F grüngelbes X / % ~ = ~ ~ Gas
-
-
-
-
-
NH, bildet mit je einem der endständigen I-Atome Charge-Transfer-Komplexe: -N-1. - . . NH, (vgl. Abschn. 5.4.8). In trockenem Zustand explodiert N I , . NH, bei der geringsten Berührung. Die Trihalogenide NX, ( X = F, Cl, Br) cntstrhen durch Reaktion von NH, mit dem Halogen. NH,
+ 3X2 + NX, + 3 H X
NI, Iäßt sich nicht in Gegenwart von NH, darstellen, es entstehen Ammoniakäte. aus denen es sich nicht durch Entfernung von NH, darstellen läßt, da dabei Zerfall in die Elemente erfolgt. Man erhält es in CFC1,-Lösung nach der Reaktion N3CI farbloses Gas, explosiv
N,Br orangerote Flüssigkeit, explosiv
Nd farbloser Feststoff, explosiv
Stickstofftrifluorid NF, ist ein farbloses, wenig reaktionsfähiges Gas, das erst beim Erhitzen mit Metallen zu Metallfluoriden reagiert. Von Wasser wird es nicht hydrolysiert. Ein NF3-Wasserdampf-Gemisch reagiert durch Zündung.
NF3 wird technisch bei der Fertigung von Halbleitern und Flüssigkristalldis~l~~?s verwendet. Stickstofftrichlorid NCl, ist eine endotherme Verbindung. Die gelbe, ölige Fliissipkeit ist hochexplosiv. Mit Wasser erfolgt Hydrolyse.
B N + 31F
+
NI,
+ BF,
N2F4ist im Gegensatz zu NF, sehr reaktionsfähig. d a im Molekül eine sehr schwache N-N-Bindung vorhanden ist. N2F4 dissoziiert daher beim Erwärmen in NF2Radikale. N2F,
$
2NF2
A H ' = + 83 kJ/mol
Es gibt zwei Typen von Halogensauerstoffverbindu11ge1l mit Stickstoff-Halogen-Bindungen. Die Nitrosylhalogenide NOF, NOCl und NOBr leiten sich von der Salpetrigen Säure durch Ersatz einer OH-Gruppe durch ein Halogenatom a b (vgl. S. 474).
484
4 Die Elemente der Hauptgruppen
1
Die Nitrylhalogenide NO,F und NO,CI sind ganz entsprechend S%urehalognjde der Salpetersäure (vgi. S. 476).
4.6 Gruppe 15
485
polys~hwefeCpolynitrid (SN),, ist bronzefarben, diamagnetisch und schmilzt bei 1 3 0 ~Es ~ .besteht aus gewinkelten Ketten.
6
, Ge
0 4 "
X-N
Entlang der Ketten existiert metallische Leitfähigkeit, 4.6.9 Schwefelverbindungen des Stickstoffs Die wichtigsten Verbindungen sind S,N„ S4N4und das polymere (SN),. Außerdem sind Verbindungen des Typs S,N2 ( m = 4,11,15,16,17,19) bekannt. Die N-S-Bindung ist kovalent, N ist der negativ polarisierte Bindungspartner: 6+
6-
S-N. Tetraschwefel-tetranitrid S,N4 bildet orangefirbene, wasserunlösliche Kristalle (Smp. 178 "C). Es explodiert auf Schlag oder Stoß und beim Erhitzen.
4.6.10 Oxide des Phosphors Die phosphoroxide sind im Gegensatz zu den Stickstoffoxiden exotherme Verbindungen.
p,O, entsteht bei der Oxidation von Phosphor mit der stöchiometrischen Menge Sauerstoff als sublimierbare, wachsartige, giftige Masse (Smp. 24°C). S,N, ist sehr reaktionsfähg. Mit Lewis-Säuren (BF„ SbC13,SnCI,) bildet es Addukte, mit naszierendem Wasserstoff entsteht Tetraschwefel-tetraimid S,(NH),. S,N, entsteht durch Lösen von Schwefel in flüssigem NH3, präparativ kann es aus gasförmigem S2C12und NH4C1 bei 160°C hergestellt werden. Das S4N4-Molekül hat eine Käfigstruktur (Abb. 4.23). Die S-N-Abstände sind gleich groß, es liegen delokalisierte X-Bindungen vor, so daß die S-Atome die Oxidationszahl 3 haben.
+
N=S=N I
ISI I
I ISI I
N=S=N
-
N--N II
IS II
II SI II
N-S-N
Die Struktur läßt sich aus dem P,-Molekül ableiten; die P-P-Bindungen sind durch P-0-P-Bindungen ersetzt (Abb. 4.24). Phosphor(II1)-oxid besteht in allen Phasen und auch in Lösung aus P,O,-Molekülen. Bei 25 "C ist P40, an der Luft beständig, bei 70°C verbrennt es zu P40„. Nur mit kaltem Wasser erfolgt Reaktion zu Phosphonsäure, dessen Anhydrid P40, ist. P406 + 6 H 2 0 + 4 H 2 P H 0 3 Mit heißem Wasser entsteht außerdem P, PH, und H3P04.
pp'7 r+o-pi
0-50
/
Abbildung 4.24 Struktur von P40,. Phosphor(~)-oxidP 4 0 „
Abbildung 4.23 Käfigstruktur von S4N,. Die Abstände zwischen den gegenüberliegendenS-Atomen sind wesentlich kleiner (258 pm) als die van der Waals-Abstände(360 pm). Die Käfigstrukturwird durch S-S-Teilbindungen stabilisiert. (Vergleiche die isotype Struktur von ASS, in Abb. 4.29).
P40m entsteht bei der Verbrennung von Phosphor in überschüssigem Sauerstoff als weißes, geruchloses Pulver, das bei 359°C sublimiert. A HB= - 2986 kJ/mol P,+ 5 0 2 P,O„
-
Die Struktur leitet sich ebenfalls vom P,-Tetraeder ab. Jedes P-Atom ist tetraedrisch von Sauerstotf~tomenumgeben (Abb. 4.25). Das P-Atoiii ist sp3-hybridisiert. es biidet vier tetraedrische a-Bindungen und eine n-Bindung.
486
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.6 Gruppe 15
487
4.6.11 Sauerstoffsäuren des Phosphors Einen Überblick über die Sauerstoffsäuren des Phosphors und ihre Strukturen enthält Tabelle 4.18. Bevor die wichtigsten Phosphorsäuren und ihre Salze im einzelnen besprochen werden, sei auf einige Be.\onr/~rl~c~~tetz (/er P/~c~cpllor\rrirrc~~t hingewiesen. 1st am P-Atom ein freies Elektronenpaar vorhanden, isomerisiert sich eine P-OHAbbildung 4.25 Struktur des Moleküls P 4 0 „
Gruppe.
H I
P4010 reagiert mit Wasser äußerst heftig über Zwischenstufen (vgl. S. 490) Orthophosphorsäure.
p,O,, ist c~inecl~r\t.irl\~um.st(w I I . U S S ( > ~ C J I ~ I - ~S~L~ I( ~ > II ~S (~~ U ~ und IIZC dient I I als Trockenmittel und zur Darstellung von Säureanhydriden. An Luft zerfließt P40„ zu einem sirupösen Gemisch von Phosphorsäuren. Im Gegensatz zu N,O, ist P40„ kein Oxidationsmittel. Durch Erhitzen im abgeschlossenen System auf45O0Cwandelt sich das aus P,O,,Molekülen aufgebaute Phosphor(V)-oxid nacheinander in zwei polymere Formen mit einer Schichtstruktur und einer Raumnetzstruktur um. Struktur der Schicht:
In den Phosphorsäuren sind die P-Atome daher tetraedrisch koordiniert. Die sauren Eigenschaften der Phosphorsäuren sind durch die P-OH-Gruppen bedingt.
Die P-H-Bindung protolysiert in Wasser nicht, die am P-Atom gebundenen HAtome können nicht titriert werden. Demnach ist z. B. die Phosphonsäure H,P03 nur eine zweibasige Säure. Dies kann man mit der Schreibweise H 2 P H 0 3zum Ausdruck bringen. Phosphorsäuren und saure Phosphate kondensieren (vgl. S. 490) in vielfältiger Weise. In den kondensierten Phosphorsäuren und Phosphaten gibt es drei verschiedene Gruppen. I
Endgruppe
Die Phosphor(II1,V)-oxide P40„ P40, und P40, entstehen durch kontrollierte Oxidation oder thermische Disproportionierung von P,O, und bei der Rediiktion von P4OlO mit rotem Phosphor. Man erhält die Molekülstrukturen aus P40„Molekülen durch Entfernung exoständiger 0-Atome. Bekannt und strukturell untersucht sind auch Oxidsulfide und Oxidselenide, z. B. P40,S, und P40,Se, mit X = 1, 2, 3 (siehe auch S. 497).
Kettenglied
Verzweigungsgruppe
P o l y p h ~ s ~ h aenthalten te Kettenglieder und Endgruppen. Metaphosphate bestehen nur aus Kettengliedern, da sie ringförmig gebaut sind. Sind Verzweigungsgruppen vorhanden, spricht man von Ultraphosphaten. Die endständigen OH-Gruppen der kettenförmigen Polyphosphorsäuren sind schwach, die mittelständigen stark protolysiert. Die cyclischen Metaphosphorsäuren sind relativ starke Säuren. Das R e h \-i.(~r/luItcll der Phosphor-Sauerstoffsäuren und ihrer Salze ist in den f ~ l genden Potentialdiagrammen dargestellt (Redoxpotentiale in V).
488
4 Die Elemente der Ha~ptgrup~en
Das Oxidationsvermögen ist in saurer, das Redukti~nsvermö~en in alkalischer Löung größer. Bei jedem pH-Wert ist Phosphor das stärkste Oxidationsmittel. In s alkalischer L-iisungsind die stärksten Reduktionsmittel Phosphor, gefolgt vor1 Phosphinat und I'hosphonat. Phosphor disproportioniert bei jedem pH-Wert. ~~thophosphorsäure H3P0, H,PO, bildet farblose Kristalle (Smp. 42 .C), die sich gut in Wasser lösen. Konzentrierte Lösungen sind sirupös, da die H,PO,-Moleküle - wie auch im festen Zustand -durch Wasserstofirücken vernetzt sind. Handelsüblich ist Phosphorsä ure mit einem Massenanteil an II,PO, von 8 5 % . H3P0, isi eine mittelstarke dreibasige Säure, sie bildet daher drei Reihen von Salzen.
M~H,PO, +1
Me,HPO, +1
Me,PO,
I
Dihydrogenphosphate
(primäre Phosphate)
Hydrogenphosphate
(sekundäre Phosphate)
Orthophosphate
(tcrtiäre Phosphate)
Das ~ 0 $ - - I o nist tetraedrisch gebaut. die Sauerstoffatome sind gleichartig gebunden. Die Bitidungen lassen sich mit einem sp3-Hybrid ;im P-Atom und einer delokalisierten n-Bindung deuten (vgl. S. 161). Das PO;--Ion ist isoelektronisch mit S O : und C10,. Als säuernder Zusatzstoff ist Orthophosphorsäure i n Coffein-haltigen Erfrischungsgetränken zugelassen (bis 0,7 g/1). Tcchnisch verwendet wird Orthophosphorsäure zur Ziiikphosphntierung. dem wichtigsten Korrosionsschutz von Stählen. Die Phosphatierlösungen enthalten neben H,PO, hauptstichlich Zn-Salze. Die Phosphatieruiig erfolgt bei 4 5 - 7 0 C mit Tauch- oder Spritzverfahren in 2 - j Minuten. Die schüt~endenSchichten sind einige nm dick. Bei der Phosphatierung von Stahloberflächen bildet sich Phosphophyllit. FeZn,(PO,), . 4H ,O. Wird, wie in der Automobilindustrie iiblich, oberflächenveredelter. verzinkter Stahl eingesetzt. bildet sich Hopeit, Zn, (PO,), . 4 H 2 0 . Calciumhydrogenphosphate sind wichtige Düngemittel (vgl. S. 494) und werdcn als Futtermittel verwendet. Na2HP0, findet Verwendung im Lebensmittelbereich und zur Tierernähriing, Ca(H,PO,), als Backpulver und CaIlPO,. 7 H,O in Zahncremes. H, PO, ii7ird utis natürlich vorkonmxndcm Ca, PO,), l ~ c r ~ ~ ~ . r tAuf e l l t .nassen1 Wege erfolgt Aufschluß mit verdünnter Schwefelsiiure.
Auf trockenem Wege wird zunächst weißer Phosphor hergestellt (vgl. S. 462), der mit Luftüberachuß zu P,O„ umgesetzt wird. Die H,,(/~o/!..s(> i.on P,O„ führt übcr die Zwischenstufen Tetrametaphosphorsäurc H,P,O„ und Diphosphorsäure H,P,O7 zu H,PO,. In der ersten Stufe werden zwei der sechs P-0-P-Brücken im P,O„
490
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.6 Gruppe 15 0
0
Ii
HO-P-OH
0
I
0
0 H
0
11
0
II I
HO-P-OH
I
I
0 H
5>
II HO-P-0H
HO-P-OH
I
0
0
II
491
+
0 H
H
0
II
I\
HO-P-0-P-0-P--0-P-OH
I
0 H
I
0 H
I
I
0 H
0 H
oder bei kettenverzweigender Kondensation die Ultraphosphorsäure iso-TetraDiphosphorsäure H,P,O,
Beim Erhitzen von H3P04 auf Temperaturen über 200°C erfolgt i r ~ ~ r r t ~ ~ o l i / , ~ , i ~ M/cls.vertrhspultung (Kondensation). Es entstehen Diphosphorsäure und Polyphosphorsäuren.
Reine H,P207-Lösungen erhält man aus Na,P207 durch H-Ionenaustauscher. Die wasserfreie Säure ist farblos, glasig. Sie löst sich leicht in Wasser und hydrolysiert zu H3P04. H4P207ist eine stärkere Säure als H,PO„ als vierprotonige Säure bildet sie Salze des Typs Me2H,P207 und Me,P207. Diphosphate Me4P207erhält man durch Erhitzen von Hydrogenphosphaten.
0
0
HO-P-0 H
HO-P-0 H
1I
I
0 H
II I
0 H
0
0
II HO-P-OH
I
0
H
II
-+
0
I1
O
il
HO--P-0-P-0-P-OH 1 1 1 0 0 ; H I HO-P-OH
Durch intrrrn~ol~hul(rrc k.on(lc.tisution entsteht aus Tetraphosphorsäure die cyclische Tetrametaphosphorsäure (HPO,),.
Na2H,P207 verwendet man als Backpulver. In Buoridhaltigen Zahncremes wird das gegen Fluorid nicht reaktive C a 2 P 2 0 7benutzt. Polyphosphorsäuren. Metaphosphorsäuren
Beim Erwärmen von H3PO4 auf Temperaturen über 300 "C führt die Kondensation zu Polyphosphorsäuren Ultraphosphorsäuren Metaphosphorsäuren
,
H, + 2P,03n+ mit linearen Ketten, H, + ,P,03, mit verzweigten Ketten, (HPO,), mit ringförmigen Molekülen.
Beispiel: Ko~(lc.~iscr~ioti erhält man aus vier H,PO,-Molekülen TetraDurch i~iterniolckrrlurc~ phosphorsäure H,P40„
P~lyphos~hate und Metaphosphate entstehen beim Erhitzen von primären Phosphaten. Während in den cyclischen Metaphosphaten n relativ klein ist (11 = 3-8) gibt es hochmolekulare Polyphosphate. Poly- und Metaphosphate sind waschaktive Substanzen, die Schmutz lösen könn e n Polyphosphate sind ausgezeichnete Emulgatoren für Wasser und Fett. Sie werden als Lebei-ismittelzusatzstoffe verwendet, z. B. in Schmelzkäse. Speiseeis, ebenso in Brüh- und Fleischwürsten. Niedermolekulare Polyphosphate werden als W ~ i r r ~ r c ~ t r t h
492
4 Die Elemente der Hauptgruppen
+.U
uiuppu
'd
0,-
72 vorhanden sind. Die Ketten bestehen aus spiralig angeordneten Dreierelnheiten ( , ~ b b4.26). . ~ ~ ~ ~ o l -entsteht s a i z aus geschmolzenem NaH2P0, durch Tempern. Die Polyhosphatketten bestehen aus spiralig angeordneten Vierereinheiten. P Alle Kettenphosphate wandeln sich bei 400 C in cyclisches Trimetaphosphat um. /
phosphinsäure HPH,02 p, disproportioniert beim Erwärmen in Wasser +1
i, + 6 H 2 0 --$H, + 3 H P H 2 0 2 Abbildung 4.26 Struktur von Polyphosphatketten
Ir1 allen h-otzcfetisiertcnPhosphatot~sinrlriit PO,-T<.truc(/rjr wkctzrerknüpfi. Mrrtl X ( , , / , I [ Polypho.vp/7utk~~ttet1 niit,jr 2 , 3 ori'clr 4 PO,-Trtruccf<~rnuls sich rric.(lc>rhol<>t7c/<, E I I I ~ I 11O I I , (Abb. 4.26). Hochmolekulare Polyphosphate verschiedener Struktur und Kettenlänge sind das Graham-. das Madrell- und das Kurrol-Salz. Das folgende Schema zeigt die Beziehungen zwischen diesen Salzen. Graham-Salz erhält man durch Erhitzen von NaH2P0, auf 625 "C und Abschrekken der erhaltenen Schmelze. Das glasartige, hygroskopische Salz besteht zu 90 OL,
In Gegenwart von Ba(OH), wird das Gleichgewicht nach rechts verschoben und es kann Bariumphosphinat Ba(PH202), isoliert werden. Mit H2S0, erhält man daraus die Säure. Die reine Säure bildet weiße Blättchen (Smp. 26°C). Es ist eine mittelstarke, einbai s ge Säure und ein stärkeres Reduktionsmittel als Phosphonsäure. E" = -0.50V H P H 2 0 2+ 3 H 2 0 -+ H2PH03 2H30i 2 e
+
+
Beim Erwärmen disproportioniert Phosphinsäure.
Phosphonsäure H2PH0, H,PHO, erhält man durch Hydrolyse von PCl,.
Na3P309
-
Na2H,P20,- v 400 C
Madrell-Salz
4
250 C h l o s s e n e s System)
Madrell-Salz
300 C
Tieftemperaturforni
U W
/-
N
Die reine Säure bildet farblose Kristalle (Smp. 70°C). Sie ist zweibasig und es leiten sich von ihr Hydrogenphosphonate MeHPHO, und Phosphonate Me2PH03 ab. Wie alle Verbindungen mit Phosphor der Oxidationszahl + 3 sind H 2 P H 0 3und ihre Salze starke Reduktionsmittel.
Kurrol-Salz Beim Erhitzen erfolgt Disproportionierung. +3
Schmelze
P
Abschrecken
Graham-Salz
aus linearen Polyphosphatketten mit n = 30 - 90 und 10% cyclischem Metaphosp h a t Es dient unter dem Handelsnamen Calgon zur Wasserenthärtung. Madrell-Salz entsteht durch Erhitzen von NaH2P0, oder Tempern von GrahamSalz. Die Tieftemperaturform besteht aus Polyphosphatketten mit n = 16 - 32, sie wandelt sich bei 300°C in die Hochtemperaturform um, in der Ketten mit n = 36
200'C
+5
4 H 2 P H 0 3 --+ 3H3P0, +-$H, p
~eroxophosphorsäuren ~erorodiphosphateentstehen durch anodische Oxidation von Phosphatlösungen2P04- -+
P208-
+ 2e
K,P20, ist in festem Zustand beständig.
494
4 Die Elemente der Hauptgruppen
peroxomonophosphorsäure erhält man durch Hydrolyse von Peroxodiphospliorsäure.
~ ~ b ~4.19 l l e Halogenverbindungen des Phosphors F
Cl
Br
I
phosphorpentahalogenide
farbloses Gas
farblose Kristalle
rotgel be Kristalle
schwarze Kristalle?
phosphortrihalogenide Px3
farbloses Gas
farblose Flüssigkeit
farblose Flüssigkeit
rote Kristalle - 46 kJ/mol
- 946 kJ/mol
AN; = - 320 kJ/mol
AH;
phosphortetrahalogenide P,&
farbloses Gas
farblose Flüssigkeit
verbinduWtyP /
Die Peroxophosphorsäuren sind unbeständig und gehen leicht unter Sauerstoftabin Phosphorsäure über, sie wirken daher oxidierend.
Phosphathaltige Düngemittel Phosphate sind wichtige Düngemiiiel. Mai1 verwendet entweder Calciuln- oder A ~ moniumphosphate (Weltproduktion 1999 37 . 10" i. berechnet als P,O,). Das in der Natur vorkommende Ca, (PO,), ist ui~löslichund muß iii eine Iijsliclle Verbindung umgewandelt werden. Durch Aufschließen mit h a l b k o n z e l ~ t r i t . ~ . ~ ~ Schwefelsiiure erhält man lösliches Ca(H,PO,), und wenig lösliches CaSO,. [)ic.,es Gemisch heißt „Superphosphat".
Zur Herstellung von Superphosphat wird etwa 60 % der Welterzeugung von Schwefelsäure verbraucht. das keiiit. Erfolgt der Aufschluß mit H,PO,. entsteht „Doppelsuperphosph~itL~, inaktiven CaS0,-Beimengungen enthält.
Besonders bei CaC0,-reichen Phosphaten ist dieses Verfahren vorteilhaft, da auch das CaCO, in lösliches Phosphat überführt wird. * CaCO, + 2 H 3 P 0 4 -+ Ca(H,PO,), CO, H20
+
+
Beim Aufschluß auf trockenem Wege wird Ca,(PO,), mit Soda, Kalk und Alkalisilicaten bei 1100-1200°C im Drehrohrofen gesintert. Das gebildete „Glühphosphatb' besteht aus 3 CaNaPO, . CaSiO, („Rhenaniaphosphat"). Es ist ein Langzeitdünger, da er nicht wasserlöslich ist und nur allmählich durch organische Säuren, die von den Pflanzenwurzeln geliefert werden, gelöst wird. Diammoniumhydrogenphosphat (NH,),HPO, ist Bestandteil von Mischdüngern wie „HakaphosU (Harnstoff, KNO,, (NH,),HPO,), „Leunaphos" ((NH,),SO,. (NH,),HPO,) und „Nitrophoska" ((NH,),SO„ KNO„ (NH,),HPO,). Es wird durch Einleiten von NH, iri H,PO, hergestellt.
.
T,-,
AHG
=
AHB
=
AHG
=
- 199 kJ/mol
=
- 444 kJ/niol
hellrote Kristalle AH; = - 83 kJ/mol
Die Beständigkeit der Phosphorhalogenide nimmt in Richtung I ab. Es gibt außerdem zahlreiche gemischte Halogenide, sowie Halogenidoxide und Halogenidsulfide. Struktur der Moleküle:
PX3 trigonale
PX5
trigonale Bipyramide
Pyramide
P&
trans-Konformation mit P-P-Einfachbindung
POX, verzerrtes Tetraeder
Pentahalogenide
4.6.1 2 Halogenverbindungen des Phosphors
PF, ist ein farbloses, hydrolyseempfindliches Gas, das man durch Chlor-Fluor-Austausch aus PCI, mit AsF, herstellt. Intermediär treten die gemischten Halogenide PCl,,F,,, auf. Die elektronegativeren Atome besetzen im Molekül die axialen Positionen. PF, ist eine starke Lewis-Siiure und reagiert mit F- ZLI PF(,--Ionen. Mit überschüssigem Cl, bzw. Br, reagiert weißer Phosphor oder das Trihalogenid zu weißem kristallinen PCl, bzw. rotgelbem kristallinen PBr,. A H' = - 124 kJ/mol PC1, + Cl2 + PCI, A H' = - 444 ~ J I ~ O ~ $P, 3c12 -+ PCI,
Phosphor reagiert mit allen Halogenen. Eine Übersicht über die ~alogenverbindungen des Phosphors enthält Tabelle 4.19.
Im festen Zustand sind beide Verbindungen salzartig gebaut. Sie bestehen aus den Ionen [PCl,]+ [PC],] bzw. [PBrJi B r . Eine metastabile PC1,-Modifikation enthält die Ionen [PCl,lf, [PCIJ und Cl-. Für PI, wird ebenfalls die Zusammen-
H3P04
+ 2NH3
+
(NH,),HPO,
+
496
'.
4 Die Elemente der Hauptgruppen
setzung [PI,]' I - postuliert, die Existenz von PI, ist jedoch fraglich. Existent ist aber das ~etraiodophosphoniumkationPI: in der Verbindung [PI,]' [ A S ~ f , ] - , pC1,-Moleküle treten im Gaszustand und in unpolaren Lösungsinittcln au[ PR ist in der Gasphase in PBr, und Br2 dissoziiert, in nichtpolaren L ö s u n g ~ m i t t eI,.;++ ~5' ~ ~ teilweise Dissoziation ein. PCI, sublimiert bei 159 C, bei hoheren Temperaturen zersetzt es sich reversibel ZU PCI, und CI, Es wird als Chlorierung~mittcibellur,+ Mit P,O„ erhält man Phosphorylchlorid POCI,.
4.6 Gruppe 15
497
pOCI, ist nur bei kontrollierter Hydrolyse faßbar. pOC1, ist eine farblose Flüssigkeit (Sdp. 105-C). die man technisch durch Oxidation von PCl, mit Sauerstoff herstellt.
..L
6PC15
+ P40„
-. 10POC13
PCI, ist eine Lewis-Säure und reagiert mit Chloriddonatoren zu oktaedrischen PC1;-Ionen. Die Pentahalogenide hydrolysieren leicht zu H,PO, und HX. PC15 POCIJ
+ H,O + 3H20
4 4
POCI, H,PO,
+ 2HC1 + 3 HCI
~rihalogenide pc],, PBr, und PI, können aus den Elementen hergestellt werden. PF, kann durch Fluorierung aus PCI, synthetisiert werden. PCI,
+ 3HF
4
PF,
+ 3HC1
Die Trihalogenide hydrolysieren leicht zu Phosphonsäure. PX3
+ 3H20
i
HLPHO,
+ 3HX
4.6.13 Schwefel-Phosphor-Verbindungen Bekannt sind die binären Sulfide P,S, mit n = 3 - 10. Es sind thermisch beständige Verbindungen. Die meisten können aus Schmelzen der Elemente hergestellt werden. Die Strukturen der Moleküle leiten sich von P,-Tetraedern ab (Abb. 4.27), aber nur einige sind den Oxiden analog (vgl. Abschn. 4.6.10). P4S„ wird zur Herstellung von Insektiziden und Schmierölzusätzen gebraucht. Man kennt auch Oxidsulfide des Phosphors, 2 . B. P,O,S, siehe auch S. 486).
Abbildung 4.27 Struktur der Phosphorsulfide P,S,(n -
-
-
-
-
P
-
-
-
-
-
-
=
3- 10).
-
-
und P,O,S, (Abb. 4.28,
498
4 Die Elemente der Hauptgruppeii
4.6 Gruppe 15
499
N 1
N4 ' \ N
;"I besitzt kautschukartige Eigenschaften („anorganischer Kautschuk"), ist aber hydro~~seernpfindlich. AUS den Chlorophosphazenen lassen sich durch Substitution der Cl-Atome zahlreiche andere Verbindungen (NPX,), (X=F, Br, SCN, NR„ CH„ C,H„ OR) herstellen. Ersetzt man im polyn~eren(NPCI,), Cl durch OR, NR,, R oder kettenverbinden& Gruppen wie -NR-, -0-, SO erhält man hydrolysebeständige Materialien, die gummielastisch bis glashart sind und zu Fasern, Geweben, Folien, Schläuchen und Röhren verarbeitet werden. Verbindungen (NPX,), mit Substituenten wie OCH,CF, greifen organische Gewebe nicht an; aus ihnen werden Organersatrteile hergestellt. Ersetzt man in den Phosphazenen jedes dritte P-Atom durch ein C- bzw. S-Atom erhält man Carbophosphazene bzw. Thiophosphazene.
Zwischen Phosphor(V)-nitriden und Silicaten (vgl. Abschn. 4.7.10.1) existieren strukturchemische Analogien. In1 LiPN, und HPN, hat [PN;] eine dem /j-Crisloballt isostere Struktur. PN,-Tetraeder sind über gemeinsame Ecken zu einer Rauinnetzstrukt~rverknüpft. Im Li4PN, gibt es Dreierringe aus eckenverknüpften p ~ , Tetraedern, analog den Cyclotrisilicaten, im Ca,PN, Ketten aus eckenverknüpficn pN4-Tetraedern, analog den Kettensilicaten. Li7PN, ist aus isolierten PNip-Ionen aufgebaut, die mit SiOip-Baugruppen isoelektronisch sind. Eine dem Sodalith ~a,[Al,Si,0„]Cl, (vgl. Abb.4.40) analoge Struktur existiert in der Verbindung Zn7[P,,N„]C1,. In1 Zentrum des /&Käfigs befindet sich ein C l - I o n , das von Zn" Ionen tetraedrisch umgeben ist (1/8 der Zn-Plätze ist statistisch unbesetzt). Analoge Nitridosodalithe gibt es auch mit Fe, CO,Ni, Mn und Br, I. Eine aufgefüllte Vari:inte dazu sind die Nitridosodalithe Zn,[P,,NZ4]X2 mit X = 0. S, Se. Die bekanntesten Phosphor-Stickstoff-Verbindungen sind die Phosphazene. Sic enthalten das Strukturelement -N=P<-. Phosphornitriddichloride (Chlorophosphazene) (NPCI,), entstehen aus PCI, und NH,Cl irn Autoklaven bei 120-C.
4.6.1 5 Verbindungen des Arsens 4.6.1 5.1 Sauerstoffverbindungen des Arsens
Es entstehen cyclische Verbindungen und kettenförmige Moleküle. Die cyclischen Verbindungen mit n = 3 - 8 sind destillierbare, bei Raumtemperatur feste, farblose Verbindungen. (NPCI,), schmilzt bei 11 3 "C, siedet bei 256'C und besteht aus planaren Sechsringen mit Bindungswinkeln von 120" und gleichen P-N-Abständen.
.
Die wichtigsten Verbindungen sind: Oxide
Oxosäuren
Arsen(II1)-oxid Arsen(V)-oxid Arsen(II1. V)-oxid
AszO, As2°5 As204
Arsenige Säure Arsensäure
H,AsO, H,As04
Arsen(II1)-Verbindungen
Im P3N3-Ringliegt aber nicht wie in1 Benzol ein aromatisches System mit vollständig delokalisierten K-Bindungen vor. Die K-Elektronen sind in Dreizentrenbindungen an den Gruppen PNP lokalisiert. Die Dreizentrenbindung entsteht durch Kombination des P,-Orbitals des N-Atoms mit leeren Orbitalen der benachbarten P-Atome. Die polymeren, kettenförmigen Moleküle (NPCI,), sind aus spiraligen Ketten aufgebaut. Durch Erhitzen niedermolekularer cyclischer Phosphornitriddichloride auf 300 C bilden sich Moleküle mit Kettenlängen bis n = 15000. Das hochpolyn~ere(NPCI,),,
Arsen(II1)-oxid As,O, (Arsenik) entsteht als sublimierbares, weißes Pulver beim Verbrennen von As an der Luft oder technisch beim Abrösten arsenhaltiger Erze. 2As + 1,50, + As,O, 2FeAsS 5 0 , + As,O,
+
+
A H; Fe,O,
=
-
657 kJ/mol
+ 2S0,
Es kristallisiert in zwei Modifikationen,die auch in der Natur vorkommen. Das etwas stabilere kubische As,O, (Arsenolith) wandelt sich bei 1 8 0 T in das monokline A s 2 0 3 (Claudetit) um. As203
kubisch
*
As203
monoklin
AH" = + 2 kJ/mol
500
4 Die Elemenie der Hauptgruppen
Die kubische Modifikation und auch die Dampfphase bestehen aus AsqO 6Molekülen, die dieselbe Struktur wie P40, besitzen (vgl A b b 4.24) Die monokline Modifikation enthält gewellte Schichten.
q
Arsen(II1)-Verbindungen sind starke Gifte. Schon 0,l ~ r s e n i kann k tödlich wirken, As,O, ist nur mäßig in Wasser löslich. Es bildet sich ~ r s e n i g Säure e H3As0,. Sie ist eine schwache, dreiprotonige Säure. die drei Reihen von Salzen (Arsenite) bildet, Versucht nian sie aus wäßrigen Lösungen zu isolieren, so kristallisiert As,O, aus. H,AsO, 1ä13t sich leicht reduzieren.
~bbildung4 29 Struktur der Arsensulfide Aa,S, und As,S,. Die beiden isomeren As4S4-Mdekdstrukturen sind mit denen von P,S4 isotyp (Abbildung 4.27). Die Darstellung von I 1st so ge~ählt. daß die Isotypie zum S4N,-Molekül deutlich 1st (vgl ~bbildung4.23). Realgar besteht aus As,S,(I)-Molekulen sind (vgl. Abb. 4.24). Die Struktur von As,S,, ist unbekannt. Die Moleküle As4S4 und As,S, sind in der Abb. 4.29 wiedergegeben. Amorphes, gelbes As2S3entsteht beim Einleiten von H 2 Sin salzsaure Arsenlösungen. In Ammonium- und Alkalimetallsulfidlösungen löst cs sich unter Bildung von Thioarsenit. As,S, + 3 S 2 -, 2AsSi-
In salzsaurer Lösung wird durch Sn(1J) braunes As ausgefällt (Bettendorfsche Arsenprobe). H3As0, ist schwerer oxidierbar als H,PO,. Die Reaktion mit J,
In Ammoniumpolysulfidlösungen wird durch Schwefel As(II1) zu As(V) oxidiert. Es entsteht Thioarsenat, das sich auch aus As2S, mit Sulfidlösungen bildet. As,S,
+ 3S2- + 2S
-
2AsS:-
Die Säuren H3AsS3 und H,AsS, zerfallen unter H2S-Abspaltung.
ist eine Gleichgewichtsreaktion. die zur iodometrischen Bestimmung von As(111) dient. Durch HC03-Ionen werden die entstehenden H,O +-Ionen aus dem Gleichgewicht entfernt und die Reaktion läuft quantitativ in Richtung H&04.
4.6.15.3 Halogenverbindungen von Arsen C
Durch Oxidation von As oder A s 2 0 3 mit konz. HNO, erhält man Arsensäure H3As04. Es ist eine dreibasige nlitlelstarke Säure, von der sich drei Reihen von Salzen (Arsenate) ableiten. Im Gegensatz zur Orthophosphorsaure ist sie eine oxidierende Säure (Zunahme der Beständigkeit der Oxidationszahl 3 mit zunehmender Ordnungszahl). Arsen(V)-oxid As,O, ist eine farblose, hygroskopische Verbindung, die durch Entwässerung der Arsensäure, nicht aber durch Verbrennung von As dargestellt werden kann. As,05 besitzt eine polymere Struktur.
+
4.6.15.2 Schwefelverbindungen des Arsens Es sind die binären Verbindungen As,s, (n = 3. 4. 5 , 6, 10) bekannt. In der Natur k ~ m m e nals Mineralien As4S4 (Realgar) und As2S3 (~uripigment)vor. Die meisten Strukturen leiten sich vom As4-Tetraeder ab. Die As,S,-Moleküle sind isotyp mit P4S3 (vgl. Abb. 4.27). As2S3 hat eine dem As203 analoge Schichtstruktur (\@. oben), der Dampf besteht aus &,Sb-Molekülen. die mit P406 ~ S O ~ Y P
Arsen bildet die binären Halogenide AsX„ AsX, und As,X,. Die Molekülstruktur ist denen der Phosphorhalogenide analog. Die Arsenhalogenide lassen sich aus den Elementen herstellen, mit Wasser erfolgt Hydrolyse. verbiridungstyp
F
C1
Br
I
Arsentrihalogenide AsX,
farblose Flüssigkeit
farblose Flüssigkeit
farblose Kristalle
rote Kristalle
AN," =
AH; = - 305 kJ/mol
- 197 kJimol
A H:' B - 58 kJ/mol
-
-
-
-959 kJ/mol
Arsenpentahalogenide AsX,
farbloses Gas
Diarsentetrahalogenide
-
AH;
=
- 1238
kJ/mol
Festkörper Zersetzung bei
A H :B, -
- 50 "C P P
dunkelrote Kristalle
Von den Trihalogeniden werden die verzerrt-tetraedrischen Ionen [AsF4]-, [AsCI,]- und [AsBr,] gebildet, von AsF, und AsCl, die okiaedrischen Komplex-
502
4.6 Gruppe 15
L
3 Die Elemente der Hauptgruppen
s~,s,+ 3S2- + 2 5
ionen [AsX,]. Es gibt eine Anzahl Verbindungen mit dem Kation [AsCI,] +.das mit großen Anionen stabilisiert wird, z. B. [AsCI,] [SbCI,]. Die binären ,+(V)Verbindungen AsBr, und AsI, sind unbekannt. Synthetisiert werden konnten aber die Verbindungen [AsBr,] [AsF,] und [Ast,] [AlCl,] mit den Kationell [ A I ~ r , l und [AsI,]', in denen Arsen mit der Oxidationszahl + 5 vorlicpt.
4
503
2SbS:-
Beim ~ ~ hentsteht i t die ~ stabile ~ ~ grauschwarze, kristalline Modifikation, die als Grauspießglanz in der Natur vorkommt. Die Kristalle enthalten Ketten.
-
-
sb s \s-b/ s \ ~ ~ / S \ ~ ~ /
\-,-"
I
I
4.6.16 Verbindungen des Antimons
I
I I
4.6.16.1 Sauerstoffverbindungen des Antimons
I
Beim Verbrennen von Antimon an der Luft entsteht Antimon(1II)-oxid Sb20,. Die kubische Modifikation ist mit kubischem A s 2 0 3(Arsenolith) isotyp; sie besteht wie die Dampfphase aus Sb,O,-Molekülen. Bei 606°C erfolgt Umwandlung in eine rhombische Modifikation, die aus Ketten besteht.
ISb
I&
~~timon(V)-suUid Sb& ist orangerot und wird in den Zündholzköpfen als brennbare Komponente verwendet.
-
-
4.6.16.3 Halogenverbindungen des Antimons
606 "C Sb203kubisch
FSb203
rhombisch
Es sind Verbindungen der Zusammensetzung SbX, und SbX, bekannt. Verbindungstyp
+1
S b 2 0 3ist amphoter. Mit starken Basen werden Antimonite MeSbO, gebildet. Mit starken Säuren entstehen Antimon(Il1)-Salze, z.B. Sb2(S04), und Sb(NO,)„ die dazu neigen, zu Antimonoxidsalzen wie SbONO, zu hydrolysieren. Durch Hydrolyse von SbCI, oder Oxidation von Sb mit konz. HNO, erhält man ,,AntimonsäureU, ein weißes Pulver, das ein Antimon(V)-oxidhydrat S b 2 0 5. s H 2 0 ist. Durch Entwässerung erhält man daraus Antimon(V)-oxid Sb,O,. S b 2 0 5löst sich schlecht in Wasser, wahrscheinlich bildet sich Hexahydroxoantimonsäure H[Sb(OH),], die Salze des Typs Me[Sb(OH),] bildet. Für die Analytik ist die Schwerlöslichkeit von Na[Sb(OH),] interessant. Bei 800°C entsteht aus Sb,O, und auch aus Sb,O, Antimon(II1,V)-oxid S b 2 0 s . Sb,05
800 'C
Sb204
F
800 C
.
F
C1
Br
I
rubinrote Kristalle AH;
Antirnontrihalogenide SbX,
farblose Kristalle
farblose Kristalle
farblose Kristalle
AHi
AH," = - 382 kJ/rnol
AH;
Antimonpentahahgenide
farbloses Öl
=
- 915 kJ/mol
SbX,
=
- 259 kJ/mol
-
=
- 100 kJ/mol
-
farblose Flüssigkeit AHB -
=
440 kJ/mol
In SbF, sind SbF,-Oktaeder über gemeinsame Ecken zu Ketten polymerisiert. SbF, ist ein F--Akzeptor und bildet [SbFJ-Ionen. Entsprechend entsteht aus SbCI, mit Metallchloriden das Komplexion [SbCl,]-. Die Trihalogenide bilden die Ionen [SbCI,]-, [SbC1,I2-, [SbC1,I3-, [SbF,12-, sowie die polymeren Ionen [Sb,F,]-, [Sb,F, ,I - und [Sb4F,,I4- = (SbF;),.
Sb203 4.6.1 7 Verbindungen des Bismuts
4.6.16.2 Schwefelverbindungen des Antimons Antimon(II1)-sulfid Sb,S, fällt aus angesäuerten Antimon(II1)-Lösungen beim Einleiten von H,S als amorpher orangeroter Niederschlag aus. Wie As2S3löst er sich in Ammoniumsulfidlösung als Thioantimonit
und in Ammoniumpolysulfidlösung als Thioantimonat.
4.6.17.1 Sauerstoffverbindungen des Bismuts Aus Bismutsalzlösungen fällt mit Alkalilauge Bismut(II1)-oxidhydrat Bi203. x H ~ O als flockiger, weiner Niederschlag aus. Beim Erhitzen entsteht daraus gelbes Bi~mut(II1)-oxidBi,O, (Smp. 824°C). Bi,O, ist ein basisches Oxid, es löst sich nur in Säuren unter Salzbildung, nicht in Basen.
504
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Mit starken Oxidationsmitteln wie Cl2, KMn04, K2S20„ wird Bi203in alkalischer Lösung zu Bismutaten oxidiert. Bismutate erhält man auch durch Schmelzen von Bi203 mit Alkalimetalloxiden (oder Peroxiden) an der Luft.
+
Bi203 Na20 Bi,03 + 3 N a 2 0
+ O2 + 0,
2NaBi03 (gelb) 2Na3Bi04 (braun)
4.6.17.2 Halogenverbindungen des Bismuts Die Bismut(II1)-Halogenide BiF,, BiC13, BiBr, und BiI, sind kristalline Substanzen. BiI, kristallisiert in einer Schichtstruktur. Die Herstellung erfolgt nach der Reaktion
+ 6HX
-*
4.7.1 Gruppeneigenschaften
-+ -t
~i~mut(I1I)-Salze bilden sich aus Bi oder Bi203mit den entsprechenden Säuren, z, B B~(NO,),. 5 HzO und Bi2(S04), . x H 2 0 . Sie werden in Wasser zu basischen Salzen hydrolysiert.
Bi20,
4.7 Gruppe 14
2BiX3 + 3 H 2 0
Mit Alkalimetallhalogeniden bilden sie Halogenobismutite Me[BiF,], Me2[BiFs], Me,[BiF,]. Durch Wasser werden die Bismuthalogenide hydrolytisch zu Bismuthalogenidoxiden gespalten.
Bi10 ist ziegelrot, die anderen Bismuthalogenidoxide bilden farblose Kristalle. BiC13, BiBr, und BiI, lassen sich mit Bi zu festen Bisrnutmonohalogeniden BiX reduzieren. Das einzige bekannte Bismut(V)-Halogenid ist BiF,. Es entsteht aus BiF3 mit F,. bildet farblose Nadeln und ist ein starkes Fluorierungsmittel. Mit Alkalimetallfluoriden entstehen Hexafluorobismutate(V) Me[BiF,].
4.6.1 7.3 Bismutsulfide Aus Lösungen von Bi(II1)-Salzen fallt mit H2S dunkelbraunes Bismut(II1)-sulfid besitzt es keine sauren Eigenschaften und löst sich nicht in Alkalimetallsulfidlösungen. Das amorphe braune Sulfid wandelt sich in die graue, kristalline Modifikation um. die mit Grauspießglanz Sb2S3 isotyp ist.
WS3aus. Im Gegensatz zu As2S3 und Sb,S,
Kohlenstoff Silicium C Si
Germanium Zinn Ge Sn
Blei Pb
C__-
~~dnungszahl Z Elektronenkonfiguration
6
14
[Hel
[Ne] 3s23p2
2sZZp2
Elektronegativität 2.5 Nichtmetallcharakter
1,7 +
nimmt ab -.
Auch in dieser Gruppe erfolgt ein Übergang von nichtmetallischen zu metallischen Elementen. Kohlenstoff und Silicium sind Nichtmetalle, Germanium ist ein Halbmetall, Zinn und Blei sind Metalle. Diese Zuordnung ist jedoch nicht eindeutig, denn in den Strukturen der Elemente ist beim Zinn noch der nichtmetallische Charakter, beim Silicium schon der metallische Charakter erkennbar. Die gemeinsame Valenzelektronenkonfiguration ist s 2 p Z . Für die meisten Verbindungen der Nichtmetalle C und Si ist jedoch der angeregte Zustand maßgebend.
Erfolgt eine sp3-Hybridisierung, dann können die Elemente vier kovalente Bindungen in tetraedrischer Anordnung ausbilden. Charakteristisch für das C-Atom ist seine Fähigkeit, mit anderen Nichtmetallatomen Mehrfachbindungen einzugehen, z. B.:
Das mehrfach gebundene C-Atom ist sp2-hybridisiert, wenn es eine x-Bindung bildet, und sp-hybridisiert. wenn es zwei x-Bindungen bildet. Von allen Elementen besitzt Kohlenstoff die größte Tendenz zur Verkettung gleichartiger Atome. Kohlenstoff bildet daher mehr Verbindungen als alle anderen Elemente, abgesehen von Wasserstoff. Die Fülle dieser Verbindungen - bis heute Ca. 12 Millionen - ist Gegenstand der organischen Chemie. Zum Stoffgebiet der anorganischen Chemie zählen traditionsgemäß nur die Modifikationen und einige einfache Verbindungen des Kohlenstoffs. Die wichtigsten Oxidationszahlen sind + 2 und +4. Mit wachsender Ordnungszahl nimmt die Stabilität der Verbindungen mit der Oxidationszahl + 2 zu, die der
506
4
Die Elemente der Hauptgruppen
Verbindungen mit der Oxidationszahl + 4 ab. PbH, und PbCI, sind unbestjndie während CH, und CCI, sehr stabil sind. Si(I1)-Verbindungen sind unbeständig' Ge(11)- und Sn(I1)-Verbindungen sind stabil, aber Reduktionsmittel; nur beinl pb sind Pb(I1)-Verbindungen stabiler als Pb(1V)-Verbindungen. PbO, ist im Untertn schied zu den anderen Dioxiden (CO,, SiO„ G O , . SnO,) ein O~idationsmitt~l, der Natur gibt es daher Pb nurin Verbindungen mit der Oxidationszahl + 2 und C, ~i Ge, Sn nur in Verbindungen mit der Oxidationszahl +4. Mit steigender Ordnungszahl nimmt der basische Charakter der Hydroxide Ge(OH), ist schwach sauer, Sn(OH), amphoter und Pb(OH), überwiegend basisch, In der höheren Oxidationszahl ist bei jedem Element der basische Charakter schwächer. P b 0 ist basischer als PbO,. Mc~ral/i,cc~/1c~.r Blc~i~itlelBlc~irerhinrl~rnp~ sind gjfiig (vgl. S. 51 5).
4.7.2 Vorkommen Xohlensrofkommr elemcwrar a1.s Diamant crnd Graphir L w . Dip Huuptt?irti,qc &J.\ti(,llIenstqfli trirt chemisch gebunden iti Carhonatrn a u f ; die gebirgsbildende Mineralien sind. Die wichtigsten Carbonate sind: Calciumcarbonat CaCO, (Kalkstein. Marmor, Kreide); Calcium-magnesium-carbonat CaCO, . MgCO, (Dolomit); Magnesiumcarbonat MgCO, (Magnesit); Eisencarbonat FeCO, (Siderit). Im Pflanzen- und Tierreich ist Kohlenstoff ein wesentlicher Bestandteil aller Organismen. Aus urweltlichen Pflanzen und tierischen Organismen sind Kohlen, Erdöle und Erdgase entstanden. Die Luft enthält einen Volumenanteil von 0,037% CO,, das Meerwasser einen, Massenantejl von 0,005 % CO,. Die Kol~Ieti.st~?fll?~~~t~gen in der Biospl~äre.A tmosphüre, Hj,drosphürc~lrnd Litho.splrr'i~.c, uerhulren sich it.ie 1 : 2 : 50 : los. Siliciumist das zweithäufigste Element der Erdkruste. Es tritl tiichr ~lemrntrri.N I / . sondern ühcrri~iegc~ntl als SiO, crnd in einer Vielzahl von Sili<>cirrti(vgl. Abschn. 4.7.10.2). Germanium kommt in der Natur nur in seltenen, sulfidischen Mineralien vor. A USgangsmaterial zur Darstellung ist Germanit Cu,FeGe,S,. Zinn kommt nur selten elementar vor. Das rrVchrigsrc Z i t i t i r ~i.st . ~ Linti.steiti (C'ri.v\irerit) S n O , . Seltener- ist Zinnkies (Stannin) Cu,FeSnS4. Das rvichrigs~rB I ~ i e r zist &j<'). Ble~glrnl: i Galewir) PhS. Weitere Bleierze sind: Weißbleierz (Cerussit) PbCO„ Rotbleierz (Krokoit) PbCr04, Gelbbleierz (Wulfenit) PbMo04, Scheelbleierz (Stolzit) PbW04, Anglesit PbSO,. Alle natürlichen Pb-Vorkommen sind Pb(I1)-Verbindungen.
3800 *
schmelzpunktin ' C
1410
947
4
232
327
* Graphit bei 0.2 bar.
4.7.3.1 Kohlenstoff ~ ~ ~ / ~ ~ ~ , ~ / ~ f l ' X i ~ini rle,il , ~ / .Ztorljfiktr/ioilc'il r r l l i . \ i c ~ ~ ~ Dir~mrrn/ / iiilrl Grrrplii/. Beide kommen
in der Natur vor. Sie sind in ihren Eigenschaften sehr unterschiedlich. ,2'cjrrc~,/I(,nlprkell.\,i.cr/c' ,Zforhfikrrlioi~c,i~ s irlri riicl fiiic~l~wc,. Im Diamant ist jedes C-Atom tetraedrisch von vier C-Atomen umgeben (Abb. 2.53). Die Bindungen entstehen durch Überlappung von s p 3-Hybridorbitalen der C - ~ t o m eAuf . Grund der hohen C-C-Bindungsenergie (348 kJ/mol) ist Diamant hart (er ist der härteste natürliche Stoff). Alle Valenzelektronen sind in den sp3-Hybridorbitalen lokalisiert, Diamantkristalle sind daher farblos und elektrisch nichtleitend. Wegen der hohen Lichtbrechung, ihrer Härte, ihres Glanzes und ihrer Durch Spuren von Beimengungen Seltenheit sind Diamanten wertvolle Erlr~l.s/c~iiic~. entstehen gelbe, blaue, violette, grüne und schwarze (Carbonados) Diamanten. 95 % werden wegen ihrer Härte und unübertroffenen Wärmeleitfähigkeit für technische Zwecke verwendet: zum Schleifen und Bohren, zum Schneiden von Glas und als Achslager für Präzisionsinstrumente. Diumant ist merastuhil. er wandelt sich aber erst bei 1500°C unter Luftabschluß in den thermodynamisch stabilen Graphit um.
1500 T
CDiamant
CGraphir AHO
=
-
1,9 kJ/mol
In Gegenwart von Luft verbrennt er bei 800'C zu CO,. Graphit kristallisiert in Schichtstrukturen. Die bei gewöhnlichem Graphit auftretende Struktur ist in der Abb. 4.30 dargestellt. Innerhalb der Schichten ist jedes CAtom von drei Nachbarn in Form eines Dreiecks umgeben. Die C-Atome sind sp2hybridisiert und bilden mit jedem Nachbarn eine o-Bindung. Das vierte Elektron befindet sich in einem p-Orbital, dessen k h s e senkrecht zur Schichtebene steht (Abb. 4 . 3 0 ~ )Diese . p-Orbitale bilden delokalisierte (p-p)n-Bindungen aus, die sich über die gesamte Schicht erstrecken. Der C-C-Abstand im Diamant beträgt 154 Pm, innerhalb der Graphitschichten nur noch 142 pm. Die innerhalb der Schichten gut beweglichen n-Elektronen verursachen den metallischen Glanz, die schwarze Farbe und die gute Leitfähigkeit parallel zu den Schichten (104 Q-' cm-' ). Senkrecht ZU den Schichten ist die Leitfähigkeit 104maI schlechter. Zwischen den Schichten sind nur schwache van der Waals-Kräfte wirksam. Dies hat einen Abstand der Schichten von 335 pm zur Folge und erklärt die leichte Verschiebbarkeit der Schichten gegeneinander. Graphit wird daher als ~ ~ } ~ ~ i c ~ verwendet. r m i r r ~ ~Die / gute elektrische Leitfähigkeit ermöglicht seine Verwendung als Elc~k/ror/c~t~matc~riul.
508
4 Die Elemente der Hauptgruppen subStrat Diamant abscheidet. Die in der Gasphase erzeugten H-Atome reagieren mit entstandenem Graphit und amorphem Kohlenstoff, jedoch wenig mit Diamant, daß der unter diesen Bedingungen metastabile Diamant entsteht. werden vier Verfahren veru.endet. Heißdrahtmethode: Ein CH,H,-Gasgemisch wird an einem elektrisch beheizten W-. Mo- oder Ta-Draht zersetzt. Mikrowellen-~lasma-Verßhren:Mikrowellen erzeugen in eincr teilevakuierten Kammer in den Reaktionsgasen ein Plasma. Gleichstroin-Boßnentladung: In einer Mischung Ar. H, und CH, ~virdein etwa 5000 C heißes Gleichstromplasma erzeugt. Flam„,.cVD: In einem Schweißbrenner wird Acetylen mit Sauerstoff verbrannt. Ein Durchbruch ist, daß jetzt auch die Ahst~liei(1irtigzu cinkiisttlllii~eiiDit~i~iuiitschichten gelungen ist. Als Substrat wurde Ir/SrTiO, verwendet. Graphirischrr Kohlensrofl' ivird künstli
„
Abbildung 4.30 a) Struktur von hexagonalem cr-Graphit. Die Schichtenfolge ist ABAB., rn der rhomboedrischen Form des ß-Graphits ist die Schichtenfolge ABCABC.. b) Mesomere Grenzstrukturen eines Ausschnittes einer Graphitschicht. C)Darstellung der zu delokalisierten 71-Bindungen befähigten p-Orbitale. Graphit ist chemisch reaktionsfähiger als Diamant und verbrennt an Luft schon bei 700°C zu CO,. Das Zustandsdiuxruninz des Kohlensrqffs(Abb. 4.31) zeigt, daß bei hohen Drückeii Diamant thermodynamisch stabiler ist und Graphit sich in den dichteren Diamant umwandeln läßt. Ausreichende Umwandlungsgeschwindigkeiten erreicht man z. B. bei 1500°C und 60 kbar in Gegenwart der Metalle Fe. Co, Ni, Mn oder Pt. Wahrscheinlich bildet sich auf dem Graphit ein Metallfilm, in dem sich Graphit bis zur Sättigung löst und aus dem dann der weniger gut lösliche Diamant in bezug auf Diamant ist die Lösung übersättigt - ausgeschieden wird. Synthetische Diamanten werden mit der H o c ~ h t l ~ . u c ~ k q ~seit ~ ~ t1955 I ~ ~ ~industriell .sc~ hergestellt. Sie decken bereits etwa die Hälfte des Bedarfs an Industriediamanten. Synthetisch werden auch lupenreine Steine mit Schmuckqualität hergestellt. Sie können von Natursteinen durch unterschiedliche Phosphoreszenz unterschieden werden. Offenbar sind auch die natürlichen Diamanten unter hohem Druck entstanden. denn die primären Diamantvorkommen in Südafrika und Sibirien finden sich in Tiefengesteinen. die a n die Erdoberfläche gelangt sind. Der größte bisher gefundene Diamant („Cullinan" Südafrika 1905) hatte eine Masse von 3106 Karat ( 1 K(ll.i/i = 0,2 g). In den achtziger Jahren wurde die C ' I ~ D - D i ~ i ~ i r i i r r ~ s ~entwickelt ~ ~ ~ r / ~ c ~(CVD ~ s c ~ von chemical vapour deposition). Im Unterschied zur Hochdrucksynthese gelingt bei dieser Niederdrucksynthese die Hri.rrclliln~tlützn~iFilnip und freistehender Membrane uus ~~oli~kristollitic.ni Diarnnrlr, die z. B. zur Beschichtung von Schneidwerkzeugen Verwendung finden. Gasmischungen von Kohlenwasserstoffen werden in reaktive Radikale und Molekülbr~ichstückezerlegt, aus denen sich auf einem heiDen
o
I ~ O O 2000
30'00 4000 Temperatur ("Ci
-
-
5000
Abbildung 4.31 Phasendiagramm des Kohlenstoffs. Der Mpelpunkt Griphit/Diamant/Schmelze liegt bei 130 kbar und 3.800"C Für die katalytische Graphit-Diamant-Umwandlung ist das rot gekennzeichnete Gebiet geeignet. Bei hohen Drücken existiert eine hexagonale Form des Diamants (Lonsdaleit). Die Beziehung zwischen den Strukturen kubischer Diamant-hexagonaler Diamant ist analog der StrukturbeZiehung Zinkblende-Wurtzit (siehe S. 131).
510
4 Die Elemente der Hauptgriippen
Bei Drücken von 17MPa entsteht aus Graphit reversivel eitle d~rchsic.ht,,~,. perhurte Phase, die so lzurr bi.ic1 Dirrmant ist. Die Graphitebenen werden so dicht zusammengepreßt, daß sich bereits zur Hälfte Bindungen wie im Diamantgitter bilden. Beim Entspannen bildet sich Graphit zurück. Künstlicher Graphit entsteht aus Koks bei Temperaturen von 2800-3000;~. ~~i~ Acheson-Verfahren setzt man Silicium als Katalysator zu. Die katalytische Wirkung beruht wahrscheinlich auf der intermediären Bildung von SiC. ~itzebeständigkeit,Leitfähigkeit und Schmiereigenschaften sorgen für breite technische Anwendung: Auskleidungsmaterial in Hochöfen und Ferrolegierungsöfcn, Schmelztiegel, Elektrodenmaterial, Bleistiftminen, Schmier- und Schwärzungsmjttel, Da Graphit schnelle Neutronen abbremst und einen kleinen Neuti-oneneinf:ingqLici-schnitt aufweist, benutzt man ihn in Kernreaktoren als Moderator (vgl. S. 22). Koks, Ruß, Holzkohle bestehen aus schlecht kristallisiertem. mehr oder \\cnlycr verunreinigtem, mikrokristallinem Graphit. Industrier~ißist Füllstofl'füi- El:istomcrc (z. B. Reifenindustrie). Ruß verbessert die mechanischen Eigenschafteri des schuks, er erhöht Abriebwiderstand und Zerreißfestigkeit. Autoreifen enthalten ct~ba 30-35 % Ruß. Weiterhin dient Ruß als Pigment für Druckfarben. Farben und Lacke. sowie zum Einfärben und Stabilisieren von Kunststoffen. Aktivkohle ist eine fcinkristalline, lockere Graphitform mit großer spezifischer Oberfläche (ca. 1000 m 2 g). die ein hohes Adsorptionsvermögen besitzt. Manerhält sie durch Erhitzen von Hob. tierischen Abfällen oder Rohrzucker. Die Bildung großer spezifischer Oberflächen erreicht man durch Zusätze (z. B. ZnCl,). die das Zusammensintern verhindern. oder durch Anoxidieren (Aufrauhen) der Oberflächen mit Luft oder Wasserdampf. Verwendung: Grisinriskeileiilsätze (CO wird nur adsorbiert, wenn vorherige Oxidation zu CO, erfolgt ist). Entfuselung von Spiritus, Entfernung von Farbstoffen und Verunreinigungen aus Lösungen (z. B. Entfärbung von Rohrzuckerlösungen), Kohletabletten in der Medizin. Faserkohlenstoff entsteht durch Pyrolyse synthetischer oder natürlicher Fasern. Durch Streckung während der Pyrolyse richten sich die Kohlenstoffschichten parallel zur Faserachse aus. Bei Temperaturen oberhalb 2000°C entstehen durch Streckgraphitierung Graphitfasern hoher Zugfestigkeit und Elastizität mit geringer Masse (Tennisschläger. Motorradhelme, Verbundwerkstoff im Flugzeugbau). Pyrographit. Man zersetzt Kohlenwasserstoffe bei niedrigen Drücken an glatte11 Oberflächen und graphitiert bei 3000°C nach. Die Kohlenstoffschichten sind parallel zur Abscheidungsfläche ausgerichtet. Wegen der hohen Anisotropie der thermische11 Leitfähigkeit wurde Pyrographit als Hitzeschild für Raumfahrzeuge und für Raketenmotoren verwendet. Hochorientierter Pyrographit dient für Röntgenmonochromatoren. Glaskohlenstoff ist eine leichte, spröde, sehr harte. isotrope. gas- und flüssigkeitsdichte Keramik, deren Bruch glasartig ist. Man erhält sie durch Pyrolyse bei etwa 1000'C aus vernetzten Polymeren. Sie besteht aus winzigen Kristalliten ( < 10 nm), die knäuelartig verschlungene Bänder bilden. Verwendung in der Medizin (Elektrode in Herzschrittmachern) und für Laborgeräte.
4.7 G r u p p e 14
511
~ ~ ~ p h i t f o Graphitoxid lie. (siehe S. 51 1) wird durch schnelles Erhitzen auf 1000 C zersetzt. Dabei spalten sich die Graphitaggregate zwischen den Schichten, die sich dann zu Folien verpressen lassen. Die Folien haben ausgeprägt anisotrope Eigenschaften und werden für Auskleidungen und Dichtungen verwendet. Fullerene. Durcli Verdumpfen ~ 0 1 7 Gruphit in einer Helilrt~iatn~o.~phiire entstehen große ~ ~ h / ~ ~ ~ ~ r t « f t ~ti~oi il tHolilkuge/ges/o/t, ekü/e die fbnitiierende~ Fullerene C„. CnO.C X 2 ,Cn4. C R h ,C n n ,CgO,Cg4 . . . . Am besten untersucht ist c76das ~ ~ ~ k r n i n s t e r f u l l e rC„, e r i dessen Struktur bereits 1985 richtig vorausgesagt wurd e (es wurde nach dem Architekten Buckminster-Fuller benannt, der zur Expo 1967 in Montreal eine Kuppelkoristruktion aus sechseckigen und fünfeckigen Zellen entworfen hatte). Das C6n-Molekül hat einen Durchmesser von 700 pm, hat ikosaedrisehe Symmetrie und ist wie ein Fußball aus 20 Sechsringen und 12 Fünfringen aufgebaut (Abb. 4.32). Alle C-Atome sind äquivalent. Die mittleren C-C-Abstände betragen 141 pm und sind denen im Graphit fast gleich. Wie im Graphit ist jedes C-Atom s p 2-hybridisiert und bildet mit jedem der 3 Nachbarn eine a-Bindung. Da die Atome auf einer Kugeloberfläche liegen, ist die mittlere Winkelsumine auf 348 verringert und das C-Atom bildet mit den 3 Nachbarn eine Aache verzerrte Pyramide. Beide Oberflächen der Kugel sind mit n-Elektroneriwolken bedeckt. Die X-Elektronen sind aber nicht wie in den Graphitschichten delokalisiert. sondern bevorzugt in den Bindungen zwischen den Sechsecken lokalisiert. C„ konnte auch auf chemischem Weege aus kommerziellem Ausgangsmaterial in 12 Schritten synthetisiert werden. Letzter Schritt ist die Vakuumpyrolyse von C„H2.,C13 bei 1100°C. Die Fullerene lösen sich mit typischen Farben in Toluol. Ihre Trennung gelingt durch Chromatographie an A1203. In kristalliner Form wurden C„, C„, C„, C„, C„ und C„ isoliert. Mit r/cjt. F ~ ~ l l ~ ~ r c ~ t i fgiht i ~ r l lr.t i / itilul ~ ~ citic I/i~lzohlt ~ c r r o c707
-
-
Kohlt~tis/~~~i?io(/ifiX-(~/iot~~~t~.
In1 kristallinen C„,-Fulleren sind die C„-Moleküle kubisch-dichtest gepackt (a = 1.420 pm). Die Kristalle sind iin durchscheinenden Licht rot bis braun und zeigen Metallglanz. Die Standardbildungsenthalpie A H „ = 2282 kJl'mol. Die C„Kristalle sind also thermodynamisch instabil (relativ zum Graphit um 38 kJ pro C-Atom). aber kinetisch stabil. Die C„-Moleküle sind bei 400 C unter reduziertem Druck ohne Zersetzung sublimierbar. Durch UV-Strahlung, besonders in Gegenwart voll 0,. wird der C„-Kiifig zerstört. 1 h . C~ ' „ , - F I I ~ ~ ~wlgic~l.t ~ I W I ri~lfiilii(r.es entstehen Verbindurigen mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Einige Reaktionen werden im Abschri. 4.7.4 besprochen. Nach der Regel isolierter Fünfecke sollten bei den Fullerenen die Fünfecke von Sechsecken umgeben sein. Zwischen C„ und C„ gibt es entsprechend der Regel keine Fullerene. Instabile Fullerene wie C„, C„, CUound C„ lassen sich aber durch eingelagerte Metallatome als endohydrale Fullerene (siehe Abschnitt 4.7.4) stabilisieren. Kürzlich gelang die Synthese des allerkleinsten Fullerens C„, das nur aus kondensierten Fünfringen besteht. Fullerene wurden zunächst künstlich erzeugt. Später konnten sie auch in Sedi-
512
4 Die Elemente der Hauptgruppen
menten und Meteoriten identifiziert werden. Auf Grund der I s o t ~ p e n a n a ] ~ ~ ~ Helium- und Argon-Gaseinschlüssen in den derart gefundenen FuIleienkäfigen wVon urde ihr Entstehen im Weltall angenommen. Mittels der Graphitverdampfungsverfahren konnten mi ttlerweiie weitere geschlossene Formen von Kohlenstoff synthetisiert werden. Zu diesen Formen gehGreii d. l-öhrenförmig aufgebauten Kohlenstoff-Nanoröhren, ,,Bucky Tubes'. ( ~ b b4.3 2 bie) und die Kohlenstoffzwiebeln. Zwiebelschalen-artig aufgebaute Mikrc3p2irlikel, ,.Bucky Onions". Kohlenstoff-Nanoröhren können ein- oder mehrwandig sein. Die Wandunp ist gleichsam eine aufgerollte Graphitschicht. Sie besteht aus allseitig aneinailderkondensierten Sechsringen. Durch den Einbau von topologischen Fünfeck-SiebeneckDefekten kann aus der linearen Röhre eine abgeknickte, gekrümmte oder sogar spiralige Struktur werden. Kohlenstoff-Nanoröhren können am Ende geschlossen oder offen sein. Der Innenraum kann leer oder gefüllt sein. Der Abstand zwischen den Graphenschichten bei den mehrwandigen Röhren oder den K~hlenstoffzwiebel~ gleicht mit 340 pm dem Abstand zweier Schichten in1 Graphit. Die Herstellung der Kohlenstoff-Nanoröhren kann in der Gasphase durch Lichtbogensynthese, durch die pyrolytische Zersetzung von Kohlenwasserstoffen in Gegenwart von Metallkatalysatoren und durch Laserverdampfung von Graphit erfolgen. Als Synthese in kondensierter Phase ist die Elektrolyse einer LiC1-Schmelze bei 600uC mit Graphitelektroden im Einsatz. Kohlenstoff-Nanoröhren haben eine größere Festigkeit als Kohlenstofffasern und Siliciumcarbidfasern, sie sind oxidationsbeständiger als Fullerene und Graphit. Nanoröhren sind bessere Wärmeleiter als Diamant, vorteilhaft ist, daß die Wärme nur in Längsrichtung gelenkt wird. Sie sind Halbleiter wie Silicium. Die Bandlücke hängt ,
vom Durchmesser der Röhren ab, sie wird kleiner mit wachsendem Durchmesser. Füllung der Röhren mit Metallen entstehen Nanodrähte. Nanodrähte und Nanoröhren haben ein faszinierendes Gebiet mit vielen Anwendungsmöglichkeiten erschlossen. Beispiele für Kohlenstoffnanoröhren: WasserstoffSpeicherung in Kraftfahrzeugen. Spitzen für Rastersondenoiikroskope, Verbundmolekulare Filter und Membranen. Nanoröhren wurden auch mit anderen Elementen und deren Verbindungen synthetisiert, Z. B mit Si, SiO„ BN, BC„ MoS,. WS,. Nanodrähte lassen sich mit vielen Metallen und Metalloxiden herstellen und finden Anwendungen in Mikroelektronik und Mikrosensorik. Die Nanotechnologie wird als Schlüsseltechnologie kommender Jahrzehnte angesehen. Die Kohlenstoffzwiebeln sind keine Fullerene im engeren Sinne. Fullerene sind geschlossene Hohlkörper. Die Zwiebeln dagegen sind Graphitebenen, die sich durch Fünfring- und Siebenring-Defekte konzentrisch ineinander krümmen und die ein&en „Zwiebelschalen" bilden. Kohlenstoffzwiebeln können mehrere 100 nm groß werden.
4.7.3.2 Silicium, Germanium, Zinn, Blei Modifikationen Silicium, Germanium und graues Zinn kristullisiereil ebenfall.\ in1 Dirzmantgitter- (UModifikationen). Die Bindi*ngsstcirke nimmt 111 Riclitung Sn ab. Im Gegensatz zum Diamant ist daher ein kleiner Anteil der Valenzelektronen nicht mehr in bindenden Orbitalen lokalisiert, sondern im Gitter frei beweglich. Si, Ge und graues Zinn sind Eipenlia(h1eiter. Da die Anzahl der freien Elektronen in Richtung Sn zunimmt, erhöht sich zum Zinn hin die Leitfähigkeit (vgl. Abschn. 2.4.4.3). Durch Dotierung (z. B. mit AS oder Ga) werden aus hochreinem Silicium oder Germanium S~iirstcllcnhulbleit~~rhergestellt (vgl. Abschn. 2.4.4.4). Nichtmetallisches graues Zinn (a-Sn) ist nur unterhalb 13'C beständig. bei höheren Temperaturen ist metallisches Zinn (ß-Sn) stabiler. a-Sn
13°C
grau nichtmetallisch KZ = 4 Dichte 5.77 g c m '
Abbildung 4.32 a) Das C„-Molekül (Buckminsterfulleren).Die Oberfläche ist die eines 60eckigen Fußballs. Es gibt 12 isolierte fünfeckige Flächen und 20 sechseckige Flächen. Das 32-flächige Polyeder ist ein abgestumpftes Ikosaeder (vgl. Abb.4.42). Das kugelförn~i&e Molekül hat einen Durchmesser von 700pm. Die C-C-Abstände der Sechsring-Sechsril7-Verknüpfungen sind 138,8pm. die der Sechsring-Fünfring-Verknüpfungen 143,2pm. b) Modell einer einwandigen Kohlenstoff-Nanoröhre (nanotube). Die Wandung besteht aus einer aufgerollten, in sich geschlossenen Graphitschicht. Der Durchmesser der Röhre beträgt 1-3 nin. Dunkler dargestellt sind topologische Fünfeck-Siebeneck-Defekte.
ß-Sn
AHo=
+ 2 kJ/mol
weiU
metallisch KZ = 6 Dichte 7.28 g c m
'
Im ß-Sn ist jedes Sn-Atom sechsfach koordiniert. Mit der Vergrößerung der Koordinationszahl vergrößert sich auch die Dichte. Die Um~andlungs~eschwindigkeit von ß-Sn in ct-Sn ist sehr klein. Wenn sich aber Kristallisationskeime von a-Sn gebildet haben, erfolgt schnelle Ausbreitung der zerstörenden Umwandlung der n~etallischen Struktur in pulvriges graues Zinn (Zinnpest). Von Si sind drei Hochdruckmodifikationen bekannt: ß-Si ist isotyp mit ß-Sn. &Si mit hexagonalem Diamant (vgl. Abb. 4.31). y-Si kristallisiert kubisch-raumzentriert. Dieselben Hochdruckmodifikationen gibt es auch beim Ge.
514
4 Die Elemente der Haupteruppen
\
Blei kri.stullitiert in einer tppis~hgn~rtall.struhlur,nämlich in der kubisch-dichtesten Packung (vgl. Abschn. 2.4.2). Es ist ein bläulich-graues. weiches. dehnbares Schwermetall. Nur frische Schnittflächen zeigen metallischen Glanz, da sich an der ~ u feine t dünne Oxidschicht bildet. Sie verhindert die oxidative Zerstörung der M,talls. Nur beim Kohlenstoff erfolgt im elementaren Zustand eine Verknüpfung der Atome unter Beteiligung von X-Bindungen. Im Gegensatz zur Diamantstruktur tritt die Graphitstruktur daher bei den anderen Elementen der Gruppe nicht auf.
Bei der technischen Darstellung von Silicium wird Quarz mit Koks im elektrischen Ofen reduziert. SiO,
+ 2C
-Si
+ 2C0
AH' =
+ 690 kJ/mol
Man erhält Si in kompakten Stücken. Im Laboratorium verwendet man Mg oder Al als Reduktionsmittel. 3Si0,
+ 4A1
-4
3Si
+ 2A120,
Zur Darstellung von Germanium wird aus Germanit mit einem H,SO,-HN0,Gemisch GeO, abgeschieden und dieses mit konz. Salzsäure zu GeCl, umgesetzt. ~~~~h Destillation von GeCl, und Hydrolyse erhält man reines GeO,, das mit H, zu (jereduziert wird.
SnO,
Man erhält polykristallines Silicium einer Reinheit von 10-9Atom0/~.Siliciumeinkristalle gewinnt man daraus mit dem Zonenschmelzverfahren (vgl. Abschn. 2.4.6.1) oder mit dem jetzt hauptsächlich eingesetzten Czochralski-Verfahren. Dabei wird das polykristalline Silicium in einem Quarztiegel geschmolzen, in die Schmelze wird ein Impfkristall eingetaucht, an dem das Silicium auskristallisiert. Der wachsende Einkristall wird unter gegenläufiger Rotation von Tiegel und Kristall langsam aus der Schmelze herausgezogen. Man erhält anderthalb Meter lange und bis zu 30cm dicke walzenförmige Einkristalle. Sie werden in 0,5 bis 1 mm dicke Scheiben („Wafer") zerschnitten. 1990 wurden weltweit 4000 t Si-Einkristallscheiben im Wert von 3 Milliarden DM hergestellt. Die daraus gefertigten Bauteile hatten ein Umsatzvolumen von 80 Mdliarden DM. Si reagiert bei Raumtemperatur nur mit Fluor. Mit den anderen Halogenen, 0 2 . N2, S, C und vielen Metallen reagiert es erst bei hohen Temperaturen. Si löst sich trotz des negativen Standardpotentials nicht in Säuren (Passivierung), aber leicht in heißen Laugen.
+ 2C
-+
Sn
+ 2C0
AH" = 360 kJ/mol
Zur Wiedergewinnung von Sn aus Weißblechabfällen (verzinntes Eisenblech) wird das Weißblech elektrolytisch gelöst und daraus das Sn kathodisch abgeschieden. Früher wurde Sn mit Cl, in SnCl, überführt (Fe wird nicht angegriffen). Bei Raumtemperatur ist Sn gegenüber Wasser und Luft beständig, von starken Säuren und Basen wird es angegriffen. Sn
AH" = - 619 kJ/mol
Für die Hulhleir~r.r~c.llnikrii benötigt man extrem reines Silicium. Technisches Si wird mit HCl zu SiHCl, (Trichlorsilan) umgesetzt, dieses durch Destillation gereinigt und dann zu Si reduziert.
-
515
~ ~ i ~Ge~für t Halbleiterzwecke e s wird mit dem Zonenschmelzverfahren hergestellt. Zur Darstellung von Zinn wird Zinnstein mit Kohle reduziert.
Darstellung. Reaktion. Verwendung
1800 C
4.7Gruppe14
+ 2HC1 --, SnCl, + H,
Mit Chlor und Brom reagiert Sn zu Tetrahalogeniden SnX,. Schon vor der Erfindung des Porzellans diente Sn zur Herstellung von Geschirr. Eisenblech wird durch Eintauchen in geschmolzenes Sn verzinnt (Weißblech) und dadurch vor Korrosion geschützt. Sn ist Bestandteil wichtiger Legierungen. Britanniametall wird zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen (Tischgeschirr) verwendet. Es besteht aus 88-90% Sn, 10-8% Sb und 2 % Cu. Bronzen sind Cu-SnLegierungen (s. bei Cu). Weichlot besteht aus 40-70% Sn und 60-30% Pb (den niedrigsten Schmelzpunkt von 181 "C hat eine Legierung mit 64 % Sn und 36 % Pb). Für die Herstellung von Blei wird fast ausschließlich Bleiglanz PbS verwendet. Röstreduktionsverfahren. Nach der Oxidation von PbS
-
PbS
+
1,50,
-
Pb0
+ SO,
(Röstarbeit)
wird im Hochofen P b 0 mit Koks reduziert. Pb0
+ CO
4
Pb
-
+ CO,
(Reduktionsarbeit)
Rö~treaktionsverfahren.PbS wird unvollständig oxidiert 3PbS
+ 30,
PbS
+ 2 P b 0 + 2S0,
(Röstarbeit)
und dann unter Luftausschluß weiter erhitzt. PbS
+ 2Pb0
--r
3 Pb
+ SO,
(Reaktionsarbeit)
Trotz des negativen Standardpotentials löst sich Pb nicht in H,SO„ HCl und H F (Passivierung). In HNO, und heißen Laugen löst es sich. Wegen der Giftigkeit von
51 8
4 Die Elemente der Hauptgruppen
L
Ca. zehnmal, senkrecht zu den Schichten Ca. hundertmal so groß wie in1 Graphit, 0ie Leitfähigkeit nimmt mit steigender Temperatur ab. Alkalin~etallgraphitverbi~d~~~ gen sind schwach paramagnetisch. Sie sind sehr reaktiv und zersetzen sich heftie Wasser. Ähnliche Verbindungen gibt es mit Erdalkalimetallen, Eu, Yb und Sm. Zahlreicher als Graphitverbindungen mit Elektronendonatoren sind die Einlagrungsverbindungen mit Elektronenakzeptoren (Metallhalogenide, SauerstoffsäUren Oxide).
..
Beispiele: Die Graphitsalze leiten besser als Graphit. Sie werden von Wasser zersetzt. 111der präparativen organischen Chemie werden die Graphit-Einlagerungsverbindu~~~~~ vielfältig verwendet, B C,K als selektiv wirkendes Reduktionsmittcl. CLHSO; . 2.4 H,S04 als Veresterungskatalysator.
Verbindungen des Fullerens C„ Irn kristallinen C„-Fulleren sind die C„-Moleküle kubisch-dichtest gepackt. In das Kristallgitter können Alkalimetalle und Erdalkalimetalle eingebaut werden. Pro C„ sind im Gitter eine oktaedrische Lücke und zwei tetraedrische Lücken vorhanden. Bei K3C„ und Rb3C„ sind diese Lücken mit den Alkalimetallatomen gef'üllt. Ein weiterer Einbau führt zu Strukturänderungen. K,C„ und Rb,C„ haben eine raumzentrierte tetragonale Struktur, K6Cm und Rb,C„ kristallisieren kubisctiraumzentriert. C„ ist ein Halbleiter (Bandlücke 1,9 eV), der Einbaii von Alkalinietallen fiihrt zunächst zu metallischer Leitung, die Phasen Me,C„ sind wieder Iso-, latoren. Die höchste Leitfähigkeit besitzen die Phasen Me,C„„ und nur diese Phasen sind Supraleiter mit Sprungtemperaturen bis 33 K (Cs,RbC„). Im Kristall entsteht aus n-Orbitalen der C„,-Moleküle ein schmales Valenzband mit 6 besetzbaren Zuständen pro C„. Die Alkalirnetallatome geben ihr Valenzelektron an das Leitungsband ab, es entstehen die Fulleride Me,; C „ , " (Me = K , Rb. Cs: n = 2. 3. 4, 5. 6). Bei Me:(C60)3 ist das Band halbgefüllt (maximale Leitfiihigkeit), bei ist es vollständig aufgefüllt (Isolator). Me6 Zu anderen Phasen führt der Einbau der kleineren Na-Atome. Na,C„ ist kein Supraleiter. Im Na,C„ sind die C„-Moleküle kubisch-dichtest gepackt, die tetraedrischen Lücken mit Na-Atomen besetzt, die oktaedrischen Lücken mit tetraedrisehen Na,-Clustern. Im Na„C„ enthalten die oktaedrischen Lücken Na,-Clustei.. Durch Einbau von Erdalkalimetallen entstehen die supraleitenden Phasen Ca,C„ und Ba6C„. Der große Hohlraum des C60-Moleküls macht dieses zu einen1 molekularen c o n tainer. Es können Nichtmetall- oder Metallatome (vorwiegend Seltenerdmetalle) in Fullerenkäfigen eingeschlossen sein: Endohydrale Fullerenderivate. Der ~inschluß wird durch das Symbol @ angezeigt. Beispiele sind: He@C„, N(Ü;C„, La2(4C72. Eu@%, ce,(uiC„. La@C8,, Sc,ldC„, Sc,@C„. Im Käfig wird sc,N@C80.
4.7Gruppe14
519
,in vieratomiger Cluster eingebaut. Helium kann von außen hineingeschossen werden, die Metallatome werden beim Aufbau der Käfige eingebaut. Die nichtexistierenden Fullerene C 7 2 und CT4.sowie die weniger stabilen Fullerene C„ und C„ ,ind als endohydrale Fullerene stabil. Stabilisierend ist die elektronische Struktur der eingelagerten Spezies. Mit Übergangsmetallen bildet C60 durch Addition von Metall-Ligand-Spezies Komplexe, die e.uoh~druIenFullerene. ~ ~ r p r o f d / e r esind n e Käfige, in denen einzelne C-Atome durch andere Atome wie Bor oder Stickstoff ersetzt sind. Brom wird an den Doppelbindungen addiert, es entstehen die Verbindungen C60Br6,CG0Br8und C,oBr2,. Durch Addition von 24Br-Atomen ist C„ sterisch abgesättigt. Die Reaktion mit Fluor führt stufenweise über C„F, und C„F„ zum vollständig fluorierten C„F„. Mit Wasserstoff werden nur die konjugierten Doppelbindungen angegriffen, es bleiben 12 Doppelbindungen erhalten und es bildet sich die Verbindung C„H„. ullen fi~rhi~il~lllgiw hli>ihtilic Kiifz~\lr.ril\tui-i k ~ Moli4iilc c~r.liirl/iw.
4.7.5 Carbide Carbide sind Verbindung~n(10s Koh/~n.sto~.s mit M r t u l l ~ nund tk.11 Hulbrnc~tullc~n B und Si. Kohlenstofist also der e1ektroneguti~:ereReakrionspurtner. Die Carbide können in kovalente, salzartige und metallische Carbide eingeteilt werden. Mit den Elementen ähnlicher Elektronegativität, B und Si, bildet Kohlenstoff kovalente Carbide, z. B. SiC und B,,C2 (vgl. Abschn. 4.8.4.1). Siliciumcarbid SiC (Carborund) ist sehr hart, thermisch und chemisch resistent, gut wärmeleitend und wie Silicium ein Eigenhalbleiter. Es dient als Schleifmittel. zur Herstellung feuerfester Steine und von Heizwiderständen (Silitstäbe), sowie für ho~htem~eraturfeste Teile im Maschinen- und Apparatebau (Gasturbinen, TurboDieselmotore, Lager). Si(' koiiitnt iii iiii~lii.(~r~ti \lodi/ikiiti«ii~~ri1:oi.; in u/loii .siiii/ (/;(' Atome tetra~r/ri.sclri>,l rier Aton,rw t l ~ rcinil~rc~ti Art unigc~hctiilnrl thl~.c.lik0r(il<'i1fc' Bindungen crrliiiüpfi. Eine der Modifikationen kristallisiert in der diamantähnlichen Zinkblende-Struktur (vgl. Abb. 2.54). Technisch stellt man SiC aus Quarzsand und Koks her (Acheson-Verfahren, Weltproduktion ca. 106 t ~ J a h r ) .
Man erhält sogenanntes E-SiC (hexagonale und rhomboedrische Modifikationen). Kubisches ß-SiC entsteht bei der thermischen Zersetzung von Methylchlorsilanen bei Temperaturen über 1000°C. CH,SiCI,
+
SiC
+ 3HC1
Salzartige Carbide werden mit den elektropositiven Metallen gebildet. ES \ill(/./~rhl()Se, h~dro~~.si~rin~fi~idIic'I~<~ Fc..~t.stqffi~. Am häufigsten sind ionische Carbide, die aus
520
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.7 Gruppe 14
..
bestätigt werden. C,-Einheiten neben C,-Einheiten und einzelnen leitenden Carbid &,C4 auf. Inhalt der Elementarlle: S C „ ( ~ , ) , (C2), (C'), 2: S C % (C:-),(C: ) , ( C ~ - ) ,6e-. Die Carbide Me,C, Ze (MC =. Ho, Er, Tm. Yb, Lu) sind mit Sc,C, isotyp. e n im metallisch .--+ ~ mtreten
p-~ b-'
+3
\
M~,c,
(Me = Alkalimetall, Cu, Ag. Au)
Met,
(Me = Erdalkalimeiall, Zn, Cd),
aufgebaut sind:
Mit Wasser erfolgt Zersetzung zu Acetylen.
4.7.6 Sauerstoffverbindungen des Kohlenstoffs 4.7.6.1 Oxide des Kohlenstoffs Die wichtigsten und beständigsten Oxide des Kohlenstoffs sind Kohlenstoffmonooxid CO und Kohlenstoffdioxid CO,. Außerdem gibt es die Suboxide C302, C,02, C 5 0 2 und das Mellithsäureanhydrid C„O,. Kohlenstoffmonooxid CO ist ein farbloses, geruchloses, sehr giftiges Gas (Smp. - 204 "C, Sdp. - 191J 'C). Die Moleküle CO und N, sind isoelektronisch, in beiden Molekülen sind die Atome durch eine C-Bindung und zwei n-Bindungen verbunden
Calciumcarbid CaC, hat großtechnische Bedeutung (vgl. S. 603). Es wird aus Cal- 4 ciumoxid und Koks im elektrischen Ofen hergestellt. Ca0
+ 3C
2200 -C
CaC,
+ CO
+3
In den Carbiden MeC, und Me,C, (Me =Y. Lanthanoide, U ) existieren C:-Ionen Ein Elektron befindet sich in antibindenden n-MOs der C2-Gruppen (vgl, ~ b b2.66). . die Bindung ist geschwächt und die C-C-Abstände vergrößert. Diese Carbide sind nicht mehr salzartig, sondern metallisch leitend. Sie zeigen ein kompliziertes Hydrolyseverhalten, es entsteht ein Gemisch aus K~hlenwasserstoff~n. Die Carbide Mc4Cj (Me = Y, Gd, Tb, Dy, Ho) lassen sich mit der Formel Me2'(CZ-),C4- beschreiben. Einzelne C-Atome sind oktaedrisch koordiniert. In den C,-Gruppen sind Doppelbindungen vorhanden. Das Hydrolyseverhalten ist kompiizicrt. Es gibt eine große Anzahl ternärer ~anthanoid-Übergangsmetall-Carbide,die C,-Paare enthalten und die in vielen unterschiedlichen Strukturen kristallisieren. Metallische Carbide (Einlagerungscarbide) sind Verbindungen mit Übergingsmetallen, in denen die kleinen Kohlenstoffatome die Lücken von Metallgittern besetzen. Es entstehen Stqjfk mit ~ r o j h j rHrirrr, 11ohcl1Schinrlzpurih-terl uiid ttietül11,sdi~~r Lcitfiihigkeit. Sie sind im Abschn. 2.4.6.2 behandelt worden.
Abbildung 4.34 Struktur von CaC,. Die Anordnung der Ionen ist dieselbe wie in derNaCl-Struktur(Abb.2.2)Da die [ / C E C ( ] ~ . Ionen parallel zu einer Achse der Elementarzelle liegen. verursachen sie eine Verzerrung ri, tetragonaler Symmetrie. Metallkationen und dem Acetylenid-Anion [ICSCI]~
521
AH" = + 465 kJ1mol
Die Hauptmenge wird zu Acetylen weiterverarbeitet. Eine der vier Modifikationen von CaC, besitzt eine verzerrte NaC1-Struktur (Abb. 4.34). in der auch die meisten anderen Acetylenide MeC, krist a 11'isieren. Außer den ionischen Carbiden, die als Salze des Acetylens aufzufassen sind, gibt es solche, die sich vom Methan CH, ableiten und die formal C"--Ionen enthalten. z. B. Be,C und AI,C,. Bei der Umsetzung mit Wasser entwickeln sie Methan.
Be,C kristallisiert in1 Antifluorir-Typ, aus Berechnungen folgt die Existenz C4--Ionen im Kristall. Das Carbid Li,C, hydrolysiert zu Propin
e
o
I C=O I ,
CO entsteht bei unvollständiger Verbrennung von Kohlenstoff,
Technisch entsteht CO in großen Mcngcn bei der Erzeugung von Wassergas (vgl. Abschn. 4.2.2). CO ist Bestandteil des S t d t p r i s es, das aus H,, CO, CH, und etwas CO, und N, besteht. Im Laboratorium stellt man C O durch Eintropfen von Ameisensäure in warme konz. H,SO, her. H SO
HCOOH '?t H 2 0 + CO Mg,C, zu einem Gemisch aus Propin und Propadien CH2=C=CH2. Die Annahme, daß sie das Ion [ C = C = C l 4 enthalten. konnte für Mg2C3 durch Struktur-
' \ I < ({CI-
I
~ I I I r:
CO
hi : r i i , ~ ('0mit charakteristischer blauer Flamme zu CO2.
+ t0, e CO,
AH"
=-
283 kJ/mol
522
4 Die Elemente der Hauptgruppen
\
4.7 Gruppe 14
CO ist daher ein Ro
3 ~ 5
CO, entsteht bei der vollständigen Verbrennung von Kohlenstoff. C q
+ 0,
3
CO2
AH, = - 394 kJ/mol
fällt als Nebenprodukt beim Kalkbrennen an (vgl. S. 601). Die dabei auftretende Dunkelfärbung der Lösung ist ein empfindlicher Nachweis für CO. ~ ~ fierc~t~. Mit Übergangsnietallen bildet C O eine Vielzahl von C u r h ~ n i ~ / k o t i i p / cSie den im Abschn. 5.5 behandelt. Technisch interessant ist Tetracarbonylnickel, das Reindarstellung von Ni und auch CO dient.
Zur Reinigung leitet man CO, in eine K2C03-Lösung. aus der es beim Kochen freigeset~twird. K,CO3
+ CO2 + H,O
Kälte Hitze
2KHC03
Im Labor erhält man CO, durch Zersetzung von Carbonaten mit Säuren. Die Giftigkeit des C O beruht auf der Bildung von Carbonylkomplexen mit dem Eisen des Hämoglobins im Blut, wodurch der 0,-Transport blockiert wird.. Von gro/hrchischrr Berltwtung irt d k Un7sc~iiungvon CO n ~ i H,. t Je nach Versuchsbedingungen erhält man Methanol. höhere Alkohole oder gesättigte und ungesättigte aliphatische Kohlenwasserstoffe (vgl. Abschn. 3.6.6). Die KohlenwasserstoE~ynthese von Fischer und Tropsch wird bei 180 C und Normaldruck mit Katalysatoren durchgeführt.
C a C 0 3 + 2HC1
4
CaCI,
eitle wl1r hestündig~Vcrhitidirng, die sich erst bei hohen Temperaturen in CO und 0, zersetzt (bei 1200 'C zu 0,03 %, bei 2600'C zu 52 O/O).
coz
CO,
+ CO + f 0 2
-
Kohlenstoffdioxid CO, CO, ist ein farbloses, geruchloses Gas, das nicht brennt und die Verbrennung nicht unterhält (Verwendung als Feuerlöschmittel). Es ist anderthalbmal dichter als Luft und sammelt sich deshalb in geschlossenen Räumen (Höhlen, Grotten, Gärkeller) am Boden (Erstickungsgefahr). CO, kann leicht verflüssigt werden ( r , = - 31 "C, P K = 73,7 bar). Im festen Zustand bildet CO, Molekiilkristalle (Abb. 2.57). Festes CO2 (Trockeneis) sublimiert beim Normdruck bei -78 "C. Es wird - zweckmäßig im Gemisch mit Aceton oder Alkohol - als Kältemittel verwendet. Das Zustandsdiagramm ist in der Abb. 3.9 dargestellt. 1 1 H,O löst bei 20'C 0,9 1 CO,. CO, wird für kohlensäurehaltige Getränke verwendet. Das CO 2-Molekül ist linear gebaut. Die wichtigste Grenzstruktur ist -
~=C=Q Das C-Atom ist sp-hybridisiert, die beiden verbleibenden p-Orbitale bilden n-Bindungen. Die Delokalisierung der n-Bindungen wird durch die Grenzstrukturen I0-c-u~ ~&C=OI berücksichtigt. Die Bildung der MOs von CO, und das Energieniveaudiagramm der MOs sind in den Abb. 2.72 und 2.73 dargestellt. ++
AH" =
+ 283 kJ/mol
Nur durch starke Reduktionsmittel (H,, C, Na, Mg) wird CO, reduziert. Zwischen Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonooxid und Kohlenstoff existiert das sogenannte Boudouarrl-GIric~hg~~1t.ic.hl (vg]. Abb. 3.22). C02+C(s)+2C0
Die Rolle von CO als Luftschadstoff wird im Abschn. 4.11 behandelt. 2002 betrug die CO-Emission in der Bundesrepublik Deutschland 4,3 . 106t, davon entstanden 45 % im Bereich Verkehr.
+ H,O + CO,
AH=+173kJ/mol
Mit abnehmender Temperatur verschiebt sich die Gleichgewichtslage in Richtung CO,. Unter Normalbedingungen ist CO daher thermodynamisch instabil, aber die Disproportionierung in CO, und C ist kinetisch gehemmt. C O ist daher metastabil existent. Auch durch H, wird CO, nur bei hohen Temperaturen reduziert. Beim Wussrrgusgleichge\vicht (vgl. S. 378). CO,
+ H,
e CO + H,O(g)
AH
O
=
+ 41 kJ/mol
liegt das Gleichgewicht erst bei Temperaturen > 1000JC auf der rechten Seite. CO, ist für die belebte Natur von großer Bedeutung. Mensch und Tier atmen es als Verbrenn~ngs~rodukt aus. Beim A.s.~it>rilri/ioi7.rproz~;fi nehmen Pflanzen CO, auf und wandeln es mit Hilfe von Lichtenergie in Kohlenhydrate um. Die Atmosphäre enthält einen Volumenanteil von 0,037 % CO,. Dieser ist für den Wärin~~hrirrslrrrir r i ~ ~ ErdohcrflNche i. von großer Bedeutung, da das CO, der Atmosphäre die von der Erdoberfläche ausgesandten Wärmestrahlen absorbiert, aber die sichtbare Sonnenstrahlung ungehindert passieren läßt. Als Konsequenz des Anstiegs des CO,-Gehalts durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen (weltweit wird 80 % der Energie aus fossilen Energieträgern erzeugt) und großflächigen Waldrodungen ist eine Erwärmung der Erdoberfläche (fi.c~il~biiirrc;fli~k/) und als Folge eine weltweite Klimaänderung zu erwarten. Der Treibhauseffekt wird ausführlich im Abschn. 4.1 1 behandelt.
524
4 Die Elemente der Hauptgruppen
i
~ohlenstoffsuboxidC 3 0 2entsteht als farbloses Gas durch Entwässern von Malonsaure mit P,O„.
lensäure. Als zweibasige Saure bildet Kohlensäure zwei Reihen von Salzen, Hydrop-arbonate (.,Bicarbonate") mit den Anionen HCO; und Carbonate mit den Anionen CO:-. C O : ist eine starke Anionenbase. Die CO:-Anionen sind trigo nalpbanar gebaut. das C-Atom ist sp2-hybridisiert. die n-Bindung ist de10k;ilisiert (vgl. Das Molekül hat eine lineare Struktur. Es ist bei - 78 C kinetisch stabil. Bei 2s C. ~ b ~ c h2.2.7). n. es nur unter vermindertem Druck haltbar, bei Normaldruck erfolgt P o I ~ ~ ~ ~ ~ ~ ; ~ ~ „ ~ \Oie 10l0 101 Cs 02 ' o=c=c=c=C=C=Ö. ist ein gelber Festkörper, der oberhalb - yg I II I t-* ++ C C C zu einem schwarzen Festkörper polymerisiert. Y / \o'a /// \ \ \\ \o @\C?/ \ / 0, ,o,@ C4 0z > O=C=C=C=C=O. ist bei 10 K in Argon isoliert worden (vgl Fa[jiioi, S. 388). In der Natur weit verbreitet sind CaCO, (Kalkstein, Marmor, Kreide) und caMg(C03), (Dolomit). In Wasser schwerlösliches CaCO, wird durch CO,-haltige 4.7.6.2 Kohlensäure und Carbonate Wässer in lösliches Calciumhydrogencarbonat überführt. CO, ist das Anhydrid der Kohlensäure H,CO,. Eine wäßrige Lösung von CO, CaCO, H,O CO, $ C a 2 + + 2 H C 0 3 reagiert schwach sauer (pH = 4-5). Es treten nebeneinander folgende Gleichgewichte auf: ~~f diese Weise entsteht die Carbonathärte (ti~tiiporiirc~ Hirrt(~)des Wassers. Beim H 2 0 G H,CO, CO, pK = 2,6 Erhitzen verschiebt sich das Gleichgewicht infolge des Entweichens von CO, nach links,und CaCO, fällt aus. Darauf beruht die Ausscheidung des „Kesselsteins" und die Bildung von „Tropfsteinen '. Die Sulfathärte (prrmanc~ntcHörtr) wird durch gelöstes CaSO, verursacht, sie kann nicht durch Kochen beseitigt werden. Die GeDas erste Gleichgewicht liegt weitgehend auf der Seite von CO,, 99,s % des gelösten samthärte wird in mmol/l Erdalkaliionen angegeben. Häufig erfolgt die Angabe noch Kohlenstoffdioxids liegen als physikalisch gelöste CO 2-Moleküle vor. H2C0, ist eine in Deutschen Härtegraden. 1 ' d entspricht 10 mg CaO/l. Sehr harte Wässer haben mittelstarke Säure. D a aber nur wenige CO 2-Moleküle mit Wasser zu H 2 C 0 , reagieHärtegrade > 21, sehr weiche Wässer < 7. ren. wirkt die Gesamtlösung als schwache Säure. Durch Zusammenfassung der erZur Enthärtung des Wassers verwendet man Polyphosphate (vgl. Abschn. 4.6.11) sten beiden Gleichgewichte erhält man die Säurekonstante bezogen auf CO,. oder loneriaustausr~lwr.Ionenaustauscher aus Kunstharzen bestehen aus einem lockeCOz 2 H 2 0 H,O+ HCOj pKs = 6,4 ren dreidimensionalen Gerüst, in dem saure (-S03H) oder basische (-N(CH,),OH) Gruppen eingebaut sind. Die Gruppen sind Haftstellen für KatioH 2 C 0 , lii/lt sicl~( / I / . \ ~~.ii/h.(q,r L[~.SIIIIR t/j(,/lt i.~o/i~/.c~//, bei der Entwässerung zersetzt nen (Kationenaustauscher) und Anionen (Anionenaustauscher). sich H,C03, und CO, entweicht. Lange Zeit nahm man an, da0 Kohlensäure instabil
6
P
P
-
+
+
+
b
+
+
ist und nicht in reiner Form isoliert werden kann. Reine Kohlensäure konnte mittlerweile auf verschiedenen Wegen synthetisiert werden, z. B. durch Protonierung von Hydrogencarbonaten. Die freie Säure konnte IR- und massenspektroskopisch charakterisiert werden. Die Kohlensäure 0 H
II
C
ist im festen Zustand und in der G~isphosekinetisch st2ibil. Wichtig für die Stnbilitlit ist die Abwesenheit von Wasser. Katalytische Mengen beschleunigen den Zerfall um Größenordnungen. Feste Kohlensäure läßt sich sublimieren und wieder kondensieren. Beständig bis - 16 C ist das Salz c(OH)J ASF;. i n den1 das mit B(OH), isoelektronische Trihydroxicarbeniumion C(0H); vorliegt. eine protonierte Koh-
Läßt man z. B. Wasser durch einen Kationenaustauscher fließen, so werden Ca2 und Mg2+-lonen gegen H,O+-Ionen ausgetauscht, anschließend können im Anionenaustauscher die SO:- und CO:-Ionen gegen OH--Ionen ausgetauscht werden, so daß vollentsalztes Wasser entsteht. Der Austausch ist umkehrbar, mit Kationen und Anionen beladene Austauscher können durch Säure bzw. Lauge wieder regeneriert werden. Als Ionenaustauscher sind auch Silicate (Zeolithe) geeignet. +-
Derivate der Kohlensäure Harnstoff CO(NH,), ist das Diamid der Kohlensäure (die beiden OH-Gruppen sind durch NH2-Gruppen ersetzt). Er wird als Düngemittel verwendet und technisch aus CO2 und NH, unter Druck hergestellt.
526
4 Die Elemente der 13auptgruppen
~ ~ i Formen d e sind unbeständig. Stabil sind SilliX mit dem mesomeren Anion n
,ap - C = N I H
Das Zwischenprodukt ist das Ammoniumsalz der Carbaminsäure O=C'
OH \NH, /C1 . Phosgen O=C\ ist das Dichlorid der Kohlensäure. Es ist ein giftiges. reaktioosC1 fähiges Gas (Giftgas Grünkreuz). Es wird technisch aus CO und CI, hergestellt, 4.7.7 Stickstoffverbindungen des Kohlenstoffs H~drogencyanidHCN (Blausäure) ist eine farblose. äußerst giftige. nach bitteren Mandeln riechende Flüssigkeit (Sdp. 26 C) und eine sehr schwache Säure. ES existieren zwei tautomere Formen:
Das Gleichgewicht liegt aber vollständig auf der linken Seite. In organischen Derivaten sind diese Formen als Nitrile RCN und Isonitrile RNc isolierbar. Die technische Darstellung erfolgt aus Methan und Ammoniak.
e Ihre Salze, die Cyanide, enthalten das Cyanidion IC=N/, das isoelektronisch mit N, und CO ist. CN- bildet mit vielen Übergangsmetallionen Koniplexe. Die Cyanide entwickeln mit Säuren HCN, sie werden schon vom CO, der Luft zersetzt. 2KCN t H 2 0
+ CO2
4
K 2 C 0 3 t 2HCN
Man stellt Cyanide durch Einleiten von HCN in Laugen her. Der Hauptverbrauch erfolgt bei der Cyanidlaugerei (vgl. S. 729). Dicyan (CN), ist ein farbloses, giftiges, brennbares Gas, das bei 300-500°C polymerisiert. Das Molekül ist linear gebaut.
Es entsteht bei der thermischen Zersetzung von Hg(CN), und bei der Reaktion von Cu2+ mit CN-. CuZ' t 2CN-
-r
CuCN
+ i(CN),
(CN12 ist ein Pseudohalogen und disproportioniert wie die Halogene in basischer .. Losung.
W
C*
g=C=B.
Eine weitere isomere Form ist die Knallsaure 10-NEC-H (Salze: Fulminate). Ersetzt man Sauerstoff durch Schwefel. erhält man die Thiocyansäure (Rhodanwasorstoffsäure) HSCN, die ebenfalls unbeständig ist. Sie bildet beständige Salze, die ~ h i ~ c y d n a(Rhodanide). te 4.7.8 Halogen- und Schwefelverbindungen des Kohlenstoffs ~ ~ h l ~ ~ ~ t ~ f f t e t r aCF4 f l u oistr iein d farbloses, sehr stabiles (AH; = -908 kJ/mol) Gas das Endprodukt der Fluorierung von Graphit (vgl. S. 516). polytetrafluorethylen (CF2). und fluorierte Kohlenwasserstoffe wurden bereits im Abschn. 4.4.6 besprochen. Kohlenstofftetrachlorid CCI, ist eine farblose, nicht brennbare Flüssigkeit (Sdp. 76°C). Sie ist chemisch reaktionsträge und wird als Lösungsmittel und Feuerlöschmittel verwendet. Kohlenstoffdisufid CS, entsteht aus Schwefeldampf und Kohlenstoff.
Es ist eine farblose, sehr giftige, leicht entzündliche Flüssigkeit (Sdp. 46 ,C) und ein gutes Lösungsmittel für Fette, Öle, Schwefel, Phosphor und Iod. Das CS,Molekül ist wie CO, ein lineares Molekül mit einem sp-hybridisiertem C-Atom und zwei (p-pjz- Bindungen. -
s=c=s Die Thiokohlensäure H2CS, ist eine ölige Flüssigkeit. Ihre Salze sind die Thiocarbonate. Bekannt ist auch das gasförmige Kohlenstoffoxidsulfid COS.
4.7.9 Wasserstoffverbindungen des Siljcjums Silicium bildet kettenförmige Silane der allgemeinen Zusammensetzung Si,H„ + 2, die den aliphatischen Kohlenwasserntoffen CnH,,,+, entsprechen. Es wurden alle G k der bis n = 15 nachgewiesen. Monosilan SiH4 und Disilan Si2H, sind Gase, die Glieder a b n = 3 sind flüssig oder fest. Es sind etdoihurt~ic.I.$rhintl~ng<~ti, die aber in Abwesenheit von 0, und H,O bei Raumtemperatur beständig sind. Beim Erhitzen zerfallen sie in die Elemente. SiH4
4
Si
+ 2H,
AH" = - 34 kJ/mol
der Lufi eniiiinduri sie sich con sc.fbs/ und verbrennen zu SiO, und H,O. während
Die Cyansäure HOCN existiert in den tautomeren Formen
H-0-C-NI
+ Q=C=N-H
6-
6+
in den Alkanen der Kohlenstoff negativ polarisiert ist (-)C-H), enthalten die Silane 6+
negativ polarisierten Wasserstoff(;Si-H).
d-
Im Gegensatz zu den ~ohlenwasseratof-
528
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.7 Gruppe 14
529
fen erfolgt mit starken Nukleophilen Substitution der H-Atome. Hydrolyse erfolgt daher nur bei Anwesenheit von O H - I o n e n .
+ 4H20
SiH,
OH - - t
Si(OH),
+ 4H2
SiH,, Si2H6 und Si,H, können durch Reaktion der entsprechenden Chloride mit LiAIH, in Ether dargestellt werden, z. B. 2Si2C1,
+ 3LiAIH4 -+ 2Si2H, + 3LiAIC1,
Ein Silangemisch. das alle Silane enthält. entsteht bei der Zersetzung von Me,Si mit L
Yiurc
Mg,Si
+ 4 H ' + SiH, + 2Mg2
-
+
Man kennt außerdem die cyclischen Silane Si,H,, und Si6H,, sowie polymere Silane mit variablen Zusammensetzungen, zu denen die Verbindungen (SiH,). und (SiH) gehören. 4.7.10 Sauerstoffverbindungen von Silicium 4.7.10.1 Oxide des Siliciums Siliciumdioxid SiO, SiO, ist im Gegensatz zu CO, ein polymerer, harter Festkörper mit sehr hohem Schmelzpunkt. Die Si-Atome bilden nicht wie die C-Atome mit 0-Atomen (p-p)nBindungen. Die Si-Atome sind sp3-hybridisiert und tetraedrisch mit vier 0-Atomen verbunden. Jedes 0-Atom hat zwei Si-Nachbarn, die Si0,-Tetraeder sind über gemeinsame Ecken verknüpft.
ioi
101
101
101
1 - 1 -G-S~-Q-S~-QI I
I
I
Zusätzlich zu den stark polaren Einfachbindungen existieren Wechselwirkungen zwischen den freien p-Elektronenpaaren des Sauerstoffs und leeren Orbitalen des Sillciums. Diese X-Bindungsanteileerklären die außergewöhnlich hohe ~ i n d u n g s e n e r ~ i e der Si-0-Bindung.
SiO, existiert in verschiedenen Modifikationen, die sich in der dreidimensionaleil Anordnung der SiO,-Tetraeder unterscheiden.
~i~ umWandlungen zwischen Quarz, Tridymit und Cristobalit (vgl. Abb. 2.12) verlaufen nur sehr langsam. da dabei die Bindungen aufgebrochen werden müssen. ~ U ß e dem r bei Normaltemperatur thermodynamisch stabilen T-Quarz sind daher auch alle anderen Modifikationen metastabil existent. Bei der Umwandlung von den a - ~ o r m e nin die P-Formen ändern sich nur die Si-0-Si-Bindungswinkel. sie verlaufen daher schnell und bei relativ niedrigen Temperaturen. Nur bei sehr langsamem Abkühlen erhält man aus der Schmelze Cristobalit. Beim raschen Abkühlen erstarrt eine SO,-Schmelze glasig (vgl. Gläser S. 538). ,,Quarzglas" 1st bei 25 'C metastabil und kristallisiert erst beim Tempern (1000-1 100 C) Da es wegen seines kleinen thermischen Ausdehnungskoefizienten eine sehr gute Temperaturwechselbeständigkeit besitzt, kann man Quarzglas von heller Rotglut auf Zimmertemperalur abschrecken. Auf Grund seiner chemischen Resistenz, Schwerschmelzbarkeit und Temperaturwechselbeständigkeit wird es zur Herstellung hitzebeständiger Apparate verwendet. D a es für 1JV-Licht durchlässig ist, wird es für Quarzlampen, UV-Mikroskope usw. benutzt. In der Hochdruckmodifikation Stishovit kristallisiert SiO, im Rutilgitter (Abb. 2.1 I), Si hat darin die ungewöhnliche Koordinationszahl 6. Tm faserformigen SiO,, das durch Oxidation von S i 0 erhalten werden kann, sind in einer Kettenstruktur die Si0,-Tetraeder über Kanten verknüpft.
In der Natur ist SiO, ii.eit ivrhrrirrr und tritt in iuhlrrichen kristallincti und amorpht'n Formeil auf: Gut ausgebildete Kristalle werden als Schmucksteine verwendet: Bergkristall (wasserklar), Rauchquarz (braun), Amethyst (violett), Morion (schwarz), Citrin (gelb), Rosenquarz (rosa). Mikrokristalliner Quarz wird als Chalcedon bezeichnet. Varietäten von Chalcedon sind: Achat, Carneol, Onyx, Jaspis, Heliotrop, Feuerstein. Amorph und wasserhaltig sind Opale. Zu den Opalvarietaten gehört Kieselgur. Quarz ist Bestandteil vieler Gesteine (Quarzsand, Granit, Sandstein, Gneis). Quarz ist piezoelrkrrisch: durch eine angelegte Wechselspannung wird der Kristall zu Schwingungen angeregt. Auf der hohen Frequenzgenauigkeit der Eigenschwingungen (Av/Y= 1 0 ' ) beruht der Bau von Quarzuhren. Synthrtische Qurrrzkristal/r hohes Reinheit werden nach dem Hydrothermalverfahren hergestellt. Im Druckautoklaven wird bei 400 "C die wäßrige Lösung mit Si02 gesättigt. Im kühleren Autoklaventeil ist die Lösung übersättigt und bei 3 8 0 T scheidet sich Quarz an einem Impfkristall ab.
530
4.7 Gruppe 14
4 Die Elemente der Hauptgruppen
SiO, irr chemiscii sehr ii~i~lersr«ndsf<jhi~~. Außer von H F (vgl. S. 408) wird es von
Säuren nicht angegriffen. Laugen reagieren auch beim Kochen nur langsam mit ~ Beim ~usammenschmelzenmit Hydroxiden oder Carbonaten der Alkalimetalle stehen Silicate. SiO, + 2MeOH -. Me,Si03 + H,O SiO,
+ Me,C03
-+
Me,Si03
io 2.
u
+ CO, I
Beim Erhitzen von SiO, mit Si auf 1250°C im Vakuum entsteht gasförmiges Si0
+ SiO,
S 2 SiO(g)
AH" =
!
4.7.10.2 Kieselsäuren. Silicate
I I
Die einfachste Sauerstoffsäure des Siliciums ist die Orthokieselsäure H,SiO,. Sie ist nur in großer Verdünnung (bei Raurntemperatur 5 2 . lO-hrnol/l) beständig. In der Natur bildet sie sich durch Reaktion von SiO, und Silicaten mit Wasser und ist in natürlichen Gewiissern in Konzentrationen < l D 3 mol, I vorhanden.
+ 2 H,O
[si6018 I'*-
I
+ 812 kJ/mol
Beim Abkühlen disproportioniert S i 0 in Si und SiO,. Durch Abschrecken ri.hiilt man glasiges oder faserförmiges polymeres (SiO),. das luft- und feuchtigkeitselnpfindlich ist. Monomeres S i 0 wurde mit der Matrix-Technik isoliert.
SiO, (s)
[si309 16-
I
Siliciurnrnonooxid S i 0
Si
Ringsilicote
I
S H4Si04
I
Durch Uqdrolyse von SiCI, in großer Verdünnung entsteht sie als unbegtiindige Lösung. Bei höherer Korl:cntrution crfolgt \p»iituncJ Kondcrisutiorl zu Polykieselsäuren.
I
I
Silicium
I
I
0Souerstoff
Kettensilicate [si2061L-
i s i L ~ 16„
Abbildung 4.35 Anionenstruktur einiger Silicate.
Die Geschwindigkeit der Kondensation ist von der Konzentration, der Temperatur und dem pH-Wert der Lösung abhängig. Am beständigsten sind Lösungen mit einem pH-Wert um 2. Das Endprodukt der dreidimensionalen Kondensation ist SiO,. Die als Zwischenprodukte auftretenden Kieselsäuren sind unbeständig und nicht isolierbar. Beständig sind ihre Salze, die Silicate. Eine hochkondensierte wasserreich^ Polykieselsäure ist Kieselgel. Entwässertes Kieselgel (Siiicagel) ist ein polymerer Stotj mit großer spezifischer Oberfläche, der zur Adsorption von Gasen und Dämpfen geeignet ist und daher als Trockenmittel, z. B. in Exsiccatoren, dient (vgl. S. 836). Als Hauptbestandteil der Erdkruste, aber auch als technische Produkte sind die Salze der Kieselsäuren. die Silicate. von größter Bedeutung. Ir1 tlorr S i l k l l ( ~I i i~i i~ Sificiiirr 1 r/ic K o o r c l i r i o r i o ~ ~ ~ricr s ~ ~~r ~ r r /~ hi/c/pt / r r I ir S ( l r l e r ~f.fs.J.iCl,~ ~ ) f i ' ~ L I ~ JD;(' I . .1; -
Anordnur~~ iicr S i O , - f i r r ~ ~ t l c ~Eine i. Ausnahme ist die Hochdruckphase CaSi20„ bei der Si0,-Gruppen mit trigonal-bipyramidaler Struktur nachgewiesen sind. Die wichtigsten in den Silicaten auftretenden Anionen sind in der Abb. 4.35 dargestellt. Die außerordentliche Vielfalt der Silicatstrukturen ist natürlich schon durch die zahlreichen Anordnungsmöglichkeiten der Si0,-Tetraeder bedingt. Hinzu kommen aber weitere Gründe. Die Silicatanionen bilden Lücken, in denen die Kationen sitzen, die durch elektrostatische Wechselwirkung mit den Anionen den Kristall zusammenhalten. Ionen mit gleicher Koordinationszahl sind in weiten Grenzen austauschbar, 2. B. FeLi gegen M g 2 und Na' gegen Ca 2 +. Dieser diadoche Ersatz führt häufig zu variablen und unbestimmten Zusammensetzungen. In vielen Silicaten sind außerdem noch tetraederfremde Anionen wie OH-, F-, 0'- vorhanden, die nicht a n Si gebunden sind. Die zur Neutralisation erforderlichen Kationen komplizieren die Zusammensetzungen. Si kann statistisch oder gesetzmäßig durch Al ersetzt sein. Solche Silicate heißen Alumosilicate. Mit jeder Substitution erhöht sich die negative Ladung +
I
I
'
11.octI~r .sind riur i h r , gc~rrlcirl.sarilr~ G,krri ~.c~r.krii;pft. r,ic.li~iihcsr. k r r l ~ o r ro t l ~ r~ ' l ~ ( ~ l 1 ~ ' / ~I I .sirrt/die Bo~rc~irrlwircrr ( / P I . Silic~(rrc,, I I H ~ (I;<, / E i i l ~ ~ ~ i /&I. ~ ~S n ;, /q; ( . l ~c>r/i)/~q~ r~ n t r ~ hd ' / '
534
4 Die Elemente der Hauptgmppen
0
Schicht
00
Schicht
0,OH
,' ',
Al
Si 0
1
0,OH
Si. Al 0
Abbildung 4.39 Schematische Struktur von Kaolinit A14[Si40„](OH),. DieTetraederspitzender Schichten zeigen in gleiche Richtung. Jedes Al3+ ist von 4 OH-Grupp und zwei Sauerstoffionen koordiniert. Es treten Schichtpakete auf, die aus einer Schicht von SO,-Tetraedern und einer Schicht von AIO,(OH),-Oktaedern bestehen. Die Schichtpakete sind nur durch van der Waals-Kräfte aneinander gebunden. Tonmineralien sind daher weich und leicht spaltbar. Abbildung 4.38 Schematische Struktur von Muskovit KAI,[Si3AI0,,](OH,). Die Struktur des Glimmers Muskovit zeigt Verwandtschaft zur Struktur des Talks. Ein Viertel der Si-Atome sind durch Al-Atome ersetzt. Die drei Mg2+-Ionensind durch zwei oktaedrisch koordinierte Al3+-Ionen ersetzt. Der Ladungsausgleicherfolgt durch ein K+-Ion,das von 12 Sauerstoffionen koordiniert ist. Schicht 1 und 2 sind fest durch Al3'-Ionen verbunden. Der Zusammenhalt zwischen Schicht 2 und 3 durch K+-Ionen ist schwächer. aber verglichen mit Talk angewachsen. In Margarit und anderen Sprödglimmern sind statt der K *-Ionen Ca2+-Ionen vorhandcn. dic Härte wächst und die Spaltbarkeit wird schlechter.
Das technisch wichtigste Schichtsilicat ist Kaolinit A1,[Si,O,,](OH), (Abb. 4.39). Kaolin (Porzellanerde) ist nahezu reiner Kaolinit und dient als Roh.stoff f l i r /\mi,iii.sc.hr Produkre. Die Hälfte des Kaolinits wird in der Papierindustrie verwendet; für Gummi und Kunststoffe dient er als Füllstoff (Erhöhung der Abriebfestigkeit). Analogaufgcbaut ist der Serpentin Mg,[Si,O, o](OH),. Im Serpentin sind aber die Oktaederschichten Mg(O,OH), ausgedehnter als die Tetraederschichten SiO,. Die Serpentinschichten stabilisieren sich daher durch Krümmung (den außen liegenden o k taederschichten steht dadurch mehr Platz zur Verfügung). Der faserige Serpentin (Chrysotil) besteht aus aufgerollten Schichten, die hohle Fascrn bilden. Er wird auch als 3erpentinasbest" bezeichnet und dient zur Herstellung von feuerfestem Material, für Asbestzement (Eternit: Verbundwerkstoff von 10-20% Asbest mit ~ o r t l a n d Zement) und als Katalysatorträger für Platin. D a Asbestfasern kanzerogen s i d werden sie durch umweltverträgliche mineralische und synthetische Fasern ersetzt. Ein weiterer Rohstoff für die keramische Industrie ist der quellfähige ~ o n t m o r i l lonit (A~I.WM~O,~)CS~,O~~I(OH)~N~~.~~(H,O),. - - -
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
P
-
6. Gerüstsilicate (Tektosilicate). Wie in SiO, sind die Si0,-Tetraeder über alle vier Ecken mit Nachbartetraedern verknüpft, so daß ein dreisimensionales, locker gepacktes Gerüst entsteht. Ein Teil des Si ist durch Al ersetzt, das Gitter enthält dreidimensionale unendliche Anionen und die zur Ladungskompensation entsprechende Anzahl von Kationen, meist Alkalimetalle und Erdalkalimetalle. Weit verbreitet sind die Feldspate: Albit Na[AISi,O,J, Orthoklas K[AlSi,O,], Anorthit Ca[AI,Si,O,]. Sie sind Bestandteil vieler Gesteine und zu 60% am Aufbau der Erdkruste beteiligt. Die interessantesten Tektosilicate sind die Zeolithe (gr. zein = sieden, lithos = Stein). Es sind kristalline, hydratisierte Alumosilicate, die Alkalimetall- bzw. Erdalkalimetallkationen enthalten. Ihre allgemeine Zusammensetzung ist
Me+ Alkalimetalle, MeZ+Erdalkalimetalle. Das Verhältnis Si/AI licgt bei den meisten Zeolithen zwischen 1 und 100. In den Z e u l j t h , y t , . ~ ~ k t ~csi.cti<~~cw lrt~~~ ,yro/k, H O I I I I ~ N I I I I(/;C I ~ ~ d. ~ ~ iX~. l ~ ~l iii i ~kiill
536
4.7 Gruppe 14
\
4 Die Elemente der Hauptgruppen
537
triumsilicat (z. B. Wasserglas) feinkristalliner Zeolith oder eine amorphe Reaktion,mischung, die durch Tempern kristallisiert wird. Wichtige synthetische Zeolithe ,ind, Zeolith A Zeolith X Zeolith Y
N a , ,[Al, ,Si, ,0„] . 2 7 H,O
Na„[AI„Si,,O,,,l Na„[Al„Si„O„,]
. 132H,O
, 1 2 5 H,O
Bpj ~ N I ( W IZ ( ~ l i t 1 t1t ~ i th(~.\.tit?~intc~r S I ~ I I ~ k(itit1 I I I ~ (liv ß i ~ t . c ~ / ~ t ? ~(/c,l. p . \ ./y<~j l l l ~(jiO,(,,, lc. firioi~rr~r~ustui~~rc~l~ n 1 o d i f i 5 ~ rl t ~ ~ r hS O? kann . beim Zeolith A durch E r s a t ~von xa+-
Ionen durch die größeren K+-Ionen eine Verkleinerung, durch die kleineren Ca"Ionen eine Vergr-vßerung der Kanäle bewirkt werden. Sjxthrti.vclic~Zcolithr .sind. du ~ i c ~ l f r j li r~i~~~ r i i ~ c v ~ tcr~l~t~i.sch rlhrri. i t , i c l ~ t(weltweiter i~ Bedarf 800000 t/Jahr). Ionrtiuu.stu~r.vr~Ii. Wasserenthärtung mit Na-Zeolith A . Die Nai-Iunen werden ge. gen die Ca"-Ionen des harten Wassers ausgetauscht. Als Bestandteil von \iiaschmitteln ersetzen sie die umweltschädigenden Polyphosphate (vgl. Abschn. 4.1 1J. ~u~ galvanischen Abwässern werden toxische Schwermetallionen (Cd, Pb, Cr), aus iridustriellen und landwirtschaftlichen Abwässern NH:-Ionen entfernt. Eine spezielle Anwendung ist die Entfernung radioaktiver Isotope (I3'Cs: 9USr)aus radioaktiven Abwässern. Aclsorptiot?. N u r solche Moleküle können adsorptiv zurückgehalten werden, die durch die engen Kanäle in die größeren Hohlräume gelangen können. daher lassen sich Moleküle verschiedener Größe trennen (Molekularsieb). Die Trennung von riund iso-Paraffinen beruht darauf, d a ß nur die geradkettingen n-Paraffine gut adsorbiert werden. D a die innere kristalline Oberfläche polar ist, werden bevorzugt polare Moleküle adsorbiert (polare Selektivität). Zur Trocknung werden Zeolithe in Isolierglasfenstern, in Kühlmittelkreisläufen und zur Entfernung von Wasserspuren in Gasen eingesetzt. Bei Erdgasen erfolgt neben der Trocknung gleichzeitig Entfernung von CO„ H,S, Toluol und Benzol. In Luftzerlegungsanlagen sind KohAbbildung 4.30 Struktur von Ultramarinen, von Fau~asitund des Zeoliths A. 3 ) 24 (Si. Al)O*-Tetracder sind iiber grincins;ime Eckcn zu einem Kuboktaeder ~erknüprt. b) Schematische Darstellung des Kuboktaeders, das Baustein sowohl der Ultramarine ;ds auch einiger Zeolithe ist. c) Strukturen des Ultramarins Sodalith Na4[A13Si30„]CI, des synthetischen Zeoliths A N a ~ d A l „ S i „ O ~ ~27H20 l. und des natürlichen Zeoliths Fau,asit. Beim Zeolith A sind die Kuboktaeder mit den quadratischen Flächen über Würfel verknüpft. Beim Gitter des Faujasits. in dem auch die synthetischen Zeolithe X und Y kristallisieren, sind die Kuboktaeder mit den sechseckigen Flächen über hexagonale Prismen verbunden. In allen Strukturen umschließen die Kuboktaeder Hohlräume, die über Kanäle (Fenster) zugänglich sind. Beim Aufbau der Zeolithe unterscheidet man primäre Baugruppen (Si04-.~l~,-Telraedcr). daraus werden durch Verknüptung 9 Sekundärbausteine gebildet (Quadrat. Sechseck. Achteck, Würfel, hexagonale Säule e t ~ . )Diese . bauen die tertiären Baueinheiten, z.B. das KuhOktaeder, auf. Eine andere tertiäre Baueinheit ist ein Fünfringpolyeder. dessen Verknü~fung zu den Strukturen der wichtigen synthetischen Zeolithe ZSM 5 und ZSM 1 1 führt. I n beiden existieren sich kreuzende Kanäle.
Struktur
Hohlräume
Sodalith
ß-Käfig
Zeolith A
C)
Faujasit
a-Käfig
Super-Käfig
Durchmesser des Käfigs in pm
1140
Durchmesser der Kanäle in pm
538
4 Die Elemente der Hauptgruppen
L
Ienwasserstoffe neben flüssigem Sauerstoff gefiihrlich. sie können zusammen mit CO und Wasser entfernt werden. 2 /\irto/~..se.Auf der inneren Oberflache (bis 1000 m 2 /g) können katalytisch aktive Zentren (saure Gruppen, Pt, Pd) eingebaut werden. Verwendung: I~omerisi~~,,,,, -6 von n- ZU iso-Paraffinen; Crackung von Erdolfraktionen zur Treibstofn>erstellung; Umwandlung von Methanol in Kohlenwasserstoffe. D a die im Inneren entstandenen Moleküle die Zeolithkanäle passieren müssen, können bevorzugt Moleküle mit bes timmter Größe und Gestalt synthetisiert werden (Formselektivität). Gro[jtec-,ni„he Anwendung ist z. B. die Synthese von Ethylbenzol aus Benzol und Ethen --. Neue Molekularsiebe und formselektive Katalysatoren sind Verbindungen. die sich vom AIPO, ableiten (siehe Abschn. 4.8.5.4). Ultramarine sind kubische Alumosilicate, die wie die Zeolithe aus Kuboktaedern aufgebaut sind (Abb. 4.40). Ultramarine sind wasserfrei, die Hohlräume des Gitters enthalten Anionen, z. B. Cl- im Sodalith Na4[A13Si30„]C1. Ersetzt man im Sodalith die Cl--Ionen durch s;-Radikal-Anionen, erhält man tiefblauen „Ultramarin a . der schon in den ältesten Kulturen als Halbedelstein Lapislazuli bekannt war. Synthetische Ultramarine sind blau, grün oder rot und werden als anorganische Pigmente verwendet. SF-Ionen sind Farbträger grüner, S4-Ionen rotvioletter Ultramarine.
.
.
-L,
0 0 Si Na. K , Ca
4.7.10.3 Technische Produkte Gläser Gläser sind ohne Kristallisation erstarrte Schmelzen. In? Un~er.schiedzir der r~,gcltiiiiBigen rireiriim~n.rionn/Al~ordnungder Bauvtrine in h'ri.rfullen / Frrnorrlnung) . \ i i ~ ;)I d den Gluserti nur Ordnungen in kleinen B c i r k e n üorhant/m !Nahordnung) (Abb. 4.41 ).
Beim Erwärmen schmelzen sie daher nicht bei einer bestimmten Temperatur, sonder11 erweichen allmählich. Der Glaszustand ist metastabil, da er gegenüber dem kristallisierten Zustand eine höhere innere Energie besitzt. Die Fähigkeit, glasig amorph zu erstarren, besitzen außer SiO, und den Silicaten auch die Oxide GeO,, P 2 0 „ AszOj und B 2 0 3 .Gläser im engeren Sinne sind Silicate, die aus SiO, und basischen Oxiden wie Na,O, K 2 0 und C a 0 bestehen. SiO, bildet das dreidimensionale Netzwerk aus eckenverknüpften SO,-Tetraedern (Nelzbrs~rh-hildnrr).Die basischen Oxide ( ~ V i , i : w~erkwandcr)trennen Si-0-Si-Brücken (Abb. 4 . 4 1 ~ ) .
0
0
I
I
I
I
0
I N a 2 0 + -0-Si-0-Si-0- + -0-si-00
0
I
0
0
Na+ Na'
-O-Si-OI
0
Je mehr Trennstellen vorhanden sind. um so niedriger ist der Erweichungspunkt des Glases (er sinkt von etwa 1500°C für reines Quarzglas auf 400-800"C für technische Silicatgläser).
Abbildung 4.41 Schematische zweidimensionale Darstellung der Anordnung von Si0,Tetraedern (a) in kristallinem SiO,, (b) in glasigem SiO, und (C)in Glas mit eingebauten Netzwerkwandlern.
Gewöhnliches Gebrauchsglas (Fensterglas, Flaschenglas) besteht aus N a 2 0 . C a 0 u ~ SiO, d Lurch Zusätze von K 2 0 erhält man schwerer schmelzbare Gläser (Thüringer Glas). Ein Zusatz von B2O3erhöht die chemische Resistenz und die Festigkeit. A1203 verbessert Festigkeit und chemische Resistenz, vermindert die Entglasungsneigung und verringert den Ausdehnungskoeffizienten, das Glas wird dadurch unempfindlicher gegen Temperaturschwankungen. Bekannte Gläser mit diesen Zusätzen sind Jenaer Glas, Pyrexglas und Supremaxglas. Ein Zusatz von P b 0 erhöht das Lichtbrechungsvermögen. Bleikristallglas und Flintglas (optisches Glas) sind Kali-Blei-Gläser. Unempfindlich gegen Temperaturschwankungen ist Quarzglas (Kieselglas). Es kann von Rotglut auf Normaltemperatur abgeschreckt werden. Färbungen von GI%sern erzielt man durch Zusätze von Metalloxiden (Fe(I1)-oxid färbt grün, Fe(111)Oxid braun, Co(11)-oxid blau) oder durch kolloidale Metalle (Goldrubinglas). Getrübte Gläser wie Milchglas erhält man durch Einlagerung kleiner fester Teilchen. Dazu eignen sich c~,(Po,), oder S n 0 2 .
540
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.7 Gruppe 14
Emaille ist ein meist getrübtes und gefärbtes Glas, das zum Schutz oder zur Dekoration auf Metalle aufgeschmolzen wird. Glasfasern, die für Lichlleilkabel verwendet werden, bestehen aus einem Kern, dessen Brechungsindex etwas größcr ist als der des Fasermantels. Das Licht m.ird durch Totalreflexion am Mantel weitergeleitet.
541
schaften sind Festigkeit uiid Hiirte auch bei Temperaturen oberh;ilh 1000 C und ausgezeichnete chemische Beständigkeit. Nicht bestiindig sind B„C, und BN in oxiUmgebulig bei hohen Temperaturen. Bei den Si-haltigen Verbindungen bildet 'ich eine passivierende siOl-Deckschicht. so dsfl sie bis 1600 C eingesetzt ,erdell können. Siliciumnitrid (Smp. 1900 C) wird nach folgenden Reaktionen her-
Glaskeramik
Glaskeramik entsteht durch eine gesteuerte teilweise Entglasung. Glasphase uiid kristalline Phase bilden ein feinkörniges Gefüge. Sind die Kristallite kleiner (ctw, 50 nm) als die Lichtwellenlänge und die Brechzahlen der Kristalle und der Glasy>hnse wcnig vcrschieden, sind die Keramiken durchsichtig. Glaskeramiken mit hoher Tcriiperaturbeständigkeit und Temperaturwechselbeständigkeit werden für Geschirr ul~d Kochflächen verwendet. Sie werden aus Lithiumaluminiumsilicaten hergestellt, die schr kleine Ausdeh~iuilgskoeffizientenbesitzen (Cordierit, Hochspodunien). Tonkerarnik Tonkeramische Erzeugnisse entstehen durch Brennen von Tonen. Die wichtigsten Bestandteile der Tone sind Schichtsilicate(Kaolinit, Montmorillonit). Reiner Ton ist der Kaolin, der überwiegend aus Kaolinit besteht und zur Herstellung von Porzellan dient. Weniger reine Tone dienen zur Herstellung von Steingut, Steinzeug, Faycnce und Majolika. Sie enthalten als Verunreinigung Quarz, Glimmer und Eisenoxide. Lehm isl Ton, der stark durch Eisenoxid und Sand verunreinigt ist. Er wird zur Herstellung von Ziegelsteinen verwendet. Man unterscheidet Tongut mit einem wasserdurchlässigen Scherben und Tonzeug mit einem dichten,wasserundurchlässigen Scherben. Zu letzterem gehört Steinzeug und Porzellan. Hartporzellan ( N50% Kaolin, N 25 % Quarz, N 25 % Feldspat) wird bei 1400-1 500 "C gebrmn t. Weichporzellan enthält weniger Kaolin (Seger-PorzelLa11 z. B. 25 'AI Kaolin, 45% Quarz, 30% Feldspat) und wird bei 1200-3 300°C gebrannt. Chinesisches und japanisches Porzellan, auch Sanitärporzellane, sind Weichporzellane. Für die meisten Gebrauchszwecke wird Tongut (Steingut, Majolika. Fayence) glasiert.
Außer zwei hexagonalen Modifikationen gibt es eine Ho~hdtuckmodiiikatioiimit spinellstruktur. Verwendunpsbereich wie der von SiC, außerdeni für Turbinenteile und in Automotoren. Cermets (Kombination von ceramics and metals) sind Verbundwerkstoffe aus zwei Phasen, bei denen abhängig von der Zusan~mensetzungbestimmte Eigenschaften optimiert werden. Beispiel: In WClCo-Cerniets ist die Härte von WC mit der Zähigkeit von Co zu einem Hartstoff kombiniert Koniposite sind Kombinationen keramischer Materialien, z. B. Si,N,/SiC Die Komposite aus Si3S,. SiC und Bi*; z. B. sind bis 2000 C stabil. Oxidkeramik: Aluminiumoxid A1,03 (vgl. S. 584), Zirconiumdioxid ZrOz (vgl. S. 774). Berylliumoxid B e 0 (vgl S 597). Zus2tzlich zu den bei den Verbindungen besprochenen Verwendungen sei noch erwähnt: ZrO, und AI'O, sind bioinert und konnen für belastbare Implantate benutzt werden. Wegen der guten Wärmeleit-fahigkeit ist A1,0, in der Elektronikindustrie als Trlgermaterial für Chips geeignet. Es wird durch das besser leitende Aluminiumnitrid AIN (Smp. 2230 C; WurtzitStruktur) ersetzt. Sialone (OxidonitridoaluinosilicatP) sind Substitutionsvarianten von Si,N,. Bei ihnen ist Si4+ partiell durch Al" und N 3 partiell durch 0'- substituiert. Sie sind wegen ihrer thermischen, chemischen und mechanischen Stabilität als keramische Materialien vsn Bedeutung. Die Sialon-Hochdruckphase I-Si,AlON, kristallisiert in der Spinellstruktur und besitzt die Härte von Borcarbid. -
8-
Wasserglas Durch Zusammenschmelzen von Quarz und Alkalimetallcarbonaten bei 1300 C erhält man Alkalimetallsilicate. Die Lösungen (Wasserglas) reagieren alkalisch. SiO,
H o r ~ l i l c i s t ~ r n ~ . s k ( ~ ~.sind ~ ~ ic~lirr~iisch nlikt~~~ llcqy.srcIIre I~o<.Ilr(~;rlt, O.vic/e, Ilritrii[/<' Bor;& genau definierter Zusammensetzung und Teilcherigröße (0,l-0,005 ~ m ) . die durch Pressen und Sintern zu Kompaktkörpern verarbeitet werden. Hochleistungskeramik ist relativ neu und gilt als eine der Schlüsseltechi~ologiender Zukunft. Nichtoxidkeramik: Siliciumcarbid SiC (vgl. S. 539), Siliciumnitrid Si3N„ Borcarbid BnC2 (vgl. S. 565), Bornitrid BN (vgl. S. 579), TiC, WC. Hervorragende Eigen-
+ 2Na,C03
-t
Na4Si04 + 2 C 0 ,
Silicone
lrld
Die Si-C-Bindung ist thermisch sehr stabil und chemisch wenig reaktiv. (CH,),Si wird erst oberhalb von 650 'C thermisch zersetzt und von verdünnten Laugen nicht hydrolysiert. Silicone sind chemisch und thermisch sehr beständige Kunststoffe, in denen die Stabilität der Si-0-Si-Bindung und die chemische Resistenz der Si-CH3-Bindung ausgenutzt wird: 2. B.
I
Das Silan01 (monofunktionell) fungiert als Kettenendgruppe, das Silandiol (bifunktionell) als Kettenglied und das Silantriol (trifunktionell) als Verzweigungsstelle. Mit geeigneten Mischungen kann man den Polymerisationsgrad einstellen und es entstehen dünnflüssige. ölige, fettartige, kautschukartige oder harzige Substanzen. Sie sind beständig gegen höhere Temperaturen, Oxidation und Wettereinflüsse, sind hydrophobierend. elektrisch nichtleitend, physiologisch indifferent und daher sehr vielseitig verwendbar (Schmier- und Isoliermaterial. Dichtungen, In-iprägniermittel, Lackrohstoff, Schläuche, Kabel).
Siliciumdifluorid SiF, und höhere Siliciumfluoride
.
Gasförmiges, monomeres SiF, ist gewinkelt und enthält normale Einfachbindungen. Es entsteht durch Reduktion von SiF, mit Si.
Es ist sehr reaktionsfähig und polymerisiert zu kettenförmigem (SiF,),. Polysiliciumdifluorid ist wachsartig und an der Luft entzündlich. Beim Erhitzen auf 200-350'C im Hochvakuum entstehen höhere Siliciumfluoride SinF2,,+, (n = 2 - 14) und Poly~~~~ciummonofluorid (SiF),,, das oberhalb 400 'C explosionsartig zerfällt.
4.7.11 Halogenverbindungen und Schwefelverbindungen des Siliciums Die wichtigsten Halogenide sind vom Typ Si,X„+, (X = F, Cl, Br, I), die sich von Silanen durch Ersatz der H-Atome durch Halogenatome ableiten. Außerdem sind die polymeren Halogenide (SiX,), und (SiX), bekannt (X = F, Cl, Br, I). Siliciumtetrafluorid SiF, SiF, ist ein Gas, das stechend riecht und infolge Hydrolyse an der Luft raucht. SiF, entsteht beim Erwärmen eines Gemisches aus CaF,, SiO, und konz. f!i2S04. 2CaF2 4HF
+ 2H2S04 + SiO,
-
-+
2CaS0, SiF,
+ 4HF + 2H20
i
SiC14 ist eine farblose, an der Luft rauchende Flüssigkeit, die durch Erhitzen von Si imC12-~trom hergestellt werden kann. Im Gegensatz zu CCI, ist SiCI, leicht hydroly~ierbar.Dafür ist sowohl die größere Polarität der Si-Cl-Bindung als auch die ExiStenzvon &Orbitalen beim Si verantwortlich, die eine Anlagerung von H 2 0 ermöglichen:
544
4 Die Elemente der Hauptgruppei-i
4.7 Gruppe 14
545
Siliciumdisulfid SiS, Im Gegensatz zu CS, ist SiS, ein Festkörper, der in farblosen, faserigen ~~i~~~~~~~ mit Kettenstruktur kristallisiert. Die Kettenmoleküle
4.7.13.1 Zinn(1V)-Verbindungen Ziiotetrahydrid SnH, (MonostannanI) ist ein bei Raumtemperatur tagelang haltbaG a s Oberhalb von 100 'C zersc:tzt es sich rasch unter Bildung eines
enthalten verzerrt tetraedrisch koordinierte Si-Atome mit nahezu reinen Einfachbindungen. SiS, ist reaktiver als SiO,. Mit Wasser reagiert es zu SiO,. SiS,
+ 2 H,O
, SiO,
+ 2 H,S
Von verdünnten Laugen und Säuren wird es nicht angegriffen. Man erhält es in etherischer Lösung nach
4.7.12 Germaniumverbindungen
~
Hydride
I
Germane Ge,H,,,+, sind bis n = 9 bekannt. GeH, ist gasförmig, die höheren Glieder sind flüssig bzw. fest. Die Oxidationsempfindlichkeit ist geringer als die der Silane, sie sind schwächere Reduktionsmittel und stabiler gegen Hydrolyse.
1
Chaikogenide GeO, ist dimorph. Die mit Rutil isotype Modifikation wandelt sich bei 1033 C in die im Cristobalitgitter kristallisierende Modifikation um. G e 0 ist wesentlich beständiger als SiO. Auch GeS, das man durch Reduktion von GeS, mit H, erhält, ist verglichen mit SiS recht beständig.
i
II I
i 8
I
Halogenide GeF, ist ein Gas, das mit Wasser zu Ge0, und H,GeF, reagiert (vgl. S. 543). Es existieren Salze wie K,GeF, und BaGeF,. GeF, ist beständiger als SiF, und bildet farblose Kristalle. Die Struktur ist analog der von SnCl, (vgl. S. 546). GeCI, ist eine Flüssigkeit, die mit Wasser rasch hydrolysiert. Mit Chloriden bilden sich C h l o r ~ k o m ~ l e des x e Typs GeC1;-. GeCI, ist fest, die salzsaure Lösung wirkt stark reduzierend. Mit Chloriden bildet es Chlorokornplexe des Typs GeCI,. In Wasser erfolgt Hydrolyse zu Ge(OH), .
,
i
Außerdem ist Distannan Sn,H6 bekannt. Zinn(1V)-chlorid SnCI, wird technisch aus Weißblechabfällen hergestellt.
Es ist eine farblose, rauchende Flüssigkeit (Sdp. 114 "C). Mit wenig Wasser bildet sich SnCI, . 5 H 2 0 ,eine halbfeste kristalline Masse („Zinnbutter"). Die wäßrige Lösung ist weitgehend hydrolytisch gespalten. SnCI,
+ 2H20
SnO,
+ 4HCI
SnO, bleibt kolloidal in Lösung. Leitet man in eine wäßrige konz. SnC1,-Lösung HCl ein, entsteht Hexachlorozinnsäure H,SnC16. Sie kristallisiert als Hydrat H2SnCI, . 6 H 2 0aus (Smp. 19°C). (NH,), SnCI, („Pinksalz") dient als Beizmittel in der Färberei. Zinndioxid SnO, ist polymorph. In der Natur kommt es als Zinnstein vor, der im Rutil-Typ kristallisiert. Technisch erhält man SnO, als weißes Pulver durch Verbrennenvon Sn im Luftstrom. Es ist thermisch und chemisch sehr beständig. Es sublimiert erst oberhalb 1800°C und ist in Säuren und Laugen unlöslich. Man kann es mit Soda und Schwefel zu einem löslichen Thiostannat aufschließen (Frerhcr.grr ~~rf.\clllicß). 2Sn0,
+ 2Na,C03 + 9S -, 2Na2SnS3 + 3SO, + 2 C 0 ,
S. 539). Sn02 wird als Trübungsmiuel in der Glasindustrie vcrwcndet Zhnsäure. Stannate(1V). Beim Schmelzen von SnO, mit NaOH erhält man Natriumstannat(~~) Na2Sn03.
I
Aus wäßrigen Lösungen kristallisiert es als ~atriumhexah~droxostannat(IV) ? ~ S ~ ( O H ) , aus. Die Zinnsäure H,Sn(OH), ist in freiem Zustand ebenso wenig
546
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.7 Gruppe 14
\
frisch gefällt in Säuren löslich sind, die aber durch Kondensation (Alterung) i n unlö.liches SnO, übergehen. Mg,SnO, und Zn,Sn04 sind in1 Spinellgitter kristallisierende D0ppeloxide, Zinndisulfid SnS, bildet goldglänzende Blättchen, die zum Bronzieren verwend et werden („Mussivgold", ,.Zinnbronze"). SnS, Iöst sich in waßriger Lösung mit 41kalimetallsulfiden zu Thiostannaten.
Die
547
„vorstechende Eigenschaft von SnCI, ist sein Reduktionsvermögen Au, Ag werden aus den Lüsungen ihrer Salze als Metalle ausgefällt. Beim Quecksiltritt als Zwischenstufe Hg:+ auf. 2Hg2+ + S n 2 + -+
Hg:+
+ Sn
J
+
--- werden zu Cr(Il1)-Salzen, Permanganate zu Mn(I1)-Salzen reduziert, h Sc weflige Säure zu H,S. zinn(1I)-oxid SnO. A US Sn(l1)-Salzlösungen fällt mit Rasen Zinn(I1)-oxid-Hydrat aus. Beim Erwärmen unter Luftausschluß erhalt man daraus S n 0 S n 0 ist poly,oph. Beim Erhitzen an Luft wird es zu SnO, oxidiert. unter Luftausschluß zersetzt es sich zu SnO, und Sn, als Zwischenprodukt tritt Sn,O, auf. SnO ist amphoter. Mit Säuren entstehen Sn(I1)-Salze. mit starken Basen ~ t ~ ~ n a t e ( 1Sn(0H);. 1) Stannate(I1) sind Reduktionsmittel, sie werden leicht ZU ---. stannaten(IV) Sn(OH)2,- oxidiert. Zinn(l1)-sulfid SnS erhält man aus Sn(I1)-Salzlösungen mit H2S. b,ii
In freien Sn 2 +-Ionen ist das nichtbindende 5s'-Elektronenpaar vorhanden. Die Strukturchemie der Sn(I1)-Verbindungen ist jedoch kompliziert und es treten nicht solche Strukturen auf, die für kugelförmige Ionen zu erwarten wären. Die Ursache dafür ist, daß in Verbindungen das nichtbindende Elektronenpaar hybridisiert ist und stereochemisch einen großen Einfluß ausübt. So bildet z. B. SnF, kein regelmäßiges Koordinationsgitter, sondern ist aus Sn,F,-Tetrameren auf ebaut, die durch schwächere Sn-F-Bindungen verknüpft sind. Die Sn-Ionen sind verzerrt oktaedrisch koordiniert. Das nichtbindende Elektronenpaar kann als Donor gegenüber unbesetzten Orbitalen fungieren, die unbesetzten Orbitale können als Akzeptoren bei i hr>r zusätzlichen kovalenten Bindungen wirken.Soiid11 Ni srrrrrc~rcrls ciirc.11 i ~ttllic/li\c Lösung ii*irlirliSII(II)-I+rhirdil~tgr~l rc~rl~izic~rci~cl und haben die Tendenz. in die Oxidationszahl 4 überzugehen. Zinn(I1)-chlorid SnCl, erhält man wasserfrei als weiße, glänzende Masse (Smp. 247°C) durch Überleiten von HCI über erhitztes Zinn. rn
S n 2 + + S 2 - -+
SnS
Es ist nur in Polysulfidlösungen, z. B. in (NH4),S„ unter Oxidation löslich. +2
SnS
+ (NH,),S,
+4 -+
(NH,),SnS,
+
Sn
+ 2 HC1
SnCI,
-+
+ H,
Aus wäßrigen Lösungen kristallisiert das Dihydrat SnCI, . 2 H,O aus. In wenig Wasser ist SnCI, klar löslich, beim Verdünnen erfolgt Hydrolyse, die Lösung triibt sich unter Abscheidung eines basischen Salzes. SnCI,
+ H20
4
4.7.14 Bleiverbindungen
Sn(0H)Cl
+ HCI
Technisch erhält man SnCI, durch Lösen von Sn in Salzsäure. Mit Cl--Ionen entstehen in wäßrigen Lösungen Halogenokomplexe, z. B. SnCI;. Strukturen:
SnC1,-Moleküle SnC1;-Tonen gewinkelt pyramidal sind oberhalb 1000'C im Dampfzustand vorhanden
Blei(l1)-oxid P b 0 kommt in zwei Modifikationen vor, die sich reversibel ineinander umwandeln lassen.
(SnC12),-Ketten aus pyramidalen SnC1,Gruppen bilden mit den exoständigen CI-Atomen Schichten
tetragonal
rhoiiihisch
Da die Umwandl~ngs~eschwindi~keit klein ist, ist gelbes P b 0 bei Raurntemperatur metastabil. Man erhält es durch thermische Zersetzung von PbCO,. P b 0 1st unterhalb des Schmelzpunktes (Smp. 884°C) flüchtig. Technisch wird es durch Oxidation von ge~chmolzenemPb mit Luftsauerstoff hergestellt. In Säuren löst sich P b 0 unter S a l ~ b i l d u n ~Nur . in starken konzentrierten Basen Iöst es sich als Hydroxoplumbat(11).
Mit Reduktionsmitteh (Kohlenstoff oder Wasserstoff) Iäßt sich P b 0 zum Metall reduzieren. P b 0 wird zur Herstellung von Mennige Pb,04, ~ l e i w e i ß
548
4.7 Gruppe 14
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Pb(OH), .2PbCO, und Bleigläsern verwendet. Mit Basen fällt a Salzlösungen weißes Blei(I1)-oxid-Hydrat aus. Reines Pb(OH), konnte bisherPb(l1). nicht dargestellt werden. ~U(11)-Halogenidesind schwerlöslich und können aus Pb(I1)-Salzlösungen mit Halogenidionen ausgefällt werden. Im Gegensatz zu SnCI, besitzt PbCl, keine redui renden Eigenschaften. Mit Chloriden entstehen Chloroplumbate(~) [pbcl ze und [PbClJ -. 31 Blei(II)-sulfat PbSO, bildet glasklare Kristalle. Es ist schwerlöslich und fällt aus pb2+-haltigenLösungen mit SO:--Ionen als weißer kristalliner Niederschlag 1, konzentrierten starken Säuren (H2S04,HCI, HNO,) löst sich PbSO, auf.
ist amphoter mit überwiegend saurem Charakter. Mit konzentrierten Laugen tstehen Hydroxoplumbate(IV), Z. B. K2[Pb(OH),]. Mit basischen+Oxiden bilden 1 +2
dch wasserfreie Plumbate des Typs Me2Pb04(Orthoplumbate) bzw. Me2Pb03(Melumbate). Über die Rolle von PbO, im Bleiakkumulator s Abschn. 3.8.1 1. ta~leiOI,Iv)-oxid Pb,O, (Mennige) enthält Blei mit den Oxidationszahlen + 2 und +4 und kann formal als Blei(I1)-orthoplumbat(1V) aufgefaßt werden. Es kommt in nvei ~odifikationenvor. Bei Raumtemperatur ist rotes. tetragonales Pb,04 stabil, das beim Erhitzen von P b 0 im Luftstrom entsteht.
„,
In ammoniakalischer Tartratlösung löst es sich unter Komplexbildung, in k onzen trierten Laugen als Hydroxoplumbat(I1). Blei(I1)-carbonat PbCO, erhält man aus Pb(I1)-Salzlösungen und CO:--Ionen in der Kälte. In der Wärme entstehen basische Carbonate. Ein basisches Carbonat ist Bleiweiß Pb(OH), .2PbCO,. Es hat von allen weißen Farben den schönsten Glanz und die größte Deckkraft und ist daher trotz seiner Giftigkeit und seines Nachdunkelns (Bildung von PbS) ein geschätztes Farbpigment. Blei(I1)-chromat PbCrO, wird als Malerfarbe verwendet (Chromgelb), ebenso das basische Chromat P b 0 . PbCrO, (Chromrot). Blei(I1)-sulfid PbS ist die wichtigste natürlich vorkommende Bleiverbindung (Bleiglanz). Es kristallisiert in bleigrauen, glänzenden, leicht spaltbaren Kristallen vom NaC1-Typ. Es fällt als schwerlöslicher, schwarzer Niederschlag aus Pb(I1)-Salzlösungen mit H,S aus. Blei(I1)-acetat Pb(CH,COO), entsteht beim Auflösen von P b 0 in Essigsäure. Die stark giftigen Lösungen schmecken süß (Bleizucker).
4.7.14.2 Blei (W)-Verbindungen Anorganische Blei(1V)-Verbindungen sind weniger beständig als Blei(I1)-Verhindungen. Bleidioxid PbO, entsteht durch Oxidation von Pb(I1)-Salzen mit starken Osidationsmitteln wie Chlor und Hypochlorit oder durch anodische Oxidation.
PbO, kristallisiert im Rutilgitter, es ist ein schwarzbraunes Pulver und ein starkes Oxidationsmittel. Beim Erhitzen mit konz. Salzsäure entsteht Cl,.
Beim Erwärmen spaltet es Sauerstoff ab.
3 4 ~
Bei 550°C zersetzt sich Pb,O, zu PbO. Interessant ist die Reaktion mit HNO,, +2 +4 Pb304 4 H N 0 3 -+ P b 0 2 2Pb(N0,)2 2H,O
+
+
+
pb304 ist ein ausgezeichnetes Ro.ii.~i~hiitztiiiii(.i. Da Bleiverbindungen giftig sind, es für Schutzanstriehe kaum noch verwendet. Als Korrosionsschutzpigmente werden jetzt Zinkstaub oder Zinkphosphat benutzt. Blei(IV)-Halogenide. PbCI, ist eine unbeständige, gelbe, rauchende Flüssigkeit (Sdp. 150°C),die sich leieht in PbCl, und CI, zersetzt + 1 und oxidierende Eigenschaften besitzt. Beständiger sind Hexachloroplumbate Me,[PbCl,]. nicht existent, da Br- bzw. I- von Pb 4 + oxidiert wird. s
PbBr, und PbI, sind
Das feste, salzartige PbF, bildet Fluorokomplexe des Typs PbF; und P ~ F ; - . Bleitetraethyl Pb(C,Hd, und Bleitetramethyl Pb(CH,), sind giftige. in Wasser unlösliche Flüssigkeiten. Sie werden Benzinen als Antiklopfmittel zugesetzt und waren die Hauptquelle (1982 zu 60%) für Bleiemissionen. Inzwischen ist die Verwendung von Bleialkylen \erboten. Die bleifreien Kraftstoffe dürfen maximal 13 mg Pb/] enthalten. Durch Verwendung bleifreien Benzins erfolgte eine Abnahme des Pb-Gehalts in der Biosphäre.
550
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.8Gruppe13
4.8 Gruppe 1 3
Troa der groRen Elektronegatiritätsdifferenz zwischen Bor und den Nichtmetallen bildet 6 keine Salze mit B3+-Kationen Ursache ist die zu kleine Koordinationszahl B3+ (vgl. S. 129). Der saure Charakter der Oxide und Hydroxide nimmt mit Z a b B (OH), hat saure AI(OH), und Ga(OH), sind amphoter. In(OH), und Tl(OH), überwiegend basisch. Entsprechend dem Charakter der Hydroxide reagieren die Salze Die Basizität ist in der Oxidationszahl + 1 stärker, TI(OH) ist eine starke Base, Für kovalente Verbindungen stehen spZ-Hybridorbitale zur Verfügung, und die ~ ~ ~ ~ d i ~ista trigonal-planar. t i o n Diese Verbindungen enthalten eine ElektronenlÜ&, sie sind daher starke Lewis-Säuren. Der Elektronenmangcl ist ganz wesentlich Strukturen und Reaktionen der kovalenten Verbindungen. ,K -L i r C ~ ; P iner Reihe von Eigenschaften ahnelt Bor dem Silicium mehr als seinem Homo--- e- - logen Aluminium ( S c ~ h r i i ~ h ~ z iim ~ hPSE). ut~~~ Elektronegativitäten: B 2,0; Si 1,7; Al 1,5. Bor und Silicium sind harte, hochschmelHalbmetalle mit Halbleitereigenschaften. Aluminium ist ein typisches, duktiles Metall. B und Si bilden zahlreiche flüchtige Wasserstoffverbindungen, von Al ist nur ein polymeres Hydrid bekannt. BCI, ist wie SiCI, flüssig, monomer, hydrolyseempEndlich. AICI, kristallisiert in einer Schichtstruktur und ist in der flüssigen und gasförmigen Phase dimer. BzO, neigt wie SiO, zur Glasbildung. Nicht nur unter t k m E/etneri(cn tkvr Gricppc. nittr~itBor rinc Sonrlcr,stc~lli~~g cirl. S c i w ModiJika tioneri, die ItiLls.vr~rs[c?#i.c~r/~i17(/~11 ~gcw,( J ~ PC C I I . ~ ~ I ~ ~Ol ~ n dYt lIjP~MI P/r~llhor.id~ sind einzigartig und cs gibt riqfiit. kcint~At~c~logu hci rrllrn crnricrcn Elen~entcwikv PSE.
4.8.1 Gruppeneigenschaften
Ordnungszahl Z Elektronenkonfiguration Ionisierungsenergie in eV 2.Ionisierungsenergie in eV 3. Ionisierungsenergie in eV Elektronegativität Metallcharakter Standardpotentiale in V 1.
Beständigkeit der Me(1)Verbindungen Basischer Charakter der Oxide und Hydroxide Salzcharakter der Chloride
551
-
Bor
Alumi-
Gallium
Indium
Thallium
B
niuni Al
Ga
In
5
13
[Hel 2s2 2p1 8,3
[Ne] 3s2 3&,' 6,O 18,s 28,4
TI --.-81
25.1
[Ar] 3d1°
49 [Kr]4d10 [Xc]~f14
4s24~'
5s25p'
5d"J(,i'6p~ 6.1
18,9 28.0
30.4
31
68
20,s 30.7
37,9 2.0 1s 1.B 1S Halbn~etallL----Metalle
+
nimmt zu
4
nimmt zu
4
nimmt zu
,„
-
ui-
29,X 1,4 - -J
I
4.8.2 Vorkommen
Bor ist ein Halbmetall mit Halbleitereigenschaften, die anderen Elemente der Gruppe sind Metalle. Die Ionisierungsenergien und Elektronegativitäten ändern sich nicht regelmäßig. Die Anomalie bei Ga hängt mit der Auffüllung der 3d-Unterschale 7usammen, die zwischen den Elementen AI und Ga erfolgt. Alle Elemente treten entsprechend ihrer Elektronenkonfiguration bevorzugt in der Oxidationszahl + 3 auf. Außerdem gibt es Verbindungen mit der Oxidationszahl + 1. deren Beständigkeit mit Z zunimmt. Tl(1)-Verbindungen sind stabiler als TI(II1)Verbindungen. Das Standardpotential Tl 3 /T1 zeigt, daß Tl 3 ein kräftiges Oxidstionsmittel ist (fast so stark wie Chlor), während In stark reduzierend wirkt (etwa wie Cr(I1)). Alle Elemente sind in nichtoxidierenden Säuren löslich. T1 löst sich als Tli. Der unedle Charakter ist bei Al arn größten und nimmt anders als in der 1. und 2. Hauptgruppe - mit Z wicdcr ab. Bor bildet als einziges Element der Gruppe keine freien Ionen mit der Ladung + 3. Die Afinität zu den elektronegativen Elementen (Sauerstoff. Halogene) ist grÖljcr als Z U den elektropositiven Elementen. Der Salzcharakter der Verbindungen niimlt mit Z ZU und ist bei Verbindungen mit der Oxidationzahl + I stärker ausgepri:'t. +
+
.,
f
+
-
I
Wegen ihrer Reaktionsfähigkeit kommen dic Elemente der 13. Gruppe nicht elementar vor. Natürliche Borwrhinu'ung-cn sind Borute. Die wichtigsten Mineralien sind ~ e r n i t Na,B,O,. 4 H 2 0 , Borax Na2B40, . 1 0 H 2 0 , Borocalcit CaB,O, - 4 H z 0 , Cokmanit Ca,B,O„ . 5 H,O. Hauptförderländer sind die USA und die Türkei. Borsäure H3B03 findet man in heißen Quellen. Aluminium ist &J hül!fi,c.~t(, Metall der Errbit~rleund das dritthäufigste Element Es ist Bestandteil der Feldspate, Glirnmcr und Tonmineralien (vgl. Silicate, Abschn. 4.7.10.2). Relativ selten kommt AI,O, (Tonerde) als Korund und Schmirgel (mit Eisenoxid und Quarz verunreinigt) vor. Gut ausgebildete und gefärbte A l & ~ r i s t a ~ ~ sind e Erlel.stritw: Rubin (rot), Saphir (blau). Die Naturvorräte an Kryolith Na,AlF, sind weitgehend abgebaut. Das wichtigste Ait.s~an~est~?alrri~~l -icl. Afumini~*~geli~int~lIwg Bald.\-it. Es ist ein Gemenge aus ~luminiumhydroxidoxid A 1 o ( O ~ )(Böhmit und Diaspor) und Aluminiumhydroxid AI(OH), (~ydrargillit) mit Beinlengungen an Tonmineralien und Eisenoxiden. Die Weltförderung lag 2001 bei 134. t (40 % in Australien).
3 3 ~
4
Die klemente der Hauptgruppen
4.8 Gruppe 13
L
553
Gallium und Indium sind Begleiter des Zinks in der Zinkblende. Thallium ist Begleiter von Zink in der Zinkblende und von Eisen im Pyrit. Sellen sind die Mineralien Lorandit TlAsS, und Crookesit (Tl,Cu.Ag),Se.
4.8.3 Die Elemente W -
B
Al
Ga
Modifikationen
Modifikationen mit kovalenten Bindungen
Metallische Modifikationen k d ~ kdpwverr, h d p
Dichte in g/cm3 Schmelzpunkt in C Siedepunkt in C Subliniationsenthalpie in kJ/mol
2,46 * 2180** 3660 570 **
2,70 5.91 660 30 2467 3400 327 277
In
TI
4.42 B, ,-Ikowcdc (Zu;iiiiiglliichncr). Atome sind dquivalent. Jedes Atom liegt auf einer fünfzähligen A c h s (C,) und hat 5 Nachbarn. ~i~ 12 B-Atome bilden 13 bindende Molekülorbitale Der B, ,-Ikosaeder erhält seine maximale Stabilität durch Besetzung dieser MOs mit 26 Valenzelektronen. Von den 36 Valenzelektronen 12 B-Atome stehen noch 10 für Bindungen nach außen zur Verfügung.
-
7.31 156 2080 243
11.85 307 1457 IR?
* B-rhoniboedrisches Bor * * P-rhomboedrisches Bor
4.8.3.1 Modifikationen, chemisches Verhalten
Bor Hauptgruppenelemente mit wcniger als vier Valenzelektronen kristallisieren in Metallgittern. Eine Ausnahme ist Bor. Wegen der hohen Ionisierungsenergie und der relativ großen Elektronegativität bevorzugt es koidenre Bindutlgetl. Die komplizierten und einmaligen Strukturen der Bormodifikationen sind eine Folge des Elektronenmangels der Boratome, die vier Valenzorbitale, aber nur drei Elektronen besitzen.
rn
Ruumrieiz.srrukrurc.n kiimzrn nur untclr Bet~iliglltlgvon Mc~lir~~~tlrr~tlhi~~dut~g~~t~ g(hiltkz( werden. Km Bor .sitld t l ~ d ~ r k-risl~illii1~~ tw ~\ie)~/~fik~irionc~~l b c ~ L - ~ iIIZ ~ md .1 ~ S'tdrliwn 1 Ir1'/1,!1 fhS t l . i l / i t l l r ( > i t l h ~ i ~Bc,~2i - I I \ o ~ ( ~( /(L !~/ ' ,(Abb. / ~ ~ ~4.42). . Alle 12 Atome des Ikosaeders sind äquivalent, haben 5 Bornachbarn und liegen auf einer fünfzähligen Achs?. Die Ikosaeder lassen sich nur locker packen, in der dichtesten Modifikation betragt die Raumausfüllung 37%. I n die Lücken der Strukturen können zusätzlich Boratolne oder Metallatome eintreten. U-rhomboedrischesBor hat die einfachste Struktur (Abb. 4.43). Die B, ,-1kosaeder sind in einer annähernd kubisch-dichten Packung angeordnet. 6 B-Atome eines Ikosaeders haben die Koordinationszahl 7. Sie sind durch eine Dreizentrenbindung zwei B-Atome zweier Nachbarikosaeder innerhalb der lkosaederschicht gebunden (Abb. 4.44). Die anderen 6 B-Atome haben die Koordinationszahl6. Sie sind durch
Abbildung 4.43 Struktur und Bindung in X-rhomboedrischem Bor. a) Die Struktureinheiten sind B, ,-Ikosaeder. Sie haben die Anordnung einer kubisch-dichten Packung. H b) 6 B-Atome
eines Ikosaeders sind durch eine geschlossene 3Zentren-BBB-Bindung
innerhalb einer Schicht an zwei Nachbarikosaeder gebunden (KZ = 7). 3 B-Atome sind durch 2Zentren-BB-Bindungen an drei Ikosaeder der darüber liegenden ~chicht(Positi0n1) und 3 B-Atome 0 an drei Ikosaeder der darunter liegenden Schicht(Position 2) gebunden (KZ = 6). Bindungen Anzahl Abstand B-B in prn
Typ
2Zentren-~induqB-B
6
171
3Zentren-~indung
6
202
Bindende MOs im B , ,-Gerüst
13
173-1 79
Elektronenzahl h
4 6 . 6- =
4 26 36
-
-
554
4
Die Elemente der Hauptgruppen
4.8 Gruppe 13
555
Oreizenlren B B B B i n d u r i g e n geschlossen
o'fen
l'berlappung be~m bindenden MO
Das Zentrum der schwarz gezeichneten Ikosaeder liegt in der Höhe 114 der Elementarzelle, das der rot gezeichneten in der Höhe 314. Abbildung 4.44 Typen von 3Zentren-BBB-Bindungen. Sie sind an der chemischen Bindung in den Bormodifikationen,den Boranen und Carbabora. nen beteiligt. Zweizentrenbindungen an je drei Ikosaeder der darüber und darunter liegenden Ikosaederschicht gebunden. P-rhomboedrisches ~ o istr die thermodynamisch stabile Modifikation. Man erhält es durch Erhitzen von U-rhomboedrischem Bor auf 1200 'C. Die Struktur ist konlpliziert. Die Elementarzelle enthält 105 B-Atome. Ein Teil der Struktureinheiten sind Ikosaeder . a-tetragonales Bor enthält B,,-Ikosaeder und einzelne B-Atome. (Abb. 4.45). ~ i g BI,-Ikosaeder sind in einer hexagonal-dichten Packung angeordnet. der vorhandenen Tetraederlücken sind mit B-Atomen besetzt. Die einzelnen B-Atome sind tetraedrisch koordiniert, sie verbinden 4 Ikosaeder. Die B-Atome der Ikosaeder haben die Koordinationszahl 6. Jedes Ikosaeder ist mit 10 Nachbarikosaedern durch je eine B-B-Einfachbindung verbunden. Die Verbindung zum 11. und 12. Nachbarikosaeder erfolgt über die einzelnen B-Atome. Die gleiche Struktur wie cr-tetragonales Bor haben das Borcarbid B„C, sowie das Bornitrid B„N, in denen die tetraedrisch koordinierten B-Atome durch C- bzw. N-Atome ersetzt sind. %-tetragonales Bor erhält man nur durch epitaktische Abscheidung auf den Oberflächen von BZ4Coder B„N. Wahrscheinlich ist Y-tetragonales Bor nur stabil, wenn es kleine Mengen C oder N enthält. P-tetragonales Bor enthält pro Elementarzelle 190 B-Atome. Kein anderes Element zeigt in seinen Modifikationen eine ähnliche ~lexibilität seiner Atome. Die B-Atome besitzen Koordinationszahlen von 4 bis 9, die Bindungsabstände variieren stark. Du d i
4
die
liolien K o o r . t / i ~ ilo t ~ ~ . s z u l l / (IIUY w t l ~ , r c h,4 i i . c h i l r l r ~ ~ ,.oll ~ r illrhi.zc~tr t ~ . ( ~ i r h i t ~ ( I'I'-r i ~ ~ ~ ~ l ~ ~ ~
r&lit
wrthr.
Mit der MO-Theorie erhält man für ein B„-Ikosaeder 13 bindende
0 Isolierte B-Atome. Abbildung 4.45 Struktur von cw-tetragonalem Bor. Die Elementarzelle enthält 50 Atome: 4 Ikosaeder in der Anordnung eines Tetraeders, im Zentrum dieses Tetraeders und in den Ecken der Elementarzelleeinzelne B-Atome. Jedes Ikosaeder ist mit 10 Nachbarikosaedern durch eine B-B-Einfachbindung verbunden. Die Bindung an die restlichen beiden Nachbarikosaeder erfolgt über die isolierten B-Atome. Ersetzt man die isolierten B-Atome durch C- bzw. N-Atome, erhält man das Carbid B„C und das Nitrid B„N, die mit U-tetragonalem Bor isotyp sind. Man erhält dieses nur durch epitaktische Abscheidung auf den Oberflächen des Carbids oder Nitrids.
Molekülorbitaie, die mit 26 Elektronen besetzt sind. Von den insgesamt 36 Valenzelektronen der 12 Boratome stehen also nur noch 10 für Bindungen nach außen zur Verfügung. Im CL-rhomboedrischenBor gehen von 6 Boratomen Zweizentrenbindungen aus. Dazu werden 6 Valenzelektronen benötigt. Die restlichen 6 Atome sind durch Dreizentrenbindungen an zwei benachbarte Ikosaeder gebunden. Jedem Boratom stehen dafür durchschnittlich % Elektronen zur Verfügung. Für eine Dreizentrenbindung erhält man also % . 3 = 2, also gerade ein bindendes Elektronenpaar. Die B o r n i o t / i f i f i k ~ l ~ .i ~s ii ~~ ~( ~~~l .i11urt ~ < ~II ~i r I I ( ~ / I ~ I ~ ~Das / c ~thermodynamisch ~ ~ ~ I ~ ( / . stabile ß-rhomboedrische Bor hat die Mohs-Härte 9,3 und ist nach dem Diamant das härteste Element; die elektrische Leitfähigkeit bei Raumtemperatur beträgt W' cm-l, sie nimmt bis 600°C auf das Hundertfache ZU . Bor ist r r c i h - t i o r l . v t i ~ ~1111~/ g~~ I.<WK;W/ <>I..s/ / W ; I ~ O / I P I .TP
556
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.8Gruppelj
Aluminium
Abminotbt.i.iill.~<'/lO.~ fi~:fidiri~ii. Man
Aluminium ist ein silberweißes L,cir~lifnzrtull (Leichtmetalle haben Dichten < 5 g/cm3),es kristallisiert kubisch-flächenzentriert.. Die elektrische Leitfähigkeith, trägt etwa 3 von der des Kupfers. Aluminium ist :;ehr dehnbar. läßt sich ZU- feinen Drähten ziehen und zu dünnen Folien (bis 0.004 mm Dicke) auswalzen. Bei 6 0 0 : ~ wird Aluminium körnig, in Schüttelmawhinen erhält man Aluminiumgriel<, 1, noch feinerer Zerteilung erhält man es als Pulver. Nach seiner Stellung in der Spannungsreihe sollte Aluminium leicht oxidiert werden. An der Luft ist Aluminium jedoch besthndig, da es durch die Bildung einer fest anhaftenden dünnen Oxidschicht vor weiterer Oxidation geschützt wird ( I ' , , , ;,. riitlg). Man kann diese Schutzwirkung noch verbessern, indem man durch anodische Oxidation künstlich eine harte und dickere Oxidhaut (0,02 mm) erzeugt (ii,,„,l. b+t:fei~).Eloxiertes Al ist beständig gegen Meerwasser, Säuren und Laug en . miniumdrähte lassen sich durch Eloxieren elektrisch isolieren. Al löst sich entsprechend seinem Standardpotential (E" = - 1,68 V) in verdünnten Säuren unter Wasserstoffentwicklung, Vb.
„,
Al kann sich untrv Wl~ss<.rst(?fi~tltii.ir~klutrg I6st.n. Auf amalgamiertem Aluminium kann sich keine feste Deckschicht ausbilden. Es oxidiert daher leicht an der Luft und löst sich in Wasser unter H,-Entwicklung. Man erhält es durch Verreiben von Quecksilberchlorid auf Aluminium.
Beim Erhitzen verbrennt fein verteiltes Aluminium an der Luft mit hellem Licht und großer Wärmeentwicklung.
In der Photographie wurde die Lichtentwicklung bei den ,.I(i>lb<~h/;fzn).' ausgenutzt. In einem Glaskolben verbrennt eine Al-Folie in reinem Sauerstoff nach elektrischer Zündung in etwa ,'o s.
nutzt die große Bildungsenthalpie von Al,O,
Al kann alle Metalloxide M e 2 0 3reduzieren, deren Bildungsenthalpien kleiner sind
dsdie von A1203, Z. B. C r 2 0 3 . AH; (Cr,O,) Cr,(),
+ 2Al
-
=
-
11 30 kJ jmoi. Al,O,
+ 2Cr
AH' = - 547 kJ/mol
Schwer reduzierbare Oxide und solche, bei denen die Reduktion mit Kohlenstoff zu carbiden führt, können durch aluminothermische Reduktion dargestellt werden (Cr, ~ i B, , CO, V. Mn). D'ie Oxide werden mit Alumiumgrieß gemischt (Thermit). Das Gemisch wird mit einer Zündkirsche (Magnesiumpulver und BaO, bzw. KCIO,) g e ~ n d c t .Durch die große Reaktionswärme entstehen Temperaturen von über 20ooDCund das entstehende Metall fällt Rüssig an. Das A1203 wird als Korund&lacke für Schleifzwecke verwendet. Das ThermitschweiDen beruht auf der Reaktion AH' = - 3341 kJjmol 3 FerOd + 8 Al 4A1,03 9Fe 4
nicht aber in oxidierenden Säuren (Passivierung). Von Wasser oder sehr schwachen Säuren wird es nicht angegriffen, da in diesem Milieu die OH--Konzentration groß genug ist, um das Löslichkeitsprodukt von AI(OH), (L = 2 . 1 0 - ~ ~Z U) überschreiten,und das an der Al-Oberfläche gebildete AI(OH), vor weiterer Einwirkung schützt. In .stark .smrrei- oder ulkulis~li~~r Lö.\i~nghtrnii sich die Schutzschicht nicht ausbilden, da wegen des amphoteren Charakteres AI(OH), sowohl in Säuren als auch in Laugen gelöst wird.
331
.
-
+
Es entstehen Temperaturen bis 2400 "C, so daß flüssiges Eisen entsteht. das die Schweißnaht bildet.
Gaiüum. Indium. Thallium
#
Ga ist ein weiches, dehnbares, glänzend weißes Metall. Es kristallisiert nicht in einer typischen Metallstruktur. sondern bei Raumtemperatur als U-Ga in einem orthorhombischen Gitter. Beim Schmelzen erfolgt wie bei Bi und H,O eine Volumenkontraktion. Ga ist an der Luft beständig, da es wie Al passiviert wird; auch von Wasser wird es bis 100°C nicht angegriffen (LGacon,,= 5 . ~ o - ~ ES ~ löst ) . sich wie Al in 3 nichtoxidierenden Säuren (Bildung von Ga +-Ionen) und Basen (Bildung von [Ga(OH),]--Ionen) unter H,-Entwicklung. In ist ein silberweißes, glänzendes. sehr weiches Metall (es läßt sich mit dem Messer schneiden). Es kristallisiert in einer tetragonal verzerrten kubisch-dichten Packung. Es ist beständig gegenüber Luft, kochendem Wasser und Alkalien. Es löst sich in Mineralsäuren. TI ist weißglänzend, weich wie Blei und zäh. Bei Normaltemperatur kristallisiert TI in der hexagonal-dichten Packung. An der Luft läuft es grau an, es wird daher unter Glycerin aufbewahrt. In Gegenwart von Luft wird es von Wasser unter Bildung von TlOH angegriffen. Es löst sich nicht in wäßrigen Alkalien, aber gut in HNO3 und H2S0,. Tl r01(1s~ifwLi,iI>ii~di»igc~ii siiid gilii~q, Tl-Verbindungen färben die Fhmme intensiv grün.
558
4 Die Elemente der Hauptgruppen
L
4.8.3.2 Darstellung und Verwendung Bor Kristallines, hochreines Bor erhiilt man durch Reduktion von Borhalogeni
sowie durch thermische Zersetzung von BI3 a n Wolframdrähten bei 800 1000 C (Aufwachsverfahren). -
Welche Modifikation entsteht, hängt in1 wesentlichen von der Reaktionstemperatur ab. Amorphes Bor entsteht als braunes Pulver geringer Reinheit durch Reduktion von B,O, mit Na oder Mg.
Aus geschmolzenem Aluminium kristallisiert AIB„ (quadratisches Bor) aus. ;(,(.I,n i s 4 i ~ ~ i krist(i//iii~~s rd Boi heute meist ( I i i i ~ ~. Yh ( / ~ i i i ( ~ / ; p ~ i / ~ ( ~eines / ~ l rG r ~ eI ~n~ ~. ~i( ~ ~ h ~ ~ von KBF„ KCI und B,O, bei 800 C hcrg(:vtcl/t. D a Bor bei hohen Temperaturen korrosiv ist, mit vielen Metallen Boride bildet und gegenüber Oxiden als starkes Reduktionsmittel wirkt (CO, und SiO, werden reduziert), ist es schwierig, kristallines Bor in hoher Reinheit darzustellen. Bor wird in der Metallurgie als Desoxidationsmittel und zum Vergüten von Stahl (Erhöhung der Härtbarkeit) verwendet. Das quadratische Bor AIB„ ist wegen seiner ' Härte (.,Bordiamant") ein gutes Schleifmittel. Das Isotop ''B wird wegen seines hohen Neutroneneinfangquerschnitts in der Kerntechnik verwendet. Aluminium Nach Eisen i.rt A/zrt~ii~iii,ri d i s wichrigrrr G(1hi-oiirliriii(~r~~11. ZOO2 betrug die Weltproduktion 25.5 . 106t. Es ii,ii?/oiix A / , 0 , d i i ( , h S ~ ~ i i n ~ < l ; f l i ~ ~ ~ ~ /~i (I ~t ~i -k, y~(r~o. it1r~I,\,-~~~. lsl ~o . g a n ~ . ~ m t ( ~ izur - i u Herstellung l von Aluminium irt Boii.\-;I. der überwiegend AIO(0H) enthält. Bauxit ist mit Fe,O, verunreinigt. Fe,O, muß vor der Schinelzflußelektr0l~Se entfernt werden, da sich bei der Elektrolyse Eisen an der Kathode abscheideil würde. Für die Aufarbeitung zu reinem AI,O, gibt es mehrere Verfahren. Bei allen Verfahren wird der amphotere Charakter von AI,O, ausgenutzt. Amphotere .Stoffe lösen sich sowohl in Säuren als auch in Basen. AIO(0H) kann daher mit basischen Stoffen in das lösliche Komplexsalz Na[AI(OH),] überführt werden. Fe,O, ist in Basen unlöslich und wird von der Na[AI(OH),]-Lösung durch Filtration abeetrennt. Die einzelnen Reaktionsschritte des vorwiegend durchgeführten nassen Aufschlußverfahrens ( B u l w - l ~ r / i i 6 r o i isind ) im folgenden Schema dargestellt:
A1203
+ H20
1700 C
1 Impfen A1(OH)3 + NaOH
Alo(OH) wird mit Natronlauge in Lösung gebracht und durch Filtration von Fe,O, Durch Impfen mit AI(OH),-Kriställchen wird aus dem H y d r ~ r o k o m ~ l e x g AI(OH), ausgeschieden. Nach erneuter Filtration wird AI(OH), bei hohen Temperaturen zum Oxid entwässert. Der si0,-Anteil des Bauxits wird zusammen mit F e 2 0 3als unlösliches Natriumaluminium~ili~at Na,AI,SiO,. 2 H 2 0 abgetrennt. D a die Bildung des Silicats zu NaOH- und Al,O,-Verlusten führt, bevorzugt man beim Bayer-Verfahren Si0,arme Bauxite. ~ 1 ~ hat 0 einen , Schmelzpunkt von 2050 "C. Z u r Sclii~iel~p~~iik~scrnicrlrigu~~~~ ii,;i.(/ ~ 1 ~in0Kryolith , Na3AlF6 grl6.si. Na3AIF, schmilzt bei 1000°C und bildet mit AI,(), ein Eutektikum (vgl. Abb. 2.107). das bei 960 C schmilzt und die Zusammensetzung 10,5% AI,O, und 89,5'/0 Na3A1F, hat. Man elektrolysiert Na,AIF,Schmelzen, die neben A1,0, (2-8 %), AIF, (5-1 5'/0), CaF, (2-6%), LiF (2- 5%) und selten MgF, (2-3 %) enthalten. Miteinander kombiniert setzen diese Fluoride die Liquidustemperatur, die Verdampfungsverluste, die Dichte, den elektrischen Widerstand und die Metallöslichkeit der Schmelze herab und verbessern die Stromausbeute. Man kann daher die Elektrolyse bei 950-970'C durchführen. Als Elektrodenmaterial wird Kohle verwendet. i ~ onicht l ~ ~ , vollständig s~ Die chemischen Retrktioncrl hci der S ( ~ h t ~ ~ r ~ f l r / / / k tsind geklärt. Es ist nicht genau bekannt, wie sich A1,0, in der Schmelze löst. man vermutet die Bildung von Oxidfluorid-Komplexen, z. B. von A120Fi-. die aber noch nicht nachgewiesen werden konnten. Wahrscheinlich sind folgende Reaktionen. Dissoziation von Kryolith Anodenreak'ion
+
2Na3A1F, + 6Na' 2AlF;A1203 + 2 ~ 1 ~ ;$ - $0,+ 4A1F3 + 6 e
NaF reagiert mit dem überschüssigen AIF, der Anodenreaktion
Das abgeschiedene Aluminium hat eine größere Dichte als die Schmelze und Sammelt sich flüssig am Boden des Elektrolyseofens (der Schmelzpunkt von Al beträgt 660"C). Durch die Schmelze wird das Aluminium vor Oxidation geschützt. Der an der Anode entstandene Sauerstoff reagiert mit der Kohleanode. Das als Anodengas bezeichnete Gasgemisch enthält 80- 85 % CO,. 1 5 -2 0 % CO und Spuren von verdampften Fluorverbindungen ( H F und staubförmige Fluoride). An der Anostellt sich nicht das Boudouard-Gleichgewicht ein, d a die primär gebildeten CO,-
560
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.8 Gruppe 13
L
561
talle verwendet und hat Bedeutung zur Herstellung von 111-V-Verbindungen ~hl~itermaterial. Tl wird mlt Hg legiert fur Tieftemperaiurthermometer beKohle-Elektroden
1
1
11 '
4.8.4 Verbindungen des Bors
Die chemie des Bors unterscheidet sich wesentlich von der seiner homologen Eler verglichen mit anderen Elementen ist die Chemie des Bors einzigarmente. ~ b e auch tig. ~r~olith-~onerde-5ch;nelze
fl&iges
Aluminium
Abbildung 4.46 Schematische Darstellung eines Elektrolyseofenszur Herstellung von Aluminium.
Bor <,.ir>il;i]ll o / . ~~ u i i i mB" U,I( .4uj1<;iui11/rcinrr tk~kri~oiiriiioi~f;g11rii/io11 hi/ .si~,liauf verschie-
Gasblasen sehr schnell von der Anodenkohlenfläche abrollen. Dcr größte Teil des CO entsteht durch Rückreaktion von Al mit CO,.
Außerhalb der Schmelze wird CO durch Luftsauerstoff sofort zu CO, oxidiert. Die Abgasreinigung erfolgt durch Adsorption der Fluorverbindungen an A120,: das Reingas enthält noch 0,5 mg/m 3 Fluor (erlaubter Grenzwert 1 mg/m 3 ). Modcrnc Elektrolysen arbeiten mit etwa 180000 A und 4-5 V. Bei einer Strom ausbeute von 95 % bcträgt die Produktion eines Ofens 1400 kgAl/Tag. Die größte deutsche Hütte produziert 200000 t/Jahr. Das Al hat eine Reinheit von 99.8-99,9 %, Verunreinigungen sind hauptsächlich Fe und Si. Für 1 t Al benötigt man 1.9 t A120, (aus4,5-5 t Bauxit), 0.5 t Elektrodenkohle und eine Encrgiemenge von 14 . 10"Wh. Die wirtschaftliche Al-Herstellung erfordert billige Energie. I ~ C Magnalium VI ( 1 0-30 % Mg), Hydronalium Wichtige 4lirmNirim- L ~ , ~ I C W Isind: (3 -1 2 % Mg; seewasserfest), Duralumin (2,5-5,5 % Cu, 0,s-2 % Mg, 0.5-3,2 % idn, 0,2-1% Si; Iäßt sich kalt walzen, ziehen und schmieden). Wegen der guten elektrischen Leitfähigkeit wird Al in der Elektrotechnik verwendet. Die chemische Widerstandsfähigkeit ermöglicht seine Verwendung im chemischen Apparatebau. Hauptsächlich verwendet wird es für den Fahrzeug-, Schiff-, Flugzeug- und Hausbau sowie für Haushaltsgegenstände. Al-Pulver wird zur Herstellung von Anstrichmitteln, pyrotechnischen Produkten und in der Aluminothermie verwendet. Al-Folien dienen als Verpackungsmaterial. Gallium, Indium und Thallium können durch Elektrolyse ihrer Salzlösungen dargestellt werden. G a wird in Quarzthermometern für hohe Temperaturen verwendet ( S ~ P 3. 0 T , Sdp. 2400'C). Für Halbleiterzwecke wird GaCl, vor dcr ~lcktrolyse mit dem Zonenschmelzverfahren gereinigt. In wird als Legierungsbestandteil für La-
Ausbildung von n-Bindungen Beispiel B F , Das Boratom bildet mit nichtbindenden Elektronen der F-Atome X-Bindungen.
Mehr~entrenbindun~en Wenn keine freien Elektronenpaare für n-Bindungen zur Verfügung stehen, kann Stabilisierung durch Mchrzeiltrenbindungen erfolgen. Beispiel BH,
562
\
4 Die Elemente der Hauptpruppen
4.8 Gruppe 13
Mehrzentrenbindungen treten auch bei den anderen Boranen, bei den Bormodifikationen und den Metallboriden auf.
Leitfihigkeit sind oft höher als die der Wirtsmetalle ZrB, und TiB2
I 1
Anlagerung von Donormolekülen Die Elektronenlücke kann durch ein Elektronenpaar eines Donormoleküls geschlossen werden. Dabei erfolgt am B-Atom Änderung der Hybridisierung von sp2 nach sp 3. Beispiele: BF4, B H i , B F 3 0 R 2 Mit stärker werdender n-Bindung in den Molekülen BX, nimmt die Akzeptorstärke ab: BH, > BBr, > BCl, > BF,. Die Bindungslängen in BF, entsprechen Einfachbindungen. Im Gegensatz zu den BX,-Molekülen sind die BX4-Ionen nicht hydrolvseempfindlich. , ,, Durch die Ausbildung von Mehrzentrenbindungen li(/t Bor 1 1 ( , / 1 m d w ito~.ii,:, K o o r . ~ i i t ~ o t i o r ~ ~ s3r rrirrrl4 ~ I ~ I o ~in ~ den Boranen, Carbaboranen und Bormodifikationen rrric.11ri'ic~ Ko~rclirrrrtior~.s:~~I~l~~r~ 5 hi.s Y . G i r i trirclc.r~~.\ Niclrtr?~c~t
C höher, sie liegen bei 3000 C . ~ ~ , i i .siiir/ < daher , / J C J ~ (,vIrcili<,ir U < ~ ( o r \ / ~ i ~ i i i ~ / i r~c,i.i: i i i ~ c<,ii(//nir. ~ii Von Nachteil ist, daß sie nur wenig oxidaiionsbestiindig sind und mit Metallen reagieren. Sie lassen sich daher nicht wie die Carbide zu Hartmetallegierungen verarbeiten (vgl S . 202). Technisch werdcii bisher nur TiB, (Elektroden- und Tiepliiiatcriiil) sowie CrB und c r ~(~erschleißs~li~itzw-hichien) , verwendet. MgB, ist ein Supraleitcr niit der ~ ~ ~ ~ ~ ~ g t e n l 39 p e Kr a(siehe i u r Abschn. 5.7.5.2).
ist zweckmäßig, die Metallboride nach der Art des Bornetzwerkes zu klassifizieren, die Stellung der Metalle in1 PSE eignet sich dazu nicht.
ES
Metallreiche Boride
auf. Bor bildet selten Ketten und Ringe mit B-B-Bindungen, sondern bevorzugt räumliche Strukturen mit Mehrzentrenbindungen.
Es gibt mehr als 200 binäre Metallboride. Zusammensetzungen und Strukturen sind vielfältig.
z~loOO
R. haben fünfmal höhere Leitfähigkeiten als die Metalle, die Schmelzpunkte sind
Strilk t~ir.c~r1
-
4.8.4.1 Metallboride, Borcarbide
563
I
~solierteB-Atome Die B-B-Abstände liegen zwischen 21 0 und 330 pm
Mn,B: Me,B (Tc, Re, Co, Ni. Pd); PdsB,; Me,B,(Tc, Re, Ru. Rh); Me,B(Ta, Mo, W, Mn, Fe, C O , Ni)
Isolierte B,-Paare B-B-Abstände: 179-1 80 pm
Cr,B,; Me,B,(V, Nb, Ta)
Bor-Zickzackketten
Me,B,(Ti, V, Nb, Ta, Cr, Mn, Ni) MeB(Ti, Hf, V, Nb, Ta, Cr. Mo, W, Mn, Fe, Co, Ni)
B-B-Abstände: 175-185 pm Bor-Doppelketten
Me,B,(V. Nb. Ta, Cr, Mn)
B-B-Abstand: 175 prn Bor-Schichten
Außerdem gibt es zahlreiche nichtstöchiometrische Phasen mit variablen Zusammensetzungen. 75 9'0 aller Boride gehören den Verbindungsklassen Me,B, MeB. MeB2, MeB, und MeB, an.
Die Boride sind sehr harte, temperaturbeständige Substanzen. Schmelzpunkte und
MeB,(Mg, Al. Sc, Y, Ti, Zr, Hf, V, Nb, Ta, Cr, Mo, W, Mn. Tc, Re. Ru, Os, U, P U ) Me2B5(Ti, W, Mo)
564
4 Die
Elemente der Hauptgruppen
L
48
Gruppe 13
565
In den metallreichen Boriden besetzen die B-Atome hiiufig die Mittelpunkte n, trigonalen Prismen der Metallatome.
Die Bindung in den Metallborlden ist kompliziert, es sind mehrere Bindungstypen Metallarme Boride Boride mit großen Borgehalten bilden Strukturen mit einem dreidimensioniilen N werk aus Boratomen.
~
~
~
der B,-Cluster existieren kovalente Mehrzeritreiibindungen, es gibt 7 bindende MOS Die Bindung an die 6 Nachbarcluster erfolgt durch hovalente zWeizentrenbindungen. Die kovalenten Bindungen erfordern also pro Cluster 20 valenze1ektronen. Den 6 B-Atomen fehlen zwei Valenzelektronen, die von den Metallatornen geliefert werden. Es entsteht ein positiv geladenes Metalluntergitter und ein negativ geladenes Boruntergitter: La2+B6-. Zwischen den Untergittern existiert ionische Bindung. Das dritte Valenzelektron der La-Atome befindet sich im Leitungsband des Kristalls und liefert einen metallischen Bindungsanteil. LaB, ist ein besserer elektrischer Leiter als metallisches Lanthan.
MeB4(Ho. Er. Tm. Lu, Ca. Y, Mo, W, Th)
Borcarbid Bi 3C2 Die tetragonale Struktur besteht aus Ketten von B,-Oktaedern in c-Richtung, die durch B,-Paare verknüpft sind. Die Metallatome besetzen in c-Richtung liegende Kanäle. Der Radius der Metallplätze beträgt 185-200 pm.
B,~c, bildet schwarze, glinzende Kristalle (Smp. 2400°C). die fast so hart wie Dia-
B
Die kubische Struktur leitet sich von der CsC1-Struktur ab. Dic Anionen sind durch B,-Oktaeder ersetzt. Der Radius der von 24 Boratomen umgebenen M e t a l l p l ~ t ~ e beträgt 215-225 Pm. MeB- (Sc, Y, Zr, Lanthanoide, Actinoide) Die Struktur leitet sich von der NaC1-Struktur ab. Die CI-Atome sind durch Kuboktaeder ersetzt. MeB„ ( Y ) Die Struktur ist mit der des ß-rhomboedrischen Bors verwandt
B12-
mant sind. Es ist gegen HNO, beständig und wird erst oberhalb 1000°C von 0, und Cl, angegriffen. Die Struktur ist aus B, ,-Ikosaedern aufgebaut. Die Anordnung der Ikosaeder ist gleich der im a-rhomboedrischen Bor. zusätzlich sind die Ikosaeder durch lineare CBC-Ketten verbunden. Pro Ikosaeder ist eine Kette vorhanden: (B„)CBC = B,,C,. Das B-Atom der Kette ist linear nur an die beiden C-Atome gebunden. Die Substitution von B-Atomen der Ikosaeder durch C-Atome führt zu einer großen Variationsbreite in der Stöchiometrie, die Grenzzusammensetzung ist b4C = (B, ,C)CBC. Die technische Herstellung erfolgt aus B20, und Kohlenstoff bci 2400'C. Nach Diamant und Borazon hat B„C2 die größte Härte (oberhalb 1000 C ist es härter als diese), es wird daher als Schleifmittel. für Panzerplatten und Sandstrahldüsen verwendet. Es ist Ausgangsstoff für die Herstellung von Metallboriden und wird zur Härtung von Metalloberflächen durch Erzeugung von Metallboridschichten benutzt. In Kernreaktoren wird es als Neutronenabsorber eingesetzt.
Borcarbid B„C Die strukturelle Beziehung zwischen B„C und a-tetragonalern Bor wurde bereits besprochen (S. 554).
4.8.4.2 Wasserstoffverbindungen des Bors (Borane) Bor und Wasserstoff bilden binäre Verbindungen, für deren Zusammensetzung und Struktur sich keine Analoga bei den Hydriden der anderen Elemente finden. Die Verbindungen sind Glieder der folgenden Reihen:
566
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.8 Gruppe 13
567
ist das warserstoffarme Hydrid B„H„ bekannt. ~ ~ ~ ~ n k / ( i tdem ~ < Wortstamm i . ' v ~ ~ Boran wird die Anzahl der B-Atom e durch das
griethische Zahlwort angegeben, die Anzahl der H-Atome wird als arabische Ziffer in Klammern angefügt. Atomorbitaie 28
Molekülorbitole B- B B- H-B
Alornarbital H
Daseinfachste stabile Boran ist das Diboran B,H,. Die Struktur ist in der Abb. 4.47a dargestellt. Jedes B-Atom ist tetraedrisch von zwei endständigen und zwei brückenbildenden H-Atomen umgeben. F ü r die 8 Atome stehen 12 Valenzelektronen zur Verfügung. Davon werden 8 Valenzelektronen für die vier U-Binbungen der B-Atome zuden endständigen H-Atomen verbraucht. Für die Bindung der brückenbildenden H-Atome stellen noch 4 Valenzelektronen zur Verfügung. Damit werden zwei 3-Zentren-2-Elektronen-Bindungen gebildet (Abb. 4.47 b). Dir höheren Borcinc hcsitzctr citisc~itiggcGjfilcrc Ki{fig.s~~.t~ktrt~~~~~~. Die Boratome besetzen die Ecken hochsymmetrischer Polyeder (Tetraeder, Oktaeder, pentagonale Bipyramide, Dodekaeder, Oktadekacder, Ikosaeder). Die Strukturen lassen sich danach einteilen, o b ein, zwei oder drei Ecken eincs Polyeders unbesetzt bleiben. Zahl unbesetzter Polyederecken
Bezeichnung
Beispiele
1
trido-Borane (nidus = Nest) uruclirro-Borane (aiachne = Spinne) hypho-Borane (hypho = Netz)
B,H,,+4
2
Abbildung 4.47 a ) Struktur und Bindung im Diboran-Molekül B,H,. Die B-Atome sind verzerrt tetraedrisch von vier H-Atomen umgeben. Für die Bindungen stehen den B-Atomen vier sp3-Hybridorbitalezur Verfügung. Zwei sp3-Hybridorbitalebilden mit den endständigen H-Atomen 2-Zentren-2-Elektronen-Bindungen (B-H 120 pm) Die beiden Brücken-H-Atome werden durch 3-Zentren-2-Elektronen-Bindungen gebunden (B-H 132 pm). An der Dreizentrenbindung sind das 1s-Orbital des H-Atonis und die $Hybridorbitale der beiden B-Atonie beteiligt Da auch die sp3-Hybridorbitale der B-Atome uberlappen, entsteht außerdem eine schwache B-B-Bindung (B-B 176 pm). b) MO-Diagramm einer B-H-B-Dreirentrenbindung Die Linearkoinbin;ition nweier sp3-Hybriclorbitale der Boratome ergibt ein bindendes i l n d ein antibindendes MO (B-B). Kombiniert man das bindende MO mit dem I s-Orbital des H-Atom. so erhilt man ein bindendes uncl ein ~intibindendesMO (B-H-B). Das aus dcii ~ ~ ' - ~ ~ b r i d o r b i tpbi1dete;intibindende alen Ir10 (B-B) Übcr1;ippl nicht mii dem ls-~-Orbi[;lI. es ist ein riichtbindendes MO der B-H-B-Dreitentrenbindang. Die hindenden Elek{i-wCn stammen von1 H-Atorn und einem &Atom.
3
B-H B--B
Zweizentren-BH-Bindung Zweizentren-BB-Bindung
B B-~
Offene Dreizentren-BBB-Bindung
BnHn + 6 +B
568
4 Die Elemente der Hauptgrupperi
' .
4.8 Gruppe 13
569
Geschlossene Dreizentren-BBB-Bindung
~~ispiele: Elektronenbilanz H
BzH6
Bindungstyp B-H H BB
H\q-?B/H
H"
H' ' -
H
Zahl 4
Elektronen 8
2
4
Borgerüst: Oktaeder
12
B&„
B-H B-B H BB
6 7
8 7
I
H
B,Hl
12 4
4 -
B
28
kann mit zwei mesomeren Grenzstrukturen beschrieben werden.
Borgerüst: pentagonale Bipyramide
B10H14
Borgerüst: Oktadekaeder
nido-Decaboran(i4)
Abbildung 4.48 Strukturen einiger Borane ..
Die Anzahl mesomerer Grenzstrukturen wächst mit der Anzahl der B-Atome (z. B. 24 bei B„H„). O b B,Hl, und B, ,H,, hjpho-Borane sind, ist noch ungeklärt. Eine h.~pho-Struktur besitzt das Boranat-Anion B,H„ und das Carbaboran B,C,H„. Geschlossene Käfigstrukturen existieren bei neutralen Boranen nicht (sie wären für Borane BnHLnc2zu erwarten, die aber nicht bekannt sind), es gibt sie aber bei B o r a n - ~ n i o n e n(siehe unten) und Ciirbaboranen (vgl. Abschn. 4.8.4.3). Für sie wird die Vorsilbe closo verwendet. Borane mit mehr als 10 Boratomen sowie B,H,, und B„H,, bestehen aus zwei Käfigen, die durch gemeinsaine B-Atome verbunden sind. M a n bezeichnet sie als conJuncto-Borane.
Jlv
+ Die Elemente der Hauptgruppen
4.8 Gruppe 13
Beispiele für ~ 0 n j ~ 1 1 c t o - B ~ ~ ; ~ ~ ~ Zwei Cluster sind durch eine B - B - ~ - R ~ ~ ~ ~ ~ ~ B8H18
idoborate (Boran-Anionen)
kann seine ~ i ~ l < t ~ ~ n ~ ndurch l ü c l Anlagerung <e eines H--Ions schliekl. Es entsteht das stabile ~ ~ t ~ ~ h y d ~ i < l o b o(Boranat) r a t i o n BH;. das isoelektronisch mit CH4 und wie dieses tctrvedrisch gebaut ist. Die Darstellung kann nach folgenden Re&-
(B4H9)2; BloH16 = (B5HXj2
Zwei Cluster sind über eine gemeinsame Kante verbunden, die von zwei-l-Aiom,n gebildet wird: BI,H„, B„H„,
571
BMH20, B „ H m B„H„.
Bei B Z O H l entsteht b durch 4 gemeinsame B-Atome eine cioso-Struktur. Diboran ist ein farbloses. giftiges Gas von unangenehmen Gerllch, Man erhält es nach folgenden Reaktionen: Ether
4BC13
+ 3 LiAIH,
--+
2 B,H6 + 3 L~AICI,
4BF3
+ 3NaßH4
--+
2 B2H, + 3 NaBF4
Es ist bis 50'C n1etastabil. darüber zersetzt es sich in 11, und höliere Borane man B2H6 vermindertenl Druck. so entsteht bis 300°C praktisch kein BH,.
+ 2BH,
A H ' = + 164 k ~ / , , , ~ l Oberhalb 300-C beginnt die Zersetzung in die Elemente.
Durch Einwirkung starker Lewis-Basen werden die Brüekenbindungen gespalten und es entstehen Addukte des Borans BH,. B2H6
+ 2D
+
2D-BH,
8
D = CO. NH„ PH3, PP3, PR,. NR,
Mit Wasser erfolgt. entsprechend der Polarisierung der B-H-Bindung schnelle Hydrolyse zu 11, und B (OH), .
B2H6 verbrennt unter hoher Wiirmecntwicklung.
Und N&H, sind feste, weiße, salzartige Verbindungen. sie werden als Hydrieningsmittel verwendet. A~(BH.),ist eine kovalente Verbindung und bei 25 ' C flüssig. Bei den plyedrischen Boran-.4nionen gibt es cioso-. nido- und flrmhno-Strukturen. /,ypbo-~oranat. BSH;,, ist bekannt. Unter den cioio-Boranaten Nur (n = 5-12) sind besonders die Boraniite B&:; und Bl,H?y interessant. Ihre cirukturen sind in der ~ b b4.49 , dargestellt. Beidc Ionen sind chemisch ähnlich und stabil, Sie werden von Laugen und Sauren auch bei 100 C nicht andie Alka]in~etalisaizesind bis 60O'C stabil.
572
4.8 Gruppe 1 3
4 Die Elemente der Hauptgruppeti
573
P -
Gerüstelektronen
Gerüstelektronenpaare
Struktur
2n + 2 2n + 4 Zn + 6 211 t 8
n + l n 2 nt 3 n 4
nido (l?~~'/?flO hi yho
closo
+ +
Die Anzahl der Gerurtelektroncn kann durch clne cinfdche Abzählregel ~ e i t i i i i m t werden. Anzahl der Gerüstelektronen = Summe der Valenzelektronen der G c ~ ~ ~ + Valenzelektronen der H-Atome Anzahl der Elektronenlädungen - zwei tlcl\. tronen pro Hauptgr~ippen-Geriistatom. Dies bedeutet. da0 jede BH-Gruppe als Einheit des Clustergerüsts betrachtet \vird, die zwei Gerüstelektronen liefert. Von den CH-Gruppen werden drei GerÜ\telektronen geliefert. Jedes weitere H-Atom liefert ein Elektron.
+
L
~
~
~
~
,
Abbildung 4.50 k.omere des c/oio-Carboborkins R„C2H, '. ~,~C~-GerÜ ists ein t Ikosaeder Es gibt drei Isomcrc. Die Bindungsn sind denen im Boran-Anion B,,H4; analog (vgl. Abb. 4.49).
Beispiele: Gerüstelektronen B s H I~ B&, B,H 6BLzH?; B10c2H12
1 5 + 1 1 - 1 0 = 16 15+12+l -10=18 l8+6+2-12=14 36+ 1 2 t 2 - 2 4 = 2 6 30+8+12-24=26
Struktur 2n + 6 2n+8 2n+2 2n+2 2n+2
ganische Derivate herstellen. Durch nukleophile Reagenzien erfolgt ein Abbau des BloC2-Gerüstes.Aus dem closo-Carbaboran B„C2H entsteht das nido-Carbaboran-Anion B,C2H,.
arachno hypho closo closo closo
4.8.4.3 Carbaborane (Carboranc)
B„,C2H„
+ C 2 H s 0 + 2C2HsOH
+
B&2H;2
+ B(OC2Hs)3 + H2
Dieses läßt sich protonieren oder durch H*-Abspaltung in das Anion B,c,H:; überführen. m
Cur/>cihornnrs k d I2~rhit1tl~tngc.11, bei r/c,nen in den G ~ r ü . s t&T ~ t ~Borutlp o&r tjlr/t.idol)orut~.B-Atotne (I~rrchC-Atonic~er,vetzt sind. Die CH-Gruppe ist isoelektronisch mit der BH--Gruppe. So erhält man formal aus den Hydridoboräten B n H ; durch Ersatz . von zwei BH--Gruppen neutrale Moleküle der allgemeinen Formel B n 2 C 2 H ndie eine geschlossene Käfigstruktur besitzen. Aus der Vielzahl der Verbindungen soll als Beispiel das gut untersuchte ikosaederförmige B, ,C,H,, besprochen werden. Es gibt drei Isomere (Abb. 4.50). 1,2-B„C2H12erhält man durch Reaktion von B l o H l , mit Ethin in Gegenwart von Lewis-Basen, z. B. Dialkylsulfan.
I
H+ rk
B9C2H13
B9C2H:; is: ein ähnlich guter Ligand wie das Cyclopentadienylanion C S H ; Es bildet daher Koniplexe, die dem Ferrocen iinalog sind (Abb. 4.51). Es gibt eine grolle Anzahl solcher Metallcarbaborane mit einer interessanten Chemie. In das Borgerüst können auch andere Nichtrnetallatome, z. B. Phosphor. Siliciunl. Stickstoff oder Schwefel, eingebaut werden. Ein Beispiel ist das closo-Heteroboraii B11NH12.
4.8.4.4 Sauerstoffverbindungen des Bors Bei 470 C erfolgt Umwandlung in das 1,7-Isomer, bei 61 5 C in das thermod~n;imisch stabilste 1,12-Isomer. Das BloC2-Gerüst zersetzt sich erst oberhalb 630 C . Die Carbaborane BloC2H„ sind chemisch ähnlich resistent wie B„H:o und B12H:; und werden von kochendem Wasser, Säuren, Alkalien und ~xidationsmitteln nicht angegriffen. DIPC'f~cwlic.(/(YC'crrhahorcirlr ist vielfältig und clhn(,lt d(,r ( /I( -
34
4 Die
4.8 Gruppe 13
klemente der Hauptgruppen
575
Boroxin-Ring
Im planareii Boroxin-Rin- der Y-Metoborsiiure und ihrer Salze sind (p-p)x-Bindungcn vorhanden. Die Binduiigsabstiinde liegen 7wischen (lciien von t i n h c h - und Doppelbindungen In B-HB02 und 7-HBO, sind die Ringe Liber hrückeobilde~ide0 Atome verknüpft. (r'-HBO? besteht a ~ i kettenformigcn s Molckülen. ;'-HBO: :ILIS cinem dreidimensionalen Nctzwcrk mit der K Z = 4 der Boratoine. Abbildung 4.51 Das nido-Carbaboran-Anion B , C 2 H f 1 2 bildet dem Ferrocen analoge Sandwich-Koinplexe An der offenen Kiitigseite befindensich freiliegcnde Orbitale. sie eignet sich daher als Koordinationsstelle für Metallatorne. Der Komplex [(B,C,H, ,),Fc12 kann reversibel oxidiert werden. -
H 3 B 0 3 kristallisiert in einer Schichtstruktur, in der planare B(OH),-Moleküle über WasserstoiTbrücken zu zweidimensionalen Schichten verbunden sind. Zwischen den Schichten sind nur van der Waals-Kräfte wirksam (Abb. 2.1 18). H 3 B 0 , bildet daher schuppige. weißglänzende, sechsseitige Blättchen mit dem Smp. 171 "C. H3B03 ist relativ schwer in Wasser löslich (40 $11 bei 20°C). die Lösung wird als Antiseptikum verwendet (Borwasser). H,B03 ist eine sehr schwache einbasige Säure. Sie wirkt nicht als Protonendonator, sondern als O H - A k z e p t o r (Lewis-Säure) B(OH),
+ 2H20 s
H,Ot
+ B(OH);
ß-HBO, kettenförmige Moleküle KZ [B,O,(OH)(H,O)],;
rn
pKs = 9,2 In verdünnten Lösungen liegen praktisch nur die monomeren Teilchen H3B03 vor. Nur sehr stark basische Lösungen enthalten das Anion B(0H);. Bei höheren Konzentrationen erfolgt in alkalischen Lösungen partielle Kondensation. 3H3BO3
+
[B3O3(0H),J-
+ H30t + H20
=
3 und 4
Borsäure bildet mit Alkoholen leicht flüchtige Ester. Aus borsäurehaltigen Substanzcn cntstcht beim Erhitzen mit Methanol und konzentrierter Schwefelsäure Borsäuretrinicthylester, der die Flamme grün färbt und zum Bornachweis geeignet ist. B(OH)3
+ 3CH,OH
-+
B(OCH3),
+ 3H20
Bortrioxid B 2 0 3
pKs = 6,8 Neben [B303(OH),J- sind aber wahrscheinlich noch die Teilchen [ B ~ O ~ ( O H ) ~ I ~ - ~ [B40dOH)412- und [B,O,(OH),]vorhanden. Diese Anionen kommen auch in krislallinen Boraten vor. Beim Erhitzen geht die Orthoborsäure durch intermolekulare Kondensation zunächst in die Metaborsäure (HBO,),,, dann in glasiges Bortrioxid B 2 0 3 über.
Durch Glühen von Borsäure H 3 B 0 3 erhält man B,03 als glasige, hygroskopische Masse. Kristallines B 2 0 3 ( S m p 450 C; A H i = - 1274 kJ/inol) entstcht bei sehr langsamer Dehydratisierung von H B O , Es kristallisiert in einer Raumnetzstruktur, ist eine sehr beständige Verbindung und wird auch bei Weil3glut durch Kohlenstoff nicht redwiert. Oberhalb von 1000 C besteht der Dampf aus monomeren B203Molekülen, in denen die B-Atome sp-hybridisiert sind.
Löst man Metaborsäure in Wasser, bildet sich wieder die Orthoborsäure. Von der M e ~ a b o r s ä u r e ~ ies b tdrei Modifikationen. X-HB02besteht aus ringförmigen Molekülen, die über Wasserstoffbrücken zu Schichten verbunden sind.
Die Bindungslängen der endständigen B-0-Bindungen liegen zwischen denen einer Doppel- und Dreifachbindune, die der B-0-B-Bindungen zwischen denen einer Einfach- und Doppelbindung.
576
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.0 UlUppG I J
i
Borate
2
8
[Na(H20)4]2[B40,(OH)4]. Die Boratanionen sind im Kristal über Wasserstoffbrücken zu Ketten verknüpft. Die Na+-Ionen sinc oktaedrisch von H20-Molekülen koordiniert, die Oktaeder sinc über gemeinsame Kanten zu Ketten verbunden. (Die Forme Na2B407. 1 0 H 2 0 ist nicht korrekt.)
Die Borate leiten sich von der Orthoborsäure H3B03.den Metaborsäuren (HBO und von noch wasserärmeren Polyborsäuren ab. die als freie Säuren nicht iso]ierba, 2)" sind. Die Alkalimetallborate sind leicht löslich. ihre Losungen reagieren stark basisch. Orthoborate. Isolierte trigonal-planare Ionen [B0,I3
Borax geht beim Erhitzen auf400r'Cin wasserfreies Na2B40, über ( S m p 878 ,,C), dii
dasartige Schmelze lost Metalloxide unter Bildung charakteristisch gefirbter Borat, omperlr). Die Verwendung beim Schweißen und Loten beruht ebenfalls darauf (B ,
liegen in Salzen mit den Kationen Li+, Mg 2 +,Ca 2 +,Co 2 +,Ni 2 +,Cu 2 +,Z n 2 +,~~3 + (Me = Lanthanoid) vor. Metaborate. B03-Gruppen sind über gemeinsame Sauerstoffatome zu Ringen (meist n = 3) oder Ketten mit den Anionen [B02]i- verknüpft.
:I
Borax die Oxidschicht auf den Metallen lost und blanke Oberflächen schafft ~~~~xwird in der Glasindustrie (temperaturbeständige Glassorten), Keramikindu strie (]eichtschmelzende Glasuren) und zur Herstellung von Perboraten verwende1 Perborate
I
/
Viele Wasch- und Bleichmittel etzthalten Perborate. Die Perborate des Handels entha ten teils echte Peroxoverbindungen, teils Additionsprodukte aus H 2 0 2und Borate] perborax ist vermutlich eine Additionsverbindung: Na2B407 x H 2 0 2 .yH2< Ersetzt man in den Boraten ein Sauerstoffatom durch die Peroxogruppe, so e hält man Peroxoborate. Natriumperborat hat die Zusammensetzur Na2[B2(02)2(OH)4]. 6 H 2 0 . Es enthält das Anion
CB306I3 Beispiele: Na3[B3061, K3LB3061, Ba3[B30612
Li[B02], Ca[B0212, Sr[B0,12
I
Die Herstellung erfolgt in zwei Stufen:
+
Na2B407 + 2NaOH -t 4 N a B 0 2 H 2 0 NaBO, + H 2 0 2 3 H 2 0 -t NaB02(OW2 . 3 H 2 0
Hydroxoborate. Die natürlichen Borate sind meist hydratisiert. Das Wasser ist als Strukturwasser (OH-Gruppen) oder Kristallwasser (H20-Moleküle) enthalten. Struktureinheiten sind planare B303-Sechsringe, in denen trigonale B03- und tetraedrische B04-Gruppen enthalten sind.
+
Wclschmittel enthalten 10-25 % Natriumperborat. Es ist erst oberhalb 60 'C wir Sam, daher ist für niedrigere Temperaturen der Zusatz von ~leichmittelaktivaton erforderlich. 4.8.4.5 Halogenverbindungen des Bors
Eine Übersicht enthalt Tabelle 4.20.
I
Beispiele:
Die Bor(iii)-/$(l/ogc1IIi(/c~B X , .sil[(l t~.i,~o~rol-/~ktnr/~. ~ c h u i(vgl. S. 561). L B ~ ~ ( I I ) - H ( X2B-BX, I / ~ ~ ~ ~ /l(lhEll ~ ~ ~ im / ~kristallinen Zustand cli/lc,/>/~/111/'(' Stl'lllil mit einer ~ - ~ - ~ i ~ f ~ c h bDie i ~B-X-Abstände d ~ & , liegen wie bei den Trihaloge] den zwischen Einfach- und Doppelbindui-ig. I11 tlc~riBo~~(l)-H~~logcr~itkrl (BX),,bild dieBornton1c K('jfiKp111itM ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ die ~ ~Halogenatome ~ ~ ~ ~ I ~si ~ durch Z ~ i z e n t r e n b i n d u n ~ ean n die B-Atome gebunden. In1 Molekül B4Cl4 z. die B-Atome ein Tetraeder. Voll den 12 Valenzelektronen der B-Atome werd -
Meyerhofit Colemanit
Ca[B303(OH),] . H 2 0 Ca[B304(OH),] . H 2 0 . Die [B303(OH),12-Anionensind zu Ketten kondensiert.
-
578
4.8 Gruppe 13
4 Die Elemente der Hauptgruppen
579
Tabelle 4.20 Borhalogenide BX, Bortrihalogenide
Y BCI,
BF3 farbloses Gas AH; = - 1 138 kJ/rnol
farbloses Gas AHC' D - 404 kJ/moI
BBr, farblose Flüssigkeit AH," = - 206 kJ/moI
BI3 farblose Kristalle AH; =
+7
kJ/rnol
p~
B,X,
Dibortetrahalogenide
B,F,
farbloses Gas AHi= - 1441 kJ/mol
(W"
Bormonohalogenide
BF' -
B,Br,
farblose Flüssigkeit AH," - 523 kJimol
farblose Flüssigkeit
(BCl), n = 4.8-12 gelbe bis dunkelrote Kristalle
(BW, n = 7-10 gelbe bis dunkelrote Kristalle
-
1
gelbe Kristalle AN,'
=
Bornitrid BN
ca. - 80 kJ/mol
(Die AHl-Werte beziehen sich auf den gasförmigen Zustand) BF entsteht als instabiles Gas aus BF3 und B bei 2000 C.
Es sind i~jir Mod;fik
(BI)"
n=8.9
dunkelbraune Kristalle --
4 für die B-Cl-Bindungen gebraucht, die restlichen stchen für 4 geschlossene BBBDreizentrenbindungen zur Verfügung. die auf jeder Tetracderfläche von den sp3Hybridorbitalen gebildet werden. Bortrifluorid BF, ist ein farbloses, stechend riechendes Gas. Es entsteht durch Erhitzen von B 2 0 3 und CaF, mit konzentrierter Schwefelsäure.
stabil sind hexagonales BN und kubisches BN. Hexagonales BN hat einc graphitanaloge Struktur (Abh. 4.52). In den planaren Schichten sind alle Atome sp2-hybrjd&ert. An den Bor-Stickstoff-Bindungen sind (p-p)n-Bindungen beteiligt. l l i ~ , ~ r i der ~ ~ e ~ r ~ o n l ~ ~ ~ / " :11i,.i . ~ l her1 ~ ~ B/ ~ ,{ i ~i d .\~ ~~ f / ~1 ((/;(J ~1 ~ T~ C ~- " ~~ ' ~~ / ~O H~ P~ Ijedoch ~l ~ weitam Stickstoff lokalisiert und ~ i i ~ ~wie l r iin den Graphitschichten ( / ~ , / ~ l i i i / i i i ( , i ~ i und frei beweglich. BN ist daher weiß und kein elektrischer Leiter. BN ist thermisch sehr beständig (Smp. 3270°C) und chemisch ziemlich inert. Beim Erhitzen an Luft reagiert es erst oberhalb 750°C zu B 2 0 „ von Wasserdampf wird es erst bei Rotglut hydrolysiert.
Mit Wasser erfolgt Hydrolyse zu B(OH),
Als Lewis-Säuren reagieren BF, und auch die anderen Trihalogenide mit Aniimn, Ethern und anderen Donatoren unter Bildung von Addukten. BF, wird als FriedelCrafts-Katalysator eingesetzt. Aus Flußsäure und Borsäure entsteht Fluoroborsäure HBF,, eine starke Säure, die aber nur in wäßriger Lösung bekannt ist. B(OH),
+ 4HF
-t
HBF,
+ 3H 2 0
+1
Ihre Salze, die TetraffuoroborateMeBF,, ähneln den isoelektronischen Perchloraten? so ist Z. B. das Kaliumsalz schwerlöslich. Bortrichlorid BCI, ist ein farbloses, a n der Luft rauchendes Gas. Mit Wasser erfolgt Hydrolyse zu B(OH),. BCI, entsteht aus den Elementen oder durch Einwirkung von Chlor auf ein Gemisch von B,O, und Kohlenstoff.
BN wird technisch als Hochtemperaturschmiermittel. für feuerfeste ~ u s k l e i d u n gen von Plasmabrennern und Raketendüsen sowie für Schmelztiegel verwendet. Bei der technischen Herstellung, die zu einem Rohprodukt von 80-90%iger Reinheit führt, wird B 2 0 , mit NH, in einer Matrix von Ca,(P0,)2 umgesetzt.
4.8 Gruppe 15
381
Ein reines kristallines BN liefert die folgende Umsetzung:
Analog der Hochdruckumwandlung von Graphit in Diamant erhält man aua h exa gonalem BN ein kubisches BN, Borazon, das in der Zinkblende-Struktur (vg]. ~ b b , 2.9) kristallisiert. Die B-N-Abstände betragen 156 pm (der C-C-Abstand im D ia mant 154 Pm). sie entsprechen Einfachbindungen, die von den sp3-hybridisierten Bund N-Atomen ausgehen:
BNhexagoiial
60 Y 0 kbar 1500-7200---t C
4.8.5 Aluminiumverbindungen
BNkubiwh
Bei der Hochdrucksynthese verwendet man Li,N, Alkali- oder Erdalkalimetalle als Katalysatoren. Kuhiscltes BN hst ähnlich hart wie Diamant ( n ~ Dhi ~ ~ l n ad~ltr,~ n f h(,,.,,.ste Material),aber oxidationsbeständiger (es verbrennt erst bei 1900 "C zu B,O,). Es wird daher an Stelle von Diamant als Schleifmittel verwendet. Beim Erhitzen unter Normaldruck wandelt sich kubisches BN in hexagonales BN um. Aus hexagonalem BN mit Schichtstruktur entsteht bei 100-130 kbar (Stoßwellen) eine Hochdruckmodifikation mit Wurtzit-Struktur (vgl. Abb. 2.55), die im gesamten p, T-Bereich metastabil ist. Eine rhomboedrische Modifikation mit Schichtstruktur existiert nur im Gemisch mit hexagonalem BN.
Borazin B,N,H, (,,anorganisches Benzol") Borazin ist eine Farblose Flüssigkeit von aromatischem Geruch. In seinen physikalischen Eigenschaften ist es dem Benzol sehr ähnlich (es wird daher als anorganisches Benzol bezeichnet). Man erhält es aus Diboran und NH, bei 2 5 0 3 0 0 ° C . Rorazan H,B-NH, und Borazen H2B=NH, können als formale Zwischenstufen angenommen werden. )B2H6
+ NH3
+
H3B-NH, Boralan
H2B=NH,
+
- H2
Die B-N-Abstände sind gleich (144 pm), die Valenzwinkel im Ring betragen 120 . Die B-N-Bindung ist stark polar (entgegen den Fornialladungen sind die N-Atome polarisiert) und Borazin ist daher viel reaktionsfiihiger als Benzol. Es addiert leicht HCI, H,O, CH,OH oder CH31.
Boraxn
-+
HBzNH
-H2
Borazen polymerisiert und ist monomer nur in Form von Derivaten wie C12B=N(CH3), beständig. H B r N H trimerisiert sofort. Die Molekülstruktur entspricht folgender Mesomerie:
Aluminium bildet keine (p-p)n-Bindungen. Bei den Halogciliden AIX, erfolgt die Stabilisierung daher nicht wie bei den Borhalogcniden BX, durch (p-p)n-Bindungen, sondern dir Elektroiiriilücke wird intermolekuliir durch Diinerisierung aufgefüllt.
AIN kommt nicht wie BN in einer graphitähnlichen Struktur vor, es existiert auch keine dem Borazin B,N,H, analoge Verbindung. Al-Atome können in kovalenten Verbindungen oktaedrisch koordiniert sein. Es existiert z. B. das monomere oktaedrische Ion AIF;-, die Ionen AIFZ-, AIF, sind polymer und bestehen aus kondensierten AIF,-Einheiten. Al hat eine viel kleinere Elektronegativität als B, es bildet unterschiedlich ZU B in wäßriger Lösung die Kationen [AI(H20),]3+, die als Kationensäuren fungieren. Nur in sehr verdünnten Lösungen erfolgt mit zunehmendem pH stufenweise Deprotonierung bis zu [ A I ( O H ) ~ ] ' . Bei höheren Konzentrationen (ca. 0.1 mol/l) bilden sich bei pH > 3 mehrkernige Aluminiumkationen. Im Bereich pH = 4-8 liegt überwiegend das Ion [Al „O,(OH)„(H,O), ,I7+ vor. In den stabileil Al-Verbinduitgen hat Al die Oxidatioriszuhl + 3. Vcrbiiidungen mit der Oxidationszahl + 1 sind endotherme Verbindungei-i. die nur unter besonderen Bedingungen beständig sind. -
582
4 Die Elemerile der Hauptgruppen
4.8.5.1 Wasserstoffverbindungen des Aluminiums Die Aluminiumhydride heißen auch Alane. die Doppelverbindungen mit anderen Metallhydriden, die Hydridoaluminate, auch Alanate.
Imunterschied zu Boranaten kennt man auch Alanate mit der KZ6. z B Li,AIH, und Na@%.
Alurniniumhydrid (AIH,), (Alan) Unter normalen Bedingungen ist weder AIH, noch AIZH, stabil. Beide Verbindur,gen polymerisieren zu (AIH,).. das das einzige stabile binäre Hydrid von Al ist. In der H n strukturell aufgeklärten hexagonalen Form ist jedes Al-Atom an drei Al_*/U
L1
Brücken beteiligt. bei denen wie beim Diboran 3-Zentren-2-Elektronen-BindunEen vorliegen. Die KZ von Al ist also 6. Eine direkte Al-AI-Bindung ist nicht vorhandeii, (AIH,). ist ein farbloses Pulver (AH; -' - 45 kJ/niol), luft- und feuchtigkeitsenipfindlich und zerfällt im Vakuum oberhalb 100'C in die Elemente. Es ist ein starkes Reduktionsmittel und eignet sich besonders in etherischen Lösungen zur Hydrierung Man erhält (AIH,), durch Zusammengießen etherischer Lösungen von AIC.1, und LiAIH, Zunächst bildet sich unter Ausscheidung von LiCl eine klare Lösung von mononierem AlH, als Etherat 3 LiAIH,
+ AlCl,
-+
3LiCl
+ 4A1H,
aus der sich langsam durch Polymerisation (AIH,), ausscheidet. Aus den Elementen erhält man bei hohen Temperaturen AlH,.
+
+
4.8.5.2 Sauerstoffverbindungen des Aluminiums ~l~miniumhydroxid AI(OH), gibt drei kristalline Modifikationen. Die beiden wichtigsten sind: Hydrargillit (Gibbsfi) y-Al(OH)„ es ist thermodynamisch stabil und Bestandteil von Bauxiten; Bayerit a-Al(OH)„ es ist metastabil und kommt in der Natur nicht vor. AI(OH), knstallisiert in Schichtstrukturen, in denen Al oktaedrisch von OH koordiniert ist, die Oktaeder sind kantenverknüpft. Kristallines AI(OH), erhält man beim Einleiten von CO, in Aluminatlösungen. Z[AI(OH),]-
+ CO,
-+
2AI(OH)3 + CO:-
+ H20
Hydrargillit entsteht bei langsamer Fällung, fällt man schnell, so entsteht Bayerit. der sich allmählich in Hydrargillit umwandelt. Aus Aluminiumsalzlösungen entsteht mit NH, amorphes Aluminiumhydroxid. Al(OH), ist ( i t n j h i r o i und löst sich frisch gefällt in Säuren und Laugen.
2.41 3 H 2 + 2AlH,(g) AH" = 300 kJ/mol An kalten Flächen kann polymeres (AIH,), abgeschieden werden. Hydridoaluminate (Alanate) Alanate sind stabil, in vielen organischen Lösungsmitteln (z. B. Ether) löslich und wichtige Reduktionsmittel. Man unterscheidet salzartige Alanate wie Li[AIH,] und NaCAIH,] und die kovalenten Hydride wie Be[AIH,], und Mg[AIH4]2. Die Reduktionswirkung der salzartigen Hydride ist schwächer. Am wichtigsten ist Lithiumaluminiumhydrid LiAIH„ das ]lach
Wie die kondensierte Kieselsäure S O 2 . aq und die kondensierte Zinnsiure SnO, aq. ul.;lii Aluminiumhydroxid und wandelt sich in kristalline Formen um, die von Laugen und Säuren viel schwerer angegriffen werden. Das amorphe Aluminiumhydroxid wandelt sich über Böhmit Y-AIO(0H)in Bayerit und schließlich in Hydrargillit um.
Aluminate in Ether entsteht. LiAlH, ist ein fester, weißer Stoff, der oberhalb 150 C in LiH. Al und H2 zerfällt. Mit LiAIH, können viele Wasserstoffverbindungen synthetisiert werden. z. B. B,H, und SiH,.
Mit LiAlD, können Deuteriumverbindungen dargestellt werden
Das Tetrahydronoaluminati~n[AI(OH),] - kann durch Wasseraustritt zu höhermokkularen Oxoverbindungen kondensieren. In, ersten Schritt entsteht ein ~ialumination [AI(oH)~-o-AI(oH)~]~-, dessen Kaliumsalz isoliert wurde. Die WasserabSpaltung führt über Zwischenstufen zu wasserfreien Aluminaten, z. B. NaAIO,. mit dem hochpolymeren (AI0,);--Ion, das eine Raumnetzstruktur besitzt. Durch Anlagerung von OH--Ionen bilden sich in stark alkalischer Lösung ~ l u m i nate mit dem Anion [A1(OH),I3-, die aber nicht sehr stabil sind.
584
4.8 Gruppe 13
4 Die Elemente der HauptEruppen
Aluminiumhydroxidoxid AIo(oH) Es gibt zwei, auch in der Natur vorkommende kristalline Modifikationen: Diaspor a-AIO(OH) und Böhmit y-AIO(0H). In beiden ist Al oktaedrisch von 0 und OH koordiniert. Aluminiumoxid AI,O, Durch Entwässern von Hydrargillit oder Böhmit entsteht y-A120,.
y-Al,O, ( A H ; = - 1654 kJ/mol) ist ein weißes, in Wasser unlösliches, in starkeii Säuren und Laugen lösliches, hygroskopisches Pulver. Je nach Darstellung sind die Teilchengrößen verschieden und starke Gitterstörungen vorhanden. Es ist oberflichenreich und besitzt ein gutes Adsorptionsvermögen (aktive Tonerde). Es wird als TrLigermaterinlfÜr Kmlyscrforen verwendet. y-A120, kristallisiert in einer fehlgeordneten Spinellstruktur (vgl. Abb. 2.19), in der ein Teil der Oktaederplätze iin Spinellgitter statistisch unbesetzt sind: A1(AI5;, ,,,)04 (0 = Leerstelle). y-A1203 kommt in der Natur nicht vor. Beim Glühen über 1000'C wandelt sich y-A120, in a-Al,03 (Korund) um.
~ 1 ~bildet 0 , mit einigen Oxiden MeO (Me = Mg. Zn. Fe. Co, Mn, Ni, Cu) DoppelMeAI,O,, die in der Spinell-Struktur (Abb. 2.19) kristallisieren. Das Mineral spine\l ist MgA120,. Es ist hiirt (Mohr-Härte 8). zeigt Glasglanz und ist je nach Beimengungen rot. blau. grün oder violett gefärbt. Es wird als Schmuckstein verwendet: Spinelle für Schmuckzwecke können auch künstlich hergestellt werden. )-A],O, wurde zunlchst für eine Al,O,-Modifikation gehalten. ist aber nur bei Anwesenheit von Natrium stabil. Das Natrium-ß-aluminat hat die idealisierte Zusamniensetzung NaAI, , O , , (Na,O. 1 1 Al,O,). hat Bedeutung als Festelektrolyt (vgl, Abschn. 5.7.5.1 und 3.8.11) und eine Struktur. in der sich zwischen Spinellblöcken Ebenen niit den beweglichen &+-lonen befinden. ~ l ~ ~ i n i u m ( I ) - o AI,O x i d erhalt man als instabile Verbindung bei 1800°C durch Reduktion von AI,03 mit Al oder Si.
4.8.5.3 Halogenverbindungen des Aluminiums ~l~miniumfluorid AIF, Wasserfreics AIF, (Smp. 1 2 9 0 C ) ist ein weißes. in Wasser. Säuren und Alkalien Pulver. Es kristallisiert in einem Gitter. das aus AlF,-Oktaedern aufgebaut ist, die über alle Oktaederecken verknüpft sind (Abb. 2.16). AIF, wird neben Kryolith bei der elektrolytischen Al-Herstellung eingesetzt und daher technisch hauptsächlich nach zwei Verfahren - hergestellt.
-
A1203 + 6HF
Aus Diaspor entsteht schon bei 500"C a-AlzO,. 2 a-AIO(0H)
500 C ---r -
n,o
585
400-600 C -P+
2A1F3 + 3 H 2 0
a-A1203
Diaspor
Korund, U-Al,O, (Smp. 2045 "C; A H: = - 1677 kJ/mol) ist sehr hart, Wasser-. säureund basenunlöslich und nicht hygroskopisch. Im Kristallgitter des Korunds (vgl. Abb. 2.17) bilden die Sauerstofionen eine hexagonal-dichte Kugelpackung, also eine Schichtenfolge ABAB.. . Von den vorhandenen oktaedrischen Lücken werden 2/3 von Al 3 +-Ionen besetzt. Iin Korrundgitter kristallisieren auch die Oxide u-Fe,O„ V 2 0 „ Ti,O„ Cr,O„ R h 2 0 „ 3-Ga20,. Technisch wird a-A1203in großen Mengen aus Bauxit hergestellt. Der größte Teil dient zur Aluminiumgewinnung, der Rest zur Herstellung von Schleif- und Poliermitteln sowie hochfeuerfester Geräte (Sinterkorurzd). Dazu wird AI2O, irn elektrischen Ofen geschmolzen, nach dem Erkalten wird das Material nach Bedarf zerkleinert. Geräte aus Korund werden durch Sintern bei 1800 'C hergestellt. Aus Schmelzen von Al203 mit kleinen Mengen von Metalloxiden lassen sich durch Einkristall~üchtung gefärbte, künstliche Edelsteine herstellen, z. B. Rubin (enthält Cr 3 +), Saphir (enthält Fe Z +. Fe 3 +, Ti 4 +). Rubine werden auch in der Uhrenindustrie, als Spinndüsen und als Lasermaterial verwendet.
Fluoroaluminate
+I
AlF, bildet mit Metallfluoriden Komplexsalze des Typs Me,[AIF,]. +1
+1 Me2[AIF,l,
MeCAIF,]. Sie sind aus AIF,-Oktaedern aufgebaut (Abb. 4.53).
Abbildun g 4.53 Strukturen von Fluoroaluminaten. kolierte AIFi--Oktaeder sind in der Struktur des Kryoliths vorhanden. Die Oktaeder bilden eine kubisch-dichte Packung. alle Oktaeder- und Tetraederlücken sind mit Na +Ionen besetztKetten aus Oktaedern liegen in TI,AIF„ Schichten in NaAIF, vor.
586
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.8 Gruppe 13
Fluoroaluminate kommen in der Natur vor. Am wichtigsten ist Kryolith Na,AIF,, das bei der Al-Herstellung sowie als Trübungsmittel für Milchglas und Emaille verwendet wird. Na,AlF6 (Eisstein) ist in reinem Zustand ein weiIJes Pulvcr (Smp. 1009 'C). Es wird industriell licrgestellt. Ausgangsprodukte sind Hexafluoro. kieselsäure und Natriuinaluminat.
587
Beispiel: Anlagerung von Alkylgruppen an Benzolmoleküle
~ l ~ ~ i ~ j u m b r oAIBr, m i d und Aluminiumiodid All, bestehen im festen Zustand aus n/lolekülgittern mit Al,X6-Molekülen. Aluminiumchlorid AICI, Wasserfreies AICI, ist eine farblose, kristalline, flüchtige, hygroskopische Substanz. die bei 1 8 3 C sublimiert. Im festen Zustand liegt eine Schichtstruktur vor, in der die Al 3 +-Ionen oktaedrisch von Cl--Ionen koordiniert sind. Im flüssigen Zustand, iin Dampfzustand bei tiefen Temperaturen und in bestiminten Lösungsmitteln wie CCI, existieren A12C1,-Moleküle mit Chlorbrücken. Mit steigender Tempcratur cntstehen im Dampf ~rigonal-planareAIC1,-Moleküle, die bei 800°C ausschließlich vorhanden sind.
Leitet man Dampf von AIC13 und AlBr, unter vermindertem Druck bei 1000 C über Aluminium, so entstehen in endothermer Reaktion Aluminium(1)-Halogenide. 2A1 + AIX,
Beim Abkühlen erfolgt Zerfall in die Ausgangsprodukte. Mit dieser Gleichgewichtsreaktion kann man daher das Metall weit unterhalb seines Siedepunkts transportieren (nun.vpor ircwkiior~)und reinigen.
KZ = 3 Gasphase
Wasserfreies AICI, wird hauptsächlich durch Chlorieren von flüssigem Al hergestellt.
Aluminiumsulfat A12(S0,)3. 1 8 H 2 0 erhält man aus AI(OH), und heiljer konz. Schwefelsäure. 2Al(OH),
Durch Auflösen von AI(OH), oder Al in Salzsäure Iäßt sich wasserhiiltigcs Aluminiumchlorid auskristallisieren.
Es wird als Textilimprägnierungsmittel und in der Kosmctik (Desodorant, Antiseptikum) verwendet. Wie BF3 und BCl, reagiert Aluminiumchlorid als Lewis-Säure mit vielen anorgan k h e n ( H A SO,. SCI,. PCl,) und organischen Donoren (Ether. Ester, Amine) zu Additi~nsverbindun~en. Beispiel: AICI,
+ PCIS
+
+ 3AlX
4.8.5.4 Aluminiumsalze
KZ = 4
KZ = 6 Kristall
Subhalogenide
[PCI,]+ [AICI,]
Darauf beruht ein Hauptanwendungsgebiet von AICI,. nämlich die Verwendung als Katalysator für organische R<,«l,rrorr<,ri rr
+ 3H,SO,
4
A12(S0,),
+ 6H20
Waserfreies AI,(SO,), entsteht daraus durch Erhitzen auf 340 C. Aluminiu~nsulht wird technisch hergestellt (Weltproduktion Ca. 2 . 10ht/a); es dient zum Leimen von Papier. zur Gerbung von Häuten. als Beizmittel sowie als Flockungsmittel bei der Wasserreinigung. Es ist weiterhin Ausgangsverbindung zur Herstellung anderer AISalze. Aluminiumacetat A1(CH3C00), entsteht nach
Das basische Aluminiumacetat Al(CH,COO),(OH) wird in der Medizin als „essigsaure Tonerde" verwendet. + I +3 Alaune sind Verbindungen des Typs Me Me(SO,], 12H,O, Me' Na. K, Rb, Cs. NH,, TI; Me3+ = Al, Sc, V, Cr, Mn, Fe,Co, G a , In. Alaune sind Dopp(~l<«i:(~. Die wzißrigen Lösungen von Doppelsalzen zeigen die chemischen Reaktionen der Einzelkomponenten Me t , Me3*, SO:-, die physikalischen Eigenschaften setzen sich additiv aus den Eigenschaften der einzelnen Komponenten zusammen, so z. B. die elcktrisehe Leitfähigkeit aus der der Ionen Mc+, Me3' und SO:. Ganz anders verhalten
-
588
4 Die Elemente der Hauptgruppen
\
sich Kornplirsuizi (vgl. Abschn. 5.4). bei denen durch die Komplexionen neue ~ i schaften entstehen. Der gewöhnliche Alaun. nach dem die Verbindungsklasse benannt ist, ist der K ~ liumaluminiumalaun KAI(SO,), . 1 2 H 2 0 . Er kristallisiert aus Aluminiumsulfatlösungen nach Zusatz von Kaliumsulfat aus. Da er blutstillend wirkt, verwendet, man ihn als „Rasierstein". Im Altertum benutzte man ihn wegen seiner f$ulnishcinmenden und adstringierenden (zusammenziehenden) Wirkung zur Mumifizieruiig, Aluminiumphosphat AIPO, kommt in vielen polymorphen Formen vor. Es kristallisiert in den auch beim SiO, auftretenden Modifikationen mit iihniichen umwandlungstemperaturen (siehe Abschn. 4.7.10.1). Neu entdeckte Strukturen des AIPO, sind teilweise itiukturiiniilog zu den Leelithen (siehe Abschn. 4.7.10.2). Reine Aluminiumphosphate (ALPO) enthalten keine austauschbaren Kationen und sind katalytisch inaktiv. Sie können jedoch in vielfältiger Weise modifiziert werden: Ersatz eines Teils der P-Atome durch Si-At o i ne (SAPO); Einbau von Metallatomen (Li. Fe. Mn, Co. Zn. Ni) in das Gitter (MAPO), Wie die Zeolithe können diese Verbindungen als Molekularsiebe verwendet werden und sie besitzen als heterogene Katalysatoren ebenfalls Formselektivität.
4.8 Gruppe 13
~
~
-
In den wichtigsten Verbindungen hat G a die Oxidationszahl + 3 Ga(l11)-Verbindungen sind den entsprechenden Aluminiumverbindungen sehr ähnlich. Die Salze sind farblos und reagieren in wäßriger Lösung sauer. Ga(OH), ist amphoter, mit Basen bildet es [Ga(OH),]-Ionen. Beim Entwässern entsteht zunächst E-GaO(0H) (Diaspor-Struktur), dann E-Ga203(Korund-Struktur). Von Ga,O, sind 5 Modifikationen bekannt. In Analogie zum Al gibt es den
4.8.8 Thalliumverbindungen
+ I Defektspinell y-Ga20,. Mit Alkalimetallen entstehen Gallate MeGaO„ mit MgO,
+2
,-
~ ~~(1)-Verbindungen wie GaCl. GaBr. Gal. Ga,O dargestellt werden. In Lösuneo disproportionieren Ga(1)-Verbindungen in Ga und Ga(Il1)-Verbindungen. Diamagnetis~heSGaCI, enthjlt keine Ga 2'-Ionen. es hat die Zusammensetzung
I,,(lll)-Verbindungen ähneln weitgehend den Ga(lI1)-Verbindungen. Die Salze sind farblos, ihre wäßrigen Lösungen regieren sauer. Analoge Verbindungen sind: (InH,),,. LilnH„ In(AIH4),. InF„ InCl,, InBr,, in13, 1n2(S0,), (bildet mit (NH,),SO, und Rb,SO, Alaune). In(OH)3 ist amphoter, es bildet mit Alkalimetallhydroxiden Hydroxoindate, Z. B. N ~ ~ [ I ~ ( O H ) ,2] H 2 0 I n 2 0 3zersetzt sich im Vakuum bei 700 C zu I n 2 0 . ln(1)-Verbindungen sind etwas beständiger als die Ga(1)-Verbindungen. Die In(1)Halogenide InX (X = CI, Br, I) können aus den Elementen hergestellt werden. InCl ist rot und hat eine deformierte NaCI-Struktur. In Wasser zerfallt es in Ln und InCl,. InCl, ist ein In(1, 111)-chlorid. n i e stabile rote Modifikation ß-In2S3kristallisiert im Spinellgitter. Aus den Elementen erhält man weinrotes In(1, 111)-sulfid Ins.
4.8.6 Galliumverbindungen
ZnO, CoO, N i 0 und C u 0 die Spinelle MeGa,O,. Die flüchtigen Halogenide GaCI„ GaBr, und GaI, bestehen in allen Phasen aus dimeren Ga2X6-Molekülen,nur beim Iodid sind in der Gasphase überwiegend nionomere, planare Gd,-Moleküle vorhanden. GaF, (Sblp. 950 C) hat eine der AlF3Struktur ähnliche Struktur. G a 3 + ist oktaedrisch koordiniert, die Oktaeder sind ekkenverknüpft, der Ga-F-Ga-Winkel ist aber kleiner als 180 . GaF, bildet Fluorokomplexe [GaF,] G a N besitzt Wurtzit-Struktur. GaAs kristallisiert in der Zinkblende-Struktur und ist ein III-V-Halbleiter (vgl. S. 182). Ga,(SO,), bildet mit (NH,),SO, den Alaun NH4Ga(S04), . I 2 H,O. Von den Wasserstoffverbindungen sind Lithiumgallanat LiGaH, und Galliumalanat Ga(AlHJ3 Lu erwähnen. Aus LiGaH, und GaC1, in etherischer Lösung entsteht polymeres Galliumhydrid (GaH,),. Durch Komproportionierungsreaktionen (2. B. 4 G a + Ga,O, -t 3 G a 2 0 ) hön-
589
,
Z(II1)-Verbindungen sind starke O ~ i d t i o s i t e i .Besiündigur sind die n(I)Verbindungen. Sie älineln einerseits dun Alkaiirneiuliverbin~lu,ipen(TIOH, TI,CO,. Tl,SO,), andererseits den Silberverbinriungen (TICI, T120, T12S). TlOH löst sich in Wasser unter alkalischer Reaktion. Mit CO, bildet sich T12C0,. Es ist das einzige in Wasser leicht lösliche Schwermetallcarbonat, es reagiert stark alkalisch. T12S04ist isotyp mit K,SO, und bildet Alaune wie TIAl(S0,)2 12H,O. Die Halogenide ähneln in Löslichkeit und Farbe denen des Silbers. TIF ist weiß, kristallisiert in der NaCI-Struktur und ist gut löslich. TlCl ist weiß und lichtempfindlich, TlBr hellgelb, TI1 tiefgelb. Sie sind schwer löslich und kristallisieren im CsClTYP. T120 und T1,S sind schwarz. TI,O entsteht durch Entwässern von TlOH bei 10OoC, T1,S beim Einleiten von H2S in TI(1)-Salzlösungen. n(l1I)-verbindungen. Aus Tl(II1)-Salzlösungen und KI entsteht ein ~olyiodjd TII. I2 (isotyp mit Alkalimetalltriiodjden; vgl. S. 406). In flüssigem NH, reagiert Na mit Tl1 zii der interessanten intermetallischen Verbindung NaTl (vgl. Abb. 2.1 14). Das am meisten benutzte TI(II1)-Salz ist T1,(S04), . 7 H 2 0 . TIF, ist bis 500 'C stabil. TICI, gibt bereits bei 4 0 T Cl2 unter Bildung von TlCl ab. TlBr, geht unter +1
+3
Bromabspaltung in TI[Tlßr,] über. Tiefbraunes T1203entsteht durch Erhitzen von T 1 ( N ~ 3 )- 33 H 2 0 , es gibt oberhalb von 8 0 0 T 0, a b und geht in T120 über. Mit
J7V
Ule
cieinenre aer Hauptgruppen
4.9 Gruppe 2
Wasserstoffist das unbeständige, polymere, etheiunl&jliche ( T I H , ~herstellbar, da
bei Raumtemperatur in (TlH). zerfällt. TI(I) bildet das beständige Boranat Thl'llirinzc<'rhi~~(lunnY~'tl S;ti(/ i < ~ k gj//jS, isie bewirken H ~ als Rattengift verwendet. TI-Verbindungen fgrben die lqarnrneintensiv
wird ~
Ordnungszahl Z 4 Elektronenkonfiguration [He]-s2 1 . Ionisierungsenergie in eV 9,3 2. Ionisierurigsenergiein eV 18,2 Elektronegativität 1 s Reak tionsfähigkeit 45 Ionenradius r(Me 2+) für K Z 6 in pm Hydratationsenthalpie - 2494 von Me2+in kJ/mol Bildungsenthalpie -19 ier Hydride MeH, in kJ/mol 3ildungsen thalpie -610 1er Oxide MeO in kJ/mol Iasischer Charakter ler Hydroxide ;lammenfärbung
Magnesiurn Mg
Calcium
strontiurnBarium
Ca
Sr
12
20
38
[Ne] 3s2
[Ar] 4s2
[Kr] sS2 CXe16S2
6,1 11,9
5.7 11.0
10.0
1 ,o
1 ,O
0.9
-+
Ba
____ 56 5,2
100
118
135
-1577
- 1443
-1305
-286
-180
-179
-635
-592
- 554
-t
nimmt zu ziegelrot
karminrot grün
Erdalkalimetalle stehen in der zweiten Gruppe des PSE. Sie haben die Valenztktronenkonfiguration s2. ES sind reaktionsfähige, elektropositive Metalle und arke Reduktionsn~ittel.Die Reaktionsfähigkeit und der elektropositive Charakter :hmen mit der Ordnungszahl Z zu. In ihren stabilen Verbindungen treten sie nur der Oxidationszahl 2 auf. Trotz der relativ hohen 2. Ionisierungsenergie sind festen und gelösten Zustand die Me 2 '-Kationen mit Edclgaskonfiguralion stabil. sie durch Gitterenergie und Hydratationsenthalpie stabilisiert werden. Die Be-
+
~
er basische Charakter der Hydroxide Me(OH), nimmt mit Z zu. Mit ~ m e h l n e n ch die Beständigkeit der Carbonate und Nitrate. Die ~ ö ~ l i ~ h kder e i Sulfate t und Carbonate nimmt mit Z ab, die der Hydroxide Z U . Ca, Sr, Ba und Ra zeigen charakteristische Flammeiifärbungen Ra gibt cine karniorote Flamme. Strontiumsalze werden für bengalisches Feuer verwendet. geryllium ist dem Aluminium ähnlicher als dem nächsten Homologen seiner Gnippe, dem Magnesium (Schrägbeziehung im PSE). Die Ähnlichkeit ist auf die fast Elektronegativität und den ähnlichen Ionenradius zuruckzufuhren Be bevormgt die Koordinationszahl 4, die auch bei Al häufig auftritt, während bei Mg die W
bevorzugte Koordinationszahl 6 ist.
nimmt zu
.9.1 Gruppeneigenschaften 'W
~
Bildungsenthalpie hypothetischer Erdalkalimetallchloride rte (2.B. für MgCl AHG = - 125 kJ/mol), aber die verbin~ der Disproportionierung ~ ~ ~ -t MeCl2~+ Me sichtlich 2MeCl rung von 2MgCl ist AH" = - 392 kJImol). Im Gaszustand
ie ~ ~ d ~ l k ~ l i r n verbrennen ~talle an der Luft ZU Oxiden MeO. Mit Ba entsteht ein Peroxid B a O , Mit StickstoR bilden sich Nitride Me3N2. ~ ~ wird ~ reduziert, ~ ~ es bilden ~ ~sich Hydride t ~ MeH,, f die f - mit Ausnahme von in lonengittern kristallisieren, aber thermisch weniger stabil sind als die Oxide
4-9 Gruppe 2 (Erdalkalimetalle)
Be
~
591
Beispiele für die Ähnlichkeit: (BeH,). ist wie (AIH,). hochpolymer, die Bindungen sind kovalent. MgH, ist ionisch aufgebaut. BeC1,und AlCI, sind sublimierbare Lewis-Säuren, die in wäßriger Lösung stark sauer reagieren. MgC1,-Lösungen reagieren schwach sauer. Be(OH), und Al(OH), sind amphoter und bilden keine stabilen Carbonate. Mg(OH), ist basisch und bildet ein stabiles Carbonat. Be0 und Al,0, sind sehr harte (Mohs-Härte 9) kristalline Substanzen mit hohen Schmelzpunkten. Be und Al sind Leichtmetalle mit ähnlichen Standardpotentialen. Sie lösen sich in Säuren und Basen unter H,-Entwicklung. In Wasser werden sie ~assiviert.Mg ist viel unedler und löst sich nur in Säuren unter H,-Entwicklung. Ra ist ein Zerfallsprodukt von 238U,es ist in der Pechblende UO, enthalten (034 g Ra pro t U). Alle Ra-Isotope sind radioaktiv. Ra ähnelt in seinen Eigenschaften Ba und kristallisiert wie diescs kubisch-raumzentriert. (I und wirken krebserregend. BeryIIi~rn~ ur7d scirrc t >r.hir/((irrlycrl \irr(( t~
4.9.2 Vorkommen
,
92
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.9 Gruppe 2
Beryllium gehört zu den selteneren Metallen. Am häufigsten ist das Cyclosilicat leryll Be,AI,[Si,O„]. Gefärbte Abarten sind Smaragd (grün, chromhaltig) und quamarin (hellblau, eisenhaltig). Weniger hiufig sind die Inselsilicate Euklas ieA][SiO,]OH und Phenakit Be,[SiO,], die ebenfalls als Edpl.stcitz~dienen. Chrysoeryll Al,[BeO,] hat Olivinstruktur. eine Varietät ist der von Grün nach Rot Schi/:rnde Edelstein Alexandrit. Magnesium und Calcium gehören zu den 10 häufigsten Elementen. ESgibt zahlreiTe Magnesiummineralien. Carbonate: Dolomit CaMg(CO,)„ Magnesit MgCo,, ilicate: Olivin (Mg, Fe),[SiO,] (Inselsilicat), Enstatit MgCSiO,] (Kettensili~a~). 'alk Mg,[Si,O„](OH),, Serpentin Mg,[Si,O,](OH), (Schichtsilicate). In ern kommen vor: Carnallit KCI . MgCI, . 6 H 2 0 , Kieserit MgSO, . H,O, Kainit ;Cl. MgSO, . 3 H,O, Schönit K,SO,. MgSO, . 6 H 2 0 . Als Doppeloxid kommt pinell MgAI,O, (Abb. 2.19) vor, der in gefärbten Varietäten als Edelstein Verwenungfindet. Das Meerwasser enthält 0,13 % Mg. Dieals „Bitterwässer" bezeichneten lineralwässer enthalten MgSO, (MgSO, . 7 H 2 0 wird Bittersalz genannt). Mineralien vor. Der Feldspa~ Calciumverbindungen kommen als gr~st~inshildende northit Ca[AI,Si,O,] ist ein Tektosilicat. Calciumcarbonat CaCO, kommt als alkstein, Marmor und Kreide vor. Dolomit CaMg(CO,), ist ein Doppelcarbona~. roße Lagerstätten bilden Gips CaSO, . 2 H 2 0 ,Anhydrit CaSO,, Apatit Ca,(PO,), )H, F, Cl) und Flußspat CaF,. Die wichtigsten Strontiummineralien sind Strontianit SrCO, und Cölestin SrSO,. :im Barium sind es Witherit BaCO, und Schwerspat BaSO,.
3.3 Die Elemente Mg
Be
Ca
Sr
hexagonal-dichteste Packung
kubisch-dichteste Packung
imelzpunkt in "C ziepunkt in "C )limationsenthalpie :J/mol hte bei 20°C in g/cm3 ndardpotential Me/Me2+)in V
1285 2477 321
845 1483 178
1,85
1,74
1.54
'
siedepunkt und Sublimationswärme sind höher. Mg ist silberglänzend, läuft mattweiß an, ist von mittlerer Härte und duktil. Die Leitfähigkeit beträgt etwa % von der des ~luminiums.Ca, Sr, Ba sind in ihren Eigenschaften sehr ähnlich. Sie smd silberweiß, laufen schnell an und sind weich wie Blei. Ba kristallisiert allerdings - wie auch Ra - kubisch-raumzentriert. Dichten, Schmelzpunkte, Siedepunkte, Sublimationsenthalpien und Härten sind höher als die der Alkalimetalle. Dir. Erdulkulimetulle.~inde/ektropositit.e EIr~rnptztemit , ~ e g u / i ~ Stundurdpotentiulen. wl Die deutlich elektropositiveren Metalle Ca, Sr, Ba haben ähnliche Standardpotentiale wie die Alkalimetalle. Sie reagieren mit Wasser unter H,-Entwicklung zu Hydroxiden. Trotz der negativen Standardpotentiale reagieren Be und Mg nicht mit Wasser. da ihre Oberflächen passiviert werden. Auf Grund der Pu.uivierung sind Be und Mg an der Luft beständig.
4.9.3.2 Darstellung und Verwendung Dir Erdalkalimetalle können durch Schmelzelektrolyse oder durch chemische Reduktion hergestellt werden. Technisch wird die Schmelzelektrolyse zur Herstellung von Be und Mg eingesetzt. Will man kompaktes Beryllium gewinnen, muß die Elektrolyse oberhalb des Schmelzpunktes von Be (1285 "C) durchgeführt werden. Als Elektrolyt wird basisches Berylliumfluorid 2 B e 0 . 5 BeF, verwendet. Technisch elektrolysiert man Mischungen von BeCI, und NaCl bei tieferer Temperatur. Be muß im Vakuum umgeschmolzen werden oder das komprimierte Pulver bei 11 50 "C gesintert werden. Meist wird Be durch Reduktion von BeF, mit Mg im Graphittiegel hergestellt.
Ba
istallstruktur
650 1105 148
,
593
771 1385 165 2.63
kubischraumzentriert
80% der Weltproduktion an Magnesium wird durch Schmelzelektrolyse von MgC1, hergestellt.
726 1696 180
3.62
-
700-800 C +
Elektrolyse
Mg + Cl2
AH"
=
+ 642 kJ/mol
Wasserfreies MgC1, erhält man durch Umsetzung von M g 0 mit Koks und Chlor. Mg0
+ Cl, + C
-
1000-1?0OPC
-
MgCl,
+ CO
AH" = - 150 kJ/mol
Das Chlor wird bei der Schmelzelektrolyse zurückgewonnen. M g 0 wird durch thermische Zersetzung von MgCO, hergestellt. Als Gesamtreaktion ergibt sich:
.3.1 Physikalische und chemische Eigenschaften Erdalkalimetalle sind Leichtmrtalle. Be weicht in seirien phJ~.sikulischenDuten von anderen Erdalkalimetullen ab. Es ist stahlgrau, spröde und hart, Schmelzpunkt,
Diese endotherme Reaktion kann auch direkt im elektrischen Ofen bei 2000°C durchgeführt werden. Technisch wird calcinierter Dolomit mit Si im Vakuum reduziert.
1
4.9 Gruppe 2
4 Die Elemente der Hauptgruppen
is dampfförmige Magnesium (Sdp. 11O5'C) wird in einer Kondensationskamrner :dergeschlagen. Calcium kann durch Elektrolyse von geschmolzenem CaCI, (Smp. 772 C) iin sch mit CaF, oder KCI bei 700°C hergestellt werden. An den Eisenkathoden, die rade die Schmelze berühren (Berührungselektrode) scheidet sich Ca flüssig a b ,im langsamen Heben der Elektroden während der Elektrolyse erstarrt das hletall langen Stäben. Analog kann Strontium gewonnen werden. Die technische Darstellung von Ca erfolgt derzeit aber a l ~ m i n o t h e r m i s ~ h , 1200 C
6Ca0
+ 2'41 vakUutn
+
3 Ca (g)
90% und mehr Mg sowie Zusiitzen von Si, Al, Zn, Mn, Cu; sie sind gegen ösungen und Flußsäure beständig. In der Metallurgie dient Mg als starCa wird in der Metallurgie als Reduktionsmittel zur Darstellung von Ti, Zr, Cr, U
wird als Gettermetall zur Hochvakuumerzeugung in Elektronenröhren be-
+ 3 C a 0 . A1,0,
ich Barium wird durch Reduktion von B a 0 mit Al oder Si bei 1200 -C im Vakuum rgestellt.
,O erhält man durch thermische Zersetzung von BaCO,.
+
BaCO, + B a 0 CO, ird BaSO, als Ausgangsmaterial verwendet, so wird es zuerst in BaCO, umgewanlt. BaSO, wird zunächst mit Kohlenstoff reduziert. BaSO,
595
4.9.4 Berylliumverbindungen Bervlliuin irntrr.s~heidet srdi uis cistiii Eltwicrlt d u 2. Gruppe siiirker von d m < m d < ~ ~ i i Eleme,rlgn ( / ( > V Grupp' o b dirse sidi ~wi~iitiundc~r uiirt~rs<~hc~~den. Die Ionisierungsenergie ist wesentlich größer, ebenso die Elektronegativität, der Ionenradius von Be2+ ist viel kleiner. Die Be-Vrrhinder. Be kann mit zwei sp-Hybridorbitalen lineare BrX,-Mokkiilo bilden. Diese Elektronenmangelverbindungen strcben jedoch durch Erhöhung der Koordinationszahl auf 4 nach r i w r obgeschlossenen Eirktroneiik(intiyuration. Dies wird auf verschiedenen Wegen erreicht. Dreizentrenbindungen. In (BeH,), betätigt jedes Be-Atom zwei BeHBe-Dreizentrenbindungen.
+ 4 C ------, BaS + 4 C 0 1000 -1200 C
is BaS-Lösungen wird BaCO, mit CO, oder N a 2 C 0 3 ausgefällt. BaS + Na,CO,
+
BaCO,
+ Na$
i der Aufarbeitung der Uranerze auf Radium (0,34 g R a / t U ) wird R a nach Zusatz n BaCI, zusammen mit dem Ba als Sulfat ausgefällt. Ra und Ba können durch ktionierende Kristallisation z.B. der Bromide getrennt werden. Aus Salzlösungen nn Ra elektrolytisch an Hg-Elektroden als Amalgam abgeschieden werden. Durch hitzen des Amalgams auf 4OO--7OO'C in einer H,-Atmosphäre wird daraus metalliies Ra (Smp. 700 "C) gewonnen. Be ist als Legierungsbestandteil von Bedeutung. Eine Cu-Legierung mit 6-7% Be hart wie Stahl, die thermische und elektrische Leitfähigkeit von Cu bleibt erhalten. .gen des niedrigen Neutronen-Absorptionsquerschnitts von Be wird es bei Kernreionen zur Moderierung und Reflexion von Neutronen benutzt. D a Be Röntgenihlung wenig absorbiert, werden daraus die Austrittsfenster in Röntgenröhren gestellt. i u s Mg werden Legierungen hergestellt, die wegen ihrer geringen Dichte für Fluggbau und Raumfahrt wichtig sind. An der Luft ist es bei Raumtemperatur bestän, d a es sich mit einer schützenden Oxidschicht überzieht. Elektrontrietalle bestehen
Koordinative Bindungen. (BeCl,), ist kettenförmig aufgebaut und entspricht dem faserförmigen, isoelektronischen SiO, .
Auch in den Raumnetzstrukturen von BeF, (Cristobalit-Struktur), BeO, BeS (Wurtzit-Struktur) ist Be tetraedrisch koordiniert. Viele Be-Verbindungen erreichen die maximale Koordinationszahl4, indem sie als Lewis-Säuren fungieren und komplexe Be t-oR2 bilden. Ionen wie [BeF412, [ ~ e ( H , 0 ) , ] ~ +bzw. Addukte wie Cl' "OR2 ( p - p ) n - ~ i n d ~ n ~Nur e n . in der Gasphase werden hei ent~~recllendcr Energieziifuhr Elektronenlücken durch z-Bindungen geschlossen. Ein Beispiel ist Berylli~mchlorid.Beim Erhitzen wird (BeCl,), depolymerisiert. Bei 560cC sind in der Gasphase 20°A dimere Moleküle (BeCl,), vorhanden, bei 750 ,C fast nur noch monomere BeC1,-M oleküle.
596
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.9 Gruppe 2 1
597
Beim Kochen oder Stehen alieri Be(OH)„ es löst sich dann nur noch schwer in Säuren und Laugen.
Zwischen isoelektronischen Beryllium-Fluor- und S i ~ i ~ i u m - S a u e r s t o f f - ~ e r b i ~ d ~ ~ ~ ~ ~ r ~ l l i u m oB x ied0 existieren erstaunliche strukturelle Verwandtschaften. Isotyp sind: Beim Erhitzen von Be(0H)' auf 400 C entsteht Be0 als lockeres, weißes Pulver Verbindung Struktur (Smp 2530 C ) , das sich in Säuren löst. Hochgeglüht ist es säureunlöslich; es wird zur ---fJerstellung von Tiegeln für Reaktionen bei sehr hohen Temperaturen verwendet. SiO, BeF, Cristobalit Hoher Preis und Giftigkeit begrenzen den Einsatz. Be0 hat Wurt7it-Struktur mit MdSiO,] Li[BeF,] Enstatit tetraedrischer Koordination der Atome und ist sehr hart (Mohs-Härte 9). Ca[SiO,] Na[BeF,] Wollastonit M&CSiO,l Na,[BeF,] Forsterit Zr[SiO,] Ca[BeF,] Zirkon &xylliumfluorid BeF, -
leH, ist eine feste, weiße, nichtfiuchtige, hochpolymere Substanz ( A H ; I0). die bei 00°C in die Elemente zerfallt. BeH, ist luft- und feuchtigkeitsempfindlich und dem iluminiumhydrid ähnlich, jedoch nicht in Ether löslich. Es bildet eine Kettenstrukur mit kovalenten Bindungen.
H
H
Be
Be
Be
/ \ / \ / \ / \
H H H )ie Be-Atome sind tetraedrisch von 4H-Atomen umgeben. Jedes Be-Atom betätigt wei Be-H-Be-Dreizentrenbindungen. Die Darstellung aus den Elementcn gelingt nicht. Man erhält BeH, nach der Reakon 2Be(CH3),
+ LiAlH,
Berylliumchlorid BeCI, BeCI, entsteht durch Erhitzen von Be im trockenen Chlor- oder Hydrogenchloridstrom.
H
\ / \ / \ / \ /
Be
BeF, (Smp. 552°C) ist isoelektronisch mit SiO, und mit diesem strukturell verwandt. Er erstarrt wie SiO, glasartig. Im kristallinen Zustand ist es oberhalb 516 'C isotyp mit ß-Cristobalit, unterhalb 430°C mit cc-Quarz. BeF, löst sich in Wasser und bildet mit Fluoriden Fluoroberyllate des Typs BeF;, BeF2-, Be,F:-.
Echer
--t
2BeH,
Be Be
+ Cl, + BeCl, + 2HC1 + BeCI, + H,
Es bildet farblose, hygroskopische, nadelförmige Kristalle (Smp. 430 "C) mit Kettenstruktur. Die Be-Atome sind durch Cl-Brücken verbunden, die Koordination ist annähernd tetradrisch.
+ LiAI(CH,),
ler durch Thermolyse von Bis(mt-butyl)beryllium.
Be(C,H,),
210 C -4
BeH,
+
BeC1, löst sich gut in Ether und Alkohol und bildet Additionsverbindungen. Wäßrige Lösungen von BeCI, und den anderer) Be-Salzen - rcagicren sauer.
2H2C=C /CH3 'CH,
-
rylliumhydroxid Be(OH), rsetzt man Ber~lliumsalzlösungenmit Basen, fällt Be(OH), als weiDer. gallertxtiNiederschlag aus. Dieses frisch gefällte Be(OH), ist amphoter. Be(OH)2 + 2 H 3 0 i [Be(H,O),]'+ Be(OH), 2 0 H - -+LB&OHJ,]Z-+
-
-
-
+
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
4.9.5 Magnesiumverbindungen
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.9 Gruppe 2
,.yzuhl ist 6. [Mg(H20),J2 +-Ionen reagieren in1 Gegensatz zu [Be(H,O),]2 nur schwach sauer.
t-
esiumhydrid MgH, en Elementen kann MgH, bei 570 C und 200 bar dargestellt werden.
dem erhält man es durch thermische Zersetzung von D i e t h y l m a g n e ~ i uim ~ ~akuum.
Mischungen von M g 0 und konzentrierten MgC12-Lösungen erhärten steinartig (Mog~~siuxvmni.Sordztwcnt) unter Bildung basischer Chloride vom Typ M ~ C ]., 3 Mg(OH), 8 H 2 0 Sie werden unter Zumischung neutraler Füllstoffe und parben zur Herstellung künstlicher Steine und fugenloser Fußböden (Steinholz, r ) , von künstlichem Elfenbein (Billardkugeln, Kunstgegenstän-~- ~ ~ s t r n a r m osowie de) verwendet. wagnesiumhydroxid Mg(OH), M ~ ( O H ) ,wird aus MgC1,-Lösungen und Kalkmilch Ca(OH), hergestellt. MgCI,
ist weiß, fest und nichtflüchtig. Es kristallisiert in der Rutil-Struktur, der ngscharakter ist ionisch. rockener Luft ist MgH, beständig, erst oberhalb 280°C zerfällt es in die EIeMit Wasser reagiert MgH, unter H,-Entwicklung. In etherischer Lösung sind schhydride Magnesiumboranat und Magnesiumalanat nach den folgenden onen herstellbar. 3 MgR, MgBr,
+ 4(BH,)2
-+
+ 2LiAIH4 -+
3 Mg(BH,), Mg(AlH,),
+ 2 BR,
+ 2 LiBr
Mg
+ 30,
-+
Mg0
AH;
=
- 602 kJ/mol
he von Mg mit Oxidationsmitteln wie KCIO, wurden früher als Blitzlichtpulwendet. Technisch erhält man M g 0 durch thermische Zersetzung voii MgC03
4
Mg0
, Mg(OH),
+ CaCl,
Magnesiumchlorid MgCl, MgCI, kristallisiert aus wäßriger Lösung bei Normaltemperatur als Hexahydrat [Mg(H,O),]Cl,. Beim Entwässern des Hexahydrats entstehen unter HC1-Abspaltung basische Chloride, z. B.
+ H 2 0 + Mg(0H)Cl + HCI
Wasserfreies MgCI, wird daher durch Entwässern des Hexahydrats in einer HClAtmosphäre hergestellt. MgC1, ist blättrig-kristallin (Smp. 708 "C) und sehr hygroskopisch. Es kristallisiert in der Schichtstruktur vom CdC1,-Typ. Um das Feuchtwerden von MgC1,-haltigem Kochsalz zu verhindern, wird Na,HPO, zugesetzt, dadurch wird MgC1, als MgHPO, gebunden. Magnesiumfluorid MgF,
CO,
. weiß (Smp. 2642-C) und kristallisiert wie CaO, S r 0 und B a 0 in der NaC1r.
tzt man MgCO, bei 800-900 'C, erhält man ,,kaustische Magnesia", ein mit ibbindendes Produkt. Brennt man bei 1700-2OOO'C, so sintert M g 0 zu einer ser nicht mehr abbindenden Masse zusammen, die zur Herstellung hocher Steine (Magnesiasteine) und für Laboratoriumsgeräte ( ~ i , i i e l - i l i c i ~ ~ l ~ ' ~ / ~ / ) et wird Erhitzt man Magnesiumhydroxid oder basisches ~ a ~ n e s i u m c a r b o 10onC,erhält man M g 0 als lockeres, weißes Pulver (Magnesia usta). das in izin als Neutralisationsmitte1 Verwendung findet. Mg(OH!, M g 0 + H,O M g C 0 3 . Mg(OH), -+ 2 M g 0
+ Ca(OH),
&fg(OH), ist ein farbloses Pulver, das in Wasser schwerlöslich, in Säuren leicht löslich ist. Als echtes basisches Oxid löst es sich nicht in Laugen.
MgCI,
brennt an der Luft mit blendend weißem Licht zu MgO.
599
-+
+ H 2 0 + CO,
MgF, (Smp. 1265 "C) kristallisiert in der Rutil-Struktur (KZ 6 : 3). Entsprechend den Radienquotienten kristallisiert BeF, in der Cristobalit-Struktur (KZ 4 : 2) und CaF, in der Fluorit-Struktur (KZ 8 : 4). MgF, ist schwerlöslich, es wird zur Vergütung auf optische Linsen aufgedampft (Verhinderung von Spiegelungen). Magnesiumcarbonat MgCO, Natürliches Magnesiumcarbonat (Magnesit) ist das wichtigste Magnesiummineral, das in großen Lagerstätten vorkommt. Es wird überwiegend zur Herstellung von M g 0 verwendet. Aus Magnesiumsalzlösungen fällt mit Alkalimetallcarbonaten nur bei CO,-Überschuß MgCO, aus, andernfalls entstehen basische Carbonate. Das basische
600
4.9 Gruppe 2
4 Die Elemente der Hauptgruppen
Carbonat 4MgC0, . Mg(OH), - 4H,O, ein lockcres weiRes Pulver. wird als ..,\lqpnesiu alba" in der Medizin als NeutralisationsmitteI verwendet. außerdem in Pudern, Putzpulvern und hauptsächlich als weil3es Farbpigment und als Füllstoff für Papier und Kautschuk. Magnesiumsulfat MgSO, ~ g S 0 ,bildet eine Reihe von Hydraten. Von 2-48 'C kristallisiert aus wäßrigen Lösungen das Heptahydrut MgSO, 7 H 2 0 (Bittersalz) aus, das als Abführmittel dient. Es gehört zur Gruppe der Vitriole [Me(H,O),]SO,. H,O (Me = Mg, Mn. Zn, Fe, Ni, Co). Sechs H20-Moleküle sind oktaedrisch an das Metallatom angelagert, das siebente ist durch Wasserstoffbrücken an das Sulfation gebunden. Beim Erhitzcn verliert MgSO, . 7 H 2 0 bei 150"C 6 Moleküle Wasser, das siebente erst bei 200 C, Grignardverbindungcn
601
Ca~ciumoxidC a 0 (Ät~kaik,gebrannter Kalk)
c a wird ~ grolltechnisch durch Erhitzen von CaCO,
(Kalkstein) auf 1000- I200 C hergesollt (Kulkbret~n~n). Es entsteht eine weine. amorphe Masse (Smp. 2587 C).
~~~h dem MWG entspricht jeder Temperatur ein ganz bestimmter Gleichgewichtsdruck pro, (Abb. 4.54). bei Y08 C erreicht er 1 ,013 bar. Gebrannter K d k reagiert mit Wasser unter starker Wärrneent~icklun~ zu
gelöschtem Kalk wird Luftmörtel (vgl. S. 604) hergestellt. Hauptsächlich wird CaO bei der Stahlproduktion gebraucht. Aufierdcm dient C a 0 zur lIerstcllung von r&. und Chlorkalk. wird bei der Glasfabrikation, bei der Sodasynthese und als -basischer Zuschlag im Hochofen verwendet. Bei starkem Erhitzen mit einer KnallgasRamme strahlt C a 0 ein helles, weißes Licht aus (Drummondsches Kalklicht). - &
Darunter versteht man Verbindungen des Typs RMgX (X = Halogen, R = organischer Rest). Man erhält sie durch Einwirkung von Organylhalogeniden RX auf aktiviertes Mg in Donorlösungsmitteln (Ether, Tetrahydrofuran). Man benutzt sie als Alkylierungs- und Arylierungsmittel. Beispiel:
-
I bar Uissoziotionsdruck PCO,
4.9.6 Calciumverbindungen Verbindungen des Calciums sind technisch besonders flir dicl Baustqfi~inrfustricr(u1 Bedeurung. Calciumhydrid CaH, CaH, ist eine weiRe, kristalline Masse. Es ist heteropolar aufgebaut und kristallisiert unterhalb 780'C in der PbC1,-Struktur. darüber in der Fluorit-Struktur. Es wird durch Überleiten von H 2 über Ca bei 400 C hergestellt. Ca
+ H,
-+
CaH,
AH; = - 186 kJ/mol Mit Wasser reagiert es heftig unter H,-Entwicklung.
+
+1
C ~ H ' ~2 H 2 0
-
Ca(OH),
Abbildung 4.54 Di~s~ziationsdrücke pC02 der Erdalkalinletallcarbonate. D*die Basizität der Hydroxide mit zunehmender Ordnungszahl stärker wird, nimmt auch die Temperatur, bei der der Dissoaiationsdruck 1 bar erreicht. vom MgCO, zum BaCO, zu. Calciumhydroxid Ca(OH), lm trockenen Zustand ist Ca(OH), ein weines Pulver, das bei 45OCCWasser abspaltet.
+ 2 H0 2
CaH, wird zur Wasserstofferzeugung, als Trocken- und Reduktionsmittel verwendet.
In Wasser löst sich nur wenig Ca(OH), (1,26 g im 1 I bei 2O9C), die Lösung heißt Kalkwasrer, sie reagiert stark basisch. Eine Suspension von Ca(OHL heißt K ~ f i -
9.7
milch, sie dient als weiße Anstrichfarbe. Ca(OH), wird als billigste Base industrieli verwendct (vgl. IIerstellung von Chlorkalk und Soda).
Calciumchlorid CaCI, 1
CaCI, entsteht technisch als Abfallprodukt bei der Sodaherstelliing Aus wäOrigen Lösungen kristallisiert das Hexahydrat [Ca(H,O),]CI, aus, das im Gegensatz [Mg(H,O),]CI, durch Erhitzen zum wasserfreien CaCI, entwässert werden kann, CaCl, ist weiß (Smp. 772"C), sehr hygroskopisch und wird als Trockerirriitte[ tur Gase verwendet. CaCI, löst sich exotherm (AH = - 83 kJ/niol), [C~(H,O),]CI, endotherm (AH" = 14 kJ/mol). Aus Eis und [Ca(Hfl),]CI, lassen sich I \ ' ~ / ~ ~ . , , , , schmgen bis - 55'-C herstcllcn.
+
L
""2
keit. Bei 800-900 "C entsteht Estrkhgips. der langsam (in Tagen) abbindet und hydraulische Eigenschaften aufweist. während Stuckgips in 10-20 Minuten abbindet und unter Wdsser erweicht. Bei 1000-1200C entsteht totgebrannter Gips, der sich wie Anhydrit praktisch nicht mit Wasser umsetzt. Oberhalb 12OOC'Cer,. folgt thermische Zersetzung. CaSO,
Ca0
-+
+ SO, + i02
~~lciurncarbid CaC,
cac,wird zu Acetylen und Kalkstickstoff weiterverarbei~et.CaC, wird daher großtechnisch aus Kalk und Koks im Lichtbogen eines elektrischen Ofens hergestellt.
Calciumcarbonat CaCO,
Ca0
CaCO, kristallisiert in drei Modifikationen: Calcit (Kalkspat), Aragonit, Vaterit. Beständig ist Calcit (vgl. Abb. 2.20). Aus Calcitkristallen bestehen Kalkstein. Kreide und Marmor. Kulkrfuin ist ein durch Ton verunreinigtes feinkristallines C a C O , Bei stärkeren Tongehalten (10-90% Ton) wird er als Mergel bezeichnet. Krtlirlc, ist CaCO,, gebildet aus Schalentrümmern von Einzellern in der Kreidezeit. hlurnror ist sehr reiner grobkristalliner Calcit. Perlen bestehen aus Aragonit. Die Weltförderung von Kalkstein und Dolomit beträgt Ca. 2 Milliarden t/a. Das schwerlösliche CaCO, wird durch CO,-haltige Wässer als Ca(HCO,), gelöst. Die durch CaSO, und Ca(HCO,), verursachte Wusterhurte und ihre Beseitigung wurde bereits an anderer Stelle (S. 525) besprochen.
UluppC
+ 3C
2000 -2200 C
CaC,
+ CO
AH'
=
+ 465 kJ/mol
Unterhalb von 1600 C läuft die Reaktion nach links. Struktur und Reaktionen von &C2 wurden bereits behandelt (vgl. S. 520). Bei der Herstellung von CaC, entsteht aus Calciumphosphat-Verunreinigungen des Kalks Calciumphosphid. Ca,(PO,),
+ KC
4
Ca,P,
+ SC0
Bei der Reaktion von Carbid mit Wasser entsteht deshalb nicht nur das geruchlose Acetylen, sondern auch etwas Phosphan PH,, das den unangenehmen „Carbidgemch" verursacht. Wegen der abnehmende11 Bedeutung von Acetylen ist die CaC,-Produktion stiiik rückläufig.
Calciumsulfat CaSO,
-
Inder Natur findet sich Gips CaSO, 2H,O und Anhydrit CaSO,. Eine Varietät des Gipses ist Alahustrr. Aus wäorigen Lösungen kristallisiert CaSO, unterhalb 66'.C als Gips, oberhalb 66°C als Anhydrit. [email protected]" über Bei 120 "C geht Gips in ,,g~hrariritc~n CaSO, . 2 H 2 0
120-130'C -----t
CaSO, . 0,5H20
Mit Wasser erhärtet dieser rasch wieder zu einer aus Gipskristallen bestehenden festen Masse. Er wird im Baugewerbe, in der keramischen Industrie und in der Bildhauerei verwendet. Weiteres Erhitzen von gebranntem Gips fuhrt zu Stuckgips.
Kalkstickstoff AUSCaC, entsteht bei 1 1005Cmit Stickstoff ein Gemisch aus Calciumcyanamid und Kohlenstoff, das als Kalkstickstoff bezeichnet wird. AH' = - 291 kJ/mol CaC, + N, 4 CaCN, + C CaCN, ist das Calciumsalz des Cyanamids H,N-CEN. Es wird als Düngemittel verwendet, da es im Boden unter Einwirkung von Wasser und Bakterien in Ammoniak übergeht. CaCN,
+ 3H,O
-+
CaCO,
+ 2NH3
Mörtei Bei 190-20O0C entsteht wasserfreier Stuckgips, der so schnell abbindet. &aß er prdktisch nicht verwendbar ist. Bei 500'C verliert dieser Stuckgips seine Abbindefihir-
Mörtel sind Bindemittel, die mit Wasser angerührt erhärten und zur Verkit~ungvon Baumaterial oder als Verputz dienen. Man unterscheidet Luftmörtel, der von Wasser angegriffen wird. und Wassermörtel. der wasserbeständig ist.
\
604
4
4.10 Gruppe 1
Die Elemente der Hauptgruppen
Luftmörtel
,
Ku/knzijrie/ besteht aus einem Brei von gelöschtem Kalk und Sand. Die Erhärtung beruht auf der Bildung von CacO, mit dem CO2 der Luft. Sand und Bausteine werden dadurch verbunden. Ca(OH),
+ CO,
, CaCO,
+ H,O
Gfitn
I
605
Bariumoxid BaO. Bariumhydroxid Ba(OH), gaO (Smp. 1923 C) kristallisiert in der NaCI-Struktur. Es entsteht beim Erhitzen von Ba im Sauerstoffstrom. Technisch wird es durch Zersetzung von BaCO, in Gegenwart von Kohle hergestellt. BaCO,
+C
Ba0
-+
+ 2C0
Mit Wasser reagiert B a 0 zu Bariumhydroxid.
Die wäßrigen Ba(OH),-Losungen (Bcrrj~riwsser)reagieren stark alkalisch. Aus ihnen kristallisiert das Hydrat Ba(OH)? . 8 H 2 0 aus.
Wassermörtel Zement entsteht durch Brennen von Gemischen aus Kalkstein und Ton bei 1450 C'. Dabei bilden sich Calciumsilicate, Calciumaluminate und Calciumferrite. Beim Abbinden entstehen kompliziert zusammengesetzte Hydrate. Zementmörtel erhärtet auch unter Wasser.
4.9.7 Bariumverbindungen Lösliche Buriumsulie, z. B. BaCI,, sindgif'rig. BaCO, wird als Mäuse- und Rattengift verwendet. Ba(NO,), dient in der Pyrotechnik als „Grünfeuer".
Bariumsulfat BaSO, BaSO, (Smp. 1350 C) ist die wichtigste natürliche Bariumverbindung (Weltförderung 2000 5,7 . 106 t ) und Ausgangsmaierial für die Gewinnung anderer Bariumsalzt. (vgl. S. 594). BaSO, 1st wusserunliislzc/1 und c.li~n1i.vc.h srhr he.rfijnrlig. Erst oberhalb 1400 "C Zersetzt es sich. BaSO,
1400'C
---, Ba0
+ SO, + + O 2
BaSO, wird als weiße Malerfarbe (Pt.rniun~ntiie~$ verwendet. Größere Deckkrafi besitzen die Lithopone, Mischungen aus BaSO, und ZnS. Man erhält sie durch Umsetzung von BaS mit ZnSO, und anschließendes Glühen bei 850°C. BaS
+ ZnSO,
, BaSO,
+ ZnS
Sie besitzen nahezu die Deckkraft von Bleiweiß, dunkeln aber nicht wie dieses nach. sind aber weitgehend durch Ti0,-Pigmente verdrängt worden. BaSO, wird als Füllstoff in der Papier- und Gummiindustrie verwendet. Bei Röntgenuntersuchungen dient es als Kontrastmittel.
Bariumperoxid BaO, Es wird technisch aus Ba0 bei 500-600 C und 2 bar im Luftstrom hergestellt 2Ba0
+ O2
500 C
2Ba0,
A f f " = - 143 kJ/mol
Bei höherer Temperatur und vermindertem Druck wird der Sauerstoff wieder abgegeben (s. S. 437). Mit verdünnten Säuren reagiert BaO, zu H , 0 2 Es wird zum Bleichen und als Entfarbunesmittel für Bleigläser verwendet. Ein Gemisch von BaO, und Mg dient als Zündkirsche beim aluminothermischen Verfahren. ~
4.1 0 Gruppe 1 (Alkalimetalle)
Ordnungszahl Z Elektronenkonfiguration
1.ithiun-r -.
Natrium
Kalium
Rubidium Caesium
3
11
19
37
55
[He] z s l
[Ne] 3s'
[ ~ r 4s' ]
[~rlss'
[xel
1,o
1,O
Elektronegativität Iofienradius r(Met) für KZ6 in prn Hydr;itationsenthalpie von Me' in kJ/rnol Reaktivität Reduktionsverrnöpen
76
102
- 51 9
-406
0,9 138 -
-+ -+
karminrot gelb
322
0,9
152 -293
0,9 167 - 264
nimmt zu nimmt zu violett
violett
blau
606
,'
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.10 Gruppe 1
607
4.1 0.1 Gruppeneigenschaften Die Alkalimetalle stehen in der 1. Gruppe des PSE. Sie haben die Valenzelektronenkonfiguratioii s'. Das s-Elektrun wird leicht unter Bildung positiver lonen abge!geben. Daher sind Alkalimetalle die reaktivsten Metalle und gehören zu den slärh. sten Reduktionsmitteln. Reaktivität und Reduktionsfähigkeit nehmen mit der Ordnungszahl Z zu. In ihren Verbindungen treten sie fast ausschließlich in der Oxidationszahl + 1 auf. Unter hohem Druck verhalten sich aber K. R b und Cs wie Übei. gangsmetalle. da das s-Elektron in ein d-Niveau wechsclt. Li und Na reagieren mit Wasser unter Hz-Entwicklung zum Hydroxid, ohne dnlj es zur Entzündung von H, kommt. Dagegen reagieren K und Rb unter spont;liiclEntzündung des Wasserstoffs, Cs reagiert explosionsartig. Die Hydroxide sind starke Basen. Wasserstoff wird zum Hydridion reduziert.
Wegen ihrer groRen Reaktivität kommen die Alkalimetalle in der Natur gebunden vor. wichtige Lithiummineralien sind: Amblygonit (Li. Na) AlPO,(F OH); Spodumen ~ i ~ l [ s i , O , ] ein , Silicat mit Kettenstruktur; Lepidolith KLi,,,AI „[AISi,O,,](OH, in Glimmer; Petalit (Kastor) Li[AlSi,O,,], ein Tektosilicat. F),. e Natrium und Kalium gehören zu den 10 häufigsten Elemcntcn der Erdkruste. Die meistvcrbreiteten Natriummineralien sind Tektosilicate: Natronfeldspat (Albit) Na[AISi,O,]; Kalk-Natron-Feldspate (Plagioklase), Mischkristalle zwischen Albit und Anorthit Ca[A12Si20s] In groRen Lagerstitten kommen vor: Steinsalz NaC), Soda N a 2 C 0 , . lOH,O, Trona Nii2C0,. NaHCO, 2 H 2 0 . Thenardit Na2S0,, Kryolith Na,[AlF6] (weitgehend abgebaut). GroRe Mengen NaCl sind iin Meerwasser gelöst. Es enthält etwa 3 % NaCl, die zehnfache Menge der Vorkommen an festein NaC1. Die wichtigsten Kaliumverbindungen kommen wie NaCl in Salzlagcrstätten vor: Sylvin KCI. Carnallit KCI - MgCl, 6 H 2 0 , Kainit KCI . MgSO, 3 H 2 0 . Die häufigsten Kaliummineralien sind Silicate, z. B der Kalifeldspat K[AISi,O,] und der Kaligliinmer Muskovit KAl2[A1Si,O,,,](OH, F),. Rubidium und Caesium sind Begleiter der anderen Alkalimetalle. Lepidolith cnthält ca. 1 % Rb. Ein seltenes Mincral ist das Tektosilicat Pollux Cs[AISi,O,] .0,5 H,O. In der Natur kommen die radioaktiven Isotope 'OK (Isotopenhäufigkeit 1 0 ' %) und ' ' ~ b (Isotopenhäufigkeit 28%) vor. Ihr Zerfall wird zu Altersbestimmungen (vgl. S. 18) genutzt.
Die thermischt: Stabilität der im NaC1-Gitter kristallisierenden Hydride nimmt mil z ab, die Reaktivität zu. Mit Sauerstoff reagiert Li unterhalb 130';C langsam zu Li,O. Dagegen verbrennt11 Na zum Peroxid Na20, und K. Rb, Cs zu Hyperoxiden MeO,. Dir Halogenide sind stabile lonenverbindungen, die mit Ausnahme von CsC1. CsRr und Cs1 (CsC1-Struktur) in dcr NaC1-Struktur kristallisieren. Die Alkalimetalle geben charakteristische Flammenfärbungen. D a der Ionenradius von NH: zwischen den Radien von K und Rb+ liegt, ähneln Ammoniumverbindungen den entsprechenden Alkalimetallverbindungen. Lithium unterscheidet sich in einigcn Eigenschaften von den anderen AlkalimelrilJen und ähnelt darin - hauptsächlich auf Grund des ähnlichen Ionenradius Mügnesium (Schrägbeziehung im PSE).
U
+
4.10.3 Die Elemente
Beispiele für die Ähnlichkeit: Die Löslichkeiten und Basizitaten von LiOH und Mg(OII), sind ähnlich. Die Phosphate, Carbonate und Fluoride von Li und Mg sind schwerlöslich. Li,CO, und MgCO, sind leicht thermisch zu zersetzen. Mit N2 bilden sich die Nitride Li3N und Mg3N2.die zu NH, hydrolysieren. Alls anderen Alkalimetalle bilden keine Nitride. LiCl und MgCI, sind im Gegensatz zu NaCl hygroskopisch. Die Oxidation im 0,-Strom führt zu den normalen Oxiden Li,O und MgO. Na bildet ein Peroxid, die anderen Alkalimetalle Hyperoxide. Alle Isotope des Elements Francium sind radioaktiv, das längstlebige Isotop :'!Fr hat eine Halbwertszeit von 21,s Minuten. In seinen Eigenschaften ist F r ein typisches Alkalimetall mit sl-Konfiguration und einer lonisierungsenergie von 3,8 eV. Es schmilzt bei etwa 30 'C und bildet analog den anderen schweren Alkalimctallcn die schwerlöslichen Verbindungen FrCIO, und Fr,PtC16.
I I
Kristallstruktur Schmelzpunkt in C Siedepunkt in C Sublimationsenthalpie in kJ/mol
Dichte bei 20 C in glcm3 Dissoziationsenergie von Me,-Molekülen in kJ/mol Standard~otentialin V
kubisch-raumzentriert 181 98 64 1347 155
881 109
754
90
39
688
86
608
4.10 Gruppe 1
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.10.3.1 Physikalische und chemische Eigenschaften Die Alkulime~allesind ~veicheMerulle (sie lassen sich mit dem Messer schneiden) und con geringer Dichte. Li, Na, K sind leichter als Wasser, Li ist das leichteste aller festen Elemente. Li, Na, K, R b sind silberweiß, Cs hat einen Goldton. Alle Alkalimetalle kristallisieren in der kubisch-raumzentrierten Struktur, Li und Na bei tiefen ~ e m ~ ~ . raturen in der hexagonal-dichtesten Packung. Schmelzpunkte, Siedepunkte und sublimationsenthalpien sind niedrig und nehmen mit steigender Ordnungszahl Z a b . D;, Gasphase besteht überwiegend aus Atomen und einem geringen Anteil von zweiato. migen Molekülen. Die kleine, mit Z abnehmende Dissoziationsenergie der Me,Moleküle spiegelt die abnehmende Fähigkeit zu kovalenten Bindungen wider. Die S~uridardpotcntiale.rind stark negutiv und werden vom Na zum Cs negativer, dem entspricht eine Zunahme des elektropositiven Charakters. Li besitzt einen anomal hohen negativen Wert des Standardpotentials, ist also um unedelsten. Für die Größe des Standardpotentials eines Redoxpaares Me/Mef ist die Energiedifferenz zwischen festen1 Metall Me(s) und den Me-Ionen in der Lösung Me+(aq) entscheidend. Dieser Über g an g kann in drei Einzelreaktionen zerlegt werden.
1. Me(s)
-+
Me(g)
Dafür ist die Sublimationsenthalpie erforderlich.
+
2. Me(g) -, Mef (g) e 3. Me+(g) -+ Me+(aq)
Es muß die Ionisierungsenergie aufgewandt werden. Es wird die Hydratationsenthalpie gewonnen.
609
Zusatz von Ca. 60% CaCI, auf etwa 600' C herabgesetzt. Bei zu hoher ElektrolysetemPerat~rlost sich das enstandene Na in der Schmelze. Kathodenreaktion: 2 N a + + 2e- 4 2 N a 2C1- 4 Cl, + 2eAnodenreaktion: Technische Einzelheiten sind in der Abb. 4.55 dargestellt. Lithium wird durch Schmelzelektrolyse eines eutektischen Gemisches von LiCl und KCI bei 450 C dargestellt. LiCl e r h d t man durch alkalischen AufschluB von spodumen. Im Labor wird Li auch durch Elektrolyse einer Losung von LiCl in pyridin gewonnen. Kalium wird durch Reduktion von geschmolzenem KCI mit metallischem Na bei g50°C hergestellt. Es entsteht eine K-Na-Legierung, aus der reines K durch Destillation gewonnen wird. Rubidium und Caesium werden durch chemische Reduktion gewonnen, z. B durch Erhitzen der Dichromate mit Zirconium im Hochvakuum. Cs2Cr,0,
+ 2Zr
500 'C
---. 2Cs + 2 Z r 0 ,
+ Cr,O,
Man kann auch die Hydroxide mit Mg im H,-Strom oder die Chloride mit Ca im Hochvakuum reduzieren.
Die besonders große Hydratationsenthalpie des Li+-Ions führt zu einer günstigen Energiebilanz des Gesamtprozesses und zu dem hohen Wert des Standardpotentials. Wegen ihres unedlen Charakters laufen die Metalle an feuchter Luft an, es bildet sich eine Hydroxidschicht; sie werden daher unter Petroleum aufbewahrt. In mit P,O„ getrockenetem Sauerstoff behält dagegen z. B. Na tagelang seinen metallischen Glanz.
4.10.3.2 Darstellung und Verwendung Verbindungen unedler Metalle sind chemisch nur schwer zum Metall zu reduzieren. Unedle Metalle werden daher häufig durch elektrochemische Reduktion gewonnen. Durch Elektrolyse wäßriger Lösungen ist ihre Herstellung nicht möglich, da die unedlen Metalle hohe negative Standardpotentiale besitzen und sich Wasserstoff und nicht Metall abscheidet. Man elektrolysiert daher geschmolzene Salze, die die betreffenden Metalle als Kationen enthalten. Durch Schme1,-elektrol~.~'~ werden technisch die Alkalimetalle Li und Na hergestellt, außerdem Be, Mg und in riesigen Mengen Al. Zur elektrolytischen Gewinnung von Natrium kann inan NaOH (Castner-Verfahren) oder NaCl (Downs-Vrrfahretr) verwenden. Beim jetzt fast ausschließlich angewandten Downs-Verfahren wird die Schmelztemperatur (Smp. NaCl 808 'C) durch
Abbildung 4.55 Downs-Zelle für die Schmelzelektrolyse von NaCI. Die Schmelzternperatur wird durch CaCI, auf 600 'C herabgesetzt. Pro kg Natrium werden
Li dient in der Metdilurgie als LegierungsbestandteiI zum Härten von Blei, Magnesium und Aluminium. 6Li2H wird als Kernsprengstoff verwendet (vgl. S. 24). Na ist Ausgangsstoff zur Herstellung von Na,O,, NaNH„ NaH, NaCN. Na-PbLegierungen dienen zur Herstellung des Antiklopfniittels Tetraethylblei Pb(C2H5),. In der Beleuchtungstechnik verwendet man Na für ~atriumdampfentladun@lan~Pen. in Schnellbrutreaktoren dient flüssiges Natrium als Kühlmittel. Im Labor ist es
\
610
4 Die Elemente der. Hauptgruppen
4.10 Gruppe 1
ein wichtiges Rediiktionsmittel und wird zur Trocknung organischer Lösungsn1ittel (Ether, Benzol) verwendet. Dir Alkalimetalle $palten bei Bestrahlung mit UV-Strahlung Elektr o n en ab iph,toelektrischer Effekt). Am geeignetsten ist Cs, es wird daher für Photozellen beniiizi, wird in der Medizin als Strahlenquelle verwendet. Es ist ein ((-Strahler mll einer Halbwertszeit von 30 Jahren.
61 1
Beispiele: 2BF3
+ 6NaH
BF,
+ 4NaH +
4 NaH
zon
c
+ 6NaF Ether, 125 C NaBH, + 3 N a F ( C H ? ) ~ ~ NaAIH4 + 3 NaBr 4
P -
B2H,
4
-----t
4.10.4 Verbindungen der Alkalimetalle 4.10.4.2 Sauerstoffverbindungen 4.10.4.1 Hydride
2
A/krr/i~m~/ul/c r<wgkrrlrtnil R/rr.,:scwlr!~'z~( srii<.hiolrrc[ri.\.c~I/ct~, ~I~c~uirodt.ricrr~~i,~~~/~ .\~(,/>ikm Hj.rlriclen. Sie kristallisieren in der NaCI-Struktur, die Gitterpunkte werden von Alkalimetallkationen und H--Ionen besetzt. Die berechneten Gitterenergien (Abb. 4.59) liegen zwischen denen der Alkalimetallfluoride und Alkdimetallchloride. Die Bildungsenthalpien AH; (Abb. 4.59) sind kleiner als die der Alkalimetallhalogenide, da bei den Halogenen die Reaktion $ X 2 e - + X - exotherm ist, während H endotherm ist (vgl. S. 384). Die beim Wasserstoff die Reaktion + H 2+ e kovalenten Bindungsanteile nehmen in Richtung LiH zu. Die thermische Stabilität nimmt vom LiH zum CsH ab. RbH z. B. ist sehr reaktiv, entzündet sich an der Luft und verbrennt zu RbO, und H,O. Lithiumhgdrid LiH ist das stabilste Alkalimetallhydrid (Smp. 686"C). Es kann aus den Elementen bei 600 "C dargestellt werden.
-+
Li
+ 0,5H,
--+
LiH
AH;
=
+
' ~ O H + LiOH
0 + H,
In etherischen Lösungen reagiert LiR mit vielen Halogeniden zu Doppelhydriden. 4 LiH
+ AICI,
, LiAIH,
+ 0,5H2 -+
NaH
In sehr reiner Form entsteht es nach der Reaktion
Peroxide Me,O,. Na,02 (vgl. S.436) entsteht durch Verbrennung von Na im Sauerstoffstrom.
+ 3 LiCl
Lithiumhydridoaluminat ist ein wichtiges selektives Reduktionsmittel. Natriumhydrid NaH entsteht bei 300-C aus den Elementen. Na
- 112
- 91 kJ/mol
Die Schmelze leitet den elektrischen Strom, bei der elektrolytischen Zersetzunp ent.. . wickelt sich an der Anode Wasserstoff. Mit Wasser entwickelt LiH Wasserstoff, pro kg 2,8 m 3 H,.
L&
-1
Alle Alkalimetalle bilden Oxide Me20, Peroxide Me,02 und Hyperoxide MeO, mit den Anionen 0 , - , 0;- und 0; (vgl. S.438). 2 1 3 -l,3 Es gibt außerdem Sauerstoffverbindungen des Typs Me,O„ Ozonide MeO, und Suboxide mit Oxidationszahlcn des Alkalimetalls 1. Erhitzt man Alkalimetalle an der Luft, entsteht aus Li das Oxid Li,O, aus Na das Peroxid N a 2 0 2 . während die schwereren Alkalimetalle die Hyperoxide KO, , KbO 2 , CsO, bilden. OxideMe,O. Die Oxide MezO mit Me = Li, Na, K, Rb kristallisieren in der Antifluorit-Struktur (vgl. Abb.2.10), Cs,O in der Anti-CdC1,-Struktur (vgl. S. 134). Li,O und Na,O sind weiß, K 2 0 ist gelblich, Rb,O gelb und C s 2 0 orange. Die Verbindungen sind thermisch ziemlich stabil und zersetzen sich erst oberhalb 500 'C. Li20 (Smp. 1570"C) entsteht auch bei der thermischen Zersetzung von LiOH. Li2C03 und LiNO,. Es wird in der Glasindustrie als Flußmittel verwendet. Na,O (Smp. 920°C) ist hygroskopisch, man erhält es aus Natriumperoxid mit Natrium.
AN* = - 57 kJJmol
Mit Wasser reagiert NaH stärker als Na, so da8 es zur Beseitigung letzter Wasserspuren geeignet ist. NaH wird als Reduktionsmittel verwendet.
Es ist bis 500°C thermisch stabil und ein kräftiges Oxidationsmittel, das technisch zum Bleichen (Papier. Textilrohstoffe) verwcndct wird. Mit oxidierbaren Substanzen reagiert es oft explosionsartig. WäOrige Lösungen reagieren alkalisch. da 0 : eine Anionenbase ist.
Li,O, wird industriell aus LiOH . H 2 0 mit H 2 0 , hergestellt.
612
4 Die Elemente der Hauptgruppen
2LiOOH. H,O
Erhitren
---+
Li202
4.10
+ H 2 0 2+ 2 H 2 0
Li,O, zersetzt sich oberhalb 195 C in Li ,O. K , 0 2 , Rb,02, C s 2 0 2werden durch Oxidation der Metalle in flüssigem Y H bei ~ - 60"C dargestellt.
Gruppe
I
01 J
Durch kontrollierte thermische Zersetzring von KO,, RbO,. CsOz erhält man Sauerstoffverbindungcn 2 0des Typs Rle,O,. Es sind Doppeloxide mit den Ionen 0:0 ; : (Mei),(02 ) ), . Phasenrcin entsteht Rb,O, durch Festkorperrcakiion aus R ~ , O , und RbOz bei 200 C. ozonide MeO,. Die Ozonide MeO, mit Me = Na, K, Rb, Cs, die das paramagnc+ischeIon 0; enthalten, können bei niedriger Temperatur durch Einwirkung von Ozon auf MeOH dargestellt werden.
,
V-
3MeOH(s) + 2 0 , Na,O,
+ CO,
-t
Na,CO,
+ 40,
Na,O, findet daher Verwendung in der Unterwassertechnik und Feuerwehrte~h~ik, das leichtere Li,O, in der Raumfahrttechnik. Hyperoxide MeO,. Bei der Oxidation mit Luftsauerstoff reagieren K. Rb, Cr Hyperoxiden.
Hyperoside sind nur mit den gro/3en AIkaliwiertrllkotior~rn~ t a h i l LiO, . wurde bei 15 K mit der Matrixtechnik isoliert. Es rersetzt sich bereits bei -33.C in Li202. NaO, erhält man durch Oxidation bei hohen Drücken. Na
+ 0, 4 5 ~ Na02 ;~ 150 bar
Oberhalb 67°C zerset7t es sich in Na,O,. KO,, orange (Smp. 380rC), Rho,, dunkelbraun (Smp. 412 C ) , CsO,. orange (Smp. 432 'C) kristallisieren in der tetragonalen CaC,-Struktur (Abb. 4.56).
Abbildung 4.56 Struktur der Hyperoxide Me02(Me= K,Rb.Cs). Die Struktur Iäßt sich von der des NaCl ableiten. Die Na+-Positionen sind von Me+-Ionen besetzt. die CI--Platze von 0,-lonen Da die 0;-Hanteln parillel zur :-Achse liegen, entsteht tetragonale Symmetrie.
-&
2MeO,(s)
+ M e O H . H,O(s) + $0,
SubOxide.Von Cs sind 9 Verbindungen mit Sauerstoff bekannt. Außer den schon besprochenen existieren noch folgende Suboxide:
CS,^
cs70 brori~efdrbcn, Srnp 4 C
Cs,103
rot~ioleti, schm~lztinkongrueni bei 10 C
violett. s c h m ~ l inkon~t grueiil bei 57 C
Cs- ,O
nichi stochiometrisch, oherc Zumnmciisetzung Cs,O, Z e h I66 r
Von Rb sind zwei Suboxide bekannt: 2Rb,0
-1
L
---t
Rb9O2
+ 3Rb
kupfedarbcn. \chmilzi inkoiiprucnt bei 30 C
Das Suboxid Cs, ,O, ist aus Cs, ,O,-Clustern (Abb. 4.57) aufgebaut, in denen drei OCs,-Oktaeder über gemeinsame Flächen verknüpft sind. Die Bindung innerhalb der Cluster ist ionogen. Unter der Annahme der Oxidationszahl 1 für Cs und - 2 für 0 sind die Cluster fünffach positiv geladen, sie werden durch die überschüssigen Elektronen metallisch aneinander gebunden: (Cs,, 0,)" 5 e-. Die Sauerstoff-MetallAbstände sind etwas kleiner als die Summe der Ionenradien, die Metallabstände zwischen den Clustern entsprechen denen im reinen Metall, die Metallabstände innerhalb der Cluster sind viel kleiner.
+
Abbildung 4.57 Struktur der Cluster K b , 0 2 und Cs„O,. Die Cluster sind aus flächenverknüprteri OMe,-Oktaedern aufgebaut. Alle Suboxide von Rb und Cs enthalten Rb,O,- bzw. Cs„O,-Cluster als Raugruppen.
'.
614
4.10 Gruppe 1
4 Dic Elemente der Hnuptgruppen
615
Die Cluster bilden mit Cs quasi intermetallische Phasen. Cs,O ist aus Cs, ,o,. Clustern und Cs im Verhältnis 1 : 1 aufgebaut, Cs,O im Verhiltnis 1 : 10 Die Rb-Suboxide sind aus Rb,02-Clustern aufgebaut, in denen zwei Oktaeder über gemeinsame Flächen verknüpft sind.
4.10.4.3 Hydroxide Die A/ku/irt~c~t(~///i~~(/ro.\-i(/c~ .sind rot1 L I / / P I I H ~ d r o . ~ id/i i~~srirttsrcw t~ B(l,scw. Sie te:,gieren mit Säuren zu Salzen, mit CO, und H2S zu Carbonaten bzw. Sulfiden. Ihre großtechnische Herstellung durch Elektrolyse von Chloridlösungen (C'illortllh ( I / ; ~ , / <1, tro!,,.vr) wurde bereits im Abschn. 3.8.10 besprochen. LiOH wird auch durch Umsetzung von Li2C03 mit Ca(OH), hergestellt. L
Li,CO,
+ Ca(OH),
-+
2LiOH
+ CaCO,
In analoger Reaktion wurde früher Natronlauge durch Kaustifizierung (kaustif~ieren = ätzend machen) von Soda hergestellt. Na,CO,
+ Ca(OH),
- ,
2NaOH
Abbildung 4.58 Schmelzpunkte der Alkalimetallhalogenide. Die Schmelzpunkte zeigen folgenden Gang: F > C1 > Br > I. In jeder Serie hat NaX ein Maximum (Ausnahme KI).
+ CaCO,
-
Aus wäßrigen Lösungen von LiOH erhält man das Monohydrat LiOH H,O, das zur Herstellung von Schmierfetten dient. Von den anderen Alkalimetallhydroxiden gibt es zahlreiche Hydrate, z. B. NaOH . nH,O mit n = 1-7. Bei den wasserfreien Hydroxiden nehmen die Schmelzpunkte von 471 C für LiOH auf 272 C für CsOH ab. NaOH (Ätznatron) ist eine weiße, hygroskopische. kristalline Substanz (Smp. 31gdC). Die Industrie benötigt große Mengen NaOH zum Aufschluß von Bauxit (S. 5559, zur Herstellung von NaOCl (S. 41 3) sowie bei der Fabrikation von Papier, Zellstoff und Kunstseide. Weltproduktion 2001 ca. 46. 106t. KOH (Ätzkali) (Smp. 360 C) ist eine weiße, sehr hygroskopische Substanz, sie wird daher als Trocknungsmittel und Absorptionsmittel für CO, verwendet. Technisch ist KOH wichtig für die Herstellung von Schmierseifen und wasserenthärtrnden Kaliumphosphaten für flüssige Waschmittel (die Kaliumpolyphosphate sind besser löslich als die entsprechenden Natriumsalze).
4.10.4.4 Halogenide Die Alkalimetallhalogenide sind farblose, hochschmelzende, kristalline ~eststoffe. CsCl, CsBr, Cs1 kristallisieren in der CsC1-Struktur, alle anderen in der N a C 1 - S t d tur. Der Gang der Schmelzpunkte ist in der Abb. 4.58 dargestellt. Gitterenergien und Bildungsenthalpien in der Abb. 4.59. Die Alkalimetallhalogenide können durch Reaktion von Alkalimetallhydroxiden MeOH oder Alkalimetallcarbonaten Me,CO, mit Hydrogenhalogeniden HX herge-
stellt werden. Von NaCl und KCl gibt es reichhaltige natürliche Vorkommen. Die Reinigung kann durch Umkristallisieren erfolgen. LiF (Smp. 848 C) ist im Gegensatz zu den anderen Lithiumhalogeniden schwerlöslich. Wegen der hohen IR-Durchlässigkeit werden LiF-Einkristalle als Prismenmaterial für IR-Geräte verwendet. LiCl (Smp. 613' C) kristallisiert bei Normaltemperatur als Hydrat, oberhalb 98 C wasserfrei. Die starke Solvatisierung des Li-Ions bewirkt die gute Löslichkeit von LiCl, LiBr und Li1 in Ethanol, was zur Trennung von anderen Alkalimetallhalogeniden genutzt wird. ~ I ~ . ; ( , / I ~ ;, ~~ (~I ~, IY. I~ C L I~ I I ~ ~ . ~ J ~ / ~ ~ und I I L / Iist I I I Aus~ NaCl (Smp. X08 C ) ;.F[ t / ; jt~~/~/.yl~.jp// gangsprodukt für die Herstellung von Na,CO,, NaOH, CI,. HCl und Wasserglas. Es wird überwiegend durch Abhau von Steinsalzlagern gewonnen, aber auch in großen Mengen durch Eindunsten von Meerwasser (Weltförderiing ZOO0 190 106 t. NaCl ist nicht hygroskopisch, das Feuchtwerden von Speisesalz wird durch Verunreinigung mit MgCI, verursacht (vgl S. 599). Die Löslichkeit von NaCl ist nur wenig temperaturabhängig (bei 0 C lösen sich 35.6, bei 100 C 39,l g NaCl in 100 g Wasser). Eis-Kochsalz-~ischuiigenkönnen als K N / ~ r ~ r i i i . ~ c ~ verwendet l / ~ / ~ i ~ ~ e werden. ~~/ (Ein Gemisch Eis : F.ochsalz im Verhältnis 3.5 : l schmilzt bei - 21 -C . KCl (Smp. 772'C) ;,Y/ (/U ii.;chiigrrc~Kri/iroli.r
4.10Gruppe1 CO;-
+ H,O
+
HCOj
617
+ OH-
Aus wäßrigen Lösungen kristallisiert unterhalb 32 C das Decahydrat w a , c o , . 1 0 H 2 0 (Krr~lull~odu) aus. Im Kristall liegen neben den CO<--Ionen -'-.L L~a2(~20)m *-Ionen ]2 vor, in denen jedes N a i oktaedrisch von H 2 0 umgeben ist, so daß eine Oktaederkante vorhanden ist. Bei 3,71,C schmilzt Kristallsoda imeigenen Kirstallwasser (siehe S. 618). Oberhalb 32 C entsteht ein Heptahydrat, dann ein Monohydrat und oberhalb 107 'C die wasserfreie Verbindung. soda wird überwiegend nach dem Ammoniak-Soda-Verfahren (Solvri~.-Pro:~$~) hergestellt, bei dem die relative Schwerlöslichkeit von NaHCO, ausgenutzt wird. Aus ejncr NaCI-Lösung, in die CO, und N H , eingeleitet wird, fällt NaHCO, aus. 2NaCI
+ 2H,O + 2 N H 3 + 2 C 0 ,
-t
2NaHC0,
+ 2NH4CI
N a H C 0 3 wird thermisch zersetzt, das entstehende CO, wird wieder in den Prozeß 2NaHC0, -1000
-t
N a 2 C 0 3+ H 2 0
+ CO,
-
Energie ( k J h 0 l I
Die andere Hälfte des CO, wird durch Brennen von Kalkstein gewonnen (vgl.
S. 601). CaCO,
,C
a0
+ CO,
Das C a 0 wird zur Rückgewinnung von N H , verwendet. Abbildung 4.59 Staridardbildungsenthalpien AN, und Gittereneqien Cl, von A1kaliinct;illhalogeniden und Alkalin~etallhydriden. Die Absolutwerte der Gitterenergien und der Standardbildungsenthalpien der Halogerii~ie zeigen folgenden Gang: F > C1 > Br > I. Bei jedem Halogen und auch bei H gilt für die Citterenergie: Li > Na > K > Rb > Cs. Der gleiche Gang ist für die Bildungsenthalpien nur bei den Fluoriden und Hydriden vorhanden. Die geringe Zunahme der AHE-Werte von Li zum Cs bei den Chloriden, Bromiden, Iodiden spiegelt die geringere Sublimationsenthalpie und Ionisierungsenergie der schweren Alkalimetalle wider, die nur bei den Fluoriden und Hydriden durch den Gang der Gitterenergie überkompensiert wird.
2NH4C1 + C a 0
-, CaC1,
+ 2 N H 3 + H,O
Die resultierende Bruttogleichung ist 2NaCI
+ CaCO,
-t
Na2C0,
+ CaCI,
und nur CaCl, entsteht als Abfallprodukt.
Kaliumcarbonat K,CO,
4.10.4.5 Salze von Oxosäuren Natriumcarbonat Na,CO,
K2c03 (Pottasche) ist eine weiße, hygroskopische Substanz (Smp. 894
C), die in der Seifenindustrie und zur Fabrikation von Kaligläsern verwendet wird. K 2 C 0 , kann nicht analog dem Solvay-Prozeß hergestellt werden, d a K H C O , - im Gegensatz zu NaHCO, gut löslich ist. Die Darstellung erfolgt durch Carbonisierung von Kalilauge -
N a , C 0 3 gehört zu den wichtigsten Produkten der chemischen Industrie und wird in der Glasindustrie (ca. 50 %), zur Herstellung von Wasserglas. Waschmittelil iiiid Natriumsalzen gebraucht. 1994 betrug die Weltproduktioii 3 2 . l o h t . d:ivon w a r w etwa 70?%synthetische Soda. Auf Grund der riesigen Naturvorkoiilmen in den USA wächst der Anteil an Natursoda. Wasserfreie Soda ( d c i n i e r t e Soda) ist ein weißes Pulver (Snlp. 851 C), das sich unter Erwärmung und alkalischer Reaktion in Wasser löst.
2KOH
+ CO,
-. K 2 C 0 3 + H 2 0
oder mit dem F or mi a t-P o tta s che-Verfahren. In eine wäßrige Lösung von ~ a l i u m s u l fat und Ätzkalk wird C O eingeleitet.
618
4.10 Gruppe 1
4 Die Elemente der Hauptgrupperi
Das abgetrennte Formiat wird zusammen mit KOH unter Luftzufuhr calciniert, 2HCOOK
+ 2KOH + 0,
-+
2K,C03
+ 2H20
Natriumsulfat Na,SO,
61Y
lo heißen Lösungen ist NaCl am schwersten löslich und kristallisiert zuerst aus, beim fällt dann reines KNO, aus ( A b b 4.60). KNO, (Smp. 339'C) ist im Geatz Z U NaNO, nicht hygroskopisch und wird in der P~rotechnik verwendet. gens oberhalb des Schmelzpunktes geht es unter Sauerstofhbgabe in Nitrit über. Es ist des Schwarzpulvers (vgl. S. 480) und ein wichtiges D u n g ~ ~ n ~ i t t p l .
Na2S04 erhält man durch Umsetzung von Steinsalz mit Kieserit 2NaC1 + MgSO,
-+
Na,S04
+ MgCI,
oder als Nebenprodukt bei der Salzsäureherstellung (vgl. S. 409). Loslichkeit in g1100g Wasser
Beim Abkühlen kristallisiert aus Na,SO,-Lösungen unterhalb 32 'C das Dccahy. drat Na,SO,. 1OH,O (Glaubersalz) aus, darüber wasserfreies Natriumsulfat (Smp. 884"C). Na,SO, wird in der Glas-, Textil- und Papierindustrie verwendet. Na,SO, ist im Karlsbader Salz enthalten. Bei Raumtemperatur verwittert Na,SO, . 10H,O, bei 32 'C schmilzt es im eigenen Kristallwasser. Ist bei Raurnteniperutur der Wcr.v.vc~rd~~rnpfiIrzit'k (>inesSc11~c.s g r $ k r (11sder @>I,\\(,,.dampf: Purtiulrlruck ili der Luli, gibt (11s Srrk Kri.strrllii~ca.sc~~. uh, cJs zrrii.ittr1.t. Aus Na,SO,. 1 0 H 2 0 entsteht durch Verwitterung Na,SO,. Wenn der Wu~~erriu~?~pf'-Purtiulrlr~~rk ciucs ir~u.s.serl~ultigc~n Sr11zes den / I 2 0 Pur t ialrlruck der gesiir tigten Lösung dieses Sulzes errriclit clc11ni sc./l~?lilzr CS i171 c ~ ~ ~ ~ I I c ~ , I Kristull~~ussrr. Bei 32cC erreicht der H,O-Partialdruck von Na,S04. 10H,O den H,O-Partialdruck einer gesättigten Na,S04-Lösung, oberhalb 32' C schmilzt deshalb N a 2 S 0 4 . 10H,O (Glaubersalz) im eigenen Kristallwasser unter Abscheidung von Na,SO,.
Perchlorate. Hexachloroplatinate
Natriumnitrat NaNO,
Schwerlöslich und zum analytischen Nachweis geeignet sind die Perchlorate MeCIO, und die Hexachloroplatinate Me,PtCl, (Me = K, Rb, Cs).
Naturvorkommen existieren hauptsächlich in Chile (Chilesalpeter). Die technische Darstellung erfolgt durch Umsetzung von Soda mit Salpetersäure.
Kaliumhaltige Düngemittel
.
Na,CO,
+ 2HN03
-+
2NaN0,
+ H,O + CO,
NaNO, (Smp. 308 C) ist isotyp mit Calcit (Abb. 2.20). Es wird hauptsächlich als Düngenlitte1 und zur Herstellung von KNO, verwendet.
Kaliumnitra t KNO, KNO, (Kalisalpeter) wird entweder aus K,CO, mit HNO, hergestellt 2HN03
+ K,C03
+
2KN03
+ H,O + CO,
oder durch „Konversion" von NaNO, mit KCI. NaNO,
+ KCI + KNO, + NaCl
Abbildung 4.60 Löslichkeit der Salze des Gleichgewichts N r N O , in Abhängigkeit von der Temperatur.
+ K C l + K N O , + NaCl
Die wichtigsten Kalisalze. die als Düngemittel (Weltproduktion 2000 26 10" 1. herechnet als K 2 0 ) Verwendung finden. sind: KNO,, KCI. Carnallit K M ~ C I , 6 H 2 0 . Kainit KMgCI(S0,) 3 H 2 0 , K2S04.Schönit K,Mg(SO,), 6 H 2 O Viele I Y h z e n (z. B. Kartoffeln) sind allerdings gegen Chloride empfindlich. (KNO, und NH4CI) soKaliumhaltige Mischdünger sind ..Kaliamm~nsalpeter'~ wie ,,NitrophoskaL' und ,,Hakaphos" (siehe Phosphate S. 494).
620
4 Die Elemente der Hauptgruppen
L
4.11 Umweltprobleme Seit Beginn der Industrialisicriing hat die Weltbevölkerung exponentiell ZU^^^^,^„,men (Abb. 4.61 a). Seit 1960 hat sich die Weltbe\~6lkerungverdoppelt, dies entspricht einer Wachstumsrate von 1.7%. Auch die globale Industrieproduktion nahln ponentiell zu (Abb. 4.61 b). Von 1970-90 betrug die Wachstumsrate durchschnitilich 3.3 %, die Verdopplungszeit also 21 Jahre: die Produktion pro Kopf nahm j;illllich um 1.5 Y,, zu. Wie Bevülkerungswachstum und Industrieproduktio~iwar aiicll <jLiS Teinpo technologischer Entwicklungen exponcntiell In vielen Brrrichcii der F ~ , . schung und Wissenschaft sind in den letzten Jahrzehnten größere Fortschritte clrifIt worden als in der bisticrigen gerainten Geschichte der Wissenschaft, P:lraIIeI CI;,^^^
„-
Index 1963 = 100
1 1 - 1
4.11 Umweltprobleme
wuchs aber auch die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen und die Erschöpfung Rohstoffe droht. I n einiger1 Bereichen sind die Grenzen der Belastbarkeit der Erde nahezu erreicht oder schoii iiberschritten. Die Menschheit ist dadurch von einer Größenordnung herausgefordert. die völlig neu in ihrer Geschichte sind und zu deren Lösung die traditionellen Str~ikturenund Institutionen nicht mehr ausreichen. Sie können n u r international gelöst werden. Ein Beispiel mit globalem Charakter ist das Ozonproblem. Es zeigte sich. d a ß es möglich w;ir, rasch und wirkungsvoll eine internationale Übereinkunft durchz~isctZ„, sobald erkannt wurde, d a ß dies ~inerläßlichsei. Aber dazu war die weltncite zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Technikern. Politikern und Organisationen Beim Treibhauseffekt,der das bedrohlichste und arn schwieri,(lsteti Z U lösende Urnweltproblem ist, stehen wir noch uni Anfang. Kenntnis und Erkenntnis des Ausmaßes der Uniweltproble~neund der daraus resultierenden Bedrohung der Menschheit selbst sind Voraussetzungen zum notwendigen raschen Händeln. Dazu soll dieser Abschnitt etwas beitragen. In zwei Abschnitten weiden wesentliche globale Umweltprobleme und einige regionale Umwcltprobleme behandelt. Sie nehmen Bemg auf chemische Verbindungen, die im 4. Kapitel besprochen wurden und beschränken sich auf diese. Urnfrissende Darstellungen und wichtige Quellen dieses Abschnitts sind: A. Heintz, G . Reinhardt, Chemie und Umwelt 4. Aufl.. Vieweg Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1996. Donella und Dennis Meadows, Die neuen Grenzen des Wachstums, Deutsche Verlags-Anstalt G m b H . Stuttgart 1992. Daten zur Umwelt Ausgabe 2000. Umweltbundesamt. Erich Schmidt Verlag G m b H lk Co.: Berlin 20001. Umweltdaten Deutscliland 2002, Umwcltbundesamt. Emissionsdaten, Umweltbundesamt Januar 2004. hternet www.ippc.ch.Summary for Policymakers 2001. Der Fischer Weltalmanach 2004, S. Fischer Verlag G m b H , Frankfurt a m Main 2003.
4.11 .I Globale Umweltprobleme 4.11.1.1 Die Ozonschicht
Abbildullg 4.61 Wachstuin der WeltbevOlker~ing.2003 betrug sie 6.3 Mil1i;irdc.n. Trd/ Verringerung der Wachstumsrate Prognose f i r 7050 9 Milliarden. b ) Globale Industrieproduktion - , Inhstrieproduktioii pru Kopf -. Das Bruttosozi:ilpr<~dukt zeigt weltweii drastische Unierschiede. 2001 bctriig es pro Kopf in Liixeiiibiirg 39840 Dollar (höchster Weri). i t i Deuischl;ind 23 560. in Äthiopien 100 I)ollar (niedrigster Wei.t).
621
622
4 Die Elemente der Haup~gruppen
4.11 Umweltprobleme
Tabelle 4.21
Eigenschaften einiger Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW)
Y
I
Fomiel
Name
Siedeuunkt C
Verwendung
Vcrwcilzcit in Weltproder Atniosphäre duktion 1985 Jahre t
&I$
FCKW 11 FCKW 12 FCKW 113
+ 24 - 30 + 48
T, PUS. PSS. R T, K.PSS R
65-75 100-140 100 135
cclzFz CC~F~-CCI,F
I
Abb. 4.62 Spurcngaskonzcnra~ionin dcr Stratosphlire. In der Stratosphiireexistiei-t eine Ozonschicht mit einer niaximalen Konzenir;ition voll 10 1 1 ~ , ~ ~ ~ . also einem Partialdruck der hunderttausendinal kleiner ist als der Gesamtdruck. (Als p:iListregel gilt. daß der Druck in der Höhe alle 5.5 kni auf die Hiilfte fiillt.) Die Koii7eiltratioll anderer Spurengase (N,O. CH, und CH,CI) ist nocli wesentlich kleiner, sie sind aber am Abbau von Ozon beteiligt. (ppni bedeutet Part per million. 1 ppm = 1 Teil auf 10' Teile)
I
I
300 000 440 000 140 000
T = Treibgas, PUS Polyurethanschuumherstellung. PSS P o l y s t y r o l s c h a u r n t ~ e r s t e l l ~ ~ ~ ~ . R = Reinigungs- und Lösemittel. K = Kältemittel in Kühlaggregateri. FCKW sind gasförmige oder flüssige Stoffe. Sie sind chemisch stabil, unbrennbar, W'.armedämmend und ungiftig. Auf Grund dieser Eigenschaften werden sie vielfach verwendet und sind nicht leicht Z U ersetzen.
Die NO-Radikale zerstören in einem katalytischen Reaktionszyklus Ozonmoleküle. N O + O3 NO,+O
0, + 0
Reaktionsbilanz
R i l ( l ~ l l 1111t1 1 ~ .4hh(111 ~ ~ . ~ I IZ II II ~ , I 'I ~ I IGP lIc~~I i c ~ I ~ gDie ~ ~Bildungsgeschwindigkeit ~~.i~~l~~. von 0, erhöht sich mit wachsender 0,-Konzentratioii und mit zunehmender Intensitiit der UV-Strahlung. Mit abnehmender Höhe führt die zunehmende 0,-Konzentration daher zuniichst zu einer Erhöhung der Bildungsgeschwindigkeit. dann jedoch \\.ird die harte UV-Strahlung immer stärker geschwächt und die B i l d ~ n ~ s ~ e s c h w i n d i g k ~ i t nimmt ab, die 0,-Konzentration inuß ein Maximum durchlaufen. Die gemessene Ozonkonzentration ist aber etwa eine Größenordnung kleiner als die nach obigem Mechanismus berechnete (Abb. 4.62). Ursache dafür sind i w t i i r i i t ,. <'~ltstol1(k~llc~ .~/)LIIIJII~ wie < ~ CH„ ~ I . \ ~ H,O, N,O, CH,CI. die zum Ozonabbau beiti-iigen. Als Beispiel wird die Wirkung von N,O behandelt. Durch U V - S t r r i h h ~ (; < 320 nm) wird N,O gespalten, die entstandenen 0-Atome reagieren mit NzO zu NO-Radikalen.
623
+
+
NO, 0, NO+O,
+
20,
+
Reaktionskette
Nicht nur natürlich entstandenes N,O. sondern auch N,O anthropogenen Ursprungs (Hauptquelle Stickstoffdüngung) gelangt in die Atmosphäre. Zum ersten Mal wurde 1974 vor einer möglichen Gefährdung der Ozonschicht I ~ r11lc~i11 ~ I . SF111oi.~J. durch FCKW gewarnt. Es ist jetzt sicher, c i i ~ / l ~ r ~ o p o , ySc ~~~Lr rI I . ~ ~ I1.01. chlorkohlen itws.cc~r.stoffi~( FCK 111'1. trhcjr. er~rc.11 .VzO i . c ~ ~ . ~ l l . . s ( r c , l r ctlcw ~ r ~ /ic~ol,trc~litc~/c.ri '.lhbau der O : o ~ ~ s ( h i <(ihre . l ~ t Mitwirkung ain Treibhauseffekt wird im Abschn. 4.11.1.2 besprochen). Die FCKW (Tabelle 4.21) sind chemisch inert. sie wandern daher unverändert durch die Troposphäre und erreichen in ca. 10 Jahren die Strutosphäre. Sie iiwcic.11 dort in Höhen ab 20 km ( l i l r c h L ' k ' - . T / ~ ~ r ~ / (i ~ l i< n~ 220 g nm) rll~tc,~. Lli/tl~nl:. vor? 0 . 4 t0111c11~ C . S ~ N / I C W . CF,CI
+
CF,
CI
+
O3
+0 0, + 0
C10 Reaktionsbilanz
+ C1
-
+
O2 CI t 0,
+
20,
+
1
Reaktionskette
Die Konzentration von natürlichem C1 in der Stratosphäre wird auf 0.6ppb Fschätzt. bis 1993 hatte sich der Cl-Gehalt auf 3.4 ppb fast versechsfricht (1 ppb = 1 Teil auf 109 Teile). Insgesamt ist der Ozonabbau durch FCKW jedoch. besonders über der ~ n t a r k t i s , viel komplizierter. In der globalen Stratosphiire ist der Ozonabbau z. B. von ~ e a k timen beeinf ußt, durch die C'IO der Reaktionskette entzogen wird. Dies sind:
624
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.1 1 Urnweltproblenie
625
peaktion mit Stickstoffdioxid zum stabilen Chlornitrat
Aerosol ;Konzentration
hiwilk.Einheiten)
C10 + N O ,
CIONO,
-t
peakti011 mit Stickstoffmonooxid zu Stickstoffdioxid: dieses wird durch CV-Strahlung ( j . < 400 nni) gespalten. es entstehen Sauerstotfatonie, die wieder 7u Ozonniolekülen 'eagicren können. CIO+NO
NO,+C1
--+
NO, LN O + O I
I
1
I
i
I
O + 0,
0,
---+
seit 1984 wurde beobachtet, d a ß über der Antarktis im Frühling (September und oktober) die Ozonkonzentratiori drastisch abnimmt. Dieses sogcnannte O:O,~IOCII vertiefte sich von Jahr zu Jahr. In dcn Jahren 1993 bis 1995 betrug der Ozonverlust bis zu 70°/; im Vergleich zum Mittel dieser Jahreszeit vor Mitte der siebziger Jahre und das Ozonloch hatte 1992 eine Ausdehnung von etwa 10 0/o der Gesamtfläche der Südhemisphäre. Im November und Dezember nimmt die 0,-Konzentration wieder zu, und das Ozonloch heilt weitgehend aus (Abb.4.63a). Die wahrscheinliche Erklärung dafür ist die folgende: Im Polarwinter entsteht über der Antarktis durch stabile Luftwirbel ein von der Umgebung isoliertes ,.Reaktionsgefäß" für die in der Atmosphäre wirksamen Stoffe. Während der Polarnacht finden keine photochemischen Reaktionen statt, da kein Sonnenlicht in die Antarktisatmosphäre eindringt. Bildung und Abbau des Ozons „frieren ein", die photolytische Bildung von O-Atomen findet nicht mehr statt. Die katalytisch reagierenden Teilchen C1 und C10 werden verbraucht, z. B. nach
+
C10 NO2 C10 + O H C l + HO,
4
4
-+
ClONO, H C l + 0, HCI +0,
Die Stickstoff-oxide reagicren zu Salpetersl-iure NO + HO, HNO, NO2 + 011 -. HNO, -+
Äquator
h
ibb. 4.63 a) Zeitlicher Verlauf von Ozoninenge. Temperatur und Aerosolkon~riiti-atioiider tratosphärischen Wolken über der Antarktis in 17 km Hölle für das J*,I h r 1984. Währeiid .er Polarnacht fiillt die Temperatur, und es bilden sicli stratosphärische Wolken. Nach Ell~k er Polarnacht sinkt die Ozonkonzeritration drastisch. es entsteht das Ozoiilocli. das bald k d e r ausheilt. (Die Oronkonzeiitration ist in Dohson-Einheiten (D. U . ) angegeben. I D. LI. fitspricht einem Hundertstel nini und bezieht sich :iuf die Dicke der Ozoiischiclit. die m1:ünde. wenn das Ozon bei Standardbedingungen vorläge. Wenn die Dobsoii-Einheileil untcl' 00D.U. liegen spricht man von einem Oronl
(Die Kadikale 0 H und HO, entstehen photolytisch aus H20-Molekülen nach
1 1 ,O H + H (/, 185 nm) und 0, + OE1 -. O2 t HO2.) Bei Temperaturen bis - 90 C bilden sich Stratosphärenwolken, die kondensiertes Wasser und Salpetersäure enthalten. An den Oberflächen der Aerosolteilchen dieser Wolken können mit dein Chlornicrat die Reaktionen CIONOz + HCI CIONO, H,O
+
-+
-+
+
Cl2 HNOi HOC1 + HNO,
ablaufen. Wenn Ende September die Zeit des Polartages anbricht entstehen Cl-Atome in hoher Konzentration.
626
4 Die Elemerite der Hauptgruppen
~ u r c hAbbau des Ozons kühlt sich die Stratosphäre a b und der positive TemD a desaktivierende Stickstoffoxide nicht vorhanden sind, bewirken die ( . l - , ~ ~ o m , einen drastischen Ozoniibhau. D a bei beginnendem Polartag aber nicht ;iusrsiclicnd 0 -A t o m e durch photolytisclie Spaltung aus 0: oder 0,für die Rückbildurig Ci aus C I 0 zu Verfügung stehen (Licht mit .; < 310 nm ist nur in sehr geriligci I,]ierisität vorhanden), nimmt man folgenden Mechariibrrius an:
„,
-+ -+
+
C10 C10 C1202 C1202 I'lt Cl CIO, CIOz Cl 0, Der Ozonabbau in der Nordhemispliire ist geringer. Für die Ozongehalts siiid ;iiifier den chemischen Prozessen Umverteilungen durch Transportvorg"ange wesentlich. Ein Ozonloch wurde nicht bcubachtei. aber die Ozonverluste auch über bewolllltcn Gebieten (Europa, Sibirien) betragen bereits 20°4. Der Gesamt-Ozongelialt hat in den letzten 30 Jahren global uni 1 0 % abgco,>inmen. Für den Zeitraum 1978-1991 sind die Ozonabnahmetrends in Ahlili~igi~kcit von geographischer Breite und Jahreszeit in der Abb. 4.63 b dargestellt. Als Folge der Ausdünnung der Ozonschicht hat die Intensität der UV-Slrahliiiig zugenommen. In mittleren südlichen Breiten z. B. ist sie um 6 % erhöht.
~
~
Wellenlänge I in nm ---
4.64 Son~ienlichtspcktrum.W i r k ~ 1 der 1 ~ Ozo~~schiclii. - Das Sonnenlichispektrum auljerlialb der Lufthülle. Das Spcktruiu aiii Ei-dbiiJtli. maximale Strshlunpsiiitcnsit~tliegt bei 480 nm, ini grüiieii Bereich daa sichtb;iren St7i.LDie UV-B-Strahlurig erreicht der1 Erdboden nicht. Sie wird im Bereich 310-74) n l l i O n 0, und im Bereich < 240 tim voii 0, fasi vollstiiidi~. absorbiert.
%b.
-
Peraturkoefli~ie~it schwächt sich ab. Die Folge ist eine erhöhte Durchlässigkeit für den ~tofftransport7wischen Troposphäre und Stratosphäre. Anthropogene Spurengase können leichter in die Stratosphäre eindringeii und sie angreifen. Außerdem ,ird dadurch das Auftreten polarer stratosphärischer Wolken begünstigt, die maßgeblich a m Ozonabbau in polaren Regionen beteiligt sind. D;', ~ ~ ( ~ l l . \ ~ . /i.s/ l i cflir / / /i10.s LO/)OII [i~if'dc,iEi~rlc~ clh.\olilt riotii.ci~di:r. Sie schützt wirksam gegen die gefährliche UV-B-Strahlui-ig (Abb. 4.64). Ihr Abbau bewirkt nicht nur vermehrte Hautkrebserkrankungen und Augerlscliäd~guiigen.sondern vor allem die Gefährdung des Meeresplanktons, das das Fundament der Nahrungsketten in den Ozeanen ist. Eine Schädigung vieler Populationen wäre die Folge. Wegen der verringerten Photosynthese sind Ernteeinbuljen zu erwarten. 1974 erschien die erste wissenschaftliche Arbeit über dic Gcfiihrdung der Ozonchicht durch FCKW. Aber erst 1985 a1:irniierte die Entdeckung des Ozonloches s die WeltöKcntlichkeit. Die Weltproduktion von F C K W betrug 1947 1,l Million t (vgl. Tabelle 4.21). Seit 1981 erfolgte ein jährlicher Anstieg der F C K W in der Strat:.xphäre um 6 % . 1957 kam es in Moritreal zum ersten internationalen. historisch bedeutsamen Abkommen. Bis 1999 sollte die FCKW-Produktion stufenweise um 50% verringert werden. Die alarnlierenden Nachrichten über die Vergrößerung des Ozonloches führten zu verschärften Maßnahmen von London (1990). Kopenhagen (1992), Wien (,1995), Mnntrcal (1997) und Peking (1999). Die Industriestaaten verpflichteten sich bis zum 1.1.96 Produktion und Verbrauch von vollhalogenierten FCKW zu stoppen. Für die Entwicklungsländer gilt ein etappenweiser Ausstieg bis 2010. In Deutschland erfolgte der vorzeitige Ausstieg bei der Verwendung bereits 1993 und bei der Produktion Mitte 1994. Insgesamt kann ein Erfolg der iiiternationalen Maßnahmen zum Schutz der Ozonscliicht festgestellt werden. Weltweit konnte die Produktion von vollhalogcnicrten F C K W bis 1997 um X5"1'0 gesenkt werden. Die Gesamtmenge der ozonschiidigenden Substanzen erreichte 1994 in der unteren Atmosphäre ihren Höchstwert und nimnit seitdem langsam ab. Die Abnahme des stratosphärischeii Ozons über den mittleren Breiten hat sich verlangsamt. allerdings tritt das Ozonloch unvermindert auf. Es hatte sogar 2000 die bisher größte Ausdehnung von 27 Millioiieri km 2 . Meteorologische Bedingungen beeinflussen die Ausdehnung des Ozonlochs und verursachen Schwankungen. Wegen der langen Verweilzeit dcr F C K W in der Stratosphäre (siehe Tabelle 4.21) sein. Frijhc~stc~ri.\(111 2010 ii,irt/ .si<,hclcif'(;l'l(llc/ werden diesc aber noch lange &,Y ~ / / [ / l l ~ j ~ l / j ~ /
4.1 1 . I . 2 D e r Treibhauseffekt
Beispiele für den Zeitraum 100 Jahre (dieser gilt auch für spätere Beispiele):
Die Temperatur der Erdoberflächc wird hauptsächlich durch die Intensität der ciii. fiillenden Sonnenstralilung bestinimt. Die Oberflächenteniperatur der Sonne beti-iigi 5700 K, die maximale Str:zhlungsii-itensität liegt im sichtbaren Bereich (Abb. 4.64,. Der größte Teil der einfallenden Strahlung wird auf der Erde in Wärme umgeRall. delt und als terrestrische Strahlung von der Erde abgegeben. 30°,0 der einhllei1dcn Strahlung wird als sichtbares Licht in den Weltraum zurückgewoi-feil. Diesen A ~ ~ teil nennt man die .4111l~lloder Erde. Es muD Strahlungsgleichgewiclit herrscllcii, d . h. pro Zeiteinheit muß die Energie der einhllei-iden und abgegebenen Strahliiil~, 2 gleich groß sein. Die. l~l~i.l~c~liric~/c~ . S ~ r ~ c ~ l i l ~ r r i , y . ~ ~ l c i l ~ I ~ g ~ ~ i i ~ tlcr. i c ~ lt.i-& i / . s t /~I ~~,r/ r, ~. , /, ~ ~ er~~~tr~r. 25.5 ,Y = I X C'. Dieser Temperatur entspricht eine terrestrische Strahlung ini I R Bereich. Die t~i~.~iic~lilic~/ic~ tiii/tlcw f i ~ i i ~ p c i ~ i111,r t ~ rEi~iloI~i~r~flii~~lic~ i. /w/i~';~g I (1171~. 2cScS ,Y = 1.i ( D k D;fli,rci~zron 33 h' 11~11//t / ? ~ i / i( /iN I iiriti~/~lic~/ioii 7 ~ ~ l ~ i / ~ / 7 ( 1 ~ t , sEr. c ; f11,it.(/ l i ~ k t(/I,,.(,/~ . I/orlir~t~tl~ri.si~iri rklr At~~o.v/)liii~.l~ i.c~~.ii/..sr~/it. Der größte Teil der IR-Strahlung hird von Spurengasen der Atmosphäre absorbiert. als Wärmeenergie in der Atl-iiospliäie g,espeichert und von dort zum Teil an die Erdoberfläche z~irückgestrahlt.Es koniiiit zu einen1 „Wärmestau" und dadurch zu einer Erhöhung der mittleren Teinperatiir der Erdoberfläche. Die wichtigsten natürlichen Spurengase sind H,O-Dampf, CO,. N,O, CH, und troposphärisches 0 , . Die Anteile der Spurengase an1 natürlichen Treibhauseffekt enthält Tabelle 4.12. Die Hauptheiträge stan-imen von H,O-Dampf (einschließlich Wolken) und CO,. -
\,
Nicht nur die Str;ihlungsintensität der Sonne, sondern auch die Z i i i ~ ~ i i i i r i i ~ i i . i e ~ ~ : i ~ i i , ~ der f i . ( / ( l ~ ~ ~ ) , ~ phlit /~< also l i//n~//g(uc~ icriirsac/lc~lpiiieii :u.~~iit:Ii~,/i~r~ ~ i i i / l ~ i ~ o / ) ( ~E g l~~ci~~ icl ,~~l i ( ~ ~ r . s l ~ f ~ ~ A - / . ßa,t ~ ~ i c h t ikyl .i ~n i~~~r < ~ I eSpurrtiyas i ~ ~ t ~ ~ ist CO.. Di<>K(~tixntrutionioil C O bar in den le1:i~ti 200 Jdiroi u i 30 ~ I. von 280 i ~ f 3 7 0 p p i n:irgcnwnitien (Abb. 4.65). In den letzten 40000 Jahren war die Konzentration von CO, niemals so hoch, noch nie hat es in den letzten 20 000 Jahren einen so explosiven Anstieg g e g b e n . 10 000 Jahre lang betrug die Konzentration von CO, 280 i 10ppm. Die Haupiur.sochen dieses Anstiegs ritid die li~rhrennunyf'orsilc~r Br<>ntistqjji.(Kohle. Öl. Gas) utid ( k s Abhoteii der RqeriwiMer. Im 20. Jahrhundert hat sich der Verbrauch a n Primirenergie etwa verzehnfacht. 90 O/O der Primärenergie wird durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt (Abb. 4.66). Von 1990 bis 1999 wurden pro Jahr durch
Tabelle 4.22 Anteil der Spurengase an1 natiirlichen Treibhauseffekt
AT i n K XAT=33K
H.0 (Dampf) CO,
0, (Troposphire) N 2 0
CH,
Resi
20.6
2.4
0.8
0.6
7,?
1.4
Die CViikung r1c.i. fi~ihlirri~.s~~ci.c<. h<~rulitrlrti.r~uf:(/U/{ sie .sic~lithc~i.~~.s Lir.lit iric.ltt ril).c.o/.hiereil, ahcr,fur I R - S / ~ . u l ~ l ustrrikc~ r i ~ Brrritlen C,.\-is~irreii. Der Anteil der Spurengase am Treibhauseffekt hängt aber nicht nur von ihrer Konzentration ab, sondern auch von ihrer spezifischen Fähigkeit die Infrarotstrahlung der Erde zu d* b sorbiereii. DeiTreibhauseffekt verschiedener Spurengase wird mit dem G wP- Il,i.r.t (Global Warming Potential) verglichen. Der GWP-Wert ist ein Relativwert, der angibt wie treibhauswirksam ein Stoff über einen bestimrilten Zeitraum, z. B. 20 Jahre oder 100 Jahre. im Vergleich zur selben Masse CO, ist. D,'1 d urch wird auch die Abnahnlc der Spurengase im angegebenen Zeitraum berücksichtigt, also ihre Verweilzeit. Der GWP-Wert vermittelt also außer der Absorptionsfähigkeit auch die Lebensdauer der Spurenmoleküle und iindert sich natürlich mit dem gewählten Zeithorizont.
Abb.4.65 Anstieg des CO1-Gehalts der Erdatmosphenen;irl benist d i r Zeit111dht;~h.
630
I
4 Die Elemente der Hauptgruppen
,Photosynthese
Wasserkraft Kernenergie
I
3
/
Atmosphare 720 7
Naturgas
6.3 --
Biosphäre 830 (lebend] Pedosphäre 1770 (tot\
Mineralöl
Lithosphäre 66000000
Kohle
60
-92
-90
~-
Oberflächenwasser 700 tiefer Ozean 37000
=
lo9tC pro Jahr Einheiten der Ströme 109tC Einheiten der Reservoire I
Abbildung 4.66 Zunahme des globalen Primärenergieverbrauchs seit 1950. 2002 betrug die Weltenergieerzeugung 402000PJ, 87% wurden aus fossilen Brennstoffen erzeugt. In Deuts,-]iland wurden 14 300 PJ Primärenergie verbraucht (3,6 % der Welterzeugung), davon 84 0/o aus fossilen Brennstoffen (Peta P = 10'"). Anteile der Energieträger am Primärenergieverbrauch in % Welt 2002 Kohle Mineralöl Naturgas Kernenergie Wasserkraft
--
Deutschland 2002 25,s 37,3 24,3 65 6,3
Kohle Mineralöl Naturgas Kernenergie Wasser/Wind/Sonstiges
24,X
-
37.5 21,7 12,6 3.4
Abbildung 4.67 Schematischer Kohlenstofkreislauf Bei der Photosynthese werden aus CO2 und N,O mit der Energie des Sonnenlichts Kohlenhydrate erzeugt. Dabei werden der Atmosphäre jährlich 120 - 10' t C entnommen. Die eine Hälfte der Kohlenhydrate wird in der Biomasse der Pflanlen eingebaut. die andere Hslfte dient zur Energieproduktion der Pflanzen, Kohlenstoff wird dabei durch Oxidation als CO, an die Atmosphäre abgegeben (Veratmung). AUSder Biomasse wird durch Mikroorganismen CO, erzeugt. Nur 0.1 10qt C aus der Bio„Se werden in den Sedimenten gespeichert und dem KohlenstoRl
+
Verbrennung fossiler Brennstoffe 6,3. 109t C an die Atmosphäre abgegeben. Zwischen der Atmosphärc und der Oberfläche der Ozeane findet ein langsamer CO2Austausch statt und von den Ozeanen wurden 1.7 , 1 0 5 C/Jahr aus der Atmosphiirc aufgenommen. Die Biosphäre nahm 1,4. l o g t C/Jahr aus der Atmosphäre auf und es verbleiben also 3.7. 109t C/Jahr als COz in der Atmosphäre (Abb.4.67). D u r c h Abholzen und Brandrodung von Wäldern* ist die CO,-Aufnahme durch die Biosphäre erheblich vermindert und wirkt wie eine CO,-Abgabe. 1980-1989 waren dies 1,7 .10" CiJahr (Abb. 4.67). In den letzten 70 Jahren betrug die Zunahme des CO Z -Gehalts in der Atmosphiire 0,4% pro Jahr. Bei gleichbleibender Konzentrationszunahme würde in 100 Jahren der CO,-Gehalt auf etwa 550 ppm ansteigen.
* 1990-2000 nahm der Bestand tropischer Regenwälder um 7 % ab. Über die Hälfte aller Arten der Erde leben iin tropischen Regenwald. Seine Zerstörung führt zu einem nicht wiedclgut zn machenden Verlust von Lebensformen. Außerdem ist der Regenwald ein wiclitigcr Wasserspeicher.
~ Atmosphäre seit 1600. Abb.4.68 a ) Zunahme des CH,-Gehalts i i der b) n i e CH,-Konzentration nimmt linear mit dem Wachstuni der Welthvdkerung
ZU
632
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.11 Umweltprobleme
Weitere anthropogene Treibhausgase sind Methan CH,. Distickstoffoxid N,o. ~luorchlorkohlenwasserstoffeFCKW, perfluorierte Kohlenwassersto~eFKW uii
Anteil in %
Co2
CH4
N2O
FCKW
60
20
6
14
Die Tabelle 4.23 enthält die Anteile der wichtigsten langlebigen Spurengase CO,. CH,, N,O und FCKW am gegenwärtigen anthropogenen Treibhauseffekt. Sie verursachen hauptsächlich die Zunahme der globalen mittleren Oberflächeatemperaiuium 0,6 0,2 K. Auch Ozon ist ein wichtiges Treibhausgas. Trophosphärisches Ozon wird nicht direkt emittiert. sondern es entsteht durch photocheinische Reaktionen (siehe Abschn. 4.11.2.3). Die globale Konzentration beträgt etwa 50 ppb, seit der vorindustriellen Zeit erfolgte eine Zunahn-ie un-i 36%. Der positive Treibhauseffekt ist fast gleich groß wie der der FCKW. Die Abnahme des stratosphärischen Ozons verursacht einen etwa halb 50 großen negativen Treibhauseffekt. Wegen der geringen
+
633
verweilzeit gibt es zeitliche Schwankungen der troposphärischen Ozonkonzentrationen, außerdem auch räumliche Schwankungen. Daher ist der Anteil am Treibh ause ffekt unsicherer zu bestimmen als bei langlebigen Treibhausgasen. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe führt auch zu Emissionen von SO,. In der stratosphäre bilden sich daraus Sulfat-Aerosole. Sie verursachen einen negativen Treibhauseffekt der Größenordnung des stratosphärischen Ozons, sind also treibhausbremsend. Auch bei starken Vulkanausbrüchen entstehen durch SO,-Emission kurzlebige Aerosole. Der gegenwärtige Treibhauseffekt der FKW ist klein. Wegen der großen GWPWerte haben sie aber ein Potential für einen zukünftigen Einfluß auf das Klima. Die klimatischen Veränderungen im 20. Jahrhundert, besonders in den letzten 30-35 Jahren sind bereits Signale für die Wirkung anthropogener Spurengase. Beispiele dafür sind: Die Erhöhung der globalen mittleren Oberfliichentemperatur um 0,6 K. Auf der Nordhalbkugel war das 20. Jahrhundert das wärmste der letzten 1000 Jahre. Das Jahrzehnt 1990-2000 war die wärmste Dekade des Jahrhunderts. In den letzten hundert Jahren stieg der Meeresspiegel um 0.1-0,2m an, die Oberflächenten-iperatur erhöhte sich. Rückbildung von Gletschern in nichtpolaren Regionen. Seit 1960 hat die Schneedecke um 10 % abgenommen. Verringerung der Ausdehnung und Dicke der arktischen Ozeaneisdecke. Nr7c.h ~ ~ y c ~ r ~ i i ~ ' iEr.l\c.r~nrt~is rtigcr ist 1v.i ii,ritrr wl~ychr.c~rnstrr Eiili.s.sioii rorl 7kihhrri~rgascw gqc,rl Eii(1c r k . s 21. Jrrhrhirrltlc~~t~ eirrc~ f i ~ ~ t ~ ~ ~ c ~ r r i t ~ / roii r c ~ ~I,F ~ I i4.5 ijIk ~'~ril ~i~,y rriivrtcw. Bei einer Erwärmung um 2 Grad hätte unser Planet eine Temperatur erreicht, die er seit 120 000 Jahren nicht hatte. Bcrlroh1it.h~k'lir~~n
634
4 Die Elemente der Hauptgruppen
4.11 Umweltprobleme
schen wird sich drastisch erhöhen. Der Meeresspiegel steigt weiter an, es müssen Millionen Menschen aus Flußlandschaften und Küstcnbcrcichen, aber auch aus ver-. ödeten Landschaften umgesiedelt werden. Die Luftverschmiitzung in Städten n i m m t ZU.Das Absterben von KorallenrifYen und d a s Abschmelzen von Gletschern geht weiter. Das Klima hat für unsere Gesellschaft größte Bedeutung. Es beeinflußt nicht nur die wirtschafliclle Situation, sondern auch d a s soziale Leben. Klima und Kultui. sind cng vcrbundcn. In der Vcrgüngcnhcit war Zivilisation irnmer von stabilen Klimabedingungen abhängig. U m eine drohende Klimakatastrophe abzuwenden, mijlJte der Temperaturanstieg vor allem durch Verminderung der CO,-Emission begrenzt werden (CO, ist Hauptverursacher des Treibhauseffekts). Dazu sind Energiespai.. maßnahmen und Energieerzeugung durch alternative Energiequellen erforderlich. Tabelle 4.24 CO,-Emissionen und Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie 1999
1
635
D a s nationale Klimaschutzziel Deutschlands war eine Verminderung der CO,~ ~ i s s 1 um 0 n 25 O/O. relativ zu 1990. bis 2005 (bis 2000 wurde eine Verminderung um 1 % crrcicht). Erfüllbar ist aber die nach dem Kyoto-Protokoll eingegangene vcrpHichtung die Emission von 6 Treibhausgasen bis 2012 u m 21 % zu reduzieren. Erreicht wurden 2002 bereits 19% (berechnet in CO ,-Ä q uivalenten). Die Reduktion der CO,-Emissioli soll durch EnergiesparmalSiiahmen (Wärme-Kraft-Koppluiig. Wärmedämmung im Gebäudebereich. spiirsilme Kraftfahrzeuge, Reduktion des ~ t ~ ~ ~ v e r b r a uund c h serneuerbare ) Energien (So1;irenergie. Windsnergie, Geothermis) erreicht werden. 2002 betrug der Anteil erneuerbarer Energien a n der Stronicrrcugung 7,J%. davon Wasserkraft 4.5%. Windenergie 2,9O/i und PhotovoIti>ik 0,01%. Bis 2010 soll der Anteil a n der Stromerzeugung auf lZnA gesteigert werden. Die stärkste Entwicklung erfolgte bei der Wiiidkraft. Die CO,-Emissionen und die Anteile der Verursacher in Deutschland für 2002 enthält die Tabelle 4.25.
-.
Land jErdteil
CO,-Emission in Gt in 910 in t,'Einw. .
USA
China Japan
Lateinamerika Deutschland Afrika Großbritannien Kanada Frankreich Australien Welt
20.5
1.13 0,84
9.1 8.1 10.0 0.9 9.0
0,82
3.8 3,7
0,66 0,52 0,50
2.3
0.38
1,7
0,33 21,06
3,O 2,4
1,5
2.4
16.0 6.0
17.0 3.9
Pro-Kopf-Verbrauch in GJ (Gigajoule)
-~
5.52 25,O 7,97 13,5 5,l
LandiErdteil Kanada USA Australien Frankreich Deutschland Japan Großbritannien Brasilien Ägypten China Indien
-
336 334
239 169
160 153 159 29 26 24 13
Die Tabelle 4.24 enthält für die wichtigsten Industrieländer und einige Erdteile 4ngabsn über die CO,-Emissionen. Hauptverursacher sind auf Grund des hohen Pro-Kopf-Verbrauchs a n Primärenergiedie Industriestaaten. Ein Viertel verursachen illein die USA. Es gab mehrere internationale Konferenzen zu einer Klimarahmenkonvention nit dem Ziel die weltweiten Treibhausgasemissionen zu reduzieren. In Kioto 1997 vurde beschlossen, die wichtigsten Treibhausgase in ihrcr Summc um 5 % bis zunl I -eltraum 2008-201 2 relativ zu 1990 b7w. 1995 zu reduzieren. Die EU verpflichtete ich zu einer Gesamtminderung um 8% mit unterschiedlichen iintionalen Kontine n t e n Erst 2001 in Bonn beschlossen die teilnehmeiiden Staaten (ohne U S A ) die Jmsetzung dieser Beschlüsse. Die in Kioto festgelegten Minderungen sind jedoch ireine wirksame Begrenzung der Treibhausgase ungenügend. Es sind weitergehende fafinahmen erforderlich. Die Zeit, dic bleibt, um reclitnitig wirksanie MaOiiaIimen urchzusetzen, ist kurz, und die Lösung des Treibhauseffekts ist wesentlich schwieger als die des 0zonproblems. '
Gesamterriission Energieinduatrie (Kraft- und Fernheizwerke etc.) Verkehr Haushnlte. Kleinverbraucher. Landairtschaft Verarbeitendes Gewerbe Industrieprozesse
XI1
356
.
- T
23
41
3n
3
4.11.1.3 Rohstoffe Die meisten technisch genutzten Metalle sind nur mit einem sehr geringen niittleren Massenanteil in der Erdkruste vorhanden. Er ist zusammeli mit dem sogenannte11 Grenzmassenanteil für wichtige Metalle in der Tabelle 4.26 angegeben. Der Grenzmassenanteil ist derjeriige Metallgehalt eines Erzes, der nach heutigen technologischen und wirtschaftlichen Maßstäben eirien kommerziellen Abbau erlaubt. Auch wenn sich dieser Wert durch verbesserte Tech~iologienund Marktfaktoren erniedrigen würde. so bliebe doch bei den meisten Metalleii das Verhiiltais Grenzmassrnanteil/Mittlercr Massenanteil so groß, d a ß Energieaufwand und Um~reltbelastungenbei der Gewinnung nicht tragbar wären. Nur Eisen. Aluminiuni und